Eremfat 600 mg Filmtabletten – Gebrauchs- und Fachinformation
Gebrauchsinformation
Gebrauchsinformation: Information für Patienten
EREMFAT 600 mg - Filmtabletten
Wirkstoff: Rifampicin
Lesen Sie die gesamte Packungsbeilage sorgfältig durch, bevor Sie mit der Einnahme
dieses Arzneimittels beginnen, denn sie enthält wichtige Informationen.
- Heben Sie die Packungsbeilage auf. Vielleicht möchten Sie diese später nochmals lesen.
- Wenn Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.
- Dieses Arzneimittel wurde Ihnen persönlich verschrieben. Geben Sie es nicht an Dritte weiter. Es kann anderen Menschen schaden, auch wenn diese die gleichen Beschwerden haben wie Sie.
- Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dies gilt auch für Nebenwirkungen, die nicht in dieser Packungsbeilage angegeben sind. Siehe Abschnitt 4.
Was in dieser Packungsbeilage steht
1. Was ist EREMFAT 600 mg und wofür wird es angewendet?
2. Was sollten Sie vor der Einnahme von EREMFAT 600 mg beachten?
3. Wie ist EREMFAT 600 mg einzunehmen?
4. Welche Nebenwirkungen sind möglich?
5. Wie ist EREMFAT 600 mg aufzubewahren?
6. Inhalt der Packung und weitere Informationen
1. Was ist EREMFAT 600 mg und wofür wird es angewendet?
Rifampicin, der Wirkstoff von EREMFAT 600 mg, ist ein Tuberkulosewirkstoff aus der
Gruppe der Ansamycin-Antibiotika, welcher angewendet wird bei Erwachsenen,
Jugendlichen und Kindern ab 6 Jahren bei:
Mykobakteriellen Infektionen:
Tuberkulose (alle Formen):
EREMFAT 600 mg muss immer mit mindestens einem anderen Tuberkulosemittel kombiniert werden.
Lepra:
EREMFAT 600 mg ist immer mit mindestens einem anderen gegen die Lepra wirksamen
Arzneimittel zu kombinieren.
Nicht mykobakteriellen Infektionen:
Staphylokokken-Infektionen (MRSA):
EREMFAT 600 mg soll nur eingesetzt werden
- bei Resistenz der Keime gegenüber den erstrangigen, normalerweise wirksamen Antibiotika;
1/21 - bei nachgewiesener Empfindlichkeit der Keime auf Rifampicin;
- in Kombination mit anderen Antibiotika/Chemotherapeutika, auf welche die Keime empfindlich sind.
Brucellose:
In Kombination mit einem Tetracyclin, z. B. Doxycyclin, sofern die Kombination Tetracyclin und Streptomycin nicht angewendet werden darf.
Meningokokken-Meningitis-Prophylaxe:
Vorbeugende Anwendung bei Personen nach engem Kontakt (z. B. in Haushalt,
Kinderkrippen, Schulen, Massenunterkünften) mit einem an Meningokokken-Meningitis
(Hirnhautentzündung) erkrankten Patienten.
Angesichts der Möglichkeit einer raschen Resistenzentwicklung der Keime ist auf etwaige erste Zeichen einer manifesten Infektion speziell zu achten. EREMFAT 600 mg darf nicht zur Behandlung einer manifesten Meningokokken-Meningitis angewendet werden.
Meningokokken-Träger:
Die Reduktion/Eliminierung der Keime (Neisseria meningitidis) aus dem Nasenrachenraum vermag das bei diesen Kontaktpersonen deutlich erhöhte Infektionsrisiko zu senken.
2. Was sollten Sie vor der Einnahme von EREMFAT 600 mg beachten?
EREMFAT 600 mg darf nicht eingenommen werden,
- wenn Sie allergisch gegen Rifampicin, andere Rifamycine (mit Rifampicin verwandte Wirkstoffe) oder einen der in Abschnitt 6. genannten sonstigen Bestandteile dieses Arzneimittels sind.
- bei schweren Leberfunktionsstörungen wie Gelbsucht (z. B. Verschlussikterus), Leberentzündung (Hepatitis), Leberzirrhose (chronische Lebererkrankung mit Leberzellschwund) mit und ohne eingeschränkter Nierenfunktion.
- wenn bei Ihnen eine Störung der Bildung des roten Blutfarbstoffes, insbesondere in der Leber, vorliegt (hepatische Porphyrie).
- wenn bei Ihnen im Rahmen einer Operation die Narkose mit dem Mittel Halothan erfolgen soll.
- wenn Sie gleichzeitig wegen einer Pilzinfektion mit Voriconazol behandelt werden.
- wenn sich bei Ihnen während der Therapie mit Rifampicin eine Verminderung der Zahl der Blutplättchen einstellt (Thrombozytopenie), wenn Sie Hautblutungen feststellen (thrombozytopenische Purpura) oder wenn bei Ihnen ein beschleunigter Abbau der roten Blutkörperchen (hämolytische Anämie) auftritt.
- wenn Sie derzeit eines der folgenden Arzneimittel benutzen, da Rifampicin die Konzentrationen dieser Arzneimittel im Blut verringern kann (siehe auch Abschnitt „Einnahme von EREMFAT 450 mg zusammen mit anderen Arzneimitteln“):
- Sofosbuvir – antivirales Arzneimittel zur Behandlung von Infektionen mit dem Hepatitis-C-Virus
- Lurasidon
- Eines der folgenden Arzneimittel zur Behandlung einer Infektion mit HIV:
2/21 o Proteaseinhibitoren, wie Amprenavir, Atazanavir, Darunavir, Fosamprenavir, Indinavir, Lopinavir, Nelfinavir, Saquinavir und Tipranavir einnehmen. Dies gilt auch für die Einnahme einer Kombination von Saquinavir und Ritonavir o Reverse-Transkriptasehemmer, wie Delavirdin und Nevirapin einnehmen o Cabotegravir o Fostemsavir o Lenacapavir
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker, bevor Sie EREMFAT 600 mg einnehmen.
Informieren Sie während Ihrer Behandlung mit diesem Arzneimittel unverzüglich Ihren Arzt, wenn Ihre Tuberkulosesymptome erneut auftreten oder sich verschlechtern (siehe Abschnitt 4. Welche Nebenwirkungen sind möglich?).
Resistenzentwicklung
Um die Entwicklung und die Verbreitung von Mykobakterienstämmen mit Resistenzen gegen Rifampicin – wie auch gegen alle anderen Tuberkulosemittel – zu vermeiden, sollte Rifampicin immer mit mindestens einem weiteren Antibiotikum/Chemotherapeutikum kombiniert werden.
Lediglich zur Meningokokken-Prophylaxe wird Rifampicin in einer hohen Dosis über nur 2 Tage in Monotherapie angewendet.
Enzyminduzierende Eigenschaften von Rifampicin
Die enzyminduzierenden Eigenschaften von Rifampicin können den Stoffwechsel (Metabolismus) körpereigener Substanzen, einschließlich adrenaler Hormone, Schilddrüsenhormone und Vitamin D beeinflussen. Unter einer Behandlung mit Rifampicin kann es daher zu einer Verminderung des Vitamin D-Blutspiegels kommen. Eine vorbeugende Vitamin D-Gabe in üblicher Dosierung sollte in Betracht gezogen werden. In diesem Zusammenhang sind dann entsprechende Kontrollen erforderlich (z. B. Serum-Calciumspiegel, Serum-Phosphatspiegel, Überwachung der Nierenfunktion).
Gleichzeitige Anwendung von Rifampicin mit anderen Arzneimitteln
Rifampicin kann den Stoffwechsel (Metabolismus) gleichzeitig verabreichter Wirkstoffe beeinflussen. Aufgrund einer Anregung (Induktion) des arzneimittelabbauenden Systems der Leber (Cytochrom-P-450-System) kann der Stoffwechsel anderer Stoffe, die ebenfalls über dieses Enzymsystem abgebaut werden, beschleunigt sein.
Zu Beginn, während, aber auch bei Beendigung einer Therapie mit Rifampicin kann daher
eine Anpassung der Dosis gleichzeitig verabreichter Arzneimittel notwendig werden.
Bei der Kombination mit anderen leberschädigenden Arzneimitteln wie Paracetamol und vor allem mit anderen leberschädigenden Tuberkulosemitteln wie Isoniazid, Pyrazinamid und Protionamid, ist Vorsicht geboten.
3/21 Rifampicin und Porphyrie (Störung der Bildung des roten Blutfarbstoffes)
Durch seine enzyminduzierende Wirkung kann durch die Einnahme von Rifampicin eine Störung der Bildung des roten Blutfarbstoffes (Porphyrinsynthese) und dadurch eine Porphyria cutanea tarda ausgelöst werden, bei der hinsichtlich der Beschwerden ein durch Sonnenlicht hervorgerufener Hautausschlag mit Juckreiz (Photodermatose) im Vordergrund steht. Bei Patienten mit Porphyrie kann die Aktivierung der Delta-Aminolaevulinsäure-Synthetase zur akuten Manifestation der Porphyrie führen. In diesen Fällen ist EREMFAT 600 mg sofort abzusetzen.
Wiederaufnahme der Rifampicin-Behandlung, Lepra-Therapie oder Intervall-Behandlung
Bei Wiederaufnahme einer Rifampicin-Behandlung nach kurzer oder längerer Unterbrechung, bei Intervall-Behandlung (intermittierende Therapie) oder im Rahmen der Leprabehandlung mit Einnahme von Rifampicin im Abstand von jeweils 4 Wochen, kann eine kurzfristige Überempfindlichkeitsreaktion mit grippeähnlichen Symptomen (Flu-Syndrom) bis hin zu gravierenden Erscheinungen wie Schock oder Nierenversagen eintreten. Es tritt meist 3 - 6 Monate nach Beginn einer Intervall-Behandlung auf und äußert sich in Symptomen wie Kopfschmerzen und allgemeinem Schwächegefühl, Fieber, Schüttelfrost, Hautausschlag (Exanthem), Übelkeit, Erbrechen, Muskel- und Gelenkschmerzen. Die Symptome treten 1 - 2 Stunden nach der Einnahme auf und dauern bis zu 8 Stunden, in Einzelfällen darüber hinaus, an. Deshalb wird dringend empfohlen, bei Wiederaufnahme der Behandlung nach Unterbrechung (beim Wechsel von der Intervall-Therapie auf die tägliche Einnahme) und bei Wiederholung der Therapie, Rifampicin unter ärztlicher Kontrolle einschleichend (mit kleiner Dosierung beginnend bis zur normalen Dosis) zu dosieren (siehe auch Abschnitte 3. „Wie ist EREMFAT 600 mg einzunehmen?” und 4. „Welche Nebenwirkungen sind möglich?“).
Sprechen Sie vor einem eigenmächtigen Therapieabbruch oder einem Neubeginn der
Therapie daher unbedingt mit Ihrem Arzt.
Hinweis zur Lepratherapie
Während der Therapie der Lepra kommt es bei einigen Patienten zu einer immunologisch vermittelten Entzündungsreaktion (Leprareaktion Typ-I und/oder Typ-II). Beim Auftreten schmerzhafter Hautknoten, Nervenschmerzen (Neuralgien), Fieber, Gefäßentzündungen (Vaskulitis), Lymphknotenschwellungen (Lymphadenitis), Eiweißausscheidungen im Urin (Proteinurie), Hodenentzündungen (Orchitis) oder Finger- und Zehgelenksentzündungen (Daktylitis) sollten Sie sofort einen Arzt kontaktieren. Die Verabreichung der monatlichen Dosis von Rifampicin sollte unter ärztlicher Kontrolle erfolgen.
Überempfindlichkeitsreaktionen
Beim Auftreten schwerwiegender Komplikationen wie Verminderung der Anzahl der
Blutplättchen (Thrombozytopenie), die sich eventuell auch als Nasenbluten äußern kann,
Hautblutungen (Purpura), Auflösung von roten Blutkörperchen (hämolytische Anämie),
Atemnot (Dyspnoe), asthmaartigen Anfällen, Schock und Nierenversagen, ist Rifampicin
sofort und endgültig abzusetzen.
Bei leichten Überempfindlichkeitsreaktionen, wie beispielsweise Fieber, Hautrötungen, Juckreiz oder Hautausschlägen (Urtikaria), kann nach einer Unterbrechung der Therapie und dem Abklingen der Symptome eine Weiterbehandlung möglich sein (siehe auch Abschnitt 4. „Welche Nebenwirkungen sind möglich?“).
4/21 Clostridium difficile-assoziierte Diarrhö (CDAD) und Pseudomembranöse Enterokolitis
Während bzw. nach Abschluss der Therapie mit Rifampicin entwickelt sich in sehr seltenen Fällen ein Clostridium difficile-assoziierter Durchfall (CDAD) und/oder eine pseudomembranöse Enterokolitis (Entzündung des Darms, hervorgerufen durch das Bakterium Clostridium difficile). Dann muss eine Beendigung der Gabe von Rifampicin in Abhängigkeit von der Indikation erwogen und gegebenenfalls sofort eine entsprechende Therapie eingeleitet werden (z. B. Einnahme von speziellen Antibiotika/Chemotherapeutika, deren Wirksamkeit gegenüber Clostridium difficile klinisch erwiesen ist).
Peristaltikhemmende Arzneimittel (z. B. Loperamid) dürfen nicht angewendet werden.
Verfärbung von Körperflüssigkeiten
Der Wirkstoff Rifampicin ist intensiv bräunlich-rot gefärbt. Hierdurch kann es nach
Einnahme des Arzneimittels zu einer Verfärbung Ihrer Körperflüssigkeiten wie Speichel,
Schweiß, Tränenflüssigkeit, Urin sowie des Stuhls kommen. Sofern Sie Träger weicher
Kontaktlinsen sind, kann die Verfärbung der Tränenflüssigkeit zu einer rot-orangen
Verfärbung Ihrer Kontaktlinsen führen. In den übrigen Fällen kann es zur Verfärbung von
Kleidung kommen.
Schwangerschaft/Kontrazeption
Um während der Behandlung mit EREMFAT 600 mg eine Schwangerschaft sicher zu verhindern, müssen neben den hormonellen Verhütungsmethoden („Pille“) zusätzlich nicht-hormonelle Verhütungsmethoden eingesetzt werden (siehe auch Abschnitt „Einnahme von EREMFAT 600 mg zusammen mit anderen Arzneimitteln“). Nach Beendigung der Behandlung soll die Empfängnisverhütung 3 Monate lang weitergeführt werden.
Bei der Anwendung von Rifampicin in den letzten Wochen der Schwangerschaft kann das Risiko für Blutungen nach der Geburt bei der Mutter und auch beim Kind erhöht sein. Daher sind regelmäßige Kontrollen des Blutbildes sowie die Bestimmung der Gerinnungswerte erforderlich. Eine Behandlung mit Vitamin K kann in solchen Fällen angezeigt sein.
Patienten mit Leberschädigung, unterernährte Patienten, Patienten, die an Alkoholsucht leiden sowie ältere Patienten
Bei Patienten mit leichteren oder andauernden (chronischen) Lebererkrankungen, bei an Alkoholsucht leidenden Patienten, bei unterernährten Personen sowie bei älteren Patienten darf Rifampicin nur mit besonderer Vorsicht eingesetzt werden. Der behandelnde Arzt muss in diesen Fällen eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abschätzung für die Anwendung von Rifampicin durchführen.
Bei allen Patienten, insbesondere jedoch bei den genannten Risikogruppen muss der behandelnde Arzt die Leberfunktion regelmäßig während der Behandlung überwachen, um eine mögliche Schädigung der Leber frühzeitig erkennen zu können.
Kontrolle der Leberwerte
Bei etwa 5 - 20 % der Behandelten lässt sich ein Anstieg bestimmter Leberwerte (Transaminasen) feststellen. Bleiben die bei Ihnen gemessenen Werte unterhalb eines Grenzwertes (weniger als 100 U/l) kann es trotz Fortsetzung der Therapie wieder zur Normalisierung der Werte kommen. Bei Zunahme der Transaminasewerte über 100 U/l, bei einem Anstieg der Bilirubinkonzentration (Laborwerte zur Leberkontrolle) im Blutserum oder 5/21 wenn Sie Symptome einer Lebererkrankung entwickeln, ist sofortiges Absetzen des Rifampicins geboten, da tödliche Leberdystrophien (Leberschwund) beobachtet worden sind.
Nach einer entsprechenden Therapiepause kann die erneute Gabe von Rifampicin unter
Umständen wieder vertragen werden.
Wenn Sie während Ihrer Rifampicin-Behandlung zusätzlich ein Schmerzmittel mit dem leberbelastenden Wirkstoff Paracetamol einnehmen, können bereits üblicherweise unschädliche Mengen von Paracetamol Leberschädigungen hervorrufen. Sie sollten daher leberschädigende Schmerzmittel wie Paracetamol oder andere leberbelastende Tuberkulosemittel nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt und nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abschätzung mit besonderer Vorsicht einnehmen.
