Die 6-fach-Impfung gehört zu den am besten untersuchten und am häufigsten verabreichten Kombinationsimpfungen im Säuglings- und Kleinkindalter überhaupt. Mit einer einzigen Spritze schützt sie gleichzeitig vor sechs teils sehr unterschiedlichen, teils potenziell lebensbedrohlichen Erkrankungen: Diphtherie, Tetanus (Wundstarrkrampf), Keuchhusten (Pertussis), einer Erkrankung durch Haemophilus influenzae Typ b (Hib), Kinderlähmung (Poliomyelitis) und Hepatitis B. Dieser Ratgeber erklärt ausführlich, warum diese sechs Erkrankungen gemeinsam geimpft werden, wie das österreichische Impfschema konkret aussieht, was über jede einzelne Erkrankung bekannt ist – und warum mehrere davon gerade jetzt wieder eine überraschend große Rolle spielen.

So ist dieser Ratgeber aufgebaut

Grundlage dieses Artikels ist eine Auswertung aktueller Empfehlungen und epidemiologischer Daten aus Österreich (Nationales Impfgremium und Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, kurz BMASGPK), Deutschland (Ständige Impfkommission und Robert Koch-Institut, STIKO/RKI), den USA (CDC/ACIP), Australien (ATAGI/NCIRS), Frankreich (Santé publique France) und Kanada (NACI/Health Canada) sowie von der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) und dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC). Zentrale österreichische Quelle ist der vollständige Impfplan Österreich 2025/2026 (Version 1.1 vom 10.10.2025). Die dreizehn Kapitel bauen lose aufeinander auf, lassen sich über das Inhaltsverzeichnis aber auch einzeln ansteuern.

Wenn Sie es eilig haben: Der Abschnitt „Das Impfschema in Österreich im Detail" mit der interaktiven Zeitleiste zeigt Ihnen auf einen Blick, wann welche Dosis fällig ist.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung und keine persönliche Impfaufklärung durch Ihre Kinderärztin oder Ihren Kinderarzt. Er dient der Vorbereitung auf dieses Gespräch und der Orientierung. Über den tatsächlichen Impfzeitpunkt, die Wahl des Präparats und etwaige individuelle Kontraindikationen entscheiden Sie gemeinsam mit dem behandelnden ärztlichen Team.

1. Überblick: Was die 6-fach-Impfung leistet

Als „6-fach-Impfung" oder hexavalenten Kombinationsimpfstoff bezeichnet man ein einziges Präparat, das gleichzeitig gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Poliomyelitis, Haemophilus influenzae Typ b und Hepatitis B schützt. In der Europäischen Union sind aktuell drei solche Präparate zugelassen: Infanrix hexa (Hersteller GSK), Hexyon (Sanofi) und Vaxelis (MCM Vaccine B.V.). Die ersten azellulären hexavalenten Impfstoffe – Infanrix hexa und das inzwischen vom Markt genommene Hexavac – erhielten im Jahr 2000 die EU-Zulassung, Vaxelis folgte 2016, wie aus den Produktinformationen der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) sowie einem 2024 erschienenen Übersichtsartikel zur Zulassungsgeschichte hexavalenter Impfstoffe hervorgeht.

Alle drei EMA-zugelassenen Präparate zeigen in vergleichenden Studien eine im Vergleich zu Infanrix hexa nicht unterlegene Immunogenität gegen alle sechs Krankheitserreger. Hexyon gilt dabei laut einer in der Fachzeitschrift Vaccine veröffentlichten Übersichtsarbeit zu direkten Vergleichsstudien hexavalenter Impfstoffe als etwas reaktogener, also mit geringfügig häufigeren Impfreaktionen verbunden, als Infanrix hexa. Welches der drei Präparate im Rahmen des österreichischen kostenfreien Kinderimpfprogramms konkret eingesetzt wird, kann sich je nach Beschaffung ändern – für die Schutzwirkung macht das nach dem aktuellen Kenntnisstand keinen relevanten Unterschied.

Diese Kombination ist deshalb sinnvoll, weil alle sechs Erkrankungen im Säuglings- und Kleinkindalter besonders gefährlich verlaufen können und ein gemeinsamer Impfzeitplan deutlich weniger Einzelinjektionen bedeutet als sechs getrennte Impfserien. Wie im Abschnitt zu den einzelnen Erkrankungen im Detail beschrieben, sind mehrere dieser Krankheiten – allen voran Keuchhusten und Diphtherie – in den vergangenen Jahren in Österreich und weiten Teilen Europas wieder deutlich häufiger geworden, während andere wie Kinderlähmung weltweit kurz vor der Ausrottung stehen, aber eben noch nicht vollständig ausgerottet sind.

2. Warum sechs Erkrankungen in einer Impfung?

Aus medizinischer Sicht spricht vieles dafür, mehrere Impfstoffkomponenten in einer Spritze zu kombinieren, statt sie einzeln zu verabreichen: weniger Injektionstermine, weniger Stress für Kind und Eltern, und eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass der gesamte Impfplan tatsächlich vollständig und zeitgerecht eingehalten wird. Damit ein Kombinationsimpfstoff zugelassen wird, muss allerdings für jede einzelne Komponente gezeigt werden, dass die Immunantwort im Vergleich zu etablierten Einzel- oder niedrigervalenten Vorgängerimpfstoffen mindestens gleichwertig ist – genau das ist die Grundlage der EMA-Zulassungen von Infanrix hexa, Hexyon und Vaxelis. Die im jeweiligen Kapitel zu den sechs Erkrankungen zitierten Schutzraten (etwa die 94 bis 100 Prozent Schutzantikörper gegen Diphtherie nach drei Dosen) beziehen sich entsprechend auf den Einsatz im Rahmen solcher Kombinationsimpfstoffe.

