Kopfschmerzen im Kindesalter sind häufig und meist harmlos, aber die Auswirkungen auf die Schulleistung und Lebensqualität sollten nicht unterschätzt werden. Etwa 15–20% der Kinder weltweit leiden an wiederkehrenden Kopfschmerzen. Migräne betrifft 5–8% der Kinder, wobei Mädchen nach der Pubertät häufiger betroffen sind als Jungen. Die gute Nachricht: Mit der richtigen Diagnose und Behandlung lassen sich die meisten Fälle gut kontrollieren.
Ätiologie & Pathophysiologie – Was verursacht Kopfschmerzen bei Kindern?
Kopfschmerzen bei Kindern entstehen durch ein komplexes Zusammenspiel genetischer, neurologischer und umweltbedingter Faktoren. Die medizinische Wissenschaft unterscheidet zwischen primären und sekundären Kopfschmerzen.
Migräne ist eine neurobiologische Erkrankung, die durch genetische Veranlagung bedingt ist. Die International Headache Society (IHS) definiert Migräne als Störung, die durch wiederholte Anfälle von Kopfschmerzen charakterisiert ist und mit verschiedenen neurologischen Symptomen verbunden ist.
Pathophysiologie der Migräne:
Trigeminale Aktivierung: Das Trigeminus-Nervensystem wird überaktiviert, was zur Freisetzung von Neuropeptiden führt.
Neurotransmitter-Dysregulation: Störungen im Serotonin-, Dopamin- und Noradrenalin-Haushalt spielen eine zentrale Rolle.
Entzündliche Kaskade: Magnesium-, Kalzium- und CGRP-Störungen führen zu Neuroinflammation.
Kortikale Ausbreitungsdepression (CSD): Eine Welle elektrolytischer Störung breitet sich über die Großhirnrinde aus.
Vaskuläre Komponente: Während lange Vasokonstriktion (Verengerung) und anschließende Vasodilation (Erweiterung) angenommen wurde, konzentrieren sich neuere Modelle auf neurogene Entzündung.
Etwa 50–80% der Kinder mit Migräne haben eine positive Familienanamnese, was auf eine starke genetische Komponente hindeutet.
Sekundäre Kopfschmerzen (organische Ursachen)
Sekundäre Kopfschmerzen entstehen durch erkennbare Grunderkrankungen:
Deutschland: Laut der KiGGS-Studie (Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland) leiden etwa 10–12% der Kinder zwischen 7–17 Jahren an wiederkehrenden Kopfschmerzen. Die Migräne-Prävalenz wird auf 5–6% geschätzt. Jungen sind im Grundschulalter häufiger betroffen (Verhältnis 1,2:1), während ab dem 12. Lebensjahr Mädchen überwiegen (2:1).
Österreich: Österreichische Daten zeigen eine ähnliche Prävalenz: 11–13% Kopfschmerzen generell, 5–7% Migräne. Die österreichische Kopfschmerz-Gesellschaft berichtet, dass etwa 1–2% der Kinder chronische Kopfschmerzen haben, die mehr als 15 Tage pro Monat auftreten.
Schweiz: Schweizer Kohortenstudien zeigen eine Prävalenz von 12–15% für Kopfschmerzen und 6–8% für Migräne. Das Schweizer Kinderspital-Register dokumentiert, dass etwa 30–40% der Kinder mit Migräne Aura-Symptome aufweisen.
Globale Epidemiologie
Vereinigtes Königreich & Skandinavien: Britische Studien (Lancet, 2019) berichten von 12% Kopfschmerzen-Prävalenz und 5,9% Migräne. Die skandinavischen Länder zeigen ähnliche Raten, mit leicht höheren Angaben für psychosomatische Komponenten.
USA & Kanada: Die American Migraine Foundation dokumentiert 8–10% Migräne bei Kindern und Jugendlichen, mit jährlichen Kosten von über 1,1 Milliarden Dollar für das amerikanische Gesundheitssystem aufgrund verlorener Schulzeit.
China: Eine groß angelegte Studie der Beijing Children's Hospital (2022) mit über 15.000 Kindern zeigte eine Kopfschmerz-Prävalenz von 11,2% in urbanen Gebieten und 6,8% in ländlichen Regionen. Die Migräne-Prävalenz lag bei 3,4–4,2%. Die Studie betont, dass Stress durch schulische Anforderungen ein dominanter Trigger ist.
