Nasenatmung, Schlafapnoe, Reflux, Angst, ADHS-Medikation, Dystonie, Essstörung, Migräne, Arthritis und Zahnstrukturstörungen – jeweils nach eigener Indikation, nicht mit dem Ziel, das Knirschen zu senken.

  • Abschnitt 170 bis 183 von 449
  • Stand: 10. September 2026
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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel ersetzt keine zahnärztliche, kinderärztliche, schlafmedizinische oder psychotherapeutische Untersuchung. Zähneknirschen oder Kieferpressen ist bei Kindern häufig nicht gefährlich und nicht automatisch eine Krankheit. Behandlungsbedürftig wird es vor allem, wenn Schmerzen, deutlicher Zahnhartsubstanzverlust, wiederholte Schäden an Zähnen oder Restaurationen, eingeschränkte Kieferfunktion, erhebliche Schlafprobleme oder eine relevante Begleiterkrankung vorliegen.

Sofortige medizinische Hilfe ist nötig bei Atemnot, bläulicher Haut- oder Lippenfarbe, Bewusstseinsstörung, Krampfanfall, schwerem Kopf- oder Gesichtstrauma, plötzlich auftretender Lähmung oder einer nicht stillbaren Blutung. In Österreich wird die Rettung über 144, europaweit über 112 gerufen. Deutliche nächtliche Atempausen, Luftschnappen, stark erschwerte Atmung, ungewöhnliche Tagesschläfrigkeit oder Gedeih- und Entwicklungsprobleme werden zeitnah kinderärztlich beziehungsweise schlafmedizinisch abgeklärt.

170 Behandlung von Begleiterkrankungen

Schlafapnoe, Rhinitis, Reflux, Angststörung, Migräne oder neurologische Erkrankung werden behandelt, wenn dafür eine eigene Indikation besteht. Das verbessert Gesundheit unabhängig davon, ob Bruxismus abnimmt.

Die Evidenz reicht häufig nicht aus, eine solche Therapie allein mit dem Ziel der Bruxismusreduktion zu beginnen. Diese Trennung schützt vor Überbehandlung.

Zahnmedizin dokumentiert parallel Folgen und passt Schutzmaßnahmen an.

171 Behandlung bei Nasenatmungsstörung

Regelmäßige Mundatmung, verstopfte Nase und Schnarchen führen zur Ursachenklärung. Allergiebehandlung, Tonsillenbeurteilung oder andere HNO-Maßnahmen richten sich nach der Atemwegsdiagnose.

Eine Verbesserung der Nasenatmung kann Schlaf und Wohlbefinden fördern. Ob Bruxismus dadurch sicher abnimmt, ist nicht vorherzusagen. Zahnärztliche Schutzmaßnahmen bleiben nach Befund bestehen.

Mundzukleben und eigenständige Dauernutzung abschwellender Sprays sind ungeeignet.

172 Behandlung bei obstruktiver Schlafapnoe

Pädiatrische Schlafapnoe wird nach Ursache und Schwere behandelt. Möglichkeiten umfassen HNO-operative, medikamentöse, kieferorthopädische, gewichtsbezogene oder nächtliche Atemtherapien. Auswahl gehört in ein erfahrenes Team.

Die Behandlung dient Atmung, Schlaf, Herz-Kreislauf-Gesundheit, Verhalten und Entwicklung. Eine Bruxismusreduktion ist kein garantiertes Ergebnis.

Eine gewöhnliche Knirschschiene darf eine geeignete OSA-Therapie nicht ersetzen oder behindern.

173 Behandlung bei Reflux

Reflux wird anhand von Beschwerden und medizinischer Diagnose behandelt. Allgemeine Maßnahmen, Ernährung und Medikamente werden individuell festgelegt. Eine empirische Dauertherapie allein wegen Zahnverschleiß ist nicht automatisch gerechtfertigt.

Zahnmedizinisch werden Säurekontakte reduziert, remineralisierende Schutzmaßnahmen eingesetzt und Progression dokumentiert. Nach saurem Aufstoßen wird gespült und nicht sofort aggressiv gebürstet.

Eine Schiene muss besonders sorgfältig gereinigt werden und löst die Säureursache nicht.

