Schlifffacetten, Höckerverlust, Empfindlichkeit, Risse und Schäden an Füllungen – und die wichtigste Einordnung: Abrieb ist eine gespeicherte Lebensspur, kein Messwert der vergangenen Nacht.

  • Abschnitt 57 bis 67 von 449
  • Stand: 10. September 2026
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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel ersetzt keine zahnärztliche, kinderärztliche, schlafmedizinische oder psychotherapeutische Untersuchung. Zähneknirschen oder Kieferpressen ist bei Kindern häufig nicht gefährlich und nicht automatisch eine Krankheit. Behandlungsbedürftig wird es vor allem, wenn Schmerzen, deutlicher Zahnhartsubstanzverlust, wiederholte Schäden an Zähnen oder Restaurationen, eingeschränkte Kieferfunktion, erhebliche Schlafprobleme oder eine relevante Begleiterkrankung vorliegen.

Sofortige medizinische Hilfe ist nötig bei Atemnot, bläulicher Haut- oder Lippenfarbe, Bewusstseinsstörung, Krampfanfall, schwerem Kopf- oder Gesichtstrauma, plötzlich auftretender Lähmung oder einer nicht stillbaren Blutung. In Österreich wird die Rettung über 144, europaweit über 112 gerufen. Deutliche nächtliche Atempausen, Luftschnappen, stark erschwerte Atmung, ungewöhnliche Tagesschläfrigkeit oder Gedeih- und Entwicklungsprobleme werden zeitnah kinderärztlich beziehungsweise schlafmedizinisch abgeklärt.

57 Nicht kariöser Zahnhartsubstanzverlust

Dieser Begriff beschreibt Substanzverlust ohne primäre Karies. Kontaktbedingte Attrition, Säureerosion und äußere Abrasion wirken häufig zusammen. Bei Kindern können auch Schmelzdefekte oder frühere Traumata den Verlauf verändern.

Dokumentiert werden Ort, Form, Aktivität, Empfindlichkeit und Veränderung über Zeit. Gipsmodelle, digitale Scans und standardisierte Fotos können Fortschritt zeigen.

Bruxismus wird erst dann als wesentlicher Faktor gewertet, wenn Muster und Anamnese zusammenpassen.

58 Schlifffacetten

Schlifffacetten sind glatte Kontaktflächen, die an gegenüberliegenden Zähnen zueinander passen können. Sie zeigen, dass Kontakt stattgefunden hat, aber nicht, wann und wie häufig. An Milchzähnen können sie Teil normaler funktioneller Anpassung sein.

Glanz, Kanten und Passung helfen bei der Beschreibung. Trotzdem kann ein alter Befund jahrelang sichtbar bleiben. Ein Fotovergleich nach definiertem Zeitraum ist aussagekräftiger als eine einmalige Vermutung.

Schlifffacetten allein begründen weder eine Schiene noch eine Bisskorrektur.

59 Verlust der Höcker und Schneidekanten

Fortgeschrittener Verschleiß kann Höcker abflachen, Schneidekanten verkürzen und Dentin freilegen. Dadurch verändert sich Zahnfarbe und Empfindlichkeit. Bei generalisiertem Verlust kann die Bisshöhe betroffen sein.

Bei einem Kind ist rasche Progression ungewöhnlich und wird umfassend abgeklärt: Bruxismus, Säure, Entwicklungsdefekt, Ernährung, Reflux und seltene Dentin- oder Schmelzerkrankungen.

Eine definitive Rekonstruktion wird wachstums- und substanzschonend geplant.

60 Zahnempfindlichkeit

Freiliegendes Dentin reagiert auf Kälte, Luft, Süßes oder Berührung. Risse, Karies, MIH und Zahnfleischrückgang können ähnlich wirken. Kurzer Schmerz unterscheidet sich von lang anhaltendem oder spontanem Pulpaschmerz.

Desensibilisierende Zahnpasta und professionelle Schutzmaßnahmen können helfen. Die Ursache muss dennoch kontrolliert werden.

Nächtliches Aufwachen durch Zahnschmerz, Schwellung oder Fistel verlangt zeitnahe zahnärztliche Diagnostik.

61 Zahnrisse und Frakturen

Hohe wiederholte Belastung kann bestehende Schwachstellen vergrößern. Entwicklungsdefekte, große Füllungen, Trauma und harte Fremdkörper erhöhen das Frakturrisiko. Gesunde Kinderzähne brechen nicht allein wegen eines einzelnen Knirschgeräuschs zwangsläufig.

Schmerz beim Zubeißen oder Loslassen, Temperaturempfindlichkeit und eine sichtbare Linie sind Hinweise. Feine Schmelzrisse können harmlos sein; tiefere Risse bis zur Pulpa oder Wurzel sind relevant.

Ein abgebrochenes Fragment wird gesucht, feucht gelagert und zeitnah mitgebracht.

62 Schäden an Füllungen und Kronen

Komposit kann absplittern, Keramik brechen und provisorischer Zement sich lösen. Bruxismus erhöht bei bestimmten Versorgungen die mechanische Belastung, ist aber nicht die einzige mögliche Ursache. Material, Passung, Defektgröße und Biss spielen mit.

Wiederholtes Versagen führt zu einer erneuten Gesamtanalyse statt immer gleicher Reparatur. Eine schützende Schiene kann bei älteren Jugendlichen nach abgeschlossener Gebissentwicklung sinnvoll sein.

Lose Teile werden wegen Verschluckgefahr gesichert und nicht mit Haushaltskleber befestigt.

63 Milchzahnverschleiß

Milchzahnschmelz und -dentin sind dünner als bei bleibenden Zähnen. Vor dem Zahnwechsel entstehen häufig glatte Gebrauchsspuren. Ausgeprägter schneller Verlust, Schmerz oder Dentinfreilegung ist dennoch abklärungsbedürftig.

