Wie häufig sie ist
Die Angaben reichen von unter einem Prozent bis über dreißig. Woher dieser Abstand kommt – und warum ausgerechnet wohlhabende, individualistische Länder die höchsten Werte haben.
Wichtiger Hinweis
Dieser Ratgeber behandelt elterliche Erschöpfung, Vereinbarkeit und die finanzielle Seite des Elternseins. Er ersetzt weder eine ärztliche Abklärung noch eine Rechts- oder Sozialberatung. Die genannten Geldbeträge und Fristen sind Beispiele mit Stichtag, keine Zusage: Sie ändern sich regelmäßig, hängen von der persönlichen Situation ab und sind vor jeder Entscheidung bei der zuständigen Stelle zu prüfen. Wenn Sie das Gefühl haben, Ihrem Kind gegenüber nichts mehr geben zu können, oder wenn Gedanken auftauchen, die Sie erschrecken, holen Sie sich Hilfe: Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr und kostenlos unter 142 erreichbar, Rat auf Draht unter 147 auch für Sie als Bezugsperson. Bei akuter Gefahr wählen Sie 144.
14 Die große internationale Vergleichsstudie: Anlage und Stichprobe
Die bislang größte Untersuchung zur Häufigkeit elterlicher Erschöpfung ist die "International Investigation of Parental Burnout" (IIPB), initiiert und koordiniert von Isabelle Roskam und Moïra Mikolajczak unter Mitwirkung von rund hundert Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Sie befragte 17.409 Eltern aus 42 Ländern – 12.364 Mütter und 5.045 Väter, also zu 71 Prozent Mütter –, im Durchschnitt 39,2 Jahre alt. Erhoben wurde zwischen Januar 2018 und November 2019, also noch vor der COVID-19-Pandemie. Das IIPB-Konsortium ist seither auf rund 50 Länder angewachsen.
Österreich war nach den vorliegenden Angaben nicht unter den in den ausgewerteten Quellen genannten Ländern dieser Studie; ein eigens verifizierter Österreich-Wert aus der Originalstudie ließ sich in der zugrunde liegenden Recherche nicht auffinden. Südkorea nahm nicht teil: Die koreanische Forschungsgruppe ist laut dem Methodenteil der Studie vor der Datenerhebung gemeinsam mit den Gruppen aus Griechenland, Mexiko und Marokko aus dem Konsortium ausgestiegen. Für Korea existiert deshalb aus dieser Studie kein Wert – weder ein besonders hoher noch ein besonders niedriger.
15 Die gemessenen Länderwerte
Bei einem Cutoff von 86 Punkten – einem von zwei in der Studie verwendeten Grenzwerten, mehr dazu in Kapitel 8 – reicht die gemessene Prävalenz elterlicher Erschöpfung zwischen den 42 Ländern von rund 0,0 bis 9,8 Prozent. Am oberen Ende liegen westliche, individualistisch geprägte Länder: Belgien mit 9,8 Prozent, Polen mit 9,6 Prozent, die USA mit 8,9 Prozent. Am unteren Ende liegen unter anderem Kuba, Thailand und die Türkei nahe 0 Prozent sowie – je nach ausgewertetem Bericht zur selben Studie – auch China mit 1,4 Prozent und Japan mit 1,7 bis 1,8 Prozent, wobei diese beiden ostasiatischen Werte mit erheblichen eigenen Vorbehalten zu lesen sind, die weiter unten in diesem Kapitel folgen. Für dazwischenliegende Länder wurden unter anderem gemessen: Italien 0,5 bis 0,6 Prozent, Portugal 2,0 Prozent, Brasilien 1,3 Prozent, Spanien 3,2 bis 3,9 Prozent.
Wichtig für das Lesen dieser Zahlen: Keines dieser Länder darf als "Schlusslicht" oder "Spitzenreiter" der Studie bezeichnet werden, denn verschiedene Berichte zur selben Studie nennen für dieselben Länder unterschiedliche Werte – vermutlich, weil unterschiedliche Cutoff-Varianten oder gewichtete gegenüber ungewichteten Werten verwendet wurden. Jede einzelne Prozentzahl ist deshalb nur zusammen mit ihrem Cutoff-Wert und ihrer Stichprobengröße aussagekräftig, nicht als isolierte Rangliste.