Kontrolle der Nierenfunktion
Neben einer Leberschädigung kann Rifampicin auch in sehr seltenen Fällen eine Nierenschädigung hervorrufen. Dabei wurden akutes Nierenversagen, akute Nierenentzündungen (interstitielle Nephritis) sowie Gewebezerfall an den Nierenkanälchen (Tubulusnekrosen) beschrieben (siehe auch Abschnitt 4. „Welche Nebenwirkungen sind möglich?“). Ein sofortiger und endgültiger Therapieabbruch ist in solchen Fällen erforderlich. Im Allgemeinen kommt es dann nach Absetzen der Therapie zu einer Normalisierung der Nierenfunktion. Daher wird, vor allem bei längerfristiger Einnahme von EREMFAT 600 mg, ebenso eine Kontrolle der Nierenfunktion (z. B. Serum-Kreatininbestimmung) erforderlich.
Kontrolle des Blutbildes
Da der Wirkstoff Rifampicin auch unerwünschte Arzneimittelwirkungen auf das Blut und die Blutbestandteile haben kann, muss Ihr Arzt bei Ihnen regelmäßig Blutbildkontrollen durchführen.
Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker, bevor Sie EREMFAT 600 mg einnehmen, wenn Sie zu Blutungen oder Blutergüssen neigen. Kontaktieren Sie auch sofort einen Arzt, wenn Symptome, die auf eine Blutgerinnungsstörung hinweisen können, auftreten (ungewöhnliche Blutungen).
Bei Langzeitbehandlung ist wegen der Gefahr einer Entzündung des Sehnervs eine
regelmäßige Kontrolle beim Augenarzt erforderlich.
Einnahme von EREMFAT 600 mg zusammen mit anderen Arzneimitteln
Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie andere Arzneimittel einnehmen/anwenden, kürzlich andere Arzneimittel eingenommen/angewendet haben oder beabsichtigen andere Arzneimittel einzunehmen/anzuwenden.
Rifampicin hat die Eigenschaft, die Verstoffwechselung (Metabolisierung) anderer Arzneimittel über verschiedene biologische Mechanismen zu beeinflussen. Hierbei steht die vermehrte Bildung von Enzymen, die am Abbau von Arzneimitteln beteiligt sind, im Vordergrund. Dies führt in den meisten Fällen dazu, dass diese Substanzen schneller durch die Leber abgebaut werden, als dies ohne die gleichzeitige Einnahme von Rifampicin der Fall wäre. In der Folge kann es zu deren verringerter Wirksamkeit und damit zu einer Minderung des Behandlungserfolges oder zu einem schnelleren Wirkeintritt der anderen Arzneimittel kommen.
6/21 Rifampicin selbst kann bei gleichzeitiger Gabe bestimmter anderer Wirkstoffe in seinem Stoffwechsel beeinflusst werden, so dass es zu einer Erhöhung oder Erniedrigung seiner Bioverfügbarkeit kommen kann.
Nachfolgend sind die Arzneimittelgruppen bzw. die Wirkstoffe genannt, für welche eine
gegenseitige Beeinflussung von Substanzen und Rifampicin berichtet wurde.
Wirkung von Arzneimittelgruppen und Wirkstoffen auf Rifampicin
Der für eine Wirkung zur Verfügung stehende Anteil an Rifampicin wird vergrößert durch:
Analgetika (Schmerzmittel):
Metamizol-Natrium
Antibiotika (Mittel gegen Infektionskrankheiten):
Cotrimoxazol (Trimethoprim, Sulfamethoxazol), Pefloxacin
Antiprotozoika (Mittel gegen bestimmte Mikroorganismen):
Atovaquon
Urikosurika (Mittel zur Senkung der Harnsäurekonzentration im Blut):
Probenecid
Der für eine Wirkung zur Verfügung stehende Anteil an Rifampicin wird vermindert durch:
Adsorbentien (Mittel zur Giftentfernung):
Aktivkohle
Antazida (Mittel zur Neutralisierung der Magensäure)
Analgetika (Schmerzmittel):
Opiate
Antibiotika (Mittel gegen Infektionskrankheiten):
bentonithaltige p-Aminosalicylsäurezubereitungen
Anticholinergika (Mittel gegen Blasenschwäche):
Darifenacin
Wirkung von Rifampicin auf andere Arzneistoffgruppen und Wirkstoffe
Eine Verringerung der Wirksamkeit folgender Substanzen kann durch eine gleichzeitige
Aufnahme von Rifampicin bedingt sein:
ACE-Hemmer (Mittel gegen erhöhten Blutdruck und Herzschwäche):
Enalapril, Imidapril, Spirapril
Analgetika (Schmerzmittel):
Diclofenac, Fentanyl, Methadon, Opiate, Paracetamol (siehe auch Abschnitt
„Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen“)
Angiotensin-Antagonisten (Mittel gegen erhöhten Blutdruck und Herzschwäche):
Losartan
7/21
Antiarrhythmika (Mittel gegen Herzrhythmusstörungen):
Chinidin, Disopyramid, Lorcainid, Mexiletin, Propafenon, Tocainid sowie möglicherweise andere Vertreter dieser Arzneistoffklasse
Antiasthmatika (Mittel gegen Asthma):
Aminophyllin, Theophyllin
Antibiotika (Mittel gegen Infektionskrankheiten):
Chloramphenicol, Clarithromycin, Doxycyclin, Ciprofloxacin, Dapson, Isoniazid,
Linezolid, Metronidazol, Telithromycin
Anticholinergika (Mittel gegen Blasenschwäche):
Darifenacin
Antidepressiva (Mittel gegen Depressionen):
Amitriptylin, Nortriptylin, Citalopram, Sertralin
Antidiabetika (Mittel gegen Zuckerkrankheit):
Nateglinid, Repaglinid, Rosiglitazon sowie Antidiabetika vom Sulfonylharnstofftyp
(Glibenclamid)
Antiemetika (Mittel gegen Erbrechen):
Ondansetron
Antiepileptika (Mittel gegen Epilepsie):
Lamotrigin, Phenytoin
Anthelmintika (Mittel gegen Wurmerkrankungen):
Praziquantel
Antihistaminika (Mittel gegen Allergien):
Cimetidin, Fexofenadin
Antikoagulantien (Mittel zur Blutverdünnung):
Warfarin, Phenprocoumon sowie andere Cumarine
Antimykotika (Mittel gegen Pilzerkrankungen):
Caspofungin, Itraconazol, Fluconazol, Ketoconazol, Terbinafin, Voriconazol (Kontraindiziert, siehe Abschnitt „EREMFAT 600 mg darf nicht eingenommen werden“)
Antiprotozoika (Mittel gegen bestimmte Mikroorganismen):
Atovaquon, Chinin, Hydroxychloroquin, Mefloquin
Antirheumatika (Mittel gegen Rheuma):
Leflunomid, Sulfasalazin
Antitussiva (Mittel gegen Husten):
Codein
Benzothiazole (Mittel gegen amyotrophe Lateralsklerose)
Riluzol
Calciumantagonisten (Mittel gegen erhöhten Blutdruck):
8/21 Amlodipin, Diltiazem, Lercanidipin, Manidipin, Nifedipin, Nilvadipin, Nisoldipin, Verapamil, Nimodipin, Isradipin, Nicardipin
Chemotherapeutika (Mittel gegen Krebserkrankungen):
Bexaroten, Imatinib, Gefitinib, Irinotecan, Tamoxifen, Toremifen
Corticosteroide (Mittel gegen Entzündungen):
Cortison, Dexamethason, Fludrocortison, Hydrocortison, Methylprednisolon, Prednison, Prednisolon
COX2-Inhibitoren (Mittel gegen Gelenkentzündungen, wie z. B. Arthritis):
Celecoxib, Etoricoxib, Rofecoxib
Diurektika (Mittel zur Entwässerung)
Eplerenon
Endothelin-Antagonisten (Mittel gegen Lungenhochdruck)
Bosentan
Herzglykoside (Mittel gegen Herzschwäche):
Digitoxin, Digoxin
Hormonale Kontrazeptiva (Mittel zur Empfängnisverhütung, „Die Pille“):
Ethinylestradiol, Mestranol, Norethisteron
Hormone (z. B. Mittel zur Unterstützung der Schilddrüsenfunktion):
Levothyroxin
Hypnotika (Schlafmittel):
Zaleplon, Zolpidem, Zopiclon
Immunsuppressiva (Mittel zur Unterdrückung der Immunabwehr):
Everolimus, Sirolimus, Tacrolimus, Mycophenolat
Lipidsenker (Mittel zur Senkung der Blutfettwerte):
Clofibrat, Fluvastatin, Pravastatin, Simvastatin
Lokalanästhetika (Mittel zur örtlichen Betäubung):
Ropivacain
Narkosemittel (Mittel zur Betäubung bei operativen Eingriffen):
Alfentanil
Neuroleptika (Mittel gegen psychische Erkrankungen):
Clozapin, Quetiapin, Haloperidol, Aripiprazol
Osteoporosemittel (Mittel gegen Knochenschwund):
Cinacalcet
Proteaseinhibitoren (Mittel bei HIV-Infektion):
Amprenavir, Atazanavir, Darunavir, Fosamprenavir, Indinavir, Lopinavir, Nelfinavir,
Saquinavir, Tipranavir, Ritonavir
9/21
Reverse-Transkriptasehemmer (Mittel bei HIV-Infektion):
Delavirdin, Nevirapin, Efavirenz, Zidovudin
α1-Rezeptorenblocker (Mittel gegen erhöhten Blutdruck):
Bunazosin
β-Rezeptorenblocker (Mittel gegen erhöhten Blutdruck):
Alprenolol, Atenolol, Bisoprolol, Carvedilol, Celiprolol, Metoprolol, Nadolol, Propranolol, Talinolol, Teratolol
Tranquilanzien (Mittel zur Beruhigung und gegen Angstzustände):
Alprazolam, Chlordiazepoxid, Diazepam, Flurazepam, Hexobarbital, Midazolam,
Triazolam, Nitrazepam sowie möglicherweise weitere Benzodiazepine, Buspiron
Vitamine:
Vitamin D
Bei den folgenden Substanzen besteht eine Wechselwirkung mit Rifampicin, jedoch ist der zu Grunde liegende Mechanismus unbekannt:
Antibiotika (Mittel gegen Infektionskrankheiten):
Protionamid, Cefazolin und andere Cephalosporine
Antidepressiva (Mittel gegen Depressionen):
Mirtazapin
Immunsuppressiva (Mittel zur Unterdrückung der Immunabwehr):
Azathioprin, Cyclosporin
Narkosemittel (Mittel zur Betäubung bei operativen Eingriffen):
Halothan (siehe auch Abschnitt „EREMFAT 600 mg darf nicht eingenommen werden“)
Thrombozytenaggregationshemmer (Mittel zur Blutverdünnung):
Clopidogrel
Wenn Sie neben EREMFAT 600 mg Arzneimittel einnehmen, die einen oder mehrere der oben genannten Wirkstoffe enthalten oder wenn Sie dies beabsichtigen, fragen Sie unbedingt Ihren Arzt – wenn möglich vorher – um Rat. Er wird entscheiden, welche Maßnahmen im jeweiligen Fall zu treffen sind bzw. ob bei Ihnen weiterführende Untersuchungen erforderlich sind.
Diagnosemittel und Laborwerte
Röntgenkontrastmittel
Rifampicin kann die Gallenausscheidung von Röntgenkontrastmitteln, die für die
Gallenblasenuntersuchung verwendet werden, verzögern.
Laborwerte
Mikrobiologische Bestimmungen von Vitamin B12 und Folsäure sind nicht verwertbar.
Rifampicin kann kompetitiv die Bromsulfophthaleinausscheidung hemmen und damit eine
Leberfunktionsstörung vortäuschen. Der Bromsulfophthalein-Test zur Prüfung der
10/21 exkretorischen Leberfunktion kann daher während der Therapie mit Rifampicin nicht angewandt werden.
Rifampicin verursacht falsch-positive Ergebnisse in einem biologischen Testverfahren zur
Bestimmung von Opiaten (Schmerzmittel) im Urin.
Einnahme von EREMFAT 600 mg zusammen mit Alkohol
Während der Anwendung von EREMFAT 600 mg sollten Sie möglichst keinen Alkohol
trinken.
Schwangerschaft, Stillzeit und Fortpflanzungsfähigkeit
Wenn Sie schwanger sind oder stillen, oder wenn Sie vermuten, schwanger zu sein oder beabsichtigen, schwanger zu werden, fragen Sie vor der Einnahme dieses Arzneimittels Ihren Arzt oder Apotheker um Rat.
Schwangerschaft/Empfängnisverhütung
Während der Therapie mit Rifampicin muss das Eintreten einer Schwangerschaft vermieden werden.
Um während der Behandlung mit EREMFAT 600 mg eine Schwangerschaft auszuschließen, muss während der Behandlung eine sichere Empfängnisverhütung durchgeführt werden. Es sollen neben der "Pille" andere nicht-hormonelle empfängnisverhütende Maßnahmen angewendet werden (zur "Pille" siehe Abschnitt 2. „Einnahme von EREMFAT 600 mg zusammen mit anderen Arzneimitteln“). Nach Beendigung der Behandlung soll die Empfängnisverhütung 3 Monate lang weitergeführt werden.
Bei einer bereits bestehenden Schwangerschaft darf Rifampicin während der ersten drei Monate nur bei unbedingter Notwendigkeit eingenommen werden, da eine Erhöhung des Fehlbildungsrisikos nicht auszuschließen ist. Im zweiten und dritten Abschnitt der Schwangerschaft darf Rifampicin nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung angewendet werden.
Bei Einnahme in den letzten Wochen der Schwangerschaft kann Rifampicin nach der Geburt zu einer erhöhten Blutungsneigung bei Mutter und Neugeborenem führen, weshalb Vitamin K-Gaben erforderlich sein können (siehe auch Abschnitt “Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen“).
Stillzeit
Rifampicin wird in die Muttermilch ausgeschieden. Allerdings wird angenommen, dass die durch den Säugling aufgenommenen Konzentrationen zu gering sind, um beim Säugling unerwünschte Wirkungen zu erzeugen.
Ihr Arzt wird aufgrund einer strengen Abwägung des Nutzen Risiko Verhältnisses
entscheiden, ob Sie EREMFAT in der Stillzeit anwenden dürfen.
Verkehrstüchtigkeit und Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
11/21 Achtung: Dieses Arzneimittel kann die Reaktionsfähigkeit und Verkehrstüchtigkeit beeinträchtigen.
Die Einnahme von EREMFAT 600 mg kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch zu Einschränkungen der Verkehrstüchtigkeit und der Fähigkeit Maschinen zu bedienen, führen. Daher dürfen Sie keine Kraftfahrzeuge führen, Maschinen bedienen oder andere gefahrvolle Tätigkeiten ausführen. Dies gilt in verstärktem Maße im Zusammenwirken mit Alkohol.
EREMFAT 600 mg enthält Sorbitol (E 420)
Dieses Arzneimittel enthält 387 mg Sorbitol pro Filmtablette.
Sorbitol ist eine Quelle für Fructose. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt bevor Sie (oder Ihr Kind) dieses Arzneimittel einnehmen oder erhalten, wenn Ihr Arzt Ihnen mitgeteilt hat, dass Sie (oder Ihr Kind) eine Unverträglichkeit gegenüber einigen Zuckern haben oder wenn bei Ihnen eine hereditäre Fructoseintoleranz (HFI) – eine seltene angeborene Erkrankung, bei der eine Person Fructose nicht abbauen kann – festgestellt wurde.
3. Wie ist EREMFAT 600 mg einzunehmen?
Nehmen Sie dieses Arzneimittel immer genau nach Absprache mit Ihrem Arzt oder
Apotheker ein. Fragen Sie bei Ihrem Arzt oder Apotheker nach, wenn Sie sich nicht sicher
sind.
Falls vom Arzt nicht anders verordnet, ist die übliche Dosis:
Tuberkulose sowie nichttuberkulöse Mykobakteriosen
EREMFAT 600 mg muss immer mit mindestens einem anderen Tuberkulosemittel kombiniert werden.
| Alter | Einzeldosis | Tagesgesamtdosis |
|---|---|---|
| Kinder von 6 bis 14 Jahren | 10 - 20 mg/kg Körpergewicht | Die maximale Tagesdosis beträgt 600 mg. |
| Kinder über 14 Jahren und Erwachsene | 10 (8 - 12) mg/kg Körpergewicht | Die maximale Tagesdosis beträgt 600 mg. Die minimale Tagesdosis bei Erwachsenen soll nicht unter 450 mg liegen. |
Für Kinder unter 6 Jahren sind Arzneimittel in Form von Tabletten nicht geeignet.
Dosierung bei nicht täglicher Einnahme (intermittierende Behandlung)
Hinweis:
Eine Behandlung der Tuberkulose, in welcher die verordneten Arzneimittel nicht täglich, sondern in größeren Abständen eingenommen werden (intermittierende Behandlung), soll nur in begründeten Ausnahmefällen eingesetzt werden und nur dann, wenn die Krankheitserreger gegen die üblicherweise eingesetzten Standardantibiotika empfindlich sind.
12/21 Erwachsene:
Intermittierende Dosis bei 3maliger Verabreichung pro Woche:
10 (8 - 12) mg/kg Körpergewicht, wobei die maximale Tagesdosis 600 mg nicht übersteigen darf.
Dosisanpassung von EREMFAT 600 mg
Der Wiederbeginn der Gabe von EREMFAT 600 mg nach einer Behandlungsunterbrechung im Rahmen der täglichen Behandlung der Tuberkulose sowie der nichttuberkulösen Mykobakteriosen hat einschleichend zu erfolgen. Am 1. Tag wird bei Erwachsenen und Jugendlichen über 14 Jahren mit 50 - 150 mg behandelt, und dann an den darauffolgenden Tagen (z. B. um 50 - 150 mg täglich) bis zur gewünschten Dosis gesteigert (siehe auch Abschnitte 2. “Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen“ und 4. „Welche Nebenwirkungen sind möglich?“).
