Bei welcher Diagnose diese Verfahren angezeigt sind – und warum sie nicht wegen eines Geräusches begonnen werden. Dazu Wärme, Kälte, Massage und Bewegungsübungen.

  • Abschnitt 137 bis 142 von 449
  • Stand: 10. September 2026
  • zur Übersicht
Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel ersetzt keine zahnärztliche, kinderärztliche, schlafmedizinische oder psychotherapeutische Untersuchung. Zähneknirschen oder Kieferpressen ist bei Kindern häufig nicht gefährlich und nicht automatisch eine Krankheit. Behandlungsbedürftig wird es vor allem, wenn Schmerzen, deutlicher Zahnhartsubstanzverlust, wiederholte Schäden an Zähnen oder Restaurationen, eingeschränkte Kieferfunktion, erhebliche Schlafprobleme oder eine relevante Begleiterkrankung vorliegen.

Sofortige medizinische Hilfe ist nötig bei Atemnot, bläulicher Haut- oder Lippenfarbe, Bewusstseinsstörung, Krampfanfall, schwerem Kopf- oder Gesichtstrauma, plötzlich auftretender Lähmung oder einer nicht stillbaren Blutung. In Österreich wird die Rettung über 144, europaweit über 112 gerufen. Deutliche nächtliche Atempausen, Luftschnappen, stark erschwerte Atmung, ungewöhnliche Tagesschläfrigkeit oder Gedeih- und Entwicklungsprobleme werden zeitnah kinderärztlich beziehungsweise schlafmedizinisch abgeklärt.

137 Kognitive Verhaltenstherapie

Kognitive Verhaltenstherapie kann bei Angst, Insomnie, chronischem Schmerz und ungünstigen Bewältigungsmustern helfen. Bestandteile sind Wissen, Verhaltensänderung und Umgang mit Gedanken.

Für kindlichen Bruxismus als alleinige Zielgröße ist die Evidenz unzureichend. Bei passender Komorbidität bleibt die Therapie sinnvoll.

Versprechen einer sicheren „Entwöhnung“ vom Schlafbruxismus sind nicht gerechtfertigt.

138 Physiotherapie

Physiotherapie kann bei muskulären CMD-Symptomen, eingeschränkter Bewegung und funktionellen Beschwerden angeboten werden. Sie umfasst Aufklärung, dosierte Übungen, manuelle Techniken und alltagsbezogene Strategien.

Für die Reduktion von Bruxismusaktivität bei Kindern ist die Studienlage zu schwach für eine klare Empfehlung. Erfolg wird deshalb an Schmerz und Funktion gemessen.

Aggressive Manipulation bei Trauma, Entzündung oder unklarer Blockade ist ungeeignet.

139 Wärme und Kälte

Milde Wärme kann verspannte Muskeln angenehm entspannen. Kälte kann nach akuter Überlastung oder Schwellung lindern. Temperatur, Dauer und Hautschutz werden sicher gewählt.

Wärme ist bei akuter Infektion und zunehmender Gesichtsschwellung keine Ursachenbehandlung. Extreme Anwendungen können Haut schädigen.

Das Kind entscheidet mit, was angenehm ist; anhaltende Beschwerden werden diagnostiziert.

140 Massage

Sanfte Selbstmassage der Wangen- und Schläfenmuskeln kann Beschwerden lindern. Sie erfolgt ohne starken Druck auf Kiefergelenk, entzündete Zähne oder geschwollene Bereiche.

Die Wirkung auf die Bruxismusaktivität ist nicht sicher. Massage dient der Symptomkontrolle. Schmerzhaftes „Lösen von Knoten“ ist nicht nötig.

Bei einseitiger harter Schwellung wird vor Massage untersucht.

141 Bewegungsübungen

Kontrollierte schmerzfreie Öffnung, Seitbewegung und Koordination können bei funktionellen Beschwerden helfen. Übungen werden nach Diagnose angeleitet; mehr Wiederholungen sind nicht automatisch besser.

Knacken wird nicht absichtlich provoziert. Bei Blockade, Trauma oder Verdacht auf entzündliche Gelenkerkrankung werden Übungen erst fachlich abgeklärt.

Ziel sind Funktion und Vertrauen in Bewegung.

142 Biofeedback

Biofeedback macht Muskelaktivität durch Ton, Vibration oder Anzeige wahrnehmbar. Beim Wachbruxismus kann dies Lernen unterstützen. Nächtliches Feedback versucht Aktivität zu unterbrechen, kann aber Schlaf stören.

Für Kinder fehlen verlässliche Studien. Geräte sind nicht routinemäßig zu empfehlen. Datenschutz, Fehlalarme und Angst werden berücksichtigt.

Biofeedback ersetzt keine Diagnostik von Schlafapnoe oder Bewegungsstörung.

Alle Kapitel dieses Ratgebers

  1. 1. Was Bruxismus ist – und was nicht Abschnitt 1–12 · 12
  2. 2. Kausystem, Schlaf und die Frage nach der Ursache Abschnitt 13–18 · 6
  3. 3. Psyche, Entwicklung und neurologische Erkrankungen Abschnitt 19–24 · 6
  4. 4. Atmung, Schlaf und Reflux Abschnitt 25–31 · 7
  5. 5. Medikamente, Koffein und Substanzen Abschnitt 32–40 · 9
  6. 6. Alltag, Biss und Gewohnheiten Abschnitt 41–48 · 8
  7. 7. Woran es sich zeigt: Schmerz, Geräusche und Muskeln Abschnitt 49–56 · 8
  8. 8. Was an den Zähnen sichtbar wird Abschnitt 57–67 · 11
  9. 9. Kiefergelenk, CMD und Lebensqualität Abschnitt 68–75 · 8
  10. 10. Das Gespräch und die Untersuchung Abschnitt 76–88 · 13
  11. 11. Wie sicher ist die Diagnose? Abschnitt 89–102 · 14
  12. 12. Was es sonst sein kann Abschnitt 103–120 · 18
  13. 13. Behandeln oder beobachten? Abschnitt 121–125 · 5
  14. 14. Selbsthilfe, Entspannung und Schlaf Abschnitt 126–136 · 11
  15. 15. Psychotherapie, Physiotherapie und Biofeedback Abschnitt 137–142 · 6
  16. 16. Die Schiene: was sie kann und was nicht Abschnitt 143–154 · 12
  17. 17. Einschleifen, Aufbauten, Medikamente und Botox Abschnitt 155–169 · 15
  18. 18. Begleiterkrankungen behandeln Abschnitt 170–183 · 14
  19. 19. Wer macht was – und wann endet eine Behandlung Abschnitt 184–196 · 13
  20. 20. Nach Alter – und Kinder mit besonderen Voraussetzungen Abschnitt 197–210 · 14
  21. 21. Warnzeichen: was sofort gehört Abschnitt 211–220 · 10
  22. 22. Die erste Woche und der Alltag zu Hause Abschnitt 221–243 · 23
  23. 23. Wann zu wem? Abschnitt 244–250 · 7
  24. 24. Häufige Fragen Abschnitt 251–290 · 40
  25. 25. Häufige Irrtümer Abschnitt 291–300 · 10
  26. 26. Fallbeispiele und Entscheidungswege Abschnitt 301–330 · 30
  27. 27. Checklisten für Familien und Fachleute Abschnitt 331–343 · 13
  28. 28. Wie Studien zu lesen sind Abschnitt 344–365 · 22
  29. 29. Glossar: die Fachbegriffe Abschnitt 366–431 · 66
  30. 30. Versorgungsplan, Einordnung und Quellen Abschnitt 432–449 · 18