16 Individualismus als stärkster Einzelfaktor
Der auffälligste, kontraintuitive Befund der Studie: Nicht Armut, nicht die Kinderzahl pro Familie und nicht wirtschaftliche Ungleichheit erklären die Unterschiede zwischen den Ländern am besten, sondern der Grad des Individualismus einer Kultur – gemessen mit einem gängigen kulturvergleichenden Index. Reiche, individualistische westliche Länder mit im Schnitt wenigen Kindern pro Familie sind demnach am stärksten betroffen; in stärker kollektivistisch geprägten, oft ärmeren Ländern mit mehr Kindern wirkt der gemeinschaftliche Zusammenhalt offenbar schützend. Ein Beispiel aus der französischsprachigen Fachliteratur: In afrikanischen Ländern gilt Kindererziehung als eine "deutlich weniger einsame Tätigkeit", weil sich mehr Menschen als das Elternpaar mitverantwortlich fühlen.
Ein exakter statistischer Zusammenhangswert für diesen Befund ließ sich in der zugrunde liegenden Recherche trotz Volltextzugriffs nicht auffinden; belegt ist nur die qualitative Aussage, dass der Individualismus einer Kultur mehr der Unterschiede zwischen Ländern erklärt als wirtschaftliche Ungleichheit oder Merkmale wie Kinderzahl, Alter der Kinder oder Betreuungsstunden.
17 Eine Korrelation auf Länderebene, kein Urteil über den Einzelnen
Dieser Individualismus-Befund gilt auf der Ebene ganzer Länder, nicht auf der Ebene einzelner Personen. Aus ihm folgt nicht, dass eine einzelne, eher individualistisch eingestellte Mutter oder ein einzelner Vater deshalb persönlich stärker gefährdet wäre. Statistikerinnen und Statistiker sprechen hier von einer "ökologischen Korrelation": Der Zusammenhang beschreibt ein Muster zwischen Ländern als Ganzem, keinen individuellen Wirkmechanismus, den man auf eine einzelne Familie übertragen könnte.
Für Österreich lässt sich aus diesem Befund trotzdem ein Rahmen ableiten: Österreich ist eine wohlhabende, individualistisch geprägte westliche Gesellschaft mit vergleichsweise wenigen Kindern pro Familie – nach dem Muster der Studie also eher ein Risikoprofil für ein insgesamt höheres Erschöpfungsaufkommen, unabhängig vom jeweiligen Einzelfall und unabhängig vom konkreten Sozialsystem.
18 Warum niedrige Werte nicht automatisch weniger Erschöpfung bedeuten
Eine niedrig gemessene Prävalenz in einem Land bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Eltern dort tatsächlich weniger erschöpft sind. Sie kann auch Stigma widerspiegeln, eine geringere Bereitschaft, Erschöpfung überhaupt zu berichten, oder ein Messinstrument, das kulturspezifische Formen von Erschöpfung nicht gut erfasst. Für die ostasiatischen Werte kommen mehrere solcher Vorbehalte zusammen: Die japanische Teilstichprobe war mit einem Durchschnittsalter von 54,4 Jahren mit Abstand die älteste aller 42 Länderstichproben – rund 15 Jahre älter als der Durchschnitt der Gesamtstudie von 39,2 Jahren. Die Befragten waren damit überwiegend Eltern bereits erwachsener oder nahezu erwachsener Kinder, nicht Eltern von Klein- oder Schulkindern; der niedrige japanische Wert sagt daher in erster Linie etwas über Rückschau und Kultur aus, nicht notwendig über die aktuelle Belastung von Eltern kleiner Kinder. Und wie im vorigen Kapitel beschrieben, misst die chinesische Sprachfassung des Instruments möglicherweise nicht exakt dasselbe wie die europäische Originalfassung.
Ein weiterer Beleg für diese Vorsicht: Eine unabhängige brasilianische Übersichtsarbeit, die mehrere Einzelstudien zusammenfasst, nennt für Japan einen Wert von 17,3 Prozent – rund das Zehnfache des in der 42-Länder-Studie gemessenen Werts, mit 21 Prozent bei Müttern und 2,3 Prozent bei Vätern. Diese Diskrepanz wird im vorliegenden Material nicht aufgelöst. Sie ist selbst die wichtigste Lehre daraus: Ein niedriger gemessener Wert für ein bestimmtes Land darf nicht als gesicherte Tatsache dargestellt werden, sondern nur mit der Angabe, welches Instrument, welcher Cutoff und welche Stichprobe dahinterstehen.
