Von der Bergwanderung in den Alpen über den Ostseeurlaub im Baltikum und den Strandurlaub am Mittelmeer bis zum Städtetrip nach London und zur Reise auf den Balkan: was je nach europäischer Region zusätzlich in die Reiseapotheke gehört.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel ersetzt keine individuelle reisemedizinische Beratung. Er dient der Orientierung und der Vorbereitung auf das Gespräch in der kinderärztlichen Praxis. Ob, welche Impfungen, welche Malariaprophylaxe oder welche zusätzliche Ausrüstung Ihr Kind für eine konkrete Reise benötigt, besprechen Sie bitte persönlich und rechtzeitig – bei Fernreisen idealerweise 4 bis 6 Wochen vor Abreise – mit Ihrer Kinderärztin, Ihrem Kinderarzt oder einer reisemedizinischen Praxis.

3 Mitteleuropa

Länder dieser Region: Deutschland, Österreich, Schweiz, Liechtenstein, Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien.

Alle neun Länder sind EU- bzw. EWR-Mitglieder oder eng mit der EU assoziiert. Für Reisen innerhalb dieser Region sind klassische Fernreise-Themen wie Malariaprophylaxe, Gelbfieberimpfung oder Wasserdesinfektion nicht relevant – die Basis-Reiseapotheke oben deckt die meisten Situationen bereits gut ab. Zwei evidenzbasierte Ergänzungen fehlen der Basisliste jedoch: Zeckenschutz und Sonnenschutz.

FSME-Impfquote Österreichca. 85–90 %AGES – die höchste Durchimpfungsrate weltweit gegen eine zeckenübertragene Erkrankung
FSME-Impfquote Tschechienca. 40 %bei gleichzeitigem 10-Jahres-Fallzahlrekord 2025 (SZÚ)
FSME-Risikogebiete Deutschland183 LandkreiseRKI, Stand Anfang 2025, Schwerpunkt Bayern/Baden-Württemberg
Höhenkrankheits-Faustregelmax. +500 Hm/Nachtab einer Schlafhöhe von 2.500 m

FSME im Ländervergleich

LandFSME-RisikoeinstufungEinordnung/Fallzahlen
ÖsterreichGesamtes Bundesgebiet als Risikogebiet2024: 163 Fälle, 2025 (vorläufig): 147 Fälle (AGES); Impfquote ca. 85–90 %
SchweizGanzes Land außer Kanton Tessinim Schnitt ca. 100 Fälle/Jahr, Ausreißerjahre 2005/2006 mit 200–250 Fällen
Deutschland183 Landkreise (Stand Anfang 2025), Schwerpunkt Bayern (~46 % der Fälle) und Baden-Württemberg (~37 %)jährlich mehrere hundert Fälle, Tendenz seit Jahren steigend, bisheriger Höchststand um 2020 – genaue Jahreswerte schwanken je nach Quelle, daher hier bewusst als Größenordnung angegeben
SlowenienEines der Länder mit der höchsten FSME- Europasim Schnitt ca. 100 Fälle/Jahr in der letzten Dekade (NIJZ) – bezogen auf die kleine Einwohnerzahl eine sehr hohe Pro-Kopf-Belastung
TschechienNaturherde im ganzen Land2025 Zehnjahresrekord bei den Fallzahlen, Impfquote in der Bevölkerung nur ca. 40 % (SZÚ)
Polen, Slowakei, UngarnBekannte FSME-Naturherde (u. a. Nordosten Polens)keine belastbaren, einheitlich verifizierten Landesstatistiken auffindbar – Zeckenschutz gilt hier ebenso wie in den Nachbarländern

FSME wird durch Zeckenstiche übertragen, aber auch – ein oft unterschätzter zweiter Weg – über unpasteurisierte Milch und Rohmilchprodukte von infizierten Ziegen, Schafen oder Kühen. Wichtig zu wissen: Die FSME-Impfung schützt nur vor FSME, nicht vor der deutlich häufigeren Lyme-Borreliose, gegen die es keine Impfung gibt, die aber meist gut mit Antibiotika behandelbar ist. Für die Reiseapotheke bedeutet das konkret:

  • Zeckenzange oder Zeckenkarte zum sicheren Entfernen
  • Repellents mit DEET, Icaridin oder IR3535 in kindgerechter Konzentration (DTG)
  • Tägliche Ganzkörperkontrolle nach Aufenthalt im Grünen (Kopfhaut, Ohren, Kniekehlen, Leisten)
  • Eine sich ausbreitende Rötung um die Stichstelle oder grippeähnliche Symptome nach Zeckenstich gehören ärztlich abgeklärt

Die FSME-Impfung selbst ist kein Apotheken-Produkt, sondern eine Vorsorgemaßnahme mit Vorlauf (die Grundimmunisierung braucht mehrere Wochen, Schnellimmunisierungsschemata sind bei kurzfristigem Reiseantritt möglich) – sie gehört in ein rechtzeitiges Gespräch mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt, insbesondere ab dem vollendeten 1. Lebensjahr.

