Asien und Russland
Indien und Südasien, Russland, Ostasien mit China, Japan und Südkorea sowie Südostasien: was je nach Ziel zusätzlich in die Reiseapotheke gehört.
Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel ersetzt keine individuelle reisemedizinische Beratung. Er dient der Orientierung und der Vorbereitung auf das Gespräch in der kinderärztlichen Praxis. Ob, welche Impfungen, welche Malariaprophylaxe oder welche zusätzliche Ausrüstung Ihr Kind für eine konkrete Reise benötigt, besprechen Sie bitte persönlich und rechtzeitig – bei Fernreisen idealerweise 4 bis 6 Wochen vor Abreise – mit Ihrer Kinderärztin, Ihrem Kinderarzt oder einer reisemedizinischen Praxis.
13 Indien und Südasien
Länder dieser Region: Indien, Nepal, Sri Lanka.
In Indien besteht Malariarisiko landesweit, einschließlich Mumbai und Neu-Delhi – ausgenommen sind nur wenige Höhenlagen über 2.000 m. Reisedurchfall ist häufig: Bei Säuglingen und Kleinkindern sind zu rund 70 % Viren die Ursache (bei Erwachsenen unter 20 %), konsequente Wasser-/Lebensmittelhygiene ist daher zentral.
Straßenhunde mit Tollwut sind in Indien laut CDC verbreitet; Hunde verursachen über drei Viertel der geschätzten 9,1 Millionen jährlichen Tierbisse im Land. Wichtiger Warnhinweis: In Indien zirkulieren gefälschte Tollwut-Impfstoffe – eine Postexpositionsprophylaxe sollte nur in seriösen medizinischen Einrichtungen erfolgen. Die Hitzewelle April–Juni 2024 zeigte mit über 40.000 Hitzschlag-Fällen und Temperaturen über 50 °C in Rajasthan das Ausmaß des Hitzerisikos – eine Reisezeit außerhalb dieser Monate ist für Familien mit Kleinkindern empfehlenswert.
In Nepal beschränkt sich Malaria auf das Terai-Tiefland unter 2.000 m; Kathmandu, Pokhara und die klassischen Himalaya-Trekkingrouten sind malariafrei. Dafür ist Höhenkrankheit beim Trekking ein zentrales Thema: Die Everest-Base-Camp-Route führt von Lukla (2.846 m) bis zum Base Camp (5.364 m), der Annapurna Circuit über den Thorong-La-Pass (5.416 m). Bei Kleinkindern äußert sich beginnende Höhenkrankheit oft nur unspezifisch durch Reizbarkeit, Trinkschwäche und Schlafstörungen – ein langsamer, stufenweiser Aufstieg mit Akklimatisierungstagen ist die wichtigste Vorbeugung. Sri Lanka gilt seit 2016 offiziell als malariafrei, hat aber aktuell ein stark steigendes Dengue-Problem (2026 bereits +146 % Fälle gegenüber dem Vorjahreszeitraum) – konsequenter Mückenschutz bleibt hier zentral.
14 Russland
Russland gehört zu den weltweit am stärksten FSME-belasteten Ländern – mit einer Besonderheit gegenüber Mitteleuropa: Dort zirkulieren drei Virus-Subtypen mit sehr unterschiedlicher Schwere.
Endemiegebiete umfassen den europäischen Teil Russlands (damit auch das weitere Umland von Moskau und St. Petersburg), den südlichen Ural sowie weite Teile Sibiriens und des Fernen Ostens, wo die schwereren Subtyp-Varianten vorherrschen. Eine aktuelle Studie (2025) zeigt das Gefälle deutlich: Während in der Region St. Petersburg/Leningrad nur 4,3–8,7 % der Bevölkerung schützende Antikörper aufweisen, sind es in Sibirien und dem Fernen Osten deutlich mehr – dort ist auch ein knappes Drittel der Bevölkerung bereits geimpft. Für Kurzaufenthalte in den Stadtzentren Moskau/St. Petersburg ist das FSME-Risiko gering, steigt aber bei Ausflügen ins Umland, in Wälder und Datscha-Gebiete; bei geplanten Sibirien- oder Ferner-Osten-Aufenthalten (auch Transsib-Reisen) ist eine FSME-Impfung für Kinder ab dem zugelassenen Alter dringend zu erwägen.
Die medizinische Versorgung ist in Moskau und St. Petersburg deutlich besser als in ländlichen Regionen, wo laut britischen Behördenangaben teils nicht einmal Einweg-Infusionsbestecke Standard sind. Tollwut kommt bei Streunerhunden und Wildtieren vor, Postexpositionsprophylaxe ist außerhalb der Großstädte nicht immer zuverlässig verfügbar. Da die EHIC in Russland nicht gilt, ist eine private Auslandsreise-Krankenversicherung mit Rücktransportdeckung unverzichtbar.