19 Belgien und Frankreich: die Methode entscheidet über die Zahl
Eine der methodisch wichtigsten europäischen Einzelstudien, ebenfalls von der belgischen Forschungsgruppe, befragte 1.723 Eltern und zeigt besonders deutlich, wie stark die berichtete Häufigkeit von der Berechnungsmethode abhängt: Je nachdem, wie gerechnet wird, liegt der Anteil betroffener Eltern zwischen 2 und 12 Prozent. Die Autorinnen bevorzugen selbst eine konservativere Rechnung: 5 Prozent der Eltern mit ausgeprägtem Burnout und weitere 8 Prozent mit hohem Risiko. Eine belgische Familienorganisation kam in einer eigenen Befragung unter 1.600 wallonischen und Brüsseler Eltern auf die Einschätzung, dass "ein Elternteil von fünf" burnoutgefährdet sei, umgerechnet mindestens 100.000 Mütter und 50.000 Väter in Belgien.
Für Frankreich kursiert in Presseberichten – nicht aus dem Volltext einer Primärstudie – eine Zahl von 6,2 Prozent aus einer internationalen Studie von 2021; diese Angabe gilt als nicht verifiziert. Die vorsichtige Einordnung für ähnlich strukturierte westeuropäische Wohlfahrtsstaaten wie Österreich lautet daher: je nach Rechnung ist wahrscheinlich zwischen jedem zwanzigsten und jedem achten Elternteil betroffen oder zumindest deutlich gefährdet – eine plausible Größenordnung, keine gemessene österreichische Zahl.
20 Eine spanische Studie kommt auf ein Vielfaches
Wie stark die Wahl der Auswertungsmethode das Ergebnis verändert, zeigt eine spanische Studie an 438 Müttern und Vätern besonders deutlich. Statt einen einzelnen Cutoff-Wert anzuwenden, bildeten die Forschenden anhand der individuellen Antwortmuster vier unterschiedliche Eltern-Burnout-Profile. Mit diesem personenzentrierten Ansatz wiesen über 26 Prozent der Befragten sehr hohe Erschöpfungswerte auf – gegenüber 3,2 Prozent, die für dasselbe Land mit der Cutoff-Methode der 42-Länder-Studie ermittelt wurden.
Diese Diskrepanz ist selbst der eigentliche Befund: Prävalenzangaben hängen massiv davon ab, wie rekrutiert und wie ausgewertet wird. Für den Ratgeber folgt daraus, eine Bandbreite zu nennen, wo immer möglich, statt einer einzelnen, vermeintlich exakten Zahl.
21 Warum die Zahlen so weit auseinanderliegen
Zusammengefasst gibt es fünf Gründe, warum Prävalenzangaben zu elterlicher Erschöpfung um ein Vielfaches auseinandergehen: die Wahl des Cutoff-Werts, der Rekrutierungsweg der Stichprobe, die Auswertungslogik (fester Cutoff gegenüber individueller Profilbildung), der Erhebungszeitraum und die untersuchte Bevölkerungsgruppe. Ein Beispiel dafür, wie stark sich das innerhalb desselben Landes auswirken kann: Spanien mit 3,2 Prozent nach der Cutoff-Methode gegenüber über 26 Prozent nach der Profilmethode; Italien mit 0,5 bis 0,6 Prozent bei einem Cutoff von 92; Belgien und Frankreich mit 2 bis 12 Prozent, je nach Berechnung innerhalb derselben Studie.
Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Das gesamte Forschungsfeld wird stark von einer einzigen Arbeitsgruppe geprägt, und viele der zugrunde liegenden Studien beruhen auf Online-Stichproben mit deutlichem Frauenüberhang – in der 42-Länder-Studie etwa 71 Prozent Mütter. Es gibt deshalb keine einzelne "richtige" Prävalenzzahl für elterliche Erschöpfung, weder international noch für ein einzelnes Land.
22 Es gibt keine österreichische Prävalenzstudie – die Forschungslücke
Für Österreich existiert keine bevölkerungsrepräsentative Studie, die eine eigene Prävalenzquote für elterliche Erschöpfung beziffert. Diese Lücke ist kein Nebensatz, sondern gehört ausdrücklich in diesen Ratgeber: Die verfügbare Evidenz für Österreich stammt ausschließlich aus internationalen Vergleichsstudien, in denen Österreich entweder gar nicht als eigenes Land geführt wird oder deren Zahlen nicht eigens für Österreich verifiziert werden konnten.
