Diazepam G.L. 5 mg-Rektaltuben – Gebrauchs- und Fachinformation
Gebrauchsinformation
Gebrauchsinformation: Information für Patienten
Diazepam G.L. 5 mg-Rektaltuben
Wirkstoff: Diazepam
Lesen Sie die gesamte Packungsbeilage sorgfältig durch, bevor Sie mit der Anwendung dieses Arzneimittels beginnen, denn sie enthält wichtige Informationen.
- Heben Sie die Packungsbeilage auf. Vielleicht möchten Sie diese später nochmals lesen.
- Wenn Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.
- Dieses Arzneimittel wurde Ihnen persönlich verschrieben. Geben Sie es nicht an Dritte weiter. Es kann anderen Menschen schaden, auch wenn diese die gleichen Beschwerden haben wie Sie.
- Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker. Dies gilt auch für Nebenwirkungen, die nicht in dieser Packungsbeilage angegeben sind. Siehe Abschnitt 4.
Was in dieser Packungsbeilage steht
1. Was ist Diazepam G.L. und wofür wird es angewendet?
2. Was sollten Sie vor der Anwendung von Diazepam G.L. beachten?
3. Wie ist Diazepam G.L. anzuwenden?
4. Welche Nebenwirkungen sind möglich?
5. Wie ist Diazepam G.L. aufzubewahren?
6. Inhalt der Packung und weitere Informationen
1. Was ist Diazepam G.L. und wofür wird es angewendet?
Diazepam G.L. enthält den Wirkstoff Diazepam. Diazepam gehört zu einer Gruppe von
Wirkstoffen, die als Benzodiazepine bezeichnet werden. Arzneimittel aus dieser Gruppe
wirken beruhigend, entspannend und lassen die Muskeln erschlaffen. Die Wirkung tritt
üblicherweise bereits nach wenigen Minuten ein.
Diazepam G.L. wird zur Behandlung von epileptischen Anfällen und Fieberkrämpfen, bei Muskelkrämpfen (die durch Tetanus verursacht werden), zur Vorbehandlung vor kleineren chirurgischen oder zahnärztlichen Eingriffen und zur Erstbehandlung von akuten schweren Angst-, Spannungs- und Erregungszuständen angewendet.
Die Rektaltuben können immer dann angewendet werden, wenn ein rascher Eintritt der
Wirkung erforderlich ist, aber eine intravenöse Injektion (Verabreichung in die Vene) nicht
möglich oder unerwünscht ist.
Diazepam G.L. kann insbesondere zur sofortigen Behandlung von Krämpfen bei Kindern (ab 1 Jahr und 10 kg Körpergewicht) angewendet werden.
Benzodiazepine sollten nur angewendet werden, wenn die Erkrankung schwer ist, den
Patienten stark behindert oder einen extremen Leidensdruck verursacht.
2. Was sollten Sie vor der Anwendung von Diazepam G.L. beachten?
Diazepam G.L. darf nicht angewendet werden
- wenn der Patient allergisch gegen Diazepam, verwandte Arzneistoffe (Benzodiazepine) oder einen der in Abschnitt 6. genannten sonstigen Bestandteile dieses Arzneimittels ist.
- wenn der Patient an einer Krankheit mit rascher körperlicher Erschöpfung und Schwäche bestimmter Muskeln (Myasthenia gravis) leidet.
- wenn der Patient an schweren Störungen der Atemfunktion oder einer schlafbezogenen Atemstörung leidet, die durch extremes Schnarchen und Atempausen gekennzeichnet ist (Schlafapnoe-Syndrom).
- wenn der Patient an einer schweren Lebererkrankung leidet.
- wenn der Patient eine Alkoholvergiftung oder eine Vergiftung mit anderen beruhigend wirkenden Arzneimitteln hat.
- wenn der Patient an sogenannter schwerer chronischer Hyperkapnie leidet. Dabei kommt es, meist durch eine Minderbelüftung der Lunge, zu einem erhöhten Anteil an Kohlendioxid im arteriellen Blut.
- wenn der Patient unter schwerem Schock steht oder bewusstlos ist (Koma).
- bei Kindern bis zum ersten Lebensjahr.
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt, bevor Diazepam G.L. angewendet wird.
Besondere Vorsicht bei der Anwendung von Diazepam G.L. ist erforderlich
- wenn der Patient Alkohol trinkt oder Arzneimittel einnimmt, die auf das zentrale Nervensystem dämpfend wirken: Die Wirkung von Diazepam wird verstärkt und es kann zu starker Schläfrigkeit sowie Dämpfung der Herztätigkeit und Atmung kommen (siehe Abschnitt „Anwendung von Diazepam G.L. zusammen mit anderen Arzneimitteln“).
- wenn der Patient früher alkohol- oder drogenabhängig war.
- bei Kleinkindern bis zu 3 Jahren.
- wenn der Patient älter als 65 Jahre oder geschwächt ist. Aufgrund der muskel-entspannenden Wirkung von Diazepam ist das Sturzrisiko erhöht. Der Arzt wird in diesem Fall möglicherweise eine reduzierte Dosis verordnen.
- wenn der Patient an seelischen Erkrankungen (Ängste, Zwänge, Depressionen) leidet. Diazepam kann bei Patienten mit Depressionen und auch bei aggressiven Patienten einen Selbstmord (Suizid) beschleunigen.
- wenn der Patient blutdrucksenkende Arzneimittel einnimmt.
- wenn der Patient eine Erkrankung der Leber oder der Nieren hat.
- wenn der Patient eine Lungenerkrankung oder eine Atemwegserkrankung hat. Es besteht das Risiko für eine Dämpfung des Atemantriebs. Der Arzt wird in diesem Fall möglicherweise eine reduzierte Dosis verordnen.
- wenn der Patient eine bestimmte Erkrankung der Augen (Engwinkelglaukom) hat.
- wenn der Patient an Epilepsie leidet oder schon einmal Krampfanfälle hatten: Bei einer zu raschen Beendigung der Diazepam-Behandlung können Krampfanfälle bis hin zum Status epilepticus (Daueranfall) auftreten.
Ungewöhnliche (paradoxe) Erscheinungen können mitunter vor allem bei älteren Personen und bei Kindern auftreten. Statt Müdigkeit und Beruhigung werden gegenteilige Wirkungen ausgelöst wie Rastlosigkeit, Unruhe, Reizbarkeit, Aggressivität, Selbsttäuschung, Raserei, Alpträume, Halluzinationen, Psychosen, auffälliges Benehmen oder andere Verhaltensauffälligkeiten. Die Anwendung von Diazepam G.L. muss beim Auftreten dieser Erscheinungen abgebrochen werden.
Erinnerungslücken treten am häufigsten einige Stunden nach der Anwendung von Diazepam G.L. auf und können insbesondere kurz zurückliegende Ereignisse betreffen (anterograde Amnesie). Um das Risiko des Auftretens von Erinnerungslücken möglichst gering zu halten, sollte der Patient wenn möglich nach der Verabreichung des Arzneimittels 7 bis 8 Stunden ohne Unterbrechung schlafen können.
Wenn bei einem Patienten Diazepam G.L. längere Zeit, häufig wiederholt oder hoch dosiert angewendet werden muss, sollten Leberfunktion und Blutbild vom Arzt kontrolliert werden.
Bei wiederholter Anwendung innerhalb weniger Wochen
kann es zu einer Abnahme der Wirkung von Diazepam kommen (Toleranzentwicklung).
Bei dauerhafter oder lang dauernder regelmäßiger Anwendung kann eine körperliche oder psychische Abhängigkeit von Diazepam entstehen. Die Abhängigkeitsentwicklung unter Diazepam ist bei kurzzeitiger Anwendung gering, kann aber durch Anwendung größerer Mengen oder bei Personen, die zu einem früheren Zeitpunkt Alkohol- oder Drogenmissbrauch betrieben haben, erhöht sein.
Wenn die Anwendung plötzlich unterbrochen und die Behandlung abgesetzt wird, können Entzugserscheinungen (ähnlich einer Schlafmittel- oder Alkoholabhängigkeit) auftreten.
Entzugserscheinungen sind aber auch schon nach kurzer Behandlungszeit in normaler therapeutischer Dosierung möglich. Ebenfalls können Entzugserscheinungen beim Wechsel auf ein kürzer wirksames Arzneimittel derselben Substanzgruppe auftreten (siehe Abschnitt
4. „Welche Nebenwirkungen sind möglich?“)
Mögliche Anzeichen eines Entzugs können in Form von Kopf- und Muskelschmerzen, starken Angst- und Spannungszuständen, Unruhe, Verwirrung und Reizbarkeit auftreten. In schweren Fällen kann es zu Realitätsverlust, Veränderung des natürlichen Persönlichkeitsgefühls, Taubheit und Prickeln der Extremitäten, Licht-, Geräusch- und Berührungsüberempfindlichkeit, Halluzinationen oder epileptischen Anfällen (Krampfanfällen) kommen.
Bei einem Wechsel der Behandlung von lang wirksamen Benzodiazepinen
(Beruhigungsmitteln) auf Diazepam besteht das Risiko von Entzugssymptomen.
Rebound-Schlaflosigkeit und Angst Bei den sogenannten Rebound-Erscheinungen treten die Beschwerden, die durch die Benzodiazepin-Behandlung gelindert werden sollten, beim Beenden einer Behandlung in verstärkter Form wieder auf. Mögliche Begleitreaktionen sind Stimmungsschwankungen, Angstzustände oder Schlafstörungen und Unruhe. Da das Risiko von Entzugs- und Rebound-Erscheinungen nach plötzlichem Beenden der Behandlung höher ist, sollte die Dosis beim Absetzen schrittweise verringert werden.
