Der Beipackzettel im vollen Wortlaut

Der amtliche Beipackzettel zu Synflorix – Fachinformation, Etikettierung und Packungsbeilage, wie sie die Europäische Arzneimittel-Agentur veröffentlicht – steht unverändert auf einer eigenen Seite. Er war hier bisher nur als PDF verlinkt.

Beipackzettel zu Synflorix lesen

Kurzfassung der Europäischen Arzneimittel-Agentur

Synflorix ist ein Impfstoff gegen Pneumokokken, welcher gegen 10 Stämme schützt. Der Impfstoff wurde vom österr. Staat wurde kostenlos zur Verfügung gestellt und wird durch den Impfstoff Prevenar ersetzt, welcher 13 Stämme abdeckt. Prevenar ist ab 1.2.2020 im kostenlosen Impfprogramm vom Bundesministerium für Gesundheit aufgenommen worden.

Was ist Synflorix und wofür wird es angewendet?

Synflorix ist ein Impfstoff, der Teile des Bakteriums Streptococcus pneumoniae (S. Pneumoniae, auch als Pneumokokken bezeichnet) enthält. Synflorix wird zum Schutz von Säuglingen und Kleinkindern im Alter von sechs Wochen bis fünf Jahren gegen invasive Erkrankungen, Pneumonie (Lungenentzündung) und akute Otitis media (Mittelohrentzündung), die durch S. Pneumoniae verursacht werden, angewendet. Eine invasive Erkrankung tritt auf, wenn sich das Bakterium im Körper ausbreitet und schwerwiegende Infektionen wie Septikämie (Blutinfektion), Meningitis (Infektion der Hirn- und Rückenmarkshäute) und Pneumonie verursacht.

Wie wird Synflorix angewendet?

  • Synflorix ist als Injektionssuspension erhältlich. Das Arzneimittel ist nur auf ärztliche Verschreibung erhältlich. Das Impfschema für Synflorix richtet sich nach dem Alter des Kindes und sollte den offiziellen Impfempfehlungen folgen. Säuglinge im Alter von sechs Wochen bis sechs Monaten erhalten eine Serie von drei Dosen im Abstand von mindestens einem Monat zwischen den Dosen, wobei die erste Dosis in der Regel im Alter von zwei Monaten gegeben wird. Eine vierte Dosis wird als „Auffrischimpfung“ mindestens sechs Monate nach der dritten Dosis empfohlen, vorzugsweise wenn das Kind 12 bis 15 Monate alt ist.
  • Wird Synflorix im Rahmen eines Programms zur routinemäßigen Immunisierung von Säuglingen angewendet (wenn alle Säuglinge in einem Gebiet etwa um dieselbe Zeit geimpft werden), kann ab dem Alter von sechs Wochen eine Serie von zwei Dosen im Abstand von zwei Monaten gegeben werden, gefolgt von einer Auffrischungsdosis mindestens sechs Monate später. Kinder unter sechs Monaten mit Erkrankungen, die die Wahrscheinlichkeit des Auftretens dieser invasiven Erkrankungen erhöhen, wie Kinder mit Infektionen mit dem humanen Immundefizienzvirus (HIV), Sichelzellenanämie oder Milzproblemen, sollten drei Dosen erhalten, gefolgt von einer Auffrischungsdosis.
  • Frühgeborene (zwischen der 27. und 36. Schwangerschaftswoche geboren) erhalten eine Serie von drei Dosen im Abstand von mindestens einem Monat zwischen den Dosen, wobei die erste Dosis im Alter von zwei Monaten gegeben wird. Eine Auffrischungsdosis mindestens sechs Monate nach der dritten Dosis wird empfohlen. • Säuglinge im Alter von sieben bis elf Monaten erhalten eine Serie von zwei Dosen im Abstand von mindestens einem Monat. Eine Auffrischungsdosis mindestens zwei Monate nach der zweiten Dosis wird im zweiten Lebensjahr des Kindes empfohlen.
  • Kinder im Alter von 12 Monaten bis fünf Jahren erhalten eine Serie von zwei Dosen im Abstand von mindestens zwei Monaten.

Der Impfstoff wird bei Säuglingen in den Oberschenkelmuskel und bei Kleinkindern in den Oberarmmuskel injiziert.

Wie wirkt Synflorix?

Synflorix ist ein Impfstoff, der zum Schutz gegen Infektionen, die durch S. Pneumoniae verursacht werden, angewendet wird. Impfstoffe wirken, indem sie dem Immunsystem (der natürlichen Abwehr des Körpers) „beibringen“, den Körper gegen die Infektion zu verteidigen. Wenn der Impfstoff bei einer Person angewendet wird, erkennt das Immunsystem die Teile des in dem Impfstoff enthaltenen Bakteriums als „körperfremd“ und bildet entsprechende Antikörper. Das Immunsystem kann dann schneller Antikörper bilden, wenn es erneut mit dem Bakterium in Kontakt kommt. Dies trägt zum Schutz vor der Erkrankung bei. Synflorix enthält geringe Mengen an Polysacchariden (eine Zuckerart), die aus der Hülle des Bakteriums S. Pneumoniae gewonnen wurden. Diese Polysaccharide wurden zunächst gereinigt und dann einer Trägersubstanz hinzugefügt (konjugiert), damit sie für das Immunsystem besser erkennbar sind. Der Impfstoff wird außerdem noch „adsorbiert“, d. h. an Aluminiumhydroxid angekoppelt, um eine stärkere Reaktion zu stimulieren.

Synflorix enthält die Polysaccharide von zehn verschiedenen Typen von S. Pneumoniae (Serotypen 1, 4, 5, 6B, 7F, 9V, 14, 18C, 19F und 23F). Diese sind in Europa für schätzungsweise 56 % bis 90 % aller Fälle von invasiven Erkrankungen bei Kindern unter fünf Jahren verantwortlich, die von S. Pneumoniae verursacht werden.

Welchen Nutzen hat Synflorix in den Studien gezeigt?

