Was Familien für eine Reise in die USA und nach Kanada zusätzlich einpacken sollten – und worauf es bei der medizinischen Versorgung vor Ort ankommt.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel ersetzt keine individuelle reisemedizinische Beratung. Er dient der Orientierung und der Vorbereitung auf das Gespräch in der kinderärztlichen Praxis. Ob, welche Impfungen, welche Malariaprophylaxe oder welche zusätzliche Ausrüstung Ihr Kind für eine konkrete Reise benötigt, besprechen Sie bitte persönlich und rechtzeitig – bei Fernreisen idealerweise 4 bis 6 Wochen vor Abreise – mit Ihrer Kinderärztin, Ihrem Kinderarzt oder einer reisemedizinischen Praxis.

8 Nordamerika: USA

Das CDC Yellow Book widmet Familien ein eigenes Kapitel ("Traveling Safely with Infants and Children"). Zentrale Empfehlungen: Säuglinge unter 6 Monaten sollten möglichst im Schatten bleiben statt eingecremt zu werden, ab 6 Monaten werden physikalische Sonnenfilter (Zinkoxid/Titandioxid) bevorzugt, da sie die empfindliche Kinderhaut weniger reizen. Als Insektenschutz nennt das CDC DEET, Picaridin und IR3535 ohne generelle Altersbeschränkung, wobei bei unter 2-Jährigen die Hände ausgespart werden sollten; die amerikanische Kinderärzte-Fachgesellschaft AAP empfiehlt bei Kleinkindern nur 20–30 % DEET.

Ø Notaufnahme-Kosten Kinder440 USDAHRQ 2021, 0–17 Jahre, bereits vergünstigter Durchschnittswert
Blinddarm-OP ohne Versicherungca. 6.600 USDCash-Preis im Schnitt, Spanne bis über 230.000 USD
Lyme-Fälle USA 2023>89.000 gemeldetCDC; real geschätzt ca. 476.000 behandelte Fälle/Jahr
Lyme-SchwerpunktNY, PA, NJ47,4 % aller US-Fälle 2019–2023

Die Europäische Krankenversicherungskarte gilt in den USA nicht – Behandlungskosten müssen grundsätzlich selbst getragen werden. Die genannten Notaufnahme-Durchschnittswerte betreffen bereits abgerechnete Fälle; für Selbstzahler liegen Rechnungen oft deutlich höher (Beinbruch mit OP: 7.500–35.000 USD). Eine Auslandsreise-Krankenversicherung mit hoher Deckungssumme (Fachseiten nennen oft mehrere hunderttausend Euro) inklusive Rücktransport ist für USA-Reisen daher praktisch unverzichtbar.

Zeckenübertragene Lyme-Borreliose konzentriert sich stark auf den Nordosten (Neuengland-Staaten sowie New York, Pennsylvania, New Jersey) – hier gelten dieselben Zeckenschutz-Grundsätze wie in Europa: permethrinbehandelte Kleidung, DEET/Icaridin auf freier Haut, tägliche Kontrolle. Klimatisch reicht die Bandbreite von extremer Hitze im Südwesten (Phoenix/Arizona: 2026 bereits 44 offizielle Hitzewarnungstage bis Ende August, Tageshöchstwerte 43–46 °C) bis zu Höhenlagen in den Rocky Mountains (Skigebiete auf 2.500–3.500 m) – Kinder sind laut CDC ebenso anfällig für Höhenkrankheit wie Erwachsene. Dauermedikamente sollten in Originalverpackung mit ärztlichem Attest (Wirkstoffname statt nur Handelsname) und für maximal rund 30 Tage Eigenbedarf mitgeführt werden.

9 Nordamerika: Kanada

Kanada hat zwar ein öffentliches Gesundheitssystem, das gilt aber nur für Ansässige – Touristen müssen Behandlungen ebenfalls vollständig selbst bezahlen, die EHIC ist auch hier ungültig. Ein Beispiel aus Ottawa (Queensway Carleton Hospital) zeigt die Größenordnung für nicht versicherte Besucher: Notaufnahme-Besuch ca. 1.242 CAD, ein Tag auf Normalstation 4.005 CAD, ein Tag Intensivstation 15.642 CAD.

Lyme-Fälle Kanada 20245.809PHAC; +20 % gegenüber 2023, Trend stark steigend
Lyme- 202414,1/100.000gegenüber 6,5/100.000 im Jahr 2022
Betroffene ProvinzenOntario, Nova Scotiazusammen >80 % der Fälle 2024
Winterkälte Nordkanadabis −50 °CYukon/Nordwest-Territorien, gefühlt bis −64 °C

Die Lyme-Borreliose-Fallzahlen steigen in Kanada besonders dynamisch: von 1.617 Fällen (2020) auf 5.809 (2024) und geschätzt über 7.000 (2025, vorläufig), mit Ontario und Nova Scotia als Schwerpunkten und einem saisonalen Höhepunkt im Juni bis August; Kinder zwischen 5 und 9 Jahren waren 2024 auffällig häufig betroffen. Zusätzlich registriert die kanadische Gesundheitsbehörde PHAC seltenere zeckenübertragene Erkrankungen wie Anaplasmose. Reisen in die Rocky Mountains (Banff, Lake Louise) bergen dasselbe Höhenkrankheitsrisiko wie auf US-amerikanischer Seite – die kanadischen Reisehinweise empfehlen, mit Kindern möglichst nicht über 2.500 m zu reisen und den Aufstieg auf maximal 300 Höhenmeter pro Tag zu begrenzen. Bei Winterreisen in den hohen Norden (z. B. Nordlichter) ist konsequenter Kälteschutz wichtig. Für Dauermedikamente gelten dieselben Empfehlungen wie für die USA: Originalverpackung, ärztliches Attest mit generischem Wirkstoffnamen, ausreichender Vorrat im Handgepäck.

Alle Kapitel dieses Ratgebers

  1. 1. Weltkarte und Basis-Reiseapotheke Abschnitt 1–2 · 2
  2. 2. Europa: Mitte, Norden, Süden, Westen, Osten Abschnitt 3–7 · 5
  3. 3. Nordamerika: USA und Kanada Abschnitt 8–9 · 2
  4. 4. Tropen, Afrika, Naher Osten und Türkei Abschnitt 10–12 · 3
  5. 5. Asien und Russland Abschnitt 13–16 · 4
  6. 6. Australien, Ozeanien und Südamerika Abschnitt 17–18 · 2
  7. 7. Häufige Fragen und Quellen Abschnitt 19–20 · 2