Kaufen, prüfen und pflegen
Drei Sitze nebeneinander, gebrauchte Sitze, das Alter eines Sitzes, der Sitz nach einem Unfall, Rückrufe und die Reinigung: die Fragen rund um den Sitz selbst.
Wichtiger Hinweis
Ein Kindersitz schützt nur, wenn er zum Kind, zum Fahrzeug und zur konkreten Einbausituation passt und auf jeder Fahrt richtig verwendet wird. Zulassung allein ist kein Qualitätsurteil. Bedienfehler, lockere Gurte, dicke Winterkleidung, eine falsch verriegelte Drehfunktion oder ein aktiver Frontairbag vor einem rückwärtsgerichteten Sitz können den Schutz erheblich vermindern.
In Österreich müssen Kinder bis zum 14. Geburtstag und unter 135 cm Körpergröße in einer geeigneten Kinder-Rückhalteeinrichtung gesichert werden. Ab 135 cm ist bei Kindern unter 14 Jahren der Fahrzeuggurt gesetzlich ausreichend; aus Sicherheitsgründen wird eine Rückhalteeinrichtung bis 150 cm beziehungsweise bis zum korrekten Sitz des Dreipunktgurts empfohlen. Für die ordnungsgemäße Sicherung ist die Lenkerin oder der Lenker verantwortlich.
Babys und Kleinkinder fahren möglichst lange rückwärtsgerichtet, mindestens bis zu der vom Sitz und von UN-Regelung R129 vorgegebenen Grenze. Ein rückwärtsgerichteter Sitz darf niemals vor einem aktiven Frontairbag verwendet werden.
Dieser Artikel erklärt die österreichische Rechtslage. Bei Fahrten ins Ausland gelten die Vorschriften des jeweiligen Landes.
31 Drei Kindersitze nebeneinander
Ob drei Sitze passen, hängt von Fahrzeugbank, Türkontur, Gurtschlössern und Sitzbreite ab. Zentimeterangaben aus Onlineshops reichen nicht. Die Kombination wird real im Fahrzeug ausprobiert.
Sitze dürfen sich nur so berühren, wie die Hersteller es erlauben. Einer darf den anderen nicht aus seiner ISOFIX-Rastung drücken oder ein Gurtschloss verdecken. Das versehentliche Lösen eines benachbarten Gurtschlosses ist eine häufige praktische Gefahr.
Bei jeder neuen Kombination werden alle Sitze einzeln neu eingebaut und geprüft. Professionelle Kindersitzberatung kann unnötige Fahrzeug- oder Sitzkäufe vermeiden.
32 Gebrauchte Kindersitze
Ein gebrauchter Sitz ist nur vertretbar, wenn seine gesamte Geschichte sicher bekannt ist. Idealerweise stammt er aus der engsten Familie oder von einer Person, der man vollständig vertraut. Anonyme Onlinekäufe sind riskant, weil Unfallschäden unsichtbar sein können.
Geprüft werden Zulassung, Alter, Hersteller-Nutzungsdauer, Rückrufe, vollständige Anleitung, Originalbezug, Gurte, Schloss, Polster, Einlagen und alle Befestigungsteile. Risse, Verfärbungen durch Hitze, ausgefranste Gurte, klemmende Versteller oder fehlende Etiketten schließen die Nutzung aus.
Ein Sitz wird nicht mit unbekannten Ersatzteilen „komplettiert“. Seriennummer und Produktionsdatum ermöglichen eine Herstelleranfrage. Ein vermeintliches Schnäppchen ist wertlos, wenn die Kompatibilität zum Auto fehlt.
33 Alter und Nutzungsdauer des Sitzes
Kunststoffe, Schaumstoffe, Gurte und Mechanismen altern durch Hitze, Kälte, UV-Licht und Gebrauch. Es gibt keine einheitliche gesetzliche Ablaufzeit für alle Kindersitze. Hersteller geben modellabhängige Nutzungs- oder Lebensdauern an.