174 Behandlung bei Angst und Stress

Alltagsunterstützung, Entspannungsverfahren und bei klinischer Belastung Psychotherapie können helfen. Eltern sollen das Knirschen nicht als sichtbaren Beweis verwenden, dass ein Kind „psychisch nicht klarkommt“.

Die psychische Indikation wird anhand von Angst, Leidensdruck und Funktion gestellt. Verbesserung wird an diesen Zielen gemessen, nicht nur an nächtlicher Lautstärke.

Bei Suizidalität oder Selbstverletzung gilt sofortige Krisenhilfe.

175 Behandlung bei ADHS-Medikation

Zunächst wird geprüft, ob die Aktivität wirklich neu oder klinisch relevant ist. Eine strukturierte Zeitachse zu Einnahme, Wirkdauer und Beschwerden hilft. Zahnstatus und Schlaf werden dokumentiert.

Die verordnende Stelle kann Einnahmezeit, Dosis, Präparat oder Begleitfaktoren beurteilen. Änderungen erfolgen nur gemeinsam, weil unbehandeltes ADHS erhebliche Folgen haben kann.

Zahnärztlich werden empfindliche oder gefährdete Flächen geschützt.

176 Behandlung bei Antidepressiva-Assoziation

Tritt Pressen nach Beginn oder Steigerung eines Antidepressivums auf, wird dies zeitnah gemeldet. Schweregrad, psychischer Nutzen und Alternativen werden ärztlich abgewogen. Die Literatur beschreibt verschiedene Strategien, erlaubt aber keine pauschale Kinderempfehlung.

Abruptes Absetzen kann Absetzsymptome und psychische Verschlechterung verursachen. Zahnmedizin und Psychiatrie koordinieren.

Akute Suizidalität hat Vorrang vor jeder Bruxismusfrage.

177 Behandlung bei Dystonie

Orofaziale Dystonie wird neurologisch diagnostiziert. Physiotherapie, Medikamente oder Botulinumtoxin können bei klarer Spezialindikation erwogen werden. Dosierung und Zielmuskeln unterscheiden sich grundlegend von kosmetischen Angeboten.

Zahnärztliche Schienen oder Polster können in ausgewählten Fällen Verletzungen reduzieren, müssen aber sicher sitzen und regelmäßig überprüft werden.

Schlucken, Sprechen und Atmung sind zentrale Therapieziele.

178 Behandlung bei schwerer Behinderung

Bei eingeschränkter Kommunikation werden Schmerz und Funktion über Verhalten, Essen, Schlaf und Bezugspersonen erfasst. Dentale Ursachen, Reflux, Epilepsie und Bewegungsstörungen werden aktiv differenziert.

Schutzgeräte müssen Aspirationsrisiko, Muskeltonus und Kooperation berücksichtigen. Manchmal sind restaurative Maßnahmen sicherer als eine lose Schiene.

Die Versorgung wird interdisziplinär und mit möglichst geringer Belastung geplant.

179 Behandlung nach Hirnverletzung

Ausgeprägtes Pressen nach Schädel-Hirn-Trauma gehört in neurologische Rehabilitation. Zahnmedizin erfasst Frakturen, Schleimhautverletzungen und Risiken für Ernährung oder Pflege.

Provisorische Schutzmaßnahmen müssen Atemweg und Monitoring erlauben. Botulinumtoxin oder Medikamente sind gegebenenfalls neurologische Spezialtherapie und keine allgemeine Bruxismusempfehlung.

Veränderungen von Bewusstsein oder Neurologie werden sofort medizinisch beurteilt.

180 Behandlung bei Essstörung

Bei Erbrechen und Erosion wird der Mundbefund wertfrei angesprochen. Zahnmedizinische Schutzmaßnahmen lindern Empfindlichkeit und bewahren Substanz, während medizinische und psychotherapeutische Behandlung organisiert wird.

Das Kind oder die Jugendliche wird nicht zum Offenlegen vor Begleitpersonen gezwungen, sofern keine akute Gefahr besteht. Kreislaufinstabilität, Blut im Erbrochenen, schwere Dehydratation und Suizidalität sind dringende Zeichen.

Eine Knirschschiene behandelt die Essstörung nicht.

181 Behandlung bei Migräne

Migräne erhält einen eigenen kinderärztlichen oder neurologischen Plan. Kiefermuskelbeschwerden können parallel physiotherapeutisch oder zahnärztlich betreut werden.

