Häufige Fragen und Quellen
Antworten auf die Fragen, die Eltern in der Ordination am häufigsten stellen – von Würmern über Zahnspangen bis zur Vererbung – und die Quellen, auf die sich dieser Ratgeber stützt.
Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Er dient der Orientierung und der Vorbereitung auf das Gespräch in der Ordination – etwa im Rahmen der Eltern-Kind-Pass-Untersuchungen. Wenn die Fingerkuppen entzündet sind, wenn Ihr Kind unter dem Verhalten leidet, wenn gleichzeitig Haare ausgerissen oder Hautstellen aufgekratzt werden oder wenn Ihr Kind eine Zahnspange trägt, besprechen Sie das bitte persönlich mit uns. Der Abschnitt „Wann Sie in die Ordination kommen sollten“ nennt die Kriterien im Einzelnen.
16 Häufige Fragen von Eltern
Mein Kind ist drei und kaut Nägel. Muss ich etwas tun?
Nein. Mehrere Fachquellen raten übereinstimmend, in diesem Alter nicht einzugreifen. Handeln am Mund ist entwicklungstypisch, und der Versuch, es abzustellen, macht aus einer Nebensache ein Thema.
Ist Nägelkauen ein Zeichen dafür, dass mein Kind unglücklich ist?
In den allermeisten Fällen nicht. 82 Prozent der nägelkauenden Kinder in der einzigen unausgelesenen Vergleichsuntersuchung hatten keine psychiatrische Diagnose. Wenn Ihr Kind sonst fröhlich ist, gut schläft und gerne unter Menschen geht, ist das Kauen mit hoher Wahrscheinlichkeit nur eine Angewohnheit.
Kann mein Kind sich davon Würmer holen?
Der Weg ist plausibel und wird von Gesundheitsbehörden im Zusammenhang mit Madenwürmern genannt. Wie oft das tatsächlich passiert, ist nicht untersucht – und die Richtung ist unklar: Der Juckreiz bei Madenwürmern kann das Kauen auch verstärken. Bei Verdacht klären wir das einfach ab. Zum Thema Kopfläuse, das Eltern oft in einem Atemzug nennen, haben wir einen eigenen Ratgeber über Läuse bei Kindern.
Wachsen die Nägel wieder normal nach?
In aller Regel ja. Nagelform und -oberfläche erholen sich, sobald das Kauen aufhört. Eine Ausnahme ist das Verwachsen der Nagelhaut mit der Nagelplatte bei jahrelangem, sehr starkem Kauen – diese Veränderung bleibt meist bestehen.
Mein Kind trägt eine Zahnspange. Ist das ein Problem?
Das ist die eine Konstellation, in der wir zu Aufmerksamkeit raten. Bei gleichzeitigem Nägelkauen ist ein vermehrter Abbau an den Zahnwurzelspitzen belegt. Sprechen Sie es bei der nächsten kieferorthopädischen Kontrolle aktiv an – Fachquellen empfehlen dann eine jährliche Röntgenkontrolle.
Hilft es, die Nägel schön zu lackieren?
Bei manchen Kindern und Jugendlichen ja – nicht als Wirkstoff, sondern weil gepflegte Nägel etwas sind, das man nicht zerstören möchte. Es ist eine Motivationshilfe, keine Behandlung, und sie funktioniert nur, wenn das Kind sie selbst will.
Mein Kind kaut nur bei den Hausaufgaben. Ist das aussagekräftig?
Sehr sogar – im praktischen Sinn. Wenn Sie eine klare Auslösesituation kennen, haben Sie den halben Weg hinter sich: Genau dort setzen Sie an, mit etwas für die Hände oder einem Pflaster nur für diese Zeit. Dass Kauen in monotonen, konzentrationsfordernden Situationen gehäuft auftritt, passt gut zu dem Modell, das Nägelkauen als Regulierung des Erregungsniveaus versteht.
Ich habe selbst als Kind Nägel gekaut. Ist das vererbt?
Teilweise vermutlich ja. 30 bis 63 Prozent der betroffenen Kinder haben Angehörige mit derselben Angewohnheit, und eine japanische Zwillingsstudie schätzt den erblichen Anteil auf etwa die Hälfte. Trennen lässt sich Vererbung vom Abschauen aber nicht – und die andere Hälfte entfällt ohnehin auf die Umwelt.