Indien: Indische epidemiologische Daten sind begrenzt, aber eine Multi-Center-Studie aus dem Jahr 2021 in Delhi und Bangalore berichtete von 8–10% Kopfschmerz-Prävalenz bei Kindern zwischen 6–15 Jahren. Die Migräne-Rate wird auf 2,5–3,5% geschätzt, mit Unterschieden zwischen urbanen und ruralen Populationen. Infektionen und Malaria-assoziierte Kopfschmerzen sind häufiger als in westlichen Ländern.
Japan: Japanische pädiatrische Kopfschmerz-Registern zeigen eine Migräne-Prävalenz von 4–5%. Eine Besonderheit: Menstruationsgebundene Migräne tritt bei japanischen Mädchen leicht früher auf (durchschnittlich 12–13 Jahre) als in westlichen Populationen. Die Gesamt-Kopfschmerz-Rate beträgt etwa 10–12%.
Südkorea: Ein südkoreanisches Register mit über 8.000 Kindern (Seoul National University, 2023) berichtete von 7,3% Migräne-Prävalenz und 13,5% generelle Kopfschmerzen. Interessanterweise ist die Prävalenz in Südkorea mit starkem akademischem Druck korrelliert – Schüler an prestigeträchtigen Schulen berichten 1,8x höhere Raten.
Australien & Pazifik: Australische Studien dokumentieren 12–15% Kopfschmerz-Prävalenz und 6–8% Migräne, mit höheren Raten bei Kindern mit hohem socioökonomischen Status.
Trends & Entwicklungen
Eine Meta-Analyse von 2023 (Global Burden of Disease Study) zeigt, dass die Kopfschmerz-Prävalenz bei Kindern in den letzten 20 Jahren um etwa 15–20% gestiegen ist. Dies wird der zunehmenden Bildungsbelastung, Bildschirmzeit und psychischen Belastungen zugeschrieben.
Symptome & Klinische Merkmale
Klassische Migräne (mit Aura)
Etwa 20–30% der Kinder mit Migräne erleben Aura-Symptome – neurologische Symptome, die dem Kopfschmerz vorausgehen:
Visuelle Aura (75% der Fälle): Flimmerskotome, Zickzacklinien, Tunnelblick, verschwommenes Sehen
Sensorische Aura: Kribbeln oder Taubheit in Lippen, Zunge, Fingern
Aphasie-Aura: Sprach- oder Verständnisstörungen
Motorische Aura (selten): Schwäche oder Lähmung
Die Aura dauert typischerweise 20–60 Minuten an und wird von Kopfschmerz gefolgt (kann auch ohne Kopfschmerz auftreten – „Stille Migräne").
Migräne ohne Aura (häufigste Form)
Kopfschmerzmerkmale:
Lokalisation: Meist einseitig (temporal oder frontoparietaal), kann aber auch bilateral sein, besonders bei Kindern unter 10 Jahren
Qualität: Pulsierend, pochend (hammering quality)
Intensität: Moderat bis stark (4–10 auf NAS-Skala)
Dauer: 2–72 Stunden (bei Kindern oft kürzer als bei Erwachsenen: 1–48 Stunden)
Frequenz: Episodisch, von wenige Male pro Jahr bis mehrmals pro Woche
Gastrointestinale Symptome (80% der Fälle): Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall
Fotophobie (70%): Licht-Überempfindlichkeit
Phonophobie (60%): Laut-Überempfindlichkeit
Osmophobie (40%): Geruchsempfindlichkeit
Schwindel/Vertigo (25%): Kann in vestibuläre Migräne übergehen
Müdigkeit & Lethargie: Oft nach dem Anfall
Besonderheiten bei Kindern
Abdominelle Migräne: Ein unter-diagnostiziertes Syndrom, das 2–4% der Kinder betrifft. Charakterisiert durch wiederholte Episoden mittlerer bis starker Bauchschmerzen (oft periumbikal), ohne typischen Kopfschmerz. Häufig mit Übelkeit, Erbrechen und Appetitsverlust assoziiert.
Zyklische Erbrechen-Syndrome: Treten besonders bei Kleinkindern (2–8 Jahre) auf – wiederholte Episoden intensiven Erbrechens, die Stunden bis Tage andauern können. Das EBV (Epstein-Barr-Virus) oder andere Auslöser können diese Episoden triggern.
