Influenza-Impfung – Impfung gegen die echte Grippe
Die Grippe – medizinisch Influenza – wird im Alltag oft mit einem gewöhnlichen grippalen Infekt verwechselt, verläuft bei kleinen Kindern aber deutlich häufiger schwer, als vielen Eltern bewusst ist. Weltweit empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die jährliche Grippeimpfung ausdrücklich auch für Kinder ab sechs Monaten als eine von mehreren Hochrisikogruppen. Wie diese Empfehlung in der Praxis umgesetzt wird, unterscheidet sich zwischen einzelnen Ländern aber beträchtlich: Manche Staaten bieten sie allen Kindern kostenfrei als Nasenspray an, andere beschränken sie auf chronisch kranke Kinder. Dieser Ratgeber ordnet die österreichische Empfehlung ein, erklärt den Unterschied zwischen Spritze und Nasenspray, zeigt anhand internationaler Daten, wie gut der Schutz tatsächlich wirkt – und beantwortet die Fragen, die Eltern in unserer Ordination dazu am häufigsten stellen.
So ist dieser Ratgeber aufgebaut
Grundlage dieses Artikels ist eine Auswertung aktueller Empfehlungen und Studien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie von Gesundheitsbehörden und pädiatrischen Fachgesellschaften aus Österreich, Deutschland, dem Vereinigten Königreich, den USA, Kanada, Frankreich, Spanien und Portugal, ergänzt um eine Cochrane-Übersichtsarbeit zur Wirksamkeit bei Kindern. Die Kapitel bauen lose aufeinander auf, lassen sich über das Inhaltsverzeichnis aber auch einzeln ansteuern.
Wenn Sie es eilig haben: Der Abschnitt „Die Empfehlung in Österreich" beantwortet, für wen die Impfung hierzulande empfohlen wird, wann und wie sie erfolgt. Ausführliche Informationen zum Krankheitsbild selbst – Symptome, Verlauf, Unterschied zum grippalen Infekt – finden Sie in unserem separaten Artikel Grippe (Influenza); dieser Ratgeber konzentriert sich ganz auf die Impfung.
Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Er dient der Orientierung und der Vorbereitung auf das Gespräch in der kinderärztlichen Praxis. Ob, wann und mit welchem Präparat Ihr Kind gegen Influenza geimpft wird – insbesondere bei einer chronischen Vorerkrankung –, besprechen Sie bitte persönlich mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt.
1. Warum überhaupt gegen die Grippe impfen?
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt die jährliche Grippeimpfung in ihrem globalen Grundsatzpapier ausdrücklich als Teil einer Hochrisikogruppen-Strategie – und zwar nicht nur für ältere oder chronisch kranke Menschen, sondern ausdrücklich auch für Kinder von sechs Monaten bis fünf Jahren, neben Schwangeren, Über-65-Jährigen und dem Personal im Gesundheitswesen. Diese Empfehlung mag zunächst überraschen, denn Influenza wird im Alltag oft mit einer gewöhnlichen Erkältung gleichgesetzt. Tatsächlich handelt es sich um zwei unterschiedliche Krankheitsbilder mit unterschiedlichem Verlauf und Komplikationsrisiko; Symptome, Abgrenzung zum grippalen Infekt und typischer Verlauf werden ausführlich in unserem separaten Artikel Grippe (Influenza) behandelt.
Wie ernst die WHO die Erkrankung bei kleinen Kindern nimmt, zeigt eine von ihr zitierte, global ausgerichtete Zahl: 99 Prozent aller Todesfälle von Kindern unter fünf Jahren, die an einer influenzabedingten unteren Atemwegsinfektion sterben, entfallen auf Entwicklungsländer. Diese eklatante Ungleichheit ist einer der zentralen Gründe, warum sich die WHO weltweit für einen besseren Zugang zu Grippeimpfstoffen einsetzt. Für Österreich lässt sich daraus vor allem eine Erkenntnis ableiten: Auch wenn schwere Verläufe hierzulande dank guter medizinischer Versorgung seltener tödlich enden, verschwindet das Risiko schwerer Komplikationen bei kleinen Kindern nicht von selbst – es wird im Ernstfall nur besser behandelt.
