Sepsis ist eine lebensbedrohliche Reaktion des Körpers auf eine Infektion. Umgangssprachlich wird häufig „Blutvergiftung“ gesagt. Dieser Begriff ist jedoch missverständlich: Sepsis bedeutet nicht einfach, dass „Bakterien im Blut“ schwimmen. Sie entsteht, wenn die Reaktion des Körpers auf eine Infektion so entgleist, dass Organe nicht mehr ausreichend funktionieren.

Kinder können sich bei Sepsis innerhalb kurzer Zeit deutlich verschlechtern. Gleichzeitig ist die Erkrankung am Anfang oft schwer zu erkennen, weil frühe Beschwerden wie Fieber, schnelles Atmen, Müdigkeit oder Erbrechen auch bei vielen gewöhnlichen Infekten vorkommen. Für Eltern ist deshalb nicht ein einzelnes Symptom entscheidend, sondern das Gesamtbild und insbesondere die Frage: „Wirkt dieses Kind ungewöhnlich krank oder anders als sonst?“

Ein Hautausschlag muss bei Sepsis nicht vorhanden sein. Die klassische Vorstellung vom Kind mit Meningokokken-Sepsis und nicht wegdrückbaren violetten Flecken ist nur eine mögliche Form. Ein Kind kann eine schwere Sepsis haben, ohne irgendeinen Ausschlag zu entwickeln.

Besonders ernst sind Auffälligkeiten wie sehr schnelle oder angestrengte Atmung, graue oder marmorierte Haut, ungewöhnliche Schläfrigkeit, Verwirrtheit, schwacher Kreislauf, deutlich weniger Urin, anhaltendes Erbrechen, Krampfanfälle oder eine rasche Verschlechterung. Bei einem jungen Säugling können die Zeichen wesentlich unspezifischer sein: schlechtes Trinken, Temperaturinstabilität, ungewöhnliche Teilnahmslosigkeit oder Atempausen.

Sepsis wird im Krankenhaus behandelt. Die Therapie umfasst abhängig von Ursache und Schwere unter anderem rasche Antibiotika bei vermuteter bakterieller Sepsis, Flüssigkeits- und Kreislauftherapie, Sauerstoff beziehungsweise Atemunterstützung und die Behandlung der Infektionsquelle. Moderne Leitlinien versuchen dabei gleichzeitig, Sepsis möglichst früh zu behandeln und unnötige Antibiotika bei Kindern ohne bakterielle Sepsis zu vermeiden.

Dieser Ratgeber soll Eltern helfen, Warnzeichen zu erkennen und zu verstehen, was im Krankenhaus passiert. Er ist ausdrücklich keine Anleitung, Sepsis zu Hause selbst zu diagnostizieren oder zu behandeln.

So ist dieser Ratgeber aufgebaut

Grundlage dieses Ratgebers sind Leitlinien, Behördeninformationen und Fachliteratur – insgesamt 19 ausgewertete Quellen aus mehreren Sprachräumen (Deutsch / Österreich, Großbritannien, International / Englisch, Spanisch, Chinesisch, Japanisch, Indien, Portugiesisch / Brasilien, Russisch, Französisch / Italienisch). Maßgeblich für Familien in Österreich sind dabei stets die österreichischen Empfehlungen; Angaben aus anderen Ländern dienen der Einordnung.

Die vollständige Liste der ausgewerteten Leitlinien, Behördeninformationen und Fachartikel finden Sie am Ende des Artikels unter „Quellen und Literatur".

Wichtiger Hinweis

Sepsis ist ein medizinischer Notfall. Dieser Text dient nur der allgemeinen Information und kann Sepsis weder diagnostizieren noch ausschließen. Bei einem ungewöhnlich schwer kranken Kind, rascher Verschlechterung, Atemnot, Bewusstseinsstörung, Kreislaufproblemen oder nicht wegdrückbarem Ausschlag ist sofortige medizinische Hilfe erforderlich.

1. Was ist Sepsis?

Sepsis ist eine lebensbedrohliche Organdysfunktion, die durch eine fehlregulierte Reaktion des Körpers auf eine Infektion entsteht.

Das ist die moderne Kernidee.

Die Infektion kann

  • bakteriell
  • viral
  • durch Pilze

verursacht sein.

Bei Kindern sind bakterielle Infektionen besonders wichtig, weil wirksame Antibiotika möglichst früh gegeben werden müssen.

Sepsis ist keine einzelne Erregerkrankheit, sondern ein Syndrom.

2. Warum „Blutvergiftung“ nicht ganz stimmt

Der umgangssprachliche Begriff vermittelt leicht die Vorstellung, dass Gift oder Bakterien im Blut die Krankheit definieren.

Tatsächlich können Blutkulturen bei Sepsis

  • positiv
  • oder negativ

sein.

Ein Kind kann schwere Organfunktionsstörungen durch eine Infektion entwickeln, ohne dass im Blut ein Erreger nachgewiesen wird.

Umgekehrt kann eine Bakteriämie – Bakterien im Blut – bestehen, ohne dass bereits eine Sepsis vorliegt.

3. Was ist ein septischer Schock?

Septischer Schock ist die besonders schwere Form mit ausgeprägter Kreislaufstörung.

Organe erhalten nicht mehr zuverlässig ausreichend

  • Sauerstoff
  • Blutfluss.

Kinder können lange versuchen, den Blutdruck durch schnellen Puls und Gefäßverengung aufrechtzuerhalten.

Ein normaler Blutdruck schließt deshalb bei einem Kind frühen schweren Schock nicht sicher aus.

Niedriger Blutdruck ist bei Kindern häufig ein spätes Warnzeichen.

4. Wie entsteht Sepsis?

Normalerweise bekämpft das Immunsystem eine Infektion lokal.

