Pneumokokken Impfstoff – Prevenar 13
Der Beipackzettel im vollen Wortlaut
Der amtliche Beipackzettel zu Prevenar 13 – Fachinformation, Etikettierung und Packungsbeilage, wie sie die Europäische Arzneimittel-Agentur veröffentlicht – steht unverändert auf einer eigenen Seite. Er war hier bisher nur als PDF verlinkt.
Kurzfassung der Europäischen Arzneimittel-Agentur
Prevenar ist ein Impfstoff gegen Pneumokokken. Im Gegensatz zu Synflorix bietet Prevenar eine Schutz gegen 13 Untergruppen der Pneumokokken. Synflorix hingegen schützt nur gegen 10 Untergruppen der Pneumokokken. Seit 1.2.2020 wird Prevenar vom Gesundheitsamt bezahlt.
Was ist Prevenar 13?
Prevenar 13 ist ein Impfstoff. Es ist als Injektionssuspension erhältlich, die Teile von 13 verschiedenen Arten des Bakteriums Streptococcus pneumoniae (S. pneumoniae) enthält.
Wofür wird Prevenar 13 angewendet?
Prevenar 13 wird angewendet, um Kinder im Alter zwischen sechs Wochen und 17 Jahren vor invasiven Erkrankungen, Pneumonie (Lungenentzündung) und akuter Otitis media (Mittelohrentzündung) zu schützen, die durch S. pneumoniae verursacht werden. Es wird ferner angewendet, um Erwachsene und ältere Menschen vor invasiven Erkrankungen und Lungenentzündungen zu schützen, die durch S. pneumoniae verursacht werden. Invasive Erkrankungen treten auf, wenn sich das Bakterium im Körper verbreitet und dadurch schwere Infektionen wie Sepsis (Blutvergiftung) und Meningitis (Entzündung der Hirn- und Rückenmarkhäute) verursacht. Bei der Verschreibung von Prevenar 13 müssen das Risiko invasiver Erkrankungen und von Lungenentzündungen in den verschiedenen Altersgruppen, etwaige sonstige Erkrankungen der zu impfenden Personen sowie die Art der Bakterien in den verschiedenen geografischen Gebieten berücksichtigt werden. Der Impfstoff ist nur auf ärztliche Verschreibung erhältlich.
Wie wird Prevenar 13 angewendet?
- Erwachsenen und Kindern ab zwei Jahren sollte eine Einzeldosis von Prevenar 13 in den Schultermuskel gespritzt werden. Kindern unter zwei Jahren wird der Impfstoff in den Oberschenkelmuskel gespritzt. Der Impfplan hängt vom Alter des Kindes ab und sollte sich nach den offiziellen Empfehlungen richten:
Kinder im Alter zwischen sechs Wochen und sechs Monaten erhalten im Allgemeinen vier Dosen. Die ersten drei Dosen werden im Abstand von jeweils einem Monat verabreicht. Die vierte Dosis, der sogenannte Booster, wird im Alter zwischen 11 und 15 Monaten verabreicht. Wird Prevenar 13 im Rahmen eines Standard-Impfprogramms verabreicht, können alternativ zwei Dosen im Alter von zwei und vier Monaten, gefolgt von einer Boosterdosis im Alter von 11 bis 15 Monaten, verabreicht werden. - Kinder im Alter zwischen sieben und 11 Monaten sollten zunächst zwei Dosen im Abstand von mindestens einem Monat erhalten, gefolgt von einer dritten Dosis im zweiten Lebensjahr.
- Kinder im Alter zwischen 12 und 23 Monaten sollten zwei Dosen im Abstand von mindestens zwei Monaten erhalten.
- Kinder im Alter zwischen zwei und 17 Jahren sollten eine Einzeldosis erhalten.
Prevenar 13 kann bei Kindern angewendet werden, die die Impfung mit Prevenar (einem anderen in der Europäischen Union für S. pneumoniae zugelassenen Impfstoff, der Teile von sieben der 13 S. Pneumoniae-Arten in Prevenar 13 enthält) begonnen haben. Weitere Informationen zur Anwendung von Prevenar 13 bei Peronsen mit erhöhtem Risiko für Pneumokokkeninfektionen (wie etwa Patienten mit HIV oder Personen, die ein hämatopoetisches Stammzellentransplantat erhalten haben) sowie zur Umstellung von Prevenar auf Prevenar 13 sind der Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (ebenfalls Teil des EPAR) zu entnehmen.
Wie wirkt Prevenar 13?
Impfstoffe wirken, indem sie dem Immunsystem (der natürlichen Abwehr des Körpers) „beibringen“, wie es sich gegen Krankheiten wehren kann. Nach der Verabreichung des Impfstoffs erkennt das Immunsystem Teile des in dem Impfstoff enthaltenen Bakteriums als „körperfremd“ und bildet Antikörper dagegen. Das Immunsystem ist nun in der Lage, diese Antikörper schneller zu bilden, wenn es dem Bakterium erneut ausgesetzt ist. Auf diese Weise schützt die Impfung vor der Krankheit. Prevenar 13 enthält geringe Mengen an Polysacchariden (eine Zuckerart), die aus der Hülle des Bakteriums S. pneumoniae gewonnen wurden. Diese Polysaccharide wurden zunächst gereinigt und dann einer Trägersubstanz hinzugefügt (konjugiert), um sie für das Immunsystem besser erkennbar zu machen. Der Impfstoff wird außerdem noch „adsorbiert“, d. h. an eine Aluminiumverbindung angekoppelt, um die Immunreaktion zu verstärken.
Prevenar 13 enthält Polysaccharide aus 13 unterschiedlichen Arten von S. pneumoniae (Serotypen 1, 3, 4, 5, 6A, 6B, 7F, 9V, 14, 18C, 19A, 19F und 23F). Man schätzt, dass diese in Europa – je nach Land – etwa 73 % bis 100 % der Fälle invasiver Erkrankungen bei Kindern unter fünf Jahren und mindestens 50 % bis 76 % der Fälle invasiver Erkrankungen bei Erwachsenen verursachen. Prevenar 13 ist Prevenar sehr ähnlich, jedoch enthält es sechs zusätzliche Polysaccharide von Serotpen, die etwa 16 % bis 60 % der Fälle verursachen.
Wie wurde Prevenar 13 untersucht?