Wie lange soll ich es zu Hause versuchen, bevor ich Hilfe hole?
Ein sinnvoller Rahmen sind sechs bis acht Wochen mit den oben beschriebenen Schritten. Bessert sich in dieser Zeit nichts und leidet Ihr Kind darunter, ist ein Termin sinnvoll. Bessert sich nichts, aber Ihr Kind leidet auch nicht – dann ist Abwarten eine fachlich gut vertretbare Entscheidung.
17 Quellen
Die folgenden Quellen tragen die im Text genannten Zahlen und Empfehlungen. Sie sind Teil einer Auswertung von 369 Quellen aus 26 Sprachen; hier stehen jene, auf die sich dieser Ratgeber unmittelbar stützt.
- Ghanizadeh A., Shekoohi H.: Prevalence of nail biting and its association with mental health in a community sample of children. BMC Research Notes, 2011 (n = 743, 7–10 Jahre) – Häufigkeit 22,3 %
- Ghanizadeh A. et al.: Habit Reversal versus Object Manipulation Training for Treating Nail Biting: A Randomized Controlled Clinical Trial. Iranian Journal of Psychiatry, 2013 (n = 91) – einzige bei Kindern
- Ergün A., Toprak R., Şişman F. N.: Impact of a healthy nails program on nail-biting in Turkish schoolchildren: a controlled pretest-posttest study. The Journal of School Nursing 29(6):416–424, Türkei, 2013 (kontrollierte Auswertung n = 103)
- Ghanizadeh A.: Association of nail biting and psychiatric disorders in children and their parents. Child and Adolescent Psychiatry and Mental Health, 2008
- Ghanizadeh A. et al.: N-acetylcysteine versus placebo for treating nail biting: a double blind randomized placebo controlled clinical trial. 2013 (n = 42)
- Ooki S.: Genetic and environmental influences on finger-sucking and nail-biting in Japanese twin children. Twin Research and Human Genetics, Japan, 2005 (n = 1.131 Zwillingspaare)
- Suligowska K. et al.: Parafunctions, Signs and Symptoms of Temporomandibular Disorders in Children with ADHD (SOPKARD-Junior). Psychiatria Polska 55(4):887–900, Polen, 2021
- Restrepo Serna C. C.: Tratamiento de la onicofagia en niños. Revisión sistemática. Revista de Odontopediatría Latinoamericana, Kolumbien, 2011 (92 gesichtete Studien, eine eingeschlossen)
- Ko J., Chi S., Lee M.: Systematisches Review zu körperbezogenen repetitiven Verhaltensweisen. Korean Journal of Psychosomatic Medicine 33(1):18–29, Südkorea, 2025
- Bohn A. K., Thomsen P. H., Nissen J. B.: Kroppsfokuserede repetitive adfærdsforstyrrelser. Ugeskrift for Læger 184:V11210829, Dänemark, 2022
- Woods D. W. et al.: kontrollierte Studie zum Habit Reversal Training mit konkurrierender Reaktion, USA, 1999 (n = 26)
- Azrin N. H., Nunn R. G.: Erstbeschreibung des Habit Reversal Training, USA, 1973; sowie Azrin, Nunn & Frantz, USA, 1980
- Tsubakita T., Kamekura N.: Einzelfallexperiment zur konkurrierenden Reaktion, Japan, 2019
- Kim Jong-il: Untersuchung zu Nagelschäden und psychosozialen Faktoren bei nägelkauenden Jugendlichen. Dissertation, Daegu Catholic University, Südkorea, 2020 (n = 910)
- Nishikawa K., Akagi M., Yoshioka S.: Selbstbeobachtung als Behandlung bei Nägelkauen. Japanese Journal of Psychosomatic Medicine 28(6), Japan, 1988
- Käypä hoito: Purentaelimistön kipu ja toimintahäiriöt (TMD), hoi50057, Duodecim, Finnland, 2021 – einzige Leitlinie weltweit mit Nägelkau-Anamnesefrage