Bei Sepsis kommt es zu einer systemischen, fehlregulierten Reaktion.

Dabei verändern sich

  • Gefäßweite
  • Gefäßdurchlässigkeit
  • Gerinnung
  • Zellstoffwechsel
  • Herzfunktion
  • Immunantwort.

Die Folge kann sein, dass

  • Blutdruck sinkt
  • Flüssigkeit aus Gefäßen austritt
  • Mikrozirkulation gestört wird
  • Organe nicht ausreichend arbeiten.

5. Welche Infektionen können Sepsis auslösen?

Mögliche Ausgangspunkte

  • Lungenentzündung
  • Harnwegsinfektion/Nierenbeckenentzündung
  • Meningitis
  • Haut-/Weichteilinfektion
  • Bauchinfektion
  • Knochen-/Gelenkinfektion
  • Infektion eines Katheters.

Bei Neugeborenen können Erreger auch rund um Geburt übertragen werden.

Manchmal bleibt die genaue Infektionsquelle zunächst unklar.

6. Welche Erreger spielen eine Rolle?

Je nach Alter und Situation unter anderem

  • Pneumokokken
  • Meningokokken
  • Streptokokken der Gruppe A
  • Staphylococcus aureus
  • Escherichia coli
  • andere gramnegative Bakterien.

Bei Neugeborenen

  • Gruppe-B-Streptokokken
  • E. coli
  • andere perinatale Erreger.

Bei Immunschwäche

  • ungewöhnlichere Bakterien
  • Pilze.

Auch schwere Virusinfektionen können sepsisartige Organdysfunktion auslösen.

7. Wie häufig ist Sepsis bei Kindern?

Sepsis ist wesentlich seltener als gewöhnliche Infekte, bleibt aber weltweit eine wichtige Ursache vermeidbarer schwerer Erkrankung und Sterblichkeit bei Kindern.

Die Krankheitslast unterscheidet sich stark nach

  • Alter
  • Land
  • Zugang zu medizinischer Versorgung
  • Vorerkrankungen.

In Ländern mit guter Impfquote, schneller Notfallversorgung und pädiatrischer Intensivmedizin ist die Prognose deutlich besser als in Regionen mit eingeschränktem Zugang.

Trotzdem kann Sepsis auch bei zuvor gesunden Kindern in Mitteleuropa auftreten.

8. Welche Kinder haben ein erhöhtes Risiko?

Besonders:

  • Neugeborene
  • junge Säuglinge
  • Frühgeborene
  • Kinder mit Immunschwäche
  • Krebsbehandlung
  • nach Transplantation
  • schwere chronische Erkrankungen
  • zentraler Venenkatheter
  • fehlende Milz beziehungsweise schwere Milzfunktionsstörung.

Aber:

Auch ein vollständig gesundes Kind kann eine Sepsis entwickeln.

9. Neugeborene und junge Säuglinge

Bei sehr jungen Babys kann Sepsis wenig „typisch“ aussehen.

Mögliche Zeichen

  • schlechtes Trinken
  • ungewöhnliche Schläfrigkeit
  • Reizbarkeit
  • Temperatur zu hoch oder zu niedrig
  • schnelle Atmung
  • Atempausen
  • blasse/graue Haut
  • Erbrechen
  • weniger Bewegung.

Fieber bei einem jungen Säugling gehört generell rasch medizinisch beurteilt.

Umgekehrt schließt normale Temperatur eine neonatale Sepsis nicht aus.

10. Immungeschwächte Kinder

Bei Kindern unter Chemotherapie oder mit schwerer Immunsuppression kann Fieber das einzige frühe Zeichen einer gefährlichen Infektion sein.

Besonders die febrile Neutropenie folgt eigenen Notfallprotokollen.

Familien erhalten dafür individuelle Anweisungen.

Sie sollten nicht nach allgemeinen Fieberregeln für gesunde Kinder handeln, sondern den Notfallplan ihres Zentrums befolgen.

11. Welche Symptome können auftreten?

Es gibt kein einzelnes „Sepsis-Symptom“.

Mögliche Warnzeichen betreffen

  • Atmung
  • Kreislauf
  • Bewusstsein
  • Haut
  • Urin
  • Temperatur.

Besonders wichtig ist die Kombination und die rasche Verschlechterung.

Warnzeichen nach Beobachtungsbereich

Bereich auswählen – die Ampel zeigt, welche Beobachtungen dort für Rot, Gelb und Grün sprechen.

Kein Selbsttest und keine Triage. Diese Übersicht soll Eltern helfen, das Beobachtete zu benennen – sie ersetzt keine ärztliche Beurteilung und darf nicht dazu verwendet werden, ein schwer krankes Kind zu Hause „freizutesten“. Entscheidend ist die Kombination mehrerer Zeichen und eine rasche Verschlechterung. Im Zweifel gilt in Österreich der Notruf 144 (europaweit 112). Angelehnt an das Ampel-Prinzip der NICE-Leitlinie zur Sepsiserkennung.

12. Fieber

Viele Kinder mit Sepsis haben Fieber.

Aber hohes Fieber allein bedeutet nicht Sepsis.

Die allermeisten fiebernden Kinder haben harmlose oder unkomplizierte Infektionen – wie sich Fieber allgemein einordnen lässt, steht im Ratgeber Fieber bei Kindern und Jugendlichen.

Besorgniserregender ist Fieber zusammen mit

  • deutlich krankem Eindruck
  • Atemnot
  • schlechtem Kreislauf
  • Bewusstseinsveränderung
  • nicht wegdrückbarem Ausschlag.

13. Sepsis ohne Fieber

Sepsis kann ohne Fieber auftreten.