Synflorix wurde in einer Großstudie untersucht, an der mehr als 30 000 Kleinkinder unter sieben Monaten teilnahmen, die entweder Synflorix oder einen Vergleichsimpfstoff erhielten, der nicht gegen S. Pneumoniae wirkt. Die Kinder wurden anschließend über einen durchschnittlichen Zeitraum von zwei Jahren beobachtet. Synflorix erwies sich als wirksam zum Schutz vor invasiven Erkrankungen: Bei den 10 000 Kindern, die drei Dosen Synflorix sowie eine Auffrischungsdosis erhalten hatten, trat kein Fall auf; bei den 10 000 Kindern, denen zwei Dosen Synflorix sowie eine Auffrischungsdosis gegeben wurden, trat ein Fall auf; bei den 10 000 Kindern, die den Vergleichsimpfstoff erhalten hatten, waren es 12 Fälle.

Synflorix wurde in einer weiteren Großstudie untersucht, an der mehr als 24 000 Kleinkinder im Alter zwischen 6 und 16 Wochen teilnahmen; im Mittelpunkt dieser Studie stand der Nutzen des Impfstoffs zur Verhinderung von ambulant erworbener Pneumonie. Die Kinder in dieser Studie erhielten entweder Synflorix oder einen Vergleichsimpfstoff, der nicht gegen S. Pneumoniae wirkt, und wurden über durchschnittlich 30 Monate nachbeobachtet. Der Prozentanteil der mit Synflorix geimpften Kinder, die an bakterieller Pneumonie erkrankten, lag bei 2,3 % (240 von über 10 000) gegenüber 3 % (304 von über 10 000) bei den Kindern, die den Vergleichsimpfstoff erhalten hatten.

Im Rahmen einer weiteren Hauptstudie wurde untersucht, ob Synflorix akute Otitis media verhindert. In der Studie, die fast 5000 Säuglinge im Alter von drei Monaten umfasste, wurde ein Prüfimpfstoff, der die gleichen Polysaccharide wie Synflorix enthält, mit einem anderen Impfstoff verglichen, der nicht gegen Infektionen mit S. Pneumoniae wirksam ist (in diesem Fall ein Impfstoff gegen das Hepatitis-A-Virus). Die Kinder wurden bis zum vollendeten zweiten Lebensjahr nachbeobachtet. Bei Kindern, die den Prüfimpfstoff erhielten, trat eine erste Episode von durch S. Pneumoniae verursachter akuter Otitis media nur etwa halb so häufig auf wie bei den mit dem Vergleichsimpfstoff behandelten Kindern. Aufgrund eines Vergleichs der Immunreaktion auf Synflorix mit der Immunreaktion auf den in der Studie verwendeten Prüfimpfstoff ist zu erwarten, dass Synflorix einen ähnlichen Schutz vor durch S. Pneumoniae verursachter akuter Otitis media verleiht.

Die Fähigkeit von Synflorix, die Bildung von Antikörpern auszulösen (Immunogenität), wurde in einer Hauptstudie mit 1650 gesunden Säuglingen im Alter zwischen sechs und zwölf Wochen untersucht. Im Rahmen der Studie wurde die Immunogenität von Synflorix mit der eines anderen Impfstoffs verglichen, der in der EU zum Schutz von Kindern vor Infektionen mit S. Pneumoniae zugelassen ist und sieben der zehn in Synflorix enthaltenen Polysaccharide enthält. Synflorix löste genauso wirksam wie der Vergleichsimpfstoff die Bildung von Antikörpern gegen fünf der Polysaccharide aus, die beide Impfstoffe enthielten (4, 9V, 14, 18C und 19F), war jedoch gegen zwei der Polysaccharide (6B und 23F) weniger wirksam als der Vergleichsimpfstoff. Gegen die drei zusätzlichen Polysaccharide (1, 5, 7F) löste Synflorix wirksam die Bildung von Antikörpern aus.

In weiteren Studien wurden die Wirkungen von Auffrischimpfungen und Impfungen bei älteren Säuglingen und Kleinkindern untersucht. Die Studien zeigten, dass Synflorix einen Anstieg der Antikörperproduktion nach Auffrischimpfungen bewirkt. Insbesondere wurde in zwei klinischen Studien mit Kindern zwischen zwei und fünf Jahren die Fähigkeit von Synflorix untersucht, in dieser Altersgruppe im Vergleich zu anderen Altersgruppen Antikörper zu bilden. Die Kinder erhielten in der ersten Studie eine Dosis Synflorix, in der zweiten Studie zwei Dosen. Die Zwei- bis Fünfjährigen sprachen ähnlich auf Synflorix an wie die jüngere Altersgruppe, wobei unter den Kindern, die zwei Dosen erhielten, bessere Ergebnisse erzielt wurden. In Studien mit Säuglingen und älteren Kleinkindern erfüllte Synflorix die vorgegebenen Kriterien, obwohl es eine geringere Antikörperreaktion als der Vergleichsimpfstoff auslöste, und wurde als akzeptabel in dieser Gruppe betrachtet.

Welche Risiken sind mit Synflorix verbunden?

Die häufigsten Nebenwirkungen von Synflorix (die mehr als 1 von 10 Personen betreffen können) waren Schmerzen, Rötungen und Schwellungen an der Injektionsstelle, Fieber, Schläfrigkeit, Reizbarkeit und Appetitverlust. Die meisten dieser Reaktionen waren leicht bis mittelschwer ausgeprägt und hielten nicht lange an. Die vollständige Auflistung der im Zusammenhang mit Synflorix berichteten Nebenwirkungen ist der Packungsbeilage zu entnehmen. Bei Patienten mit hohem Fieber darf Synflorix nicht angewendet werden, hingegen kann die Impfung bei Kindern mit einer leichten Infektion wie einer Erkältung durchgeführt werden. Die vollständige Auflistung der Einschränkungen ist der Packungsbeilage zu entnehmen.

Warum wurde Synflorix zugelassen?

Die Europäische Arzneimittel-Agentur stellte fest, dass die Reaktion des Immunsystems auf Synflorix mit der Reaktion auf einen anderen Impfstoff, der ebenfalls zum Schutz von Kindern vor S. Pneumoniae in der EU zugelassen ist, vergleichbar war. Die Agentur stellte ferner fest, dass Synflorix zusätzliche Polysaccharide der Typen von S. Pneumoniae enthält, die für Erkrankungen in Europa verantwortlich sind. Daher gelangte die Agentur zu dem Schluss, dass der Nutzen von Synflorix gegenüber den Risiken überwiegt, und empfahl, die Genehmigung für das Inverkehrbringen zu erteilen.

