Impfung vor der Reise
Wer mit Kindern in ein Risikogebiet reist, hat mit einer Vorimpfung im Ernstfall deutlich weniger zu organisieren. Hier steht, wann sie sinnvoll ist, wie früh beraten werden sollte und wie sich Tierkontakte unterwegs vermeiden lassen.
Wichtiger Hinweis
Tollwut ist nach Beginn klinischer Symptome praktisch immer tödlich. Vor dem Ausbruch lässt sie sich nach einer Exposition jedoch mit sofortiger Wundreinigung und korrekt durchgeführter Postexpositionsprophylaxe, kurz PEP, sehr zuverlässig verhindern.
Nach einem möglichen Risikokontakt nicht auf Symptome warten und nicht erst nach der Rückreise handeln. Biss- und Kratzwunden sowie Speichelkontakt mit verletzter Haut oder Schleimhaut sofort etwa 15 Minuten mit viel Wasser und Seife spülen. Danach unverzüglich medizinisch beurteilen lassen. Das gilt besonders nach Kontakt mit Hunden, Katzen, Affen oder Fledermäusen in einem Tollwutgebiet sowie bei einem aus dem Ausland importierten, nicht zuverlässig dokumentierten Tier.
Österreich ist seit 2008 offiziell frei von terrestrischer Tollwut. Das bedeutet, dass das klassische Tollwutvirus bei heimischen landlebenden Säugetieren nicht dauerhaft zirkuliert. Es bedeutet nicht, dass jedes Tollwutrisiko ausgeschlossen ist: In Österreich wurde 2023 erstmals ein Fledermaus-Lyssavirus nachgewiesen, und infizierte Tiere können illegal aus Endemiegebieten eingeführt werden.
Eine vorherige Tollwutimpfung ersetzt nach einem verdächtigen Kontakt nicht die medizinische Abklärung. Sie vereinfacht die Behandlung, weil normalerweise kein Tollwut-Immunglobulin nötig ist und weniger Impfungen folgen.
Bei schwerer Bissverletzung, starker Blutung, Gesichts- oder Augenverletzung, Bewusstseinsstörung oder Kreislaufproblemen in Österreich 144 beziehungsweise 112 rufen. Die akute Wundversorgung hat Vorrang; die Tollwutbewertung wird parallel organisiert.
46 Was ist präexpositionelle Prophylaxe?
Präexpositionelle Prophylaxe, PrEP, ist die Impfung vor einem möglichen Kontakt. Sie schafft immunologisches Gedächtnis und vereinfacht die PEP nach einem Biss.
Sie wird erwogen für:
- Reisende in Tollwutgebiete mit relevantem Tierkontakt
- Kinder, die Tiere besonders wahrscheinlich anfassen
- lange Aufenthalte oder abgelegene Regionen
- Orte mit schlechter Impfstoff- oder Immunglobulinversorgung
- Veterinärpersonal und Tierpflegende
- Laborpersonal mit Lyssaviren
- Fledermausforschende und bestimmte Höhlenaktivitäten.
Die genaue Impfserie richtet sich nach Alter, Impfstoff, Zulassung, Reisezeit und österreichischem Impfplan. Für Kinder wird häufig ein konventionelles Mehrdosis-Schema verwendet.
47 Warum ist eine Vorimpfung gerade bei Kindern auf Reisen sinnvoll?
Kinder suchen Tierkontakt, kleine Wunden werden übersehen und Immunglobulin ist in vielen Ländern schwer verfügbar. Eine Vorimpfung verschafft Zeit und macht nach Exposition normalerweise nur noch zwei Impfstoffdosen nötig; RIG entfällt.
Sie ersetzt dennoch nicht:
- Tierkontakte zu vermeiden
- Wunden 15 Minuten zu waschen
- sofort ärztliche Hilfe zu suchen
- zwei Auffrischdosen nach Exposition zu erhalten.
Die Entscheidung hängt nicht nur von der Reisedauer ab. Ein einwöchiger Aufenthalt mit vielen Straßenhunden und schlechter Versorgung kann relevanter sein als ein längerer Aufenthalt in einem gut versorgten städtischen Umfeld.
48 Wie früh vor der Reise sollte beraten werden?
Idealerweise mehrere Wochen vor Abreise. Dann bleibt Zeit für die Grundimmunisierung, andere Reiseimpfungen und einen Notfallplan. Auch eine kurzfristige Beratung ist sinnvoll; je nach Alter und zugelassenem Schema können noch wirksame Optionen bestehen.
Eltern sollten klären:
- Tollwutstatus aller Reiseländer
- Aufenthaltsorte und Entfernungen zu qualifizierter Versorgung
- geplante Tierkontakte, Radfahren, Trekking oder Höhlenbesuche
- Krankenversicherung und Transportmöglichkeiten
- Dokumentation der Impfungen in Papier und digitaler Kopie.
49 Welche Länder gelten als Tollwutrisikogebiete?
Die Lage ist dynamisch und kann innerhalb eines Landes regional verschieden sein. Hundevermittelte Tollwut ist besonders in Teilen Afrikas und Asiens verbreitet. Auch in Nahost, Osteuropa und Lateinamerika kommen je nach Region Tollwut oder Fledermauslyssaviren vor.
Keine statische Liste ersetzt aktuelle WHO-, AGES-, ECDC- oder reisemedizinische Informationen. „Touristischer Ort“ und „Luxushotel“ schützen nicht vor einem frei laufenden Hund oder Affen. Auch kurze Landgänge oder Tagesausflüge zählen.
50 Wie verhindert man Tierkontakte auf Reisen?
- Straßenhunde und -katzen weder füttern noch streicheln.
- Auch Welpen und Jungkatzen meiden; sie wirken harmlos, werden aber häufig angefasst.
- Affen keine Nahrung zeigen und nicht für Fotos berühren.
- Kinder in Tempelanlagen, Märkten und Parks unmittelbar beaufsichtigen.
- Keine Tiere aus dem Urlaub „retten“ und spontan mitnehmen.
- Höhlen mit Fledermäusen nur fachkundig und mit geeigneter Planung betreten.
- Haustierkontakt in fremden Haushalten nur nach klarer Zustimmung und Aufsicht.
- Nach jeder Kratz- oder Bissverletzung sofort handeln, auch wenn das Tier klein war.
Alle Kapitel dieses Ratgebers
- 1. Was Tollwut ist und wo sie vorkommt Abschnitt 1–5 · 5
- 2. Übertragung und Verlauf Abschnitt 6–20 · 15
- 3. Nach einem Tierkontakt Abschnitt 21–31 · 11
- 4. Die Vorsorgebehandlung nach Kontakt Abschnitt 32–45 · 14
- 5. Impfung vor der Reise Abschnitt 46–50 · 5
- 6. Häufige Situationen Abschnitt 51–62 · 12
- 7. Irrtümer, Fehler und das Gespräch mit dem Kind Abschnitt 63–73 · 11
- 8. Entscheidungsweg, Checkliste und Quellen Abschnitt 74–79 · 6
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