Sonnenschutz, Höhenkrankheit und Versicherung

UV-Intensität steigt mit der Höhe (Faustregel: rund 10 % pro 1.000 Höhenmeter), verstärkt durch Schneereflexion bei Frühjahrsskiurlauben. Die DTG empfiehlt für Kinder mineralische (physikalische) statt chemische Sonnencremes mit hohem Lichtschutzfaktor, dazu UV-Schutzkleidung und Kopfbedeckung. Bei Bergtouren mit Kindern gilt als grobe Faustregel: erste Übernachtung höchstens auf 2.500 m, danach maximal 500 Höhenmeter Steigerung der Schlafhöhe pro Nacht, mit Aufmerksamkeit für Kopfschmerzen, Übelkeit oder Schlafstörungen des Kindes.

Die Europäische Krankenversicherungskarte (e-card-Rückseite/EHIC) gilt in allen EU-/EWR-Ländern sowie in der Schweiz und deckt medizinisch notwendige Behandlung zu den vor Ort geltenden Bedingungen ab. Ein wichtiger Punkt wird dabei oft übersehen: Der Krankenrücktransport ist von der EHIC nicht gedeckt – gerade bei einem Skiunfall in den Alpen ein guter Grund für eine zusätzliche Auslandsreise-Krankenversicherung mit Rücktransportklausel.

Deutschland (seit 2008), Österreich (seit 28.9.2008) und die Schweiz (seit 1999) gelten als tollwutfrei; ein geringes Restrisiko besteht durch Fledermäuse. Kinder sollten daher grundsätzlich weder wildlebende noch verletzt wirkende Tiere anfassen.

4 Nordeuropa und Baltikum

Länder dieser Region: Schweden, Norwegen, Dänemark, Finnland, Island, Estland, Lettland, Litauen.

Diese Region gehört zu den europaweit am stärksten von FSME betroffenen Gebieten – mit teils sehr hohen, in den letzten Jahren steigenden Fallzahlen. Für die EU/EWR insgesamt meldete das ECDC 2022 3.650 FSME-Fälle (0,81 pro 100.000 Einwohner, +14 % gegenüber 2021), 90 % der Fälle traten zwischen Juni und November auf, mit einem Erkrankungsgipfel im Juli.

FSME- Åland (Finnland)29/100.000/Jahr2006–2023, eine der höchsten weltweit gemeldeten Raten
FSME-Anstieg Norwegen1 → 113 Fälle1998 bis 2023, Hotspot Telemark/Vestfold
Anteil Baltikum an EU/EWR-Fällen>50 %Litauen, Lettland, Estland zusammen, 2012–2020
Impfeffektivität Baltikum97–99,6 %Estland/Lettland/Litauen, 2019–2023
LandFSME-Einordnung
LitauenHöchste Meldeinzidenz der EU/EWR: 16,2 Fälle/100.000/Jahr; Impfeffektivität 99,6 %
Lettland9,5 Fälle/100.000/Jahr; FSME-Impfung im nationalen Impfprogramm; Impfeffektivität 99,0 %
Estland7,5 Fälle/100.000/Jahr; Impfeffektivität 97,4 %
Schweden2018–2022: 2.015 Fälle, 82,8 % davon ungeimpft; Hotspots Ostküste/Mälarregion (u. a. Insel Torö); Impfeffektivität bei Kindern 1–15 Jahre: 86 %
Finnland (bes. Åland)Åland: 145 Fälle 2006–2023, 81 % hospitalisiert, 9 % Intensivpflege; allgemeines Impfprogramm auf Åland eingeführt
NorwegenStarker Anstieg 1998–2023 (1 → 113 Fälle/Jahr), Hotspots Telemark und Vestfold
DänemarkHistorisch selten (1–14 Fälle/Jahr), klassisches Gebiet Insel Bornholm, seit 2019 neuer Mikroherd in Nordseeland
IslandFSME spielt praktisch keine Rolle; Lyme-Borreliose (noch) nicht als etabliert eingestuft, obwohl Borrelien 2025 in knapp 10 % untersuchter Zecken nachgewiesen wurden