Ein weiterer Grund für die gemeinsame Impfung liegt im Timing: Mehrere der sechs Erkrankungen – insbesondere Keuchhusten, Hib-Erkrankungen und die durch Hepatitis-B-Viren verursachte Leberentzündung bei Ansteckung im Säuglingsalter – verlaufen gerade in den ersten Lebensmonaten am gefährlichsten, wenn das Immunsystem des Kindes noch unreif ist. Ein gemeinsamer, früh beginnender Impfplan stellt sicher, dass der Schutz vor allen sechs Erregern zum bestmöglichen Zeitpunkt aufgebaut wird, statt einzelne Komponenten aus organisatorischen Gründen zu verzögern.

3. Das Impfschema in Österreich im Detail

Der österreichische Impfplan 2025/2026 (Version 1.1, BMASGPK und Nationales Impfgremium) sieht für alle sechs Komponenten ein sogenanntes 2+1-Schema vor: zwei Dosen im Abstand von zwei Monaten, gefolgt von einer dritten Dosis sechs Monate nach der zweiten. Danach folgen – je nach Krankheitserreger unterschiedlich – ein bis zwei weitere Auffrischungen im Kindes- und Jugendalter, teils mit dem vollständigen Kombinationsimpfstoff, teils mit reduzierten Kombinationen.

Der österreichische Impfkalender für die 6-fach-Impfung

Klicken oder tippen Sie auf einen Termin, um zu sehen, was an diesem Zeitpunkt geimpft wird und warum.

👶 ab 6. Lebenswoche 👶 +2 Monate 🧒 10.–12. Monat 🧒 5.–6. Lebensjahr 🧑 8. Schulstufe 🧑 danach

Tippen oder klicken Sie auf einen Termin, um die Details zu diesem Zeitpunkt zu sehen.

Eigene Darstellung auf Basis des Impfplans Österreich 2025/2026 (Version 1.1 vom 10.10.2025), Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMASGPK) und Nationales Impfgremium.

Weil die sechs Impfstoffkomponenten unterschiedlich lang schützen, laufen die Auffrischungen nach der Grundimmunisierung auseinander. Die folgende Tabelle fasst zusammen, wann welche Komponente noch einmal aufgefrischt wird:

KomponenteGrundimmunisierungAuffrischung vor Schuleintritt (5./6. Lj.)Auffrischung 8. Schulstufe (14./15. Lj.)Danach
Diphtherie6-fach, 3 Dosen4-fach (reduzierte Dosis)4-fachalle 5 Jahre (3-fach, derzeit erhöhte Frequenz)
Tetanus6-fach, 3 Dosen4-fach4-fachalle 5 Jahre
Pertussis6-fach, 3 Dosen4-fach4-fachalle 5 Jahre (derzeit, statt regulär 10 Jahre)
Polio6-fach, 3 Dosen4-fach4-fachnur bei spezieller Indikation, alle 10 Jahre
Hib6-fach, 3 Dosen (bis 5. Lj.)nur bei spezieller Indikation, alle 5 Jahre
Hepatitis B6-fach, 3 Doseneinmalige Monokomponenten-Auffrischung (7.–15. Lj.)Erwachsene bis 60. Lj. empfohlen; danach nur bei spezieller Indikation

Quelle: Impfplan Österreich 2025/2026, Version 1.1 (BMASGPK, Nationales Impfgremium).

Besonders wichtig ist ein vollständiger und aktueller Impfschutz laut Impfplan Österreich unter anderem für Personen mit Flucht- oder Migrationshintergrund sowie für Gesundheitspersonal – zwei Gruppen, die im Zusammenhang mit den weiter unten beschriebenen Diphtherie- und Polio-Ausbrüchen wiederholt eine Rolle gespielt haben.

4. Diphtherie

Krankheitsbild und Ansteckung

Diphtherie wird durch das toxinbildende Bakterium Corynebacterium diphtheriae ausgelöst, seltener durch C. ulcerans oder C. pseudotuberculosis. Die Übertragung erfolgt über Tröpfcheninfektion, die Inkubationszeit beträgt zwei bis fünf Tage. Unbehandelt liegt die Letalität laut dem WHO-Positionspapier zu Diphtherie-Impfstoffen vom August 2017 zwischen 5 und 17 Prozent – ein Wert, der auch in einem 2019 in Nature Reviews Disease Primers erschienenen Übersichtsartikel bestätigt wird. Klassischerweise verursacht das Bakterium eine Rachenentzündung mit charakteristischen grau-weißen Belägen, die die Atemwege verlegen können; auch Hautdiphtherie mit schlecht heilenden Wunden kommt vor.

Diphtherie ist zurück: Fallzahlen in Österreich und Europa

Nach über 20 Jahren ohne Fälle wurde klassische respiratorische und kutane Diphtherie in Österreich 2022 wieder gemeldet: 73 bestätigte Fälle und 1 Todesfall, wie der Impfplan Österreich 2025/2026 dokumentiert. 2023 folgten 4 Fälle, 2024 noch einmal 3 Fälle mit ebenfalls 1 Todesfall. Eine 2022 durchgeführte Seroprävalenzstudie fand bei 36 Prozent der untersuchten österreichischen Erwachsenen keinen ausreichenden Diphtherieschutz mehr – veröffentlicht von Wagner und Kolleginnen und Kollegen 2023 in der Fachzeitschrift Eurosurveillance.