Bei Kindern wurde die Fähigkeit von Prevenar 13, die Bildung von Antikörpern auszulösen (Immunogenität), in zwei Hauptstudien an 1 266 gesunden Kindern, die im Alter zwischen zwei und 15 Monaten geimpft wurden, sowie in einer dritten Studie an 598 Kindern zwischen fünf und 17 Jahren, die zuvor mit Prevenar geimpft worden waren oder die noch nie gegen invasive Pneumokokken-Erkranken geimpft wurden, bewertet. Prevenar 13 wurde mit Prevenar verglichen. In den Studien wurde die durch Prevenar 13 hervorgerufene Immunantwort mit der durch Prevenar hervorgerufenen Immunantwort auf die sieben Polysaccharide, die in beiden Impfstoffen enthalten sind, verglichen. In den ersten beiden Studien wurden sie direkt verglichen, in der dritten Studie wurden die Ergebnisse bei Prevenar 13 mit denen verglichen, die in einer vorherigen Studie bei Prevenar erreicht worden waren. Die Immunantwort auf die zusätzlichen sechs Polysaccharide in Prevenar 13 wurde mit der schwächsten Immunantwort auf die Polysaccharide in Prevenar verglichen.
In weiteren Studien mit Kindern wurden die Wirkungen von Boosterimpfungen, die Umstellung von Prevenar auf Prevenar 13 und die Anwendung von Prevenar 13 neben anderen Standardimpfstoffen für Kinder untersucht. Bei Erwachsenen wurde Prevenar 13 in vier Hauptstudien untersucht. Die erste Studie umfasste 835 Erwachsene zwischen 50 und 64 Jahren, die noch nicht gegen invasive, durch S. pneumoniae verursachte Erkrankungen geimpft worden waren. An der zweiten Studie nahmen 938 Erwachsene ab 70 Jahren teil, die bereits zuvor (mindestens fünf Jahre früher) gegen invasive, durch S. pneumoniae verursachte Erkrankungen geimpft worden waren. In beiden Studien wurde Prevenar 13 mit einem ähnlichen Impfstoff verglichen, der Polysaccharide aus 23 unterschiedlichen Arten von S. pneumoniae enthielt (23-valenter Polysaccharid-Impfstoff). Bei den Studien wurden die durch die beiden Impfstoffe hervorgerufenen Immunantworten einen Monat nach der Impfung verglichen. In einer dritten Studie mit 900 Erwachsenen zwischen 18 und 49 Jahren wurde die Immunantwort auf Prevenar 13 mit der Immunantwort bei Erwachsenen zwischen 60 und 64 Jahren verglichen. Eine vierte Studie schloss etwa 85 000 Erwachsene über 65 Jahren ein, die zuvor nicht mit dem 23-valenten Polysaccharid-Impfstoff geimpft worden waren, und verglich Prevenar 13 mit Placebo (eine Scheinbehandlung). Hauptindikator für die Wirksamkeit war die Anzahl an Probanden, die eine erste Episode von Lungenentzündung aufgrund einer der von Prevenar 13 abgedeckten S. pneumoniae-Arten entwickelten.
Welchen Nutzen hat Prevenar 13 in diesen Studien gezeigt?
Bei Kindern unter fünf Jahren rief Prevenar 13 in der ersten Hauptstudie eine Immunantwort hervor, die bei sechs der sieben gemeinsamen S. Pneumoniae-Polysaccharide mindestens ebenso gut war wie bei Prevenar; bei der zweiten Hauptstudie galt dies für fünf der sieben Polysaccharide. In den Fällen, in denen die Immunantwort auf Prevenar 13 schwächer war als bei dem Vergleichsimpfstoff, waren die Unterschiede relativ gering. Alle sechs zusätzlichen Polysaccharide in Prevenar 13 riefen in der ersten Hauptstudie eine Immunantwort hervor, die mindestens ebenso gut war wie die schwächste Immunantwort bei Prevenar. In der zweiten Studie traf dies auf fünf der sechs zusätzlichen Polysaccharide zu.
Bei Kindern zwischen fünf und 17 Jahren rief Prevenar 13 eine Immunantwort hervor, die mindestens ebenso gut war wie die Immunantwort bei Prevenar auf alle sieben S. Pneumoniae-Polysaccharide, die beide Impfstoffe enthalten. Alle sechs zusätzlichen Polysaccharide in Prevenar 13 riefen eine Immunantwort hervor, die mit der auf die sieben Polysaccharide bei Prevenar vergleichbar war. Aus den anderen Studien ging hervor, dass Prevenar 13 nach Boosterimpfungen zu einer verstärkten Antikörperbildung führte, und die Umstellung auf Prevenar 13 bei Kindern, die zunächst mit Prevenar geimpft wurden, konnte abgesichert werden. Es erwies sich, dass Prevenar 13 die Immunogenität anderer Standardimpfstoffe für Kinder nicht beeinträchtigte.
Bei Erwachsenen ab 50 Jahren rief Prevenar 13 in den ersten zwei Hauptstudien eine Immunantwort hervor, die bei allen 12 S. Pneumoniae-Polysacchariden, die in beiden Impfstoffen enthalten sind, mindestens ebenso gut war wie bei dem 23-valenten Polysaccharid-Impfstoff; für mehrere dieser Serotypen war die Immunantwort bei Prevenar 13 besser. Bei den Erwachsenen zwischen und 18 und 49 Jahren war die Immunantwort mit Prevenar 13 genauso gut wie bei den Erwachsenen zwischen 60 und 64 Jahren. Die vierte Studie mit Erwachsenen über 65 Jahren zeigte, dass Prevenar 13 die Inzidenz von Lungenentzündungen um fast die Häfte senkte: 49 von 42 240 Probanden (etwa 0,1 %) in der Impfgruppe erkrankten an einer durch S. pneumoniae verursachten Lungenentzündung im Vergleich zu 90 von 42 256 Probanden (etwa 0,2 %) in der Placebo-Gruppe.
Welches Risiko ist mit Prevenar 13 verbunden?
Sehr häufige Nebenwirkungen von Prevenar 13 bei Kindern (beobachtet bei mehr als 1 von 10 Patienten) sind verminderter Appetit, Fieber (sehr häufig nur bei Kindern im Alter zwischen 6 Wochen und 5 Jahren), Reizbarkeit, Reaktionen an der Einstichstelle (Rötung oder Verhärtung der Haut, Schwellung, Schmerzen oder Empfindlichkeit), Schläfrigkeit und mangelhafte Schlafqualität. Sehr häufige Nebenwirkungen bei Erwachsenen und älteren Menschen (beobachtet bei mehr als 1 von 10 Patienten) sind verminderter Appetit, Kopfschmerzen, Diarrhö (Durchfall), Fieber (sehr häufig nur bei Erwachsenen zwischen 18 und 29 Jahren), Erbrechen (sehr häufig nur bei Erwachsenen zwischen 18 und 49 Jahren), Hautausschlag, Reaktionen an der Einstichstelle, Einschränkung der Bewegungsfähigkeit des Arms, Arthralgie, Myalgie (Gelenk- und Muskelschmerzen), Schüttelfrost und Fatigue (Müdigkeit). Die vollständige Auflistung der im Zusammenhang mit Prevenar 13 berichteten Nebenwirkungen ist der Packungsbeilage zu entnehmen.