Lepra
Hinweis: Die Behandlung der Lepraerkrankung erfolgt immer als Kombinationstherapie mit weiteren gegen den Erreger der Lepra wirksamen Substanzen. Die Behandlung erfolgt üblicherweise in Form von sich wiederholenden Zyklen von jeweils 4 Wochen Länge. Nur am ersten Tag eines solchen Behandlungszyklus wird Rifampicin kombiniert mit anderen anti-lepromatösen Wirkstoffen eingenommen.
Die Therapie der paucibazillären Lepra erstreckt sich üblicherweise über 6 Behandlungszyklen von je 28 Tagen, an denen Rifampicin jeweils nur am 1. Tag eingesetzt wird.
Die Therapie der multibazillären Lepra erstreckt sich üblicherweise über 12 Behandlungszyklen von je 28 Tagen, an denen Rifampicin jeweils nur am 1. Tag eingesetzt wird.
Erwachsene und Jugendliche über 14 Jahren:
Erwachsene nehmen am ersten Tag eines Behandlungszyklus einmalig 600 mg Rifampicin ein (entspricht der Tagesmaximaldosis).
Kinder und Jugendliche bis 14 Jahren:
Kinder (10 - 14 Jahre) nehmen am ersten Tag eines Behandlungszyklus einmalig 450 mg
Rifampicin ein (entspricht der Tagesmaximaldosis).
Kinder ab 6 bis 10 Jahren erhalten am ersten Tag eines Behandlungszyklus einmalig 10 mg Rifampicin/kg Körpergewicht.
Auswahl und Dosierung der Kombinationspartner sind den jeweils aktuellen Richtlinien zur Therapie der pauci- und multibazillären Lepra zu entnehmen.
Für Kinder unter 6 Jahren sind Arzneimittel in Form von Tabletten nicht geeignet.
13/21
Nicht-mykobakterielle Infektionen
Staphylokokken-Infektionen:
Immer in Kombination mit anderen Antibiotika/Chemotherapeutika.
Erwachsene:
600 - 1200 mg/Tag verteilt auf 2 oder 3 Gaben
Jugendliche ab 12 Jahren bis zum vollendeten 18. Lebensjahr:
10 - 20 mg/kg/Tag; die maximale Tagesdosis von 600 mg bei langfristiger Therapie soll nur in begründeten Ausnahmefällen überschritten werden.
Kinder ab 6 Jahren bis zum 12. Lebensjahr:
10 - 20 mg/kg/Tag; die maximale Tagesdosis von 450 mg bei längerfristiger Therapie soll nur in begründeten Ausnahmefällen überschritten werden.
Die Dauer der Kombinationstherapie richtet sich nach der Art der Infektion und kann mehrere Wochen betragen.
Für Kinder unter 6 Jahren sind Arzneimittel in Form von Tabletten nicht geeignet.
Brucellose
EREMFAT 600 mg (in Kombination mit Doxycyclin):
Erwachsene:
600 - 900 mg/Tag als einmalige morgendliche Gabe.
Behandlungsdauer: über 5 - 7 Wochen. Gleichzeitig soll Doxycyclin (2 x 100 mg täglich)
verabreicht werden.
Jugendliche und Kinder über 8 Jahren:
10 - 15 mg/kg/Tag Rifampicin, verteilt auf 1 - 2 Einzeldosen, über 5 - 7 Wochen. In
Kombination mit Doxycyclin.
Doxycyclindosierung: Bei mehr als 45 kg Körpergewicht (KG) gilt die Erwachsenendosis, bei weniger als 45 kg/KG gelten 2,2 mg /kg zweimal täglich.
Kinder von 6 bis 8 Jahren:
10 - 15 mg/kg/Tag Rifampicin aufgeteilt auf 1 - 2 Einzeldosen, über 5 - 7 Wochen. In
Kombination mit Trimethoprim/Sulfamethoxazol: Trimethoprim 6 - 8 mg/kg/Tag und
Sulfamethoxazol 30 - 40 mg/kg/Tag, in 1 - 2 Einzeldosen.
Für Kinder unter 6 Jahren sind Arzneimittel in Form von Tabletten nicht geeignet.
14/21 Vorbeugung (Prophylaxe) der Meningokokken-Hirnhautentzündung (Meningokokken-Meningitis)
Hinweis:
Obwohl gewöhnlich die Anwendung von Rifampicin immer in Kombination mit weiteren antimykobakteriell wirksamen Antibiotika/Chemotherapeutika erfolgen soll, bildet die Meningokokkenprophylaxe eine Ausnahme: Rifampicin wird in einer Einzeltherapie mit einer hohen Dosis über 2 Tage verabreicht.
Erwachsene, Jugendliche und Kinder über 60 kg Körpergewicht (KG):
2-mal täglich 600 mg, 2 Tage lang.
Jugendliche und Kinder bis 60 kg KG:
2-mal täglich 10 mg/kg Körpergewicht, 2 Tage lang.
Für Kinder unter 6 Jahren sind Arzneimittel in Form von Tabletten nicht geeignet.
Hinweise zur Dosierung bei bestimmten Patientengruppen:
Dosierung bei eingeschränkter Leberfunktion
Bei leichteren Leberfunktionsstörungen entscheidet Ihr Arzt, ob eine Behandlung unter Umständen noch mit einer verminderten Dosis von EREMFAT 600 mg erfolgt. Dabei kann eine gleichzeitige Kontrolle der Blutspiegel von Rifampicin erfolgen. Wenn Sie unter einer in stärkerem Maße eingeschränkten Leberfunktion leiden, dürfen Sie EREMFAT 600 mg nicht einnehmen.
Dosierung bei eingeschränkter Nierenfunktion
Wenn Sie unter einer eingeschränkten Nierenfunktion leiden, können Sie EREMFAT 600 mg unter der Voraussetzung, dass Ihre Leberfunktion normal ist, ohne Dosisanpassung einnehmen. Dies gilt auch, wenn Sie Dialysepatient sind.
Dosierung bei gleichzeitig eingeschränkter Leber- und Nierenfunktion
Bei leichteren Leberfunktionsstörungen kann Ihr Arzt auch bei eingeschränkter Nierenfunktion entscheiden, Sie noch mit einer verminderten Dosis von EREMFAT 600 mg zu behandeln. In diesem Fall wird Ihr Arzt jedoch Ihre Blutspiegel von Rifampicin bestimmen sowie Ihre Leberfunktion engmaschig kontrollieren.
Wenn Sie unter einer in stärkerem Maße eingeschränkten Leberfunktion leiden und Ihre
Nierenfunktion gleichzeitig eingeschränkt ist, dürfen Sie EREMFAT 600 mg nicht
einnehmen.
Dosierung bei älteren, unterernährten und an Alkoholsucht leidenden Patienten
Bei allen Patienten, insbesondere jedoch bei den genannten Risikogruppen muss der behandelnde Arzt die Leberfunktion regelmäßig während der Behandlung überwachen, um eine mögliche Schädigung der Leber frühzeitig erkennen zu können.
15/21
Art der Anwendung
Zum Einnehmen.
Nehmen Sie die Tagesgesamtdosis von Rifampicin bei der Tuberkulosebehandlung wie auch bei der Behandlung der nichttuberkulösen Mykobakteriosen in einer Einmaldosis ein.
Nehmen Sie die Filmtabletten bitte mit ausreichend Flüssigkeit mindestens eine halbe Stunde vor oder 2 Stunden nach einer Mahlzeit (z. B. 1 Glas Wasser) ein.
Bei einer eventuellen Magenunverträglichkeit kann die Gabe auch nach einer leichten
Mahlzeit erfolgen, ohne dass dadurch die Wirksamkeit wesentlich beeinträchtigt wird.
Vermeidung bakterieller Resistenzentwicklung
Um die Entwicklung von Rifampicin-unempfindlichen (resistenten) Bakterien zu verhindern, müssen Sie EREMFAT 600 mg, insbesondere bei der Behandlung der Tuberkulose sowie der nichttuberkulösen Mykobakteriosen mit anderen Antibiotika (Mittel gegen Infektionskrankheiten) zusammen einnehmen.
Eine Ausnahme hiervon stellt die Vorbeugung (Prophylaxe) der Meningokokken-Hirnhautentzündung dar, in welcher Rifampicin über einen Zeitraum von 2 Tagen allein eingesetzt wird.
Wegen möglicher Resistenzentwicklung der Meningokokken (Entwicklung unempfindlicher Bakterien) gegen Rifampicin sind Kontaktpersonen, die vorbeugend mit Rifampicin zwecks Verhinderung einer Meningokokken-Meningitis (durch Meningokokken verursachte Hirnhautentzündung) behandelt werden, sorgfältig bezüglich des tatsächlichen Auftretens einer Meningokokken-Hirnhautentzündung zu überwachen.
Dauer der Anwendung
Im Rahmen der Standardtherapie der Tuberkulose (Dauer: 6 - 8 Monate) wird Rifampicin über die gesamte Dauer von 6 bzw. 8 Monaten gegeben. In der Anfangsphase (2 Monate) wird es mit Isoniazid, Pyrazinamid und gegebenenfalls mit Ethambutol oder Streptomycin, in der vier- bis sechsmonatigen Stabilisierungsphase mit Isoniazid allein kombiniert.
Behandlungsschemata der Tuberkulose, in denen - dem Ergebnis der Empfindlichkeitsprüfung der Erreger entsprechend - die Kombinationspartner von Rifampicin verändert werden müssen oder in denen Rifampicin aus anderen – z. B.
Verträglichkeitsgründen – nicht über den gesamten Therapiezeitraum gegeben werden kann, müssen in unterschiedlichem Ausmaß verlängert werden.
Wenn Sie einer der im Folgenden genannten Patientengruppen angehören, kontaktieren Sie bitte Ihren Arzt oder Apotheker, um mit diesem über ein individuelles Behandlungsschema zu sprechen:
- Patienten, die die Standardkombination nicht vertragen,
- HIV-positive Patienten,
- Patienten mit chronischer Tuberkulose,
- Wiederbehandelte Patienten nach Therapieversagen,
- Patienten, bei denen eine multiresistente Form der Tuberkulose vorliegt (MDR- oder XDR-Tuberkulose).
16/21 Im Falle von Erkrankungen, hervorgerufen durch nichttuberkulöse Mykobakterien oder den Erreger der Lepra (Mycobacterium leprae), wird die Dauer der Therapie in Abhängigkeit vom Krankheitsverlauf vom behandelnden Arzt festgelegt.
Zur Prophylaxe der Meningokokken-Hirnhautentzündung (Meningokokken-Meningitis)
erfolgt die Therapie über einen Zeitraum von 2 Tagen.
Wenn Sie eine größere Menge von EREMFAT 600 mg eingenommen haben, als Sie sollten
Folgende Symptome sind nach einer akuten Überdosierung beschrieben worden:
- Übelkeit, Erbrechen (Verfärbung des Mageninhalts), Juckreiz, Schmerzen im gesamten Bauchbereich, Gallestau (Cholestase),
- Haut, Skleren (weißer Teil des sichtbaren Auges) sowie Schleimhäute können eine gelb-orange Verfärbung aufweisen,
- andere Ausscheidungen wie Urin und Stuhl sind möglicherweise verfärbt,
- bei extremer Überdosierung kann es zu Unruhe, Atemnot, beschleunigtem Herzschlag, Epilepsie-artigen Krämpfen und Atem- sowie Herzstillstand kommen.
Es ist so schnell wie möglich ein Arzt zu informieren.
Hinweis für das medizinische Fachpersonal: Weitere Informationen zur Überdosierung finden Sie am Ende dieser Gebrauchsinformation.
Wenn Sie die Einnahme von EREMFAT 600 mg vergessen haben
Nehmen Sie nicht die doppelte Menge ein, wenn Sie die vorherige Einnahme vergessen
haben.
Setzen Sie die Behandlung mit EREMFAT 600 mg ohne eine zusätzliche Gabe mit der
verordneten Dosis fort.
Wenn Sie die Einnahme von EREMFAT 600 mg abbrechen
Selbst nach einer spürbaren Besserung Ihres Befindens ist die Behandlung unbedingt zu Ende zu führen, da nur so eine vollständige Beseitigung der Erreger gewährleistet ist.
Bei dennoch vorgenommener Unterbrechung der Behandlung fragen Sie vor Wiederaufnahme der Behandlung unbedingt Ihren Arzt, da unter Umständen mit schweren Komplikationen zu rechnen ist.
Wenn Sie weitere Fragen zur Einnahme dieses Arzneimittels haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.
4. Welche Nebenwirkungen sind möglich?
Wie alle Arzneimittel kann auch dieses Arzneimittel Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem auftreten müssen.
Bedeutsame Nebenwirkungen oder Zeichen, auf die Sie achten sollten, und Maßnahmen, wenn Sie betroffen sind:
17/21 Wenn Sie von einer der nachfolgend genannten Nebenwirkungen betroffen sind, nehmen Sie EREMFAT 600 mg nicht weiter ein und suchen Sie Ihren Arzt möglichst umgehend auf.
Sehr häufig (kann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen):
Erhöhung von Leberenzymen (SGOT, SGPT, alkalische Phosphatase, -Glutamyltranspeptidase) im Blutserum.
Häufig (kann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen):
Leichte Überempfindlichkeitsreaktionen wie Fieber, entzündliche Hauterkrankungen
(Erythema exsudativum multiforme), Juckreiz sowie Nesselsucht (Urtikaria);
Appetitlosigkeit, Magenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Blähungen (Meteorismus) und
Durchfälle.
Paradoxe Arzneimittelreaktion: Nach einer anfänglichen Besserung während der Behandlung können die Symptome der Tuberkulose erneut auftreten oder neue Symptome auftreten.
Paradoxe Reaktionen wurden bereits 2 Wochen oder auch erst 18 Monate nach Beginn der Behandlung gegen Tuberkulose berichtet. Paradoxe Reaktionen gehen in der Regel mit Fieber, geschwollenen Lymphknoten (Lymphadenitis), Atemnot und Husten einher. Bei Patienten mit paradoxer Arzneimittelreaktion können auch Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust auftreten.
Gelegentlich (kann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen):
Gelbsucht (Ikterus) und Lebervergrößerung (Hepatomegalie), die meist von vorübergehender Natur ist.
Selten (kann bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen):
Veränderung der Zahl der weißen Blutkörperchen (Eosinophilie, Leukopenie,
Granulozytopenie), Blutplättchenmangel (Thrombozytopenie) mit Hautblutungen
(thrombozytopenische Purpura), Mangel eines Blutgerinnungsfaktors
(Hypoprothrombinämie) und Blutarmut (hämolytische Anämie). Siehe auch Abschnitt 2.
“Was sollten Sie vor der Einnahme von EREMFAT 600 mg beachten?“;
verstreute Gerinnungsstörung innerhalb der Blutgefäße (disseminierte intravasale
Koagulopathie);
schwere Reaktionen wie Atemnot, Asthma-artige Anfälle, Flüssigkeitsansammlung in der Lunge (Lungenödem) und sonstige Flüssigkeitsansammlungen in den Geweben (Ödeme) bis hin zum allergischen (anaphylaktischen) Schock;
Menstruationsstörungen, Störung der Wirksamkeit hormonaler Verhütungsmittel sowie
Addison-Krise bei Addison-Patienten;
Sehstörungen (Entzündung des Sehnervs und Verlust der Sehfähigkeit);
akute Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis);
Anstieg von Bilirubin (Laborwerte zur Leberkontrolle) im Blutserum (siehe auch Abschnitt 2.“Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen“);
18/21 Muskelerkrankungen (Myopathien); Nierenfunktionsstörungen.
Sehr selten (kann bis zu 1 von 10.000 Behandelten betreffen):
Lupus-ähnliches Syndrom (Entzündungskrankheit) mit Fieber, Schwächegefühl, Muskel- und Gelenkschmerzen und dem Auftreten von Antikörpern gegen Zellkerne (antinukleärer Antikörper) sowie Flu-Syndrom mit grippeähnlicher Symptomatik in Zusammenhang mit einer Intervall-Behandlung bzw. nach nicht regelmäßiger Rifampicin-Einnahme (siehe auch Abschnitt “Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen“);
schwere allergische Hautreaktionen mit blasenförmiger Abhebung der Haut (toxische
epidermale Nekrolyse, exfoliative Dermatitis, Lyell-Syndrom);
Verwirrtheit und/oder Psychosen; Bewegungsstörungen (Ataxie), Konzentrationsunfähigkeit, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schwindel, Schmerzen in den Armen und Beinen sowie Taubheitsgefühl; schwere Darmerkrankung (Clostridium difficile-assoziierte Diarrhö, pseudomembranöse Enterokolitis), die durch schwere, anhaltende Durchfälle gekennzeichnet ist (erfordert eine sofortige und angemessene Behandlung (z. B. Einnahme von speziellen Antibiotika, deren Wirksamkeit klinisch erwiesen ist)); akute Leberentzündung (Hepatitis); Muskelschwäche; akutes Nierenversagen.
Nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar):
Entwicklung einer Porphyrie;
bräunlich-rote Verfärbung der Tränenflüssigkeit (ist unbedenklich und durch die Eigenfarbe des Wirkstoffs bedingt (siehe auch Abschnitt 2. “Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen“));
Arzneimittelreaktion, die Ausschlag, Fieber, Entzündungen innerer Organe, hämatologische Anomalien und systemische Erkrankung verursacht (DRESS-Syndrom); schwere Hauterkrankung mit Störung des Allgemeinbefindens, Fieber und schmerzhafter Blasenbildung besonders im Mund-, Augen und Genitalbereich (Stevens-Johnson-Syndrom); Nierenentzündungen (interstitielle Nephritis) und Gewebezerstörung in bestimmten Bereichen der Nieren (Tubulusnekrosen);
allergisch bedingte Entzündungen der Blutgefäße (Leuko-zytoklastische Vaskulitis);
Vitamin-K abhängige Gerinnungsstörungen evtl. mit ungewöhnlichen Blutungen;
Blutungen bei der Mutter und dem Neugeborenen kommen nach der Geburt vor, wenn
EREMFAT während der letzten Schwangerschaftswochen angewendet wurde (siehe auch
Abschnitt „Schwangerschaft, Stillzeit und Fortpflanzungsfähigkeit“).
Meldung von Nebenwirkungen
Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker. Dies gilt auch für Nebenwirkungen, die nicht in dieser Packungsbeilage angegeben sind.
Sie können Nebenwirkungen auch direkt über das nationale Meldesystem anzeigen:
Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen
Traisengasse 5
1200 WIEN
19/21 ÖSTERREICH Fax: + 43 (0) 50 555 36207 Website: http://www.basg.gv.at/
Indem Sie Nebenwirkungen melden, können Sie dazu beitragen, dass mehr Informationen
über die
Sicherheit dieses Arzneimittels zur Verfügung gestellt werden.
5. Wie ist EREMFAT 600 mg aufzubewahren?
Nicht über 25 °C lagern.
In der Originalverpackung (Blisterpackungen im Umkarton) aufbewahren, um den Inhalt vor Licht zu schützen.
Bewahren Sie dieses Arzneimittel für Kinder unzugänglich auf.
Sie dürfen dieses Arzneimittel nach dem auf dem Umkarton/der Blisterpackung nach
„verwendbar bis“ angegebenen Verfalldatum nicht mehr verwenden. Das Verfalldatum
bezieht sich auf den letzten Tag des angegebenen Monats.
Entsorgen Sie Arzneimittel nicht im Abwasser oder Haushaltsabfall. Fragen Sie Ihren
Apotheker, wie das Arzneimittel zu entsorgen ist, wenn Sie es nicht mehr verwenden. Sie
tragen damit zum Schutz der Umwelt bei.
6. Inhalt der Packung und weitere Informationen
Was EREMFAT 600 mg enthält
- Der Wirkstoff ist: Rifampicin.
1 Filmtablette enthält 600 mg Rifampicin.
- Die sonstigen Bestandteile sind:
Tablettenkern:
Mikrokristalline Cellulose
Croscarmellose-Natrium
Magnesiumstearat (Ph. Eur.) [pflanzlich]
Hochdisperses Siliciumdioxid
Sorbitol (Ph. Eur.) (E 420)
Tablettenüberzug:
Hypromellose
Macrogol (6000)
Propylenglycol (E 1520)
Eisen(III)-oxid (E 172)
Titandioxid (E 171)
Wie EREMFAT 600 mg aussieht und Inhalt der Packung
Rotbraune, beidseitig gewölbte, längliche Filmtablette mit beidseitiger Bruchkerbe. Die
Filmtablette kann in gleiche Dosen geteilt werden.
20/21 EREMFAT ist in PVC/Aluminium Blisterpackungen zu 30 Filmtabletten erhältlich.
Pharmazeutischer Unternehmer und Hersteller
Pharmazeutischer Unternehmer
Esteve Pharmaceuticals GmbH
Hohenzollerndamm 150-151
14199 Berlin
Deutschland
phone +49 30 338427-0
e-mail info.germany@esteve.com
Hersteller
SW Pharma GmbH
Robert-Koch-Straße 1
66578 Schiffweiler
Deutschland
Z.Nr.: 1-20123
Diese Packungsbeilage wurde zuletzt überarbeitet im Februar 2026.
Die folgenden Informationen sind für medizinisches Fachpersonal bestimmt:
Therapie von Intoxikationen
Nach oraler Aufnahme vermutlich toxischer Dosen von Rifampicin ist sofort in geeigneter
Weise für eine Eliminierung des Arzneimittels zu sorgen. Die weitere Behandlung erfolgt
symptomatisch. Kontrollen der Leberfunktion und des Blutbildes sind notwendig.
Durch Hämo- und Peritonealdialyse ist keine bedeutsame Minderung der Rifampicin-Serumkonzentration zu erzielen. Sofern erforderlich, sind allgemeine supportive Maßnahmen zur Erhaltung der vitalen Funktionen einzuleiten.
21/21
Fachinformation
ZUSAMMENFASSUNG DER MERKMALE DES ARZNEIMITTELS
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
EREMFAT 450 mg - Filmtabletten
EREMFAT 600 mg - Filmtabletten
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
Wirkstoff: Rifampicin
EREMFAT 450 mg:
1 Filmtablette EREMFAT 450 mg enthält 450 mg Rifampicin.
EREMFAT 600 mg:
1 Filmtablette EREMFAT 600 mg enthält 600 mg Rifampicin.
Sonstiger Bestandteil mit bekannter Wirkung: Sorbitol (E 420)
EREMFAT 450 mg: 290 mg/Filmtablette
EREMFAT 600 mg: 387 mg/Filmtablette
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
EREMFAT 450 mg:
Rotbraune, beidseitig gewölbte, runde Filmtablette mit einseitiger Bruchkerbe.
EREMFAT 600 mg:
Rotbraune, beidseitig gewölbte, längliche Filmtablette mit beidseitiger Bruchkerbe.
Die Filmtablette kann in gleiche Dosen geteilt werden (gilt für beide Stärken).
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
- Tuberkulose (alle Formen):
Zur Therapie aller Formen und Stadien der Tuberkulose, deren Erreger gegen Rifampicin empfindlich sind. EREMFAT muss immer mit mindestens einem anderen Tuberkulosemittel kombiniert werden.
- Lepra:
Bei multibazillärer und paucibazillärer Lepra zur Konversion des infektiösen zum nicht-infektiösen Zustand. Gleichzeitig mit Rifampicin ist mindestens eine weitere antilepromatöse Substanz zu verabreichen.
- Methicillin-resistente Staphylokokken-Infektionen (MRSA) und schwerwiegende Staphylokokken-Infektionen:
Rifampicin ist nur zur Therapie schwerwiegender Staphylokokken-Infektionen indiziert, wenn
- die Keime resistent gegenüber den erstrangigen, normalerweise eingesetzten Antibiotika sind, - die Keime nachgewiesenermaßen empfindlich gegenüber Rifampicin sind,
- Rifampicin immer in Kombination mit weiteren gegen den betreffenden Erregerstamm wirksamen Antibiotika eingesetzt wird.
1/29 - Brucellose:
In Kombination mit einem Tetracyclin, z. B. Doxycyclin, sofern die Kombination Tetracyclin und Streptomycin kontraindiziert ist.
- Meningokokken-Meningitis-Prophylaxe:
Prophylaktische Anwendung bei Personen nach engem Kontakt (z. B. in Haushalt, Kinderkrippen, Schulen, Massenunterkünften) mit einem an Meningokokken-Meningitis erkrankten Patienten. Angesichts der Möglichkeit einer raschen Resistenzentwicklung der Keime ist auf etwaige erste Zeichen einer manifesten Infektion speziell zu achten. EREMFAT darf nicht zur Behandlung einer manifesten Meningokokken-Meningitis angewendet werden.
- Meningokokken-Träger:
Behandlung von asymptomatischen Trägern von Neisseria meningitidis aus dem Nasopharynx vermag das bei diesen Kontaktpersonen signifikant erhöhte Infektionsrisiko zu senken.
Die üblichen und allgemein anerkannten Richtlinien für den angemessenen Gebrauch von antimikrobiellen Wirkstoffen sind bei der Anwendung zu berücksichtigen.
EREMFAT wird angewendet bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab 6 Jahren.
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
Um einer Resistenzentwicklung entgegenzuwirken, muss Rifampicin immer in Kombination mit anderen wirksamen antimikrobiellen Arzneimitteln verabreicht werden.
Tuberkulose
Rifampicin gehört zu den Standardtherapeutika der Tuberkulose und muss immer im Rahmen eines Kombinationsregimes verabreicht werden.
Dosierung von Rifampicin bei der Tuberkulose-Therapie
Erwachsene und Jugendliche über 14 Jahren:
10 (8 - 12) mg/kg Körpergewicht
(Tagesmaximaldosis: 600 mg; Tagesminimaldosis: 450 mg)
Diese Dosierungsempfehlung gilt sowohl für die tägliche als auch die intermittierende Therapie.
Kinder ab 6 Jahren und Jugendliche bis 14 Jahre:
10 - 20 mg/kg Körpergewicht, täglich
(Tagesmaximaldosis: 600 mg)
Kinder unter 6 Jahren:
EREMFAT ist zur Anwendung bei Kindern unter 6 Jahren nicht geeignet. Flüssige Rifampicin-Darreichungsformen stehen für diese Patienten zur Verfügung.
Dosierung nach Therapieunterbrechung:
Der Wiederbeginn der Gabe von Rifampicin nach einer Therapieunterbrechung im Rahmen der täglichen Therapie der Tuberkulose hat einschleichend zu erfolgen. Am ersten Tag wird bei Erwachsenen und Jugendlichen über 14 Jahren mit 50-150 mg behandelt und dann sukzessiv (z. B. um 50 - 150 mg täglich) bis zur gewünschten Dosis gesteigert. Zu Risiken bei Wiederaufnahme der Therapie mit Rifampicin (Flu-Syndrom), siehe Abschnitt 4.4.
2/29 Dosierung bei intermittierender Therapie:
10 (8 - 12) mg / kg Körpergewicht 3-mal wöchentlich, wobei die maximale Tagesdosis von 600 mg wie auch bei der täglichen Therapie nicht überschritten werden darf.
Dosierungsintervalle und Dauer der Behandlung bei der Tuberkulose-Therapie Rifampicin kann täglich oder 3-mal wöchentlich während der Weiterführungsphase (siehe unten), verabreicht werden.
Rifampicin ist ein Bestandteil aller 6- und 8-monatigen chemotherapeutischen Tuberkulose-Regime, die von der WHO empfohlen werden. Um einer Resistenzentwicklung entgegenzuwirken, muss Rifampicin immer in Kombination mit anderen wirksamen antimikrobiellen Arzneimitteln verabreicht werden.
Die durch die WHO-empfohlenen Behandlungsregime bestehen aus einer Initialphase, die mindestens 2 Monate dauert, und einer Weiterführungsphase, die gewöhnlich 4 - 6 Monate dauert.
Während der Initialphase wird gewöhnlich eine Dreier-Kombination der Wirkstoffe Isoniazid, Rifampicin und Pyrazinamid verabreicht. Falls indiziert, wird ein weiteres Antituberkulotikum, z. B. Streptomycin oder Ethambutol, verabreicht. In der Initialphase erfolgt eine tägliche Gabe der Tuberkulostatika.
In der Weiterführungsphase besteht die Behandlung üblicherweise aus Rifampicin und Isoniazid. Falls indiziert, soll eine weitere Substanz, z. B. Ethambutol, verabreicht werden. Während der Weiterführungsphase kann eine intermittierende Gabe (3-mal wöchentlich) erwogen werden, diese muss jedoch unter strenger ärztlicher Überwachung durchgeführt werden (siehe auch Abschnitt 4.4). Die intermittierende Therapie der Tuberkulose soll nur in begründeten Ausnahmefällen und bei Erregern mit voller Sensitivität gegen Erstlinientherapeutika eingesetzt werden.
Bei den folgenden Patientengruppen müssen modifizierte bzw. individuell-eingestellte Therapieregime verabreicht werden:
- Patienten, die die Standardkombination nicht vertragen,
- HIV-positive Patienten,
- Patienten mit chronischer Tuberkulose,
- Wiederbehandelte Patienten nach Therapieversagen,
- Patienten, bei denen eine MDR- oder XDR-Tuberkulose vorliegt.
Die Therapieregime sollen entsprechend den Richtlinien der WHO modifiziert werden.
Lepra
Rifampicin wird immer in Kombination mit weiteren gegen Mycobacterium leprae-wirksamen Antiinfektiva eingesetzt, um eine Resistenzbildung zu vermeiden.
Dosierung von Rifampicin bei der Lepra-Therapie
Erwachsene und Jugendliche über 14 Jahren (paucibazilläre und multibazilläre Lepra):
600 mg einmal am ersten Tag des Behandlungszyklus (entspricht der Maximaldosis)
Kinder ab 10 Jahren und Jugendliche bis 14 Jahre (paucibazilläre und multibazilläre Lepra):
450 mg einmal am ersten Tag des Behandlungszyklus (entspricht der Maximaldosis)
3/29 Kinder ab 6 Jahren bis 10 Jahre (paucibazilläre und multibazilläre Lepra):
10 mg / kg Körpergewicht einmal am ersten Tag des Behandlungszyklus
Kinder unter 6 Jahren:
EREMFAT ist zur Anwendung bei Kindern unter 6 Jahren nicht geeignet. Flüssige Rifampicin-Darreichungsformen stehen für diese Patienten zur Verfügung.
Dosierungsintervalle und Dauer der Behandlung bei der Lepra-Therapie
Entsprechend den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird Rifampicin bei der:
| a: | paucibazillären Lepra jeweils nur am ersten Tag eines insgesamt 28 Tage andauernden Behandlungszyklus bei Erwachsenen und Kindern kombiniert mit dem Wirkstoff Dapson eingesetzt. In den folgenden 27 Tagen erfolgt eine Monotherapie mit Dapson. Dieser 28-tägige Zyklus wird insgesamt 6-mal durchgeführt. |
| b: | multibazillären Lepra jeweils nur am ersten Tag eines insgesamt 28 Tage andauernden Behandlungszyklus bei Erwachsenen und Kindern kombiniert mit den Wirkstoffen Dapson und Clofazimin eingesetzt. In den folgenden 27 Tagen erfolgt eine Kombinationstherapie mit Dapson und Clofazimin. Dieser 28-tägige Zyklus wird insgesamt 12-mal durchgeführt. |
Staphylokokken-Infektionen
Die Anwendung von Rifampicin zur Therapie von Staphylokokken-Infektionen ist auf bestimmte Situationen beschränkt (siehe Abschnitt 4.1). Die Erregerempfindlichkeit gegenüber Rifampicin soll nach Möglichkeit vor Beginn der Therapie nachgewiesen werden. Rifampicin muss immer in Kombination mit anderen Antibiotika verabreicht werden, um einer Resistenzentwicklung entgegenzuwirken. Im Falle eines Rezidivs wird von einer erneuten Verabreichung von Rifamycinen ohne vorherige bakteriologische Testung abgeraten.
Dosierung von Rifampicin bei schwerwiegenden Staphylokokken-Infektionen:
Erwachsene:
600 - 1200 mg täglich, verteilt auf 2 oder 3 Gaben
Jugendliche ab 12 Jahren bis zum vollendeten 18. Lebensjahr:
10 - 20 mg/kg/Tag; die maximale Tagesdosis von 600 mg bei langfristiger Therapie soll nur in begründeten Ausnahmefällen überschritten werden.
Kinder ab 6 Jahren bis zum 12. Lebensjahr:
10 - 20 mg/kg/Tag; die maximale Tagesdosis von 450 mg bei langfristiger Therapie soll nur in begründeten Ausnahmefällen überschritten werden.
Kinder unter 6 Jahren:
EREMFAT ist zur Anwendung bei Kindern unter 6 Jahren nicht geeignet. Flüssige Rifampicin-Darreichungsformen stehen für diese Patienten zur Verfügung.
Dauer der Therapie bei schwerwiegenden Staphylokokken-Infektionen:
Die Dauer der Kombinationstherapie mit Rifampicin richtet sich nach dem Manifestationstyp der Infektion und kann, wie z. B. bei der Staphylokokken-Endokarditis, mehrere Wochen betragen. Die Beendigung der Therapie mit Rifampicin soll sich am Therapieverlauf sowie der klinischen
4/29 Symptomatik und Entzündungssymptomatik orientieren. Entsprechende Untersuchungen zur Entzündungssymptomatik und, wenn möglich, der Nachweis der Keimeradikation (z. B. die Anlage bakteriologischer Kulturen) sollen als Grundlage für die Entscheidung zum Therapieende herangezogen werden.
Brucellose
Erwachsene:
1-mal täglich 600 - 900 mg Rifampicin, über 5 - 7 Wochen. Gleichzeitig soll Doxycyclin (2 x 100 mg täglich) verabreicht werden.
Jugendliche und Kinder über 8 Jahren:
10 - 15 mg/kg/Tag Rifampicin, aufgeteilt in 1 - 2 Einzeldosen, über 5 - 7 Wochen. In Kombination mit Doxycyclin. Doxycyclindosierung:
> 45 kg: Erwachsenendosis
< 45 kg: 2,2 mg/kg zweimal täglich.