Behandlungsdauer Die Dauer der Behandlung sollte, je nach Erkrankung, so kurz wie möglich sein. Der Arzt wird den Patienten möglicherweise nach 4 Wochen und auch anschließend regelmäßig untersuchen, um festzustellen, ob eine Behandlung mit Diazepam weiterhin notwendig ist. In der Regel dauert die Behandlung einschließlich des schrittweisen Absetzens nicht länger als 8 bis 12 Wochen.
Kinder und Jugendliche
Diazepam sollte nur an Kinder und Jugendliche verabreicht werden, nachdem der Arzt sich sorgfältig von der Notwendigkeit der Behandlung überzeugt hat; die Behandlungsdauer soll dabei so kurz wie möglich sein. Bei Kindern bis zum ersten Lebensjahr darf Diazepam nicht angewendet werden.
Anwendung von Diazepam G.L. zusammen mit anderen Arzneimitteln
Informieren Sie den behandelnden Arzt, wenn der Patient andere Arzneimittel
einnimmt/anwendet, kürzlich andere Arzneimittel eingenommen/angewendet hat oder
beabsichtigt, andere Arzneimittel einzunehmen/anzuwenden.
Die Wirkungen von Diazepam G.L. und anderen Arzneimitteln können bei gleichzeitiger
Anwendung verstärkt oder abgeschwächt (Carbamazepin, Phenytoin – Arzneimittel zur
Behandlung von Epilepsien) werden.
Die gegenseitige Beeinflussung der Arzneimittel kann auch dann noch auftreten, wenn
Diazepam G.L. am Vortag angewendet wurden.
Verstärkung der Wirkung beider Arzneimittel:
- Arzneimittel, die beruhigend und dämpfend wirken, wie Schlaf- und Beruhigungsmittel, Arzneimittel zur Behandlung von Depressionen (Clozapin), und Krampfanfällen – Epilepsie (Phenobarbital, Valproinsäure); bestimmte Arzneimittel gegen seelische Erkrankungen, bestimmte Schmerz- und Narkosemittel (Phenobarbital, Ketamin) und bestimmte Arzneimittel gegen Allergien und Schnupfen. Wenn diese Arzneimittel gleichzeitig mit Diazepam angewendet werden, können starke Müdigkeit, schwerste Atemstörungen und massive Herz-/Kreislaufstörungen auftreten.
- Arzneimittel, die bei zu hohem Blutdruck eingenommen werden.
- Bestimmte Schmerzmittel (Opioid-Analgetika) können in Verbindung mit Diazepam eine Verstärkung euphorischer Gefühle verursachen, die eine mögliche psychische Abhängigkeit begünstigen können.
- Die Wirksamkeit von Arzneimitteln, die eine Muskelentspannung (Suxamethonium, Tubocurarin) bewirken, kann verstärkt werden.
- Ebenso können sich die Wirkungen von Alkohol und Diazepam gegenseitig verstärken. Der gleichzeitige Konsum von Alkohol bei Anwendung von Diazepam G.L. ist unbedingt zu vermeiden.
Verminderung der Diazepamwirkung durch:
- Rifampicin (zur Behandlung von Tuberkulose), Johanniskraut und bestimmte Arzneimittel gegen Epilepsie (Carbamazepin) können die Wirkung von Diazepam G.L. abschwächen.
Verstärkung der Wirkungen und Nebenwirkungen von Diazepam durch:
- Cimetidin, Omeprazol und Esomeprazol zur Behandlung von Magen- und Darmgeschwüren.
- Disulfiram, das beim Alkoholentzug eingesetzt wird.
- Isoniazid zur Behandlung von Tuberkulose.
- Arzneimittel zur Empfängnisverhütung („Pille“).
- Fluvoxamin, ein Arzneimittel zur Behandlung von Depressionen
- einige Arzneimittel gegen Pilzerkrankungen (Fluconazol, Itraconazol, Ketoconazol, Voriconazol).
- Ritonavir und andere Arzneimittel zur Behandlung von HIV-Infektionen und AIDS.
Weiters ist bei gemeinsamer Anwendung folgender Arzneimittel mit Diazepam besondere
Vorsicht geboten:
- Arzneimittel zur Empfängnisverhütung („Pille“): Bei gemeinsamer Anwendung mit Diazepam können Zwischenblutungen auftreten. Die empfängnisverhütende Wirksamkeit ist, soweit bekannt, nicht beeinträchtigt.
- Theophyllin, Aminophyllin (zur Behandlung von Atemwegserkrankungen) und Coffein wirken der beruhigenden Wirkung von Diazepam entgegen.
- Baclofen (zur Entspannung der Muskulatur): Eine Verstärkung der dämpfenden Wirkung kann auftreten.
- Die Wirkung von Levodopa (zur Behandlung der Parkinsonkrankheit) kann vermindert sein.
- Die Wirkung von Natriumoxybat (GHB, Gamma-Hydroxybuttersäure) kann verstärkt sein.
- Bei Daueranwendung von Corticosteroiden kann die die Wirkung von Diazepam verringert sein.
Die gleichzeitige Anwendung von Diazepam G.L. mit Opioiden (starke Schmerzmittel, Arzneimittel zur Substitutionstherapie und einige Hustenmedikamente) erhöht das Risiko für Benommenheit, Schwierigkeiten beim Atmen (Atemdepression) sowie Koma und kann lebensbedrohlich sein. Daher darf die gleichzeitige Anwendung nur dann erwogen werden, wenn keine anderen Behandlungsmöglichkeiten vorhanden sind.
Wenn Ihnen Ihr Arzt jedoch Diazepam G.L. gemeinsam mit einem Opioid verschreibt, muss die Dosis und die Dauer der gemeinsamen Behandlung von Ihrem Arzt begrenzt werden.
Bitte informieren Sie Ihren Arzt über alle Opioide, die Sie einnehmen, und befolgen Sie die Dosisempfehlung Ihres Arztes genau. Es könnte hilfreich sein, Freunde oder Verwandte zu informieren, auf die oben genannten Anzeichen und Beschwerden zu achten. Kontaktieren Sie Ihren Arzt beim Auftreten solcher Beschwerden.
Anwendung von Diazepam G.L. zusammen mit Nahrungsmitteln, Getränken und
Alkohol
Bei gleichzeitigem Konsum von Grapefruitsaft können die Wirkungen und Nebenwirkungen von Diazepam G.L. gesteigert werden. Nahrung und andere alkoholfreie Getränke beeinflussen die Wirkung von Diazepam G.L. nicht.
Auf den Konsum von Alkohol sollte während der Dauer der Behandlung unbedingt verzichtet werden, da es sonst zu einer Verstärkung der beruhigenden Wirkung und auch zu starkem Blutdruckabfall und Atemstörungen kommen kann.
Schwangerschaft, Stillzeit und Fortpflanzungsfähigkeit
Patientinnen, die schwanger sind oder stillen, die vermuten, schwanger zu sein oder beabsichtigen, schwanger zu werden, müssen vor der Anwendung dieses Arzneimittels ihren Arzt um Rat fragen.
Schwangerschaft
Aufgrund von Erfahrungen am Menschen besteht der Verdacht, dass eine Anwendung von Diazepam während der Schwangerschaft angeborene Fehlbildungen auslösen kann. Bei Anwendung in den letzten Monaten der Schwangerschaft können unerwünschte Wirkungen beim Neugeborenen auftreten: Trinkschwäche, unregelmäßiger Herzschlag, verminderte Atmung, schlaffe Muskulatur und gestörte Körpertemperaturregelung. Beim ungeborenen Kind kann sich eine Abhängigkeit entwickeln, es besteht nach der Geburt ein Risiko für Entzugserscheinungen. Die Anwendung von Diazepam G.L. während der Schwangerschaft wird daher nicht empfohlen.
Der Alkoholgehalt ist zu berücksichtigen.
Stillzeit
Diazepam wird in die Muttermilch ausgeschieden und zeigte Auswirkungen auf das gestillte Baby. Die Anwendung von Diazepam G.L. während der Stillzeit wird nicht empfohlen.
Wird das Arzneimittel mehrmals während der Stillzeit angewendet, muss davor abgestillt
werden.
Wenn Diazepam G.L. nur kurzfristig oder einmalig angewendet wird, darf die Patientin an
diesem Tag und an den nächsten 4 Tagen nicht stillen.
Fortpflanzungsfähigkeit In Tierversuchen verursachte Diazepam in hoher Dosierung eine Abnahme der Fruchtbarkeit. Die Bedeutung für den Menschen ist nicht bekannt.
Verkehrstüchtigkeit und Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
| ! | Achtung: Dieses Arzneimittel kann die Reaktionsfähigkeit und Verkehrstüchtigkeit |
| beeinträchtigen. |
Beachten Sie bitte, dass nach Anwendung von Diazepam G.L. die Konzentration und das
Reaktionsvermögen eingeschränkt sind. Gefährliche Tätigkeiten wie das Bedienen von
Maschinen oder das Lenken von Fahrzeugen sollten daher mindestens 24 Stunden lang
unterlassen werden.
Diazepam G.L. enthält 1.000 mg Propylenglycol (E 1250) pro Rektaltube. Propylenglycol kann Hautreizungen hervorrufen.
Diazepam G.L. enthält 9,6 Vol-% Ethanol (Alkohol), d.h. bis zu 250 mg pro Rektaltube
(2,5 ml Lösung).
Diazepam G.L. enthält 37,5 mg Benzylalkohol pro Rektaltube. Benzylalkohol darf nicht bei Frühgeborenen oder Neugeborenen angewendet werden. Benzylalkohol kann bei Säuglingen und Kindern bis zu 3 Jahren toxische und allergische Reaktionen hervorrufen.
Diazepam G.L. enthält weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) pro Rektaltube, d.h. es ist
nahezu “natriumfrei”.
Diazepam G.L. enthält 17,0 mg Benzoesäure (E 210) bzw. 110,0 mg Natriumbenzoat
(E 211) pro Rektaltube.