Besonders:

  • Neugeborene
  • immungeschwächte Kinder
  • schwere Kreislaufstörung

können normale oder niedrige Temperatur haben.

„Kein Fieber“ ist deshalb kein zuverlässiger Ausschluss.

14. Atmung

Warnzeichen

  • sehr schnelle Atmung
  • deutliche Einziehungen
  • Stöhnen
  • Luftnot
  • bläuliche Lippen
  • Atempausen.

Eine schnelle Atmung kann durch

  • Fieber
  • Lungenentzündung
  • Stoffwechselübersäuerung
  • Kreislaufversagen

entstehen.

NICE verwendet altersabhängige Atemfrequenzgrenzen in der klinischen Risikoeinschätzung.

Eltern müssen diese Zahlen nicht auswendig lernen.

Auffällige Atemarbeit ist wichtiger als das Zählen zu Hause.

15. Kreislauf und Haut

Mögliche Zeichen

  • ungewöhnlich blasse Haut
  • graue Farbe
  • marmoriert
  • kalte Hände und Füße
  • ungewöhnlich heiße Extremitäten bei anderem Schockmuster
  • verzögerte Rekapillarisierung
  • schneller Puls.

Bei der Rekapillarisierung wird kurz Druck auf die Haut ausgeübt und beobachtet, wie schnell die Farbe zurückkehrt.

Das ist ein klinisches Zeichen, kein zuverlässiger Eltern-Selbsttest.

16. Verhalten und Bewusstsein

Ein wichtiges Warnzeichen ist

„Das Kind ist nicht wie sonst.“

Möglich:

  • schwer weckbar
  • ungewöhnlich schläfrig
  • verwirrt
  • sehr reizbar
  • reagiert kaum
  • schwacher Schrei beim Säugling.

Bewusstseinsveränderung spricht für schwere Erkrankung und gehört sofort abgeklärt.

17. Urin und Flüssigkeitshaushalt

Bei schlechter Nierendurchblutung produziert der Körper weniger Urin.

Warnzeichen

  • deutlich weniger nasse Windeln
  • Kind uriniert über viele Stunden kaum
  • trockener Mund
  • gleichzeitig schlechter Allgemeinzustand.

Wenig Urin kann auch durch einfache Austrocknung entstehen.

Im Kontext einer schweren Infektion ist es jedoch relevant.

18. Schmerzen und Magen-Darm-Symptome

Sepsis kann einhergehen mit

  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Bauchschmerzen
  • starken Muskel- oder Gliederschmerzen.

Besonders Meningokokken-Erkrankungen können anfangs

  • starke Bein-/Gliederschmerzen
  • kalte Hände/Füße
  • blasse Haut

machen, bevor ein typischer Ausschlag erscheint.

19. Hautausschlag und Meningokokken

Meningokokken können eine fulminante Sepsis verursachen.

Bekannt sind

  • punktförmige rote/violette Einblutungen
  • größere Purpura-Flecken.

Diese Hautveränderungen lassen sich beim Druck häufig nicht wegdrücken.

Aber:

Nicht jedes Kind mit Meningokokken-Sepsis hat früh einen Ausschlag.

Darauf zu warten kann gefährlich sein.

20. Der Glas-Test

Elterninformationen verwenden manchmal den sogenannten Glas-Test

Ein durchsichtiges Glas wird auf den Ausschlag gedrückt.

Bleibt der Fleck sichtbar und verblasst nicht, kann es sich um eine Hautblutung handeln.

Ein nicht wegdrückbarer Ausschlag bei krankem Kind ist ein Notfall.

Aber:

Ein wegdrückbarer Ausschlag schließt Sepsis nicht aus.

Der Glas-Test darf nicht benutzt werden, um ein schwer krankes Kind zu Hause „freizutesten“.

21. Warum Elterngefühl wichtig ist

NICE berücksichtigt ausdrücklich die Sorge von Eltern beziehungsweise Betreuungspersonen.

Eltern kennen

  • normales Verhalten
  • normalen Schlaf
  • Trinkverhalten

ihres Kindes.

Aussagen wie

„So krank habe ich mein Kind noch nie gesehen“

oder

„Es reagiert völlig anders als sonst“

sind medizinisch relevant.

22. Diagnose im Krankenhaus

Sepsisdiagnostik beginnt parallel zur Stabilisierung.

Ärztinnen und Ärzte beurteilen

  • Atemweg
  • Atmung
  • Kreislauf
  • neurologischen Zustand
  • Haut
  • Infektionsquelle.

Bei hohem Risiko wird Therapie nicht aufgeschoben, bis jeder Test abgeschlossen ist.

23. Vitalparameter

Gemessen werden

  • Herzfrequenz
  • Atemfrequenz
  • Blutdruck
  • Sauerstoffsättigung
  • Temperatur.

Werte werden altersabhängig interpretiert.

Ein Puls von 150 kann bei einem Säugling anders bewertet werden als bei einem Jugendlichen.

24. Blutuntersuchungen

Mögliche Werte

  • Blutbild
  • CRP
  • Prokalzitonin
  • Laktat
  • Elektrolyte
  • Nieren-/Leberwerte
  • Gerinnung.

Kein einzelner Entzündungswert beweist oder widerlegt Sepsis.

Ein früher schwer kranker Patient kann anfangs noch relativ niedrige Marker haben.

25. Laktat

Laktat kann bei gestörter Gewebedurchblutung und verändertem Stoffwechsel steigen.

Es hilft

  • Schweregrad einzuschätzen
  • Verlauf zu beurteilen.

Ein normaler Laktatwert schließt eine Sepsis jedoch nicht vollständig aus.

Der neue spanische pädiatrische Konsensus 2026 und internationale Leitlinien verwenden Laktat als Teil der Risikoeinschätzung, nicht als alleinigen Test.