Welche Maßnahmen werden zur Gewährleistung der sicheren und wirksamen Anwendung von Synflorix ergriffen?

Empfehlungen und Vorsichtsmaßnahmen für Angehörige der Heilberufe und Patienten zur sicheren und wirksamen Anwendung von Synflorix wurden in die Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels und die Packungsbeilage aufgenommen.

Weitere Informationen über Synflorix

Am 30. März 2009 erteilte die Europäische Kommission eine Genehmigung für das Inverkehrbringen von Synflorix in der gesamten Europäischen Union.
Den vollständigen Wortlaut des EPAR für Synflorix finden Sie auf der Website der Agentur:
ema.europa.eu/Find medicine/Human medicines/European Public Assessment Reports.

Wenn Sie weitere Informationen zur Behandlung mit Synflorix benötigen, lesen Sie bitte die Packungsbeilage (ebenfalls Teil des EPAR) oder wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.
Diese Zusammenfassung wurde zuletzt im 11-2017 aktualisiert.

Download Synflorix Beipackzettel- Pneumokokken

Quelle: http://www.ema.europa.eu


Zusatzinformationen unserer Ordination – nicht Teil des Beipackzettels

Alles oberhalb dieser Linie ist der unveränderte Wortlaut, wie er in der Zusammenfassung des Europäischen Öffentlichen Beurteilungsberichts (EPAR) der Europäischen Arzneimittel-Agentur zu Synflorix steht. Daran wird nichts geändert, gekürzt oder umformuliert.

Was jetzt folgt, ist eine ergänzende Einordnung unserer Ordination: recherchierte Hintergründe, Empfehlungen von Impfgremien und häufige Elternfragen. Diese Zusatzinformationen sind kein Bestandteil der EPAR-Zusammenfassung und ersetzen weder die dem Präparat beiliegende Packungsbeilage noch das ärztliche Gespräch.

Synflorix war 2009 gemeinsam mit Prevenar 13 einer der ersten beiden Pneumokokken-Konjugatimpfstoffe, die in der Europäischen Union zugelassen wurden – und über ein Jahrzehnt lang auch der Impfstoff, mit dem Österreich seine jüngsten Patientinnen und Patienten im kostenfreien Kinderimpfprogramm gegen Pneumokokken schützte. Heute begegnet Ihnen der Name vor allem, wenn Sie den Impfpass eines älteren Geschwisterkindes durchblättern, aus dem Ausland zuziehen oder sich einfach fragen, was sich hinter dieser Bezeichnung verbirgt. Dieser Ratgeber erklärt, was in Synflorix steckt, wie und wann damit geimpft wird, welche Nebenwirkungen bekannt sind – und wirft einen Blick über die Grenzen: Während Finnland weiterhin flächendeckend mit Synflorix impft, haben viele andere Länder längst auf höhervalente Nachfolgepräparate umgestellt.

So ist dieser Ratgeber aufgebaut

Grundlage dieses Artikels sind die Fachinformation der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA), aktuelle Positionspapiere der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie Empfehlungen von Gesundheitsbehörden und pädiatrischen Fachgesellschaften aus rund einem Dutzend Ländern. Eine Auswahl der wichtigsten Quellen steht am Ende des Artikels.

Grundlegende Informationen zur Erkrankung selbst – Krankheitsbilder, Häufigkeit, Übertragung – finden Sie in unserem separaten Artikel Pneumokokken bei Kindern. Wer wissen möchte, was aktuell im österreichischen kostenfreien Impfprogramm verwendet wird, findet die Details in unserem Ratgeber zu Prevenar 13 sowie im Abschnitt „Aktueller Stand in Österreich" weiter unten.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Er dient der Orientierung und der Vorbereitung auf das Gespräch in der kinderärztlichen Praxis. Ob, wann und mit welchem Präparat Ihr Kind geimpft werden soll oder wurde, besprechen Sie bitte immer persönlich mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt.

Für Frühgeborene und Risikokinder gelten oft andere Regeln

Die allgemeinen Schemata in diesem Ratgeber gelten für ansonsten gesunde Kinder. Für sehr unreife Frühgeborene (bis zur vollendeten 28. Schwangerschaftswoche) nennt die europäische Fachinformation Apnoe (Atemaussetzer) als gelegentliche Nebenwirkung. Kinder mit bestimmten Risikofaktoren – etwa einer HIV-Infektion, Sichelzellkrankheit oder fehlender bzw. eingeschränkter Milzfunktion (Asplenie) – erhalten laut Fachinformation unabhängig vom Alter bei Impfbeginn immer eine vollständige 3-Dosis-Grundimmunisierung. Besprechen Sie die für Ihr Kind passende Vorgehensweise bitte individuell mit dem behandelnden Team.

1. Was ist Synflorix?

Synflorix ist ein 10-valenter Pneumokokken-Polysaccharid-Konjugatimpfstoff (adsorbiert) des belgischen Herstellers GlaxoSmithKline Biologicals S.A. Die Europäische Kommission erteilte die EU-weite Zulassung am 30. März 2009, nachdem die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) bereits im Januar 2009 ein positives Gutachten abgegeben hatte (Quelle: EMA, EPAR „Synflorix", EU, 2009). Der Impfstoff enthält Polysaccharide der zehn Pneumokokken-Serotypen 1, 4, 5, 6B, 7F, 9V, 14, 18C, 19F und 23F. Diese Zuckerhüllen sind – anders als bei Prevenar 13, wo einheitlich das Trägerprotein CRM197 verwendet wird – überwiegend an Protein D gekoppelt, ein Eiweiß aus unbekapseltem Haemophilus influenzae; ein kleinerer Teil der Serotypen ist stattdessen an Tetanus- beziehungsweise Diphtherietoxoid gebunden. Zusätzlich ist der Impfstoff an Aluminiumphosphat adsorbiert, um eine stärkere Immunantwort auszulösen (Quelle: EMA, Synflorix – Summary of Product Characteristics, EU).