Fachlich fußen die meisten der im Folgenden beschriebenen nationalen Empfehlungen auf dem aktuellen WHO-Positionspapier „Vaccines against influenza" (Weekly Epidemiological Record, Band 97, Nr. 19, Mai 2022), das das bisherige Grundlagenpapier aus dem Jahr 2012 ablöst. Es behandelt unter anderem den Einsatz quadrivalenter (viervalenter) Impfstoffe, neuere Herstellungsverfahren auf Zellkulturbasis anstelle der klassischen Bebrütung in Hühnereiern sowie höher dosierte Formulierungen für bestimmte Bevölkerungsgruppen.
2. Zwei Impfstoff-Typen: Spritze und Nasenspray
Gegen Influenza stehen grundsätzlich zwei unterschiedliche Impfstoff-Typen zur Verfügung, die in den weiter unten beschriebenen Ländern in unterschiedlichem Ausmaß eingesetzt werden: ein injizierbarer Totimpfstoff (inaktivierter Impfstoff, kurz IIV) und ein als Nasenspray verabreichter Lebendimpfstoff (attenuierter Lebendimpfstoff, kurz LAIV).
Spritze und Nasenspray im Vergleich
💉 Totimpfstoff (IIV)
💧 Lebendimpfstoff (LAIV, Nasenspray)
In vielen der weiter unten beschriebenen Programme – etwa in Österreich, dem Vereinigten Königreich, Frankreich, Spanien und Kanada – ist das Nasenspray für gesunde Kinder das bevorzugte Präparat, weil es ohne Nadel auskommt und von Kindern wie Eltern in der Regel besser akzeptiert wird.
3. Trivalent statt quadrivalent: eine aktuelle Umstellung
Ein Detail, das die Impfpläne mehrerer Länder 2024 und 2025 verändert hat: Seit September 2023 empfiehlt die WHO weltweit, von den bisher üblichen vierfach wirksamen (quadrivalenten) Grippeimpfstoffen auf dreifach wirksame (trivalente) Präparate umzusteigen. Grund dafür ist, dass eine der bislang vier enthaltenen Virus-Linien, die sogenannte B/Yamagata-Linie, seit März 2020 nicht mehr gesichert in der Bevölkerung zirkuliert – wie eine 2024 im Fachjournal The Lancet Microbe veröffentlichte Analyse von Caini und Kolleg:innen zeigte, zitiert nach der deutschen Ständigen Impfkommission (STIKO) und dem Robert Koch-Institut (RKI).
Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) folgte dieser Empfehlung im März 2024. Die STIKO stellte ihre eigene Empfehlung mit dem Epidemiologischen Bulletin 31/2024 vom 1. August 2024 entsprechend um: Seit der Saison 2024/2025 empfiehlt sie in Deutschland vorrangig trivalente Impfstoffe, wobei die vollständige Umstellung bei Totimpfstoffen erst zur Saison 2025/2026 abgeschlossen sein sollte; ein quadrivalenter Lebendimpfstoff wurde für die Saison 2024/2025 in Deutschland nicht mehr empfohlen. Da EMA-Zulassungen EU-weit gelten, betrifft dieser schrittweise Wechsel grundsätzlich auch die in Österreich verfügbaren Impfstoffe – Details zum jeweils aktuell eingesetzten Präparat klärt am zuverlässigsten das Gespräch in unserer Ordination.
4. Die Empfehlung in Österreich
In Österreich koordiniert das Nationale Impfgremium (NIG) gemeinsam mit dem zuständigen Bundesministerium und der Sozialversicherung die Empfehlung zur Grippeimpfung. Zentrales Instrument ist das „Öffentliche Impfprogramm Influenza" (ÖIP-Influenza), ein gemeinsames Projekt von Bund, Ländern und Sozialversicherung, das den Impfstoff kostenfrei zur Verfügung stellt. Für die Saison 2025/2026 startete dieses Programm im Oktober 2025 erneut ohne Kosten für die geimpfte Person, wie die österreichische Sozialversicherung (ÖGK) mitteilt.
Besonders empfohlen wird die Impfung laut Sozialversicherung Österreich für die Saison 2025/2026 unter anderem für Kinder ab dem vollendeten 6. Lebensmonat, für Personen ab 60 Jahren, für Schwangere und Stillende, für Menschen mit chronischen Erkrankungen sowie für Personal im Gesundheits- und Pflegebereich.