- Onychophagia as a clinical symptom: A pilot study of physicians and literature review. Litauen (Ärztebefragung, n = 362)
- Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) / Kinderärzte im Netz: Nägelkauen kann zu Infektionen führen. Deutschland, 2023
- Apotheken Umschau: Fingernägelkauen bei Kindern: Was tun? mit M. Große Perdekamp und D. Unterreitmeier, Deutschland, 2021
- Ospedale Pediatrico Bambino Gesù (Carlin C., De Ranieri C.): Mio figlio si mangia le unghie, che fare? Italien, 2022
- Uppa: Cosa fare se il bambino si mangia le unghie? Italien
- Palacio Manchón M. / Familia y Salud (AEPap): Mi hijo se come las uñas. Spanien, aktualisiert 2025
- Rodríguez Díaz P. et al.: 10 cosas que deberías saber sobre la onicofagia. Pediatría Integral (SEPEAP), Spanien, 2025
- Nationwide Children's Hospital: Nail Biting Prevention and Habit Reversal Tips. USA, 2018
- TLC Foundation for Body-Focused Repetitive Behaviors: How to Help Your Child Stop Biting Their Nails sowie Onychophagia (Nail Biting). USA
- Miernik-Jaeschke M.: Jak postępować, jeśli małe dziecko obgryza paznokcie? Medycyna Praktyczna, Polen, 2017
- GuidaGenitori.it: Onicofagia, ovvero quando il bambino si mangia le unghie. Italien
- DermNet: Fachinformation zu Onychophagie, Neuseeland
- GPnotebook: ärztliche Referenzdatenbank, Vereinigtes Königreich – Freiwilligkeitsbedingung und abgestuftes Vorgehen
- Gomes M. et al.: Onicofagia. Nascer e Crescer, Portugal, 2012
- Eskeland S. et al.: Kroppsfokusert repetitiv atferd. Tidsskrift for Den norske legeforening, Norwegen, 2021
- Moritz S., Penney D. et al.: randomisierte Studien zu Decoupling und Habit Replacement, Deutschland/Kanada, 2021 und 2022 (ausschließlich Erwachsene ab 18 Jahren)
- Farhat L. et al.: zu Behandlungen bei Trichotillomanie, 2020 (24 randomisierte Studien, n = 857), referiert in Bohn et al. 2022
- Nail-Associated Body-Focused Repetitive Behaviors. Internationale Übersichtsarbeit, 2022 – Motivationsbarriere und Warnung vor Bitterlack bei kleinen Kindern
- Cortés Aguado J., Oropeza Tena R.: verhaltenstherapeutische Falldokumentation, Mexiko, 2011 (n = 1, 98 Tage)
- Faroughi E. et al.: akzeptanzbasierte Verhaltenstherapie bei körperbezogenen repetitiven Verhaltensweisen, 2017 (n = 6)
- Antropow J., Schewtschenko J.: Standardmonografie zu pathologischen Gewohnheitshandlungen im Kindesalter, Russland, 2000
- Azak A., Mutlu E.: Übersichtsarbeit zum Nägelkauen im Kindesalter. Balıkesir Sağlık Bilimleri Dergisi 9(3):227–232, Türkei, 2020
- Institut Tamir: achtstufiges verhaltenstherapeutisches Behandlungsprotokoll bei Nägelkauen, Israel, 2023
- Grundlage dieses Ratgebers ist die projekteigene Auswertung Onychophagie bei Kindern und Jugendlichen – ein internationaler Forschungs-, Leitlinien- und Versorgungsvergleich (2026) mit 369 ausgewerteten Quellen aus 26 Sprachen.
Alle Kapitel dieses Ratgebers
- 1. Wie häufig – und wann es behandlungsbedürftig ist Abschnitt 1–2 · 2
- 2. Ursachen: Angst, ADHS und Tics Abschnitt 3–5 · 3
- 3. Die körperlichen Folgen: Haut, Nägel, Zähne Abschnitt 6–7 · 2
- 4. Was hilft – und was schadet Abschnitt 8–12 · 5
- 5. Das Gespräch, der Blick über die Grenzen, der Weg in die Ordination Abschnitt 13–15 · 3
- 6. Häufige Fragen und Quellen Abschnitt 16–17 · 2
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