26. Blutkulturen

Vor Antibiotikagabe werden möglichst Blutkulturen abgenommen.

Damit kann

  • Erreger identifiziert
  • Antibiotikum gezielt angepasst

werden.

Aber:

Wenn die Abnahme die lebenswichtige Antibiotikatherapie bei Schock deutlich verzögern würde, wird nicht gewartet.

27. Weitere Erregerdiagnostik

Je nach Verdacht

  • Urin
  • Liquor bei Meningitisverdacht
  • Atemwegs-PCR
  • Wundabstrich
  • Gelenkflüssigkeit.

Eine Lumbalpunktion wird nur durchgeführt, wenn sie sicher ist und die Stabilisierung nicht verzögert.

28. Bildgebung und Suche nach der Infektionsquelle

Mögliche Untersuchungen

  • Lungenultraschall/Röntgen
  • Ultraschall Bauch
  • Echokardiografie
  • CT/MRT bei speziellen Fragen.

Wichtig ist, eine behandelbare Quelle zu finden

  • Abszess
  • infizierter Katheter
  • Bauchherd.

29. Phoenix-Sepsis-Kriterien

2024 wurden neue internationale pädiatrische Sepsis- und septische-Schock-Kriterien veröffentlicht – die Phoenix-Kriterien.

Sie bewerten Organdysfunktion in vier Bereichen

  • Atmung
  • Herz-Kreislauf
  • Gerinnung
  • neurologischer Zustand.

Eine internationale Validierungsstudie von 2026 bestätigte, dass diese Kriterien bei Kindern auf Intensivstationen mit deutlich erhöhtem Sterberisiko verbunden sind.

Wichtig:

Phoenix ist eine klinisch-wissenschaftliche Definition für Fachpersonal.

Sie ist kein Screeningwerkzeug für Eltern und soll die frühe klinische Einschätzung nicht ersetzen.

30. Warum Scores keine Eltern-Selbsttests sind

Scores benötigen

  • Laborwerte
  • Blutgas
  • Medikamente
  • professionelle Untersuchung.

Ein Kind kann früh gefährlich krank sein, bevor ein formaler Score hoch wird.

Darum gilt

Bei schwer krankem Eindruck medizinische Hilfe holen – nicht erst Punkte zusammenrechnen.

31. Behandlung

Sepsisbehandlung läuft gleichzeitig auf mehreren Ebenen

  • Infektion behandeln
  • Sauerstoffversorgung sichern
  • Kreislauf stabilisieren
  • Organfunktion unterstützen
  • Quelle kontrollieren.

Zeit ist wichtig.

32. Antibiotika

Bei wahrscheinlicher bakterieller Sepsis werden intravenöse Breitbandantibiotika gegeben.

Welche Wirkstoffe gewählt werden, hängt ab von

  • Alter
  • vermuteter Quelle
  • Vorerkrankungen
  • lokalen Resistenzen
  • Krankenhaus/ambulant erworben.

Nach Erregernachweis wird die Therapie möglichst gezielt verschmälert.

33. Wie schnell müssen Antibiotika gegeben werden?

Bei septischem Schock beziehungsweise sehr hoher Sepsiswahrscheinlichkeit sollen Antibiotika sehr rasch begonnen werden.

NICE 2025 und internationale Leitlinien priorisieren die frühe Gabe bei Hochrisikopatienten.

Gleichzeitig ist bei stabilen Kindern mit unklarer Situation eine schnelle strukturierte Diagnostik wichtig, um unnötige Antibiotika zu vermeiden.

Das ist ein ärztlicher Balanceakt, kein Grund für Eltern, zu Hause abzuwarten.

34. Flüssigkeit

Bei Kreislaufstörung können intravenöse Flüssigkeiten gegeben werden.

Kinder reagieren jedoch empfindlicher auf Flüssigkeitsüberladung als früher angenommen.

Moderne Leitlinien empfehlen

  • schrittweise Gabe
  • nach jeder Gabe erneute Beurteilung
  • besonderes Aufpassen bei Herz-/Nierenproblemen und in Systemen ohne Intensivversorgung.

„So viel Flüssigkeit wie möglich“ ist keine moderne Sepsisstrategie.

35. Kreislaufmedikamente

Wenn der Kreislauf trotz geeigneter Flüssigkeit nicht stabil ist, werden vasoaktive Medikamente eingesetzt.

Sie beeinflussen

  • Gefäßspannung
  • Herzleistung.

Typische Wirkstoffe in pädiatrischen Leitlinien sind je nach Schocktyp

  • Adrenalin
  • Noradrenalin.

Sie werden im überwachten Krankenhaussetting gegeben.

36. Sauerstoff und Beatmung

Bei Ateminsuffizienz können erforderlich sein

  • Sauerstoff
  • High-Flow
  • nicht-invasive Atemunterstützung
  • invasive Beatmung.

Ziel ist ausreichende Sauerstoffversorgung bei möglichst geringer zusätzlicher Belastung.

37. Behandlung der Infektionsquelle

Antibiotika allein reichen manchmal nicht.

Beispiele

  • Abszess drainieren
  • infizierten Katheter entfernen
  • perforierte Appendizitis operieren.

Das nennt man Source Control.

38. Intensivstation

Kinder mit

  • Schock
  • Atemversagen
  • Bewusstseinsstörung
  • mehreren Organproblemen

werden intensivmedizinisch überwacht.

Dort können kontinuierlich

  • Kreislauf
  • Atmung
  • Urin
  • Laborwerte

beurteilt werden.

39. Kortison

Kortikosteroide sind keine Routinebehandlung für jedes Kind mit Sepsis.

Sie können bei

  • bestimmten Formen therapierefraktären Schocks
  • vermuteter Nebenniereninsuffizienz

erwogen werden.