Für Kinder und Jugendliche vom 2. bis zum 18. Geburtstag steht laut impfen.gv.at (Nationales Impfgremium) ein Lebendimpfstoff als Nasenspray zur Verfügung – eine kindgerechte Option ohne Nadel. Begründet wird die eigenständige Empfehlung für diese Altersgruppe unter anderem damit, dass Kinder eine wichtige Rolle bei der Übertragung und Verbreitung der Influenza in der Bevölkerung spielen, während Säuglinge und Kleinkinder selbst ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf tragen. Der empfohlene Impfzeitraum liegt zwischen Mitte Oktober und November, damit der Schutz möglichst rechtzeitig vor dem typischen Beginn der Grippewelle aufgebaut ist.
5. Internationaler Vergleich: Wer empfiehlt was?
Ein Blick über die Grenzen zeigt: Die grundsätzliche Einschätzung, dass die Grippeimpfung bei Kindern sinnvoll ist, teilen fast alle hier untersuchten Länder – doch ob sie allen gesunden Kindern angeboten wird oder nur bestimmten Risikogruppen, unterscheidet sich deutlich.
| Land | Zuständiges Gremium | Empfehlung für gesunde Kinder | Bevorzugter Impfstoff |
|---|---|---|---|
| Österreich | Nationales Impfgremium (NIG) | Allgemein empfohlen ab 6 Monaten, kostenfrei (ÖIP-Influenza) | Nasenspray (LAIV) vom 2. bis 18. Geburtstag |
| Deutschland | STIKO / Robert Koch-Institut | Nur für Risikogruppen (Indikationsimpfung, Kategorie „I") | LAIV als Alternative zu IIV, 2–17 Jahre |
| Vereinigtes Königreich | JCVI / NHS / UKHSA | Allgemein empfohlen, nationales Schulimpfprogramm | LAIV bevorzugt, 2 bis unter 18 Jahre |
| USA | CDC / ACIP | Allgemein empfohlen ab 6 Monaten (seit 2010) | LAIV oder IIV; LAIV nur 2–49 Jahre |
| Kanada | Canadian Paediatric Society / NACI | Allgemein empfohlen ab 6 Monaten | LAIV oder IIV, 2–17 Jahre (wenn nicht immunsupprimiert) |
| Frankreich | Haute Autorité de Santé (HAS) | Individuell empfohlen, 2–17 Jahre (seit Februar 2023) | LAIV (Fluenz Tetra) bevorzugt |
| Spanien | CAV-AEP (Asociación Española de Pediatría) | Systematisch 6–59 Monate (finanziert); individuell 5–18 Jahre | LAIV ab 2 Jahren bevorzugt |
| Portugal | Direção-Geral da Saúde (DGS) | Risikogruppe 6 Monate–5 Jahre (seit Saison 2025/26), kostenfrei 6–24 Monate | im Rahmen dieser Recherche nicht verifiziert |
Auch Australien und Italien verfolgen nach den vorliegenden Angaben eine grundsätzlich befürwortende Linie: Das australische Immunisation Handbook der ständigen Impfkommission ATAGI trägt den programmatischen Titel „All people aged ≥6 months are recommended to receive influenza vaccine every year" und schließt Kinder ab 6 Monaten damit ausdrücklich ein. Das italienische Gesundheitsministerium veröffentlicht jährlich ein eigenes Rundschreiben („Circolare") zur Grippeprävention, zuletzt für die Saison 2026/2027, dessen Existenz unter anderem durch das Istituto Superiore di Sanità (ISS-EpiCentro) und die pädiatrischen Fachgesellschaften SIP und FIMP bestätigt ist. Konkrete Altersgrenzen und Kostenregelungen ließen sich für beide Länder im Rahmen dieser Recherche jedoch nicht im Detail verifizieren und werden deshalb hier bewusst nicht beziffert.
Die Grippe betrifft in Frankreich jährlich zwischen zwei und sechs Millionen Menschen und verursacht rund 9.000 Todesfälle im Jahr – über 90 Prozent davon bei Menschen über 65 Jahren. Kinder von 2 bis 5 Jahren sind bei Arztkonsultationen und Notaufnahmebesuchen wegen Grippe überproportional vertreten. So begründet die französische Haute Autorité de Santé (HAS) ihre im Februar 2023 erstmals ausgesprochene Empfehlung, die Impfung auch gesunden Kindern von 2 bis 17 Jahren anzubieten.