Prevenar 13 darf nicht bei Patienten angewendet werden, die überempfindlich (allergisch) gegen die Wirkstoffe, einen der sonstigen Bestandteile oder gegen Diphtherietoxoid (ein abgeschwächtes Toxin aus dem Bakterium, das Diphterie hervorruft) sind. Patienten mit hohem Fieber dürfen erst geimpft werden, wenn sie wieder gesund sind; bei leichten Infektionen, beispielsweise einer Erkältung, kann der Impfstoff jedoch verabreicht werden.
Warum wurde Prevenar 13 zugelassen?
Der CHMP gelangte zu dem Schluss, dass der Nutzen von Prevenar 13 gegenüber den Risiken überwiegt, und empfahl, die Genehmigung für das Inverkehrbringen zu erteilen. Der CHMP stellte fest, dass die Antwort des Immunsystems auf Prevenar 13 bei Kindern mit der Reaktion auf Prevenar vergleichbar war, das in der EU bereits zum Schutz von Kindern vor S. pneumoniae zugelassen ist. Der Ausschuss wies ferner darauf hin, dass Prevenar 13 weitere Polysaccharide aus S. Pneumoniae-Arten enthält, die in Europa Auslöser von Erkrankungen bei Kindern sind.
In Bezug auf Erwachsene und ältere Menschen stellte der Ausschuss fest, dass ambulant erworbene Lungenentzündungen und invasive Pneumokokken-Erkrankungen ein beträchtliches Gesundheitsproblem darstellen können und der Nutzen eines diesbezüglichen Schutzes das Risiko von Nebenwirkungen überwiegt. Obwohl die Anwendung von Prevenar 13 nur bei Erwachsenen über 65 Jahren untersucht wurde, war der CHMP bezüglich der Vorbeugung von Lungenentzündungen der Auffassung, dass die Ergebnisse auch auf jüngere Erwachsene übertragen werden können, da Studien gezeigt haben, dass ihre Immunantwort ähnlich oder höher als bei Erwachsenen über 65 Jahren ist.
Welche Maßnahmen werden zur Gewährleistung der sicheren und wirksamen Anwendung von Prevenar 13 ergriffen?
Es wurde ein Risikomanagementplan entwickelt, um sicherzustellen, dass Prevenar 13 so sicher wie möglich angewendet wird. Auf der Grundlage dieses Plans wurden Sicherheitsinformationen in die Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels und die Packungsbeilage für Prevenar 13 aufgenommen, einschließlich geeigneter Vorsichtsmaßnahmen für Angehörige der Heilberufe und Patienten.
Weitere Informationen über Prevenar 13
Am 9. Dezember 2009 erteilte die Europäische Kommission eine Genehmigung für das Inverkehrbringen von Prevenar 13 in der gesamten Europäischen Union.
Den vollständigen Wortlaut des EPAR für Prevenar 13 finden Sie auf der Website der Agentur:
ema.europa.eu/Find medicine/Human medicines/European Public Assessment Reports.
Wenn Sie weitere Informationen zur Behandlung mit Prevenar 13 benötigen, lesen Sie bitte die Packungsbeilage (ebenfalls Teil des EPAR) oder wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.
Diese Zusammenfassung wurde zuletzt im 02-2015 aktualisiert.
Zusatzinformationen unserer Ordination – nicht Teil des Beipackzettels
Alles oberhalb dieser Linie ist der unveränderte Wortlaut, wie er in der Zusammenfassung des Europäischen Öffentlichen Beurteilungsberichts (EPAR) der Europäischen Arzneimittel-Agentur zu Prevenar 13 steht. Daran wird nichts geändert, gekürzt oder umformuliert.
Was jetzt folgt, ist eine ergänzende Einordnung unserer Ordination: recherchierte Hintergründe, Empfehlungen von Impfgremien und häufige Elternfragen. Diese Zusatzinformationen sind kein Bestandteil der EPAR-Zusammenfassung und ersetzen weder die dem Präparat beiliegende Packungsbeilage noch das ärztliche Gespräch.
Prevenar 13 war über viele Jahre der Pneumokokken-Impfstoff, mit dem in Österreich praktisch jedes Baby im Rahmen des kostenfreien Kinderimpfprogramms geimpft wurde – die meisten älteren Geschwisterkinder und viele Erwachsene haben ihn im Impfpass stehen. International ist die Lage inzwischen aber deutlich in Bewegung geraten: Manche Länder halten unverändert an Prevenar 13 fest, andere setzen längst auf höhervalente Nachfolgepräparate, und auch Österreich selbst hat sein Kinderimpfprogramm zuletzt umgestellt. Dieser Ratgeber erklärt, was in Prevenar 13 steckt, wie und nach welchem Schema damit geimpft wird, welche Nebenwirkungen laut Fachinformation bekannt sind – und wie sich der aktuelle Stand in Österreich von dem in Deutschland, dem Vereinigten Königreich, Frankreich, den USA und Kanada unterscheidet.
So ist dieser Ratgeber aufgebaut
Grundlage dieses Artikels sind die europäische Fachinformation (Summary of Product Characteristics) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA), der österreichische Impfplan 2025/2026 des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMASGPK) und des Nationalen Impfgremiums, sowie Leitlinien und Empfehlungen von Gesundheitsbehörden aus dem Vereinigten Königreich, Deutschland, Frankreich, den USA und Kanada. Eine vollständige Übersicht der verwendeten Quellen finden Sie am Ende des Artikels.
Wenn Sie es eilig haben: Der Abschnitt „Prevenar 13 in Österreich – aktueller Stand" ist für die meisten unserer Patientinnen und Patienten der wichtigste. Grundlegende Informationen zur Erkrankung selbst – Krankheitsbilder, Häufigkeit, Übertragung – finden Sie in unserem separaten Artikel Pneumokokken bei Kindern. Zum Vorgängerimpfstoff, den ältere Geschwisterkinder möglicherweise erhalten haben, siehe unseren Ratgeber Synflorix.
Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Er dient der Orientierung und der Vorbereitung auf das Gespräch in der kinderärztlichen Praxis. Ob, wann und mit welchem Präparat Ihr Kind geimpft werden soll oder wurde, besprechen Sie bitte immer persönlich mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt.
