Nachtstillen, sicherer Babyschlaf und Bedsharing – dazu Stillen in der Öffentlichkeit, die Rückkehr in den Beruf mit den österreichischen Stillzeiten, Sport, Reisen und die seelische Seite.

  • Abschnitt 110 bis 129 von 204
  • Stand: 1. September 2026
  • zur Übersicht
Wichtiger Hinweis

Stillen ist eine Form der Säuglingsernährung und zugleich eine körperliche, emotionale und soziale Erfahrung. Es kann viele gesundheitliche Vorteile haben, gelingt aber nicht immer sofort und nicht unter allen Umständen. Schwierigkeiten sind kein persönliches Versagen. Auch ein teilweise oder nicht gestilltes Kind kann sicher ernährt werden und eine enge, liebevolle Beziehung zu seinen Bezugspersonen entwickeln.

Dieser Artikel unterstützt bei Orientierung und Vorbereitung, ersetzt jedoch keine Untersuchung von Mutter und Kind. Bei einem schläfrigen oder schwer weckbaren Baby, auffälliger Atmung, bläulicher Haut, Fieber, Zeichen der Austrocknung, deutlich zu geringer Ausscheidung, anhaltendem Erbrechen, Gelbsucht mit Trinkschwäche, unzureichender Gewichtsentwicklung oder starken mütterlichen Beschwerden ist zeitnah medizinische Hilfe erforderlich. Bei akuter schwerer Erkrankung gilt in Österreich 144 beziehungsweise 112.

110 Nachtstillen ist biologisch normal

Neugeborene unterscheiden nicht zwischen Tag und Nacht. Ihr Magen ist klein, ihr Energiebedarf hoch, und die Milchbildung reagiert auf häufige Entleerung. Nachtmahlzeiten sind deshalb in den ersten Monaten normal. Prolaktin, ein wichtiges Hormon der Milchbildung, zeigt nachts häufig höhere Werte; nächtliches Stillen kann besonders beim Aufbau einer knappen Produktion hilfreich sein.

Wie oft ein Kind nachts trinkt, variiert erheblich. Ein Baby, das mit drei Monaten länger schläft, ist nicht „weiter“, und ein häufig trinkendes Baby ist nicht automatisch falsch angewöhnt. Wachstumsschübe, Infekte, Entwicklung, Zahnen, Trennung am Tag und Temperament verändern den Rhythmus.

In den ersten Lebenswochen und bei unzureichender Zunahme kann es nötig sein, ein sehr schläfriges Kind zum Trinken zu wecken. Wann längere Schlafphasen erlaubt sind, hängt von Gestationsalter, Gewicht, Gelbsucht, Erkrankungen und bisherigem Verlauf ab. Diese Entscheidung wird nicht allein nach dem Kalender getroffen.

Ältere gesunde Säuglinge können physiologisch längere Zeit ohne Nahrung auskommen, müssen es aber nicht. Nachtabstillen ist eine Familienentscheidung, sobald Wachstum und Tagesaufnahme gesichert sind. Es ist keine Voraussetzung dafür, dass ein Kind irgendwann selbstständig schlafen lernt.

111 Stillen und sicherer Babyschlaf

Stillen ist in Beobachtungsstudien mit einem geringeren Risiko für plötzlichen Kindstod verbunden. Dieser Schutz ersetzt jedoch keine sichere Schlafumgebung. Das Baby wird für jeden Schlaf auf den Rücken gelegt, auf eine feste, ebene Matratze mit straffem Laken. Kissen, Decken, Nestchen, Positionierer, Schaffelle, Kuscheltiere und lose Tücher gehören nicht in die Schlafumgebung.

Die sicherste Standardempfehlung ist ein eigenes Babybett beziehungsweise Beistellbett im Schlafzimmer der Eltern. Das Zimmer und möglichst die gesamte Wohnung bleiben rauchfrei. Überwärmung wird vermieden; ein passend angezogener Schlafsack ist günstiger als eine lose Decke. Medizinische Monitore für zu Hause verhindern den plötzlichen Kindstod nicht, sofern keine spezielle Erkrankung eine Überwachung erfordert.

