Aufklärung zur Schutzimpfung von Pneumokokken
Pneumokokken gehören zu den häufigsten Bakterien überhaupt: Die meisten Menschen tragen sie irgendwann im Nasen-Rachen-Raum, ohne es zu bemerken. Gerade bei kleinen Kindern kann aus dieser harmlosen Besiedlung aber auch eine Mittelohrentzündung, eine Lungenentzündung oder – seltener, aber gefürchtet – eine Blutvergiftung (Sepsis) oder Hirnhautentzündung (Meningitis) werden. Seit es Konjugatimpfstoffe gegen Pneumokokken gibt, sind schwere Verläufe bei geimpften Kindern deutlich seltener geworden. Dieser Ratgeber erklärt, wie die Impfung in Österreich aktuell gehandhabt wird, für wen ein erweitertes Schema gilt, wie gut der Schutz wirklich ist und was internationale Gesundheitsbehörden dazu sagen – damit Sie das Aufklärungsgespräch in unserer Ordination gut vorbereitet führen können.
So ist dieser Ratgeber aufgebaut
Grundlage dieses Artikels ist eine Auswertung aktueller Impfempfehlungen aus Österreich, Deutschland, dem Vereinigten Königreich, der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie – mit Einschränkungen in der Detailtiefe – aus den USA. Die Kapitel bauen aufeinander auf, lassen sich über das Inhaltsverzeichnis aber auch einzeln ansteuern.
Wenn Sie es eilig haben: Der Abschnitt „Das Impfschema in Österreich“ beantwortet mit einem einfachen Umschalter die Frage, welches Schema für Ihr Kind gilt. Ergänzend zu diesem Überblicksartikel finden Sie eigene, ausführlichere Seiten zu den Einzelimpfstoffen Prevenar 13 und Synflorix sowie zum Krankheitsbild Pneumokokken-Infektion selbst.
Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Er dient der Orientierung und der Vorbereitung auf das Aufklärungsgespräch in der kinderärztlichen Praxis. Ob, wann und mit welchem Impfstoff Ihr Kind gegen Pneumokokken geimpft wird – insbesondere bei einer der im Abschnitt „Risikogruppen“ genannten Vorerkrankungen –, besprechen Sie bitte persönlich mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt.
1. Warum diese Impfung wichtig ist
Streptococcus pneumoniae, umgangssprachlich Pneumokokken, ist ein bekapseltes Bakterium, das sich über Tröpfchen und direkten Kontakt verbreitet. Die meisten Menschen tragen es zeitweise völlig unbemerkt im Nasen-Rachen-Raum – erst wenn es von dort aus in angrenzendes Gewebe oder in die Blutbahn vordringt, entstehen Krankheitsbilder. Diese reichen laut dem britischen Green Book der UK Health Security Agency (UKHSA, Ausgabe 2026) und dem österreichischen Impfplan 2025/2026 von eher harmlosen, aber sehr häufigen Erkrankungen wie Mittelohrentzündung (Otitis media) und Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) über die Lungenentzündung bis zu den sogenannten invasiven Pneumokokken-Erkrankungen (IPD) – vor allem Blutvergiftung (Sepsis) und Hirnhautentzündung (Meningitis) –, die auch heute noch lebensbedrohlich verlaufen können. Wie viele Atemwegsinfektionen tritt die Erkrankung laut UKHSA gehäuft in den Wintermonaten auf, mit einem typischen Erkrankungsgipfel im Dezember und Jänner.
Wie ernst invasive Pneumokokken-Erkrankungen bei Kindern sein können, zeigt eine österreichische Kohortenstudie von Klobassa und Kolleg:innen (European Journal of Pediatrics, 2014): Von 74 österreichischen Kindern, die zwischen 2001 und 2008 an einer Pneumokokken-Meningitis erkrankten, verstarben 9 Prozent, und 28 Prozent hatten sechs Monate nach der Erkrankung noch bleibende neurologische Schäden – etwa Hörverlust, Entwicklungsverzögerungen oder Krampfanfälle. Genau solche Verläufe soll die Impfung verhindern.