Die konkrete Entscheidung gehört in Intensivmedizin.

40. Blutprodukte und weitere Organunterstützung

Je nach Verlauf können nötig sein

  • Bluttransfusion
  • Plasma/Thrombozyten bei speziellen Problemen
  • Dialyse
  • ECMO in extrem schweren Fällen.

Das betrifft eine Minderheit schwer erkrankter Kinder.

41. Sepsis durch Viren

Auch Viren können schwere Organdysfunktion verursachen.

Beispiele

  • Influenza
  • SARS-CoV-2
  • RSV bei Risikokindern
  • Herpes beim Neugeborenen.

In der Frühphase ist oft nicht sicher, ob Bakterien beteiligt sind.

Darum werden bei hohem Risiko zunächst häufig auch Antibiotika gegeben, bis bakterielle Sepsis ausreichend unwahrscheinlich ist.

42. Sepsis durch Pilze

Pilzsepsis betrifft vor allem

  • extrem Frühgeborene
  • schwere Immunsuppression
  • zentrale Katheter
  • langdauernde Intensivmedizin.

Candida ist ein wichtiger Erreger.

Ein gesunder Schulkind-Infekt wird nicht routinemäßig mit Antipilzmitteln behandelt.

43. Meningokokken-Sepsis

Meningokokken-Erkrankungen können extrem schnell fortschreiten.

Mögliche Zeichen

  • hohes Fieber
  • schwerer Krankheitszustand
  • kalte Extremitäten
  • starke Glieder-/Beinschmerzen
  • nicht wegdrückbarer Ausschlag
  • Bewusstseinsstörung.

Ein Ausschlag kann fehlen.

Impfungen gegen mehrere Meningokokkengruppen reduzieren das Risiko, verhindern aber nicht jede mögliche invasive Meningokokkenerkrankung.

44. Pneumokokken-Sepsis

Auch Pneumokokken kommen als Erreger infrage.

Pneumokokken können

  • Pneumonie
  • Meningitis
  • Sepsis

verursachen.

Besonders gefährdet

  • Säuglinge
  • Menschen ohne funktionierende Milz
  • bestimmte Immundefekte.

Pneumokokkenimpfung hat invasive Erkrankungen deutlich reduziert.

45. Sepsis bei Harnwegsinfektion

Bei Säuglingen kann eine Harnwegsinfektion beziehungsweise Nierenbeckenentzündung zu Bakteriämie und Sepsis führen.

Das Baby hat vielleicht

  • nur Fieber
  • schlechtes Trinken
  • Erbrechen.

Deshalb wird bei fiebernden jungen Säuglingen häufig Urin untersucht, auch wenn keine „Schmerzen beim Wasserlassen“ erkennbar sind.

46. Neonatale Sepsis

Neugeborenensepsis wird oft unterteilt in

  • Early-onset
  • Late-onset.

Bei früher Sepsis spielen rund um die Geburt übertragene Erreger eine wichtige Rolle.

Gruppe-B-Streptokokken sind international ein klassischer Erreger.

Bei später Sepsis kommen

  • Umwelt-/Krankenhauserreger
  • Katheter
  • andere Quellen

hinzu.

Neugeborene brauchen spezielle Antibiotikaschemata und niedrigere Schwellen zur Abklärung.

47. Komplikationen

Mögliche Organschäden

  • akute Nierenschädigung
  • Lungenversagen
  • Gerinnungsstörung
  • Herz-Kreislauf-Versagen
  • neurologische Schäden.

Schwere Meningokokken-Sepsis kann durch Durchblutungsstörungen selten zu Gewebeschäden an Extremitäten führen.

48. Post-Sepsis-Syndrom und Erholung

Auch nach Überleben einer schweren Sepsis ist die Genesung nicht immer mit Entlassung beendet.

Mögliche Folgen

  • Muskelschwäche
  • Müdigkeit
  • Schlafprobleme
  • Konzentrationsprobleme
  • Angst
  • posttraumatische Symptome
  • funktionelle Einschränkungen.

Familien können ebenfalls psychisch belastet sein.

Nach schwerer Intensivbehandlung kann eine strukturierte Nachsorge sinnvoll sein.

49. Vorbeugung

Nicht jede Sepsis ist vermeidbar.

Risiko reduzieren

  • Impfungen
  • Infektionen angemessen behandeln
  • Wunden pflegen
  • Katheterhygiene im medizinischen Bereich
  • bei Hochrisikokindern Notfallpläne einhalten.

Antibiotika „vorsorglich“ bei jedem Fieber verhindern Sepsis nicht sinnvoll und fördern Resistenz.

50. Impfungen

Welche Impfungen in welchem Alter vorgesehen sind, steht im Impfplan für Säuglinge und Kleinkinder beziehungsweise im Impfplan für Schulkinder.

Impfungen gegen

  • Pneumokokken
  • Meningokokken
  • Haemophilus influenzae Typ b
  • Influenza

verhindern bestimmte Infektionen, die zu Sepsis führen können.

Der konkrete österreichische Impfplan sollte aktuell berücksichtigt werden.

51. Internationale Leitlinien

Österreich

Das Gesundheitsportal beschreibt Sepsis als lebensbedrohlichen Notfall und nennt besonders Kinder unter einem Jahr als Risikogruppe.

Großbritannien

NICE aktualisierte die Leitlinie „Suspected sepsis in under 16s“ zuletzt 19.11.2025. Sie bietet altersabhängige Risikokriterien, betont elterliche Sorge und aktualisierte Antibiotikazeitfenster.

International:

Die Surviving Sepsis Campaign veröffentlichte 2020 die umfassende pädiatrische Behandlungsempfehlung für septischen Schock und sepsisassoziierte Organdysfunktion. Diese bleibt eine wichtige Therapiebasis.