Laut europäischer Fachinformation ist Synflorix zugelassen zur aktiven Immunisierung gegen invasive Erkrankungen, Lungenentzündung und akute Mittelohrentzündung, verursacht durch Streptococcus pneumoniae, bei Säuglingen und Kindern von 6 Wochen bis 5 Jahren. Eine Besonderheit für deutsche Leserinnen und Leser: Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) führt Synflorix in seiner Impfstoffdatenbank mit einer bis zum 4. Lebensjahr gefassten Zulassungsangabe – ein kleiner, aber real bestehender Unterschied in der Formulierung gegenüber der EU-weiten Fachinformation (Quelle: Paul-Ehrlich-Institut, Impfstoffdatenbank, Deutschland). Je nach Region und lokaler Serotypverteilung deckt Synflorix laut Fachinformation zwischen 56 und 90 Prozent der invasiven Pneumokokken-Erkrankungen bei Kindern unter 5 Jahren ab.

Was Pneumokokken sind, wie sie übertragen werden und welche Krankheitsbilder sie auslösen können, erklären wir ausführlich in unserem Grundlagenartikel Pneumokokken bei Kindern – dieser Artikel konzentriert sich bewusst auf den Impfstoff selbst.

2. Wie der Impfstoff wirkt

Die Zuckerkapsel der Pneumokokken ist für sich genommen ein sogenanntes T-Zell-unabhängiges Antigen: Das unreife Immunsystem von Säuglingen kann darauf vor dem zweiten Lebensjahr nur eine schwache, kurzlebige Antikörperantwort bilden – ausgerechnet in der Altersgruppe, die am stärksten gefährdet ist. Konjugatimpfstoffe wie Synflorix umgehen dieses Problem, indem sie die Polysaccharide chemisch an ein Trägerprotein koppeln. Dadurch kann das Immunsystem bereits ab einem Alter von 6 Wochen eine ausgereifte, T-Zell-abhängige Immunantwort mit Gedächtniszellen aufbauen. Dieses grundlegende Wirkprinzip teilt sich Synflorix mit allen anderen Pneumokokken-Konjugatimpfstoffen; eine ausführlichere Erklärung dazu finden Sie in unserem Ratgeber zu Prevenar 13. Der wesentliche Unterschied liegt, wie im vorigen Abschnitt beschrieben, im verwendeten Trägerprotein und in der Anzahl der abgedeckten Serotypen.

3. Impfschema: wann und wie oft wird geimpft?

Wie oft und in welchem Abstand geimpft wird, hängt vom Alter bei Impfbeginn und von etwaigen Risikofaktoren ab. Die europäische Fachinformation (SmPC) unterscheidet mehrere Konstellationen:

Welches Impfschema passt zu meiner Situation?

Wählen Sie die für Ihr Kind zutreffende Situation, um die laut Fachinformation vorgesehene Dosierung zu sehen.

Bitte wählen Sie oben eine Situation aus.

Angaben nach der europäischen Fachinformation (Summary of Product Characteristics) von Synflorix, European Medicines Agency (EMA), EU. Für Kinder über 5 Jahren liegen laut Fachinformation keine Zulassungs- oder Wirksamkeitsdaten vor.

4. Nebenwirkungen und Verträglichkeit

Die Sicherheitsdatenbasis der europäischen Fachinformation stützt sich auf 63.905 verabreichte Dosen bei 22.429 gesunden Kindern und 137 Frühgeborenen im Rahmen der Grundimmunisierung; zusätzlich erhielten 19.466 Kinder sowie 116 Frühgeborene die Boosterdosis (Quelle: EMA, Synflorix – Summary of Product Characteristics, EU). Wie bei den meisten Kinderimpfungen sind die häufigsten Nebenwirkungen mild und vorübergehend:

  • Sehr häufig (mehr als 1 von 10 Geimpften): Appetitverlust, Reizbarkeit, Schläfrigkeit, Fieber ab 38 °C rektal gemessen bei Kindern unter 2 Jahren sowie Schmerz, Rötung oder Schwellung an der Injektionsstelle.
  • Häufig (1 bis 10 von 100 Geimpften): Fieber über 39 °C rektal gemessen bei Kindern unter 2 Jahren, eine Verhärtung an der Injektionsstelle sowie – nach der Booster- oder Nachholimpfung – Fieber ab 38 °C bei 2- bis 5-Jährigen.
  • Gelegentlich (1 bis 10 von 1.000 Geimpften): abnormes Schreien, Durchfall, Erbrechen, Hautausschlag, Apnoe bei sehr unreifen Frühgeborenen (bis zur vollendeten 28. Schwangerschaftswoche) sowie Hämatom, Blutung oder ein Knötchen an der Injektionsstelle; bei älteren Kindern zusätzlich Kopfschmerz und Übelkeit.
  • Selten: allergische Reaktionen (Ekzem, allergische oder atopische Dermatitis), Nesselsucht (Urtikaria) sowie Fieberkrämpfe.
  • Sehr selten: Angioödem sowie das Kawasaki-Syndrom.
  • Nach Markteinführung gemeldet: Anaphylaxie (sehr selten) sowie hypoton-hyporesponsive Episoden – ein plötzlicher, meist folgenloser Zustand von Blässe, Muskelerschlaffung und verminderter Ansprechbarkeit (selten).

Ein Befund aus der Fachinformation verdient besondere Erwähnung: In einer Vergleichsstudie mit dem älteren 7-valenten Impfstoff Prevenar traten unter Synflorix bei gleichzeitiger Gabe eines Ganzzell-Pertussis-Impfstoffs (Keuchhusten-Impfstoff älterer Bauart) höhere Fieberraten auf – 86,1 Prozent mit mindestens 38 °C gegenüber 82,9 Prozent unter dem Vergleichsimpfstoff. Die EMA empfiehlt deshalb eine prophylaktische Fiebersenkung, wenn Synflorix zusammen mit einem Ganzzell-Pertussis-Impfstoff verabreicht wird, sowie bei Kindern mit bekannter Neigung zu Fieberkrämpfen. Klinische Daten deuten zudem darauf hin, dass Paracetamol die Immunantwort auf Synflorix leicht abschwächen kann – die klinische Relevanz dieses Effekts ist laut Fachinformation allerdings unklar (Quelle: EMA, Synflorix – Summary of Product Characteristics, EU). Fieber gehört damit ohnehin zu den erwarteten, sehr häufigen Reaktionen auf die Impfung; allgemeine, altersgerechte Hinweise zum Umgang damit finden Sie in unserem ausführlichen Ratgeber Fieber bei Kindern.