1. Was ist Prevenar 13?
Prevenar 13 ist ein 13-valenter Pneumokokken-Polysaccharid-Konjugatimpfstoff (adsorbiert). Eine Dosis enthält gereinigte Kapselpolysaccharide der Pneumokokken-Serotypen 1, 3, 4, 5, 6A, 6B, 7F, 9V, 14, 18C, 19A, 19F und 23F, jeweils gekoppelt an das Trägerprotein CRM197 – ein gentechnisch verändertes, ungiftig gemachtes Diphtherietoxin. Zusätzlich ist der Impfstoff an Aluminiumphosphat adsorbiert und enthält als Hilfsstoff Polysorbat 80 (Quelle: European Medicines Agency, EMA, Summary of Product Characteristics Prevenar 13, EU).
Laut EU-Fachinformation ist Prevenar 13 zugelassen zur aktiven Immunisierung gegen invasive Erkrankungen, Lungenentzündung und akute Mittelohrentzündung, verursacht durch Streptococcus pneumoniae, bei Säuglingen, Kindern und Jugendlichen von 6 Wochen bis 17 Jahren. Bei Erwachsenen ab 18 Jahren und älteren Personen ist der Impfstoff zur Prävention invasiver Erkrankung und Lungenentzündung zugelassen – die Mittelohrentzündung ist bei Erwachsenen ausdrücklich nicht Teil der Indikation (Quelle: EMA, Summary of Product Characteristics Prevenar 13, EU). Der Impfstoff muss intramuskulär verabreicht werden; nur bei Kindern mit Thrombozytopenie oder einer anderen Gerinnungsstörung kann ausnahmsweise subkutan geimpft werden. Kontraindiziert ist Prevenar 13 bei bekannter Überempfindlichkeit gegen die Wirkstoffe, einen der Hilfsstoffe oder gegen Diphtherietoxoid – Letzteres, weil das Trägerprotein CRM197 mit dem Diphtherietoxin verwandt ist.
Was Pneumokokken sind, wie sie übertragen werden und welche Krankheitsbilder sie auslösen können, erklärt unser Grundlagenartikel Pneumokokken bei Kindern ausführlich – dieser Ratgeber konzentriert sich bewusst auf den Impfstoff selbst.
2. Von PCV7 zu PCV13 – und darüber hinaus
Um Prevenar 13 richtig einzuordnen, lohnt ein Blick auf die Entwicklungsgeschichte der Pneumokokken-Impfstoffe. Bereits 1977 kam laut dem amerikanischen Children's Hospital of Philadelphia (CHOP) Vaccine Education Center ein erster, nicht-konjugierter Polysaccharid-Impfstoff auf den Markt – der jedoch bei Säuglingen und Kleinkindern unter zwei Jahren praktisch wirkungslos blieb, weil deren Immunsystem auf reine Zuckerstrukturen kaum reagiert. Erst im Jahr 2000 wurde mit dem 7-valenten Konjugatimpfstoff PCV7 erstmals ein Präparat verfügbar, das auch bei jungen Kindern wirksam Schutz aufbaute.
Das Vereinigte Königreich führte PCV7 im September 2006 in sein Säuglingsimpfprogramm ein (2+1-Schema mit 8 und 16 Wochen sowie einer Auffrischung ab 12 Monaten); bei Impfquoten von über 90 Prozent ging die Zahl invasiver Pneumokokken-Erkrankungen (IPD) daraufhin deutlich zurück – auch bei nicht geimpften Personen, ein Beleg für den entstehenden Herdenschutz. Im April 2010 löste Prevenar 13 (PCV13) den 7-valenten Vorgänger im britischen Programm ab und reduzierte die IPD-Fälle durch die sechs zusätzlich abgedeckten Serotypen weiter (Quelle: UK Health Security Agency, UKHSA, und Joint Committee on Vaccination and Immunisation, JCVI, „Green Book", Kapitel 25 „Pneumococcal", Vereinigtes Königreich, Stand 29. Juli 2026).
Seit 2013/14 beobachtet das UKHSA jedoch wieder eine Zunahme der Gesamt-IPD-Häufigkeit – getragen allerdings überwiegend von Serotypen, die nicht in Prevenar 13 enthalten sind (vor allem 8, 12F und 9N). Dieses Phänomen ist in der Fachliteratur als „Serotyp-Replacement" bekannt: Wenn die im Impfstoff enthaltenen Serotypen zurückgedrängt werden, können andere, nicht abgedeckte Serotypen die frei werdende ökologische Nische im Nasen-Rachen-Raum füllen. Gestützt auf die inzwischen etablierte Herdenimmunität reduzierte das UKHSA das britische Säuglingsschema zum Jänner 2020 von 2+1 auf ein 1+1-Schema (12 Wochen und 12 Monate); seit 1. Juli 2025 wurde die erste Dosis wegen einer zusätzlichen zweiten MenB-Dosis im selben Kontrollintervall auf 16 Wochen verschoben.
Genau dieses Serotyp-Replacement ist auch der Grund, warum in den vergangenen Jahren höhervalente Nachfolgepräparate entwickelt wurden: PCV15 (Vaxneuvance), PCV20 (Prevenar 20) und – vor allem für Erwachsene relevant – PCV21 (Capvaxive). In den USA sind laut CHOP Vaccine Education Center die älteren Präparate PCV7 und PCV13 inzwischen vollständig vom Markt genommen; im Handel befinden sich dort nur noch PCV15, PCV20 und PCV21. Die deutsche Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt PCV20 laut Robert Koch-Institut (RKI) dagegen bewusst noch nicht für die Säuglings-Routineimpfung, da der Impfstoff in Studien nach nur zwei Dosen eine schwächere Immunantwort gegen alle enthaltenen Serotypen zeigte als PCV13 – die klinische Bedeutung dieses Unterschieds ist noch nicht abschließend geklärt.
Serotypen-Abdeckung im Vergleich
Mit jeder neuen Impfstoff-Generation kamen zusätzliche Serotypen hinzu.
| Impfstoff | Markenname | Valenz | Serotypen (kumulativ) |
|---|---|---|---|
| PCV13 | Prevenar 13 | 13 | 1, 3, 4, 5, 6A, 6B, 7F, 9V, 14, 18C, 19A, 19F, 23F |
| PCV15 | Vaxneuvance | 15 | + 22F, 33F |
| PCV20 | Prevenar 20 | 20 | + 8, 10A, 11A, 12F, 15B, 22F, 33F |
| PCV21 | Capvaxive | 21 | andere Serotyp-Auswahl, v. a. für Erwachsene relevant (u. a. 3, 8, 9N, 15A, 16F, 20A, 23A, 23B, 24F, 31, 35B) |
| PPV23 | Pneumovax 23 | 23 | nicht konjugierter Polysaccharid-Impfstoff, zusätzlich u. a. 2, 9N, 17F, 20 |
3. Wie der Impfstoff wirkt
Die Zuckerkapsel der Pneumokokken ist für das unreife Immunsystem von Säuglingen nur schwer zu erkennen – ohne technischen Trick würde eine Impfung mit der reinen Kapselsubstanz bei den Jüngsten kaum wirken, wie schon der wirkungslose Polysaccharid-Impfstoff von 1977 zeigte. Deshalb ist bei Prevenar 13 jedes der 13 Kapselpolysaccharide an das Trägerprotein CRM197 gekoppelt: Diese sogenannte Konjugation ermöglicht schon ab einem Alter von 6 Wochen eine ausgereifte, T-Zell-abhängige Immunantwort mit Gedächtniszellen (Quelle: EMA, Summary of Product Characteristics Prevenar 13, EU). Dieses Wirkprinzip teilt Prevenar 13 mit allen anderen Pneumokokken-Konjugatimpfstoffen; der Unterschied zwischen den Präparaten liegt vor allem in der Anzahl und Auswahl der abgedeckten Serotypen.
