Fernreisen in tropische und subtropische Gebiete stellen die höchsten Anforderungen: Malaria, Gelbfieber und Mückenschutz, dazu die regionalen Besonderheiten Afrikas, des Nahen Ostens und der Türkei.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel ersetzt keine individuelle reisemedizinische Beratung. Er dient der Orientierung und der Vorbereitung auf das Gespräch in der kinderärztlichen Praxis. Ob, welche Impfungen, welche Malariaprophylaxe oder welche zusätzliche Ausrüstung Ihr Kind für eine konkrete Reise benötigt, besprechen Sie bitte persönlich und rechtzeitig – bei Fernreisen idealerweise 4 bis 6 Wochen vor Abreise – mit Ihrer Kinderärztin, Ihrem Kinderarzt oder einer reisemedizinischen Praxis.

10 Tropen, Subtropen und Fernreisen

Bei Reisen in Malaria- oder Gelbfiebergebiete (weite Teile Afrikas, Asiens und Südamerikas) verändert sich die Reiseapotheke grundlegend. Rund drei Viertel aller Todesfälle durch die gefährliche Malaria tropica betreffen Kinder unter 5 Jahren in afrikanischen Endemiegebieten – die deutsche Fachgesellschaft DTG rät daher von Reisen mit Kindern unter 5 Jahren in Malaria-Hochrisikogebiete grundsätzlich ab. Auch voll gestillte Säuglinge benötigen bei unvermeidbarem Aufenthalt eine eigene Chemoprophylaxe, da die Muttermilch keinen ausreichenden Schutz bietet.

Malaria-Todesfälle bei Kindernca. 75 %der P.-falciparum-Todesfälle betreffen Kinder unter 5 Jahren
Gelbfieberimpfungab 9 MonatenWHO-Standardempfehlung; unter 6 Monaten kontraindiziert
Impfschutz nach Gelbfieberimpfung>99 % nach 30 TagenWHO – eine Dosis gilt als lebenslang wirksam
Tollwut-Todesfälle bei Kindernca. 40 %aller weltweiten Tollwutopfer sind unter 15 Jahre (WHO)

Malariaprophylaxe bei Kindern

Die Auswahl des Medikaments hängt von Alter, Körpergewicht und Reiseziel ab; alle folgenden Angaben sind grobe Orientierung nach der aktuellen Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin (DTG/StAR 2026) und ersetzen keine individuelle reisemedizinische Dosisberechnung:

WirkstoffAlter/GewichtBesonderheiten
Atovaquon/ProguanilJunior-Präparat ab 11 kg (Deutschland), CDC/USA bereits ab 5 kgzerstoßen mit fetthaltiger Nahrung/Milch einnehmbar; unter 8 kg individuelle Zubereitung durch Apotheke
Mefloquin1× wöchentlich; Beginn mind. 3 Wochen vor Abreiseneuropsychiatrisches Risiko bei Kindern unzureichend untersucht, ausführliche Aufklärung nötig; bitter, mit Banane/Wasser einnehmbar
Doxycyclinerst ab 8 Jahrenwegen möglicher Zahnverfärbung/Knochenwirkung bei jüngeren Kindern kontraindiziert; Tabletten nicht mörsern
Artemether/Lumefantrinab 5 kgnur zur Therapie/Notfallselbstbehandlung, nicht zur Prophylaxe; wegen Resistenzen nicht für die Mekong-Region (Thailand, Laos, Vietnam, Myanmar, Kambodscha) geeignet

Von einer mitgeführten Malaria-Notfallselbstbehandlung wird bei Kindern abgeraten, wenn die Reise mehr als 48 Stunden von der nächsten Klinik entfernt führt – bei Fieber während oder nach einem Malariagebiet-Aufenthalt ist bei Kindern immer unverzügliche ärztliche Hilfe nötig, unabhängig von mitgeführter Notfalltherapie.

Gelbfieberimpfung

Die WHO empfiehlt die Impfung standardmäßig ab 9–12 Monaten. Unter 6 Monaten ist der Lebendimpfstoff kontraindiziert, zwischen 6 und 9 Monaten besteht ein erhöhtes, wenn auch seltenes Risiko neurologischer Impfkomplikationen – die Entscheidung gehört in diesem Fenster in reisemedizinisch erfahrene Hände. Manche Länder verlangen bei Einreise einen Impfnachweis (u. a. mehrere westafrikanische Staaten sowie Französisch-Guayana generell), andere empfehlen die Impfung nur aus medizinischen Gründen, ohne sie einzufordern – die genauen Einreisebestimmungen ändern sich und sollten vor jeder Reise aktuell geprüft werden.