2. Der Erreger: viele Serotypen, wenige besonders gefährliche
Eine Besonderheit von Pneumokokken macht die Impfstoffentwicklung anspruchsvoll: Es gibt laut dem UK Green Book (2026) und dem österreichischen Impfplan 2025/2026 (S. 101, mit Verweis auf Geno et al., Clinical Microbiology Reviews, 2020) über 95 bis 100 verschiedene Kapsel-Serotypen des Bakteriums. Nicht alle sind gleich gefährlich: Vor Einführung der ersten Konjugatimpfung verursachten laut einer im UK Green Book zitierten Analyse von Trotter und Kolleg:innen (2010) die zehn häufigsten Serotypen – 14, 9V, 1, 8, 23F, 4, 3, 6B, 19F und 7F – zusammen rund 69 Prozent aller invasiven Pneumokokken-Erkrankungen in England und Wales. Diese Konzentration auf verhältnismäßig wenige Serotypen ist die Grundlage dafür, dass Konjugatimpfstoffe, die jeweils eine bestimmte Auswahl an Serotypen abdecken, einen großen Teil der schweren Erkrankungsfälle verhindern können.
Für Österreich liefert die Nationale Referenzzentrale für Pneumokokken bei der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) jährlich aktuelle Daten dazu, welche Serotypen hierzulande tatsächlich zirkulieren. Im Jahresbericht 2024 führten die Serotypen 3 (201 Isolate) und 22F (87 Isolate) die Liste an, gefolgt von Serotyp 19A (73 Isolate); in den Jahren 2022 und 2023 hatten die Serotypen 3 und 19A den höchsten Anteil an den untersuchten Isolaten. Solche Daten fließen direkt in die Entscheidung ein, welcher Impfstoff im öffentlichen Programm eingesetzt wird – denn nicht jeder Konjugatimpfstoff deckt dieselben Serotypen ab.
3. Das Impfschema in Österreich
Im kostenfreien österreichischen Kinderimpfprogramm wird aktuell der 15-valente Konjugatimpfstoff Vaxneuvance (PCV15) eingesetzt. Das ist eine Änderung gegenüber früheren Jahren, in denen die Impfstoffe Prevenar 13 (PCV13) beziehungsweise Synflorix (PCV10) verwendet wurden – mehr dazu im Abschnitt „Prevenar 13 und Synflorix: Was gilt heute noch?“. Der 20-valente Impfstoff Prevenar 20 (PCV20) ist zwar auch für Säuglinge im 3+1-Schema zugelassen, ist aber derzeit nicht Teil des kostenfreien öffentlichen Programms.
Welches Schema für Ihr Kind gilt, hängt in erster Linie davon ab, ob eine der im nächsten Abschnitt beschriebenen „speziellen Indikationen“ vorliegt. Die folgende Übersicht schaltet zwischen beiden Situationen um:
Regelschema für gesunde Kinder (2+1)
1. Dosis
2. und 3. Dosis
Ausnahme: Frühgeborene (vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche) erhalten ein 3+1-Schema mit einer zusätzlichen Dosis. Für gesunde Kinder ohne spezielle Indikation ist ab dem vollendeten 5. Lebensjahr laut Impfplan Österreich keine Pneumokokken-Impfung mehr vorgesehen.
Nachholimpfung, falls der Start verpasst wurde: Beginnt die Impfserie erst im 2. Lebensjahr, sieht der Impfplan zwei Dosen im Abstand von zwei Monaten vor. Wird erst im 3. bis 5. Lebensjahr begonnen, genügt eine einmalige Impfung.
Erweitertes Schema bei spezieller Indikation
Grundimmunisierung
Weitere Auffrischungen
Begründung laut Impfplan Österreich 2025/2026: Die Schutzwirkung konjugierter Pneumokokken-Impfstoffe lässt nach rund fünf Jahren spürbar nach – bei erhöhtem Risiko wird deshalb regelmäßig wieder aufgefrischt.