Benzoesäure (E 210) bzw. Natriumbenzoat (E 211) können leichte Reizungen an Haut, Augen und Schleimhäuten hervorrufen. Bei Neugeborenen besteht ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Gelbsucht.
3. Wie ist Diazepam G.L. anzuwenden?
Wenden Sie dieses Arzneimittel immer genau nach Absprache mit Ihrem Arzt an. Fragen Sie bei Ihrem Arzt oder Apotheker nach, wenn Sie sich nicht sicher sind.
Beachten Sie bitte auch die Abbildungen und Hinweise zur richtigen Handhabung bzw. Anwendung der Rektaltuben weiter unten in diesem Abschnitt.
Für Kinder über 15 kg Körpergewicht, Jugendliche und Erwachsene stehen auch
Diazepam G.L.-Rektaltuben mit 10 mg Diazepam zur Verfügung.
Die empfohlene Dosis beträgt:
Kinder unter 10 kg Körpergewicht, bis zum 1. Lebensjahr
Diazepam G.L. darf nicht angewendet werden.
Kinder unter 15 kg Körpergewicht, zwischen 1 und 3 Jahren
Die empfohlene Dosis beträgt 5 mg Diazepam (entsprechend 1 Diazepam G.L. 5 mg-Rektaltube).
Legt sich der Krampfanfall nicht, kann eine weitere Diazepam G.L. 5 mg-Rektaltube nach
frühestens 10 Minuten verabreicht werden.
Bei der Verabreichung an Kinder unter 3 Jahren soll die Tubenspitze nur bis zur Hälfte
eingeführt werden.
Kinder über 15 kg Körpergewicht, ab dem vollendeten 3. Lebensjahr und Jugendliche
Die empfohlene Dosis beträgt 10 mg Diazepam.
Legt sich der Krampfanfall nicht, kann eine weitere Dosis (10 mg Diazepam) nach frühestens 10 Minuten verabreicht werden.
Erwachsene (über 18 Jahre)
Die empfohlene Dosis beträgt 10 bis 20 mg Diazepam. Legt sich der Krampfanfall nicht, kann eine weitere Dosis (10 mg Diazepam) nach frühestens 10 Minuten verabreicht werden.
Ältere (über 65 Jahre) oder geschwächte Erwachsene
Die empfohlene Dosis beträgt 5 mg Diazepam (entsprechend 1 Diazepam G.L. 5 mg-Rektaltube).
Legt sich der Krampfanfall nicht, kann eine weitere Diazepam G.L. 5 mg-Rektaltube nach
frühestens 10 Minuten verabreicht werden.
Patienten mit Leber- oder Nierenfunktionsstörungen, eingeschränkter Lungenfunktion und Patienten mit Herzschwäche
Die empfohlene Dosis beträgt 5 mg Diazepam (entsprechend 1 Diazepam G.L. 5 mg-Rektaltube).
Legt sich der Krampfanfall nicht, kann eine weitere Diazepam G.L. 5 mg-Rektaltube nach
frühestens 10 Minuten verabreicht werden.
Die Behandlung kann alle 12 Stunden wiederholt werden.
Art der Anwendung
Zur rektalen Anwendung.
Diazepam G.L. wird ausschließlich rektal angewendet; die Rektaltuben werden in den After eingeführt.
Öffnen Sie die Aluminiumbeutel der einzeln verpackten Tuben immer erst kurz vor der
Anwendung.
Folienpackung aufreißen.
Rektaltuben mit offener Kanüle: Die Verschlusskappe aufschrauben.
Rektaltuben mit Durchstichkappe: Die Verschlusskappe aufschrauben und die
Tubenabdeckung mit der Kappenspitze durchstoßen.
Rektaltuben mit Flügelkappe: Die Verschlusskappe abdrehen.
1.
Patient seitlich
hinlegen.
2.
Das Knie des oben liegenden Beines anwinkeln und ein Stück nach vorne ziehen.
3.
Patient entkleiden.
4.
Pobacken leicht auseinander ziehen.
5.
Tube vorsichtig einführen.
Bei Kindern unter 3 Jahren nur bis zur Hälfte der Tubenspitze einführen!
6.
Tube langsam ganz zusammendrücken.
7.
Tube zusammengedrückt herausziehen. Nicht loslassen, bis die Tube ganz herausgezogen ist.
8.
Pobacken etwa 5 Sekunden zusammendrücken, damit die Flüssigkeit
nicht wieder herausläuft.
9.
Merken Sie sich den Zeitpunkt der Verabreichung. Sehen Sie regelmäßig nach dem Patienten.
Lassen sich die Krämpfe nicht beseitigen, oder wenn zu große Mengen Diazepam G.L.
angewendet wurden, muss sofort ein Arzt oder die nächste Notfallambulanz verständigt
werden!
Dauer der Anwendung
Diazepam G.L. ist nicht für die Behandlung über längere Zeit geeignet, da es zu Gewöhnung und Abhängigkeit kommen kann.
Wenn zu große Mengen Diazepam G.L. angewendet wurden
Wenn dem Patienten versehentlich eine zu große Menge von Diazepam verabreicht wurde, verständigen Sie unverzüglich einen Arzt oder ein Krankenhaus!
Anzeichen für eine Überdosierung können sein: Bewusstseinsdämpfung, Muskelschwäche und tiefer Schlaf; in schweren Fällen kann es zu Störung der Bewegungskoordination, niedrigem Blutdruck, verminderte Atmung, selten bis zum Koma und sehr selten zum Tod kommen.
Bis zum Eintreffen des Arztes sollen Atmung, Puls, Blutdruck und Körpertemperatur
kontrolliert werden.
Hinweis für den Arzt:
Maßnahmen bei Überdosierung sind am Ende dieser Gebrauchsinformation angegeben.
Wenn die Anwendung von Diazepam G.L. abgebrochen wird
Wenn Diazepam G.L. über einen längeren Zeitraum (z.B. täglich eine Woche lang)
angewendet wurde, darf Diazepam nicht plötzlich abgesetzt werden. Es können sonst
Entzugserscheinungen auftreten. Ihr Arzt wird Ihnen sagen, wie die Dosis schrittweise
verringert werden soll, wenn mit der Behandlung mit Diazepam G.L. aufgehört wird.
Wenn Sie weitere Fragen zur Anwendung dieses Arzneimittels haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.
4. Welche Nebenwirkungen sind möglich?
Wie alle Arzneimittel kann auch dieses Arzneimittel Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem auftreten müssen.
Am Anfang der Behandlung können Schläfrigkeit, Gefühlsverflachung, verringerte Aufmerk-samkeit, Verwirrtheit, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Muskelschwäche, Störungen der Bewegungskoordination oder Doppeltsehen auftreten. Diese Wirkungen gehen jedoch bei wiederholter Anwendung meist zurück.
Bei älteren Patienten können unter hohen Dosen Verwirrtheitszustände auftreten; außerdem besteht bei älteren Patienten unter Behandlung mit Diazepam G.L. ein erhöhtes Risiko für Stürze und Knochenbrüche.
Insbesondere bei Kindern wurde eine verstärkte Absonderung von Speichel und Bronchial-sekret beobachtet.
Amnesie
Erinnerungslücken (anterograde Amnesie) können bereits bei üblicher Dosierung,
insbesondere aber unter höheren Dosen auftreten. Sie können mit unangemessenem
Verhalten einhergehen (siehe Abschnitt 2. „Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen“).
Abhängigkeit
Bei länger dauernder Anwendung (auch in üblichen Dosen) kann sich eine körperliche und psychische Abhängigkeit entwickeln. Nach abruptem Absetzen der Behandlung können Entzugs- oder Rebound-Erscheinungen auftreten (siehe Abschnitt 2. „Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen“).
Es wurden folgende Nebenwirkungen berichtet:
Sehr häufig (kann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen)
- Schläfrigkeit
Häufig (kann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen)
- Verwirrtheit
- Störung der Bewegungskoordination, Zittern
- Doppelbilder, Augenzittern, Anpassungsschwierigkeiten des Auges (Akkommodations-störungen), verschwommenes Sehen
- Müdigkeit, Entzugserscheinungen (Angst, Panik, Schwitzen, Zittern, Herzklopfen, Reizbarkeit, Aggressivität, Magen-Darm-Beschwerden, gestörte Sinneswahrnehmung, Muskelkrämpfe, allgemeines Unwohlsein, Appetitlosigkeit, Wahnvorstellungen, Delirium, epileptische Anfälle)
- Abhängigkeit und Missbrauch
Gelegentlich (kann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen)
- Erinnerungslücken (anterograde Amnesie), Konzentrationsschwierigkeiten, Gleichgewichtsstörungen, Schwindelgefühl, Kopfschmerzen, verwaschene Sprache
- verminderter Atemantrieb (Atemdepression)
- Verdauungsstörungen (Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Durchfall), verstärkter Speichelfluss
- allergische Hautreaktionen (Juckreiz, Rötung, Ausschlag, Angioödem (schmerzhafte Schwellung von Haut und Schleimhaut, vor allem im Gesichtsbereich), Nesselsucht)
- rasche Ermüdung der Muskeln (Myasthenie)
Selten (kann bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen)
- verminderte Anzahl weißer Blutzellen (Leukopenie, Agranulozytose)
- Störung des Monatszyklus, Ovulationshemmung
- Appetitsteigerung
- paradoxe Reaktionen wie Erregung, Unruhe, Reizbarkeit, Aggressivität, Wutausbruch. Psychische Störungen wie Wahnvorstellungen, Halluzinationen, Psychose, Gedächtnis-verlust, Alpträume, unangemessenes Verhalten und andere unerwünschte Verhaltens-änderungen, Schlafstörungen, Schlaflosigkeit, Anregung, Muskelverkrampfungen, gefühlsmäßige Verflachung, verringerte Aufmerksamkeit, Depression
- Bewusstlosigkeit, Schlaflosigkeit, Sprechstörungen
- Störung des Bewegungsablaufes
- kurzzeitige Bewusstlosigkeit (Synkope), verlangsamter Herzschlag (Bradykardie), Herzinsuffizienz (einschließlich Herzstillstand)
- niedriger Blutdruck, Ohnmacht durch Blutdruckabfall beim Aufstehen
- Atemstillstand, verstärkte Bronchialsekretion
- Mundtrockenheit
- Gelbsucht (Gelbfärbung der Augen und/oder der Haut), Anstieg der Leberwerte
- gestörte Blasenentleerung (Harnverhalt), unwillkürliches Wasserlassen (Inkontinenz)
- Brustvergrößerung beim Mann (Gynäkomastie), Impotenz, verstärktes oder verringertes sexuelles Verlangen, Brustvergrößerung bei der Frau, Milchfluss (Galaktorrhoe)
- Veränderung der Leberwerte im Blut
Sehr selten (kann bis zu 1 von 10.000 Behandelten betreffen)
- schwere allergische Reaktion (Anaphylaxie)
Folgende Nebenwirkungen sind nach Behandlung mit Diazepam zum Einnehmen
aufgetreten:
- Blutarmut
- Beeinträchtigung der Schilddrüsenhormone
- Kribbeln, Ameisenlaufen (Parästhesien)
- Verstärkte Atmung (Hyperventilation), allergisches Asthma, Verkrampfung der Atem- bzw. Kehlkopfmuskulatur (Bronchospasmus, Laryngospasmus)
Meldung von Nebenwirkungen
Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker. Dies gilt auch für Nebenwirkungen, die nicht in dieser Packungsbeilage angegeben sind.