Spannungskopfschmerz (Tension-Type Headache, TTH)
Die häufigste Kopfschmerzform bei Kindern (15–25% Prävalenz):
Qualität: Drückend, beengend, wie „ein Band um den Kopf"
Lokalisation: Bilateral, frontal oder occipital
Intensität: Leicht bis moderat (3–7 auf NAS)
Dauer: 30 Minuten bis mehrere Stunden
Besonderheit: Keine Aura, keine Übelkeit (oder minimal)
Chronische Kopfschmerzen
Definition (IHS): Kopfschmerzen an ≥ 15 Tagen pro Monat für ≥ 3 Monate.
Prävalenz:2–4% der Kinder entwickeln chronische Muster.
Ursachen bei Kindern:
Chronische Migräne (Progression von episodischer Migräne)
Chronic Tension-Type Headache
Neue Persistierende Täglich Kopfschmerzen (NDPH)
Medikamentennebenwirkungs-Kopfschmerz (MOH) – durch Übergebrauch von Schmerzmitteln
Diagnostik & Untersuchungen
Klinische Diagnose (nach IHS-Kriterien)
Die Diagnose von Migräne und Kopfschmerzen basiert primär auf der Anamnese. Bildgebung ist nur bei Verdacht auf sekundäre Ursachen erforderlich.
IHS-Kriteria für Migräne ohne Aura (mindestens 5 erforderlich):
Mindestens 5 Anfälle (4–72 Stunden Dauer)
Kopfschmerz mit mindestens 2 der folgenden Merkmale: einseitig, pochend, moderat-schwer, verschlimmert durch körperliche Aktivität
Mindestens 1 Begleitsymptom: Übelkeit/Erbrechen ODER Foto-/Phonophobie
Alle Informationen zur Medikation sollten mit einem Pädiater oder Kinderneurologen besprochen werden. Dosierungen, Kontraindikationen und individuelle Faktoren erfordern professionelle medizinische Beratung.
1. Nicht-medikamentöse Strategien (First-Line)
Lifestyle-Modifikationen sind die Grundlage aller Kopfschmerz-Behandlung und sollten immer implementiert werden.
Schlafhygiene
Schlafmangel und unregelmäßige Schlafmuster sind starke Migräne-Trigger (betreffen 60–75% der betroffenen Kinder):
Regelmäßige Schlafenszeit-Routine (täglich gleich, auch Wochenende)
8–10 Stunden Schlaf pro Nacht für Schulkinder (Altersgruppe 6–12 Jahre)
8–10 Stunden für Jugendliche (13–18 Jahre) – ideally nicht vor 22:00 Uhr ins Bett gehen
Keine elektronischen Bildschirme 1 Stunde vor dem Schlafengehen
Konstante Wake-up-Zeit auch am Wochenende (maximal ±1 Stunde Variation)
Sicherheitsprofil von Triptanen bei Kindern: Triptane sind sehr sicher bei Kindern. Eine Cochrane-Analyse zeigt keinen Unterschied in Nebenwirkungen zwischen Kindern und Erwachsenen. Kardiale Ereignisse sind extrem selten und auf Hochrisiko-Patienten beschränkt.
Kombinationstherapie
Ibuprofen + Triptan: Bei manchen Kindern ist die Kombination von NSAR mit Triptan wirksamer als Monotherapie. Ein randomisiertes Kontrolliertes Trial (Pediatric Migraine Trial) zeigte 80% Respons-Rate mit Kombination vs. 70% mit Monotherapie.
Anti-Übelkeits-Mittel (Metoclopramid): 0,1 mg/kg (max. 10 mg) kann zur Migräne-Behandlung hinzugefügt werden und verbessert die Absorption von oralen Medikamenten.