Bemerkenswert an der französischen Begründung ist, dass die HAS sich dabei ausdrücklich nicht in erster Linie auf den Herdenschutz-Gedanken stützt, sondern auf den individuellen Nutzen und die Sicherheit für das geimpfte Kind selbst – und zusätzlich eine Kostenübernahme fordert, damit finanzielle Hürden für impfwillige Eltern entfallen. Kinder unter 2 Jahren wurden von dieser erweiterten Empfehlung bewusst ausgenommen, da die verfügbaren Wirksamkeitsdaten für diese Altersgruppe laut HAS noch zu begrenzt seien.
Auch das spanische CAV-AEP liefert einen aufschlussreichen Praxis-Hinweis: Obwohl die Impfung für 6 bis 59 Monate alte Kinder vom staatlichen Gesundheitssystem SNS vollständig finanziert wird, lag die Impfquote in dieser Gruppe in der Vorsaison nach eigenen Angaben nur bei 33 bis 55 Prozent – ein Hinweis darauf, dass eine kostenfreie Impfung allein noch keine hohe Impfquote garantiert. Das CAV-AEP fordert deshalb zusätzliche Maßnahmen zur Steigerung der Impfbereitschaft und mittelfristig eine Ausweitung der systematischen Empfehlung auf alle 6- bis 18-Jährigen. Die portugiesische DGS wiederum erweiterte ihre Empfehlung erst mit der laufenden Saison 2025/2026 (Norma Nr. 009/2025 vom 9. September 2025): Gesunde Kinder von 6 Monaten bis 5 Jahren gelten seither als eigene Hochrisikogruppe, mit einer kostenlosen Impfung für 6 bis 24 Monate alte Kinder als zentraler Neuerung.
Ein praktisches Detail zur Dosierung, das mehrere Länder übereinstimmend nennen: Sowohl die kanadische CPS als auch das spanische CAV-AEP sehen für Erstimpflinge unter neun beziehungsweise unter acht Jahren zwei Dosen im Abstand von mindestens vier Wochen vor; ab der zweiten Impfsaison und bei älteren Kindern genügt jeweils eine einzelne jährliche Dosis. Ob diese Zwei-Dosen-Regel auch für die österreichische Erstimpfung Ihres Kindes gilt, klären Sie am besten direkt in unserer Ordination.
6. Die deutsche Sonderrolle: nur Risikogruppen
Anders als Österreich und die meisten hier untersuchten Länder empfiehlt Deutschland die Grippeimpfung nicht generell für alle gesunden Kinder. Die STIKO ordnet sie in die Kategorie „I" (Indikationsimpfung) ein: empfohlen für Personen ab 6 Monaten mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung durch eine Grunderkrankung. Laut dem Epidemiologischen Bulletin 31/2024 des Robert Koch-Instituts vom 1. August 2024 zählen dazu unter anderem:
- chronische Atemwegserkrankungen, einschließlich Asthma bronchiale und COPD
- Herz-Kreislauf-, Leber- und Nierenerkrankungen
- Diabetes und andere Stoffwechselerkrankungen
- chronisch-neurologische Erkrankungen, etwa Multiple Sklerose
- angeborene oder erworbene Immundefizienz, einschließlich HIV-Infektion
- Bewohnerinnen und Bewohner von Alters- und Pflegeheimen
- Haushaltskontakte von Risikopersonen
Schwangere werden von der STIKO ab dem 2. Trimenon zur Impfung eingeladen, bei Vorliegen einer Grunderkrankung bereits ab dem 1. Trimenon. Kinder und Jugendliche von 2 bis 17 Jahren können in Deutschland alternativ mit dem attenuierten Lebendimpfstoff (LAIV, Nasenspray) geimpft werden, sofern keine Kontraindikation besteht; bei Spritzenphobie oder Gerinnungsstörungen wird das Nasenspray laut STIKO sogar bevorzugt eingesetzt.
Diese deutsche Indikationsstrategie unterscheidet sich damit erkennbar von der österreichischen Linie, die die Impfung allen Kindern ab 6 Monaten empfiehlt, ebenso wie von den allgemeinen Empfehlungen des Vereinigten Königreichs, der USA und Kanadas sowie von der systematischen Empfehlung Spaniens für 6- bis 59-Monate alte Kinder. Welche Strategie im Einzelfall die „richtige" ist, hängt auch von Faktoren wie Impfstoffverfügbarkeit, Kosten-Nutzen-Abwägungen des jeweiligen Gesundheitssystems und der landesspezifischen Krankheitslast ab – für die konkrete Empfehlung, die für Ihr Kind gilt, ist in jedem Fall der österreichische Impfplan maßgeblich.