Kinder von 6 bis 8 Jahren:
10 - 15 mg/kg/Tag Rifampicin aufgeteilt in 1 - 2 Einzeldosen, über 5 - 7 Wochen. In Kombination mit Trimethoprim/Sulfamethoxazol: Trimethoprim 6 - 8 mg/kg/Tag und Sulfamethoxazol 30 - 40 mg/kg/Tag, in 1 - 2 Einzeldosen.
Kinder unter 6 Jahren:
EREMFAT ist zur Anwendung bei Kindern unter 6 Jahren nicht geeignet. Flüssige Rifampicin-Darreichungsformen stehen für diese Patienten zur Verfügung.
Meningokokken-Meningitis-Prophylaxe und Behandlung von Meningokokken-Trägern
Obwohl gewöhnlich die Anwendung von Rifampicin immer in Kombination mit weiteren antimykobakteriell wirksamen Antiinfektiva erfolgen soll, bildet die Meningokokkenprophylaxe eine Ausnahme: Rifampicin wird in Monotherapie mit einer hohen Dosis über 2 Tage verabreicht.
Erwachsene, Jugendliche und Kinder über 60 kg Körpergewicht:
2-mal täglich 600 mg, 2 Tage lang
Jugendliche und Kinder bis 60 kg Körpergewicht:
2-mal täglich 10 mg/kg KG, 2 Tage lang
Kinder unter 6 Jahren:
EREMFAT ist zur Anwendung bei Kindern unter 6 Jahren nicht geeignet. Flüssige Rifampicin-Darreichungsformen stehen für diese Patienten zur Verfügung.
Hinweise zur Dosierung bei bestimmten Patientengruppen:
Dosierung bei eingeschränkter Leberfunktion:
Bei leichteren Leberfunktionsstörungen (obgleich bei Patienten zusätzlich individuelle Unterschiede beachtet werden müssen, können Transaminasewerte <100 U/l als Richtwert angesehen werden) kann unter Umständen noch mit reduzierter Dosis (8 mg Rifampicin pro kg Körpergewicht) behandelt werden, eventuell unter Serumspiegelkontrolle (siehe Abschnitt 5.2).
5/29 Bei stärker eingeschränkter Leberfunktion (Transaminasen > 100 U/l) ist Rifampicin kontraindiziert (siehe Abschnitt 4.3).
Dosierung bei eingeschränkter Nierenfunktion:
Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion kann Rifampicin unter der Voraussetzung, dass die Leberfunktion normal ist, ohne Dosisanpassung verabreicht werden. Dies gilt auch für Dialysepatienten (siehe Abschnitt 5.2).
Dosierung bei gleichzeitig vorliegender eingeschränkter Leber- und Nierenfunktion:
Bei leichteren Leberfunktionsstörungen (Transaminasewerte <100 U/l als Richtwert) kann auch bei eingeschränkter Nierenfunktion unter Umständen noch mit reduzierter Dosis (8 mg Rifampicin pro kg Körpergewicht) von Rifampicin behandelt werden (siehe Abschnitt 5.2). In diesem Fall sind jedoch Serumspiegelbestimmungen sowie eine engmaschige Kontrolle der Leberfunktion erforderlich.
Bei stärker eingeschränkter Leberfunktion (Transaminasen > 100 U/l) ist Rifampicin kontraindiziert (siehe Abschnitt 4.3).
Dosierung bei älteren Patienten:
Zur Dosierung bei älteren Patienten liegen keine ausreichenden Erfahrungen aus kontrollierten klinischen Studien vor.
Art der Anwendung
Zum Einnehmen.
Um eine ungestörte Resorption zu gewährleisten, soll EREMFAT mit ausreichend Flüssigkeit (z. B. 1 Glas Wasser) mindestens eine halbe Stunde vor oder 2 Stunden nach einer Mahlzeit eingenommen werden. Bei eventueller Magenunverträglichkeit kann die Gabe auch nach einer leichten Mahlzeit erfolgen, ohne dass dadurch die Wirksamkeit wesentlich beeinträchtigt wird.
Um eine Resistenzentwicklung zu verhindern, muss die Therapie mit Rifampicin immer in Kombination mit weiteren wirksamen Antiinfektiva erfolgen.
Dies gilt nicht für die Meningokokkenprophylaxe, bei der Rifampicin in Monotherapie mit hoher Dosis für 2 Tage verabreicht wird.
4.3 Gegenanzeigen
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff (Rifampicin), andere Rifamycine oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile
- schwere Leberfunktionsstörungen wie Verschlussikterus, Hepatitis, Leberzirrhose mit und ohne eingeschränkter Nierenfunktion
- Auftreten einer Thrombozytopenie, thrombozytopenischen Purpura oder einer hämolytischen Anämie während der Therapie mit Rifampicin
- bei Vorliegen einer hepatischen Porphyrie (Porphyria cutanea tarda; siehe Abschnitt 4.4)
- bei Einsatz des potenziell leberschädigenden Narkosemittels Halothan (siehe Abschnitt 4.5)
- Rifampicin ist kontraindiziert bei gleichzeitiger Anwendung mit Arzneimitteln, die stark von seinem Potenzial zur Induktion von Arzneimittel-metabolisierenden Enzymen und Transportern betroffen sind (siehe Abschnitt 4.5), wie zum Beispiel gleichzeitige Therapie mit:
- Voriconazol (potenziell leberschädigendes Breitspektrum-Triazol-Antimykotikum)
- Amprenavir, Atazanavir, Darunavir, Fosamprenavir, Indinavir, Lopinavir, Nelfinavir, Saquinavir – mit, wie auch ohne Ritonavir - und Tipranavir (Proteaseinhibitoren)
- Delavirdin und Nevirapin (nicht-nukleosidische Reverse-Transkriptasehemmer)
6/29 - Cabotegravir (Integrase-Hemmer)
- Sofosbuvir (Polymerase-Inhibitor)
- Lurasidon (Neuroleptikum)
- Fostemsavir (HIV-1-Attachment-Inhibitor)
- Lenacapavir (Kapsid-Inhibitor)
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Resistenzentwicklung:
Um die Entwicklung und die Verbreitung von Mykobakterienstämmen mit Resistenzen gegen Antituberkulotika, im vorliegenden Fall mit Rifampicinresistenz zu verhindern, ist - wie alle anderen Antituberkulotika - auch Rifampicin immer mit mindestens einem weiteren Antibiotikum/Chemotherapeutikum zu kombinieren.
Lediglich zur Meningokokken-Prophylaxe wird Rifampicin in einer hohen Dosis über nur 2 Tage in Monotherapie angewendet (siehe Abschnitt 4.2).
Enzyminduzierende Eigenschaften von Rifampicin:
Die enzyminduzierenden Eigenschaften von Rifampicin können den Metabolismus endogener Substrate, einschließlich adrenaler Hormone, Schilddrüsenhormone und Vitamin D beeinflussen (siehe Abschnitt 4.5). Unter einer Behandlung mit Rifampicin kann es daher zu einer Reduktion der Vitamin D-Serumspiegel kommen. Eine prophylaktische Vitamin D-Gabe in üblicher Dosierung sollte in Betracht gezogen werden. In diesem Zusammenhang sind dann entsprechende Kontrollen erforderlich (z. B. Serum-Calciumspiegel, Serum-Phosphatspiegel, Überwachung der Nierenfunktion).
Gleichzeitige Anwendung von Rifampicin mit anderen Arzneimitteln:
Aufgrund einer Induktion des arzneimittelabbauenden Systems kann Rifampicin den Metabolismus gleichzeitig verabreichter Arzneimittel beeinflussen. Zu Beginn, während aber auch bei Beendigung einer Rifampicin-Therapie kann es daher notwendig sein, die Dosis gleichzeitig verabreichter Arzneimittel, vor allem solcher mit enger therapeutischer Breite, anzupassen – abhängig vom Einfluss des Rifampicins auf Ihren Metabolismus (siehe Abschnitt 4.5).
Besonders bei der Kombination mit anderen hepatotoxischen Arzneimitteln wie Paracetamol und vor allem anderer hepatotoxischer Antituberkulotika wie Isoniazid, Pyrazinamid und Protionamid, ist Vorsicht geboten.
Rifampicin und Porphyrie:
Durch seine enzyminduzierende Wirkung kann durch die Einnahme von Rifampicin eine Störung der Porphyrinsynthese (Defekt der Uroporphyrinogen-Decarboxylase, Aktivierung der Uroporphyrinogen-I-Synthetase) und dadurch eine Porphyria cutanea tarda ausgelöst werden, bei der hinsichtlich der Symptomatik eine Photodermatose im Vordergrund steht. Bei Patienten mit Porphyrie kann die Aktivierung der Delta-Aminolaevulinsäure-Synthetase zur akuten Manifestation der Porphyrie führen. In diesen Fällen ist EREMFAT sofort abzusetzen (siehe Abschnitte 4.3 und 4.8).
Wiederaufnahme der Rifampicinbehandlung, Lepra-Therapie oder intermittierende Verabreichung:
Bei Wiederaufnahme einer Rifampicin-Behandlung nach kurzer oder längerer Unterbrechung, bei intermittierender Therapie oder im Rahmen der Leprabehandlung, kann eine hyperergische Sofortreaktion mit grippeähnlichen Symptomen („Flu-Syndrom“), die mit gravierenden Komplikationen wie Schock oder Nierenversagen einhergehen können, eintreten (siehe Abschnitt 4.8).
7/29 Das Flu-Syndrom wird fast ausschließlich bei intermittierender bzw. nach nicht regelmäßiger Rifampicin-Einnahme beobachtet und tritt umso häufiger auf, je höher die einzelnen Dosen und je länger das dazwischen liegende Intervall waren. Es tritt meist 3 - 6 Monate nach Beginn einer intermittierenden Therapie auf und äußert sich in Symptomen wie Kopfschmerzen und allgemeinem Schwächegefühl, Fieber, Schüttelfrost, Exanthem, Übelkeit, Erbrechen, Muskel- und Gelenkschmerzen. Die Symptome treten 1 - 2 Stunden nach der Einnahme auf und dauern bis zu 8 Stunden, in Einzelfällen darüber hinaus, an (siehe Abschnitt 4.8). Es kann in fast allen Fällen durch Wechsel von der intermittierenden auf die tägliche Rifampicin-Gabe (nicht möglich bei der Therapie der Lepra) zum Verschwinden gebracht werden. Aus diesen Gründen muss bei Wiederaufnahme der Therapie nach Unterbrechung, beim Wechsel von der intermittierenden auf die tägliche Einnahme und bei Wiederholung der Therapie Rifampicin einschleichend dosiert werden (siehe Abschnitt 4.2).
Die Patienten sollten über die Risiken eines unbegründeten eigenmächtigen Therapieabbruchs und vor allem über die Risiken eines Neubeginns der Therapie ohne ärztliche Kontrolle informiert werden.
Hinweis zur Lepratherapie:
Während der Therapie der Lepra kommt es bei etwa einem Drittel der Patienten zu einer immunologisch vermittelten Entzündungsreaktion (= Leprareaktion) vom Typ-I (= reversal reaction) und Typ-II (= Erythema nodosum leprosum). Beim Auftreten schmerzhafter Hautknoten, Neuralgien, Fieber, Vaskulitis, Lymphadenitis, Proteinurie, Orchitis oder Daktylitis muss man an eine solche Reaktion denken und den Patienten sofort an einen Spezialisten überweisen. Die Verabreichung der monatlichen Dosis von Rifampicin sollte unter Supervision erfolgen. Wenn möglich, sollte die Behandlung von Beginn an durch einen Spezialisten erfolgen.
Überempfindlichkeitsreaktionen:
Beim Auftreten schwerwiegender Unverträglichkeitsreaktionen wie Thrombozytopenie, die sich eventuell auch als Nasenbluten äußern kann, Purpura, hämolytischer Anämie, Dyspnoe, asthmaartigen Anfällen, Schock und Nierenversagen ist Rifampicin sofort und endgültig abzusetzen (siehe Abschnitte
4.3 und 4.8) und die erforderlichen Notfallmaßnahmen sind einzuleiten.
Bei leichten Überempfindlichkeitsreaktionen wie beispielsweise Fieber, Hautrötungen, Pruritus oder Urtikaria kann nach einer Unterbrechung der Therapie und dem Abklingen der Symptome eine Weiterbehandlung möglich sein.
CDAD und Pseudomembranöse Enterokolitis:
Während bzw. nach Abschluss der Therapie mit Rifampicin entwickelt sich sehr selten eine Clostridium difficile-assoziierte Diarrhö (CDAD) und / oder pseudomembranöse Enterokolitis (siehe Abschnitt 4.8). Dann muss eine Beendigung der Gabe von Rifampicin in Abhängigkeit von der Indikation erwogen und gegebenenfalls sofort eine entsprechende Therapie eingeleitet werden (z. B. Einnahme von speziellen Antibiotika/Chemotherapeutika, deren Wirksamkeit gegenüber Clostridium difficile klinisch erwiesen ist). Peristaltikhemmende Arzneimittel sind kontraindiziert.
Verfärbungen von Körperflüssigkeiten:
Rifampicin hat eine intensiv bräunlich-rote Eigenfarbe, wodurch es nach Einnahme des Arzneimittels mit diesem Wirkstoff zu einer Verfärbung von Körperflüssigkeiten wie Speichel, Schweiß, Tränenflüssigkeit und der Ausscheidungsprodukte Urin und Stuhl kommt. Dies kann im Falle der Tränenflüssigkeit zu einer rot-orangen Verfärbung von weichen Kontaktlinsen, in den übrigen Fällen zur Verfärbung von Kleidung führen.
8/29 Kontrazeption:
Auf Grund der Wechselwirkung von Rifampicin mit Östrogen/Gestagen ist die empfängnisverhütende Wirkung oraler hormoneller Kontrazeptiva gestört. Um während der Behandlung mit EREMFAT eine Schwangerschaft sicher zu verhindern, müssen zusätzlich andere, nicht-hormonelle kontrazeptive Maßnahmen angewendet werden (siehe Abschnitte 4.5 und 4.6).
Hepatotoxizität, Unterernährung, Alkoholismus:
Hinsichtlich des Auftretens eines Ikterus bzw. einer Hepatomegalie sind vor allem Patienten mit vorbestehenden Leberschäden, Alkoholiker und ältere Menschen gefährdet.
Bei leichteren oder chronischen Leberfunktionsstörungen darf Rifampicin nur mit besonderer Vorsicht und unter strenger Nutzen-Risiko-Abschätzung angewendet werden.
Bei alkoholabhängigen Patienten ist aufgrund einer potentiellen Vorschädigung der Leber eine strenge Nutzen-Risiko-Abschätzung und besondere Vorsicht geboten.
Auch bei älteren oder unterernährten Menschen ist vor Therapiebeginn eine strenge Nutzen-Risiko-Abschätzung durchzuführen. Bei allen Patienten, insbesondere jedoch bei den genannten Risikogruppen sind während der Therapie regelmäßige Leberenzym- und Bilirubinkontrollen (siehe unten: Kontrolle der Leberwerte) durchzuführen, um eine mögliche Schädigung der Leber frühzeitig erkennen zu können.
Kontrolle der Leberwerte:
Bei einer Therapie mit Rifampicin lässt sich in etwa bei 5 - 20 % der Behandelten ein Transaminasenanstieg feststellen. Verbleiben die Transaminasewerte < 100 U/l, kann es trotz Fortsetzung der Therapie wieder zur Normalisierung der Werte kommen. Bei Zunahme der Transaminasen über 100 U/l, Anstieg der Bilirubinkonzentration und entsprechender klinischer Symptomatik ist sofortiges Absetzen des Rifampicins geboten, da tödliche Leberdystrophien beobachtet worden sind (siehe Abschnitt 4.8). Nach einer entsprechenden Therapiepause wird dann die erneute Gabe von Rifampicin unter Umständen wieder vertragen. Bei Wiederaufnahme der Tuberkulosetherapie mit Rifampicin nach vorangegangener Therapieunterbrechung sollte einschleichend dosiert werden (siehe Abschnitt 4.2)
Kontrolle der Nierenfunktion:
Die regelmäßige Kontrolle der Nierenfunktion (z. B. Serumkreatinin-Bestimmung) ist vor allem bei längerfristiger Anwendung von Rifampicin ebenso erforderlich.
Das Auftreten eines akuten Nierenversagens, einer interstitiellen Nephritis sowie von Tubulusnekrosen während der Therapie mit Rifampicin wurde berichtet (siehe Abschnitt 4.8). Ein sofortiger und endgültiger Therapieabbruch ist in solchen Fällen erforderlich. Im Allgemeinen kommt es nach Absetzen der Therapie zu einer Normalisierung der Nierenfunktion.
Kontrolle des Blutbildes:
Regelmäßige Blutbildkontrollen müssen ebenfalls durchgeführt werden, da unter Rifampicin-Therapie unerwünschte Arzneimittelwirkungen auf Blut und Blutbestandteile auftreten können (siehe Abschnitt 4.8).
Unter Behandlung mit Rifampicin können eine Vitamin-K abhängige Koagulopathie und schwere Blutungen auftreten. Es wird empfohlen Patienten auf das Auftreten einer Koagulopathie zu überwachen, insbesondere Patienten mit einem Blutungsrisiko. Falls erforderlich sollte eine Supplementierung von Vitamin K in Betracht gezogen werden (Vitamin-K-Mangel, Hypoprothrombinämie).