Nach dem Stillen wird das Baby zurück in seine eigene Schlafumgebung gelegt. Einschlafen an der Brust ist häufig und nicht gefährlich, solange die betreuende Person wach bleibt und das Kind danach sicher ablegt. Entscheidend ist nicht, ob Stillen müde macht, sondern wo das Kind und die erwachsene Person schließlich einschlafen.

112 Bedsharing: klare Empfehlung und praktische Schadensminderung

Das gemeinsame Schlafen auf derselben Matratze wird unterschiedlich bewertet. Die American Academy of Pediatrics und österreichische öffentliche Empfehlungen raten für Säuglinge zu einem eigenen Schlafplatz im Elternschlafzimmer. Besonders hoch ist das Risiko beim Schlafen auf Sofa oder Sessel, nach Alkohol, Cannabis, Opioiden oder beruhigenden Medikamenten, bei rauchenden Personen, extremer Erschöpfung, Frühgeburtlichkeit oder niedrigem Geburtsgewicht.

Eltern schlafen dennoch manchmal ungeplant beim Stillen ein. Deshalb ist eine reine Verbotsbotschaft unzureichend. Wer nachts im Bett stillt, entfernt vorsorglich Kissen, schwere Decken, Spalten, Schnüre und weiche Auflagen aus dem Bereich des Babys. Das Kind liegt nicht zwischen zwei Erwachsenen, nicht neben Geschwistern oder Haustieren und kann weder eingeklemmt noch aus dem Bett fallen. Sobald die erwachsene Person wieder wach ist, kommt es zurück in sein eigenes Bett.

Auf Sofa oder Sessel zu stillen, um ja nicht im Bett einzuschlafen, kann bei unbeabsichtigtem Einschlafen besonders gefährlich sein. Bei hohem Risiko übernimmt eine wache zweite Person die Rückgabe ins Babybett. Kein „sicheres Bedsharing“-Schema kann die genannten Hochrisikofaktoren neutralisieren.

113 Schlafmangel der Eltern

Schlafmangel ist nicht bloß unangenehm. Er beeinträchtigt Reaktionsfähigkeit, Stimmung, Gedächtnis und Unfallrisiko. Die Lösung kann nicht ausschließlich lauten, dass die stillende Person jede Nacht allein zuständig bleibt. Eine zweite Bezugsperson kann wickeln, tragen, nach dem Stillen ablegen, Essen bereitstellen und morgens eine ungestörte Schlafphase ermöglichen.

Bei etablierter Milchbildung kann gelegentlich eine Mahlzeit mit abgepumpter Milch übernommen werden. Manche Frauen wachen wegen voller Brüste trotzdem auf; andere schlafen dadurch länger. Ob das Pumpen zusätzlichen Aufwand schafft oder Entlastung bringt, zeigt nur der Alltag.

Gefährlich sind Sekundenschlaf beim Autofahren, Einschlafen mit Baby auf dem Sofa, Verwirrtheit, Halluzinationen oder das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Dann braucht die Familie sofort Unterstützung. Ausgeprägte Schlaflosigkeit trotz Schlafgelegenheit kann Zeichen einer postpartalen Depression, Angststörung, Manie oder Psychose sein und muss ärztlich beurteilt werden.

114 Stillen in der Öffentlichkeit

Ein hungriges Kind darf unterwegs versorgt werden. Manche Frauen stillen selbstverständlich überall, andere wünschen Sichtschutz oder einen ruhigen Raum. Beides ist legitim. Stillkleidung ist nicht erforderlich; ein normales Oberteil, das sich anheben oder öffnen lässt, genügt häufig. Ein leichtes Tuch kann Privatsphäre geben, darf aber Atmung und Temperatur des Babys nicht beeinträchtigen.