Eine Schiene wird nur bei passender CMD- oder Schutzindikation erwogen, nicht als universelle Migränebehandlung. Erfolg wird getrennt dokumentiert.

Häufige Schmerzmitteleinnahme wird wegen Übergebrauchskopfschmerz geprüft.

182 Behandlung bei juveniler Arthritis

Kiefergelenkbeteiligung wird rheumatologisch behandelt und im Wachstum kieferorthopädisch überwacht. Entzündungsaktivität, Gelenkstruktur, Funktion und Gesichtswachstum bestimmen den Plan.

Eine Schiene kann in ausgewählten Fällen Beschwerden beeinflussen, ersetzt aber keine antiinflammatorische Therapie. Übungen werden an Entzündung und Beweglichkeit angepasst.

Frühe interdisziplinäre Kontrolle ist entscheidend.

183 Behandlung bei Zahnstrukturstörung

MIH, Amelogenesis imperfecta und Dentinogenesis imperfecta benötigen frühzeitigen Substanzschutz. Versiegelungen, Komposit, vorgefertigte Kronen oder andere Restaurationen werden altersgerecht eingesetzt.

Bruxismus erhöht möglicherweise mechanische Belastung, darf aber nicht die genetische oder entwicklungsbedingte Ursache verdecken. Die Restauration wird reparierbar geplant.

Eine Schiene ist nur ein möglicher Zusatz und im Zahnwechsel oft problematisch.

Alle Kapitel dieses Ratgebers

  1. 1. Was Bruxismus ist – und was nicht Abschnitt 1–12 · 12
  2. 2. Kausystem, Schlaf und die Frage nach der Ursache Abschnitt 13–18 · 6
  3. 3. Psyche, Entwicklung und neurologische Erkrankungen Abschnitt 19–24 · 6
  4. 4. Atmung, Schlaf und Reflux Abschnitt 25–31 · 7
  5. 5. Medikamente, Koffein und Substanzen Abschnitt 32–40 · 9
  6. 6. Alltag, Biss und Gewohnheiten Abschnitt 41–48 · 8
  7. 7. Woran es sich zeigt: Schmerz, Geräusche und Muskeln Abschnitt 49–56 · 8
  8. 8. Was an den Zähnen sichtbar wird Abschnitt 57–67 · 11
  9. 9. Kiefergelenk, CMD und Lebensqualität Abschnitt 68–75 · 8
  10. 10. Das Gespräch und die Untersuchung Abschnitt 76–88 · 13
  11. 11. Wie sicher ist die Diagnose? Abschnitt 89–102 · 14
  12. 12. Was es sonst sein kann Abschnitt 103–120 · 18
  13. 13. Behandeln oder beobachten? Abschnitt 121–125 · 5
  14. 14. Selbsthilfe, Entspannung und Schlaf Abschnitt 126–136 · 11
  15. 15. Psychotherapie, Physiotherapie und Biofeedback Abschnitt 137–142 · 6
  16. 16. Die Schiene: was sie kann und was nicht Abschnitt 143–154 · 12
  17. 17. Einschleifen, Aufbauten, Medikamente und Botox Abschnitt 155–169 · 15
  18. 18. Begleiterkrankungen behandeln Abschnitt 170–183 · 14
  19. 19. Wer macht was – und wann endet eine Behandlung Abschnitt 184–196 · 13
  20. 20. Nach Alter – und Kinder mit besonderen Voraussetzungen Abschnitt 197–210 · 14
  21. 21. Warnzeichen: was sofort gehört Abschnitt 211–220 · 10
  22. 22. Die erste Woche und der Alltag zu Hause Abschnitt 221–243 · 23
  23. 23. Wann zu wem? Abschnitt 244–250 · 7
  24. 24. Häufige Fragen Abschnitt 251–290 · 40
  25. 25. Häufige Irrtümer Abschnitt 291–300 · 10
  26. 26. Fallbeispiele und Entscheidungswege Abschnitt 301–330 · 30
  27. 27. Checklisten für Familien und Fachleute Abschnitt 331–343 · 13
  28. 28. Wie Studien zu lesen sind Abschnitt 344–365 · 22
  29. 29. Glossar: die Fachbegriffe Abschnitt 366–431 · 66
  30. 30. Versorgungsplan, Einordnung und Quellen Abschnitt 432–449 · 18