Der Wiederanstieg 2022 bis 2025 betraf europaweit vor allem Erstaufnahmeeinrichtungen für Geflüchtete: Ein bestimmter Bakterienstamm (Sequenztyp ST574), der überwiegend Hautdiphtherie bei unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten aus Afghanistan und Syrien auf der Balkanroute verursachte, führte laut Berichterstattung des Deutschen Ärzteblatts und genomischer Surveillance-Publikationen des Robert Koch-Instituts in Deutschland zu 55 Fällen (2022), 49 (2023), 18 (2024) und mindestens 4 weiteren Fällen bis April 2025 – insgesamt 126 Fälle. In Österreich betraf dieses Ausbruchsgeschehen bereits 2022 allein 62 Fälle.

Empfehlungen: WHO und Österreich

Das WHO-Positionspapier vom August 2017 (es löste die Fassung von 2006 ab) empfiehlt eine Grundimmunisierung mit drei Dosen ab der vollendeten 6. Lebenswoche im Mindestabstand von vier Wochen, wobei die dritte Dosis möglichst bis zum 6. Lebensmonat verabreicht werden soll, gefolgt von Auffrischungen im Kombinationspräparat mit Tetanus im Alter von 12 bis 23 Monaten, 4 bis 7 Jahren und 9 bis 15 Jahren. Diphtherietoxoid gilt laut WHO als einer der sichersten verfügbaren Impfstoffe überhaupt: Nach drei Dosen zeigen 94 bis 100 Prozent der geimpften Kinder Schutzantikörper. Wirksamkeitsdaten aus dem großen Diphtherie-Ausbruch der 1990er-Jahre in Nachfolgestaaten der Sowjetunion belegen einen Schutz von 95,5 Prozent nach mindestens drei Dosen und 98,4 Prozent nach mindestens fünf Dosen.

Der österreichische Impfplan setzt diese Empfehlungen im Rahmen des 2+1-Schemas der 6-fach-Impfung um (siehe Tabelle oben): erste Dosis ehestmöglich ab vollendeter 6. Lebenswoche, spätestens im 3. Lebensmonat, zweite Dosis zwei Monate später, dritte Dosis sechs Monate danach im Alter von 10 bis 12 Monaten. Es folgen eine reduzierte Auffrischungsdosis vor dem Schuleintritt und eine weitere in der 8. Schulstufe, danach – aufgrund der beschriebenen aktuellen epidemiologischen Lage – Auffrischungen alle 5 statt regulär 10 Jahre als 3-fach-Impfstoff (Boostrix).

5. Tetanus (Wundstarrkrampf)

Tetanus wird durch das Bakterium Clostridium tetani ausgelöst, das nahezu überall in Erde und Staub vorkommt. Die Inkubationszeit beträgt vier bis vierzehn Tage. Trotz moderner Intensivmedizin liegt die Letalität bei tatsächlich Erkrankten laut Impfplan Österreich bei 20 bis 30 Prozent, deutsche Quellen wie die Deutsche Apotheker Zeitung (2024) nennen 10 bis 20 Prozent. Anders als bei den meisten anderen Erkrankungen in diesem Ratgeber schützt bei Tetanus keine Herdenimmunität: Weil der Erreger umweltbedingt vorkommt und nicht von Mensch zu Mensch weitergegeben wird, hängt der Schutz ausschließlich vom individuellen Impfstatus ab – unabhängig davon, wie hoch die Durchimpfungsrate in der übrigen Bevölkerung ist.

Tetanus ist weder in Deutschland noch in Österreich meldepflichtig. In Deutschland werden jährlich unter 15 Fälle registriert, überwiegend bei älteren Erwachsenen; zwischen 2000 und 2020 gab es nur 23 Krankenhausfälle bei unter 25-Jährigen, aber 225 Fälle bei über 55-Jährigen. In Österreich verzeichneten Krankenhausdaten zwischen 2015 und 2024 insgesamt 24 Fälle und 4 Todesfälle (zweimal 2015, je einmal 2020 und 2021). Im gesamten EU/EWR-Raum meldete das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) für 2021 50 Fälle, davon 10 bestätigt, mit einer Häufung bei über 65-Jährigen und bei Frauen; neonataler Tetanus kommt in Europa nicht mehr vor.

Auch bei Tetanus setzt Österreich auf das 2+1-Schema der 6-fach-Impfung. Nach einer Verletzung richtet sich die Postexpositionsprophylaxe nach dem individuellen Impfstatus – der Impfplan Österreich enthält dazu eine detaillierte Tabelle mit den Optionen dT-aP(-IPV) beziehungsweise 6-fach-Impfstoff, gegebenenfalls kombiniert mit Tetanus-Immunglobulin. Liegt die letzte Impfung weniger als 20 Jahre zurück, genügt bei einer Impflücke meist eine einmalige Auffrischung; bei einer Lücke von mehr als 20 Jahren wird zusätzlich eine serologische Kontrolle empfohlen. Auch die Impfung Schwangerer mit einem Tetanus-Diphtherie-Pertussis(-Polio)-Kombinationsimpfstoff wird unter anderem deswegen empfohlen, weil mütterliche Antikörper über die Plazenta auf das Kind übergehen – ein Effekt, den bereits das WHO-Positionspapier zu Diphtherie 2017 im Zusammenhang mit der Td-Impfung in der Schwangerschaft beschreibt und den auch Prusa und Kollegen 2011 in der Fachzeitschrift Neonatology untersucht haben.