5. Kontraindikationen und besondere Warnhinweise

Kontraindiziert ist Synflorix laut Fachinformation bei bekannter Überempfindlichkeit gegen die Wirkstoffe, einen der Hilfsstoffe oder gegen eines der Trägerproteine (Protein D, Tetanus- oder Diphtherietoxoid). Bei einer akuten, schweren fieberhaften Erkrankung sollte die Impfung aufgeschoben werden, bis sich der Zustand des Kindes gebessert hat (Quelle: EMA, Synflorix – Summary of Product Characteristics, EU).

  • Apnoe-Risiko bei sehr unreifen Frühgeborenen: Bei Kindern, die bis zur vollendeten 28. Schwangerschaftswoche geboren wurden, wurde nach der Impfung gelegentlich ein erhöhtes Risiko für Atemaussetzer (Apnoen) beobachtet.
  • Höhere Fieberraten bei Ganzzell-Pertussis-Kombination: Wie im vorigen Abschnitt beschrieben, empfiehlt die EMA eine prophylaktische Fiebersenkung bei gleichzeitiger Gabe eines Ganzzell-Pertussis-Impfstoffs sowie bei Kindern mit Fieberkrampf-Anamnese.

Diese Warnhinweise sind kein Grund, von der Impfung grundsätzlich abzusehen, aber ein guter Anlass, eine bekannte Krampfanamnese oder eine sehr frühe Frühgeburtlichkeit Ihres Kindes vor der Impfung aktiv anzusprechen.

6. Synflorix im Vergleich: PCV10, PCV13 und höherwertige Impfstoffe

Für Eltern, die sich fragen, ob ein 10-valenter Impfstoff „weniger gut" ist als die heute gebräuchlicheren 13-, 15- oder 20-valenten Präparate, lohnt sich ein genauerer Blick auf die Datenlage. Laut dem WHO-Positionspapier „Pneumococcal conjugate vaccines in infants and children under 5 years of age" vom Februar 2019 lösen sowohl PCV10 (Synflorix) als auch PCV13 (Prevenar 13) eine Immunantwort gegen dieselben zehn gemeinsamen Serotypen aus. Die entscheidenden Unterschiede zeigt folgende Übersicht:

Serotyp(en)Synflorix (PCV10)Prevenar 13 (PCV13)
1, 4, 5, 6B, 7F, 9V, 14, 18C, 19F, 23Fdirekt enthaltendirekt enthalten
19Anicht enthalten, aber teilweise kreuzreaktivdirekt enthalten
3nicht abgedecktdirekt enthalten
6Anicht abgedecktdirekt enthalten

Für den in beiden Impfstoffen nicht enthaltenen Serotyp 19A besteht laut WHO bei beiden Präparaten eine gewisse Kreuzreaktivität; gegen Serotyp 3 wirkt Synflorix dagegen nicht, während Prevenar 13 dagegen wirksam ist. Die europäische Fachinformation zu Synflorix hält dazu ausdrücklich fest, dass keine ausreichende Evidenz für einen Schutz gegen Nicht-Impf-Serotypen außer dem kreuzreaktiven 19A vorliegt (Quelle: EMA, Synflorix – Summary of Product Characteristics, EU).

Bedeutet das nun, dass PCV13 in jedem Fall die bessere Wahl ist? Die WHO selbst ist hier zurückhaltend: „Es gibt derzeit unzureichende Evidenz für einen Unterschied in der Netto-Wirkung der beiden Produkte auf die Gesamtkrankheitslast", heißt es im Positionspapier von 2019. PCV13 könne einen zusätzlichen Nutzen haben, wo die Krankheitslast durch die Serotypen 19A oder 6C bedeutsam sei. Die WHO empfiehlt Gesundheitsbehörden ausdrücklich, die Produktwahl anhand von Programmfaktoren, Impfstoffversorgung, Preis und lokaler beziehungsweise regionaler Serotypenprävalenz zu treffen – und rät ausdrücklich von einem Produktwechsel nach Programmstart ab, sofern keine signifikanten epidemiologischen Veränderungen wie eine steigende 19A-Last vorliegen (Quelle: WHO, Weekly Epidemiological Record, Februar 2019).

Auch neuere, unabhängige Evidenz stützt dieses zurückhaltende Bild: Eine 2023 im Fachjournal Journal of Global Health veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit der ARI Review Group (Reyburn, Tsatsaronis, von Mollendorf, Mulholland, Russell) wertete 43 Studien aus und fand keine eindeutigen Unterschiede in der Wirkung von PCV10 gegenüber PCV13 auf die Rate an Lungenentzündungs-Krankenhausaufnahmen bei Kindern von 0 bis 9 Jahren. Bei allen Lungenentzündungen reichte die beobachtete Reduktion unter PCV10 von 8 bis 29 Prozent, unter PCV13 von 9 bis 39 Prozent; auch bei radiologisch gesicherter oder pneumokokken-bestätigter Lungenentzündung zeigten beide Impfstoffe ähnlich hohe Effektstärken. Die Datenlage zur Sterblichkeit war in beiden Gruppen begrenzt. Ein neueres WHO-Positionspapier (Weekly Epidemiological Record Nr. 39 vom 26. September 2025) aktualisiert diese Einschätzung offenbar unter Einbeziehung der inzwischen verfügbaren höhervalenten Impfstoffe PCV15 und PCV20; der Volltext dieses Dokuments war für unsere Recherche nicht vollständig einsehbar, seine Existenz und sein Titel sind jedoch dokumentiert.

7. Internationaler Vergleich: Wer verwendet Synflorix heute noch?

Das zentrale Bild, das sich aus der Recherche in rund einem Dutzend Ländern und internationalen Organisationen ergibt: Synflorix war einer der beiden ersten Pneumokokken-Konjugatimpfstoffe überhaupt, wird aber international zunehmend durch höhervalente Impfstoffe verdrängt. Nur wenige Länder setzen PCV10 aktuell noch breit ein.