7. Wirksamkeit: Was die Forschung zeigt
Die umfassendste unabhängige Evidenzsynthese zur Wirksamkeit bei Kindern stammt von der Cochrane Collaboration: Eine Metaanalyse von Jefferson und Kolleg:innen (Cochrane Database of Systematic Reviews, 2018) wertete 41 randomisierte kontrollierte Studien mit über 200.000 Kindern aus.
„NNV" steht dabei für Number Needed to Vaccinate: die Anzahl an Kindern, die geimpft werden müssen, damit ein einziger Influenzafall verhindert wird. Für grippeähnliche Erkrankungen insgesamt (ILI, ein breiteres, weniger spezifisches Maß) fiel der Effekt kleiner aus: Beim Lebendimpfstoff sank das Risiko von 17 auf 12 Prozent (NNV 20, niedrige Evidenzqualität), beim Totimpfstoff von 28 auf 20 Prozent (NNV 12, moderate Qualität). Zu Kindern unter 2 Jahren lagen laut Cochrane nur sehr wenige randomisierte Studien vor – eine Evidenzlücke, die auch die französische HAS als Grund nennt, ihre erweiterte Empfehlung nicht auf diese jüngste Altersgruppe auszudehnen.
Neuere Daten aus den USA liefern zusätzlich Aufschluss darüber, wie gut die Impfung gerade vor den schwersten Verläufen schützt. Eine 2026 in der Fachzeitschrift Pediatrics veröffentlichte Studie von CDC-Forschenden, die acht Grippesaisons zwischen August 2016 und Juli 2025 auswertete (ohne die Pandemiesaison 2020/21), fand eine Wirksamkeit der Impfung gegen einen influenzabedingten Tod bei Kindern von 6 Monaten bis 17 Jahren von insgesamt 80 Prozent.
Von den 1.234 in der Studie analysierten pädiatrischen Influenza-Todesfällen waren nur 23 Prozent der chronisch kranken und lediglich 13 Prozent der zuvor gesunden verstorbenen Kinder vollständig geimpft. Bemerkenswert ist außerdem, wie stark die Zahl der gemeldeten Todesfälle je Saison schwankte: von 37 in der Saison 2011/12 bis zu 289 in der besonders schweren Saison 2024/25. Eine frühere CDC-Studie (Clinical Infectious Diseases, 2022) zur Saison 2019/2020 – mit einer damaligen Rekordzahl von 199 pädiatrischen Todesfällen und einem ausgeprägten Antigendrift, also einer stärkeren Veränderung der zirkulierenden Viren gegenüber dem Impfstoff – fand selbst in dieser ungünstigen Saison noch eine Wirksamkeit von 78 Prozent gegen antigenetisch gut passende Influenza-A-Viren, 47 Prozent gegen driftete Viren und 76 Prozent Schutz vor lebensbedrohlichen Komplikationen wie Beatmungspflicht, Wiederbelebung oder Tod. Trotz der seit 2010 bestehenden CDC-Empfehlung lag die Impfquote bei unter 18-Jährigen in den USA in der Saison 2020/21 aber nur bei 50,8 bis 68 Prozent.
8. Die Nasenspray-Kontroverse: USA gegen Vereinigtes Königreich
Ein Fallbeispiel aus dem Jahr 2016 zeigt anschaulich, dass Wirksamkeitsdaten zwischen Ländern und Saisons erheblich schwanken können – und wie unterschiedlich Gesundheitsbehörden mit derselben Ausgangslage umgehen können. Im Sommer 2016 riet das US-amerikanische Beratungsgremium ACIP wegen niedriger beobachteter Wirksamkeit des Nasensprays (LAIV) in den USA – gestützt auf CDC-Daten aus den Saisons 2013/14 bis 2015/16 – für die Saison 2016/17 vom Lebendimpfstoff ab und empfahl stattdessen ausschließlich den injizierbaren Totimpfstoff.