6. Keuchhusten (Pertussis)

Eine europaweite Welle 2023 bis 2025

Keuchhusten, verursacht durch das Bakterium Bordetella pertussis, erlebt seit 2023 die stärkste Ausbreitung seit Jahrzehnten. Das ECDC registrierte für den Zeitraum 2023 bis April 2024 rund 60.000 Fälle in Europa – mehr als eine Verzehnfachung gegenüber 2021/2022; allein im ersten Quartal 2024 wurden 32.037 Fälle gemeldet, etwa so viele wie sonst in einem ganzen Jahr. Frankreich meldete laut ECDC die schwerste Pertussis-Epidemie seit 25 Jahren. In Deutschland stieg die Fallzahl 2024 auf 22.379 – den höchsten Stand seit Einführung der Meldepflicht, mit einer mittleren Wocheninzidenz von 0,6 pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern, doppelt so hoch wie im Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2019.

Österreich traf es besonders deutlich: Die österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) registrierte 2023 2.791 Fälle, 2024 bereits 15.465 Fälle – nach eigener Einschätzung nahezu das Infektionsniveau von 1959, also noch vor Einführung des nationalen Impfprogramms. 2025 waren es bis zum 15. Juli bereits 1.336 gemeldete Fälle. Laut Referenzzentrale hatten nur rund 20 Prozent der österreichischen Bevölkerung eine ausreichende Pertussis-Immunität; die Impfeffektivität bei Kindern wird mit etwa 65 Prozent angegeben, nach dem Schulkind-Booster mit etwa 75 Prozent. Als Gründe für den Wiederanstieg gelten eine während der COVID-19-Pandemie deutlich verringerte Zirkulation von B. pertussis – wodurch eine Immunitätslücke in der Bevölkerung entstand – sowie eine Zunahme sogenannter Pertaktin-freier Bakterienstämme, wie unter anderem Berbers und Kollegen 2021 in Nature Communications beschreiben.

Schutz für Neugeborene: Impfung in der Schwangerschaft und „Cocooning"

Weil Keuchhusten gerade für Neugeborene und junge Säuglinge lebensbedrohlich verlaufen kann, empfiehlt das österreichische Nationale Impfgremium die Impfung aller Schwangeren im dritten Trimenon (27. bis 36. Schwangerschaftswoche) – unabhängig davon, wie lange die letzte Pertussis-Impfung zurückliegt. Über die Plazenta gelangen so schützende Antikörper zum ungeborenen Kind, die es in den ersten Lebenswochen schützen, bevor die eigene Impfserie greift. Ergänzend wird die Impfung aller engen Kontaktpersonen von Neugeborenen empfohlen, ein Prinzip, das als „Cocooning" bezeichnet wird. Auch die amerikanische CDC empfiehlt in ihren Leitlinien zur Impfung Schwangerer eine Tdap-Impfung in jeder Schwangerschaft, gestützt unter anderem durch eine 2019 in The Lancet Infectious Diseases veröffentlichte niederländische Studie von Barug und Kolleginnen und Kollegen zu mütterlichen Antikörpern. Wegen der aktuellen epidemiologischen Lage empfiehlt Österreich zudem Auffrischungsimpfungen bei Erwachsenen derzeit alle 5 statt regulär alle 10 Jahre.

Wer selbst an Keuchhusten erkrankt, sollte laut Impfplan Österreich Kontakt zu anderen Menschen etwa 21 Tage ab Hustenbeginn vermeiden, wenn keine Antibiotikatherapie erfolgt; mit einer Therapie (Azithromycin über 3 Tage oder Clarithromycin über 7 Tage) verkürzt sich dieser Zeitraum auf 5 Tage.

7. Haemophilus influenzae Typ b (Hib)

Vor Einführung der Hib-Impfung Anfang der 1990er-Jahre erkrankte laut Impfplan Österreich – unter Verweis auf Daten des amerikanischen CDC/ACIP aus dem MMWR von 2014 – 1 von 420 Kindern in den ersten fünf Lebensjahren an einer invasiven Hib-Infektion. Rund zwei Drittel davon entwickelten eine Hirnhautentzündung (Meningitis), 15 bis 30 Prozent der Überlebenden trugen bleibende Schäden davon, unter anderem Hörminderungen, und die Letalität lag bei etwa 4 Prozent.

🦠 Vor der Hib-Impfung

1 von 420 Kindern erkrankte in den ersten 5 Lebensjahren an einer invasiven Hib-Infektion
rund zwei Drittel davon entwickelten eine Hirnhautentzündung
15–30 % bleibende Schäden bei Überlebenden, Letalität ca. 4 %

💉 Nach Einführung der Hib-Impfung (Beispiel Italien)

1995: Einführung der Hib-Impfung im nationalen Impfprogramm
1998: noch 63 gemeldete Fälle
2003: nur mehr 5 gemeldete Fälle

Weltweit sank die Zahl der Hib-bedingten Todesfälle bei Kindern unter 5 Jahren laut WHO von rund 371.000 im Jahr 2000 auf etwa 203.000 im Jahr 2008 – parallel zur wachsenden Verbreitung der Impfung in nationalen Impfprogrammen.

Das WHO-Positionspapier zu Hib-Impfstoffen von Juli 2013 (es löste die Fassung von 2006 ab) schätzt, dass es im Jahr 2000, also vor der breiten Einführung der Impfung in ressourcenarmen Ländern, weltweit rund 8,13 Millionen schwere Hib-Erkrankungen und 371.000 Todesfälle bei Kindern unter 5 Jahren gab. Bis 2013 hatten bereits 95 Prozent der WHO-Mitgliedstaaten, entsprechend 81 Prozent der weltweiten Geburtenkohorte des Jahres 2012, die Hib-Impfung in ihr nationales Programm aufgenommen – mit einem Rückgang invasiver Hib-Erkrankungen um bis zu 90 Prozent in diesen Ländern.