Länder mit aktuellem Einsatz

Finnland setzt Synflorix (PCV10) weiterhin flächendeckend im nationalen Impfprogramm für alle Kinder unter 5 Jahren ein; die Verabreichung erfolgt an den kommunalen Mutter-Kind-Beratungsstellen, den „neuvola" (Quelle: Terveyden ja hyvinvoinnin laitos/THL sowie Satakunnan hyvinvointialue, Finnland). Brasilien führte PCV10 im März 2010 in das öffentliche Programa Nacional de Imunizações (PNI) ein und nutzte es über 15 Jahre als Standardimpfstoff im öffentlichen Gesundheitssystem im 3+1-Schema. Aktuell (2025/26) läuft allerdings ein Übergang: PCV10 wird sukzessive durch PCV20 ersetzt, solange Restbestände verfügbar sind, und die brasilianische Immunisierungsfachgesellschaft SBIm empfiehlt für die Routineversorgung inzwischen PCV15 oder PCV20 (Quelle: Sociedade Brasileira de Imunizações, SBIm, Brasilien; Ministério da Saúde/PNI, Brasilien).

Länder, die PCV10 nie eingeführt haben oder wieder verlassen haben

Das Vereinigte Königreich ist ein bemerkenswerter Fall: Laut dem offiziellen „Green Book" der UK Health Security Agency (UKHSA) und des Joint Committee on Vaccination and Immunisation (JCVI), Kapitel „Pneumococcal", Stand Juli 2026, war Synflorix zwar für Kinder von 6 Wochen bis 5 Jahren in Großbritannien zugelassen, wurde aber „niemals in das nationale Impfprogramm aufgenommen". Das Land nutzte stattdessen PCV7 ab 2006, dann PCV13 ab 2010 und fährt heute ein reduziertes 1+1-Schema mit PCV13 (16 Wochen und 12 Monate). Bemerkenswert für Familien, die aus einem PCV10-Land zuziehen: Bei Kindern, die im Ausland bereits Dosen von Synflorix erhalten haben, empfiehlt das JCVI eine ergänzende Anschlussdosis PCV13.

In Deutschland ist Synflorix beim Paul-Ehrlich-Institut (PEI) zwar als zugelassener Impfstoff gelistet, wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) aber nicht empfohlen. Die aktuelle STIKO-Empfehlung sieht für Säuglinge PCV13 (Prevenar 13) oder PCV15 (Vaxneuvance) im 2+1-Schema vor (2., 4. und 11. Lebensmonat; bei Frühgeborenen ein 3+1-Schema mit zusätzlicher Dosis im 3. Lebensmonat). PCV20 ist seit März 2024 auch für Säuglinge zugelassen, wird von der STIKO mangels ausreichender Wirksamkeitsdaten aber noch nicht für die Routineimpfung empfohlen (Quelle: Paul-Ehrlich-Institut, Impfstoffdatenbank, Deutschland; Robert Koch-Institut/STIKO, FAQ „Schutzimpfung gegen Pneumokokken", Deutschland, Stand 23. März 2026).

Die Niederlande nutzten Synflorix (PCV10) jahrzehntelang im Rijksvaccinatieprogramma nach dem Schema 3, 5 und 12 Monate, stellten aber zum 1. September 2024 für die dritte Dosis und vollständig zum 1. Mai 2025 auf Vaxneuvance (PCV15) um. Als offizielle Begründung nennt das niederländische Gesundheitsinstitut RIVM ein sogenanntes Serotyp-Replacement: Die von PCV10 abgedeckten Serotypen kommen zunehmend seltener vor, während andere, nicht abgedeckte Serotypen mittlerweile die Mehrheit der Erkrankungsfälle verursachen. Für bereits mit PCV10 grundimmunisierte Kinder besteht laut RIVM kein Nachholbedarf (Quelle: Rijksvaccinatieprogramma.nl/RIVM, Niederlande).

In Belgien nutzt das wallonisch-brüsselische Impfprogramm aktuell Prevenar 13 (PCV13) im 2+1-Schema (2., 4. und 12. Lebensmonat; bei Frühgeborenen 3+1). Der Oberste Gesundheitsrat (Conseil Supérieur de la Santé) empfiehlt seit April 2025 den Umstieg auf Prevenar 20 (PCV20) im 3+1-Schema, was vom Impfprogramm aber noch nicht umgesetzt ist; PCV10 wird in keiner der ausgewerteten Quellen als aktuell verwendetes Produkt genannt (Quelle: CBIP, Belgisches Zentrum für pharmakotherapeutische Information, unter Berufung auf den Conseil Supérieur de la Santé, Belgien).

Portugal wählte bereits 2010 bewusst PCV13 gegenüber PCV10: Ein Dokument der Direção-Geral da Saúde (DGS) aus jenem Jahr empfahl PCV13 explizit gegenüber der Marktalternative PCV10, „da es eine größere Anzahl der für invasive Pneumokokken-Erkrankung in Portugal verantwortlichen Serotypen abdeckt". PCV13 wurde 2015 ins nationale Impfprogramm aufgenommen; aktuell empfehlen die Fachgesellschaften SIP und SPP zusätzlich PCV20, da dieser Impfstoff rechnerisch 67 Prozent der aktuellen pädiatrischen Erkrankungsfälle abdeckt gegenüber 37,7 Prozent durch PCV13 (Quelle: Sociedade de Infeciologia Pediátrica/SIP und Sociedade Portuguesa de Pediatria/SPP, Portugal, 2024).

Auch Spanien setzt nicht auf Synflorix: Der Impfkalender der spanischen Kinderärztevereinigung (Comité Asesor de Vacunas, CAV-AEP) 2025/2026 empfiehlt ausschließlich PCV15 oder PCV20; laut Kalenderdokument verwenden fünf autonome Gemeinschaften PCV15 und zwölf Gemeinschaften plus zwei autonome Städte PCV20 im öffentlichen Programm (Quelle: Asociación Española de Pediatría/AEP, CAV-AEP, Spanien, 2025). Frankreich wiederum empfiehlt laut Haute Autorité de Santé (HAS) aktuell PCV20 für Säuglinge und Risikokinder, mit der Begründung, dass PCV20 41 Prozent der invasiven Pneumokokken-Infektionen bei Kindern abdeckt gegenüber bis zu 18 Prozent bei älteren Impfstoffen; Synflorix wird in der HAS-Leitlinie nicht erwähnt (Quelle: Haute Autorité de Santé, Frankreich). Ähnlich sieht es in Italien aus: Auch dort findet sich in der Auswertung des Nationalen Impfplans durch das Istituto Superiore di Sanità (ISS/Epicentro) keine Bestätigung, dass Synflorix aktuell verwendet wird.