Mückenschutz: Wirkstoffe und Altersgrenzen im Vergleich

WirkstoffKonzentration für MalariagebieteAltersgrenzen (variieren je nach Quelle/Land)
DEET30–50 %US-EPA: keine Grenze; AAP: 10–30 % ab >2 Monaten; UK-Expertengruppe: bis 50 % ab >2 Monaten
Icaridin/Picaridin≥ 20 %UK-Expertengruppe: ab 6 Monaten; AAP: ab >2 Monaten; materialschonender als DEET
IR3535–kürzere Wirkdauer gegen Malariamücken, für Hochrisikogebiete nicht erste Wahl
Zitroneneukalyptus-Öl (PMD)–CDC: erst ab 3 Jahren; einzelne Produkte in Deutschland bereits ab 3 Monaten zugelassen

Wichtig: Sonnencreme wird immer zuerst aufgetragen, das Repellent frühestens 20–30 Minuten später. Repellent nicht auf die Hände von Kleinkindern auftragen (Mund-Kontakt), nicht ins Gesicht sprühen, sondern mit der Hand auftragen. Insektizid-imprägnierte Moskitonetze bieten deutlich besseren Schutz als unbehandelte und sollten auch für Kinderbetten verwendet werden.

Reisedurchfall, Tierbisse und Höhenkrankheit auf Fernreisen

Bei Säuglingen und Kleinkindern verursachen Viren bis zu 70 % der Durchfallfälle (bei Erwachsenen unter 20 %) – die meisten Fälle sind selbstlimitierend. Grundregel: abgekochtes oder industriell abgefülltes Wasser, keine Eiswürfel unsicherer Herkunft, "koch es, schäl es, oder lass es". Rehydratation ist die wichtigste Sofortmaßnahme; Antibiotika sind bei Kindern nicht routinemäßig nötig, sondern nur im ärztlich verordneten Einzelfall. Loperamid ist unter 2 Jahren kontraindiziert.

Bei Tierbissen/-kratzern in Tollwut-Risikogebieten – häufig etwa an Tempelanlagen Südostasiens mit Affenkontakt – gilt dieselbe Regel wie am Balkan: Wunde sofort 15 Minuten mit Wasser und Seife auswaschen, danach unverzüglich medizinische Postexpositionsprophylaxe. Bei Trekkingreisen ab rund 2.500 m Höhe können bei Kindern Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit und Schlafstörungen erste Zeichen einer Höhenkrankheit sein; da Kleinkinder Symptome oft schlecht artikulieren können, sollten Eltern auf Reizbarkeit und Appetitverlust besonders achten und bei Verschlechterung sofort absteigen.

Die genannten Grundlagen zu Malaria, Gelbfieber, Mückenschutz und Reisedurchfall gelten für Fernreisen weltweit. Die folgenden Abschnitte gehen für die wichtigsten Weltregionen ins Detail: Afrika, Naher Osten/Türkei, Indien/Südasien, Russland, Ostasien, Südostasien, Australien/Ozeanien und Südamerika.

11 Afrika

Afrika lässt sich reisemedizinisch klar zweiteilen: Nordafrika (Marokko, Tunesien, Ägypten) ist malariafrei, Subsahara-Afrika zählt zu den globalen Malaria-Hochrisikogebieten. Die WHO-Region Afrika trägt 95 % der weltweiten Malariafälle und 95 % der Malaria-Todesfälle; Kinder unter 5 Jahren machen rund 75 % dieser Todesfälle aus.

Malariafälle weltweit in Afrika95 %WHO, 2024
Tollwut-Betroffenheit Kinderfast 50 %der Tierbiss-Opfer in Afrika/Asien sind unter 15 Jahre (WHO)
Kruger-Nationalparksaisonal MalariaSept.–Mai hoch, Juni–Aug. mittel (DTG)
Kapstadt/Western Capemalariafreiganzjährig, DTG 2026

Nordafrika: Marokko, Tunesien, Ägypten

Alle drei Länder gelten als malariafrei. Die eigentlichen Risiken für Kinder sind Reisedurchfall, Hitze und – oft unterschätzt – Tollwut: Das CDC bestätigt für alle drei Länder wortgleich, dass tollwutinfizierte Streunerhunde verbreitet vorkommen. In Ägypten kommt als Besonderheit die Nil-Schistosomiasis hinzu – Baden in Nil, Seen oder unchlorierten Kanälen sollte mit Kindern vermieden werden. Hepatitis-A- und Typhus-Impfung werden für alle drei Länder empfohlen, Gelbfieber ist bei Direkteinreise nicht erforderlich.