In Österreich ist die Hib-Impfung Teil des 2+1-Schemas der 6-fach-Impfung bis zum vollendeten 5. Lebensjahr. Danach ist eine Hib-Impfung nur noch bei spezieller Indikation vorgesehen – etwa bei fehlender oder eingeschränkter Milzfunktion (Asplenie), Komplementdefekten, Immundefekten, Chemotherapie oder Bestrahlung, HIV-Infektion oder Cochlea-Implantat –, dann mit einer Auffrischung alle 5 Jahre. Für ungeimpfte, ansonsten gesunde Kinder zwischen 1 und 5 Jahren genügt laut Impfplan eine einmalige Impfung. Nach Kontakt mit einer Hib-Erkrankung sieht der Impfplan zudem eine vorbeugende Antibiotikagabe (Rifampicin) für ungeimpfte oder unzureichend geimpfte Haushaltskontakte unter 5 Jahren vor, mit altersabhängiger Dosierung.

8. Kinderlähmung (Poliomyelitis)

Fast ausgerottet – aber eben noch nicht ganz

Vor Einführung wirksamer Impfstoffe waren Polioviren weltweit verbreitet, der Kontakt mit dem Erreger erfolgte meist bereits im Kindesalter, daher der Name „Kinderlähmung". Seit dem Start des WHO Global Polio Eradication Programme 1988 ist die jährliche Fallzahl um über 99 Prozent gesunken: von mehr als 350.000 Fällen im Jahr 1988 auf 1.349 Fälle im Jahr 2010. Wildpoliovirus Typ 2 und Typ 3 gelten inzwischen als ausgerottet.

Nach WHO-Angaben vom August 2025 ist Wildpoliovirus Typ 1 (WPV1) weltweit nur noch in zwei Ländern endemisch: Afghanistan und Pakistan. Daneben zirkulieren in zahlreichen afrikanischen Ländern – unter anderem der Demokratischen Republik Kongo, Nigeria, Tschad und Jemen sowie in Guinea und Kamerun – sogenannte impfstoffabgeleitete Polioviren (cVDPV), aktuell mit etwa der fünffachen Fallzahl des Wildpoliovirus. In der Ukraine kam es 2021/2022 zu einem cVDPV2-Ausbruch im Zusammenhang mit einem Ausbruchsgeschehen in Tadschikistan 2021, mit 2 paralytischen Fällen und 19 asymptomatisch positiv getesteten Kontaktpersonen; eine Nachhol-Impfkampagne lief ab Februar 2022, der Ausbruch wurde 2023 offiziell für beendet erklärt. Im April 2025 bestätigte die WHO beim 41. Treffen des zuständigen IHR Emergency Committee erneut den Status einer „Public Health Emergency of International Concern" für Polio.

Auch für Europa bleibt das Thema relevant: Die europäische Abwassersurveillance des ECDC verzeichnete 2024 migrationsassoziierte Nachweise von impfstoffabgeleitetem Poliovirus Typ 2 im Abwasser in Deutschland, Finnland, Großbritannien, Polen und Spanien. Bis zum 20. August 2025 wurde in keinem dieser Länder ein menschlicher Poliofall gemeldet – ein Beleg dafür, dass hohe Durchimpfungsraten auch bei Wiedereinschleppung des Virus einen Ausbruch verhindern können.

Empfehlungen: WHO und Österreich

Das WHO-Positionspapier zu Polio-Impfstoffen von Juni 2022, das die Fassung von 2016 ablöste und im März 2025 aktualisiert wurde, empfiehlt für Polio-freie Länder mit sehr geringem Einschleppungsrisiko und hoher Impfrate eine Grundimmunisierung mit drei Dosen trivalentem inaktiviertem Polio-Impfstoff (IPV) ab der 6. oder 8. Lebenswoche. Seit der Aktualisierung im März 2025 empfiehlt die WHO nach einer ab der vollendeten 6. Lebenswoche begonnenen, abgeschlossenen 3-Dosen-Grundimmunisierung keine routinemäßige IPV-Boosterdosis mehr. Für Länder mit einem anderen Risikoprofil bleibt ein Schema aus zwei Dosen oralem Polio-Impfstoff (bOPV) plus zwei Dosen IPV die bevorzugte Option.

Österreich verabreicht Polio-Impfstoff im 2+1-Schema der 6-fach-Impfung (6. Lebenswoche, plus 2 Monate, plus 6 Monate im Alter von 10 bis 12 Monaten) und ergänzt dies – anders als die aktuelle WHO-Basisempfehlung für Polio-freie Länder – um zwei weitere Auffrischungen mit einem 4-fach-Impfstoff im 5./6. Lebensjahr und in der 8. Schulstufe. Danach sind weitere Polio-Auffrischungen nur noch bei spezieller Indikation alle 10 Jahre vorgesehen, etwa vor Reisen in Endemiegebiete, für Personal in Erstaufnahmeeinrichtungen, Laborpersonal und Gesundheitspersonal. Träte in Österreich ein Poliomyelitis-Fall auf, sieht der Impfplan die sofortige IPV-Impfung aller Kontaktpersonen unabhängig von deren bisherigem Impfstatus vor.