15 Ostasien
Länder dieser Region: China, Japan, Südkorea.
In China ist die Japanische Enzephalitis (JE) das wichtigste mückenübertragene Risiko für Kinder in ländlichen Gebieten: Weltweit erkranken jährlich rund 100.000 Menschen, mit rund 25.000 Todesfällen; die Mehrheit der Fälle betrifft Kinder unter 15 Jahren, etwa 30 % der symptomatischen Fälle verlaufen tödlich, 20–30 % der Überlebenden behalten dauerhafte neurologische Schäden zurück. Der Impfstoff Ixiaro ist ab 2 Monaten zugelassen: Kinder von 2 Monaten bis 3 Jahren erhalten die halbe Dosis (0,25 ml) zweimal im Abstand von 4 Wochen, ab 3 Jahren die volle Dosis (0,5 ml) im gleichen Schema.
Chinas Luftverschmutzung ist stark saisonal: Der Jahresdurchschnitt lag 2025 landesweit beim 5,9-Fachen des WHO-Richtwerts, mit deutlich höherer Belastung in den Wintermonaten (Heizperiode/Smog) als im Sommer – für Kinder mit Asthma oder Atemwegsproblemen relevant. China hat zudem nach Indien weltweit die zweithöchste Tollwutbelastung. Japan gilt reisemedizinisch als sehr sicheres Land mit hervorragender medizinischer Infrastruktur; als Naturbesonderheit ist Japan seismisch sehr aktiv (163 Erdbeben der Stärke 7,0–7,9 zwischen 1900 und 2016), verfügt aber über eine gut ausgebaute Frühwarninfrastruktur. Sommer in Tokio sind zunehmend heiß und schwül (2024: mindestens 59 hitzebedingte Todesfälle, Rekordtemperaturen an über 60 Wetterstationen). Südkorea bietet ebenfalls sehr gute medizinische Versorgung; ein Malariarisiko besteht nur regional (Grenzgebiet zur DMZ), das Hantavirus-bedingte HFRS ist ein ländliches Risiko mit saisonalem Gipfel im Winter/Frühjahr.
16 Südostasien
Länder dieser Region: Thailand, Vietnam, Indonesien (v. a. Bali), Philippinen, Malaysia.
| Land | Malaria | Besonderheit |
|---|---|---|
| Thailand | Grenzprovinzen zu Myanmar/Kambodscha; Bangkok, Phuket, Koh Samui, Pattaya risikoarm bis -frei | Tollwut bei Streunerhunden und Tempel-Affen (z. B. Lopburi) – Kinder nicht anfassen/füttern lassen |
| Vietnam | nur ländliche Gebiete, Städte (Hanoi, Ho-Chi-Minh-Stadt u. a.) malariafrei | Japanische Enzephalitis ländlich: Sterblichkeit bei Kindern unter 5 Jahren höher als in anderen Altersgruppen |
| Indonesien/Bali | Ost-Indonesien (Papua, Maluku u. a.) Hochrisiko; Bali malariafrei | Tollwutausbruch auf Bali seit 2008 (bis 2010 rund 78 Tote); aktuelle CDC-Warnung (Aug. 2026): Zika-Fälle bei Bali-Rückkehrern, Schwangeren wird von Bali-Reisen abgeraten |
| Philippinen | Palawan und Mindanao-Inselgruppe; Metro Manila malariafrei | Taifunsaison Juni–November, 2025 mit über 288 Toten durch einen einzelnen Taifun |
| Malaysia | Malaysisch-Borneo (P.-knowlesi-„Affenmalaria"); malaysische Halbinsel inkl. Kuala Lumpur malariafrei | – |
Dengue-Fieber ist in der gesamten Region ganzjährig relevant – Thailand und Indonesien zählen laut WHO zu den 30 am stärksten dengue-endemischen Ländern weltweit, mit einem Anstieg der gemeldeten Fälle in der WHO-Region Südostasien um 46 % zwischen 2015 und 2019 (bei gleichzeitig sinkender Sterblichkeit dank besserer Behandlung). Da die Dengue-Mücke tagaktiv ist, reicht ein Moskitonetz allein nachts nicht aus – Repellent sollte ganztägig aufgetragen werden.
Alle Kapitel dieses Ratgebers
- 1. Weltkarte und Basis-Reiseapotheke Abschnitt 1–2 · 2
- 2. Europa: Mitte, Norden, Süden, Westen, Osten Abschnitt 3–7 · 5
- 3. Nordamerika: USA und Kanada Abschnitt 8–9 · 2
- 4. Tropen, Afrika, Naher Osten und Türkei Abschnitt 10–12 · 3
- 5. Asien und Russland Abschnitt 13–16 · 4
- 6. Australien, Ozeanien und Südamerika Abschnitt 17–18 · 2
- 7. Häufige Fragen und Quellen Abschnitt 19–20 · 2
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