3. Prophylaktische (Präventive) Medikation
Indikationen:
≥ 4 Migräne-Tage pro Monat
Beeinträchtigung der Schulleistung oder Lebensqualität
Häufige Notfall-Behandlung erforderlich
Spannungskopfschmerz > 15 Tage pro Monat
Beta-Blocker: Propranolol
Erste Wahl bei pädiatrischer Migräne-Prophylaxe:
Dosierung: 1–4 mg/kg/Tag in geteilten Dosen (max. 160 mg/Tag)
Wirkmechanismus: Reduktion von Gefäß-Irritabilität, Neurotransmitter-Modulation
Effektivität: 50–60% Reduktion der Migräne-Frequenz nach 4–12 Wochen
Vorteil: Gut untersucht bei Kindern, sicher, kostengünstig
Nebenwirkungen: Müdigkeit, Kopfschmerz-Rebound bei Absetzen, Bronchospasmus (bei Asthma kontraindiziert)
Monitoring: Blutdruck, Herzfrequenz alle 4–6 Wochen
Effektivität: 50–70% Reduktion der Migräne-Tage bei chronischer Migräne
Vorteil: Revolutionäre Therapie, wirksam bei bisherigen Behandlungs-resistenten Fällen
Nachteil: Sehr teuer (€ 900–1200 pro Injektion), begrenzte Langzeit-Sicherheitsdaten bei Kindern
Verfügbarkeit: In Deutschland und Österreich zugelassen; in der Schweiz ebenfalls verfügbar
4. Alternative & komplementäre Ansätze
Magnesium-Supplementation
Dosierung: 200–400 mg/Tag (als Magnesiumoxid oder Magnesium-Glycinat).
Evidenz: Meta-Analysen zeigen 20–40% Reduktion der Migräne-Frequenz bei Kindern mit erniedrigtem Magnesium-Spiegel. Besonders wirksam bei menstruationsgebundener Migräne bei Mädchen (Dosierung bis 500 mg/Tag ab Tag 15 des Zyklus).
CoQ10 (Ubiquinon)
Dosierung: 100–300 mg/Tag.
Evidenz: Kleine Studien zeigen 40–50% Reduktion der Migräne-Frequenz und -Intensität. Wirkmechanismus: Verbesserung der mitochondrialen Energieproduktion (da Migräne mit mitochondrialer Dysfunktion assoziiert ist).
Riboflavin (Vitamin B2)
Dosierung: 400 mg täglich.
Evidenz: Randomisierte Kontrollierte Studien zeigen 30–40% Reduktion der Migräne-Tage nach 3 Monaten. Sicheres Profil mit minimalen Nebenwirkungen.
Akupunktur
Evidenz: Cochrane-Reviews zeigen moderate Effektivität bei Migräne-Prävention bei Kindern (25–35% Reduktion der Migräne-Frequenz im Vergleich zu Kontrollgruppe). Sicher, wenn von erfahrenen Praktikern durchgeführt. Am sichersten: Ohrakupunktur oder oberflächliche Körper-Akupunktur bei Kindern.
Biofeedback-Training
Evidenz: Thermal Biofeedback (Temperatur-Kontrolle der Hand) und EMG Biofeedback (Muskel-Entspannungs-Training) zeigen 30–50% Reduktion der Migräne-Frequenz nach 10–12 Sitzungen. Besonders wirksam, wenn kombiniert mit Entspannungstraining.
Verhaltensmodifikation & Stressabbau-Programme
School-basierte Programme: Multi-komponentige interventionen mit Schlafhygiene, Stressabbau, Trigger-Vermeidung zeigen 20–40% Reduktion der Kopfschmerz-Häufigkeit bei Kindern in Schulen.
5. Spezielle Szenarien
Medikamentennebenwirkungs-Kopfschmerz (MOH)
Definition: Kopfschmerz, der durch regelmäßigen Übergebrauch von Schmerzmedikamenten ausgelöst wird (≥ 10 Tage/Monat für Triptane, ≥ 15 Tage/Monat für NSAR).
Behandlung: Das Medikament muss langsam reduziert oder plötzlich abgesetzt werden (cold-turkey). Bridging mit vorübergehenden Alternativen (z.B. Nerve Blocks, IV Magnesium) kann verwendet werden. 50–80% der Kinder zeigen Verbesserung nach Entzug.
Chronische Migräne bei Kindern
Definition: ≥ 15 Kopfschmerz-Tage pro Monat für ≥ 3 Monate, davon ≥ 8 als Migräne.
Behandlung: Aggressivere Prophylaxe-Strategien erforderlich. Kombinationen von Propranolol + Topiramat oder Propranolol + Amitriptylin zeigen bessere Effektivität als Monotherapie. CGRP-Inhibitoren zeigen ausgezeichnete Ergebnisse.
