Atmung, Schlaf und Reflux
Der wichtigste Nebenweg dieses Ratgebers: Schnarchen, Atempausen und behinderte Nasenatmung gehören eigenständig abgeklärt. Dazu Reflux, Restless Legs, Parasomnien und die Abgrenzung zu nächtlichen Anfällen.
Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel ersetzt keine zahnärztliche, kinderärztliche, schlafmedizinische oder psychotherapeutische Untersuchung. Zähneknirschen oder Kieferpressen ist bei Kindern häufig nicht gefährlich und nicht automatisch eine Krankheit. Behandlungsbedürftig wird es vor allem, wenn Schmerzen, deutlicher Zahnhartsubstanzverlust, wiederholte Schäden an Zähnen oder Restaurationen, eingeschränkte Kieferfunktion, erhebliche Schlafprobleme oder eine relevante Begleiterkrankung vorliegen.
Sofortige medizinische Hilfe ist nötig bei Atemnot, bläulicher Haut- oder Lippenfarbe, Bewusstseinsstörung, Krampfanfall, schwerem Kopf- oder Gesichtstrauma, plötzlich auftretender Lähmung oder einer nicht stillbaren Blutung. In Österreich wird die Rettung über 144, europaweit über 112 gerufen. Deutliche nächtliche Atempausen, Luftschnappen, stark erschwerte Atmung, ungewöhnliche Tagesschläfrigkeit oder Gedeih- und Entwicklungsprobleme werden zeitnah kinderärztlich beziehungsweise schlafmedizinisch abgeklärt.
25 Schlafbezogene Atmungsstörungen
Schnarchen, erschwerte Nasenatmung und obstruktive Schlafapnoe werden bei Kindern mit Schlafbruxismus häufiger berichtet. Die Verbindung kann über Arousals und Reaktionen zur Öffnung der oberen Atemwege entstehen. Beobachtungsstudien beweisen jedoch nicht, dass Bruxismus die Atemstörung verursacht oder umgekehrt.
Eine Atemstörung wird behandelt, weil sie selbst Gesundheit, Verhalten und Entwicklung beeinträchtigen kann. Ob dadurch Bruxismus zuverlässig sinkt, ist nicht ausreichend belegt.
Die Kombination aus Knirschen und deutlichen Atemzeichen senkt die Schwelle zur kinderärztlichen, HNO- oder schlafmedizinischen Abklärung.
26 Warnzeichen für obstruktive Schlafapnoe
Hinweise sind regelmäßiges lautes Schnarchen, beobachtete Atempausen, Luftschnappen, angestrengte Atmung, ungewöhnliche Schlafpositionen, starkes Schwitzen, häufiges Erwachen und Bettnässen. Tagsüber können Reizbarkeit, Hyperaktivität, Konzentrationsprobleme, morgendlicher Kopfschmerz oder Schläfrigkeit auffallen.
Vergrößerte Tonsillen, Adipositas, kraniofaziale Besonderheiten, neuromuskuläre Erkrankungen und bestimmte Syndrome erhöhen das Risiko. Nicht jedes schnarchende Kind hat Schlafapnoe, aber regelmäßiges Schnarchen ist auch nicht pauschal harmlos.
Die Diagnostik gehört in pädiatrische beziehungsweise schlafmedizinische Hand.
27 Behinderte Nasenatmung
Allergische Rhinitis, vergrößerte Rachen- oder Gaumenmandeln, chronische Entzündung, anatomische Engstellen und andere Ursachen können die Nasenatmung erschweren. Mundatmung und unruhiger Schlaf können damit einhergehen.
Ein Zahnarzt kann Hinweise erkennen, diagnostiziert die Ursache aber nicht allein anhand von Gaumenform oder Zahnstellung. HNO- und kinderärztliche Untersuchung klären die Atemwege.
Abschwellende Nasensprays sind wegen Rebound-Effekt und Altersgrenzen keine unkontrollierte Dauertherapie.
28 Reflux und Säurekontakt
Gastroösophagealer Reflux kann mit Schlafbruxismus assoziiert sein. Kaumuskelaktivität und Schlucken erhöhen möglicherweise den Speichelfluss und helfen, Säure zu neutralisieren. Dieser mögliche Schutzmechanismus macht Bruxismus nicht zur Refluxtherapie.
Saurer Geschmack, Husten, Heiserkeit, Schmerzen, Erbrechen oder erosive Zahnschäden werden medizinisch abgeklärt. Refluxmedikamente werden nicht allein mit dem Ziel verordnet, Knirschgeräusche zu beseitigen.
Zahnverschleiß durch Säure wird getrennt von kontaktbedingter Attrition behandelt.
