Essig, Öl, Föhn und Sauna überzeugen nicht, Tierarzneimittel sind gefährlich. Und die Wohnung? Was mit Kämmen, Bettwäsche, Kleidung und Kuscheltieren wirklich zu tun ist – und warum niemand desinfizieren muss.

Wichtiger Hinweis

Dieser Ratgeber ersetzt keine individuelle kinderärztliche, dermatologische oder pharmazeutische Beratung. Kopflausmittel unterscheiden sich in Wirkstoff, Alterszulassung, Anwendung und Wiederholungsintervall. Verwenden Sie nur für Menschen zugelassene Präparate und beachten Sie die jeweilige Packungsinformation. Bei Säuglingen, Schwangerschaft/Stillzeit, ausgeprägten Hauterkrankungen, Allergien, stark entzündeter Kopfhaut oder wiederholtem Therapieversagen ist fachliche Rücksprache sinnvoll.

51 Welche Hausmittel helfen nicht zuverlässig?

Im Internet findet man

  • Essig
  • Olivenöl
  • Kokosöl
  • Mayonnaise
  • ätherische Öle
  • Petroleum
  • Alkohol.

Für viele davon fehlt zuverlässige Evidenz.

Einige sind reizend oder gefährlich.

52 Essig

Essig kann die Haare verändern und wird traditionell zur Nissenlösung empfohlen.

Eine zuverlässige Abtötung lebender Läuse ist damit nicht belegt.

Konzentrierter Essig kann gereizte Haut zusätzlich brennen.

53 Öl, Mayonnaise und Vaseline

Die Idee

Läuse „ersticken“.

Die wissenschaftliche Wirksamkeit selbst gemachter Anwendungen ist unzuverlässig.

Zugelassene physikalische Präparate sind standardisiert und besser untersucht.

54 Heiße Luft, Föhn und Sauna

Keine empfohlene Standardtherapie.

Das RKI warnt vor unzuverlässigen Verfahren mit heißer Luft.

Bei Kindern besteht zusätzlich

  • Verbrennungsgefahr.

55 Tierarzneimittel und Insektensprays

Niemals:

  • Hunde-/Katzen-Flohmittel
  • Raum-Insektizide
  • Gartenmittel

auf die Kopfhaut geben.

Die spanische Arzneimittelbehörde warnte beispielsweise ausdrücklich vor der Anwendung tiermedizinischer Fipronil-Präparate beim Menschen.

Solche Mittel können toxisch sein.

56 Wohnung und Textilien

Die zentrale Wahrheit

Kopfläuse leben auf dem Kopf.

Nicht im Teppich.

Zusatzmaßnahmen können sinnvoll sein, sollten aber nicht die eigentliche Kopfbehandlung verdrängen.

57 Kämme, Bürsten und Haarspangen

Nach österreichischer Empfehlung

  • gründlich reinigen
  • heißes Seifenwasser.

Keine gemeinsame Nutzung während eines aktiven Befalls.

58 Bettwäsche, Handtücher und Kleidung

Das österreichische Gesundheitsportal empfiehlt

  • Wechsel von Bettwäsche
  • Kleidung
  • Pyjama
  • Handtüchern
  • Waschen bei 60 °C, sofern geeignet.

International fallen Empfehlungen teilweise weniger umfangreich aus, weil indirekte Übertragung selten ist.

Ein vernünftiger Mittelweg

Textilien behandeln, die kürzlich direkten Kopfkontakt hatten – keine komplette Wäsche des Haushalts.

59 Kuscheltiere und nicht waschbare Gegenstände

Wenn ein Gegenstand unmittelbar mit dem Kopf in Kontakt war und nicht gewaschen werden kann:

  • vorübergehend beiseitelegen beziehungsweise in einem Beutel lagern.

Die österreichische Seite nennt hierfür längere Sicherheitszeiträume.

Biologisch sterben Läuse ohne Mensch normalerweise nach zwei bis drei Tagen.

60 Muss die Wohnung desinfiziert werden?

Nein.

Keine:

  • Fogger
  • Insektizidsprays
  • Schädlingsbekämpfung der Wohnung.

Sie bringen keinen sinnvollen Zusatznutzen und können Kinder unnötig Chemikalien aussetzen.

Normales:

  • Saugen
  • Reinigen

reicht.

Alle Kapitel dieses Ratgebers

  1. 1. Was Kopfläuse sind und wie sie leben Abschnitt 1–11 · 11
  2. 2. Übertragung und Symptome Abschnitt 12–20 · 9
  3. 3. Einen aktiven Befall sicher erkennen Abschnitt 21–30 · 10
  4. 4. Die Behandlung Abschnitt 31–44 · 14
  5. 5. Wenn die Behandlung scheitert – und besondere Gruppen Abschnitt 45–50 · 6
  6. 6. Hausmittel, Wohnung und Textilien Abschnitt 51–60 · 10
  7. 7. Kindergarten, Schule und Vorbeugung Abschnitt 61–68 · 8
  8. 8. Sonderfälle, häufige Fragen und Quellen Abschnitt 69–77 · 9