4. Risikogruppen: das erweiterte Impfschema
Der österreichische Impfplan 2025/2026 nennt eine ausführliche Liste von Vorerkrankungen und Situationen, bei denen von einer „speziellen Indikation“ gesprochen wird und das oben beschriebene erweiterte Schema zur Anwendung kommt. Dazu zählen unter anderem:
- Frühgeburtlichkeit (vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche)
- Gedeihstörung (Körpergewicht unter der 3. Perzentile)
- neurologische Erkrankungen, etwa Zerebralparese oder ein Anfallsleiden
- ein Cochlea-Implantat oder eine Liquorfistel bzw. ein Liquorverlust nach Schädeltrauma oder -operation
- funktionelle oder anatomische Milzlosigkeit (Asplenie), zum Beispiel bei Sichelzellanämie
- angeborene oder erworbene Immundefekte, HIV-Infektion oder medikamentöse Immunsuppression
- Zustand vor oder nach Organtransplantation, nach Stammzelltransplantation oder nach CAR-T-Zelltherapie
- onkologische oder hämatoonkologische Erkrankungen
- chronische Herz-Kreislauf-, Atemwegs-, Nieren- oder Stoffwechselerkrankungen sowie Leberzirrhose oder Zöliakie
Diese Liste ist nicht abschließend und enthält – insbesondere für Erwachsene ab dem 50. Lebensjahr mit chronischem Alkoholkonsum, für Raucher:innen sowie für beruflich metallrauchexponierte Personen wie Schweißer:innen – noch weitere Kriterien. Ob eine spezielle Indikation bei Ihrem Kind vorliegt, klärt am zuverlässigsten das persönliche Gespräch in unserer Ordination.
Warum PCV15 auch bei spezieller Indikation als Basis dient
Auch Kinder mit spezieller Indikation erhalten laut Impfplan Österreich zunächst dasselbe 2+1-Schema mit PCV15 wie gesunde Kinder – lediglich Frühgeborene erhalten grundsätzlich, unabhängig von einer weiteren Risikoerkrankung, das 3+1-Schema. Erst ab dem vollendeten 2. Lebensjahr kommen bei spezieller Indikation die zusätzliche PPV23-Dosis und die sechsjährlichen Auffrischungen hinzu.
5. Internationale Empfehlungen im Überblick
Ein Blick über die Grenzen zeigt: Die grundsätzliche Impfstrategie – möglichst früher Beginn im Säuglingsalter, Konjugatimpfstoff, Auffrischung im zweiten Lebensjahr – ist international sehr ähnlich, während sich Details wie die genaue Dosenanzahl und der exakte Zeitpunkt der ersten Dosis von Land zu Land unterscheiden.
| Land / Organisation | Zuständiges Gremium | Kernaussage |
|---|---|---|
| Österreich | Nationales Impfgremium / BMASGPK | PCV15 (Vaxneuvance) im 2+1-Schema, kostenfrei; 1. Dosis ab der vollendeten 6. Lebenswoche, spätestens bis zum 3. Lebensmonat. |
| Deutschland | Ständige Impfkommission (STIKO), Robert Koch-Institut | PCV13 oder PCV15 im 2+1-Schema bei Reifgeborenen mit den Dosen im 2., 4. und 11. Lebensmonat – Start also rund zwei bis vier Wochen früher als in Österreich. |
| Vereinigtes Königreich | JCVI / UKHSA | Seit Januar 2020 vereinfachtes 1+1-Schema mit PCV13 (ab 1. Juli 2025: 1. Dosis mit 16 statt 12 Lebenswochen, 2. Dosis weiterhin mit 1 Jahr). |
| WHO (global) | SAGE / WHO-Grundsatzpapier 2025 | Neues Positionspapier vom 26. September 2025 zu Konjugatimpfstoffen bei Kindern unter 5 Jahren; unter anderem Bewertung höhervalenter Impfstoffe und reduzierter 1+1-Schemata. |
| USA | ACIP / CDC | PCV15 (Vaxneuvance) und PCV20 (Prevnar 20) neben dem etablierten PCV13 (Prevnar 13) für Kinder empfohlen (ACIP-Update MMWR, September 2023). |
Bemerkenswert im Ländervergleich ist vor allem die unterschiedliche Grundphilosophie: Während Deutschland und Österreich am 2+1-Schema festhalten, hat das Vereinigte Königreich sein Programm 2020 auf ein 1+1-Schema vereinfacht – eine Entscheidung, die im nächsten Abschnitt näher erläutert wird, weil sie viel über die Wirksamkeit der Impfung und den Herdenschutz-Effekt aussagt.