Vor einer längeren Unternehmung helfen einfache Fragen: Wo kann ich sitzen, gibt es Wasser, wie transportiere ich gegebenenfalls Milch, und wer trägt die übrigen Dinge? Der Alltag wird leichter, wenn Stillen nicht von einem perfekten Ort abhängig ist.

Beschämende Reaktionen anderer sind kein medizinisches Problem der Mutter. Gleichzeitig darf eine Frau aus persönlichem Wohlbefinden einen Rückzugsort wählen. Unterstützung bedeutet, ihre Entscheidung zu erleichtern, nicht sie zu öffentlichem Stillen oder Verstecken zu drängen.

115 Kleidung, BH und Brustkompression

Ein Still-BH ist optional. Wichtig sind Komfort, passende Größe und kein dauerhafter starker Druck auf einzelne Brustbereiche. Die Brustgröße kann innerhalb eines Tages schwanken. Enge Bügel, Träger, Gurte oder Schlafpositionen verursachen nicht automatisch Mastitis, können bei empfindlichem Gewebe aber Schmerzen und lokale Schwellung verstärken.

Stilleinlagen werden gewechselt, wenn sie feucht sind. Dauerfeuchte Haut weicht auf und wird leichter wund. Waschbare und Einmaleinlagen sind beide möglich; bei Pilz- oder Bakterienverdacht zählt hygienische Reinigung nach dem individuellen Plan.

Eine Brust muss nicht „abgehärtet“ werden. Reiben mit Handtuch, Bürsten oder Alkohol verletzt die Haut. Brustwarzen werden im Alltag mit Wasser gereinigt; aggressive Seife und Desinfektion sind nicht nötig. Nach dem Stillen kann Lufttrocknung angenehm sein, ist aber keine Pflicht.

116 Rückkehr in den Beruf: früh planen

Berufsrückkehr muss nicht das Ende des Stillens bedeuten. Einige Familien stillen vor und nach der Arbeit direkt, ohne tagsüber zu pumpen; andere benötigen eine oder mehrere Pumpzeiten. Alter des Kindes, Arbeitsdauer, Pendelweg, Milchmenge und Betreuungsform bestimmen den Plan.

Etwa zwei bis drei Wochen vorher kann die Mutter Pumpe und Behälter kennenlernen. Ein riesiger Gefriervorrat ist meist unnötig. Häufig genügt Milch für den ersten Betreuungstag plus eine kleine Reserve; die am Arbeitstag gewonnene Milch wird am Folgetag verwendet. Frühzeitiges intensives „Vorratspumpen“ kann Überproduktion und Milchstau erzeugen.

Vor Arbeitsbeginn werden ein privater, hygienischer Raum, Strom, Waschmöglichkeit, Kühllagerung und realistische Zeitfenster geklärt. Eine Toilette ist kein angemessener Ort zur Milchgewinnung. Ersatzteile, Etiketten und eine Kühltasche verhindern, dass ein kleiner Defekt den ganzen Plan zunichtemacht.

117 Stillzeiten im österreichischen Arbeitsrecht

Nach der aktuell von der Arbeiterkammer veröffentlichten Rechtsinformation haben stillende Arbeitnehmerinnen in Österreich Anspruch auf bezahlte Stillzeiten während der Arbeitszeit. Diese dürfen ausdrücklich auch zum Abpumpen verwendet werden. Sie gelten als Arbeitszeit, verursachen keinen Verdienstausfall, müssen nicht nachgearbeitet werden und werden nicht auf die gesetzliche Ruhepause angerechnet.

Bei einer täglichen Arbeitszeit von mehr als viereinhalb Stunden beträgt der genannte Mindestanspruch 45 Minuten. Ab acht Stunden sind zwei Stillzeiten zu je 45 Minuten vorgesehen. Unter bestimmten Voraussetzungen können sie zu 90 Minuten zusammengelegt werden. Die Lage wird zwischen Arbeitnehmerin und Arbeitgeber abgestimmt; sie kann, wenn betrieblich möglich, auch am Beginn oder Ende des Arbeitstages liegen.