Es gibt eine österreichische Studie zum allgemeinen, nicht elternspezifischen Burnout-Syndrom im Auftrag des Sozialministeriums, mit über 1.000 Befragten, veröffentlicht 2017 – sie misst aber ausdrücklich keine elternspezifische Erschöpfung, sondern Berufsburnout in der Gesamtbevölkerung. Das Österreichische Institut für Familienforschung an der Universität Wien war beziehungsweise ist an einer internationalen Studie zu elterlicher Zufriedenheit und Erschöpfung beteiligt; konkrete quantitative Ergebnisse eigens für Österreich waren zum Recherchezeitpunkt nicht auffindbar.
23 Was für Österreich stattdessen vorliegt
Eine österreichische Universitätsquelle, ein Blogbeitrag der Universität Klagenfurt, ordnet Österreich unter Berufung auf die 42-Länder-Studie als "im Mittelfeld, weniger individualistisch und weniger burnoutgefährdet" ein und nennt dafür eine Bandbreite von 8 bis 36 Prozent betroffener Eltern. Diese Bandbreite lässt sich mit der im Volltext der Originalstudie belegten Spanne von 0,0 bis 9,8 Prozent nicht vereinbaren – der Unterschied beträgt etwa das Vierfache. Vermutlich beruht die höhere Zahl auf einem weniger strengen Cutoff-Wert oder auf einer Verwechslung mit einem weiter gefassten Risikobegriff, der auch gefährdete, noch nicht betroffene Eltern mitzählt. Für diesen Ratgeber wird deshalb die direkt aus dem Volltext der Originalstudie gelesene Spanne von 0,0 bis 9,8 Prozent verwendet; die Klagenfurter Bandbreite und die daraus abgeleitete Einordnung "Mittelfeld" werden nicht übernommen, weil es sich um eine ungeprüfte Sekundärquelle handelt, nicht um eine eigene Messung.
Festzuhalten bleibt: Es gibt für Österreich keinen verifizierten Wert aus der internationalen Vergleichsstudie und keine eigenständige österreichische Erhebung. Was plausibel ist, aber nicht gemessen: Als individualistisch geprägte, wohlhabende westliche Gesellschaft läge Österreich dem Kulturmodell der Studie zufolge eher im mittleren bis oberen Bereich der europäischen Werte – vergleichbar etwa mit Belgien oder Frankreich – als am unteren Ende. Das ist eine Einordnung, keine Messung.
24 Ein laufendes Forschungsprojekt in Italien
Ein Hinweis darauf, dass sich die Datenlage in den kommenden Jahren verbessern könnte: Ein italienisches Forschungsprojekt namens "Focus on Parents", geleitet von der Universität Bologna gemeinsam mit den Universitäten Palermo, Rom und Turin, läuft von 2024 bis 2026 mit EU-Förderung. Es prüft die psychometrische Validität der italienischen Fassung des Messinstruments und erhebt neue epidemiologische Daten an drei italienischen Elternstichproben mit Kindern von 0 bis 18 Jahren, rekrutiert über Schulen, psychische Gesundheitsdienste und eine Geburtskohorte. Eine veröffentlichte Prävalenz-Prozentzahl liegt noch nicht vor.
Vorläufige Befunde deuten aber schon jetzt in eine Richtung, die für diesen Ratgeber wichtig ist: Burnout kann auch ohne sozioökonomische Schwierigkeiten auftreten; interne Faktoren wie Perfektionismus und mentale Last spielen eine bestimmende Rolle; und es zeigt sich ein systematischer Unterschied zwischen Müttern und Vätern, mit höheren Werten bei Müttern. Diese Befunde werden in den Kapiteln 3 und 5 aufgegriffen.
25 Ein Blick über Europa hinaus: eine ungeklärte Diskrepanz
Wie in Kapitel 19 angedeutet, ist der Widerspruch zwischen den sehr niedrigen ostasiatischen Werten aus der 42-Länder-Studie und deutlich höheren Werten aus anderen Einzelstudien der auffälligste Befund im gesamten internationalen Material. Für China nennt die 42-Länder-Studie 1,4 Prozent, für Japan 1,7 bis 1,8 Prozent – zwei der niedrigsten gemessenen Werte, ohne dass sich aus dem vorliegenden Material eine verlässliche Rangfolge zwischen allen 42 Ländern ableiten ließe (siehe Kapitel 16). Für Südkorea liegt, wie erwähnt, überhaupt kein Wert aus dieser Studie vor, weil das Land nicht teilnahm; auch aus anderen Quellen existiert keine repräsentative koreanische Prävalenzzahl für elterliche Erschöpfung.