Sie können Nebenwirkungen auch direkt über das nationale Meldesystem (Details siehe unten) anzeigen. Indem Sie Nebenwirkungen melden, können Sie dazu beitragen, dass mehr Informationen über die Sicherheit dieses Arzneimittels zur Verfügung gestellt werden.
Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen
Traisengasse 5
1200 WIEN
ÖSTERREICH
Fax: + 43 (0) 50 555 36207
Website: http://www.basg.gv.at/
5. Wie ist Diazepam G.L. aufzubewahren?
Nicht über 25°C lagern.
In der Originalverpackung aufbewahren.
Öffnen Sie die Aluminium-Beutel der einzelnen Rektaltuben immer erst kurz vor der
Anwendung.
Bewahren Sie dieses Arzneimittel für Kinder unzugänglich auf.
Sie dürfen dieses Arzneimittel nach dem auf dem Umkarton nach „verw. bis“ angegebenen Verfalldatum nicht mehr verwenden. Das Verfalldatum bezieht sich auf den letzten Tag des angegebenen Monats.
Entsorgen Sie Arzneimittel nicht im Abwasser oder Haushaltsabfall. Fragen Sie Ihren
Apotheker, wie das Arzneimittel zu entsorgen ist, wenn Sie es nicht mehr verwenden. Sie
tragen damit zum Schutz der Umwelt bei.
6. Inhalt der Packung und weitere Informationen
Was Diazepam G.L. 5 mg-Rektaltuben enthalten
- Der Wirkstoff ist: Diazepam. 1 Rektaltube enthält 5 mg Diazepam.
- Die sonstigen Bestandteile sind: Propylenglykol, Ethanol (96%), Benzylalkohol, Benzoesäure (E 210), Natriumbenzoat (E 211), Natriumhydroxid, gereinigtes Wasser.
Wie Diazepam G.L. 5 mg-Rektaltuben aussehen und Inhalt der Packung
Diazepam G.L. 5 mg-Rektaltuben enthalten 2,5 ml klare, farblose bis leicht gelbe Lösung.
Packungsgrößen:
Weiße Rektaltuben mit Durchstichkappe: 5 LDPE-Rektaltuben mit PP-Kappen, einzeln
verpackt in Aluminiumbeuteln.
Weiße Rektaltuben mit offener Kanüle: 5 LDPE-Rektaltuben mit LDPE-Kappen, einzeln
verpackt in Aluminiumbeuteln.
Gelbe BFS- (blow-fill-seal) Rektaltuben: 5 LDPE-Rektaltuben, einzeln verpackt in Aluminium-beuteln.
Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.
Pharmazeutischer Unternehmer und Hersteller
G.L. Pharma GmbH, 8502 Lannach
Z.Nr.: 1-28704
Diese Packungsbeilage wurde zuletzt überarbeitet im Jänner 2022.
Die folgenden Informationen sind für medizinisches Fachpersonal bestimmt:
Überdosierung
Bei jedem Fall einer Überdosierung ist zu eruieren, ob weitere Wirkstoffe involviert sind, z.B. bei einem Suizidversuch. Symptome einer Überdosierung treten verstärkt bei gleichzeitiger Einnahme von Alkohol oder zentral dämpfenden Wirkstoffen auf.
Symptome
Eine Überdosierung kann sich in einer Verstärkung der therapeutischen Wirkungen zeigen. Die Dämpfung des zentralen Nervensystems zeigt sich in leichten Fällen als Sedierung, Muskelschwäche und tiefer Schlaf; in schweren Fällen kann es zu Ataxie, Hypotonie, Atemdepression, selten zu Areflexie bis zum Koma und sehr selten zum Tod kommen.
Therapie
Die Behandlung erfolgt symptomatisch. Die Überwachung von Atmung, Pulsfrequenz, Blutdruck und Körpertemperatur sowie gegebenenfalls unterstützende Maßnahmen, um die kardiovaskuläre und respiratorische Funktion aufrechtzuerhalten, werden empfohlen.
Flumazenil ist für die Aufhebung der zentral dämpfenden Wirkung von Benzodiazepinen
angezeigt.
Fachinformation
ZUSAMMENFASSUNG DER MERKMALE DES ARZNEIMITTELS
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
Diazepam G.L. 5 mg-Rektaltuben
Diazepam G.L. 10 mg-Rektaltuben
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
Diazepam G.L. 5 mg-Rektaltuben:
1 Rektaltube enthält 5 mg Diazepam in 2,5 ml Lösung.
Diazepam G.L. 10 mg-Rektaltuben:
1 Rektaltube enthält 10 mg Diazepam in 2,5 ml Lösung.
Sonstige Bestandteile mit bekannter Wirkung: 1.000 mg Propylenglycol (E 1250), 250 mg Ethanol (96%), 37,5 mg Benzylalkohol, 17,0 mg Benzoesäure (E 210) und 110 mg Natriumbenzoat in 2,5 ml Lösung.
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Rektallösung
Klare, farblose bis leicht gelbe Lösung in Rektaltuben.
Die Lösung hat bei 20°C einen pH-Wert von 6,4 bis 7,0.
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
- Epileptische Anfälle und Fieberkrämpfe
- Muskelkrämpfe verursacht durch Tetanus
- Prämedikation vor kleineren chirurgischen oder zahnärztlichen Eingriffen
- initiale Behandlung von akuten schweren Angst-, Spannungs- und Erregungszuständen
- sowie in Fällen, in welchen eine intravenöse Injektion nicht möglich oder unerwünscht, ein rascher Wirkungseintritt aber erforderlich ist
Diazepam G.L. wird angewendet bei Erwachsenen, Jugendlichen und bei Kindern ab einem Jahr und 10 kg KG.
Diazepam G.L. kann insbesondere zur sofortigen Behandlung von Krämpfen bei Kindern angewendet werden.
Benzodiazepine sollten nur angewendet werden, wenn die Erkrankung schwer ist, den Patienten stark behindert oder einen extremen Leidensdruck verursacht.
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
Dosierung
Die Dosierung richtet sich grundsätzlich nach dem Alter und Gewicht sowie der individuellen Reaktionslage des Patienten. Hierbei gilt der Grundsatz, die Dosis so gering und die Therapiedauer so kurz wie möglich zu halten.
Der Schwerpunkt der Behandlung ist auf den Abend zu legen. Eine Einzeldosis soll nicht mehr als 10 mg betragen. Höhere Dosierungen sind nur in seltenen Fällen notwendig und sollen in der Regel stationär verabreicht werden.
Für Kinder bis 15 kg Körpergewicht stehen Diazepam G.L.-Rektaltuben mit 5 mg Diazepam, für Kinder über 15 kg Körpergewicht, Jugendliche und Erwachsene Diazepam G.L.-Rektaltuben mit 10 mg Diazepam zur Verfügung.
Kinder unter 10 kg Körpergewicht, unter 1 Jahr Diazepam G.L. darf bei Kindern unter einem Jahr nicht angewendet werden, da Bedenken hinsichtlich der Sicherheit bestehen (siehe Abschnitt 4.3).
Kinder unter 15 kg Körpergewicht, von 1 bis 3 Jahren
Die empfohlene Dosis beträgt 5 mg Diazepam = 1 Diazepam G.L. 5 mg-Rektaltube.
Bei Bedarf (z.B. Fortbestehen oder Wiederauftreten des Krampfanfalles) können weitere 5 mg Diazepam verabreicht werden.
Bei der Applikation an Kinder unter 3 Jahren darf die Spitze der Rektaltube nur bis zur Hälfte eingeführt werden.
Kinder über 15 kg Körpergewicht, ab 3 Jahren, und Jugendliche
Die empfohlene Dosis beträgt 10 mg Diazepam = 1 Diazepam G.L. 10 mg-Rektaltube.
Bei Bedarf (z.B. Fortbestehen oder Wiederauftreten des Krampfanfalles) können weitere 10 mg Diazepam verabreicht werden.
Erwachsene (über 18 Jahre) Die empfohlene Dosis beträgt 10 bis 20 mg Diazepam = 1 bis 2 Diazepam G.L. 10 mg-Rektaltuben.