6. Wie gut schützt die Impfung?
Die aussagekräftigsten Langzeitdaten zur Wirksamkeit stammen aus dem Vereinigten Königreich, das seit September 2006 durchgehend ein nationales Pneumokokken-Kinderimpfprogramm führt und dessen Verlauf im britischen Green Book (UKHSA/JCVI, Ausgabe 2026) detailliert dokumentiert ist:
| Zeitpunkt | Ereignis |
|---|---|
| September 2006 | Einführung von PCV7 im 2+1-Schema plus Nachholimpfung für alle Kinder bis 2 Jahre; Impfquote über 90 %, deutliche und nachhaltige Reduktion invasiver Erkrankungen auch durch indirekten Herdenschutz (Miller et al. 2011). |
| April 2010 | PCV13 ersetzt PCV7 und deckt sechs zusätzliche Serotypen ab; weitere Reduktion invasiver Erkrankungen (Waight et al. 2015). |
| ab 2013/14 | Leichter Wiederanstieg der Gesamtinzidenz, überwiegend durch Serotypen, die PCV13 nicht abdeckt (u. a. 8, 12F, 9N), vor allem bei älteren Altersgruppen (Ladhani et al. 2018). |
| Januar 2020 | Umstellung auf ein vereinfachtes 1+1-Schema (12 Wochen und 1 Jahr): Eine Modellierungsstudie zeigte, dass bei der inzwischen erreichten hohen Herdenimmunität eine einzelne Dosis in der Grundimmunisierung ausreicht (Choi et al. 2019). |
| 2020/21 | Pandemiebedingt sank die Inzidenz invasiver Erkrankungen über alle Altersgruppen um 65 % (Amin-Chowdhury et al. 2022), stieg nach Lockerung der Maßnahmen aber wieder an. |
| seit 1. Juli 2025 | Die 1. PCV13-Dosis wandert von der 12. auf die 16. Lebenswoche, um Platz für eine frühere 2. Meningokokken-B-Dosis zu schaffen – möglich, weil PCV13-typische invasive Erkrankungen bei Säuglingen dank starkem Herdenschutz inzwischen sehr selten sind. |
Diese zwei Jahrzehnte britischer Programmerfahrung zeigen exemplarisch, wie stark der Effekt der Impfung ist: Der Herdenschutz wurde so verlässlich, dass die Gesundheitsbehörden das Impfschema sogar vereinfachen konnten, ohne den Schutz von Säuglingen zu gefährden. Gleichzeitig macht der leichte Wiederanstieg ab 2013/14 deutlich, dass Pneumokokken nicht verschwinden, sondern sich die zirkulierenden Serotypen im Lauf der Zeit verschieben können – ein Grund, warum sowohl das AGES-Überwachungssystem in Österreich als auch vergleichbare Systeme in anderen Ländern die Serotyp-Verteilung kontinuierlich beobachten.
7. Herdenschutz: Warum die Kinderimpfung auch Großeltern hilft
Ein Argument, das im Aufklärungsgespräch oft zu kurz kommt: Kinder sind es in erster Linie, die Pneumokokken im Nasen-Rachen-Raum tragen und weitergeben. Laut Impfplan Österreich 2025/2026 erfolgt die Pneumokokken-Besiedlung älterer Menschen häufig gerade über den engen Kontakt mit Kindern – etwa mit den eigenen Enkelkindern. Wenn weniger Kinder das Bakterium überhaupt in sich tragen, sinkt daher auch das Risiko für Großeltern und andere Erwachsene, sich anzustecken. Genau dieser indirekte Effekt – nicht nur die direkte Schutzwirkung beim geimpften Kind selbst – erklärt, warum die britische Erfahrung aus dem vorigen Abschnitt so eindrücklich ausfiel: Ein Großteil der beobachteten Krankheitslast-Reduktion ging laut UKHSA/JCVI auf diesen Herdeneffekt zurück, der auch ungeimpfte Personen aller Altersgruppen mitschützt.
8. Nebenwirkungen und Sicherheit
Wie bei allen Impfungen können auch nach der Pneumokokken-Impfung Nebenwirkungen auftreten – laut dem britischen Green Book (UKHSA/JCVI, 2026) sind sie in aller Regel mild und vorübergehend:
| Impfstoff | Häufig berichtete Nebenwirkungen laut UKHSA/JCVI |
|---|---|
| PCV13 | Lokalreaktion an der Einstichstelle, Fieber, Reizbarkeit, verminderter Appetit, verändertes Schlafverhalten |
| PCV15 | wie PCV13, zusätzlich vermehrte Schläfrigkeit (Somnolenz) |
| PCV20 | bei Kindern: Reizbarkeit, Schläfrigkeit, verminderter Appetit, Fieber, Lokalreaktion; bei Erwachsenen: Schmerzen an der Einstichstelle, Muskel- und Gelenkschmerzen, Müdigkeit, Kopfschmerzen |
| PPV23 | milde Lokalreaktion für 1 bis 3 Tage, selten leichtes Fieber |
Kontraindikation
Laut UKHSA/JCVI ist eine bestätigte anaphylaktische (schwere allergische) Reaktion auf eine frühere Dosis eines Pneumokokken-Impfstoffs oder auf einen seiner Bestandteile eine Kontraindikation gegen eine weitere Impfung mit demselben Präparat. Informieren Sie Ihre Kinderärztin oder Ihren Kinderarzt daher unbedingt über frühere allergische Reaktionen auf Impfungen.