9. Hepatitis B

Eine der größten globalen Infektionslasten

Das WHO-Positionspapier zu Hepatitis-B-Impfstoffen von Juli 2017 beziffert die globale HBV-Prävalenz für das Jahr 2015 mit 3,5 Prozent – rund 257 Millionen Menschen mit chronischer HBV-Infektion. Jährlich sterben laut diesem Papier etwa 887.220 Menschen an den Folgen: 337.454 an hepatozellulärem Karzinom (Leberkrebs), 462.690 an Leberzirrhose und 87.076 an akuter Hepatitis. Die weltweite Abdeckung mit der sogenannten Geburtsdosis lag zum Zeitpunkt der Erhebung bei nur rund 39 Prozent. Der Großteil dieser Krankheitslast entsteht durch perinatale und frühkindliche Infektionen, weil diese deutlich häufiger chronisch verlaufen als eine Infektion im Erwachsenenalter. Für die Europäische Region gibt die WHO in ihrem Hepatitis-B-Factsheet von Juli 2022 14 Millionen Menschen mit HBV-Infektion und 43.000 auf HBV zurückzuführende Todesfälle pro Jahr an.

In Österreich wurden laut BMASGPK-Statistik im Impfplan 2025/2026 2020 948, 2021 988, 2022 875, 2023 969 und 2024 1.050 Fälle gemeldet (2024 darunter 5 Todesfälle) – nach einem leichten Rückgang zeigt sich also wieder ein steigender Trend. Werden Neugeborene HBsAg-positiver Mütter nicht durch eine Prophylaxe geschützt, liegt ihr Risiko einer chronischen Infektion bei 90 Prozent. Bei einer im Erwachsenenalter chronisch gewordenen HBV-Infektion entwickeln 20 bis 30 Prozent der Betroffenen eine Leberzirrhose oder ein hepatozelluläres Karzinom; weltweit verursacht HBV nach WHO-Angaben 60 bis 80 Prozent aller primären Leberkarzinome.

Das WHO-Ziel: Elimination bis 2030

Die WHO hat sich in ihrer globalen Gesundheitssektor-Strategie zu Virushepatitis 2022–2030 zum Ziel gesetzt, neue chronische Infektionen im Vergleich zu 2015 um 90 Prozent und HBV-bedingte Todesfälle um 65 Prozent zu senken. Dafür sollen Länder eine Impfquote von mindestens 90 Prozent erreichen, insbesondere bei der Geburtsimpfung, und diese über mindestens zwei Jahre stabil halten.

Konkret empfiehlt die WHO eine universelle Hepatitis-B-Impfung aller Kinder weltweit, mit einer monovalenten Geburtsdosis idealerweise innerhalb von 24 Stunden nach der Geburt – bei Verzögerung ist sie noch bis zum 7. Lebenstag wirksam gegen eine Übertragung von Mensch zu Mensch, danach kann eine „späte Geburtsdosis" weiterhin sinnvoll sein. Danach folgt entweder ein 3-Dosen-Schema (Geburtsdosis plus zwei weitere Dosen gemeinsam mit den DTP-Impfungen) oder ein 4-Dosen-Schema (Geburtsdosis plus vollständige 3-Dosen-Kombinationsserie), mit einem Mindestabstand von vier Wochen zwischen den Dosen. Für eine generelle Auffrischungsdosis im späteren Leben sieht die WHO keine ausreichende Evidenz. Die Impfung gilt als sicher in Schwangerschaft und Stillzeit; bei Frühgeborenen zählt die Geburtsdosis nicht zur regulären 3-Dosen-Grundserie.

Die Situation in Österreich

Der österreichische Impfplan integriert die Hepatitis-B-Komponente in das 2+1-Schema der 6-fach-Impfung und sieht eine einmalige Auffrischung mit einem Hepatitis-B-Monokomponentenimpfstoff zwischen dem vollendeten 7. und 15. Lebensjahr vor, spätestens vor Ende der Schulpflicht. Danach sind weitere Auffrischungen beziehungsweise Titerkontrollen nur bei spezieller Indikation alle 10 Jahre vorgesehen. Für Erwachsene wird die Impfung bis zum vollendeten 60. Lebensjahr empfohlen, bei spezieller Indikation auch darüber hinaus. Für bestimmte Risikogruppen – etwa Personen unter Dialyse oder Immunsuppression, Kontaktpersonen HBsAg-positiver Menschen, Personal im Gesundheitswesen oder Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter – gibt der Impfplan ein differenziertes Titerkontroll-Schema mit den Grenzwerten 100 mIE/ml beziehungsweise 20 mIE/ml sowie ein Vorgehen für sogenannte Non-Responder vor. Für Neugeborene HBsAg-positiver Mütter sieht der Impfplan eine sofortige Simultanprophylaxe direkt nach der Geburt vor – eine Kombination aus Impfstoff und Immunglobulin, deren genaues Vorgehen sich nach dem Immunstatus der Mutter richtet.

10. Internationaler Vergleich: Wie andere Länder impfen

Das Grundprinzip der 6-fach-Impfung ist international anerkannt, die konkrete zeitliche Umsetzung unterscheidet sich aber von Land zu Land. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Unterschiede:

Land / OrganisationSchemaZeitpunkte
Deutschland (STIKO/RKI)2+18 Wochen / 4 Monate / 11 Monate (Mindestabstand 2.→3. Dosis: 6 Monate); Frühgeborene vor der 37. SSW weiterhin 3+1 (2/3/4/11 Monate)
Österreich (NIG/BMASGPK)2+1ab vollendeter 6. Lebenswoche (spätestens 3. Lebensmonat) / +2 Monate / +6 Monate (Alter 10–12 Monate)
USA (CDC/ACIP)3 Dosen, kein 2+1Vaxelis: 2, 4, 6 Monate (FDA-Zulassung 2018, kommerziell verfügbar seit 2021)
Australien (ATAGI/NCIRS)3 Dosen2, 4, 6 Monate; Vaxelis seit 1. Juli 2023 gleichwertig neben Infanrix hexa im nationalen Impfprogramm
Frankreich (Santé publique France)2+12 Monate / 4 Monate / Auffrischung 11 Monate
Kanada (NACI/Health Canada)Infanrix hexa zugelassen für 6 Wochen bis unter 24 Monate, bei Bedarf bis unter 7 Jahre
Vereinigtes Königreich3 Dosen6-in-1-Impfstoff (i. d. R. Infanrix hexa) im Alter von 8, 12 und 16 Wochen

