Stress und Angst sind in vielen Studien mit Bruxismus assoziiert – die Richtung ist oft unklar. Dazu ADHS, Autismus, Cerebralparese und die Situation nach einer Hirnverletzung.

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  • Stand: 10. September 2026
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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel ersetzt keine zahnärztliche, kinderärztliche, schlafmedizinische oder psychotherapeutische Untersuchung. Zähneknirschen oder Kieferpressen ist bei Kindern häufig nicht gefährlich und nicht automatisch eine Krankheit. Behandlungsbedürftig wird es vor allem, wenn Schmerzen, deutlicher Zahnhartsubstanzverlust, wiederholte Schäden an Zähnen oder Restaurationen, eingeschränkte Kieferfunktion, erhebliche Schlafprobleme oder eine relevante Begleiterkrankung vorliegen.

Sofortige medizinische Hilfe ist nötig bei Atemnot, bläulicher Haut- oder Lippenfarbe, Bewusstseinsstörung, Krampfanfall, schwerem Kopf- oder Gesichtstrauma, plötzlich auftretender Lähmung oder einer nicht stillbaren Blutung. In Österreich wird die Rettung über 144, europaweit über 112 gerufen. Deutliche nächtliche Atempausen, Luftschnappen, stark erschwerte Atmung, ungewöhnliche Tagesschläfrigkeit oder Gedeih- und Entwicklungsprobleme werden zeitnah kinderärztlich beziehungsweise schlafmedizinisch abgeklärt.

19 Stress und emotionale Belastung

Stress, Angst und emotionale Belastungen sind in vielen Studien mit Bruxismus assoziiert. Die Richtung ist nicht immer klar: Schlechter Schlaf und Schmerz können selbst Stress erhöhen. Elternberichte und uneinheitliche Definitionen begrenzen die Aussagekraft.

Ein Kind knirscht nicht absichtlich und ist nicht „zu angespannt“, weil es etwas falsch macht. Belastungen werden behutsam erfragt: Schule, Konflikte, Überforderung, Trennung, Krankheit, Mobbing und Veränderungen im Alltag.

Psychologische Hilfe richtet sich nach der Belastung und nicht nach dem Geräusch allein.

20 Angststörungen und depressive Symptome

Angst kann mit Wach- und Schlafbruxismus zusammenhängen. Bei Jugendlichen werden auch depressive Symptome und andere psychische Erkrankungen berücksichtigt. Bruxismus ist jedoch kein diagnostischer Test für eine psychische Störung.

Warnzeichen wie Rückzug, anhaltende Niedergeschlagenheit, Panik, Selbstverletzung oder Suizidgedanken verlangen eigenständige fachliche Hilfe. Zähneknirschen darf nicht zum einzigen Fokus werden.

Eine wertfreie, vertrauliche Anamnese erleichtert es Jugendlichen, relevante Belastungen anzusprechen.

21 Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung

Bei Kindern mit ADHS wird Bruxismus häufiger berichtet. Schlafprobleme, motorische Unruhe, Stress, Begleiterkrankungen und Medikamente können den Zusammenhang beeinflussen. Aus einer Assoziation folgt nicht, dass ADHS oder seine Therapie die alleinige Ursache ist.

Vor und nach Medikamentenänderungen helfen strukturierte Beobachtungen zu Zeitpunkt, Dosis, Schlaf, Kieferaktivität und Beschwerden. Notwendige Stimulanzien werden nicht eigenmächtig reduziert oder abgesetzt.

Kinderärztliche beziehungsweise kinderpsychiatrische und zahnärztliche Teams wägen Nutzen der Gesamttherapie gegen relevante Nebenwirkungen ab.

22 Autismus und Neuroentwicklung

Bei autistischen Kindern können repetitive Bewegungen, sensorische Regulation, Kommunikationsbesonderheiten, Schlafprobleme und Medikamente das Bild beeinflussen. Geräusche oder Zahnkontakt werden nicht vorschnell als gewöhnlicher Bruxismus eingeordnet.

Schmerz zeigt sich möglicherweise durch Verhaltensänderung, Selbstverletzung, Essenvermeidung oder Schlafstörung. Eine körperliche Ursache wird aktiv gesucht. Untersuchung und Therapie werden sensorisch und kommunikativ angepasst.

Schutzmaßnahmen dürfen Atmung, Schlucken, Kommunikation und Akzeptanz nicht gefährden.