Bei mehr als 4.300 in einer aktuellen Studie erfassten baltischen FSME-Fällen (2019–2023) waren 87,3 % hospitalisiert und 0,8 % verstarben – ein deutlicher Hinweis, wie ernst die Erkrankung genommen werden sollte. Für die Reiseapotheke gilt hier dasselbe wie in Mitteleuropa: Zeckenzange/-karte mitnehmen, Repellents mit DEET oder Icaridin verwenden, Kinder nach Outdoor-Aktivitäten gründlich absuchen. Bei geplanten Sommeraufenthalten mit Outdoor-Programm in den genannten Risikogebieten sollte die FSME-Impfung für Kinder ab 1 Jahr rechtzeitig vor Abreise besprochen werden.

Auch wenn die Lufttemperatur im Sommer moderat bleibt, ist die UV-Belastung – insbesondere durch Mitternachtssonne bzw. sehr lange Tageslichtstunden im hohen Norden sowie Reflexion durch Wasser – nicht zu unterschätzen; Sonnencreme, Kopfbedeckung und Sonnenbrille gehören daher auch hier in den Koffer. Bei Winterreisen (Lappland, Island, norwegische Fjorde) sind Kälteschutz (Fettcreme/Lippenpflege gegen Wind, ausreichend Wechselkleidung) sowie das Erkennen von Erfrierungs- und Unterkühlungszeichen wichtig, da Kinder wegen ihres ungünstigeren Verhältnisses von Körperoberfläche zu Körpermasse schneller auskühlen als Erwachsene.

5 Südeuropa und Mittelmeerraum

Länder dieser Region: Italien, Spanien, Frankreich (v. a. Mittelmeerküste), Portugal, Griechenland, Kroatien, Malta, Zypern.

Malaria spielt in keinem dieser acht Länder mehr eine Rolle (Institut Pasteur). Die wichtigsten Themen für Familien sind stattdessen Hitze/Sonne, die sich ausbreitende Asiatische Tigermücke und – am Strand – Quallen.

Tigermücke etabliert in16 EU-LändernECDC 2026 – doppelt so viele wie vor 12 Jahren
West-Nil-Fälle 2026429in 9 europäischen Ländern, davon 6 Regionen erstmals betroffen (ECDC)
Empfohlener SonnenschutzLSF 30–50CDC-Minimum LSF 15, pädiatrisch üblich deutlich höher
Malariarisikokeinesfür alle 8 Länder, Institut Pasteur

Sonnenschutz und Hitze

Die kroatische Gesundheitsbehörde HZJZ empfiehlt Sonnenschutzmittel mit Lichtschutzfaktor über 30 sowie UV-schützende Kleidung, direkte Sonne zwischen 10 und 17 Uhr zu meiden und bei Überhitzungszeichen alle 15–20 Minuten kleine Schlucke Wasser anzubieten. Alarmzeichen für einen Hitzschlag – heiße, trockene Haut, Verwirrtheit, Ohrensausen, Krämpfe oder Bewusstlosigkeit – erfordern sofort den Notruf. Kinder sollten nie in geparkten Fahrzeugen zurückgelassen werden.

Insektenschutz: die Asiatische Tigermücke breitet sich aus

LandTigermücke etabliert seit
Italien1990/91 (am stärksten betroffenes Land Europas)
Frankreich1999 Festland, Korsika seit 2002/2005
Spanien2004 (zunächst Katalonien)
Griechenland2003
Kroatien2004
Maltazunehmend seit 2010
Zypernseit 2022, jüngste Etablierung der Region

Die Tigermücke selbst überträgt Krankheiten nur, wenn sie zuvor eine bereits infizierte Person (meist Heimkehrer aus Endemiegebieten) gestochen hat – das Erkrankungsrisiko für Dengue oder Chikungunya bleibt für Urlauber daher gering, aber real: Norditalien und Südfrankreich verzeichnen inzwischen fast jeden Sommer kleinere Ausbruchscluster. Wichtig für Kinder: Die Tigermücke ist tagaktiv, Repellent sollte daher auch tagsüber aufgetragen werden, nicht nur abends.