Quellen: STIKO-Empfehlung, Epidemiologisches Bulletin 26/2020 (RKI, Deutschland); Impfplan Österreich 2025/2026 Version 1.1 (BMASGPK); CDC-Merkblatt „You Call The Shots: Vaxelis" (USA); NCIRS-Factsheet DTPa-HB-IPV-Hib und National Immunisation Program Schedule (Australien); Calendrier vaccinal 2024/2025 (Santé publique France); Canadian Immunization Guide (NACI/Health Canada); Faktenblatt zum 6-in-1-Kombinationsimpfstoff (Vereinigtes Königreich, Stand 2025).

Auffällig ist, dass die USA, Australien und Kanada bislang bei einem klassischen 3-Dosen-Schema ohne gesonderte Grundimmunisierungs-Auffrischung im 2. Lebensjahr geblieben sind, während Deutschland, Österreich und Frankreich das ressourcenschonendere 2+1-Schema mit einer dritten Dosis erst nach einer längeren Pause einsetzen. Beide Ansätze gelten nach aktuellem Kenntnisstand als wirksam; die STIKO in Deutschland hat ihre Empfehlung erst 2020 offiziell auf das 2+1-Schema umgestellt.

11. Sicherheit und Nebenwirkungen

Wie jede Impfung kann auch die 6-fach-Impfung Nebenwirkungen haben, die in aller Regel mild und vorübergehend sind. Für Infanrix hexa nennt die EMA als sehr häufige Nebenwirkungen (mehr als 1 von 10 Dosen) Schwellung, Schmerz und Rötung an der Injektionsstelle, Appetitverlust, Fieber ab 38 °C, Müdigkeit, ungewöhnliches Schreien, Reizbarkeit und Unruhe. In den zugrunde liegenden Studien trat Fieber über 39,5 °C bei 1,4 Prozent und über 40 °C bei 0,2 Prozent der Geimpften auf – Werte, die laut EMA mit bereits zuvor zugelassenen Impfstoffen vergleichbar waren (1,6 Prozent beziehungsweise 0 Prozent).

Für Vaxelis liegen laut EMA-Bewertung Vergleichsstudien mit mehr als 2.500 Säuglingen und Kleinkindern gegenüber Infanrix hexa vor. Auch hier zählen Schmerz, Schwellung und Rötung an der Injektionsstelle, Reizbarkeit, Schreien, Schläfrigkeit, Fieber, verminderter Appetit und Erbrechen zu den sehr häufigen Nebenwirkungen. Eine 2025 in der Fachzeitschrift Frontiers in Cellular and Infection Microbiology veröffentlichte Auswertung des amerikanischen Meldesystems VAERS vergleicht die Sicherheit von fünf- und sechsfach-Kombinationsimpfstoffen im realen Anwendungsalltag; die Details dieser Auswertung waren im Rahmen der Recherche zu diesem Artikel nicht vollständig verfügbar, sie wird hier als weiterführende Quelle genannt.

Insgesamt gilt: Ernste Nebenwirkungen sind nach allen drei EMA-zugelassenen Präparaten sehr selten. Sollte Ihr Kind nach einer Impfung ungewöhnlich reagieren – etwa mit anhaltend hohem Fieber, auffälliger Schläfrigkeit oder Unwohlsein, das über die üblichen ein bis zwei Tage hinausgeht –, sprechen Sie dies bei Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt an.

12. Häufig gestellte Fragen

Ist die 6-fach-Impfung in Österreich kostenlos?

Ja, die 6-fach-Impfung wird im Rahmen des kostenfreien österreichischen Kinderimpfprogramms angeboten und steht damit allen Kindern unabhängig vom Einkommen der Eltern zur Verfügung.

Was passiert, wenn eine Dosis versäumt wurde?

Eine versäumte oder verspätete Dosis bedeutet in aller Regel nicht, dass die gesamte Impfserie neu begonnen werden muss. Wie genau der Impfplan im Einzelfall am sinnvollsten fortgesetzt wird, besprechen Sie am besten direkt mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt – das hängt unter anderem vom Alter Ihres Kindes und davon ab, wie viele Dosen bereits verabreicht wurden.

Gibt es Unterschiede zwischen Infanrix hexa, Hexyon und Vaxelis?

Alle drei Präparate sind von der EMA zugelassen und zeigen laut vergleichenden Studien eine untereinander vergleichbare Schutzwirkung. Hexyon gilt als geringfügig reaktogener als Infanrix hexa, also mit etwas häufigeren, aber nicht schwereren Impfreaktionen verbunden. Für welches Präparat sich eine Ordination im Rahmen des öffentlichen Impfprogramms entscheidet, hängt meist von der aktuellen Verfügbarkeit ab.

Warum wird die Auffrischung bei Erwachsenen derzeit alle 5 statt alle 10 Jahre empfohlen?

Dies ist eine direkte Reaktion auf die oben beschriebene aktuelle Keuchhusten-Welle in Österreich und weiten Teilen Europas. Solange die Fallzahlen so deutlich erhöht sind, empfiehlt das Nationale Impfgremium ein kürzeres Auffrischungsintervall, um die Bevölkerungsimmunität rascher wieder aufzubauen.

Ist die Impfung in der Schwangerschaft sicher?