4. Impfschema laut Fachinformation
Wie viele Dosen nötig sind und in welchem Abstand geimpft wird, hängt vor allem vom Alter Ihres Kindes zum Zeitpunkt der ersten Impfung ab. Die folgende Übersicht fasst die Angaben der europäischen Fachinformation zusammen; das in Österreich tatsächlich verwendete Schema mit dem aktuellen Impfstoff finden Sie im Abschnitt „Prevenar 13 in Österreich".
Welches Impfschema passt zu meiner Situation?
Wählen Sie die auf Ihr Kind zutreffende Situation, um die laut Fachinformation vorgesehene Dosierung zu sehen.
Bitte wählen Sie oben eine Situation aus.
Für Patientinnen und Patienten nach einer Stammzelltransplantation (HSCT) sieht die Fachinformation ein eigenes Schema vor: drei Dosen im Abstand von jeweils einem Monat, gefolgt von einer Auffrischungsdosis sechs Monate nach der dritten Dosis (Quelle: EMA, Summary of Product Characteristics Prevenar 13, EU).
5. Nebenwirkungen und Verträglichkeit
Wie bei den meisten Kinderimpfungen sind die häufigsten Nebenwirkungen mild und vorübergehend. Die europäische Fachinformation listet für Säuglinge und Kinder von 6 Wochen bis 5 Jahren folgende Häufigkeiten:
| Häufigkeit | Nebenwirkung |
|---|---|
| Sehr häufig | Fieber; Reizbarkeit; Rötung, Verhärtung oder Schwellung an der Einstichstelle; Schmerz/Berührungsempfindlichkeit an der Einstichstelle; Schläfrigkeit; Schlafstörung; verminderter Appetit |
| Häufig | Fieber über 39 °C; eingeschränkte Beweglichkeit der geimpften Extremität; Erbrechen; Durchfall; Hautausschlag |
| Gelegentlich | Krampfanfälle (auch Fieberkrämpfe); Urtikaria; Schwellung an der Einstichstelle über 7 cm; vermehrtes Weinen |
| Selten | Überempfindlichkeitsreaktion (Gesichtsödem, Atemnot, Bronchospasmus); hypoton-hyporesponsive Episode (HHE) |
| Nicht bekannt (Meldungen nach Markteinführung) | Anaphylaktische/anaphylaktoide Reaktion einschließlich Schock; Angioödem; Erythema multiforme; Lymphadenopathie |
Fieber gehört damit zu den erwarteten, sehr häufigen Reaktionen auf die Impfung. Allgemeine, altersgerechte Hinweise zum Umgang mit Fieber – wann Sie abwarten können und wann ärztlicher Rat gefragt ist – finden Sie in unserem ausführlichen Ratgeber Fieber bei Kindern.
Bei Erwachsenen ab 18 Jahren berichtet die Fachinformation vor allem Kopfschmerzen, verminderten Appetit, Schüttelfrost, Müdigkeit, Hautausschlag, Gelenk- und Muskelschmerzen sowie Reaktionen an der Einstichstelle als sehr häufige Nebenwirkungen; insgesamt nimmt die Häufigkeit von Nebenwirkungen mit steigendem Alter tendenziell ab (Quelle: EMA, Summary of Product Characteristics Prevenar 13, EU).
Zwei Warnhinweise aus der Fachinformation
Bei gleichzeitiger Gabe von Prevenar 13 mit dem Sechsfach-Kombinationsimpfstoff Infanrix hexa wurde eine erhöhte Meldehäufigkeit von Krampfanfällen (mit und ohne Fieber) sowie hypoton-hyporesponsiven Episoden im Vergleich zur alleinigen Gabe von Prevenar 13 beobachtet. Und bei sehr unreifen Frühgeborenen, die bis zur vollendeten 28. Schwangerschaftswoche geboren wurden, besteht ein erhöhtes Risiko für Atemaussetzer (Apnoen) nach der Impfung – hier wird eine Überwachung der Atmung über 48 bis 72 Stunden empfohlen. Außerdem kann eine vorbeugende Gabe von Paracetamol die Immunantwort nach der Grundimmunisierungsserie abschwächen; die klinische Bedeutung dieses Effekts ist laut Fachinformation nicht abschließend geklärt (Quelle: EMA, Summary of Product Characteristics Prevenar 13, EU).
6. Wirksamkeit und Krankheitslast
Streptococcus pneumoniae ist weltweit die häufigste Ursache bakterieller Lungenentzündung bei Kindern. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) forderte Lungenentzündung im Jahr 2019 weltweit 740.180 Todesfälle bei Kindern unter 5 Jahren – das entspricht 14 Prozent aller Todesfälle in dieser Altersgruppe, mit dem höchsten Sterberisiko in Südasien und in Subsahara-Afrika. Die Immunisierung gegen Hib, Pneumokokken, Masern und Keuchhusten zählt die WHO zu den wirksamsten Maßnahmen zur Vorbeugung von Lungenentzündung und ist Teil des gemeinsamen WHO-UNICEF-Aktionsplans gegen Lungenentzündung und Durchfallerkrankungen (GAPPD) (Quelle: World Health Organization, WHO, Fact Sheet „Pneumonia").
Laut europäischer Fachinformation deckte Prevenar 13, gemessen an europäischen Surveillance-Daten aus der Zeit vor Einführung von Konjugatimpfstoffen, je nach Land zwischen 73 und 100 Prozent der bei Kindern unter 5 Jahren invasive Erkrankungen verursachenden Serotypen ab. Die sechs gegenüber dem Vorgänger PCV7 zusätzlich enthaltenen Serotypen (1, 3, 5, 6A, 7F, 19A) waren dabei je nach Land für 15,6 bis 59,7 Prozent der invasiven Erkrankungen verantwortlich. Prevenar 13 deckt außerdem schätzungsweise mehr als 90 Prozent der antibiotikaresistenten IPD-Serotypen ab. Bei Erwachsenen waren die in Prevenar 13 enthaltenen Serotypen vor Einführung des Impfstoffs im Kinderimpfprogramm je nach Land für 50 bis 76 Prozent der Erwachsenen-IPD verantwortlich (Quelle: EMA, Summary of Product Characteristics Prevenar 13, EU).