Quallen: die richtige Erste Hilfe

Im westlichen Mittelmeer dominiert die Leuchtqualle (Pelagia noctiluca), im östlichen Mittelmeer u. a. Rhizostoma pulmo und die eingewanderte Rhopilema nomadica. Bei einem Quallenkontakt gilt:

  • Kind aus dem Wasser bringen, Tentakelreste mit Pinzette entfernen
  • Mit Meerwasser abspülen – niemals Süßwasser, das aktiviert weitere Nesselzellen
  • Nicht mit Sand oder Handtuch abreiben
  • Möglichst heißes, gerade noch erträgliches Wasser (ca. 40–45 °C) für 20–45 Minuten lindert den Schmerz wirksamer als der früher übliche Essig
  • Sofort ärztliche Hilfe bei großflächigem Stich, Zeichen einer allergischen Reaktion (Atemnot, Gesichtsschwellung) oder Stich im Gesicht/Augenbereich

Die in der Basisliste enthaltene kühlende Wundsalbe bzw. das Antihistaminikum eignen sich gut zur Nachbehandlung. Tollwut spielt in der Region praktisch keine Rolle mehr (Italien seit 2013 wieder frei, Spanien/Frankreich/Portugal/Kroatien/Malta/Zypern gelten bei Hunden als frei) – einzige Ausnahme ist Griechenland, wo seit 2012 wiederholt Wildtiertollwut bei Füchsen im Norden auftrat.

6 Westeuropa und Britische Inseln

Länder dieser Region: Vereinigtes Königreich, Irland, Belgien, Niederlande, Luxemburg.

Das britische NaTHNaC (National Travel Health Network and Centre) nennt für die Reiseapotheke von Kindern konkret: Sonnencreme, orale Rehydratationslösung, altersgerechte Schmerzmittel, Antiseptikum mit Wundverbandsmaterial, eine Pinzette, Reisekrankheitsmittel, ein Fieberthermometer sowie Zinksalbe für Kinder mit Windeln – eine Beratung wird 4–6 Wochen vor Abreise empfohlen.

Lyme- England, Kinder 1–140,88/100.0002025, niedrigste Rate aller Altersgruppen (UKHSA)
Ohrenschmerzen bei Landungca. 15 %der Kinder, NaTHNaC – Trinken/Saugen hilft
DEET-Empfehlung UK50 %, ab 2 MonatenNaTHNaC/HPSC
Reisekrankheitv. a. 3–12 Jahrehäufigste Altersgruppe laut NaTHNaC

Das eigentlich relevante Infektionsrisiko dieser Region ist nicht Fern- sondern Zeckenkrankheit: Zecken kommen laut NHS im gesamten UK vor, mit besonders hohem Risiko in Gras- und Waldgebieten Südenglands und im schottischen Hochland. Die irische HPSC schätzt mehrere hundert milde Lyme-Borreliose-Fälle pro Jahr; eine Zecke muss meist bis zu 24 Stunden angeheftet sein, bevor ein relevantes Übertragungsrisiko entsteht – schnelles Entfernen mit der Zeckenzange ist daher die wichtigste Einzelmaßnahme. Empfohlene Zeckenkontrollstellen bei Kindern: Achseln, Ohren, Bauchnabel, Kniekehlen, Leisten, Kopfhaut.

Das belgische Institut für Tropenmedizin (ITG/Wanda) und das niederländische LCR führen Kinder explizit als eigene reisemedizinische Risikogruppe: Reisedurchfall gilt als das relevanteste Einzelrisiko für junge Kinder, orale Rehydratation steht im Vordergrund, Loperamid ist laut ITG erst ab 6 Jahren geeignet. Für Luxemburg existiert keine eigene nationale Reisemedizin-Behörde – hier gelten die allgemeinen EU-Standardempfehlungen der Nachbarländer.

Seit dem Brexit wurde die britische EHIC durch die UK Global Health Insurance Card (GHIC) ersetzt; alte EHICs bleiben bis zum Ablaufdatum gültig. Die GHIC deckt medizinisch notwendige Versorgung ab, ersetzt aber ausdrücklich keine Reiseversicherung – für Reisen nach UK empfiehlt sich daher zusätzlich eine private Auslandsreise-Krankenversicherung. Innerhalb der EU (Irland, Belgien, Niederlande, Luxemburg) funktioniert die österreichische E-Card-Rückseite/EHIC wie gewohnt.

7 Osteuropa und Balkan

Länder dieser Region: Rumänien, Bulgarien, Serbien, Bosnien und Herzegowina, Nordmazedonien, Montenegro, Albanien.