Das Mutterschutzgesetz nennt laut Arbeiterkammer keine Altersgrenze des Kindes für diesen Anspruch. Der Arbeitgeber kann eine Bestätigung über das Stillen verlangen, etwa von Arzt, Hebamme oder Elternberatungsstelle. Weil Arbeitsrecht geändert werden kann und Sonderkonstellationen bestehen, sollten Betroffene die zum Zeitpunkt des Wiedereinstiegs aktuelle Information der Arbeiterkammer beziehungsweise ihre Personalvertretung heranziehen.

118 Wie oft bei der Arbeit pumpen?

In den ersten Monaten orientiert sich das Pumpen ungefähr an den ausgelassenen Mahlzeiten. Viele Frauen benötigen während eines achtstündigen Arbeitstags zwei bis drei Entleerungen; andere kommen mit weniger oder brauchen mehr. Lange Pendelzeiten werden mitgerechnet. Ziel ist ausreichend Komfort und Erhalt der gewünschten Produktion, nicht eine bestimmte Milliliterzahl pro Sitzung.

Ein plötzlich sehr langer Abstand kann Schmerzen, Leckage und Milchstau begünstigen. Wird die Pumpfrequenz reduziert, geschieht dies schrittweise. Bei älteren Kindern, die morgens, abends und nachts stillen und tagsüber gut Beikost essen, kann die Brust sich oft an einen Arbeitstag ohne Pumpen anpassen.

Stress kann den Milchspendereflex vorübergehend hemmen, obwohl Milch vorhanden ist. Ein ruhiger Start, Wärme, Brustkompression und ein Foto oder Video des Kindes helfen manchen Frauen. Eine geringe Pumpmenge beweist nicht automatisch geringe Gesamtproduktion: Ein Baby kann die Brust wirksamer entleeren als eine Pumpe.

119 Milch zur Betreuung transportieren

Milch wird in sauberen, lebensmittelechten Behältern in kleinen, realistischen Portionen transportiert. Name, Datum und bei Bedarf Uhrzeit werden deutlich notiert. Eine Kühltasche mit ausreichend gefrorenen Kühlelementen hält die Kühlkette; Betreuungseinrichtungen können eigene strengere Regeln haben.

Eltern und Betreuungspersonen vereinbaren schriftlich, welche Milch zuerst verwendet, wie sie erwärmt und was mit Resten gemacht wird. Muttermilch wird nicht in der Mikrowelle erhitzt, weil ungleichmäßige Hitze Verbrennungen verursachen und Bestandteile schädigen kann. Sanftes Schwenken mischt die abgesetzte Fettschicht; heftiges Schütteln ist nicht nötig.

Sehr große Flaschenportionen führen häufiger zu Resten. Kleinere Ausgangsmengen mit Nachschlag reduzieren Verschwendung. Trotzdem darf ein Kind nicht knapp gehalten werden, um Milch zu sparen. Hunger- und Sättigungssignale sowie Wachstum entscheiden.

120 Flasche geben, ohne zu überfüttern

Beim sogenannten responsiven oder „paced“ Füttern sitzt das Baby eher aufrecht. Die Flasche wird so gehalten, dass der Sauger gefüllt bleibt, der Milchfluss aber nicht ungebremst in den Mund läuft. Pausen, Wegdrehen, entspannte Hände und verlangsamtes Saugen werden respektiert. Das Kind muss die Flasche nicht austrinken.

Ein Sauger mit sehr schnellem Fluss kann Verschlucken und große Mengen in kurzer Zeit fördern. Die Altersangabe auf der Verpackung ist nur Orientierung. Husten, Milchverlust aus dem Mund, hektisches Schlucken oder Atempausen sprechen für Anpassungsbedarf. Das Loch wird nicht selbst vergrößert.