Bei Bedarf (z.B. Fortbestehen oder Wiederauftreten des Krampfanfalles) können weitere 10 mg Diazepam verabreicht werden.
Ältere Patienten (über 65 Jahre) oder geschwächte Erwachsene
Die empfohlene Dosis beträgt 5 mg Diazepam = 1 Diazepam G.L. 5 mg-Rektaltube.
Bei Bedarf (z.B. Fortbestehen oder Wiederauftreten des Krampfanfalles) können weitere 5 mg Diazepam verabreicht werden.
Patienten mit Leber- oder Niereninsuffizienz, eingeschränkter Lungenfunktion und kardialer Insuffizienz Die empfohlene Dosis beträgt 5 mg Diazepam = 1 Diazepam G.L. 5 mg-Rektaltube.
Bei Bedarf (z.B. Fortbestehen oder Wiederauftreten des Krampfanfalles) können weitere 5 mg Diazepam verabreicht werden (siehe auch Abschnitte 4.3 und 4.4).
Die Behandlung kann alle 12 Stunden wiederholt werden. Im Fall von initial höheren Dosen oder wiederholter Verabreichung soll die Atmung des Patienten kontrolliert werden. Lassen sich die Krämpfe nicht beseitigen, so sind weitere antikonvulsive Maßnahmen zu ergreifen.
Art der Anwendung
Rektale Anwendung.
Die Aluminiumbeutel der einzeln verpackten Tuben sollen erst kurz vor der Anwendung geöffnet werden.
Die Lösung wird rektal appliziert. Der Patient soll in Seitenlage sein.
Folienpackung aufreißen.
- Rektaltuben mit offener Kanüle: Die Verschlusskappe aufschrauben.
- Rektaltuben mit Durchstichkappe: Die Verschlusskappe aufschrauben und die Tubenmembran mit der Kappenspitze durchstoßen.
- Rektaltuben mit Flügelkappe: Die Verschlusskappe abdrehen.
| 1 Patient seitlich hinlegen. | 2 Das Knie des oben liegenden Beines anwinkeln und ein Stück nach vorne ziehen. | 3 Patient entkleiden. | 4 Pobacken leicht auseinander ziehen. | 5 Tube vorsichtig einführen. Bei Kindern unter 3 Jahren nur bis zur Hälfte der Tubenspitze einführen! |
| 6 Tube langsam ganz zusammendrücken. | 7 Tube zusammengedrückt herausziehen. Nicht loslassen, bis die Tube ganz herausgezogen ist. | 8 Pobacken etwa 5 Sekunden zusammendrücken, damit die Flüssigkeit nicht wieder herausläuft. | 9 Merken Sie sich den Zeitpunkt der Verabreichung. Sehen Sie regelmäßig nach dem Patienten. |
4.3 Gegenanzeigen
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, andere Benzodiazepine oder einen der in Abschnitt
6.1 genannten sonstigen Bestandteile
- Myasthenia gravis
- schwere Atemfunktionsstörung (wegen möglicher Atemdepression)
- Schlafapnoe-Syndrom
- schwere Leberfunktionsstörung (wegen möglicher Entwicklung einer Enzephalopathie)
- akute Alkoholvergiftung oder Vergiftung mit anderen auf das zentrale Nervensystem dämpfend wirkenden Stoffen
- schwere chronische Hyperkapnie
- schwere Schockzustände
- Koma
- Kinder bis zum ersten Lebensjahr
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Toleranzentwicklung Bei wiederholter Anwendung innerhalb weniger Wochen kann es zu einer Reduktion der Wirkung von Diazepam kommen.
Gleichzeitige Anwendung von Alkohol und zentral dämpfenden Arzneimitteln Die gleichzeitige Anwendung von Diazepam mit Alkohol und/oder zentral dämpfenden Arzneimitteln ist zu vermeiden, da in diesen Fällen die klinischen Wirkungen von Diazepam verstärkt werden können, einschließlich möglicher tiefer Sedierung und klinisch relevanter respiratorischer und/oder kardiovaskulärer Depression (siehe Abschnitt 4.5).
Anamnestisch bekannter Alkohol-, Arzneimittel- oder Drogenmissbrauch Diazepam soll nur unter äußerster Vorsicht bei Patienten mit einer Alkohol- oder Drogenabhängigkeitsanamnese angewandt werden.
Abhängigkeit Benzodiazepine können zu physischer und psychischer Abhängigkeit führen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine Abhängigkeit entwickelt, steigt mit höherer Dosis, längerer Anwendungsdauer, bei Patienten mit Alkohol- oder Drogenmissbrauch in der Anamnese sowie bei Patienten mit ausgeprägten Persönlichkeitsstörungen. Eine regelmäßige Kontrolle ist bei diesen Patienten erforderlich. Routinemäßige wiederholte Verordnungen sind zu vermeiden und die Behandlung sollte schrittweise abgesetzt werden.
Risiko bei gleichzeitiger Einnahme von Opioiden Die gleichzeitige Anwendung von Diazepam G.L. mit Opioiden kann zu Sedierung, Atemdepression, Koma und Tod führen. Aufgrund dieser Risiken hat die gemeinsame Verordnung sedativer Arzneimittel wie Benzodiazepinen oder verwandten Arzneimitteln wie Diazepam G.L. mit Opioiden nur bei solchen Patienten zu erfolgen, bei denen alternative Behandlungsoptionen nicht zur Verfügung stehen. Wenn die Entscheidung getroffen wird, Diazepam G.L. gleichzeitig mit Opioiden zu verschreiben, muss die niedrigste wirksame Dosis zum Einsatz kommen und die Dauer der Behandlung muss so kurz wie möglich gehalten werden.
Die Patienten sind engmaschig auf Anzeichen und Symptome einer Atemdepression und Sedierung zu überwachen. Es wird diesbezüglich unbedingt empfohlen, die Patienten und ihr Pflegepersonal zu informieren, auf derartige Symptome zu achten (siehe Abschnitt 4.5).
Mögliche Entzugssymptome Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, starke Angst- und Spannungszustände, Unruhe, Verwirrung und Reizbarkeit.
In schweren Fällen sind folgende Entzugssymptome möglich: Derealisation, Depersonalisierung, Taubheit und Prickeln der Extremitäten, Licht-, Geräusch- und Berührungsüberempfindlichkeit, Halluzinationen oder epileptische Anfälle.
Rebound-Insomnie und -Angst Vorübergehend können die Symptome, die zur Behandlung mit einem Benzodiazepin führten, beim Beenden der Behandlung in verstärkter Form wiederkehren. Als Begleitreaktionen sind Stimmungsschwankungen, Angstzustände oder Schlafstörungen und Unruhe möglich.
Das plötzliche Absetzen einer Diazepam-Behandlung kann bei Epilepsie-Patienten oder Patienten mit sonstiger Anfallsanamnese zu Krampfanfällen oder Status epilepticus führen. Krampfanfälle nach plötzlichem Absetzen kommen auch bei Personen mit Alkohol- oder Drogenmissbrauch vor. Da das Risiko von Entzugs- bzw. Rebound-Erscheinungen nach plötzlichem Beenden der Therapie höher ist, wird empfohlen, die Dosierung schrittweise zu reduzieren.
Behandlungsdauer Die Dauer der Behandlung sollte, je nach Indikation, so kurz wie möglich sein (siehe Abschnitt 4.2). Der Patient muss spätestens nach 4 Wochen und auch anschließend regelmäßig untersucht werden, um die Notwendigkeit für eine Fortsetzung der Behandlung abzuschätzen, insbesondere, wenn der Patient symptomfrei ist. In der Regel darf die Behandlung einschließlich des Ausschleichvorgangs nicht länger als 8 bis 12 Wochen dauern. Eine Verlängerung über diese Dauer hinaus sollte nicht ohne erneute Bewertung der Situation stattfinden.
Es kann sinnvoll sein, den Patienten gleich zu Anfang darüber zu informieren, dass die Behandlung von begrenzter Dauer sein wird, und ihm genau zu erläutern, wie die Dosis schrittweise verringert wird. Darüber hinaus ist es wichtig, dass der Patient weiß, dass Rebound-Erscheinungen möglich sind und somit nicht beunruhigt ist, falls solche Symptome beim Absetzen des Arzneimittels auftreten. Es gibt Hinweise, dass bei Benzodiazepinen mit kurzer Wirkungsdauer Entzugserscheinungen schon innerhalb des Dosierungsintervalls auftreten können; dies ist insbesondere bei hoher Dosierung der Fall.
Wenn Benzodiazepine mit langer Wirkungsdauer angewendet werden, ist es wichtig, vor einem Wechsel zu einem kurz wirksamen Benzodiazepin zu warnen, da Entzugssymptome auftreten können.
Amnesie Eine anterograde Amnesie wird insbesondere bei hohen Dosierungen beobachtet, kann aber bei Benzodiazepinen auch innerhalb des normalen Dosisbereichs auftreten. Der Zustand tritt meistens einige Stunden nach Anwendung des Arzneimittels auf; daher sollten die Patienten für 7 bis 8 Stunden ununterbrochenen Schlaf sorgen, um Risiken zu minimieren (siehe auch Abschnitt 4.8). Amnestische Wirkungen können mit unangemessenem Verhalten einhergehen.
Psychiatrische und ungewöhnliche (paradoxe) Reaktionen Reaktionen wie Rastlosigkeit, Unruhe, Reizbarkeit, Aggressivität, Selbsttäuschung, Raserei, Alpträume, Halluzinationen, Psychosen, auffälliges Benehmen oder andere Verhaltens-auffälligkeiten können bei der Anwendung von Benzodiazepinen auftreten.
Beim Auftreten einer dieser Reaktionen ist die Anwendung von Diazepam abzubrechen.