Subsahara-Afrika: Malariarisiko im Detail

LandMalariarisikoGelbfieber bei Einreise
KeniaHoch im ganzen Land unter 2.500 m (inkl. aller Safari-Nationalparks); Nairobi-Stadtzentrum und Lagen über 2.500 m nur geringes RisikoNicht erforderlich bei Direkteinreise, empfohlen ab 9 Monaten
TansaniaHoch im ganzen Land unter 2.500 m, inklusive aller Nationalparks, Dar es Salaam und der Inseln Sansibar/Pemba/Mafia; nur der Kilimanjaro-Gipfelbereich risikoarmPflicht nur bei Ankunft aus Gelbfieber-Transmissionsland
SüdafrikaNordosten (Kruger-Region) saisonal hoch bis mittel; KwaZulu-Natal ganzjährig gering; Kapstadt, Western Cape, Garden Route malariafreiNicht erforderlich bei Direkteinreise
GhanaHoch im gesamten Land inklusive aller Städte, ganzjährig, keine risikofreie ZonePflicht für alle Einreisenden ab 9 Monaten
SenegalSüd-/Ostlandesteil ganzjährig hoch; Dakar-Region saisonal (Juli–Jänner hoch, Februar–Juni mittel)Empfohlen ab 9 Monaten, Pflicht bei Ankunft aus Risikoland

Praktisch relevant: Ein reiner Nairobi-Städtetrip erfordert nur Mückenschutz, jede Safari verlangt Chemoprophylaxe. In Ghana gibt es dagegen keine risikofreie Zone im ganzen Land. Erregerverteilung ist in allen fünf Ländern zu über 99 % P. falciparum – die gefährlichste Malariaform mit dem höchsten Risiko für schwere Verläufe gerade bei kleinen Kindern (zerebrale Malaria, schwere Anämie). Chloroquin ist als Einzelsubstanz in ganz Subsahara-Afrika obsolet.

12 Naher Osten und Türkei

Länder dieser Region: Türkei, Vereinigte Arabische Emirate, Israel, Jordanien.

Die Türkei gilt heute als praktisch malariafrei. Das zentrale Kinderrisiko ist auch hier Tollwut: Das österreichische Außenministerium (BMEIA) stuft die Türkei ausdrücklich als Hochrisikogebiet ein und rät, Kontakt mit Streunerhunden zu meiden. In ländlichen Gebieten Zentral- und Ostanatoliens kommt zeckenübertragenes Krim-Kongo-hämorrhagisches Fieber vor (Fallsterblichkeit bei Hospitalisierten rund 30 %, bei Kindern laut ECDC tendenziell mildere Verläufe). An der türkischen Riviera (Antalya) liegen die Sommertemperaturen im Mittel bei 32–35 °C, mit Rekordwerten bis 46 °C. Wichtig zu wissen: Zwischen Österreich und der Türkei besteht kein Sozialversicherungsabkommen – eine Auslandsreise-Krankenversicherung ist daher unverzichtbar.

Hitze Dubai (Sommer)bis 49 °CRekordwert, gefühlt teils über 60 °C bei hoher Luftfeuchtigkeit
Totes Meer, Salzgehalt34,2 %unkontrolliertes Auftreiben – Verschlucken bei Kindern vermeiden
Petra, Höhenlage810 mAufstieg „High Place of Sacrifice" ca. 800 Stufen
Tollwut-Einstufung TürkeiHochrisikogebietBMEIA Österreich

In den Vereinigten Arabischen Emiraten/Dubai ist die medizinische Versorgung sehr gut (viele JCI-akkreditierte Kliniken), aber ebenfalls ohne Sozialversicherungsabkommen mit Österreich – bei den genannten Extremtemperaturen sind für Kinder Trinkpausen, salzhaltige Snacks und das Meiden von Mittagshitze im Freien besonders wichtig. In Israel ist neben Routineimpfungen aktuell eine Polio-Auffrischung relevant (Poliovirus-Nachweis im Land), zudem wird ein Anstieg der Tollwutfälle bei Hunden und Schakalen beobachtet; beim Baden im Toten Meer sollten Kinder keinesfalls Wasser schlucken oder in die Augen bekommen. Die aktuelle Sicherheitslage in Israel ändert sich kurzfristig – prüfen Sie vor jeder Reise die aktuelle Reisewarnung des österreichischen Außenministeriums (BMEIA). In Jordanien ist der medizinische Standard in Privatkliniken gut, verlangt aber Vorauszahlung; bei Ausflügen nach Petra mit Kindern sind ausreichend Wasser und Pausen wegen der Hitze und der vielen Stufen wichtig, in den Wintermonaten warnt das BMEIA zusätzlich vor Sturzfluten in Wadis.

Alle Kapitel dieses Ratgebers

  1. 1. Weltkarte und Basis-Reiseapotheke Abschnitt 1–2 · 2
  2. 2. Europa: Mitte, Norden, Süden, Westen, Osten Abschnitt 3–7 · 5
  3. 3. Nordamerika: USA und Kanada Abschnitt 8–9 · 2
  4. 4. Tropen, Afrika, Naher Osten und Türkei Abschnitt 10–12 · 3
  5. 5. Asien und Russland Abschnitt 13–16 · 4
  6. 6. Australien, Ozeanien und Südamerika Abschnitt 17–18 · 2
  7. 7. Häufige Fragen und Quellen Abschnitt 19–20 · 2