Wie sich diese Zahlen über Jahre hinweg tatsächlich auswirken, zeigt die bereits im Abschnitt „Von PCV7 zu PCV13" beschriebene britische Entwicklung: ein deutlicher Rückgang der durch Impf-Serotypen verursachten Erkrankungen nach Einführung von PCV7 (2006) und PCV13 (2010), mit einem teilweisen Ausgleich durch zunehmende Nicht-Impf-Serotypen ab 2013/14 – dem bereits erwähnten Serotyp-Replacement (Quelle: UKHSA/JCVI, „Green Book", Kapitel 25, Vereinigtes Königreich).
7. Prevenar 13 in Österreich – aktueller Stand
Für Österreich ist ein Punkt besonders wichtig, den viele Eltern noch nicht wissen: Im kostenfreien Kinderimpfprogramm wird aktuell nicht mehr Prevenar 13 verwendet, sondern der 15-valente Nachfolgeimpfstoff Vaxneuvance (PCV15) – so der Impfplan Österreich 2025/2026, Version 1.1 vom 10. Oktober 2025, herausgegeben vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMASGPK) gemeinsam mit dem Nationalen Impfgremium. Prevenar 13 bleibt damit für die Einordnung des Impfpasses vieler bereits geimpfter Kinder wichtig, ist aber nicht mehr der aktuell verabreichte Impfstoff.
Das Schema für gesunde Säuglinge ist dabei unverändert ein 2+1-Schema: die erste Dosis ab der vollendeten 6. Lebenswoche, spätestens im 3. Lebensmonat, die zweite Dosis acht Wochen später und die dritte, auffrischende Dosis im Alter von 11 bis 15 Monaten (frühestens sechs Monate nach der zweiten Dosis). Frühgeborene (vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche) erhalten ein 3+1-Schema. Für Kinder ohne spezielle medizinische Indikation ist ab dem vollendeten 5. Lebensjahr keine Pneumokokken-Impfung mehr vorgesehen. Der 20-valente Prevenar 20 ist für Säuglinge im 3+1-Schema zwar zugelassen, steht aber – anders als Vaxneuvance – nicht kostenfrei im öffentlichen Programm zur Verfügung (Quelle: Impfplan Österreich 2025/2026, Version 1.1, BMASGPK/Nationales Impfgremium, Österreich, 10.10.2025; ergänzend impfen.gv.at, Österreich).
Mein Kind hat als Baby Prevenar 13 bekommen – ist das ein Problem?
Nein. Dass Österreich inzwischen zu einem höhervalenten Nachfolgepräparat gewechselt hat, bedeutet nicht, dass die bereits verabreichten Dosen Prevenar 13 „ungültig" wären oder wiederholt werden müssten. Die 13 im Impfstoff enthaltenen Serotypen bleiben durch die erfolgte Impfung abgedeckt. Bei Unsicherheit zur individuellen Impfserie Ihres Kindes bringen Sie am besten den Impfpass zum nächsten Termin mit.
Für Kinder mit erhöhtem Risiko sehen die österreichischen Empfehlungen je nach Alter komplexere, sequenzielle Impfschemata aus PCV15 beziehungsweise PCV20 in Kombination mit dem nicht konjugierten 23-valenten Polysaccharid-Impfstoff Pneumovax 23 (PPV23) vor, mit einer Wiederholung alle sechs Jahre bis zum 18. Lebensjahr und einer Auffrischung mit dem Erwachsenenimpfstoff PCV21 danach. Ganz unabhängig vom Kinderimpfprogramm gilt seit Kurzem außerdem: Erwachsene ab dem vollendeten 60. Lebensjahr erhalten eine kostenfreie Einzeldosis Capvaxive (PCV21) im öffentlichen Impfprogramm (Quelle: Impfplan Österreich 2025/2026, BMASGPK/Nationales Impfgremium, Österreich).
Wie ernst zu nehmen invasive Pneumokokken-Erkrankungen bei Kindern sind, zeigt eine österreichische Auswertung von Klobassa und Kolleginnen und Kollegen (European Journal of Pediatrics, 2014): Von 74 österreichischen Kindern mit Pneumokokken-Meningitis im Zeitraum 2001 bis 2008 verstarben 9 Prozent, und bei 28 Prozent bestanden sechs Monate nach der Erkrankung noch bleibende neurologische Schäden. Welche Serotypen dabei aktuell in Österreich zirkulieren, dokumentiert die Nationale Referenzzentrale für Pneumokokken bei der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) in ihrem Jahresbericht 2024: Am häufigsten wurden Serotyp 3 (201 Isolate) und Serotyp 22F (87 Isolate) nachgewiesen, gefolgt von Serotyp 19A (73 Isolate) – Serotyp 3 und 19A sind dabei in Prevenar 13 enthalten, Serotyp 22F erst in den neueren Präparaten PCV15 und PCV20.
8. Internationaler Vergleich: unterschiedliche Wege
Der Blick über die Grenzen zeigt ein uneinheitliches Bild: Manche Länder halten unverändert an Prevenar 13 fest, andere setzen längst gleichrangig oder ausschließlich auf höhervalente Nachfolgepräparate.