Zugleich dokumentieren dieselben Länder in anderen Kapiteln dieses Ratgebers eine außergewöhnlich hohe objektive Belastung von Eltern: sehr hohe Kinderkosten im Verhältnis zum Einkommen, eine der ungleichsten Verteilungen von Sorgearbeit weltweit, lange Arbeitszeiten, Diskriminierung nach Schwangerschaft und die niedrigsten Geburtenraten der Welt. Für dieses Nebeneinander von hoher Last und niedrig gemessener Erschöpfung gibt es zwei Erklärungsstränge, die sich nicht gegenseitig ausschließen. Der inhaltliche: In stärker kollektivistisch geprägten Gesellschaften wird die Last stellenweise durch geteilte Verantwortung getragen – in China etwa ist Großelternbetreuung nicht die Ausnahme, sondern nach vorliegenden Zahlen der statistische Normalfall. Der messmethodische: Die japanische Stichprobe war ungewöhnlich alt, die chinesische Sprachfassung misst möglicherweise ein anderes Konstrukt, und eine unabhängige Übersichtsarbeit findet für Japan einen zehnfach höheren Wert. Beide Erklärungen stehen nebeneinander im Material; keine widerlegt die andere, und keine ist abschließend belegt.
26 Was diese Zahlen nicht sagen
Aus allem in diesem Kapitel folgt eine Reihe von Dingen, die diese Zahlen ausdrücklich nicht hergeben und die deshalb in diesem Ratgeber auch nicht behauptet werden: Es gibt keine verifizierte Prävalenzzahl für Österreich. Kein Land darf als Schlusslicht oder Spitzenreiter der 42-Länder-Studie bezeichnet werden, weil verschiedene Quellen zur selben Studie unterschiedliche Werte nennen. Ein zuvor kursierender Individualismus-Wert für Österreich wurde vom zugrunde liegenden Recherchebericht ausdrücklich zurückgezogen und wird hier nicht verwendet. Und ein niedriger gemessener Wert für ein Land bedeutet nicht automatisch, dass Eltern dort tatsächlich weniger leiden.
27 Was das für Sie als Eltern in Österreich heißt
Für die praktische Einordnung bedeutet all das: Ob elterliche Erschöpfung in Österreich nun 3, 8 oder 15 Prozent der Eltern betrifft, lässt sich mit dem vorliegenden Material nicht beziffern. Was sich aber sicher sagen lässt: Es ist ein reales, in vielen Ländern und Kulturen unabhängig voneinander beschriebenes Phänomen, das Österreich mit seiner wohlhabenden, individualistisch geprägten Gesellschaftsform strukturell nicht erspart bleiben dürfte. Die fehlende österreichische Zahl ist kein Beleg dafür, dass es das Problem hierzulande seltener gibt – sie ist in erster Linie ein Beleg dafür, dass es noch niemand eigens gemessen hat.
Für die eigene Situation ist die exakte Landesprävalenz ohnehin von geringerer Bedeutung als die Frage, die in den nächsten Kapiteln beantwortet wird: woran man elterliche Erschöpfung bei sich selbst erkennt, was sie unbehandelt anrichten kann, und wer besonders gefährdet ist.
Alle Kapitel dieses Ratgebers
- 1. Was elterliche Erschöpfung ist Abschnitt 1–13 · 13
- 2. Wie häufig sie ist Abschnitt 14–27 · 14
- 3. Woran man sie erkennt Abschnitt 28–39 · 12
- 4. Was sie anrichtet Abschnitt 40–53 · 14
- 5. Wer besonders gefährdet ist Abschnitt 54–65 · 12
- 6. Nach der Geburt Abschnitt 66–83 · 18
- 7. Schlafmangel Abschnitt 84–93 · 10
- 8. Die mentale Last Abschnitt 94–107 · 14
- 9. Vereinbarkeit Abschnitt 108–125 · 18
- 10. Kinderbetreuung Abschnitt 126–137 · 12
- 11. Der Preis in Geld und Pension Abschnitt 138–149 · 12
- 12. Was ein Kind kostet Abschnitt 150–161 · 12
- 13. Kinderarmut Abschnitt 162–173 · 12
- 14. Alleinerziehende Abschnitt 174–185 · 12
- 15. Was nachweislich hilft Abschnitt 186–199 · 14
- 16. Wann es Behandlung braucht Abschnitt 200–209 · 10
- 17. Hilfen in Österreich Abschnitt 210–233 · 24
- 18. Fragen, Irrtümer und Einordnung Abschnitt 234–247 · 14
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