Paradoxe Reaktionen treten bei Kindern und älteren Patienten mit größerer Wahrscheinlichkeit auf.
Spezielle Patientengruppen Ältere und geschwächte Patienten sollen eine verminderte Dosis erhalten (siehe Abschnitt 4.2). Aufgrund der muskelrelaxierenden Wirkung besteht bei älteren Personen ein Risiko für Stürze und daraus folgende Hüftfrakturen.
Eine niedrigere Dosis wird wegen des Risikos einer Atemdepression auch für Patienten mit chronischer respiratorischer Insuffizienz empfohlen.
Bei Patienten, die gleichzeitig Antihypertensiva einnehmen, ist eine mögliche additive blutdrucksenkende Wirkung zu berücksichtigen (siehe Abschnitt 4.5).
Benzodiazepine sind nicht indiziert zur Behandlung von Patienten mit schwerer Leberinsuffizienz, da sie bei diesen Patienten eine Enzephalopathie auslösen können. Für Patienten mit chronischer Lebererkrankung kann eine Dosisreduktion erforderlich sein.
Bei der Behandlung von Patienten mit Niereninsuffizienz sind die üblichen Vorsichtsmaßnahmen zu beachten. Bei Niereninsuffizienz ist die Halbwertszeit von Diazepam nicht in klinisch relevantem Ausmaß verändert und eine Dosisanpassung daher in der Regel nicht erforderlich.
Benzodiazepine werden zur Erstbehandlung von Psychosen nicht empfohlen.
Wie bei anderen Benzodiazepinen soll besondere Vorsicht bei der Verschreibung von Diazepam bei Patienten mit psychischen Erkrankungen wie z.B. Persönlichkeitsstörungen, Phobien, Psychosen, Zwangsvorstellungen, Angstzuständen und Depressionen geübt werden. Die Enthemmung unter Benzodiazepineinfluss kann bei depressiven Patienten oder bei Patienten mit Selbst- und Fremdaggression einen Suizid beschleunigen.
Benzodiazepine sollten nicht in Monotherapie zur Behandlung einer Depression oder einer Angststörung bei Depression angewendet werden (bei den betroffenen Patienten kann dies Suizidgedanken auslösen).
Suizidgefährdete Personen sollten wegen des Risikos einer Überdosierung keinen Zugriff auf größere Mengen Diazepam haben.
Patienten mit Engwinkelglaukom: Wie aus präklinischen Studien hervorgeht, erhöht Diazepam möglicherweise den intraokularen Druck. Demnach ist Diazepam bei Patienten mit Engwinkelglaukom mit Vorsicht anzuwenden.
Kinder und Jugendliche
Eine Anwendung bei Kindern und Jugendlichen darf nur bei zwingender Indikation erfolgen. Die Behandlungsdauer muss auf ein Minimum beschränkt bleiben. Bei Kindern bis zum ersten Lebensjahr darf Diazepam nicht angewendet werden (siehe Abschnitt 4.3).
Allgemeines Bei länger dauernder, häufig wiederholter oder hoch dosierter Anwendung wird eine Kontrolle des Blutbildes und der Leberfunktion empfohlen.
Dieses Arzneimittel enthält 1.000 mg Propylenglycol (E 1520) pro Rektaltube (2,5 ml Lösung). Propylenglycol kann Hautreizungen hervorrufen.
Dieses Arzneimittel enthält 9,6 vol-% Ethanol (Alkohol), d.h. bis zu 250 mg pro Rektaltube (2,5 ml Lösung).
Dieses Arzneimittel enthält 37,5 mg Benzylalkohol pro Rektaltube (2,5 ml Lösung). Benzylalkohol darf nicht bei Frühgeborenen oder Neugeborenen angewendet werden. Benzylalkohol kann bei Säuglingen und Kindern bis zu 3 Jahren toxische und anaphylaktoide Reaktionen hervorrufen.
Dieses Arzneimittel enthält weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) pro Rektaltube (2,5 ml Lösung), d.h. es ist nahezu “natriumfrei”.
Dieses Arzneimittel enthält 17,0 mg Benzoesäure (E 210) bzw. 110,0 mg Natriumbenzoat (E 211) pro Rektaltube (2,5 ml Lösung). Benzoesäure/Natriumbenzoat kann leichte Reizungen an Haut, Augen und Schleimhäuten hervorrufen. Bei Neugeborenen besteht ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Gelbsucht.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Eine gemeinsame Anwendung mit folgenden Arzneimitteln ist nicht zu empfehlen:
Alkohol Eine Verstärkung des sedativen Effekts kann auftreten. Eine gleichzeitige Aufnahme von Alkohol und Diazepam ist unbedingt zu vermeiden.
Antivirale Wirkstoffe (Ritonavir, Delavirdin, Efavirenz, Indinavir, Nelfinavir, Saquinavir) Antivirale Wirkstoffe können den CYP3A4-Metabolismus für Diazepam hemmen. Eine gemeinsame Anwendung sollte vermieden werden, da ein erhöhtes Risiko für Sedierung und respiratorische Depression besteht.
Antimykotische Wirkstoffe (Azole) Eine erhöhte Plasmakonzentration von Benzodiazepinen aufgrund einer Hemmung des CYP3A4-Stoffwechsels führt zu einem verstärkten Risiko für Nebenwirkungen und Toxizität von Benzodiazepinen. Eine gleichzeitige Anwendung sollte vermieden oder die Diazepam-Dosis verringert werden.
Fluvoxamin Fluvoxamin hemmt CYP2C19, womit Diazepam unter anderem metabolisiert wird. Die gleichzeitige Anwendung führt zu einer Verlängerung der Halbwertszeit und soll vermieden werden. Es sollten stattdessen Benzodiazepine, die über einen nichtoxidativen Stoffwechselweg metabolisiert werden, angewendet werden.
Eine gemeinsame Anwendung mit folgenden Arzneimitteln sollte mit Vorsicht erfolgen:
Arzneimittel, die eine Sedierung bewirken (entweder als primäre Wirkung oder als Nebenwirkung) Die gleichzeitige Anwendung von zentral dämpfenden Arzneimitteln (z.B. Neuroleptika, Antipsychotika, Anxiolytika, Sedativa, Antidepressiva, Hypnotika, Anästhetika für die Allgemeinanästhesie und analgetisch wirksame Narkotika wie zum Beispiel Opioide, Antiepileptika, sedative Antihistaminika) erhöht aufgrund der Verstärkung des zentral dämpfenden Effekts das Risiko einer Sedierung, Atemdepression, Koma und Tod. Die Dosis und Dauer einer gemeinsamen Anwendung sind zu begrenzen (siehe Abschnitt 4.4).
Opioid-Analgetika Eine Verstärkung von euphorischen Gefühlen kann auftreten, die eine Erhöhung der psychischen Abhängigkeit bewirkt.
Arzneimittel, die den Blutdruck senken Blutdrucksenkende Arzneimittel können bei gemeinsamer Anwendung mit Diazepam die hypotensive Wirkung verstärken. Dazu zählen: ACE-Hemmer, α1-Adrenozeptorantagonisten (z.B. Alfuzosin, Doxazosin, Tamsulosin, Terazosin), Betablocker, Calciumkanalblocker, Clonidin, Methyldopa, Moxonidine und Diuretika (Thiazide wie z.B. Bendroflumethiazid, Schleifendiuretika wie z.B. Furosemid).
CYP 450-Substanzen Diazepam wird über Cytochrom P450-Enzyme in der Leber metabolisiert, daher ist eine Interaktion im Sinne von gegenseitiger Wirkungsverstärkung oder -verminderung mit allen Arzneimitteln zu erwarten, die über denselben Stoffwechselweg abgebaut werden (z.B. Clozapin, Isoniazid, Disulfiram, Cimetidin, Omeprazol, orale Kontrazeptiva, Theophyllin, Azol-Antimykotika, Rifampicin, Phenytoin, Hypericum perforatum – Johanniskraut).
Clozapin Das Risiko für einen kardiovaskulären Kollaps ist erhöht, Herz- oder Atemstillstand können die Folge sein.
Xanthin-haltige Substanzen Aufgrund ihrer ZNS-stimulierenden Wirkung wird vermutet, dass Theophyllin, Aminophyllin und Coffein den sedierenden Effekt der Benzodiazepine antagonisieren.
Muskelrelaxanzien (Suxamethonium, Tubocurarin) Benzodiazepine können bei gemeinsamer Verabreichung zu einer geringen Verlängerung der Wirkungsdauer und zu einer geringen Verstärkung der Wirksamkeit von Muskelrelaxanzien führen.
Cimetidin Eine Verstärkung der Diazepam-Wirkung und damit ein erhöhtes Risiko für Schläfrigkeit ist möglich. Eine Verringerung der Diazepam-Dosis kann erforderlich sein.
Omeprazol und Esomeprazol Die Diazepam-Wirkung kann gering erhöht sein und eine Verringerung der Diazepam-Dosis kann erforderlich sein.
Isoniazid
Die Diazepam-Wirkung wird bei gemeinsamer Anwendung gesteigert und verlängert.
Disulfiram Durch verlangsamten Abbau und verzögerte Elimination kann die Plasmakonzentration von Diazepam erhöht sein. Das Risiko für zentrale Dämpfung ist somit ebenfalls erhöht.
Orale Kontrazeptiva Bei gemeinsamer Anwendung von Diazepam und oralen Kombinationskontrazeptiva können Zwischenblutungen auftreten. Der Mechanismus hierfür ist nicht bekannt. Ein Versagen der Kontrazeption wurde jedoch nicht beschrieben.
Die Diazepam-Wirkung kann gering erhöht sein.
Rifampicin Die Diazepam-Dosis muss bei gemeinsamer Verabreichung möglicherweise leicht erhöht werden, da Rifampicin den Metabolismus der Benzodiazepine leicht erhöht.