23 Cerebralparese und neurologische Erkrankungen

Neurologische Erkrankungen können ungewöhnliche Kieferbewegungen, Dystonien, Dyskinesien oder spastische Aktivität verursachen, die Bruxismus ähneln oder damit überlappen. Die Unterscheidung beeinflusst Therapie und Sicherheit.

Beginn nach neurologischem Ereignis, neue Bewegungsmuster, Schluckprobleme, Lähmung oder Medikamentenänderung werden neurologisch beurteilt. Zahnmedizinisch werden Verletzungs- und Verschleißfolgen behandelt.

Eine Schiene ist bei Aspirationsgefahr, unkontrollierten Bewegungen oder eingeschränkter Kooperation nicht automatisch sicher.

24 Schädel-Hirn-Trauma und Koma

Nach schwerer Hirnverletzung oder bei Bewusstseinsstörungen kann ausgeprägte Kiefermuskelaktivität auftreten. Dies ist eine andere medizinische Situation als gewöhnliches nächtliches Knirschen eines gesunden Kindes.

Priorität haben neurologische Behandlung, Atemweg, Ernährung und Vermeidung von Selbstverletzung. Zahnmedizinische Hilfen werden interdisziplinär geplant und regelmäßig kontrolliert.

Plötzlich neu auftretende Kieferbewegung mit Bewusstseinsveränderung oder neurologischen Ausfällen ist ein medizinischer Notfall.

Alle Kapitel dieses Ratgebers

  1. 1. Was Bruxismus ist – und was nicht Abschnitt 1–12 · 12
  2. 2. Kausystem, Schlaf und die Frage nach der Ursache Abschnitt 13–18 · 6
  3. 3. Psyche, Entwicklung und neurologische Erkrankungen Abschnitt 19–24 · 6
  4. 4. Atmung, Schlaf und Reflux Abschnitt 25–31 · 7
  5. 5. Medikamente, Koffein und Substanzen Abschnitt 32–40 · 9
  6. 6. Alltag, Biss und Gewohnheiten Abschnitt 41–48 · 8
  7. 7. Woran es sich zeigt: Schmerz, Geräusche und Muskeln Abschnitt 49–56 · 8
  8. 8. Was an den Zähnen sichtbar wird Abschnitt 57–67 · 11
  9. 9. Kiefergelenk, CMD und Lebensqualität Abschnitt 68–75 · 8
  10. 10. Das Gespräch und die Untersuchung Abschnitt 76–88 · 13
  11. 11. Wie sicher ist die Diagnose? Abschnitt 89–102 · 14
  12. 12. Was es sonst sein kann Abschnitt 103–120 · 18
  13. 13. Behandeln oder beobachten? Abschnitt 121–125 · 5
  14. 14. Selbsthilfe, Entspannung und Schlaf Abschnitt 126–136 · 11
  15. 15. Psychotherapie, Physiotherapie und Biofeedback Abschnitt 137–142 · 6
  16. 16. Die Schiene: was sie kann und was nicht Abschnitt 143–154 · 12
  17. 17. Einschleifen, Aufbauten, Medikamente und Botox Abschnitt 155–169 · 15
  18. 18. Begleiterkrankungen behandeln Abschnitt 170–183 · 14
  19. 19. Wer macht was – und wann endet eine Behandlung Abschnitt 184–196 · 13
  20. 20. Nach Alter – und Kinder mit besonderen Voraussetzungen Abschnitt 197–210 · 14
  21. 21. Warnzeichen: was sofort gehört Abschnitt 211–220 · 10
  22. 22. Die erste Woche und der Alltag zu Hause Abschnitt 221–243 · 23
  23. 23. Wann zu wem? Abschnitt 244–250 · 7
  24. 24. Häufige Fragen Abschnitt 251–290 · 40
  25. 25. Häufige Irrtümer Abschnitt 291–300 · 10
  26. 26. Fallbeispiele und Entscheidungswege Abschnitt 301–330 · 30
  27. 27. Checklisten für Familien und Fachleute Abschnitt 331–343 · 13
  28. 28. Wie Studien zu lesen sind Abschnitt 344–365 · 22
  29. 29. Glossar: die Fachbegriffe Abschnitt 366–431 · 66
  30. 30. Versorgungsplan, Einordnung und Quellen Abschnitt 432–449 · 18