9/29 Bei der Anwendung von Rifampicin in den letzten Wochen der Schwangerschaft kann das Risiko postnataler Blutungen bei der Mutter und beim Neugeborenen erhöht sein (siehe Abschnitt 4.6). Regelmäßige Kontrollen des Blutbildes sind daher erforderlich sowie auch die Bestimmung der Gerinnungsparameter. Eine Behandlung mit Vitamin K kann in solchen Fällen angezeigt sein.
Laborchemische Untersuchungen und Diagnostik (siehe Abschnitt 4.5):
Mikrobiologische Bestimmungen von Vitamin B12 und Folsäure sind nicht verwertbar.
Weiterhin kann der Bromsulfophthalein-Test zur Prüfung der exkretorischen Leberfunktion während der Therapie mit Rifampicin nicht angewandt werden.
Rifampicin verursacht falsch-positive Ergebnisse im Immunoassay zur Bestimmung von Opiaten im Urin.
Opticusneuritis Bei Langzeittherapie sind wegen der Gefahr einer Opticusneuritis regelmäßige ophthalmoskopische Kontrollen erforderlich.
Paradoxe Arzneimittelreaktion Nach anfänglicher Besserung der Tuberkulose unter Therapie mit Arzneimitteln zur Behandlung von Tuberkulose können sich die Symptome wieder verschlechtern. Bei den betroffenen Patienten wurde eine klinische oder radiologische Verschlechterung bestehender Tuberkuloseläsionen oder die Entwicklung neuer Läsionen festgestellt. Solche Reaktionen wurden innerhalb der ersten Wochen oder Monate nach Beginn der Tuberkulose-Therapie beobachtet. Die Kulturen sind in der Regel negativ, und solche Reaktionen deuten in der Regel nicht auf ein Therapieversagen hin.
Die Ursache für diese paradoxe Reaktion ist noch unklar, aber eine übermäßige Immunreaktion wird als mögliche Ursache vermutet. Bei Verdacht auf eine paradoxe Reaktion sollte gegebenenfalls eine symptomatische Therapie zur Unterdrückung der übermäßigen Immunreaktion eingeleitet werden. Darüber hinaus wird eine Fortsetzung der geplanten Kombinationstherapie gegen Tuberkulose empfohlen.
Die Patienten sollten angewiesen werden, bei einer Verschlechterung ihrer Symptome unverzüglich einen Arzt aufzusuchen. Die auftretenden Symptome sind in der Regel spezifisch für die betroffenen Gewebe. Mögliche allgemeine Symptome sind unter anderem Husten, Fieber, Müdigkeit, Atemnot, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust oder Schwäche (siehe Abschnitt 4.8).
Hereditäre Fructoseintoleranz (HFI):
EREMFAT 450 mg enthält 290 mg Sorbitol pro Filmtablette.
EREMFAT 600 mg enthält 387 mg Sorbitol pro Filmtablette.
Patienten mit hereditärer Fructoseintoleranz (HFI) dürfen EREMFAT nicht einnehmen.
Die additive Wirkung gleichzeitig angewendeter Sorbitol (oder Fructose) -haltiger Arzneimittel und die Einnahme von Sorbitol (oder Fructose) über die Nahrung ist zu berücksichtigen.
Der Sorbitolgehalt oral angewendeter Arzneimittel kann die Bioverfügbarkeit von anderen gleichzeitig oral angewendeten Arzneimitteln beeinflussen.
10/29
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Rifampicin ist kontraindiziert bei gleichzeitiger Anwendung von Arzneimitteln, die stark von seinem Potenzial zur Induktion von Arzneimittel-metabolisierenden Enzymen und Transportern betroffen sind (s. Tabelle 2, in der Spalte „Fußnote“ mit 2 klassifizierte Wirkstoffe bzw. Wirkstoffgruppen). Rifampicin kann den Metabolismus gleichzeitig verabreichter Wirkstoffe beeinflussen, was wahrscheinlich zu einem Verlust ihrer therapeutischen Wirksamkeit führt, wobei mehrere Mechanismen als Ursache der Wechselwirkungen diskutiert werden:
- Rifampicin induziert das Cytochrom-P450-System der Leber. Die vermehrte Bildung des Isoenzymkomplexes CYP3A4 wird dabei über den Pregnan X-Rezeptor (PXR) und in geringerem Maße über den Constitutive Androstane Rezeptor (CAR) vermittelt. Auch eine Reihe weiterer CYP-Isoenzyme werden durch Rifampicin induziert (z. B. CYP2A, CYP2B, CYP2C).
- Rifampicin erhöht die UDP-Glucuronosyl-Transferase 1 A, welche die Glucuronidierung einer Reihe von Substanzen in der Niere katalysiert.
- Rifampicin beeinflusst wahrscheinlich den zellulären Transport von Wirkstoffen, vermittelt durch eine Wirkung auf das P-Glykoprotein.
Rifampicin selbst kann bei gleichzeitiger Gabe bestimmter anderer Wirkstoffe in seinem Metabolismus beeinflusst werden, so dass es zu einer Erhöhung oder Erniedrigung seiner Bioverfügbarkeit kommen kann.
Die nach derzeitigem wissenschaftlichem Kenntnisstand bekannten Wechselwirkungen sind nachfolgend tabellarisch zusammengefasst.
Tabelle 1: Wirkungen folgender Wirkstoffe oder Wirkstoffgruppen auf Rifampicin
| Wirkstoff oder Wirkstoffgruppe | Wirkung auf Rifampicin | Fuß-note | Klinische Konsequenz | ||
|---|---|---|---|---|---|
| Adsorbentien Aktivkohle | Resorption ↓ | 2 | Therapieversagen | ||
| Analgetika Metamizol-Natrium Opiate Antazida Antazida | C max ↑, t max ↓ Bioverfügbarkeit ↓ Resorption verringert | 1 1, 2 2 | nicht beurteilbar zeitlich versetzte Einnahme von Rifampicin und Opiaten wird empfohlen zeitlich versetzte Einnahme von Rifampicin und Antazida (ca. 3 Stunden) wird empfohlen | ||
| Antibiotika Cotrimoxazol (Trimethoprim/ Sulfamethoxazol) p-Aminosalicyl-säurezubereitungen, | AUC ↑, C max ↑ Bioverfügbarkeit ↓ | 2, 3 2 | Hepatotoxizität ↑ zeitlich versetzte Einnahme von Rifampicin und p- | ||
| bentonithaltig Pefloxacin Anticholinergika Darifenacin | AUC ↑, C max ↑, t 1/2 ↑ Bioverfügbarkeit ↓ | 2 2 | Aminosalicylsäure-zubereitungen, bentonithaltig (ca. 2-3 Stunden) wird empfohlen Hepatotoxizität ↑ zeitlich versetzte Einnahme wird empfohlen | 11/29 | |
| Antiprotozoika Atovaquon Urikosurika Probenecid 1 2 3 | Klinische Relevanz unklar, keine ausreichenden Daten verfügbar Gleichzeitige Anwendung nicht empfohlen Sicherheit nicht gewährleistet, das Auftreten zusätzlicher Risiken muss überwacht werden | Plasmakonzentration ↑ C max ↑ | 2 2 | Hepatotoxizität ↑ Hepatotoxizität ↑ | |
| Tabelle 2 | : Wirkungen von Rifampicin auf folgende Wirkstoffe oder Wirkstoffgruppen | ||||
| Wirkstoff oder Wirkstoffgruppe | Wirkung auf den Wechselwirkungspartner | Fuß-note | Klinische Konsequenz | ||
| ACE-Hemmer Enalapril Imidapril | Plasmakonzentration der aktiven Metaboliten ↓ | 3 | Therapieversagen möglich | ||
| Spirapril Analgetika | |||||
| Diclofenac Fentanyl Methadon | AUC ↓, C max ↓ Plasmakonzentration ↓ Plasmakonzentration ↓, Änderung der Verteilung | 4, 5 4 4, 5 | Therapieversagen möglich analgetischer Effekt ↓ Entzugssymptomatik möglich | ||
| Opiate Paracetamol Angiotensin-Antagonisten Losartan Antiarrhythmika Chinidin Disopyramid Lorcainid | Plasmakonzentration ↓ Elimination beschleunigt AUC ↓, t 1/2 ↓, orale Elimination beschleunigt Plasmakonzentration ↓ | 4, 5 3, 5 1,4 4, 5 | analgetischer Effekt ↓ analgetischer Effekt ↓, Hepatotoxizität ↑ Therapieversagen möglich Therapieversagen möglich Herzrhythmuskontrolle angezeigt; Dosisanpassung möglicherweise notwendig | → |
Mexiletin
Propafenon
möglicherweise
andere, wie z.B.
Tocainid
Antiasthmatika
12/29
| Wirkstoff oder Wirkstoffgruppe Aminophyllin Theophyllin Antibiotika Chloramphenicol Clarithromycin Doxycyclin Ciprofloxacin | Wirkung auf den Wechselwirkungspartner Plasmakonzentration ↓, Elimination beschleunigt Plasmakonzentration ↓, Elimination beschleunigt | Fuß-note 4, 5 4 4 | Klinische Konsequenz Serumspiegelkontrolle, insbesondere nach Absetzen der Rifampicintherapie Therapieversagen möglich Therapieversagen möglich | |
| Dapson Isoniazid Linezolid Metronidazol Protionamid Telithromycin Cefazolin und andere Cephalosporine mit Methylthiotetrazol-Kette | Elimination beschleunigt AUC ↓, C max ↓ (bei Schnellacetylierern) AUC ↓, C max ↓ AUC ↓, Elimination beschleunigt nicht bekannt AUC ↓, C max ↓ Vitamin-K-Mangel kann eine Vitamin-K-abhängige Koagulopathie verursachen | 4 5 1 1 1, 5 4 5 | Therapieversagen möglich intensives Monitoring von Patienten mit vorbestehender Leberschädigung nicht beurteilbar nicht beurteilbar Hepatotoxizität ↑ Therapieversagen möglich Dies kann zu schweren Gerinnungsstörungen, eventuell mit tödlichem Ausgang (besonders bei hohen Dosen), führen. | |
| Anticholinergika Darifenacin Antidepressiva Amitriptylin Nortriptylin Citalopram | Plasmakonzentration ↓ Plasmakonzentration ↓ Plasmakonzentration ↓ | 1 4 4 | nicht beurteilbar Therapieversagen möglich; Dosisanpassung möglicherweise notwendig Verschlechterung der Kontrolle der neurologischen Grunderkrankung möglich | |
| Mirtazapin Sertralin Antidiabetika, oral Sulfonylharnstoff-Typ Glibenclamid | nicht bekannt, jedoch analoger Abbauweg Metabolisierung ↑ Metabolisierung ↑ | 1 4, 5 4 | nicht beurteilbar verstärkte Angstsymptomatik möglich Therapieversagen möglich; Dosisanpassung | |
| Nateglinid Repaglinid Rosiglitazon Antiemetika | ||||
| Ondansetron Antiepileptika Lamotrigin | Plasmakonzentration ↓ AUC ↓, t 1/2 ↓ | 4 4, 5 | Therapieversagen möglich Therapieversagen möglich | |
| Wirkstoff oder Wirkstoffgruppe Phenytoin Anthelmintika Praziquantel Antihistaminika | Wirkung auf den Wechselwirkungspartner Elimination beschleunigt Plasmakonzentration ↓ | Fuß-note 1, 4 4 | Klinische Konsequenz insbesondere nach Absetzen der Rifampicintherapie Kontrolle der Phenytoinspiegel empfohlen Kontrolle der Praziquantelspiegel empfohlen | 13/29 |
| Cimetidin Fexofenadin Antikoagulantien, oral Phenprocoumon, Warfarin andere Cumarine Antimykotika | nicht-renale Elimination beschleunigt Elimination beschleunigt, C max ↓ Elimination beschleunigt | 4 4 4, 5 | verminderte Wirksamkeit verminderte Wirksamkeit engmaschige Kontrolle der Quickwerte empfohlen, insbesondere auch nach Absetzen der Rifampicintherapie | |
| Caspofungin Fluconazol Itraconazol | Plasmakonzentration ↓ AUC↓; C max ↓; Plasmakonzentration ↓ | 4 4 | Therapieversagen möglich Therapieversagen möglich | |
| Ketoconazol Voriconazol | C max ↓ 93 %, AUC ↓ 96 % | 2 | Therapieversagen → kontraindiziert (siehe Abschnitt 4.3) | |
| Terbinafin Antiprotozoika | AUC ↓, Elimination beschleunigt | 1, 4 | Therapieversagen möglich | |
| Atovaquon Chinin Hydroxychloroquin Mefloquin Antirheumatika Leflunomid | Plasmakonzentration ↓ Elimination beschleunigt, t 1/2 ↓ Plasmakonzentration ↓ Plasmakonzentration ↓ (aktiver Metabolit) | 1, 4 3, 4 3, 4 1, 4 | Therapieversagen möglich Therapieversagen möglich mögliches Therapieversagen und ↑ Risiko der Resistenzentwicklung Therapieversagen möglich | |
| Sulfasalazin Antitussiva Codein Benzothiazole | Metabolisierung ↑ Metabolisierung ↑ | 1, 4 1 | Therapieversagen möglich nicht beurteilbar | |
| Riluzol | Plasmakonzentration ↓ | 1 | Monitoring der Plasmakonzentration |
Calciumantagonisten
14/29
| Wirkstoff oder Wirkstoffgruppe | Wirkung auf den Wechselwirkungspartner | Fuß-note | Klinische Konsequenz |
|---|---|---|---|
| Amlodipin Diltiazem Lercanidipin Manidipin Nifedipin Nilvadipin | Plasmakonzentration ↓ | 4, 5 | Therapieversagen möglich; sofern eine Dosisanpassung der Calciumantagonisten erforderlich ist, ist auf eine erneute Anpassung nach Absetzen der Rifampicintherapie zu achten |
Nisoldipin
Verapamil
Nimodipin
Isradipin
Nicardipin
Chemotherapeutika
| Bexaroten Imatinib Gefitinib Irinotecan Tamoxifen Toremifen Corticosteroide Cortison Dexamethason Fludrocortison Hydrocortison Methylprednisolon Prednison | Plasmakonzentration ↓ Plasmakonzentration ↓, Metabolisierung ↑ Elimination beschleunigt, AUC (aktive Metabolite) ↓ Plasmakonzentration ↓ Plasmakonzentration ↓ | 1 3, 4 1, 4 1, 4 4, 5 | nicht beurteilbar sofern möglich, sollte auf ein alternatives Antituberkulotikum ausgewichen werden Therapieversagen möglich Therapieversagen möglich Therapieversagen möglich; eine Dosisanpassung kann erforderlich werden; auf eine erneute Anpassung nach Absetzen der Rifampicintherapie ist zu achten | |
| Prednisolon COX2-Inhibitoren Celecoxib Etoricoxib Rofecoxib Diuretika | Plasmakonzentration ↓ | 4 | Therapieversagen möglich; eine Dosisanpassung kann erforderlich werden; auf eine erneute Anpassung nach Absetzen der Rifampicintherapie ist zu achten | |
| Eplerenon Endothelin-Antagonisten Bosentan | AUC ↓ Plasmakonzentration ↓ AUC ↓ | 3, 4 3, 4 | Therapieversagen möglich; eine Dosisanpassung kann erforderlich werden wöchentliche Kontrolle der hepatischen Funktion während der ersten 4 Wochen | |
| Wirkstoff oder Wirkstoffgruppe Herzglykoside Digitoxin Digoxin HIV-1-Attachment-Inhibitor | Wirkung auf den Wechselwirkungspartner bei eingeschränkter Nierenfunktion tritt extrarenale Elimination in den Vordergrund | Fuß-note 4, 5 | Klinische Konsequenz engmaschige kardiale Kontrolle und Serum-spiegelbestimmungen der Herzglykoside | 15/29 |
| Fostemsavir | Plasmakonzentration (aktiver Metabolit) ↓ | 2 | Wirkungsminderung Fostemsavir | von |
| → kontraindiziert | (siehe | |||
| 4.3) | ||||
| Hormonale Kontrazeptiva Ethinylestradiol Mestranol Norethisteron Hormone | Elimination beschleunigt | 4, 5 | reduzierte Wirksamkeit; zusätzliche nicht-hormonelle empfängnisverhütende Maßnahmen empfohlen, Abweichungen bei der Regelblutung möglich | |
| Levothyroxin Hypnotika Zaleplon Zolpidem Zopiclon Immunsuppressiva Azathioprin Cyclosporin | Plasmakonzentration ↓ Plasmakonzentration ↓ Unklar | 1, 4 4 4, 5 | Therapieversagen möglich reduzierte Wirksamkeit Risiko einer Transplantat-abstoßung besteht | |
| Everolimus Sirolimus Tacrolimus Mycophenolat | Elimination beschleunigt, C max ↓, AUC ↓ Elimination beschleunigt, C max ↓, AUC ↓ | 4 4 | Therapieversagen möglich; engmaschige Überwachung der Blutspiegel der Immunsuppressiva erforderlich Therapieversagen möglich; Risiko einer Transplantat-abstoßung besteht; engmaschige Überwachung der Blutspiegel der Immunsuppressiva erforderlich. Enges Monitoring bzgl. Effektivität und Nebenwirkungen von Mycophenolat, Dosisanpassung an Beginn und Ende der Rifampicin-einnahme. |
Integrasehemmer
| Wirkstoff oder Wirkstoffgruppe Cabotegravir | Wirkung auf den Wechselwirkungspartner Plasmakonzentration ↓ | Fuß-note 2 | Klinische Konsequenz Wirkungsverlust | 16/29 der |
| Integrasehemmer, Gefahr der | ||||
| Resistenzentwicklung | ||||
| Kapsid-Inhibitoren Lenacapavir | Plasmakonzentration ↓ | 2 | → kontraindiziert (siehe 4.3) Wirkungsverlust | von |
| Lenacapavir möglich | ||||