Carbamazepin, Phenytoin, Phenobarbital Bei Patienten, die diese Arzneimittel als Langzeittherapie einnehmen, kann der Benzodiazepin-Metabolismus gesteigert sein und dadurch eine Abschwächung der Diazepam-Wirkung auftreten. Der Phenytoin-Spiegel sollte häufiger kontrolliert werden, wenn Diazepam eingeleitet bzw. abgesetzt wird.
Levodopa In einigen wenigen Fällen wurde eine Abschwächung der Wirkung von Levodopa bei gleichzeitiger Anwendung mit Diazepam beschrieben.
Valproinsäure Valproinsäure hemmt den Metabolismus von Diazepam. Die gemeinsame Anwendung kann zu verstärkter Sedierung führen.
Baclofen
Eine Verstärkung des sedativen Effekts kann auftreten.
Natriumoxybat
Eine Verstärkung der Natriumoxybat-Wirkung kann auftreten.
Corticosteroide (oral)
Bei Daueranwendung kann die Wirkung von Diazepam verringert sein.
Ketamin Nach Prämedikation mit Diazepam kann die Halbwertszeit von Ketamin verlängert und die Sedierung infolgedessen verstärkt sein,
Grapefruitsaft Es wird angenommen, dass Grapefruitsaft CYP3A4 hemmt und die Plasmakonzentrationen von Diazepam erhöht. Die Cmax ist auf das 1,5-Fache, die AUC auf das 3,2-Fache erhöht. Möglicherweise kommt es zu einer gesteigerten Wirkung von Diazepam.
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
Schwangerschaft
Aufgrund von Erfahrungen am Menschen besteht der Verdacht, dass eine Anwendung von Diazepam während der Schwangerschaft angeborene Fehlbildungen auslösen kann. Tierexperimentelle Studien haben eine Reproduktionstoxizität gezeigt (siehe Abschnitt 5.3).
Diazepam G.L. darf während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, dass eine Behandlung mit Diazepam aufgrund des klinischen Zustandes der Frau zwingend notwendig erscheint. Wenn Diazepam G.L. einer Frau im gebärfähigen Alter verschrieben wird, ist sie darüber aufzuklären, dass das Arzneimittel abzusetzen ist, wenn sie schwanger werden will oder vermutet, schwanger zu sein.
Bei der Anwendung von Diazepam im 3. Trimenon der Schwangerschaft oder während der Wehen muss beim Neugeborenen mit Hypothermie, geringem Muskeltonus, mäßiger Atemdepression, unregelmäßigem fötalen Herzschlag und Trinkschwäche (“Floppy-infant-Syndrom”) gerechnet werden.
Außerdem können Neugeborene von Müttern, die im letzten Stadium der Schwangerschaft regelmäßig Benzodiazepine eingenommen haben, eine körperliche Abhängigkeit entwickeln, und es besteht nach der Geburt das Risiko für Entzugssymptome.
Die Rektallösung enthält Benzylalkohol. Benzylalkohol kann in den kindlichen Kreislauf übertreten (siehe Abschnitt 4.4).
Der Alkoholgehalt ist zu berücksichtigen (siehe Abschnitt 4.4).
Die mögliche Toxizität für Frühgeborene ist nach Verabreichung von Diazepam G.L.-Rektaltuben vor oder während der Entbindung zu berücksichtigen.
Stillzeit
Diazepam wird in die Muttermilch ausgeschieden und zeigte Auswirkungen auf gestillte Neugeborene. Während der Stillzeit ist die Muttermilch bis zu 4 Tage nach der Applikation zu verwerfen.
Fertilität
Tierexperimentelle Studien zeigten unter hohen Dosen bei Ratten eine verringerte Trächtigkeitsrate und eine verringerte Anzahl überlebender Nachkommen. Daten zum Einfluss auf die Fertilität beim Menschen liegen nicht vor.
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
Diazepam hat großen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen. Patienten, die mit Diazepam behandelt wurden, dürfen für mindestens 24 Stunden nach der letzten Anwendung weder aktiv am Straßenverkehr teilnehmen noch Maschinen bedienen.
4.8 Nebenwirkungen
Schläfrigkeit, Gefühlsverflachung, verringerte Aufmerksamkeit, Verwirrtheit, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Muskelschwäche, Ataxie oder Doppeltsehen kommen vorwiegend am Anfang der Behandlung vor; diese Wirkungen gehen jedoch bei wiederholter Anwendung meist zurück. Bei älteren Patienten können unter hohen Dosen Verwirrtheitszustände auftreten. Ein erhöhtes Sturzrisiko verbunden mit Frakturen besteht bei älteren Patienten, die Benzodiazepine anwenden.
Amnesie Eine anterograde Amnesie kann unter therapeutischen Dosen auftreten; das Risiko steigt mit der Dosis. Amnestische Wirkungen können mit unangemessenem Verhalten einhergehen (siehe Abschnitt 4.4).
| Sehr häufig: Häufig: Gelegentlich: Selten: Sehr selten: Häufigkeit nicht bekannt: | ≥ 1/10 ≥ 1/100, < 1/10 ≥ 1/1.000, < 1/100 ≥ 1/10.000, < 1/1.000 < 1/10.000 Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar | ||||
| Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems Erkrankungen des Immunsystems Endokrine Erkrankungen Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen Psychiatrische Erkrankungen | Systemorganklasse | Häufigkeit Selten Sehr selten Selten Selten Häufig Selten | Agranulozytose, Leukopenie Anaphylaxie Ovulationshemmung, Zyklusstörung Appetitsteigerung Verwirrtheit Psychiatrische und paradoxe Reaktionen wie Erregung, Unruhe, Agitiertheit, Reizbarkeit, Aggressivität, Wahnvorstellungen, Wutausbrüche, Halluzinationen, Psychosen, Gedächtnisverlust, Alpträume, unangemessenes Verhalten und andere unerwünschte Verhaltensänderungen Schlafstörungen, Insomnie, Stimulation, Muskelverkrampfungen Emotionale Verflachung, verringerte Aufmerksamkeit, Depression | Nebenwirkung a, b | |
| Erkrankungen des Nervensystems | Systemorganklasse | Sehr häufig Häufigkeit Häufig Gelegentlich | Schläfrigkeit Ataxie, Tremor, gestörte motorische Fähigkeiten Anterograde Amnesie keiten, Gleichgewichtsstörungen, Schwindelgefühl, Kopfschmerzen, verwaschene Sprache | Nebenwirkung c, Konzentrationsschwierig- | |
| Augenerkrankungen | Selten Häufig | Bewusstlosigkeit, Insomnie, Dysarthrie, Dyskinesien Doppelbilder, Nystagmus, Akkommodations-störungen, verschwommenes Sehen | |||
| Herzerkrankungen | Selten | Synkopen, Bradykardie, Herzinsuffizienz einschließlich Herzstillstand | |||
| Gefäßerkrankungen Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts Leber- und Gallenerkrankungen Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen Erkrankungen der Nieren und der Harnwege Erkrankungen der Geschlechtsorgane und der Brustdrüse | Selten Gelegentlich Selten Gelegentlich Selten Selten Gelegentlich Gelegentlich Selten Selten | Orthostatischer Kollaps, Hypotonie Atemdepression Apnoe, verstärkte Bronchialsekretion Gastrointestinale Störungen (Nausea, Erbrechen, Obstipation, Diarrhö), verstärkte Speichelsekretion Mundtrockenheit Ikterus Allergische Hautreaktionen (Pruritus, Erythem, Exanthem, Angioödem, Urtikaria) Myasthenie Inkontinenz, Harnretention Gynäkomastie, Impotenz, verstärkte oder verringerte Libido, Galaktorrhoe und Brustdrüsenvergrößerung | |||
| Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort Untersuchungen | Häufig Selten | Müdigkeit, Entzugssymptome (Angst, Panik, Palpitationen, Schwitzen, Tremor, gastrointestinale Störungen, Reizbarkeit, Aggression, gestörte Sinneswahrnehmung, Muskelkrämpfe, allgemeines Unwohlsein, Appetitlosigkeit, paranoide Psychose, Delirium und epileptische Anfälle) Veränderung der Leberwerte (Erhöhung von GPT, GOT, alkalischer Phosphatase) | d | ||
| Soziale Umstände | Häufig | Abhängigkeit und Missbrauch | |||
| a b c d | Bekannt bei Anwendung von Benzodiazepinen oder Benzodiazepin-ähnlichen Wirkstoffen. Diese Reaktionen können recht schwerwiegend sein; sie kommen gehäuft bei Kindern und älteren Menschen vor. Beim Auftreten derartiger Symptome sollte Diazepam abgesetzt werden (siehe Abschnitt 4.4). Vorbestehende Depressionen können unter Anwendung von Benzodiazepinen demaskiert werden. Kann unter therapeutischer Dosierung auftreten; das Risiko steigt mit der Dosis. Amnestische Wirkungen können mit unangemessenem Verhalten einhergehen (siehe Abschnitt 4.4). Wahrscheinlichkeit und Schweregrad der Entzugssymptome hängen von der Behandlungsdauer, der Dosis und dem Grad der Abhängigkeit ab. | ||||
| Folgende Nebenwirkungen sind unter oraler Therapie aufgetreten: • • • • | aplastische Anämie antithyreoidaler Effekt (durch Senkung der Freisetzung von TSH) Parästhesien Hyperventilation, allergisches Asthma, Bronchospasmus, Laryngospasmus |
Abhängigkeit Die chronische Anwendung (auch in therapeutischen Dosen) kann zur Entwicklung einer physischen und psychischen Abhängigkeit führen. Das Absetzen der Behandlung kann Entzugs- oder Rebound-Phänomene hervorrufen (siehe Abschnitt 4.4). Missbrauch von Benzodiazepinen wurde beschrieben.