Das Herstellungsdatum ist nicht automatisch das Ablaufdatum. Einige Hersteller rechnen ab Produktion, andere ab Erstnutzung. Deshalb wird die konkrete Anleitung oder der Herstellerdienst herangezogen.
Ein alter, aber formal noch zugelassener Sitz kann technisch überholt, unvollständig oder nicht mehr mit Ersatzteilen versorgbar sein. Beim Neukauf zählt neben Preis und Testergebnis auch, wie lange das Kind ihn voraussichtlich nutzen kann.
34 Kindersitz nach einem Unfall
Nach einem mittleren oder schweren Unfall wird ein Kindersitz grundsätzlich nicht weiterverwendet. Belastungen können Kunststoff und Energieabsorber schädigen, ohne dass außen ein Riss sichtbar ist. Herstellerangaben und Versicherungsabwicklung werden dokumentiert.
Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA lässt bei einem leichten Unfall eine weitere Verwendung nur dann grundsätzlich offen, wenn alle fünf Bedingungen erfüllt sind: Das Fahrzeug war fahrbereit, die dem Sitz nächste Tür blieb unbeschädigt, niemand wurde verletzt, kein Airbag löste aus und der Sitz zeigt keinen sichtbaren Schaden. Der Hersteller kann trotzdem strengere Regeln vorgeben.
Nach einem Unfall werden Sitz, Basis und gegebenenfalls Fahrzeugverankerungen gemeinsam bewertet. Ein ersetzter Sitz wird so entsorgt, dass niemand ihn aus dem Müll wiederverwendet.
35 Rückrufe und Sicherheitswarnungen
Produktregistrierung beim Hersteller erleichtert direkte Rückrufinformationen. Kaufbeleg, Seriennummer und Modellbezeichnung werden aufgehoben. Auch ÖAMTC, ADAC, EU Safety Gate und nationale Produktsicherheitsstellen veröffentlichen Warnungen.
Ein Rückruf bedeutet nicht immer sofortige Entsorgung. Je nach Fehler gibt es Reparaturset, Austauschbasis, geänderte Anleitung, Rückgabe oder Nutzungsstopp. Eltern folgen exakt der Hersteller- oder Behördenanweisung.
Bei einem akuten „nicht weiterverwenden“ wird nicht aus Gewohnheit noch eine Fahrt gemacht. Für unvermeidbare Transporte wird eine sichere Ersatzlösung organisiert.
36 Reinigung und Pflege
Bezug und Polster werden nur nach Anleitung gereinigt. Aggressive Reiniger, Bleiche, Lösungsmittel, Hochdruck oder heißes Trocknen können Gurte und flammhemmende Eigenschaften verändern.
Gurtbänder dürfen bei vielen Modellen nur feucht abgewischt, nicht eingeweicht oder in der Waschmaschine gewaschen werden. Das Schloss wird nach Herstelleranweisung von Krümeln befreit; Öl oder Schmiermittel können die Funktion stören.
Nach dem Waschen werden alle Teile exakt zurückgebaut. Fotos vor dem Zerlegen helfen. Der Sitz wird erst benutzt, wenn Gurte korrekt geführt und alle Komponenten vollständig trocken sind.
Alle Kapitel dieses Ratgebers
- 1. Wirkung, Recht und Zulassung Abschnitt 1–9 · 9
- 2. Rückwärts oder vorwärts Abschnitt 10–15 · 6
- 3. Einbau und Gurtführung Abschnitt 16–23 · 8
- 4. Sitzplatz, Airbag und Sitzerhöhung Abschnitt 24–30 · 7
- 5. Kaufen, prüfen und pflegen Abschnitt 31–36 · 6
- 6. Unterwegs und besondere Bedürfnisse Abschnitt 37–46 · 10
- 7. Einbaufehler und Kaufberatung Abschnitt 47–52 · 6
- 8. Irrtümer, Fragen und nach dem Unfall Abschnitt 53–59 · 7
- 9. Zum Nachschlagen Abschnitt 60–80 · 21
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