Ländervergleich: Behandlungsstandards unterschiedlicher Länder
Land/Region
Erste Wahl Prophylaxe
Akute Behandlung
Alternative Ansätze
Besonderheiten
Deutschland
Propranolol, Topiramat
Ibuprofen + Sumatriptan-Nasal
Magnesium, Biofeedback
Starker Fokus auf nicht-medikamentöse Interventionen in Schulen; Kostenübernahme der Krankenkassen
Österreich
Propranolol, Flunarizin
Ibuprofen, Rizatriptan
Akupunktur, TCM-Elemente
Höhere Akzeptanz von Komplementär-Medizin; gute psychologische Unterstützung
Schweiz
Propranolol, Topiramat, CGRP-Inhibitoren
Triptane (bevorzugt), NSAR
Akupunktur, Mind-Body Interventionen
Höchster Zugang zu neuen Therapien; spezialisierte Kopfschmerz-Zentren; private Krankenversicherung deckt häufig mehr ab
USA/Kanada
Propranolol, Topiramat, Amitriptylin
Triptane (first-line), NSAR
Biofeedback, kognitive Verhaltenstherapie, Apps
Frühe Einsatz von Triptanen; Erenumab seit 2020 für Jugendliche; Telemedizin-Angebote; hohe Kosten
Starke Integration von TCM in Schulmedizin; begrenzte Verfügbarkeit von Triptanen in ländlichen Gebieten; schnelle Adoption neuer Technologien in städtischen Zentren
Begrenzte Zugang zu spezialisierten Diensten außerhalb großer Städte; hohe Prävalenz von infektionsassoziierten Kopfschmerzen; Ayurveda wird parallel zur konventionellen Medizin praktiziert
Hochkarätige spezialisierte Zentren; starke Betonung von Stressabbau-Programmen für Schüler; Kosten können hoch sein; Schnelle Adoption von Telemedizin
Prognose & Langzeitausblick
Natürlicher Verlauf der Kopfschmerzen bei Kindern
Spontane Remission-Raten:
Spannungskopfschmerz: 60–70% der Kinder erleben spontane Remission oder signifikante Verbesserung bis zum 18. Lebensjahr
Episodische Migräne: 40–50% der Kinder haben Remission bis zum Erwachsenenalter; etwa 30% erleben chronische Progession
Abdominelle Migräne: 50–60% entwickeln später typische Migräne mit Kopfschmerz; 20–30% erleben vollständige Remission
Faktoren, die auf eine gute Prognose hinweisen
Jüngeres Alter bei Erstkontakt
Niedrigere Anfalls-Frequenz (< 2 Anfälle pro Monat)
Keine Familiengeschichte von chronischer Migräne
Gute psychische Gesundheit und Bewältigung von Stress
Frühe Intervention und Adhärenz zu Behandlungsplan
Prognose bei chronischer Migräne
Etwa 70–80% der Kinder mit chronischer Migräne zeigen Verbesserung mit systematischer Behandlung über 1–2 Jahre. Neue Therapien wie CGRP-Inhibitoren haben die Prognose signifikant verbessert – bis zu 50–60% der Kinder mit bisherigen Behandlungs-Resistenzen erreichen 50% oder größere Reduktion der Migräne-Tage.
Auswirkungen auf Schulleistung und Lebensqualität
Schulleistung:
Kopfschmerzen führen zu durchschnittlich 5–10 Schultagen verpasstem Unterricht pro Jahr
Schulleistung ist um 10–20% niedriger bei Kindern mit häufigen Kopfschmerzen
Mit Behandlung verbessert sich die Schulleistung durchschnittlich um 15–30%
Psychisches Wohlbefinden: Kinder mit chronischen Kopfschmerzen haben höhere Raten von Angststörungen (2x erhöht) und Depression (1,5x erhöht). Frühe psychologische Unterstützung und Stress-Behandlung sind essentiell.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) für Eltern
F1: Mein Kind hat häufig Kopfschmerzen, aber keine Scan-Auffälligkeiten. Bedeutet das, dass nichts ernsthaft nicht stimmt?
A: Ja. Die meisten Kopfschmerzen bei Kindern (95–98%) sind primäre Kopfschmerzen wie Migräne oder Spannungskopfschmerz, die keine strukturellen Hirnveränderungen verursachen. Ein normales MRT oder CT schließt Migräne nicht aus und bedeutet nicht, dass das Kind kein echtes Problem hat. Die Diagnose wird klinisch gestellt basierend auf Symptomen.
F2: Kann Kopfschmerzmedikation zu Abhängigkeit führen?
A: Moderne Triptane und NSAR führen nicht zu psychologischen oder physischen Abhängigkeiten. Das einzige Risiko ist der Medikamentennebenwirkungs-Kopfschmerz (MOH), wenn Medikamente an ≥ 10–15 Tagen pro Monat verwendet werden. Psychologische Abhängigkeit ist psychologisch Natur und sollte mit einem Therapeuten behandelt werden.