| Land/Region | Schema für Säuglinge | Aktuell empfohlener/verwendeter Impfstoff |
|---|---|---|
| Österreich | 2+1: 1. Dosis ab vollendeter 6. Lebenswoche bis 3. Monat, 2. Dosis 8 Wochen später, 3. Dosis (Auffrischung) 11.–15. Monat | Vaxneuvance (PCV15), gratis im Kinderimpfprogramm – nicht mehr Prevenar 13 |
| Deutschland | 2+1 (STIKO): 2., 4., 11. Monat; Frühgeborene 3+1 (2., 3., 4., 11. Monat) | Prevenar 13 (PCV13) und Vaxneuvance (PCV15) weiterhin gleichrangig empfohlen |
| Vereinigtes Königreich | 1+1: 1. Dosis mit 16 Wochen (seit 1.7.2025, zuvor 12 Wochen), Auffrischung mit 1 Jahr | Prevenar 13 weiterhin Standard im Säuglingsprogramm; Prevenar 20 für Erwachsene/Risikogruppen |
| Frankreich | – | Kurswechsel Juli 2026: HAS empfiehlt neu Prevenar 20 (PCV20) statt PCV13 für Säuglinge und Risikokinder; für Risikoerwachsene/≥65 Jahre neu Capvaxive (PCV21) |
| USA | 4 Dosen im 1. und 2. Lebensjahr | PCV13 nicht mehr verfügbar; im Einsatz: PCV15, PCV20, PCV21 |
| Kanada (British Columbia) | 2 Dosen: 2. und 12. Lebensmonat (1+1) | Prevenar 20 (PCV20) |
In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) laut Robert Koch-Institut (RKI) für die Grundimmunisierung weiterhin ausdrücklich Prevenar 13 oder Vaxneuvance (PCV15) gleichwertig – anders als Österreich hat Deutschland Prevenar 13 also nicht aus der Empfehlung genommen. Das Schema für reifgeborene Säuglinge sieht Dosen im 2., 4. und 11. Lebensmonat vor, für Frühgeborene zusätzlich eine Dosis im 3. Lebensmonat. Ungeimpfte Kleinkinder von 12 bis 24 Monaten erhalten zwei Nachholdosen im Abstand von mindestens acht Wochen. PCV20 ist zwar seit März 2024 zugelassen, wird von der STIKO für die Säuglings-Routineimpfung aber – wie im Abschnitt „Von PCV7 zu PCV13" beschrieben – noch nicht empfohlen; für Risikokinder ab 2 Jahren wurde das bisherige mehrstufige Schema aus PCV13/15 plus dem Polysaccharid-Impfstoff PPSV23 dagegen bereits vereinfacht: Hier reicht inzwischen eine Einzeldosis PCV20 (Quelle: Robert Koch-Institut, RKI/STIKO, Ratgeber Pneumokokken sowie FAQ zur Schutzimpfung gegen Pneumokokken, Deutschland, 2026).
Am deutlichsten hält bislang das Vereinigte Königreich an Prevenar 13 fest: Laut dem „Green Book" der UK Health Security Agency (UKHSA) und des Joint Committee on Vaccination and Immunisation (JCVI) ist Prevenar 13 weiterhin – Stand Juli 2026 – der im nationalen Säuglingsprogramm verwendete Impfstoff, verabreicht im reduzierten 1+1-Schema. Die erste Dosis wurde zum 1. Juli 2025 von 12 auf 16 Wochen verschoben, um im Impfkalender Platz für eine zweite Dosis des Meningokokken-B-Impfstoffs zu schaffen; die Auffrischung erfolgt weiterhin mit einem Jahr. Das JCVI prüfte 2023 zwar den Umstieg auf PCV15 im 1+1-Schema, nahm den Impfstoff aber nicht ins Nationalprogramm auf. Prevenar 20 löst bei Erwachsenen ab 65 Jahren und im Risikoprogramm seit Anfang 2026 schrittweise den älteren Polysaccharid-Impfstoff PPV23 ab; Capvaxive (PCV21) wurde im August 2026 von der britischen Arzneimittelbehörde MHRA zugelassen, ist aber bislang nicht Teil des Nationalprogramms.
In Frankreich hat die Haute Autorité de Santé (HAS) am 30. Juli 2026 einen Kurswechsel bekanntgegeben: Für Säuglinge und Risikokinder wird künftig Prevenar 20 (PCV20) anstelle von Prevenar 13 empfohlen; für Risikoerwachsene und Personen ab 65 Jahren empfiehlt die HAS neu bevorzugt den Erwachsenenimpfstoff Capvaxive (PCV21). Genauere Angaben zu den künftigen Dosisintervallen waren in der ausgewerteten Pressemitteilung nicht im Detail einsehbar.
In den USA sind laut dem Children's Hospital of Philadelphia (CHOP) Vaccine Education Center, das die Empfehlungen der amerikanischen Seuchenschutzbehörde CDC und ihres Beratungsgremiums ACIP zusammenfasst, sowohl PCV7 als auch Prevenar 13 nicht mehr im Handel erhältlich; aktuell im Einsatz sind PCV15, PCV20 und PCV21, verabreicht in vier Dosen im Säuglings- und Kleinkindalter. Zu den bekannten Nebenwirkungen zählen laut CHOP Schmerz und Schwellung an der Injektionsstelle, verminderter Appetit, Reizbarkeit, Kopf- und Muskelschmerzen; rund 10 von 100 geimpften Kindern entwickeln höheres Fieber über 38,9 °C. Bei gleichzeitiger Verabreichung mit einer Grippeimpfung besteht bei jungen Kindern ein leicht erhöhtes, aber folgenloses Fieberkrampf-Risiko.
Das kanadische British Columbia Centre for Disease Control (BCCDC) gibt für die Provinz British Columbia laut HealthLink BC an, dass im Säuglingsprogramm aktuell Prevenar 20 (PCV20) verwendet wird, verabreicht in nur zwei Dosen im Alter von 2 und 12 Monaten (1+1-Schema).
Zur Transparenz unserer Recherche
Für Spanien, Italien, Portugal, Brasilien, Russland, China, Japan und Südkorea konnten in dieser Recherche trotz gezielter Versuche keine primärquellenbasierten, aktuellen Aussagen zu Prevenar 13 verifiziert werden. Wir haben diese Länder daher bewusst aus dem internationalen Vergleich ausgelassen, statt sie mit unbelegten Angaben zu füllen.
9. Nachfolgepräparate im Überblick
Um einzuordnen, wo Prevenar 13 in der Entwicklungslinie der Pneumokokken-Konjugatimpfstoffe steht, hilft folgender Überblick über die inzwischen verfügbaren höhervalenten Präparate:
| Impfstoff | Valenz | Einordnung |
|---|---|---|
| Prevenar 13 | PCV13 | Referenzimpfstoff dieses Artikels; in Österreich durch Vaxneuvance ersetzt, in Deutschland und dem Vereinigten Königreich weiterhin im Einsatz |
| Vaxneuvance | PCV15 | deckt gegenüber PCV13 zusätzlich die Serotypen 22F und 33F ab; in Österreich aktueller Standard im Kinderimpfprogramm, in Deutschland STIKO-gleichrangig zu PCV13 |
| Prevenar 20 | PCV20 | deckt gegenüber PCV13 zusätzlich 8, 10A, 11A, 12F, 15B, 22F und 33F ab; seit Juli 2026 Standard für Säuglinge in Frankreich, in Kanada (British Columbia) und im Vereinigten Königreich Standard für Erwachsene/Risikogruppen |
| Capvaxive | PCV21 | andere Serotyp-Auswahl, v. a. für Erwachsene relevant; MHRA-Zulassung im Vereinigten Königreich im August 2026; in Österreich seit Kurzem kostenfrei für Erwachsene ab 60 Jahren; bislang nicht für Kinder zugelassen |
| Pneumovax 23 | PPV23 | älterer, nicht konjugierter Polysaccharid-Impfstoff; wird in Österreich in Kombination mit PCV15/PCV20 in sequenziellen Schemata für Risikogruppen eingesetzt |
Die Entwicklung zeigt ein erkennbares Muster: In mehrjährigen Abständen kommen breiter abgedeckte Konjugatimpfstoffe hinzu, meist als Reaktion auf das im Abschnitt „Von PCV7 zu PCV13" beschriebene Serotyp-Replacement. Das bedeutet nicht, dass Prevenar 13 „veraltet" oder unwirksam wäre – gegen die 13 Serotypen, die es abdeckt, bleibt der Impfstoff wirksam –, sondern dass neuere Präparate zusätzliche, inzwischen relevant gewordene Serotypen mit abdecken.