Das britische Joint Committee on Vaccination and Immunisation (JCVI) prüfte dieselben US-Daten, zog aber zusätzlich eigene Wirksamkeitsdaten aus dem Vereinigten Königreich sowie aus Finnland und Kanada heran. Da diese – anders als die US-Daten – eine gute Gesamtwirksamkeit des Nasensprays zeigten, entschied das JCVI im August 2016, die Nutzung des Präparats im britischen Kinderimpfprogramm fortzusetzen. Die Diskrepanz zwischen den Ländern blieb dabei ungeklärt; als mögliche Ursachen nannte das JCVI unter anderem Unterschiede in der Virusstabilität, eine mögliche Interferenz zwischen den im Impfstoff enthaltenen Impfviren, Aspekte der Kühlkette sowie der Chargenkontrolle und methodische Unterschiede zwischen den Studien.
Belege aus Schottland zeigten damals eine direkte Reduktion des Hospitalisierungsrisikos bei geimpften Kindern; Daten aus England zeigten zusätzlich einen indirekten Effekt – einen Herdenschutz – durch die Impfung von Grundschulkindern, mit spürbar reduzierten Influenza-Indikatoren auch in nicht geimpften Altersgruppen, konsistent mit bereits in der Vorsaison 2014/15 beobachteten Mustern.
Bis heute setzt das Vereinigte Königreich auf dieser Grundlage weiterhin auf ein breit angelegtes Nasenspray-Programm: Nach aktuellem Stand (NHS, 2026) erhalten 2- bis 3-Jährige, noch nicht eingeschulte 4-Jährige, Schulkinder von der Reception-Klasse bis Year 11 – meist über den „School Age Immunisation Service" im Herbstterm – sowie 6 Monate bis 17 Jahre alte Kinder mit bestimmten Grunderkrankungen das Nasenspray. Für die Saison 2026/2027 bietet die UK Health Security Agency (UKHSA) laut gov.uk gleich drei Impfstoffe an: den nasalen Lebendimpfstoff (LAIV), einen zellkulturbasierten inaktivierten Impfstoff (IIVc) und einen eibasierten inaktivierten Impfstoff (IIVe). Kinder von 6 Monaten bis unter 2 Jahren erhalten dabei nur bei Vorliegen eines Risikofaktors oder als Haushaltskontakt einer immunsupprimierten Person eine – dann injizierbare – Impfung, bei Erstimpfung mit zwei Dosen im Abstand von vier Wochen. Für 2- bis unter 18-Jährige bleibt das Nasenspray die bevorzugte Option; Eltern können aus religiösen oder ethischen Gründen – das Nasenspray enthält Gelatine vom Schwein – auf die injizierbare Alternative ausweichen.
9. Nebenwirkungen, Sicherheit und Kontraindikationen
Der Cochrane-Review von Jefferson und Kolleg:innen (2018) fand für beide Impfstoff-Typen insgesamt ein günstiges Sicherheitsprofil. Fieber nach der Impfung trat in den eingeschlossenen Studien mit stark schwankender Häufigkeit auf – zwischen 0,16 und 15 Prozent, je nach Studie und Impfstoff. Daten zu seltenen, schweren Nebenwirkungen waren insgesamt spärlich, weil die meisten Studien dafür nicht ausreichend groß angelegt waren. Ein Punkt, der in diesem Zusammenhang häufig zu Verunsicherung führt: Ein pandemischer Impfstoff, der 2009/2010 während der Schweinegrippe-Pandemie eingesetzt wurde (Pandemrix), wurde in der Fachliteratur mit einem erhöhten Narkolepsie-Risiko in Verbindung gebracht. Dabei handelte es sich ausdrücklich um einen speziell für die damalige Pandemie hergestellten Impfstoff mit einer besonderen Wirkverstärker-Zusammensetzung (Adjuvans) – nicht um die in diesem Artikel besprochenen, seit Jahrzehnten eingesetzten saisonalen Grippeimpfstoffe.