| Lipidsenker Clofibrat Fluvastatin Pravastatin Simvastatin Lokalanaesthetika | Plasmakonzentration ↓ Plasmakonzentration ↓ | 1, 4, 5 4 | → kontraindiziert (siehe 4.3) nicht beurteilbar, Bestimmung der Clofibratspiegel empfohlen Therapieversagen möglich | |
| Ropivacain Narkosemittel Alfentanil Halothan Neuroleptika | Elimination beschleunigt, t 1/2 ↓, AUC ↓, Hemmung des Abbaus des Ropivacainmetaboliten (PPX) Elimination beschleunigt (ca. 3fach) nicht bekannt | 1, 4 4 2 | Therapieversagen möglich Therapieversagen möglich; Dosisanpassung des Alfentanil ist ggf. erforderlich Hepatotoxizität ↑ → kontraindiziert (siehe Abschnitt 4.3) | |
| Lurasidon | Plasmakonzentration ↓ AUC ↓ C max ↓ | 2 | Wirkungsverlust der Lurasidon → kontraindiziert (siehe Abschnitt 4.3) | |
| Clozapin Quetiapin Haloperidol Aripiprazol | Plasmakonzentration ↓ Plasmakonzentration ↓ Plasmakonzentration ↓ | 4 4 4 | Therapieversagen möglich; engmaschiges Monitoring des neurologischen Status erforderlich Therapieversagen möglich; engmaschiges Monitoring des neurologischen Status erforderlich Therapieversagen möglich; engmaschiges Monitoring des | |
| Wirkstoff oder Wirkstoffgruppe Osteoporosemittel Cinacalcet | Wirkung auf den Wechselwirkungspartner Metabolisierung ↑ | Fuß-note 4 | Klinische Konsequenz neurologischen Status erforderlich; Dosisanpassung von Aripiprazol Therapieversagen möglich | 17/29 |
| Polymerase-Inhibitoren Sofosbuvir | Plasmakonzentration ↓ | 2 | Wirkungsverlust | von |
| Sofosbuvir | ||||
| → kontraindiziert (siehe 4.3) | ||||
| Proteaseinhibitoren Amprenavir Atazanavir Darunavir Fosamprenavir Indinavir | AUC ↓ | 2 | nicht kompensierbarer Wirkungsverlust der Proteaseinhibitoren → kontraindiziert (siehe Abschnitt 4.3) | |
| Lopinavir Nelfinavir Ritonavir Saquinavir Tipranavir Reverse-Transkriptasehemmer Delavirdin Nevirapin Efavirenz Zidovudin α 1 -Rezeptorenblocker | Plasmakonzentration ↓, AUC ↓ Variabilität der Plasmakonzentration Plasmakonzentration ↓, AUC ↓ | 2 4, 5 1, 4 | nicht kompensierbarer Wirkungsverlust der Reverse-Transkriptase-hemmer → kontraindiziert (siehe Abschnitt 4.3) engmaschiges Monitoring der Efavirenzspiegel erforderlich engmaschiges Monitoring der Zidovudinspiegel erforderlich | |
| Bunazosin-HCl β-Rezeptorenblocker Alprenolol Atenolol Bisoprolol Carvedilol Celiprolol | C max ↓, AUC ↓ Plasmakonzentration ↓ (insbesondere bei ausgeprägt hepatisch metabolisierten β-Rezeptorenblockern) | 4 4, 5 | Verkürzung des blutdrucksenkenden Effektes Therapieversagen möglich; engmaschiges Monitoring des klinischen Effektes der β – Rezeptorenblocker empfohlen, möglicherweise Dosisanpassung |
Metoprolol
Nadolol
Propanolol
Talinolol
Teratolol
18/29
| Wirkstoff oder Wirkstoffgruppe Thrombozytenaggregationshemmer Clopidogrel Tranquilanzien | Wirkung auf den Wechselwirkungspartner nicht bekannt | Fuß-note 4, 5 | Klinische Konsequenz Wirksamkeit verstärkt; ↑ Blutungsrisiko |
| Alprazolam Chlordiazepoxid | Elimination beschleunigt; Metabolisierung ↑ | 1, 4 | reduzierte Wirksamkeit möglich |
Diazepam
Flurazepam
Hexobarbital
Midazolam
Nitrazepam
Triazolam
möglicherweise
andere
Benzodiazepine
| Buspiron | Plasmakonzentration ↓, t 1/2 ↓ | 4 | anxiolytischer Effekt von Buspiron reduziert | |
| Vitamine Vitamin D 1 2 3 4 5 | Klinische Relevanz unklar, keine ausreichenden Daten verfügbar Gleichzeitige Anwendung kontraindiziert Gleichzeitige Anwendung nicht empfohlen Wirksamkeit nicht gewährleistet, Wirksamkeit muss überwacht werden anhand klinischer Parameter, Drug Monitoring, apparativer Kontrollen; die Notwendigkeit einer Anpassung der Dosis des Wechselwirkungspartners ist zu prüfen Sicherheit nicht gewährleistet, das Auftreten zusätzlicher Risiken muss überwacht werden | Plasmakonzentration ↓ | 4, 5 | symptomatische Erkrankung der Knochen erst bei längerer Rifampicingabe (> 1 Jahr) zu erwarten; im Falle einer Supplementierung mit Vitamin D sind Kontrollen der Serum-Calciumspiegel, der Serum-Phosphatspiegel sowie der Nierenfunktion erforderlich |
Die in den obigen Tabellen enthaltenen Informationen zeigen, dass die Einnahme von Rifampicin sehr unterschiedliche Auswirkungen auf gleichzeitig verabreichte Wirkstoffe haben kann. Es ist daher im Einzelfall immer zu prüfen, welche Konsequenzen die Rifampicin-Therapie auf die zur Behandlung von Begleiterkrankungen verabreichten Substanzen haben kann. Hierzu ist das klinische Bild des Patienten hinsichtlich dieser Begleiterkrankung engmaschig zu kontrollieren. Diagnostische Maßnahmen (Drug Monitoring, apparative Kontrollen) sollten durchgeführt werden bzw. die Frequenz ihrer Durchführung gesteigert werden. Gegebenenfalls kann eine Anpassung der Dosis der Begleitmedikation sinnvoll bzw. erforderlich sein. Dies ist jedoch immer unter Einbeziehung aller Begleitumstände sorgfältig zu prüfen.
19/29
Diagnosemittel und Laborwerte
Röntgenkontrastmittel Rifampicin kann die Gallenausscheidung von Röntgenkontrastmitteln, die für die Gallenblasenuntersuchung verwendet werden, verzögern.
Laborwerte Mikrobiologische Bestimmungen von Vitamin B12 und Folsäure sind nicht verwertbar. Rifampicin kann kompetitiv die Bromsulfophthaleinausscheidung hemmen und damit eine Leberfunktionsstörung vortäuschen. Der Bromsulfophthalein-Test zur Prüfung der exkretorischen Leberfunktion kann daher während der Therapie mit Rifampicin nicht angewandt werden.
Rifampicin verursacht falsch-positive Ergebnisse im Immunoassay zur Bestimmung von Opiaten im Urin.
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
Frauen im gebärfähigen Alter / Kontrazeption Während der Therapie mit Rifampicin muss das Eintreten einer Schwangerschaft vermieden und daher eine sichere Kontrazeption bestehen/durchgeführt werden (siehe Abschnitt 4.5). Nach Beendigung der Behandlung soll die Kontrazeption 3 Monate lang weitergeführt werden.
Schwangerschaft
Rifampicin passiert die Plazenta, wobei die Konzentration im Fetus ca. 12 - 33 % der maternalen Blutkonzentration beträgt. Aufgrund einer verzögerten Elimination können in der Amnionflüssigkeit höhere Konzentrationen als im maternalen Blut bestehen. Die Angaben in der Literatur über die Teratogenität beim Menschen sind widersprüchlich. Die Beurteilung des teratogenen Risikos wird zusätzlich dadurch erschwert, dass Rifampicin meist in Kombination mit anderen Tuberkulostatika eingesetzt wird. Bisher sind 14 Fehlbildungsfälle bei 117 in den ersten 4 Schwangerschaftsmonaten exponierten Mutter-Kind-Paaren dokumentiert. Bei Neugeborenen wurden vermehrt Hypoprothrombinämien oder Blutungstendenzen beobachtet. Im Tierversuch wurde eine Reproduktionstoxizität festgestellt (siehe Abschnitt 5.3).
Bei einer bereits bestehenden Schwangerschaft darf Rifampicin während des ersten Trimenons nur bei unbedingter Notwendigkeit verordnet werden, da eine Erhöhung des Fehlbildungsrisikos nicht auszuschließen ist. Im zweiten und dritten Trimenon darf Rifampicin nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung angewendet werden.
Bei der Anwendung von Rifampicin in den letzten Wochen der Schwangerschaft kann das Risiko postnataler Blutungen bei der Mutter aufgrund einer durch den Geburtsvorgang erhöhten Blutungsneigung und beim Neugeborenen aufgrund einer noch unzureichenden Vitamin K-Versorgung und dadurch unzureichender Produktion von Gerinnungsfaktoren erhöht sein. Daher sind regelmäßige Kontrollen des Blutbildes erforderlich (siehe Abschnitt 4.4) sowie auch die Bestimmung der Gerinnungsparameter. Eine Behandlung mit Vitamin K kann in solchen Fällen angezeigt sein.
Stillzeit
Rifampicin wird in die Muttermilch ausgeschieden. Allerdings wird angenommen, dass die durch den Säugling aufgenommenen Konzentrationen zu gering sind, um beim Säugling unerwünschte Wirkungen zu erzeugen.
20/29 Die Anwendung von EREMFAT in der Stillzeit soll dennoch nur nach strenger Abwägung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses erfolgen.
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
| Dieses Arzneimittel kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch das Reaktionsvermögen so weit verändern, dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr, zum Bedienen von Maschinen oder zum Arbeiten ohne sicheren Halt beeinträchtigt wird. Dies gilt im verstärkten Maße im Zusammenwirken mit Alkohol. | ||||||
| 4.8 | Nebenwirkungen | |||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Bei der Bewertung von Nebenwirkungen werden folgende Häufigkeiten zugrunde gelegt: Sehr häufig Häufig Gelegentlich Selten Sehr selten Nicht bekannt | (≥ 1/10) (≥ 1/100 bis < 1/10) (≥ 1/1.000 bis < 1/100) (≥ 1/10.000 bis < 1/1.000) (< 1/10.000) (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar) | |||||
| Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems Selten: Nicht bekannt: | Eosinophilie, thrombozytopenische Purpura, Hypoprothrombinämie, hämolytische Anämie, disseminierte intravasale Koagulopathie. | Leukopenie, | Vitamin-K-abhängige Koagulopathie | Granulozytopenie, | Thrombozytopenie, |
Erkrankungen des Immunsystems
| Häufig: | Leichte Überempfindlichkeitsreaktionen, wie Fieber, Erythema exsudativum multiforme, Pruritus und Urtikaria. |
| Selten: | Schwere Überempfindlichkeitsreaktionen, wie Atemnot, asthmaartige Anfälle, Lungenödem, sonstige Ödeme, bis hin zum anaphylaktischen Schock (siehe Abschnitt 4.4). |
| Sehr selten: | Lupusähnliches Syndrom mit Fieber, Schwächegefühl, Muskel- und Gelenkschmerzen und dem Auftreten antinukleärer Antikörper; Flu-Syndrom mit ähnlicher Symptomatik in Zusammenhang mit intermittierender bzw. nach nicht regelmäßiger Rifampicin-Einnahme (siehe Abschnitt 4.4). Außerdem wurden im Zusammenhang mit einer antituberkulösen Kombinationstherapie von Rifampicin und anderen Mitteln sehr selten schwere allergische Hautreaktionen, wie toxische epidermale Nekrolyse, exfoliative Dermatitis, Lyell-Syndrom beobachtet, die aber nicht sicher einem Wirkstoff zugeordnet werden konnten. |
Endokrine Erkrankungen
| Selten: | Menstruationsstörungen infolge der Beeinflussung des Stoffwechsels der Steroidhormone; Störung der Wirksamkeit hormonaler Kontrazeptiva (siehe Abschnitte 4.5 und 4.6); Addison-Krise bei Addison-Patienten. |
| Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen Nicht bekannt: | Porphyrie (siehe Abschnitt 4.4). |
21/29
Psychiatrische Erkrankungen
Sehr selten: Verwirrtheit, Psychosen.
Erkrankungen des Nervensystems
| Sehr selten: | Ataxie, Konzentrationsunfähigkeit, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schwindel, Schmerzen in den Extremitäten und Taubheitsgefühl. |
Augenerkrankungen
| Selten: | Sehstörungen, Visusverlust und Optikusneuritis. |
| Nicht bekannt: | Bräunlich-rote Verfärbung der Tränenflüssigkeit ist durch die Eigenfarbe des Wirkstoffs bedingt und unbedenklich (siehe Abschnitt 4.4). |
Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts
| Häufig: | Appetitlosigkeit, Magenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Meteorismus, Durchfall. |
| Selten: | Akute Pankreatitis. |
| Sehr selten: | Antibiotika-assoziierte Kolitis (pseudomembranöse Enterokolitis); Clostridium difficile -assoziierte Diarrhö, (siehe Abschnitt 4.4). |
Leber- und Gallenerkrankungen
| Sehr häufig: | Erhöhung von Enzymaktivitäten wie SGOT (AST), SGPT (ALT), alkalischer Phosphatase, -Glutamyltranspeptidase. |
| Gelegentlich: Selten: Sehr selten: | Ikterus und Hepatomegalie, meist vorübergehender Natur. Erhöhung von Bilirubin im Serum. Akute Hepatitis. |
Erkrankungen der Haut und des Unterhautgewebes
| Nicht bekannt: | DRESS-Syndrom, Stevens-Johnson-Syndrom |
| Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen Selten: Sehr selten: | Myopathien. Muskelschwäche. |
Erkrankungen der Nieren und Harnwege
| Selten: | Nierenfunktionsstörungen. |
| Sehr selten: | Akutes Nierenversagen. |
| Nicht bekannt: | Interstitielle Nephritis, Tubulusnekrosen. |
Schwangerschaft, Wochenbett und perinatale Erkrankungen
| Nicht bekannt: | Bei der Anwendung während der letzten Schwangerschaftswochen kann es zu postnatalen Blutungen bei der Mutter und dem Neugeborenen kommen. | |
| Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort Häufig: | Paradoxe Arzneimittelreaktion (Wiederauftreten von Symptomen oder Auftreten neuer Symptome der Tuberkulose, körperliche und radiologische | |
| Anzeichen bei einem Patienten, der zuvor eine Verbesserung mit einer angemessenen Anti-Tuberkulose-Behandlung gezeigt hatte, wird als paradoxe Reaktion bezeichnet, die diagnostiziert wird, nachdem eine mangelhafte Therapietreue des Patienten, eine Arzneimittelresistenz, Nebenwirkungen einer Therapie gegen Tuberkulose und sekundäre bakterielle/mykotische Infektionen ausgeschlossen wurden).* * Inzidenz paradoxer Arzneimittelreaktionen: Eine geringere Häufigkeit wurde mit 9,2 % (53/573) (Daten zwischen Oktober 2007 und März 2010) und eine höhere Häufigkeit mit 25 % (19/76) (Daten zwischen 2000 und 2010) angegeben. | 22/29 | |
| Gefäßerkrankungen Nicht bekannt: | leukozytoklastische Vaskulitis |
Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen
Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung über das nationale Meldesystem anzuzeigen:
Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen
Traisengasse 5
1200 WIEN
ÖSTERREICH
Fax: + 43 (0) 50 555 36207
Website: http://www.basg.gv.at/
4.9 Überdosierung
Folgende Symptome sind nach akuter Überdosierung beschrieben worden:
- Übelkeit, Erbrechen (Verfärbung des Mageninhalts), Juckreiz, Schmerzen im gesamten Abdomen, Cholestase
- Haut und Skleren sowie Schleimhäute können eine gelb-orange Verfärbung aufweisen
- andere Ausscheidungen sind möglicherweise verfärbt (Urin, Stuhl)
- bei extremer Überdosierung kann es zu Unruhe, Dyspnoe, Tachykardie, generalisierten Krämpfen und Atem- sowie Herzstillstand kommen.
Therapie von Intoxikationen Nach oraler Aufnahme vermutlich toxischer Dosen von Rifampicin ist sofort in geeigneter Weise für eine Eliminierung des Arzneimittels zu sorgen. Die weitere Behandlung erfolgt symptomatisch. Kontrollen der Leberfunktion und des Blutbildes sind notwendig (siehe Abschnitte 4.4 und 5.2).