Spanien

2026 erschien ein neuer Konsensus der Spanischen Gesellschaft für Pädiatrische Intensivmedizin zur Erkennung und Initialbehandlung von Sepsis und septischem Schock. Er integriert Phoenix-Kriterien, frühe Erkennung, Laktat, Antibiotika und moderne Kreislauftherapie.

Japan

Die Japan Association for Acute Medicine und Japanese Society of Intensive Care Medicine haben die japanischen Sepsisleitlinien weiterentwickelt; aktuelle pädiatrische Intensivliteratur berücksichtigt die internationalen pädiatrischen Definitionen und organspezifische Therapie.

China

2025 erschienen pädiatrische Expertenkonsense zur Diagnose und Behandlung von Sepsis bei Kindern, die moderne Organdysfunktionskonzepte und die Phoenix-Definition berücksichtigen.

Indien

Pädiatrische Intensivmedizin in Indien verwendet die Surviving-Sepsis-Grundprinzipien, muss Flüssigkeitsstrategien jedoch an Ressourcen und Verfügbarkeit von Intensivtherapie anpassen.

Brasilien

Brasilianische pädiatrische Sepsisprogramme und Intensivmedizin betonen frühe Erkennung, Antibiotika bei wahrscheinlicher bakterieller Sepsis und rasche Kreislaufstabilisierung.

Russland

Nationale pädiatrische und intensivmedizinische Leitlinien zu bakteriellen Infektionen und septischem Schock verwenden ebenfalls eine strukturierte Notfalldiagnostik und organunterstützende Therapie.

52. Wann sofort Notruf?

Sofort medizinische Notfallhilfe, wenn ein Kind mit Infektionszeichen

  • kaum weckbar oder bewusstseinsgestört ist
  • schwere Atemnot hat
  • bläuliche/graue Haut oder Lippen hat
  • einen nicht wegdrückbaren Ausschlag und Krankheitszeichen entwickelt
  • Krampfanfälle hat
  • Zeichen schweren Kreislaufversagens zeigt
  • extrem rasch schlechter wird.

In Österreich

144 beziehungsweise 112.

Bei einem jungen Säugling mit Fieber oder ausgeprägter Temperaturinstabilität sollte sehr rasch medizinische Beurteilung erfolgen.

53. Mythen und Missverständnisse

„Sepsis erkennt man immer an einem roten Strich am Arm.“

Nein. Ein roter Lymphangitis-Streifen ist nicht die Definition von Sepsis.

„Sepsis bedeutet immer Bakterien im Blut.“

Nein.

„Ohne Fieber keine Sepsis.“

Falsch.

„Ohne Ausschlag keine Meningokokken-Sepsis.“

Falsch.

„Ein normaler Blutdruck schließt Schock beim Kind aus.“

Nein. Hypotonie kann spät auftreten.

„CRP ist niedrig, also kann es keine Sepsis sein.“

Ein einzelner früher Laborwert schließt Sepsis nicht sicher aus.

„Jedes hohe Fieber ist Sepsis.“

Nein. Die große Mehrheit fiebernder Kinder hat keine Sepsis.

54. Häufige Elternfragen

Wie schnell entwickelt sich Sepsis?

Sehr unterschiedlich. Manche Verläufe verschlechtern sich innerhalb von Stunden.

Kann ein gesundes Kind Sepsis bekommen?

Ja, auch wenn das Risiko bei bestimmten Vorerkrankungen höher ist.

Kann Sepsis von einer kleinen Wunde kommen?

Prinzipiell ja, aber die meisten kleinen Wunden führen nicht zu Sepsis.

Ist Sepsis ansteckend?

Sepsis selbst nicht. Der zugrunde liegende Erreger kann ansteckend sein.

Warum bekommt mein Kind sofort Antibiotika, bevor der Erreger bekannt ist?

Bei hoher Wahrscheinlichkeit einer bakteriellen Sepsis ist Verzögerung gefährlich. Nach Kulturergebnissen wird die Therapie angepasst.

Kann man Sepsis zu Hause mit Pulsoximeter ausschließen?

Nein.

Warum sind kalte Hände ein Warnzeichen?

Bei Kreislaufzentralisierung fließt weniger Blut in die Haut. Kalte Hände allein sind jedoch häufig harmlos; entscheidend ist das Gesamtbild.

Was ist der Unterschied zwischen Sepsis und septischem Schock?

Septischer Schock ist die schwerere Kreislaufform der Sepsis.

Überlebt ein Kind Sepsis vollständig?

Viele Kinder erholen sich vollständig. Nach schwerem Verlauf können längerfristige körperliche oder psychische Folgen bestehen.

55. Sepsis oder „nur“ Austrocknung?

Fieber, Erbrechen und Durchfall können bei Kindern rasch zu Flüssigkeitsmangel führen.

Eine Austrocknung kann ebenfalls verursachen

  • schnellen Puls
  • trockenen Mund
  • wenig Urin
  • Müdigkeit
  • kalte Hände und Füße.

Das kann sich mit frühen Zeichen einer Sepsis überschneiden.

Entscheidend ist deshalb das Gesamtbild.

Besonders besorgniserregend sind

  • ungewöhnlich schwer krankes Aussehen
  • Bewusstseinsveränderung
  • deutlich angestrengte Atmung
  • graue oder marmorierte Haut
  • rasche Verschlechterung
  • starke Schmerzen
  • nicht wegdrückbarer Ausschlag.

Eltern müssen diese Zustände nicht zu Hause sicher auseinanderhalten. Wenn ein Kind deutlich krank wirkt oder sich ungewöhnlich schnell verschlechtert, ist eine medizinische Untersuchung wichtiger als die genaue Bezeichnung.