9. Die Pneumokokken-Impfung im Erwachsenenalter
Für Eltern und Großeltern ist ein weiterer Punkt aus dem aktuellen österreichischen Impfplan von Interesse: Seit der jüngsten Aktualisierung ist die Pneumokokken-Impfung ab dem vollendeten 60. Lebensjahr generell empfohlen – nicht mehr nur bei bestehenden Risikofaktoren wie in früheren Impfplan-Versionen. Verwendet wird dafür laut dem eigenständigen Dokument „Impfung gegen Pneumokokken für Erwachsene“ (BMASGPK, April 2026) der 21-valente Impfstoff Capvaxive (PCV21), der kostenfrei im öffentlichen Programm zur Verfügung steht und zusätzliche, vor allem für Erwachsene relevante Serotypen abdeckt. Für 18- bis 60-Jährige mit bestimmten gesundheitlichen Risiken – analog zur weiter oben beschriebenen Liste bei Kindern, ergänzt um erwachsenenspezifische Kriterien – besteht ebenfalls eine spezielle Indikation.
Diese Empfehlung ergänzt den im vorigen Abschnitt beschriebenen Herdenschutz-Gedanken: Wenn in einer Familie sowohl die Kinder als auch die Großeltern gemäß den für sie jeweils gültigen Empfehlungen geimpft sind, schützt das beide Generationen wirksamer als eine Impfung allein.
10. Prevenar 13 und Synflorix: Was gilt heute noch?
Wenn Sie im Freundes- oder Familienkreis von der Impfung mit „Prevenar 13“ oder „Synflorix“ hören oder diese Namen noch aus dem eigenen Impfpass oder dem eines älteren Geschwisterkindes kennen, ist das kein Widerspruch zu den Angaben in diesem Artikel: Beide Impfstoffe waren über viele Jahre wichtige und in Österreich auch tatsächlich eingesetzte Konjugatimpfstoffe. Prevenar 13 (PCV13) deckte 13 Serotypen ab und war lange Zeit Standard im österreichischen Kinderimpfprogramm; Synflorix (PCV10) deckte 10 Serotypen ab. Im aktuellen österreichischen Impfplan 2025/2026 tauchen beide jedoch nicht mehr als Regelimpfstoff auf – im kostenfreien Programm wurden sie durch das oben beschriebene Vaxneuvance (PCV15) abgelöst.
International sind ältere Präparate wie PCV10 keineswegs bedeutungslos: Das britische Green Book weist etwa darauf hin, dass PCV10 in anderen Ländern nach wie vor verwendet wird, und enthält deshalb einen eigenen Hinweis für Kinder, die im Ausland mit PCV10 geimpft wurden – sie sollen bei einem Umzug ins Vereinigte Königreich eine Auffrischung mit PCV13 erhalten, um die volle vorgesehene Serotypenabdeckung zu erreichen. Ausführliche, produktspezifische Informationen zu Wirkweise, Zulassungsstudien und Fachinformation finden Sie auf unseren eigenen Seiten zu Prevenar 13 und Synflorix.
11. Häufig gestellte Fragen
Warum wechselt der im Impfprogramm verwendete Impfstoff überhaupt?
Weil sich sowohl das Angebot an Impfstoffen als auch die Verteilung der zirkulierenden Serotypen mit der Zeit verändern. Die laufende Überwachung durch die Nationale Referenzzentrale für Pneumokokken bei der AGES zeigt, welche Serotypen in Österreich aktuell relevant sind, und fließt in die Entscheidung des Nationalen Impfgremiums ein, welcher Impfstoff die beste Abdeckung bietet.