Für diese Länder existieren kaum eigene, öffentlich zugängliche reisemedizinische Portale – die folgenden Angaben stammen überwiegend vom amerikanischen CDC und dem britischen NaTHNaC/TravelHealthPro, die diese Länder als Reiseziele einstufen. Das zentrale, regionsspezifische Thema ist Tollwut.

Tollwut-Todesfälle weltweitca. 59.000/JahrWHO, davon 40 % Kinder unter 15 Jahren
Streunerhunde Rumänienca. 600.000landesweite Schätzung, PETA UK 2018
Hundebiss-Opfer Bukarest 201216.192davon 3.300 Kinder
Wundversorgung nach Tierbiss15 Min. Wasser+Seifedanach sofort ärztliche Postexpositionsprophylaxe

Tollwut: Verhaltensregeln statt Medikament

In Serbien, Bosnien und Herzegowina, Nordmazedonien, Montenegro und Albanien wird Tollwut bei Haus- und Wildtieren laut NaTHNaC ausdrücklich "als Risiko eingestuft"; in Rumänien und Bulgarien ist sie bei Wildtieren (Füchsen) vorhanden, bei Hunden aber nicht häufig – beide Länder führen orale Fuchsimpfkampagnen durch. In Rumänien führte 2013 der tödliche Angriff eines Hunderudels auf einen vierjährigen Buben in einem Bukarester Park zu neuer Gesetzgebung; auch 2025 gab es dort wieder tödliche Streunerhundeangriffe auf Kleinkinder sowie den ersten menschlichen Tollwuttodesfall seit 2012. Die praktischen Konsequenzen für Familien:

  • Kindern aktiv beibringen, streunende – auch freundlich wirkende – Hunde und Katzen weder zu berühren noch zu füttern
  • Bei jedem Biss, Kratzer oder Speichelkontakt auf offener Haut: Wunde sofort mindestens 15 Minuten mit Wasser und Seife auswaschen, danach unverzüglich ärztliche Versorgung aufsuchen
  • Eine vorbeugende (präexpositionelle) Tollwutimpfung kann bei Aufenthalten über einem Monat, in ländlichen Gebieten oder bei geplantem Tierkontakt sinnvoll sein und vereinfacht die Behandlung im Ernstfall

FSME und weitere Risiken

LandFSME-Risikogebiete laut NaTHNaC
RumänienNordwesten/Siebenbürgen (u. a. Kreise Bihor, Cluj, Mureș)
Bulgarieneinige Gebiete, auch in städtischen Parks möglich
SerbienNorden und Zentrum, inklusive ländlicher Gebiete um Belgrad
Bosnien und Herzegowinaeinige Gebiete
Nordmazedonien, Montenegrokeine bestätigten Humanfälle, Vorsicht wegen Grenzlage zu betroffenen Ländern
Albanienlaut einer britischen Quelle landesweit – diese Einzelangabe war nicht durch eine zweite Quelle bestätigbar und daher mit Vorsicht zu behandeln

Ein in West-Reiseratgebern oft unterschätzter FSME-Übertragungsweg ist unpasteurisierte Milch bzw. Frischkäse von Straßenständen oder Bauernhöfen – hier lohnt für Kinder besondere Vorsicht. Rumänien und Bulgarien sind seit 2007 EU-Mitglieder, hier gilt die EHIC; die fünf übrigen Balkanländer sind (noch) keine EU-Mitglieder, die EHIC gilt dort nicht – eine private Auslandsreise-Krankenversicherung mit Rücktransport ist hier daher besonders wichtig. Medizinische Notfallversorgung ist außerhalb größerer Städte laut CDC uneinheitlich ("trauma care centers are uncommon outside urban areas"), Medikamente vor Ort können minderwertig oder gefälscht sein – wichtige Kindermedikamente sollten daher von zu Hause mitgebracht werden.

Alle Kapitel dieses Ratgebers

  1. 1. Weltkarte und Basis-Reiseapotheke Abschnitt 1–2 · 2
  2. 2. Europa: Mitte, Norden, Süden, Westen, Osten Abschnitt 3–7 · 5
  3. 3. Nordamerika: USA und Kanada Abschnitt 8–9 · 2
  4. 4. Tropen, Afrika, Naher Osten und Türkei Abschnitt 10–12 · 3
  5. 5. Asien und Russland Abschnitt 13–16 · 4
  6. 6. Australien, Ozeanien und Südamerika Abschnitt 17–18 · 2
  7. 7. Häufige Fragen und Quellen Abschnitt 19–20 · 2