Entzugssymptome (siehe Abschnitt 4.4) Übliche Entzugssymptome können sein: Ängstlichkeit, Depression, vermindertes Konzentrations-vermögen, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Tinnitus, verminderter Appetit, Tremor, Hyperhidrosis, Reizbarkeit, Wahrnehmungsstörungen wie Überempfindlichkeit auf visuelle, auditive oder Berührungsreize und abnorme Geschmacksempfindung, Übelkeit, Erbrechen, abdominale Krämpfe, Palpitationen, milde systolische Hypertonie, Tachykardie und orthostatische Hypotonie.
In schweren Fällen treten selten auch folgende Entzugssymptome auf: Muskelzuckungen, Verwirrung und paranoide Psychose, epileptische Anfälle, Halluzinationen und ein Delirium-tremens-ähnlicher Zustand.
Unterbrochener Schlaf mit lebhaften Träumen und vermehrten REM-Phasen bleibt möglicherweise für einige Wochen nach dem Entzug bestehen.
Kinder und Jugendliche
Verstärkte Sekretion von Speichel und Bronchialsekret wurde insbesondere bei Kindern beobachtet.
Ältere Patienten (> 65 Jahre) oder geschwächte Erwachsene Ältere Patienten oder geschwächte Erwachsene sind besonders anfällig für mögliche ZNS-Nebenwirkungen der Benzodiazepine. Es wird daher empfohlen, die Dosis so gering wie möglich zu halten. Damit wird die Wahrscheinlichkeit, dass Ataxien, Schwindel und Sedierung auftreten, die zu Stürzen führen können, reduziert (siehe Abschnitt 4.2).
Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen
Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung über das nationale Meldesystem anzuzeigen:
Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen
Traisengasse 5
1200 WIEN
ÖSTERREICH
Fax: + 43 (0) 50 555 36207
Website: http://www.basg.gv.at/
4.9 Überdosierung
Bei jedem Fall einer Überdosierung ist zu eruieren, ob weitere Wirkstoffe involviert sind, z.B. bei einem Suizidversuch. Symptome einer Überdosierung treten verstärkt bei gleichzeitiger Einnahme von Alkohol oder zentral dämpfenden Wirkstoffen auf.
Symptome
Eine Überdosierung kann sich in einer Verstärkung der therapeutischen Wirkungen zeigen. Die Dämpfung des zentralen Nervensystems zeigt sich in leichten Fällen als Sedierung, Muskelschwäche und tiefer Schlaf; in schweren Fällen kann es zu Ataxie, Hypotonie, Atemdepression, selten zu Areflexie bis zum Koma und sehr selten zum Tod kommen.
Therapie
Die Therapie erfolgt symptomatisch. Die Überwachung von Atmung, Pulsfrequenz, Blutdruck und Körpertemperatur sowie gegebenenfalls unterstützende Maßnahmen, um die kardiovaskuläre und respiratorische Funktion aufrechtzuerhalten, werden empfohlen.
Flumazenil ist für die Aufhebung der zentral dämpfenden Wirkung von Benzodiazepinen angezeigt.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Psycholeptika, Anxiolytika, Benzodiazepin-Derivate, Diazepam ATC-Code: N05BA01
Pharmakodynamische Wirkungen Diazepam ist eine psychotrope Substanz aus der Klasse der Benzodiazepin-Tranquillantien mit ausgeprägten spannungs-, erregungs- und angstdämpfenden Eigenschaften sowie sedierenden und hypnotischen Effekten. Darüber hinaus zeigt Diazepam muskelrelaxierende und antikonvulsive Eigenschaften. Diese Wirkungen beruhen auf einer Verstärkung der Effekte von γ-Aminobuttersäure, einem wichtigen inhibitorischen Neurotransmitter im Gehirn.
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Resorption
Nach rektaler Applikation der Lösung wird Diazepam sehr rasch und nahezu vollständig aus dem Enddarm resorbiert. Der Wirkungseintritt nach rektaler Applikation erfolgt innerhalb weniger Minuten. Die Geschwindigkeit des Plasmaspiegelanstiegs nach rektaler Applikation der Lösung entspricht in etwa der einer intravenösen Gabe, jedoch liegen die maximalen Plasmakonzentrationen niedriger als nach i.v.-Gabe. Bei Erwachsenen werden maximale Plasmaspiegel ca. 10 bis 30 Minuten nach rektaler Verabreichung von 10 mg Diazepam-Lösung erreicht.
Verteilung
Die Plasmaproteinbindung von Diazepam beträgt zwischen 95 und 99%. Das Verteilungsvolumen beträgt altersabhängig zwischen 0,95 und 2 l/kg Körpergewicht. Diazepam und seine Metaboliten penetrieren die Blut-Hirn-Schranke sowie die Plazentaschranke und treten auch in die Muttermilch über.
Biotransformation
Der Abbau von Diazepam erfolgt hauptsächlich in der Leber zu den ebenfalls pharmakologisch aktiven Metaboliten N-Desmethyldiazepam (Nordiazepam), Temazepam und Oxazepam.
Elimination
Diazepam weist eine biphasische Halbwertszeit auf. Auf eine schnelle Verteilungsphase folgt eine lange terminale Eliminationsphase von bis zu 48 Stunden. Die Halbwertszeiten der aktiven Metaboliten liegen für N-Desmethyldiazepam bei 30 bis 100 Stunden, für Temazepam bei 10 bis 20 Stunden und für Oxazepam bei 5 bis 15 Stunden. Diazepam und seine Metaboliten werden überwiegend im Harn als Glukuronide ausgeschieden; nur 20% der Metaboliten lassen sich in den ersten 72 Stunden im Harn nachweisen. Die Clearance von Diazepam beträgt ca. 20 bis 30 ml/min.
Spezielle Patientengruppen Die Ausscheidung erfolgt hauptsächlich renal aber auch biliär. Sie ist sowohl vom Alter als auch von der Leber- und Nierenfunktion abhängig.
Ältere Patienten und Patienten mit Niereninsuffizienz Bei älteren Menschen ist die Ausscheidung um den Faktor 2 bis 4 verlangsamt, ebenso bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion.
Patienten mit Leberinsuffizienz Bei Patienten mit Lebererkrankungen (Leberzirrhose, Hepatitis) verlangsamt sich die Elimination um den Faktor 2.
Neugeborene
Bei Neugeborenen laufen Stoffwechsel und Elimination deutlich langsamer ab als bei Kindern und Erwachsenen.
5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit
Präklinische Effekte wurden nur nach Expositionen beobachtet, die ausreichend über der maximalen humantherapeutischen Exposition lagen. Die Relevanz für den Menschen wird als gering bewertet.
Chronische Toxizität Untersuchungen an verschiedenen Tierspezies ergaben keine Hinweise auf substanzbedingte Veränderungen.
Tumorerzeugendes und mutagenes Potential Mehrere Untersuchungen lieferten schwache Hinweise auf ein mutagenes Potential in hohen Konzentrationen, die jedoch weit oberhalb der therapeutischen Dosierung beim Menschen liegen. Langzeituntersuchungen am Tier zum tumorerzeugenden Potential von Diazepam liegen nicht vor.
Reproduktionstoxizität Bei der Maus kam es nach pränataler Diazepam-Exposition zur Ausbildung von Gaumenspalten. Beim Hamster zeigten sich nach sehr hohen pränatalen Diazepam-Gaben außer Gaumenspalten auch Exenzephalien und Extremitätenfehlbildungen. Bei Ratten und Primaten war Diazepam nicht teratogen. Tierexperimentelle Studien haben Hinweise auf Verhaltensstörungen der Nachkommen langzeitexponierter Muttertiere ergeben. Bei Mäusen zeigten sich nach 1- bis 6-wöchiger Behandlung mit Diazepam Anomalien der Spermienköpfe.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Propylenglycol
Ethanol (96%)
Benzylalkohol
Benzoesäure (E 210)
Natriumbenzoat (E 211)
Natriumhydroxid
Gereinigtes Wasser
6.2 Inkompatibilitäten
Da keine Kompatibilitätsstudien durchgeführt wurden, darf dieses Arzneimittel nicht mit anderen Arzneimitteln gemischt werden.
6.3 Dauer der Haltbarkeit
3 Jahre
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Nicht über 25°C lagern.
In der Originalverpackung aufbewahren.
Aluminiumbeutel immer erst kurz vor der Anwendung öffnen.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
Weiße Rektaltuben mit Durchstichkappe: 5 LDPE-Rektaltuben mit PP-Kappen, einzeln verpackt in Aluminiumbeuteln.
Weiße Rektaltuben mit offener Kanüle: 5 LDPE-Rektaltuben mit LDPE-Kappen, einzeln verpackt in Aluminiumbeuteln.
Gelbe BFS- (blow-fill-seal) Rektaltuben: 5 LDPE-Rektaltuben, einzeln verpackt in Aluminium-beuteln.
Jede Rektaltube enthält 2,5 ml klare farblose bis leicht gelbe Lösung.
Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung
Keine besonderen Anforderungen.
7. INHABER DER ZULASSUNG
G.L. Pharma GmbH, 8502 Lannach
8. ZULASSUNGSNUMMERN
Diazepam G.L. 5 mg-Rektaltuben: 1-28704
Diazepam G.L. 10 mg-Rektaltuben: 1-28705
9. DATUM DER ERTEILUNG DER ZULASSUNG/VERLÄNGERUNG DER ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 14. Oktober 2009
Datum der letzten Verlängerung der Zulassung: 23. März 2017
10. STAND DER INFORMATION
Jänner 2022
REZEPTPFLICHT/APOTHEKENPFLICHT
Rezept- und apothekenpflichtig.
Anordnung der wiederholten Abgabe verboten gemäß § 10 Absatz 4 Psychotropenverordnung.
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