Muss mein Kind nachgeimpft werden, wenn es zuerst Prevenar 13 oder Synflorix erhalten hat?
Ein bereits begonnenes Impfschema wird in aller Regel nicht rückwirkend verändert. Ob im Einzelfall eine Ergänzung sinnvoll ist, etwa bei einem Wohnortwechsel aus dem Ausland oder bei neu festgestellter spezieller Indikation, klärt am besten das persönliche Gespräch in unserer Ordination.
Warum ist ab dem 5. Geburtstag für gesunde Kinder keine Pneumokokken-Impfung mehr vorgesehen?
Weil das Risiko für schwere Pneumokokken-Erkrankungen mit zunehmendem Alter des Immunsystems deutlich sinkt. Der österreichische Impfplan 2025/2026 sieht für gesunde Kinder ohne spezielle Indikation deshalb ab dem vollendeten 5. Lebensjahr keine weitere Pneumokokken-Impfung mehr vor. Bei speziellen Indikationen gilt dagegen das im entsprechenden Abschnitt beschriebene erweiterte Schema mit Auffrischungen bis ins Erwachsenenalter.
Warum beginnt Deutschland früher mit der 1. Dosis als Österreich?
Beide Länder verwenden ein 2+1-Schema, setzen die 1. Dosis aber unterschiedlich an: Die deutsche STIKO empfiehlt den vollendeten 2. Lebensmonat (Schema 2-4-11), der österreichische Impfplan lässt die 1. Dosis frühestmöglich ab der vollendeten 6. Lebenswoche bis spätestens zum vollendeten 3. Lebensmonat zu. Beide Zeitpunkte gelten in ihrem jeweiligen nationalen Kontext als sicher und wirksam; entscheidend ist vor allem, dass die Grundimmunisierung überhaupt frühzeitig begonnen und wie empfohlen abgeschlossen wird.
Ist die Impfung auch für mein gesundes Kind sinnvoll, wenn das Risiko für schwere Verläufe insgesamt gering ist?
Ja – aus zwei Gründen. Erstens lässt sich ein schwerer Einzelverlauf im Vorfeld nicht zuverlässig vorhersagen, wie die eingangs zitierten österreichischen Daten zur Pneumokokken-Meningitis zeigen. Zweitens trägt jedes geimpfte Kind laut Impfplan Österreich zum beschriebenen Herdenschutz bei, von dem insbesondere Großeltern und andere Risikopersonen im Umfeld profitieren.
12. Wichtigste Leitlinien und Fachgesellschaften
Diese Auswahl umfasst die zentralen Grundsatzpapiere, Impfpläne und Fachpublikationen aus den für diesen Artikel ausgewerteten Ländern und Gesundheitsräumen.
- Impfplan Österreich 2025/2026, Version 1.1 (Kapitel Pneumokokken) – Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMASGPK), Österreich, 2025
- Tabelle Impfplan Österreich 2025/2026, Version 1.1 – BMASGPK, Österreich, 2025
- Impfung gegen Pneumokokken für Erwachsene – BMASGPK, Österreich, 2026
- Jahresbericht 2024 – Nationale Referenzzentrale für Pneumokokken, Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), Österreich, 2024
- Invasive Pneumokokken-Meningitis bei österreichischen Kindern, 2001–2008 (Klobassa et al.) – European Journal of Pediatrics, Österreich, 2014
- RKI-Ratgeber Pneumokokken (STIKO-Empfehlungen) – Robert Koch-Institut (RKI), Deutschland
- Pneumococcal: the Green Book, Kapitel 25 – UK Health Security Agency (UKHSA) / Joint Committee on Vaccination and Immunisation (JCVI), Vereinigtes Königreich, 2026
- Pneumococcal disease: guidance, data and analysis – UK Health Security Agency (UKHSA), Vereinigtes Königreich
- Recommendations for Pneumococcal Vaccines Use in Children and Teens (mit Verweis auf ACIP/MMWR 72(37), 2023) – Immunize.org (Immunization Action Coalition), USA
- Pneumococcal conjugate vaccines in infants and children aged <5 years – WHO position paper, Weekly Epidemiological Record Nr. 39/2025 – World Health Organization (WHO), 2025
- Considerations for pneumococcal vaccination in older adults – WHO position paper, Weekly Epidemiological Record Nr. 23/2021 – World Health Organization (WHO), 2021
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