Ein weiterer häufiger Diskussionspunkt betrifft die Hühnereiallergie: Nach aktuellem Stand der CDC (USA) gilt eine Eiallergie nicht mehr als Kontraindikation gegen die Grippeimpfung.
| Kontraindikation bzw. Vorsichtsmaßnahme (v. a. Nasenspray/LAIV) | Quelle |
|---|---|
| Alter unter 2 Jahren | NHS/UKHSA (UK), CAV-AEP (Spanien) |
| Schwere Allergie, z. B. gegen Gelatine (porcines Gelatine im Nasenspray) | NHS/UKHSA (UK) |
| Stark geschwächtes Immunsystem / Immunsuppression | NHS/UKHSA (UK), CDC (USA), CAV-AEP (Spanien) |
| Bestimmte Asthma-Formen mit Dauersteroidtherapie bzw. kürzliches Keuchen bei 2- bis 4-Jährigen | NHS/UKHSA (UK), CDC (USA) |
| Aspirin-/Salicylat-Therapie bei Kindern und Jugendlichen (Reye-Syndrom-Risiko) | CDC (USA) |
| Cochlea-Implantat oder Liquorfistel | CDC (USA) |
| Schwangerschaft | CAV-AEP (Spanien) |
| Guillain-Barré-Syndrom innerhalb von 6 Wochen nach vorheriger Grippeimpfung (Vorsichtsmaßnahme) | CAV-AEP (Spanien) |
| Immunthrombozytopenie innerhalb von 7 Tagen nach vorheriger Dosis (Vorsichtsmaßnahme) | CAV-AEP (Spanien) |
Für Kinder mit Vorerkrankung gilt besondere Sorgfalt
Kinder mit einer Immunsuppression, unter Aspirin- oder Salicylat-Therapie oder mit bestimmten schweren Asthma-Verlaufsformen sollten das Nasenspray nach den oben genannten Quellen nicht erhalten – für sie kommt in der Regel der injizierbare Totimpfstoff infrage. Sprechen Sie Vorerkrankungen, frühere Impfreaktionen und eine mögliche Aspirin-Einnahme Ihres Kindes daher unbedingt aktiv in unserer Ordination an, bevor eine Impfentscheidung getroffen wird.
10. Häufig gestellte Fragen
Lohnt sich die Impfung, wenn mein Kind gesund ist und das Risiko für einen schweren Verlauf gering erscheint?
Nach den vorliegenden US-Daten betrafen 52 Prozent aller ausgewerteten pädiatrischen Influenza-Todesfälle zuvor gesunde Kinder ohne bekannte Grunderkrankung – und nur 13 Prozent dieser Kinder waren zum Zeitpunkt ihrer Erkrankung vollständig geimpft. Ein schwerer Einzelverlauf lässt sich im Vorfeld nicht zuverlässig vorhersagen; genau das ist eines der Hauptargumente für eine breite Impfempfehlung, wie sie unter anderem in Österreich, den USA, Kanada und dem Vereinigten Königreich gilt.
Warum empfiehlt Deutschland die Impfung nicht für alle Kinder, während Österreich das tut?
Beide Länder stützen sich auf dieselbe internationale Studienlage, gewichten sie aber unterschiedlich: Die deutsche STIKO beschränkt ihre Empfehlung auf Risikogruppen (Indikationsimpfung), während das österreichische Nationale Impfgremium die Impfung generell ab 6 Monaten empfiehlt. Maßgeblich für Ihr Kind ist in jedem Fall die österreichische Empfehlung.
Ist das Nasenspray genauso gut wie die Spritze?
In der Cochrane-Metaanalyse von 2018 schnitt der Totimpfstoff (NNV 5) insgesamt etwas besser ab als der Lebendimpfstoff (NNV 7), beide zeigten aber einen deutlichen Schutzeffekt. Wie die im Abschnitt zur Nasenspray-Kontroverse beschriebene Erfahrung aus den USA und dem Vereinigten Königreich zeigt, kann die tatsächlich beobachtete Wirksamkeit des Nasensprays zwischen Ländern und Saisons zusätzlich schwanken – ein Grund, warum manche Länder zeitweise unterschiedliche Präferenzen setzen.
Ist eine Hühnereiallergie ein Hindernis für die Impfung?
Nach aktuellem Stand der amerikanischen CDC nicht mehr: Eine Eiallergie gilt dort ausdrücklich nicht mehr als Kontraindikation gegen die Grippeimpfung.
Muss die Impfung wirklich jedes Jahr wiederholt werden?
Ja. Influenzaviren verändern sich laufend, weshalb die WHO die Zusammensetzung der Impfstoffe regelmäßig anpasst – die im Abschnitt zur Umstellung auf trivalente Impfstoffe beschriebene Änderung ist ein aktuelles Beispiel dafür. Ein Impfschutz aus der Vorsaison bietet daher keinen verlässlichen Schutz gegen die in der neuen Saison zirkulierenden Virus-Varianten.