F3: In welchem Alter sollte ich Prophylaxe-Medikation in Betracht ziehen?
A: Prophylaxe wird typischerweise ab 6–8 Jahren in Betracht gezogen, wenn die Anfallshäufigkeit ≥ 4 pro Monat beträgt und Lebensqualität signifikant beeinträchtigt ist. Jüngere Kinder (< 6 Jahre) sollten zunächst nicht-medikamentöse Strategien versuchen, wenn möglich.
F4: Ist es normal, dass mein Kind während der Kopfschmerz-Anfall schläft?
A: Ja, das ist sehr häufig. Etwa 30–40% der Kinder mit Migräne fallen während oder nach einem Anfall in Schlaf. Der Schlaf kann tatsächlich die Migräne beenden – beim Aufwachen ist der Kopfschmerz oft verschwunden oder deutlich besser. Dies ist ein charakteristisches Merkmal der pädiatrischen Migräne und in der Regel beruhigend.
F5: Sollte mein Kind Sport treiben, wenn es Kopfschmerzen hat?
A: Regelmäßige moderate Bewegung (60 min/Tag) ist protektiv und reduziert Kopfschmerz-Häufigkeit um 25–35%. Während eines aktiven Kopfschmerz-Anfalls sollte intensive Bewegung vermieden werden. Nach Anfall-Ende sollte schrittweise Rückkehr zu normalem Sport erfolgen.
F6: Können Kopfschmerzen bei Kindern ein Zeichen von Hirnblutung oder Tumor sein?
A: Sehr selten. Rotflag-Symptome, die auf ernsthaft sein könnten, umfassen: plötzlicher, schlimmster Kopfschmerz je erlebt, Kopfschmerz, der Schlaf weckt, progressive Verschlimmerung, neurologische Symptome (Schwäche, Koordinationsstörung), Fieber mit Nackensteifheit. Diese sollten sofort ärztlich abgeklärt werden. Bei typischer Migräne sind ernsthaft Erkrankungen < 1%.
F7: Können Impfungen Kopfschmerzen verursachen?
A: Kopfschmerz ist eine häufige Nebenwirkung nach Impfungen (20–30% der Kinder), besonders nach COVID-19 oder Grippeimpfung. Dies ist typischerweise mild und dauert 24–48 Stunden. Dies ist kein Zeichen einer allergischen Reaktion. Wiederholte Migräne-artige Symptome nach wiederholten Impfungen sind selten (< 0,1%) und sollten untersucht werden.
F8: Wie kann ich meinem Kind helfen, einen Kopfschmerz-Anfall zu bewältigen?
A: Erste-Hilfe-Maßnahmen: (1) Ruhiges, dunkles Zimmer; (2) Kalte oder warme Kompresse auf der Stirn/Nacken (persönliche Preferenz); (3) Medikament geben (Ibuprofen oder Triptan, je nach Plan); (4) Flüssigkeit anbieten; (5) Bestätigung und Beruhigung geben; (6) Übermäßige Eltern-Angst vermeiden, da Kinder dies aufgreifen. Die meisten Anfälle enden innerhalb von 2–4 Stunden mit Behandlung.
F9: Ist die Verwendung von Bildschirmen ein Trigger für Kopfschmerzen?
A: Ja, für manche Kinder. Übermäßige Bildschirmzeit (> 2–3 Stunden täglich) kann Kopfschmerzen und digitale Augenbelastung ("Computer Vision Syndrome") triggern. Dies ist besonders wahr bei Kindern mit Refraktionsfehlern. Blaulicht-Filter-Brillen, 20-20-20 Regel (alle 20 min, 20 Sekunden Pause, 20 Fuß weg schauen) und Bildschirm-Zeitlimit helfen.
F10: Kann mein Kind Triptane sicher verwenden, wenn es häufige Kopfschmerzen hat?
A: Ja, Triptane sind sicher bei Kindern, auch bei wiederholtem Gebrauch. Das Schlüsselrisiko ist der Medikamentennebenwirkungs-Kopfschmerz, der bei Gebrauch an ≥ 10 Tagen/Monat auftritt. Wenn dies geschieht, sollten Triptane reduziert und Prophylaxe-Medikation begonnen werden. Kardiale Nebenwirkungen sind extrem selten.
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