Entscheidend sind Alter, Symmetrie, Geschwindigkeit, Ernährung, Reflux und Strukturqualität. Eine Schiene ist nicht automatisch die erste Lösung, weil Gebiss und Kiefer wachsen.

Bei Schutzbedarf kommen je nach Befund Versiegelung, Komposit oder Kronen infrage.

64 Verschleiß bleibender Zähne

Bleibende Zähne sollen viele Jahrzehnte funktionieren. Sichtbarer progressiver Substanzverlust im Kindes- oder Jugendalter verdient daher besondere Aufmerksamkeit. Frühe additive Schutzmaßnahmen können spätere große Präparationen vermeiden.

Zunächst wird die Aktivität objektiviert und Säureexposition erfasst. Ohne Ursachen- und Risikokontrolle kann eine aufwendige Restauration erneut versagen.

Ästhetik, Funktion, Empfindlichkeit und Wachstum werden gemeinsam geplant.

65 Zungen-, Wangen- und Lippenabdrücke

Eine wellige Zungenkante oder weiße Linie an der Wange wird häufig als Beweis für Pressen gedeutet. Solche Befunde können bei Druckkontakt auftreten, sind aber auch bei normaler Anatomie, Schwellung oder Gewohnheiten zu sehen.

Sie dienen als unspezifische Hinweise. Schmerz, Verletzung, Knoten oder nicht heilende Stelle werden gesondert untersucht.

Ein einzelner Abdruck begründet keine irreversible Behandlung.

66 Zahnbeweglichkeit

Milchzähne werden im natürlichen Wechsel locker. Bei bleibenden Zähnen kann ungewöhnliche Beweglichkeit von Trauma, Entzündung oder Verlust des Zahnhalteapparats stammen. Bruxismus allein ist selten eine ausreichende Erklärung für rasche Lockerung.

Der Zahn wird nicht ständig getestet. Blutung, Schwellung, Unfall und zeitlicher Verlauf werden erfasst.

Plötzlich lockerer bleibender Zahn oder mehrere betroffene Zähne benötigen zeitnahe Untersuchung.

67 Zahnfleisch und Zahnhalteapparat

Bruxismus kann Kräfte auf den Zahnhalteapparat erhöhen, verursacht aber keine plaqueinduzierte Gingivitis. Blutung und Schwellung verlangen Biofilmkontrolle und gegebenenfalls parodontale Diagnostik.

Traumatische Bisskontakte können Beschwerden oder Beweglichkeit beeinflussen, doch Knochenabbau wird nicht ohne weitere Ursache pauschal dem Pressen zugeschrieben.

Parodontale Erkrankung und Bruxismus können gleichzeitig bestehen und die Prognose gemeinsam beeinflussen.

Alle Kapitel dieses Ratgebers

  1. 1. Was Bruxismus ist – und was nicht Abschnitt 1–12 · 12
  2. 2. Kausystem, Schlaf und die Frage nach der Ursache Abschnitt 13–18 · 6
  3. 3. Psyche, Entwicklung und neurologische Erkrankungen Abschnitt 19–24 · 6
  4. 4. Atmung, Schlaf und Reflux Abschnitt 25–31 · 7
  5. 5. Medikamente, Koffein und Substanzen Abschnitt 32–40 · 9
  6. 6. Alltag, Biss und Gewohnheiten Abschnitt 41–48 · 8
  7. 7. Woran es sich zeigt: Schmerz, Geräusche und Muskeln Abschnitt 49–56 · 8
  8. 8. Was an den Zähnen sichtbar wird Abschnitt 57–67 · 11
  9. 9. Kiefergelenk, CMD und Lebensqualität Abschnitt 68–75 · 8
  10. 10. Das Gespräch und die Untersuchung Abschnitt 76–88 · 13
  11. 11. Wie sicher ist die Diagnose? Abschnitt 89–102 · 14
  12. 12. Was es sonst sein kann Abschnitt 103–120 · 18
  13. 13. Behandeln oder beobachten? Abschnitt 121–125 · 5
  14. 14. Selbsthilfe, Entspannung und Schlaf Abschnitt 126–136 · 11
  15. 15. Psychotherapie, Physiotherapie und Biofeedback Abschnitt 137–142 · 6
  16. 16. Die Schiene: was sie kann und was nicht Abschnitt 143–154 · 12
  17. 17. Einschleifen, Aufbauten, Medikamente und Botox Abschnitt 155–169 · 15
  18. 18. Begleiterkrankungen behandeln Abschnitt 170–183 · 14
  19. 19. Wer macht was – und wann endet eine Behandlung Abschnitt 184–196 · 13
  20. 20. Nach Alter – und Kinder mit besonderen Voraussetzungen Abschnitt 197–210 · 14
  21. 21. Warnzeichen: was sofort gehört Abschnitt 211–220 · 10
  22. 22. Die erste Woche und der Alltag zu Hause Abschnitt 221–243 · 23
  23. 23. Wann zu wem? Abschnitt 244–250 · 7
  24. 24. Häufige Fragen Abschnitt 251–290 · 40
  25. 25. Häufige Irrtümer Abschnitt 291–300 · 10
  26. 26. Fallbeispiele und Entscheidungswege Abschnitt 301–330 · 30
  27. 27. Checklisten für Familien und Fachleute Abschnitt 331–343 · 13
  28. 28. Wie Studien zu lesen sind Abschnitt 344–365 · 22
  29. 29. Glossar: die Fachbegriffe Abschnitt 366–431 · 66
  30. 30. Versorgungsplan, Einordnung und Quellen Abschnitt 432–449 · 18