In Kanada veröffentlichte das National Advisory Committee on Immunization (NACI) 2024 aktualisierte Empfehlungen zur Verwendung von PCV15 und PCV20 bei Kindern; PCV10 ist dort nicht Teil der Routineempfehlungen (Quelle: Public Health Agency of Canada/NACI, Kanada, 2024). Australien stellte sein National Immunisation Program zum 1. September 2025 vollständig von PCV13 auf PCV20 um; PCV10/Synflorix wird von der zuständigen Fachstelle NCIRS nicht erwähnt, in Australien sind aktuell nur PCV15, PCV20 und PCV21 registriert (Quelle: National Centre for Immunisation Research and Surveillance/NCIRS, Australien). In Russland sieht der nationale Impfkalender ein 2+1-Schema vor (2. und 4,5. Lebensmonat, Booster mit 15 Monaten); die konkrete Marke wird in der behördlichen Quelle allerdings nicht genannt, sodass sich ein aktueller Einsatz von PCV10 dort weder bestätigen noch ausschließen lässt (Quelle: Rospotrebnadzor, Russland).

Zur Transparenz unserer Recherche

Für die USA, China, Japan und Südkorea konnten trotz gezielter Recherche keine spezifisch auf Synflorix beziehungsweise PCV10 bezogenen, primärquellenbasierten Aussagen verifiziert werden. Bekannt ist zwar aus der Zulassungslage bei EMA und PEI, dass PCV10 in den USA nie eine Zulassung der US-Arzneimittelbehörde FDA erhalten hat – wir führen dies hier aber bewusst nicht als recherchierte Aussage mit belastbarer Quelle, da uns keine offizielle FDA- oder CDC-Quelle dafür vorlag. Diese Länder haben wir daher aus dem internationalen Vergleich ausgelassen, statt sie mit unbelegten Angaben zu füllen.

8. Aktueller Stand in Österreich

Der österreichische Impfplan des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMSGPK) sieht für die Pneumokokken-Grundimmunisierung ein 2+1-Schema vor: die erste Dosis ab der vollendeten 6. Lebenswoche, spätestens im 4. Lebensmonat, eine zweite Dosis acht Wochen später und eine dritte, abschließende Dosis zwischen dem 11. und 15. Lebensmonat. Der konkrete Markenname wird im nationalen Impfplan dabei nicht genannt: Die Umsetzung des kostenfreien Kinderimpfprogramms liegt in der Zuständigkeit der einzelnen Bundesländer, die den jeweils ausgeschriebenen Impfstoff eigenständig beziehen (Quelle: Impfplan Österreich, BMSGPK, Österreich; impfen.gv.at, Österreich). Für unsere aktuelle Recherche ließ sich keine belastbare Quelle finden, die Synflorix als das derzeit in Österreich verwendete Produkt bestätigt.

Historisch ist Synflorix in Österreich aber kein unbekannter Name: Vor der Umstellung auf den heute verwendeten Impfstoff Prevenar 13 (PCV13) war Synflorix nach unserer Recherche der Impfstoff, mit dem Österreich seine jüngsten Patientinnen und Patienten im kostenfreien Kinderimpfprogramm schützte. Laut unserem Ratgeber zu Prevenar 13 ist Prevenar 13 weiterhin – und nicht durch ein neueres Präparat ersetzt – der aktuell im österreichischen Kinderimpfprogramm verwendete Pneumokokken-Impfstoff. Für den genauen Zeitpunkt der damaligen Umstellung von Synflorix auf Prevenar 13 ließ sich in unserer Recherche jedoch keine belastbare Primärquelle finden. Wurde Ihr älteres Kind also vor einigen Jahren gegen Pneumokokken geimpft, hat es möglicherweise noch Synflorix erhalten – bei Unsicherheit gibt der Impfpass Auskunft.

Mein Kind hat als Baby Synflorix bekommen – ist das ein Problem?

Nein. Dass Österreich und viele andere Länder inzwischen zu höhervalenten Impfstoffen gewechselt sind, bedeutet nicht, dass die damals verabreichten Dosen Synflorix „ungültig" wären oder wiederholt werden müssten. Die zehn im Impfstoff enthaltenen Serotypen bleiben durch die erfolgte Impfung abgedeckt. Bei Unsicherheit zur individuellen Impfserie Ihres Kindes bringen Sie am besten den Impfpass zum nächsten Termin mit.

9. Häufige Elternfragen

Ist Synflorix schlechter als Prevenar 13 oder die neueren Impfstoffe?

Nicht grundsätzlich. Wie im Abschnitt „Synflorix im Vergleich" beschrieben, sieht die WHO derzeit keine ausreichende Evidenz für einen relevanten Unterschied in der Netto-Wirkung von PCV10 gegenüber PCV13 auf die Gesamtkrankheitslast; ein zusätzlicher Nutzen von PCV13 zeigt sich vor allem dort, wo Serotyp 19A oder 6C eine bedeutsame Rolle spielen. Auch eine unabhängige systematische Übersichtsarbeit von 2023 fand keine eindeutigen Unterschiede bei den untersuchten Lungenentzündungs-Endpunkten. Welcher Impfstoff in einem Land eingesetzt wird, ist daher weniger eine Frage von „besser" oder „schlechter" als eine Frage der jeweils lokal zirkulierenden Serotypen, der Programmgeschichte und der Verfügbarkeit.

Mein Kind wurde im Ausland mit Synflorix geimpft – ist eine Nachimpfung nötig?

Das hängt vom Einzelfall ab. Als ein dokumentiertes Beispiel dafür, wie andere Länder mit einem Wechsel zwischen PCV10 und PCV13 umgehen, empfiehlt das britische Joint Committee on Vaccination and Immunisation (JCVI) Kindern, die im Ausland bereits Dosen von Synflorix erhalten haben, beim Umzug ins Vereinigte Königreich eine ergänzende Anschlussdosis PCV13. Ob und welche Anschlussimpfung für Ihr Kind sinnvoll ist – etwa nach einem Umzug aus Finnland oder Brasilien, wo PCV10 weiterhin beziehungsweise noch teilweise im Einsatz ist –, klären Sie am besten individuell mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt, idealerweise mit dem mitgebrachten Impfpass.

Ist Synflorix sicher?