56. „Nach dem Fiebersenker ist es wieder besser“ – ist das beruhigend?

Viele gewöhnliche Virusinfekte machen Kinder während des Fieberanstiegs sehr matt. Sinkt die Temperatur nach einiger Zeit, spielen oder trinken sie wieder.

Das ist grundsätzlich ein günstiges Zeichen.

Es schließt eine ernsthafte bakterielle Infektion oder Sepsis aber nicht vollständig aus.

Besonders relevant bleibt

  • Atmung
  • Hautfarbe
  • Bewusstsein
  • Trinkverhalten
  • Urin
  • Verlauf über Stunden.

Ein Kind, das trotz gesunkener Temperatur

  • schwer weckbar
  • auffällig kurzatmig
  • grau oder marmoriert
  • verwirrt

bleibt, braucht rasche medizinische Beurteilung.

Die Reaktion auf ein Fiebermittel ist deshalb kein zuverlässiger „Sepsis-Test“.

57. Rekapillarisierungszeit – was bedeutet sie?

Im Krankenhaus wird häufig die Rekapillarisierungszeit beurteilt.

Dabei wird kurz Druck auf Haut oder Nagelbett ausgeübt und beobachtet, wie schnell die normale Farbe zurückkehrt.

Eine deutlich verzögerte Rekapillarisierung kann auf eine gestörte Durchblutung hinweisen.

Der Test hängt aber ab von

  • Umgebungstemperatur
  • Hautstelle
  • Technik
  • Kreislaufsituation.

Er soll deshalb nicht als alleiniger Selbsttest zu Hause verwendet werden.

Ein Kind mit kalten Händen im Winter ist nicht automatisch septisch. Ein schwer krankes Kind mit auffälliger Hautfarbe und verzögerter Durchblutung gehört jedoch rasch untersucht.

58. Warum spricht man heute weniger von „SIRS“?

Früher wurde pädiatrische Sepsis häufig über das sogenannte Systemic Inflammatory Response Syndrome – SIRS – definiert.

SIRS-Kriterien erfassen unter anderem

  • Temperatur
  • Puls
  • Atmung
  • weiße Blutkörperchen.

Das Problem

Sehr viele Kinder mit gewöhnlichen Infekten erfüllen solche Entzündungskriterien, ohne eine lebensbedrohliche Sepsis zu haben.

Die modernen Phoenix-Kriterien richten den Blick stärker auf echte Organdysfunktion.

Das bedeutet nicht, dass Vitalparameter unwichtig geworden sind. Sie bleiben für die frühe Erkennung entscheidend. Die formale wissenschaftliche Definition wurde lediglich präziser.

59. Kinder ohne Milz oder mit schwerer Milzfunktionsstörung

Die Milz hilft besonders bei der Abwehr bekapselter Bakterien wie Pneumokokken.

Kinder

  • nach Milzentfernung
  • mit funktioneller Asplenie
  • beispielsweise bei bestimmten Formen der Sichelzellkrankheit

haben ein erhöhtes Risiko für sehr schnell verlaufende bakterielle Infektionen.

Diese Familien erhalten normalerweise

  • spezielle Impfempfehlungen
  • teilweise antibiotische Prophylaxe
  • einen individuellen Fieber- beziehungsweise Notfallplan.

Bei Fieber sollen sie nicht nach den allgemeinen Regeln eines gesunden Kindes abwarten, sondern den vereinbarten Notfallplan befolgen.

60. Sepsis nach Operation oder mit Katheter

Nach einer Operation oder bei einem zentralen Venenkatheter besteht eine besondere Risikosituation.

Warnzeichen können sein

  • neues Fieber
  • Schüttelfrost
  • zunehmende Schmerzen
  • Rötung oder Eiter an einer Wunde
  • ungewöhnliche Schwäche
  • Kreislaufprobleme.

Nicht jedes postoperative Fieber bedeutet Sepsis.

Ein Kind mit frischer Operation, Katheter oder Implantat und deutlich schlechtem Allgemeinzustand sollte jedoch früh mit dem behandelnden Zentrum besprochen beziehungsweise untersucht werden.

61. Warum ein nicht wegdrückbarer Ausschlag so ernst genommen wird

Petechien und Purpura sind kleine beziehungsweise größere Einblutungen in die Haut.

Sie verschwinden bei Druck nicht.

Mögliche Ursachen reichen von

  • mechanisch bedingten harmlosen Petechien
  • Blutplättchenstörungen
  • Virusinfekten

bis zu invasiven bakteriellen Infektionen.

Bei einem fiebernden oder schwer krank wirkenden Kind ist ein neu auftretender nicht wegdrückbarer Ausschlag besonders dringlich.

Wichtig:

Eltern sollen nicht minutenlang verschiedene „Glas-Tests“ wiederholen, während sich das Kind verschlechtert.

Der Ausschlag ist ein Warnsignal, kein Heimdiagnoseverfahren.

62. Post-Sepsis-Nachsorge

Nach einer schweren Sepsis können Kinder noch Wochen oder Monate Unterstützung benötigen.

Mögliche Bereiche

  • körperliche Ausdauer
  • Muskelkraft
  • Schlaf
  • Ernährung
  • Konzentration
  • Stimmung
  • Schulbesuch.

Nach längerer Intensivbehandlung spricht man teilweise von einem pädiatrischen Post-Intensive-Care-Syndrom.

Auch Eltern und Geschwister können durch einen lebensbedrohlichen Krankenhausaufenthalt psychisch stark belastet sein.

Je nach Verlauf können sinnvoll sein

  • Kinderarztkontrollen
  • Physiotherapie
  • Rehabilitation
  • Psychologie
  • schulische Anpassungen.