Wann sollte mein Kind geimpft werden?
Laut impfen.gv.at (Nationales Impfgremium) liegt der empfohlene Impfzeitraum in Österreich zwischen Mitte Oktober und November – rechtzeitig vor dem typischen Beginn der Grippewelle im Winter.
11. Wichtigste Leitlinien und Fachgesellschaften
Diese Auswahl umfasst die zentralen Grundsatzpapiere, Impfempfehlungen und Fachpublikationen aus den für diesen Artikel ausgewerteten Ländern und Gesundheitsräumen.
- Beschluss zur Empfehlung der STIKO zum Wechsel von quadrivalenten zu trivalenten Influenza-Impfstoffen, Epidemiologisches Bulletin 31/2024 – Robert Koch-Institut/STIKO, Deutschland, 2024
- Kostenfreies Kinder-Influenza-Impfprogramm / Öffentliches Impfprogramm Influenza – Saison 2025/2026 – Österreichische Sozialversicherung/ÖGK, Österreich, 2025
- Impfprogramm: Influenza-Impfung erstmals kostenlos – gesundheit.gv.at (Bundesministerium), Österreich, 2024
- Influenza – Nationales Impfgremium (NIG) – impfen.gv.at, Österreich, 2026
- JCVI statement on the use of nasal spray flu vaccine for the childhood influenza immunisation programme – Joint Committee on Vaccination and Immunisation (JCVI), Vereinigtes Königreich, 2016
- Child flu vaccine – NHS, Vereinigtes Königreich, 2026
- Flu vaccines for children and young people – UK Health Security Agency/GOV.UK, Vereinigtes Königreich, Saison 2026/2027
- Who Should and Who Should NOT Get a Flu Vaccine – Centers for Disease Control and Prevention (CDC), USA
- Influenza Vaccine Effectiveness Against Pediatric Death in the United States – Pediatrics/CDC-Studie, USA, 2026
- CDC Study Shows Flu Vaccination Prevents Severe Flu Illness in U.S. Children – CDC-Pressemitteilung, USA, 2022
- Vaccine recommendations for children and youth for the 2025–2026 influenza season – Canadian Paediatric Society (CPS), Kanada, 2025
- Summary of the NACI Seasonal Influenza Vaccine Statement for 2025–2026 – National Advisory Committee on Immunization (NACI)/PHAC, Kanada, 2025
- Grippe : ouvrir la vaccination à l'ensemble des enfants âgés de 2 à 17 ans – Haute Autorité de Santé (HAS), Frankreich, 2023
- Révision de la stratégie de vaccination contre la grippe saisonnière – Haute Autorité de Santé (HAS), Frankreich, 2023
- Vacunación frente a la gripe estacional en la infancia y la adolescencia. Recomendaciones del CAV-AEP para la temporada 2024-2025 – Comité Asesor de Vacunas e Inmunizaciones, Asociación Española de Pediatría, Spanien, 2024
- Vacinação contra a gripe sazonal em idade pediátrica 2025/26 (Norma n.º 009/2025) – Direção-Geral da Saúde (DGS)/Sociedade Portuguesa de Pediatria, Portugal, 2025
- Vaccines against influenza: WHO position paper – May 2022 – Weltgesundheitsorganisation (WHO), Weekly Epidemiological Record 97(19), 2022
- Influenza (Seasonal) Fact Sheet – Weltgesundheitsorganisation (WHO), global
- Vaccines for preventing influenza in healthy children – Jefferson T. et al., Cochrane Database of Systematic Reviews, 2018
- All people aged ≥6 months are recommended to receive influenza vaccine every year – Australian Immunisation Handbook, ATAGI, Australien
Hinweis zur Entstehung dieses Beitrags
Der Text dieser Seite gibt die amtliche Gebrauchs- beziehungsweise Fachinformation im Wortlaut wieder. Inhaltlich ist daran nichts verändert. Die Übernahme aus dem Original-PDF in die Darstellung dieser Seite erfolgte maschinell mit Hilfe von künstlicher Intelligenz.
War dieser Beitrag hilfreich?
Woran lag es?
Danke – das hilft uns bei der Überarbeitung.