Ja. Die Pertussis-Impfung im dritten Trimenon wird in Österreich für alle Schwangeren empfohlen, um das Neugeborene über mütterliche Antikörper zu schützen. Auch eine Hepatitis-B-Impfung gilt laut WHO als sicher in Schwangerschaft und Stillzeit.

Was gilt bei Frühgeborenen?

Deutschland weicht hier bewusst vom Standardschema ab: Die deutsche STIKO empfiehlt für vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche geborene Kinder weiterhin ein 3+1-Schema mit Impfungen im 2., 3., 4. und 11. Lebensmonat statt des sonst üblichen 2+1-Schemas. Ob und in welcher Form eine solche Anpassung auch für Ihr frühgeborenes Kind sinnvoll ist, klären Sie am besten individuell mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt.

Was passiert nach einer Verletzung, wenn der Tetanus-Impfschutz unklar ist?

Der Impfplan Österreich sieht hierfür ein gestuftes Vorgehen vor, das sich nach der Art der Wunde und dem bisherigen Impfstatus richtet – von einer einfachen Auffrischung bis zur zusätzlichen Gabe von Tetanus-Immunglobulin. Wenden Sie sich bei jeder tieferen, verschmutzten oder mit Erde in Kontakt gekommenen Wunde zeitnah an eine Ärztin oder einen Arzt, damit der Impfstatus geprüft und gegebenenfalls ergänzt werden kann.

13. Wichtigste Leitlinien und Fachgesellschaften

  • Impfplan Österreich 2025/2026, Version 1.1 vom 10.10.2025 – Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMASGPK) und Nationales Impfgremium, Österreich, 2025
  • STIKO-Empfehlung zum 2+1-Impfschema der Sechsfachimpfung, Epidemiologisches Bulletin 26/2020 – Robert Koch-Institut (RKI)/Ständige Impfkommission (STIKO), Deutschland, 2020
  • Diphtheria vaccines: WHO position paper – August 2017, Weekly Epidemiological Record 92(31) – Weltgesundheitsorganisation (WHO), 2017
  • Hepatitis B vaccines: WHO position paper, July 2017, Weekly Epidemiological Record 92(27) – Weltgesundheitsorganisation (WHO), 2017
  • Haemophilus influenzae type b (Hib) Vaccination: WHO position paper, July 2013, Weekly Epidemiological Record 88(39) – Weltgesundheitsorganisation (WHO), 2013
  • Polio vaccines: WHO position paper – June 2022 (aktualisiert März 2025), Weekly Epidemiological Record 97(25) – Weltgesundheitsorganisation (WHO), 2022/2025
  • Hepatitis B – Fact Sheet, Juli 2022 – WHO-Regionalbüro für Europa, 2022
  • Global health sector strategies on HIV, viral hepatitis and STIs 2022–2030 – Weltgesundheitsorganisation (WHO), Genf, 2022
  • Statement of the 41st Meeting of the Polio IHR Emergency Committee – Weltgesundheitsorganisation (WHO), April 2025
  • You Call The Shots: Vaxelis (DTaP-IPV-Hib-HepB) Fact Sheet – Centers for Disease Control and Prevention (CDC), USA
  • Guidelines for Vaccinating Pregnant Women – Centers for Disease Control and Prevention (CDC), USA
  • DTPa-HB-IPV-Hib vaccine (Vaxelis® und Infanrix hexa®) Fact Sheet – National Centre for Immunisation Research and Surveillance (NCIRS)/ATAGI, Australien
  • National Immunisation Program Schedule – Australian Government Department of Health, Disability and Ageing, Australien, 2025/2026
  • Canadian Immunization Guide – Hepatitis-B- und Hexavalent-Impfstoff-Kapitel – National Advisory Committee on Immunization (NACI)/Health Canada, Kanada
  • Calendrier vaccinal 2024/2025 – Ministère de la Santé/Santé publique France, Frankreich, 2024
  • The hexavalent DTaP/IPV/Hib/HepB (6 in 1) combination vaccine – Factsheet – Public Health Agency/HSC, Vereinigtes Königreich, 2025
  • Infanrix hexa – EPAR Product Information / Medicine Overview – Europäische Arzneimittelagentur (EMA), 2021
  • Hexavalent vaccines: What can we learn from head-to-head studies? – Fachzeitschrift Vaccine, EMA-Zulassungsvergleich Infanrix hexa/Hexyon/Vaxelis
  • A worldwide overview for hexavalent vaccines and a glimpse into Türkiye's perspective – Übersichtsartikel zur EMA-Zulassungshistorie, 2024
  • Pertussis Annual Epidemiological Report (PERT_AER_2022) – Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC), EU
  • AGES – Keuchhusten (Pertussis), nationale Fallzahlen – Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), Österreich
  • Wagner A. et al., „Lack of seroprotection against diphtheria in the Austrian population, in light of reported diphtheria cases in Europe, 2022", Eurosurveillance 28(17), 2023
  • Berbers G. et al., „Circulation of pertussis and poor protection against diphtheria among middle-aged adults in 18 European countries", Nature Communications 12(1), 2021
  • Annual Epidemiological Report 2021 – Tetanus – Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC), EU
  • Wastewater poliovirus detections in the EU – Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC), EU, 2024/2025
  • Briere E. C. et al., „Prevention and control of Haemophilus influenzae type b disease: recommendations of ACIP", MMWR Recommendations and Reports 63(RR-01), 2014 – CDC/ACIP, USA
  • Sharma N. C. et al., „Diphtheria", Nature Reviews Disease Primers 5(1), 2019
  • Deutsches Ärzteblatt / Pharmazeutische Zeitung – Berichterstattung zu Diphtherie-Ausbrüchen und dem STIKO-Update zur Sechsfachimpfung, Deutschland, 2020–2025