63. Kann man Sepsis durch „früheres Antibiotikum“ verhindern?

Nicht sinnvoll durch Antibiotika bei jedem Infekt.

Die meisten fieberhaften Erkrankungen bei Kindern sind viral.

Unnötige Antibiotika

  • verursachen Nebenwirkungen
  • verändern die Darmflora
  • fördern Resistenzen.

Entscheidend ist stattdessen

  • bakterielle Infektionen rechtzeitig erkennen
  • Hochrisikokinder nach ihrem Notfallplan behandeln
  • bei Warnzeichen früh medizinische Hilfe suchen.

Ein Antibiotikum „für alle Fälle“ zu Hause ist keine sichere Sepsisprävention.

64. Eltern-Checkliste: Wann der Gesamteindruck zählt

Besonders ernst nehmen, wenn mehrere dieser Punkte zusammenkommen

  • Kind wirkt ungewöhnlich krank
  • reagiert anders als sonst
  • Atmung deutlich schneller oder angestrengt
  • Haut grau, blass oder marmoriert
  • kaum Urin
  • trinkt deutlich schlechter
  • starke Schmerzen
  • rasche Verschlechterung
  • nicht wegdrückbarer Ausschlag.

Ein einzelnes Zeichen kann andere Ursachen haben.

Mehrere Warnzeichen beziehungsweise ein massiv veränderter Gesamtzustand rechtfertigen eine rasche Notfallbeurteilung.

65. Die wichtigste Botschaft für Eltern

Eltern müssen Sepsis nicht selbst sicher diagnostizieren.

Das Ziel ist, eine möglicherweise schwere Erkrankung rechtzeitig zu erkennen.

Bei einem Kind, das

  • deutlich schwerer krank wirkt als bei gewöhnlichen Infekten
  • rasch schlechter wird
  • Atemnot
  • Bewusstseinsveränderung
  • Kreislaufprobleme

zeigt, sollte nicht auf den nächsten regulären Ordinationstermin gewartet werden.

Frühe medizinische Behandlung verbessert die Chancen erheblich.

66. Quellen und Literatur

Deutsch / Österreich

  • Gesundheitsportal Österreich: Sepsis (Blutvergiftung). https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/immunsystem/sepsis-blutvergiftung.html
  • Österreichische Gesundheits- und Notfallversorgung: 1450 für Gesundheitsberatung; 144/112 bei akutem Notfall.

Großbritannien

  • NICE Guideline NG254: Suspected sepsis in under 16s: recognition, assessment and early management. Publiziert 19.03.2025, zuletzt aktualisiert 19.11.2025. https://www.nice.org.uk/guidance/ng254
  • NICE: Antibiotic prescribing table for children and young people under 16 with suspected sepsis, 2025. https://www.nice.org.uk/

International / Englisch

  • Weiss SL et al. Surviving Sepsis Campaign International Guidelines for the Management of Septic Shock and Sepsis-Associated Organ Dysfunction in Children. Intensive Care Medicine. 2020;46(Suppl 1):10-67. PMID 32030529.
  • Schlapbach LJ et al. International Consensus Criteria for Pediatric Sepsis and Septic Shock (Phoenix Sepsis Score). JAMA. 2024.
  • International validation of the Phoenix Sepsis Criteria in critically ill children. JAMA Network Open. 2026. PMID 41918691.

Spanisch

  • Sociedad Española de Cuidados Intensivos Pediátricos: Recomendaciones para el reconocimiento y manejo inicial de la sepsis y shock séptico en pediatría – consenso actualizado 2026. Anales de Pediatría / SECIP.
  • Asociación Española de Pediatría: protocolos de sepsis pediátrica y shock séptico. https://www.aeped.es/

Chinesisch

  • Chinesische pädiatrische Expertenkonsense 2025 zu 儿童脓毒症 / pediatric sepsis, einschließlich Umsetzung moderner Organdysfunktionskriterien und Phoenix-Definition. Quellen über 中华儿科杂志 / 中国实用儿科杂志 und nationale pädiatrische Fachgesellschaften.
  • Aussagen wurden mit Surviving Sepsis Campaign und Phoenix-Konsensus gegengeprüft.

Japanisch

  • Japanische Sepsisleitlinien (J-SSCG) der Japanese Society of Intensive Care Medicine/Japanese Association for Acute Medicine sowie aktuelle pädiatrische Fachliteratur zu 小児敗血症 wurden zur internationalen Gegenprüfung verwendet.
  • Pädiatrische Therapiegrundsätze wurden nur übernommen, wenn sie mit SSC beziehungsweise internationalen Konsensuskriterien übereinstimmen.

Indien

  • Indian intensivmedizinische und pädiatrische Literatur zu pediatric septic shock und resource-adapted fluid management wurde berücksichtigt; der internationale SSC-Rahmen dient als Kernreferenz.
  • Indian Journal of Critical Care Medicine und Indian Academy of Pediatrics sind zentrale nationale Quellen.

Portugiesisch / Brasilien

  • Sociedade Brasileira de Pediatria und Instituto Latino Americano de Sepse: pädiatrische Sepseprotokolle und Früherkennungsprogramme. https://www.sbp.com.br/ ; https://ilas.org.br/

Russisch

  • Russische intensivmedizinische/pädiatrische klinische Empfehlungen zu сепсис у детей und септический шок wurden ergänzend auf Übereinstimmung mit internationalen Standards geprüft. https://cr.minzdrav.gov.ru/

Französisch / Italienisch

  • Französische und italienische pädiatrische Intensiv- und Notfallmedizinquellen zu sepsis/sepsi wurden zur Gegenprüfung von Warnzeichen und Behandlungsprinzipien berücksichtigt.
  • Konkrete Medikamentenschemata wurden bewusst nicht länderübergreifend übertragen.