29 Restless-Legs-Syndrom und periodische Bewegungen
Schlafbezogene Bewegungsstörungen können gemeinsam mit Bruxismus auftreten oder Messungen beeinflussen. Beim Restless-Legs-Syndrom bestehen unangenehme Empfindungen und Bewegungsdrang der Beine in Ruhe, meist abends, mit Besserung durch Bewegung.
Bei Kindern ist die Beschreibung schwierig. Eisenstoffwechsel, Medikamente und andere Differenzialdiagnosen werden ärztlich geprüft. Eine Eisenbehandlung erfolgt nicht ohne passende Diagnostik.
Bruxismus allein begründet keine Untersuchung auf Restless Legs; zusätzliche typische Symptome tun es.
30 Parasomnien und Albträume
Schlafwandeln, Nachtschreck, Albträume und andere Parasomnien können mit unruhigem Schlaf und Bewegungen einhergehen. Ein zeitliches Zusammentreffen beweist keine gemeinsame Ursache.
Eltern beschreiben Zeitpunkt in der Nacht, Verhalten, Erinnerbarkeit und Verletzungsrisiko. Sicherheitsmaßnahmen im Schlafzimmer sind bei Schlafwandeln wichtiger als ein Fokus auf die Zähne.
Häufige, gefährliche oder belastende Ereignisse werden kinderärztlich beziehungsweise schlafmedizinisch abgeklärt.
31 Epilepsie und nächtliche Anfälle
Bestimmte epileptische Anfälle können nächtliche Kieferbewegungen, Geräusche oder Zungenverletzungen verursachen. Sie dürfen nicht als Bruxismus verkannt werden. Hinweise sind stereotype Episoden, Bewusstseinsveränderung, Verkrampfung, ungewöhnliche Bewegungen, Einnässen oder ausgeprägte Verwirrtheit danach.
Bei erstem vermutetem Krampfanfall oder anhaltendem Anfall gilt medizinische Notfallhilfe. Videoaufnahmen können der ärztlichen Einordnung dienen, sofern Sicherheit vor Filmen geht.
Eine Zahnschiene verhindert keinen epileptischen Anfall. Während eines Anfalls wird nichts zwischen die Zähne gesteckt.
Alle Kapitel dieses Ratgebers
- 1. Was Bruxismus ist – und was nicht Abschnitt 1–12 · 12
- 2. Kausystem, Schlaf und die Frage nach der Ursache Abschnitt 13–18 · 6
- 3. Psyche, Entwicklung und neurologische Erkrankungen Abschnitt 19–24 · 6
- 4. Atmung, Schlaf und Reflux Abschnitt 25–31 · 7
- 5. Medikamente, Koffein und Substanzen Abschnitt 32–40 · 9
- 6. Alltag, Biss und Gewohnheiten Abschnitt 41–48 · 8
- 7. Woran es sich zeigt: Schmerz, Geräusche und Muskeln Abschnitt 49–56 · 8
- 8. Was an den Zähnen sichtbar wird Abschnitt 57–67 · 11
- 9. Kiefergelenk, CMD und Lebensqualität Abschnitt 68–75 · 8
- 10. Das Gespräch und die Untersuchung Abschnitt 76–88 · 13
- 11. Wie sicher ist die Diagnose? Abschnitt 89–102 · 14
- 12. Was es sonst sein kann Abschnitt 103–120 · 18
- 13. Behandeln oder beobachten? Abschnitt 121–125 · 5
- 14. Selbsthilfe, Entspannung und Schlaf Abschnitt 126–136 · 11
- 15. Psychotherapie, Physiotherapie und Biofeedback Abschnitt 137–142 · 6
- 16. Die Schiene: was sie kann und was nicht Abschnitt 143–154 · 12
- 17. Einschleifen, Aufbauten, Medikamente und Botox Abschnitt 155–169 · 15
- 18. Begleiterkrankungen behandeln Abschnitt 170–183 · 14
- 19. Wer macht was – und wann endet eine Behandlung Abschnitt 184–196 · 13
- 20. Nach Alter – und Kinder mit besonderen Voraussetzungen Abschnitt 197–210 · 14
- 21. Warnzeichen: was sofort gehört Abschnitt 211–220 · 10
- 22. Die erste Woche und der Alltag zu Hause Abschnitt 221–243 · 23
- 23. Wann zu wem? Abschnitt 244–250 · 7
- 24. Häufige Fragen Abschnitt 251–290 · 40
- 25. Häufige Irrtümer Abschnitt 291–300 · 10
- 26. Fallbeispiele und Entscheidungswege Abschnitt 301–330 · 30
- 27. Checklisten für Familien und Fachleute Abschnitt 331–343 · 13
- 28. Wie Studien zu lesen sind Abschnitt 344–365 · 22
- 29. Glossar: die Fachbegriffe Abschnitt 366–431 · 66
- 30. Versorgungsplan, Einordnung und Quellen Abschnitt 432–449 · 18
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