Durch Hämo- und Peritonealdialyse ist keine bedeutsame Minderung der Rifampicin-Serumkonzentration zu erzielen. Sofern erforderlich, sind allgemeine supportive Maßnahmen zur Erhaltung der vitalen Funktionen einzuleiten.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Antiinfektiva zur systemischen Anwendung, Mittel gegen Mykobakterien, Mittel zur Behandlung der Tuberkulose, Antibiotika, Rifampicin ATC-Code: J04AB02
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Wirkmechanismus
Der Wirkungsmechanismus beruht auf der Bindung an die bakterielle RNA-Polymerase und somit auf der Hemmung der bakteriellen Proteinsynthese.
Es werden sowohl intra- als auch extrazellulär gelegene Keime erfasst. Das Wirkungsoptimum liegt im neutralen oder alkalischen Milieu (meist extrazellulär), im sauren Bereich (intrazellulär oder in käsigem Gewebe) ist die Wirksamkeit geringer.
Der Wirktyp von Rifampicin ist bakterizid bei proliferierenden Keimen mit deutlich weniger Aktivität bei ruhenden Keimen.
Beziehung zwischen Pharmakokinetik und Pharmakodynamik gegenüber Mycobacterium tuberculosis
Rifampicin zeigt gegenüber Mycobacterium tuberculosis einen konzentrationsabhängigen bakteriziden Effekt. Das Ausmaß der Bakterizidie hängt im Wesentlichen von dem Quotienten aus AUC (Area under the curve; Fläche unter der Konzentrations-Zeit-Kurve) und der minimalen Hemmkonzentration ab.
Resistenzmechanismus
Bei M. tuberculosis ist die Rifampicin-Resistenz assoziiert mit Mutationen im rpoB-Gen. Dieses Gen kodiert für die β-Untereinheit der DNA-abhängigen bakteriellen RNA-Polymerase. Die Mutation dieses Gens führt zur Einschritt-Hochresistenz von M. tuberculosis gegen Rifampicin.
Zur Resistenzbestimmung sind neben den etablierten, aber zeitaufwendigen Methoden mit Anzucht auf Fest- und Flüssigmedien molekularbiologische Verfahren verfügbar, die oft schon innerhalb eines Tages erste Hinweise auf eine mögliche Resistenz bei M. tuberculosis-Stämmen geben. Diese Testverfahren ermöglichen sowohl die molekulargenetische Identifizierung der Erreger innerhalb des Mycobacterium tuberculosis-Komplexes als auch die Detektion von Mutationen z. B. im rpoB-Gen, die mit Resistenz gegen Rifampicin assoziiert sind.
Es besteht eine Parallelresistenz mit Rifabutin und weiteren chemisch verwandten Substanzen, nicht mit anderen Antituberkulotika.
Die Ausbildung einer Resistenz von nichttuberkulösen Mykobakterien ist ebenfalls mit Mutationen im rpoB-Gen assoziiert (z. B. Mycobacterium kansasii), jedoch existieren zusätzliche Hinweise, dass auch weitere Mechanismen an der Entstehung einer Rifampicin-Resistenz beteiligt sind.
Auch im Falle der Meningokokken ist das Auftreten einer Resistenz gegen Rifampicin auf Mutationen im rpoB-Gen zurückzuführen, wobei Rifampicin-resistente Isolate bisher selten auftraten.
Wegen der raschen bakteriellen Resistenzentwicklung bei Monotherapie (s.u.) ist Rifampicin immer Bestandteil einer Kombinationstherapie. Durch Monotherapie wird eine rasche Resistenzentwicklung (Einstufen-Resistenz) bei Mykobakterien und auch bei anderen Erregern hervorgerufen. Um die Entwicklung und die Verbreitung von Mykobakterienstämmen mit Resistenz gegen Antituberkulotika, im vorliegenden Fall mit Rifampicin-Resistenz, zu verhindern, ist – wie alle anderen Antituberkulotika – auch Rifampicin immer mit mindestens einem weiteren Antibiotikum / Chemotherapeutikum zu kombinieren.
Lediglich bei der Meningitisprophylaxe wird Rifampicin allein verabreicht.
Grenzwerte (Klinische MHK-Grenzwerte für Rifampicin nach EUCAST)
Staphylococcus: S ≤ 0,06 mg/l – R > 0,5 mg/l
Streptococcus: S ≤ 0,06 mg/l – R > 0,5 mg/l
S. pneumoniae: S ≤ 0,06 mg/l – R > 0,5 mg/l
H. influenzae, M. catarrhalis: S ≤ 0,5 mg/l – R > 0,5 mg/l
N. meningitidis: S ≤ 0,25 mg/l – R > 0,25 mg/l 1
(1 nur zur Prophylaxe. Es wird auf nationale Richtlinien zur Prophylaxe der bakteriellen Meningitis hingewiesen.)
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Prävalenz der erworbenen Resistenz
Tuberkulose Die Prävalenz der erworbenen Resistenz für die Erreger der Tuberkuloseerkrankung mit Mycobacterium tuberculosis als dem am häufigsten angetroffenen und gemeldeten Erreger aus dem Mycobacterium tuberculosis-Komplex gegenüber Rifampicin variiert örtlich und im Verlauf der Zeit. Die Nationale Referenzzentrale für Tuberkulose am AGES-Institut für medizinische Mikrobiologie und Hygiene, Wien, gibt in Ihrem Bericht für Österreich eine Rifampicin-Monoresistenzrate von 0,0 % im Jahr 2013 für Tuberkulose an. Die Häufigkeit von XDR-Tuberkulose wird mit 2,6 % in 2012, 0,7 % in 2013 und 0,5 % in 2014 angegeben. Der Anteil der MDR-TB in den Jahren 2012, 2013 und 2014 wird mit 4,3 %, 2,9 % und 4,3 % angegeben.
Dies bedeutet, dass die Erreger der Tuberkuloseerkrankung mit Mycobacterium tuberculosis als dem am häufigsten angetroffenen und gemeldeten Erreger aus dem Mycobacterium tuberculosis-Komplex üblicherweise empfindlich gegenüber Rifampicin sind. Darüber hinaus sollte immer eine Beratung durch Experten angestrebt werden.
Nichttuberkulöse Mykobakterien Aufgrund der geringen Anzahl von Fällen sind keine Daten zur Überwachung der Resistenzsituation nichttuberkulöser Mykobakterien verfügbar.
Basierend auf Empfehlungen der American Thoracic Society (ATS) zur Diagnose, Behandlung und Prävention nichttuberkulöser, mykobakterieller Erkrankungen sowie auf Fallstudien wird Rifampicin in der Kombinationstherapie von Infektionen durch folgende nichttuberkulöse Mykobakterien eingesetzt:
- Mycobacterium avium Komplex
- Mycobacterium haemophilum
- Mycobacterium kansasii
- Mycobacterium malmoense
- Mycobacterium marinum
- Mycobacterium szulgai
- Mycobacterium ulcerans
- Mycobacterium xenopi
- Mycobacterium genavense
Eine natürliche Resistenz gegen Rifampicin weisen die folgenden nichttuberkulösen Mykobakterien auf:
- Mycobacterium abscessus
- Mycobacterium chelonae
- Mycobacterium fortuitum
- Mycobacterium gordonae
- Mycobacterium lentiflavum
- Mycobacterium mucogenicum
- Mycobacterium simiae
- Mycobacterium smegmatis
- Mycobacterium terrae (Komplex)
25/29 Für Mycobacterium leprae sind aufgrund der geringen Fallzahl keine Angaben zur nationalen Resistenzsituation verfügbar. Die statistischen Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) belegen jedoch, dass es sich bei M. leprae um eine gegen Rifampicin üblicherweise empfindliche Spezies handelt.
Meningokokken Meningokokken sind gegenüber Rifampicin üblicherweise empfindlich. Laut Resistenzbericht der AGES für Neisseria meningitidis wurden im Jahr 2014 keine resistenten Meningokokkenstämme verzeichnet.
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Das halbsynthetische Antibiotikum Rifampicin gehört zur Verbindungsklasse der Ansamycine. Es ist gegenüber der Ausgangsverbindung Rifamycin SV durch eine Substitution in der 3-Position des Naphthalin-Grundgerüsts charakterisiert. Hierdurch entsteht aus der nur parenteral anwendbaren Muttersubstanz eine oral verfügbare Verbindung mit verlängerter Halbwertszeit.
Resorption
Rifampicin wird aus dem Gastrointestinaltrakt nahezu vollständig resorbiert. Die absolute Bioverfügbarkeit von oral verabreichtem Rifampicin sinkt von 93 % nach der ersten Einzelgabe auf 68 % nach dreiwöchiger Therapie. Die Reduktion lässt auf die Induktion eines „First-Pass-Effektes“ schließen.
Zwei Stunden nach oraler Gabe von 450 mg Rifampicin sind maximale Konzentrationen im Serum von 5 - 13 mg/l zu finden. Die Werte können individuell stark schwanken und können außerdem durch Wechselwirkungen beeinflusst werden (siehe Abschnitt 4.5).
Die gleichzeitige Einnahme einer fettreichen Mahlzeit kann zu einer Reduktion der Cmax um 25 - 30 %, der AUC um 6 - 23 % und einer Verdoppelung der tmax führen.
Verteilung
Rifampicin ist zu 70 - 90 % an humane Plasmaproteine gebunden. Der Wirkstoff weist eine gute Zell- und Gewebepenetration auf, die sich in dem hohen Verteilungsvolumen von über 1 l/kg widerspiegelt. In der Leber sind bis über 20-fach höhere Konzentrationen, in den Nieren bis 5-fach höhere Konzentrationen als im Serum zu finden. Aufgrund seiner guten Lipidlöslichkeit ist Rifampicin beim pH-Wert des Blutes nur zu etwa 25 % negativ ionisiert, womit die schnelle Verteilung aus dem Blutplasma in andere Körperflüssigkeiten und Gewebe teilweise begründet ist.
Im Muskelgewebe können 50 - 70 % und im Knochen 10 - 20 % der Serumkonzentration erreicht werden. Im käsig veränderten Kaverneninhalt bleiben die Konzentrationen unterhalb der Serumwerte. Geringere Konzentrationen als im Serum finden sich im Liquor cerebrospinalis (10 - 85 %), in der Pleuraflüssigkeit (5 - 40 %), im Sputum (bis zu 20 %) und im Speichel (bis 15 %). In Schweiß und Tränen ist Rifampicin nur in Spuren nachweisbar.
Rifampicin passiert die Placentaschranke und die im Fetalblut erzielten Konzentrationen entsprechen etwa 1/3 der mütterlichen Blutkonzentration. Die Passage der Blut-Milch-Schranke führt zu Konzentrationen, die bei etwa 10 - 25 % der Blutkonzentration liegen. In der Amnionflüssigkeit tritt ebenfalls eine Anreicherung des Rifampicins auf.
Biotransformation
Rifampicin wird beim Menschen in der Leber in 25-Desacetyl-Rifampicin als Hauptmetabolit umgewandelt. Als Ergebnis einer Induktion mikrosomaler Enzyme nimmt die Metabolisierungsrate im Laufe der wiederholten Verabreichung von Rifampicin zu, was zu einer Verschiebung der renalen
26/29 Exkretion zu Gunsten der biliären Ausscheidung führt. Gleichzeitig verkürzt sich durch diesen Prozess die Serumhalbwertszeit. Die mikrobiologische Aktivität des Hauptmetaboliten ist nicht ausreichend untersucht.
Elimination
Die initiale Halbwertszeit von Rifampicin kann zwischen 3-6-16 Stunden betragen. Sie wird durch den enterohepatischen Kreislauf der Substanz beeinflusst. Durch die oben beschriebene Enzyminduktion nimmt die Halbwertszeit im Verlauf der ersten Behandlungswochen ab. Rifampicin und sein Hauptmetabolit 25-Desacetyl-Rifampicin werden hauptsächlich auf hepatobiliärem Weg ausgeschieden (etwa 70 - 80 % der totalen Clearance). Etwa 10 - 15 % der applizierten Dosis werden mit dem Harn ausgeschieden, wobei die Anteile an Rifampicin und 25-Desacetyl-Rifampicin gleich hoch sind. Die renale Clearance erreicht etwa 1/8 der glomerulären Filtrationsrate.
Linearität/Nicht Linearität
Rifampicin weist eine nicht lineare Pharmakokinetik auf.
Pharmakokinetik bei speziellen Patientengruppen
Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion Die Elimination von Rifampicin wird durch Funktionsstörungen der Niere nicht beeinflusst. Funktionsstörungen der Niere können durch Aktivität der Leber kompensiert werden. Selbst bei stark eingeschränkter Nierenfunktion ist eine Anpassung der Dosis nicht nötig.
Dialysepatienten Durch Hämo- und Peritonealdialyse wird keine bedeutsame Minderung der Rifampicin-Serumkonzentrationen erzielt.
Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion Bei Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion sind die Plasmakonzentrationen erhöht und die Eliminationshalbwertszeit verlängert. Bei leichten Leberfunktionseinschränkungen kann mit reduzierter Rifampicin-Dosis unter Kontrolle der Rifampicin-Serumspiegel sowie engmaschiger Kontrolle der Leberfunktion therapiert werden. Bei stärkerer Leberfunktionsstörung ist die Anwendung von Rifampicin kontraindiziert (siehe Abschnitt 4.3).
Elimination bei gleichzeitig eingeschränkter Leber- und Nierenfunktion Bei leichten Leberfunktionseinschränkungen (Transaminasewerte <100 U/l als Richtwert) kann unabhängig von der Nierenfunktion unter Kontrolle der Rifampicin-Serumspiegel sowie engmaschiger Kontrolle der Leberfunktion mit reduzierter Rifampicin-Dosis therapiert werden.
Bei stärkeren Leberfunktionsstörungen ist die Anwendung von Rifampicin unabhängig von der Nierenfunktion kontraindiziert.
Früh- und Neugeborene In dieser Altersgruppe sind wegen der Unreife der Leber Abbau und Ausscheidung von Rifampicin deutlich verzögert. Mit erhöhten Serumspiegeln im Vergleich zu Erwachsenen und eventuell mit Kumulation ist zu rechnen.
5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit
Aus den Untersuchungen zur chronischen Toxizität liegen keine Erkenntnisse vor, die zu dem Verdacht führen, dass beim Menschen bisher unbekannte Nebenwirkungen auftreten könnten.
27/29 Mutagenität und Karzinogenität:
Rifampicin war negativ in bakteriellen Tests zur Genotoxizität. In vitro-Tests an Human- und anderen Säugerzellen ergaben jedoch widersprüchliche Ergebnisse, ebenso bisher durchgeführte in vivo-Tests. Das mutagene Potential von Rifampicin kann auf der Grundlage von bisher durchgeführten Studien nicht abschließend beurteilt werden.
Lebenszeitstudien an Ratten und Mäusen ergaben keine relevanten Hinweise hinsichtlich eines karzinogenen Potentials von Rifampicin.
Reproduktionstoxizität:
In diesbezüglichen Studien traten bei Ratten ab 100 mg/kg/Tag fetotoxische Effekte und bei Ratten und Mäusen ab 150 mg/kg/Tag Missbildungen auf (ZNS, Spina bifida, Anencephalie, Gaumenspalten).
Die Fertilität und die peri- und postnatale Entwicklung waren bei Ratten nicht beeinträchtigt.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Tablettenkern:
Mikrokristalline Cellulose
Croscarmellose-Natrium
Magnesiumstearat (Ph. Eur.) [pflanzlich]
Hochdisperses Siliciumdioxid
Sorbitol (Ph. Eur.) (E 420)
Tablettenüberzug:
Hypromellose
Macrogol (6000)
Propylenglycol (E 1520)
Eisen(III)-oxid (E 172)
Titandioxid (E 171)
6.2 Inkompatibilitäten
Nicht zutreffend.
6.3 Dauer der Haltbarkeit
3 Jahre
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Nicht über 25 °C lagern.
In der Originalverpackung (Blisterpackungen im Umkarton) aufbewahren, um den Inhalt vor Licht zu schützen.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
EREMFAT ist in PVC/Aluminium Blisterpackungen zu 30 Filmtabletten erhältlich.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung
Keine besonderen Anforderungen.
7. INHABER DER ZULASSUNG
Esteve Pharmaceuticals GmbH
Hohenzollerndamm 150-151
14199 Berlin
28/29 Deutschland phone +49 30 338427-0 e-mail info.germany@esteve.com
8. ZULASSUNGSNUMMERN
EREMFAT 450 mg – Filmtabletten: Z.Nr.: 1-20121
EREMFAT 600 mg – Filmtabletten: Z.Nr.: 1-20123
9. DATUM DER ERTEILUNG DER ZULASSUNG/VERLÄNGERUNG DER
ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 29.07.1993
Datum der letzten Verlängerung der Zulassung:
EREMFAT 450 mg – Filmtabletten: 15.03.2013
EREMFAT 600 mg – Filmtabletten: 26.03.2013
10. STAND DER INFORMATION
02/2026
REZEPTPFLICHT/APOTHEKENPFLICHT
Rezept- und apothekenpflichtig, wiederholte Abgabe verboten.
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Der Text dieser Seite gibt die amtliche Gebrauchs- beziehungsweise Fachinformation im Wortlaut wieder. Inhaltlich ist daran nichts verändert. Die Übernahme aus dem Original-PDF in die Darstellung dieser Seite erfolgte maschinell mit Hilfe von künstlicher Intelligenz.
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