Die Sicherheitsdatenbasis der europäischen Fachinformation umfasst über 63.000 verabreichte Dosen. Die weit überwiegende Mehrzahl der beobachteten Nebenwirkungen ist mild und vorübergehend (siehe Abschnitt „Nebenwirkungen und Verträglichkeit"); schwere Reaktionen wie eine Anaphylaxie sind sehr selten, aber wie bei jedem Impfstoff nicht gänzlich ausgeschlossen – deshalb bleiben Kinder nach der Impfung üblicherweise noch kurz in der Praxis.

Mein Kind hat nach der Impfung Fieber – was tue ich?

Fieber ist laut Fachinformation eine sehr häufige, erwartete Reaktion und in aller Regel kein Grund zur Beunruhigung. Bei Kindern mit bekannter Neigung zu Fieberkrämpfen oder bei gleichzeitiger Gabe eines Ganzzell-Pertussis-Impfstoffs kann eine fiebersenkende Behandlung sinnvoll sein – besprechen Sie das vorab mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt. Allgemeine, nach Alter gegliederte Hinweise finden Sie in unserem Ratgeber Fieber bei Kindern.

10. Wann zur Kinderärztin oder zum Kinderarzt

Nach der Impfung ärztlichen Rat einholen, wenn …

  • Anzeichen einer schweren allergischen Reaktion auftreten – etwa Atemnot, Schwellung von Gesicht, Lippen oder Zunge, ausgeprägter Hautausschlag am ganzen Körper oder Kreislaufschwäche, meist innerhalb weniger Minuten bis Stunden nach der Impfung.
  • Ihr Kind ungewöhnlich schläfrig, blass oder schlaff wirkt und sich schwer wecken lässt (hinweisend auf eine hypoton-hyporesponsive Episode).
  • ein Krampfanfall auftritt, unabhängig davon, ob er dem gewohnten Bild eines einfachen Fieberkrampfes entspricht.
  • hohes Fieber (über 39–40 °C) länger anhält oder sich der Allgemeinzustand Ihres Kindes deutlich verschlechtert.
  • bei einem sehr unreifen Frühgeborenen nach der Impfung Atemaussetzer bemerkt werden.
  • die Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle ungewöhnlich groß wird, sich ausbreitet oder sich Eiter bildet.

Bei diesen Anzeichen sollten Sie umgehend ärztliche Hilfe suchen – bei Notfallzeichen wie Atemnot oder Kreislaufschwäche den Rettungsdienst rufen. Weitere Hintergründe zu den durch Pneumokokken verursachten Erkrankungen selbst finden Sie in unserem Artikel Pneumokokken bei Kindern.

11. Wichtigste Leitlinien und Fachgesellschaften

  • Synflorix – Summary of Product Characteristics (EPAR Product Information) – European Medicines Agency (EMA), EU, 2009 (laufend aktualisiert)
  • Synflorix EPAR – Übersicht – European Medicines Agency (EMA), EU, 2009
  • Impfstoff-Datenbank: Synflorix – Paul-Ehrlich-Institut (PEI), Deutschland
  • „Pneumococcal conjugate vaccines in infants and children under 5 years of age": WHO position paper, Februar 2019 – World Health Organization (WHO), 2019
  • Weekly Epidemiological Record Nr. 39, 2025 (Aktualisierung des Pneumokokken-Konjugatimpfstoff-Positionspapiers) – World Health Organization (WHO), 2025
  • Green Book, Kapitel 25 „Pneumococcal" – UK Health Security Agency (UKHSA)/Joint Committee on Vaccination and Immunisation (JCVI), Vereinigtes Königreich, Stand 29. Juli 2026
  • FAQ „Schutzimpfung gegen Pneumokokken" – Robert Koch-Institut (RKI)/STIKO, Deutschland, Stand 23. März 2026
  • Impfplan Österreich / Kostenfreies Kinderimpfprogramm – Sozialministerium (BMSGPK), Österreich
  • impfen.gv.at – Pneumokokken – Österreichisches Gesundheitsportal, Österreich
  • Rijksvaccinatieprogramma – Pneumokokken (Wechsel Synflorix → Vaxneuvance) – RIVM/Rijksvaccinatieprogramma, Niederlande, 2024/2025
  • Nouvel avis du Conseil Supérieur de la Santé concernant la vaccination antipneumococcique pour les enfants – CBIP/Conseil Supérieur de la Santé, Belgien, 2025
  • Kansallisen rokotusohjelman pneumokokkirokotukset / Pneumokokkirokotukset – Terveyden ja hyvinvoinnin laitos (THL) & Satakunnan hyvinvointialue, Finnland
  • Recomendações sobre Vacinas: Atualização 2024/2025 (Vacina conjugada contra Streptococcus pneumoniae) – Sociedade de Infeciologia Pediátrica (SIP) & Sociedade Portuguesa de Pediatria (SPP), Portugal, 2024
  • Vacinas pneumocócicas conjugadas – Sociedade Brasileira de Imunizações (SBIm), Brasilien
  • Calendario de Vacunaciones e Inmunizaciones de la Asociación Española de Pediatría 2025 – Comité Asesor de Vacunas (CAV-AEP), Spanien, 2025
  • Pneumocoques: une stratégie vaccinale actualisée pour mieux protéger les populations à risque – Haute Autorité de Santé (HAS), Frankreich
  • Calendario vaccinale del Piano nazionale di prevenzione vaccinale – Istituto Superiore di Sanità (ISS)/Epicentro, Italien
  • Recommendations for public health programs on the use of pneumococcal vaccines in children, including the use of 15-valent and 20-valent pneumococcal conjugate vaccines – National Advisory Committee on Immunization (NACI)/Public Health Agency of Canada, Kanada, 2024
  • Pneumococcal vaccines – Frequently Asked Questions (FAQs) – National Centre for Immunisation Research and Surveillance (NCIRS), Australien
  • Вакцинация против пневмококковой инфекции (Impfung gegen Pneumokokken-Infektion) – Rospotrebnadzor, Russland
  • Systematic review on the impact of the pneumococcal conjugate vaccine ten valent (PCV10) or thirteen valent (PCV13) on all-cause, radiologically confirmed and severe pneumonia hospitalisation rates and pneumonia mortality in children 0–9 years old – Reyburn et al. (ARI Review Group), Journal of Global Health, 2023