10. Häufige Elternfragen
Wird mein Baby in Österreich noch mit Prevenar 13 geimpft?
In aller Regel nicht mehr. Laut dem Impfplan Österreich 2025/2026 ist im kostenfreien Kinderimpfprogramm inzwischen Vaxneuvance (PCV15) der verwendete Impfstoff, nicht mehr Prevenar 13. Das Impfschema selbst – 2+1 mit Dosen ab der 6. Lebenswoche und einer Auffrischung im 2. Lebensjahr – hat sich dabei nicht geändert. Wurde Ihr älteres Kind vor einigen Jahren geimpft, hat es möglicherweise noch Prevenar 13 erhalten; bei Unsicherheit gibt der Impfpass Auskunft.
Warum verwenden manche Länder Prevenar 13, andere nicht mehr?
Prevenar 13 ist gegen die 13 Serotypen, die es abdeckt, weiterhin wirksam. Länder wie Österreich, die USA oder – seit Juli 2026 – Frankreich haben sich für höhervalente Nachfolgepräparate entschieden, weil diese zusätzliche Serotypen abdecken, die in der jeweiligen lokalen Epidemiologie eine wachsende Rolle spielen, etwa Serotyp 22F. Deutschland und das Vereinigte Königreich halten dagegen weiterhin an Prevenar 13 fest. Es handelt sich also nicht um eine Sicherheitsfrage, sondern um eine im Detail unterschiedliche Abwägung der jeweils zuständigen nationalen Gremien. Details dazu finden Sie im Abschnitt „Internationaler Vergleich".
Ist Prevenar 13 sicher?
Nach vielen Jahren breiter internationaler Anwendung ist das Sicherheitsprofil von Prevenar 13 gut dokumentiert. Die weit überwiegende Mehrheit der Nebenwirkungen ist mild und vorübergehend (siehe Abschnitt „Nebenwirkungen und Verträglichkeit"); schwere Reaktionen wie eine Anaphylaxie sind laut Fachinformation sehr selten. Deshalb bleiben Kinder nach der Impfung üblicherweise noch kurz in der Ordination.
Mein Kind hat nach der Impfung Fieber – was tue ich?
Fieber ist eine sehr häufige, erwartete Reaktion und in aller Regel kein Grund zur Beunruhigung. Allgemeine, nach Alter gegliederte Hinweise finden Sie in unserem Ratgeber Fieber bei Kindern.
11. Wann zur Kinderärztin oder zum Kinderarzt
Nach der Impfung ärztlichen Rat einholen, wenn …
- Anzeichen einer schweren allergischen Reaktion auftreten – etwa Atemnot, Schwellung von Gesicht, Lippen oder Zunge, ausgeprägter Hautausschlag am ganzen Körper oder Kreislaufschwäche, meist innerhalb weniger Minuten bis Stunden nach der Impfung.
- Ihr Kind ungewöhnlich schläfrig, blass oder schlaff wirkt und sich schwer wecken lässt (hinweisend auf eine hypoton-hyporesponsive Episode).
- ein Krampfanfall auftritt, unabhängig davon, ob er dem gewohnten Bild eines einfachen Fieberkrampfes entspricht.
- hohes Fieber deutlich über 39 °C länger anhält oder sich der Allgemeinzustand Ihres Kindes spürbar verschlechtert.
- die Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle ungewöhnlich groß wird (mehr als etwa 7 cm), sich ausbreitet oder sich Eiter bildet.
- bei einem sehr unreifen Frühgeborenen nach der Impfung Atemaussetzer bemerkt werden.
Bei diesen Anzeichen sollten Sie umgehend ärztliche Hilfe suchen – bei Notfallzeichen wie Atemnot oder Kreislaufschwäche den Rettungsdienst rufen. Weitere Hintergründe zu den durch Pneumokokken verursachten Erkrankungen selbst finden Sie in unserem Artikel Pneumokokken bei Kindern.
12. Wichtigste Leitlinien und Fachgesellschaften
- Summary of Product Characteristics – Prevenar 13 – European Medicines Agency (EMA), EU (laufend aktualisierte Fachinformation)
- Green Book, Kapitel 25 „Pneumococcal" – UK Health Security Agency (UKHSA) / Joint Committee on Vaccination and Immunisation (JCVI), Vereinigtes Königreich, Stand 29. Juli 2026
- Impfplan Österreich 2025/2026, Version 1.1 – Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMASGPK) / Nationales Impfgremium, Österreich, 10. Oktober 2025
- Pneumokokken-Impfung – impfen.gv.at, Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz / Nationales Impfgremium, Österreich
- RKI-Ratgeber Pneumokokken, invasive Infektion – Robert Koch-Institut (RKI) / Ständige Impfkommission (STIKO), Deutschland, 2026
- FAQ zur Schutzimpfung gegen Pneumokokken – Robert Koch-Institut (RKI) / STIKO, Deutschland, 2026
- Pressemitteilung zur aktualisierten Pneumokokken-Impfstrategie (Prevenar 20/Capvaxive) – Haute Autorité de Santé (HAS), Frankreich, 30. Juli 2026
- Pneumococcal Vaccine – Vaccine Education Center – Children's Hospital of Philadelphia (CHOP), USA (Wiedergabe von CDC-/ACIP-Empfehlungen)
- Pneumococcal Vaccine Information – HealthLink BC / British Columbia Centre for Disease Control (BCCDC), Kanada
- Fact Sheet: Pneumonia – World Health Organization (WHO), 2019 (laufend aktualisiert)
- Klobassa D.S. et al.: Pneumococcal meningitis in Austrian children – European Journal of Pediatrics, Österreich, 2014
- Jahresbericht 2024 der Nationalen Referenzzentrale für Pneumokokken – Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), Österreich
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