Auch eine langsame Flasche darf nicht zur Kraftprobe werden. Mahlzeiten, die regelmäßig deutlich länger als etwa 30 Minuten dauern, das Kind erschöpfen oder Atemprobleme verursachen, werden fachlich beurteilt. Eine Stillbeziehung wird eher durch verlässliche, angenehme Füttererfahrungen geschützt als durch Angst vor jeder Flasche.

121 Eingewöhnung in Krippe oder Tagesbetreuung

Ein gestilltes Kind muss vor Betreuungsbeginn nicht abgestillt werden. Manche Babys trinken dort abgepumpte Milch aus Flasche oder Becher, andere essen altersgerechte Beikost und stillen häufiger nach der Wiedervereinigung. Dieses sogenannte Rückholstillen kann Nähe und Milchaufnahme ausgleichen.

Die Eingewöhnung ist emotional und organisatorisch. Wenn möglich, lernt das Kind den neuen Fütterweg nicht erst am ersten langen Trennungstag. Oft gelingt die Annahme besser bei einer vertrauten Betreuungsperson, wenn die Mutter nicht unmittelbar daneben ist. Zwang führt dagegen leicht zu Abwehr.

Die Betreuung braucht klare Angaben zu Milchaufbewahrung, Allergien, Hungerzeichen und Notfallkontakten. Gleichzeitig sollte sie keine unrealistischen Vorgaben erhalten, die den Betrieb unmöglich machen. Ein gemeinsamer Plan wird nach den ersten Tagen anhand der tatsächlich getrunkenen Mengen angepasst.

122 Stillen bei Hitze

Voll gestillte gesunde Säuglinge benötigen auch bei heißem Wetter normalerweise kein zusätzliches Wasser. Muttermilch enthält viel Wasser; das Baby kann häufiger und kürzer trinken. Wasser oder Tee würde Magenvolumen füllen, ohne ausreichend Energie zu liefern, und kann bei falscher Menge den Salzhaushalt gefährden.

Die Mutter trinkt nach Durst und achtet auf eigene Kreislaufzeichen. Leichte Kleidung, Schatten und kühle Innenräume schützen beide. Ein Tuch über Kinderwagen oder Babyschale kann die Luftzirkulation stark vermindern und gefährliche Hitze stauen.

Deutlich weniger nasse Windeln, trockener Mund, eingesunkene Fontanelle, ungewöhnliche Müdigkeit, Fieber oder schlechte Trinkleistung sind Warnzeichen. Junge Säuglinge können rasch austrocknen und werden zeitnah beurteilt. Beikostkinder erhalten zusätzlich altersgerecht Wasser zu den Mahlzeiten.

123 Reisen und Fliegen

Direktes Stillen ist auf Reisen oft die einfachste Nahrungsversorgung: Es benötigt kein Wasser, keine Zubereitung und keine Kühlkette. Beim Start und besonders beim Sinkflug kann Saugen den Druckausgleich im Mittelohr unterstützen. Ein schlafendes Kind muss dafür nicht zwingend geweckt werden; Stillen verhindert Ohrenschmerz nicht in jedem Fall.

Im Auto wird niemals während der Fahrt aus dem Gurt heraus gestillt. Das Kind bleibt korrekt im Kindersitz; für Mahlzeiten wird sicher angehalten. Auch in Flugzeug, Bahn oder Bus gelten die jeweiligen Sicherheitsanweisungen. Eine Tragehilfe ist bei Turbulenzen kein Ersatz für vorgeschriebene Rückhaltesysteme.

Abgepumpte Milch unterliegt bei Flugreisen Sicherheits- und Einfuhrregeln, die je nach Land und Flughafen variieren. Vorherige Prüfung verhindert Probleme. Eine Kühlkette wird geplant; nach Unsicherheit über lange Erwärmung, Auftauen oder Verunreinigung wird die Milch nicht durch Geruchsprobe „freigegeben“.

124 Sport und körperliche Aktivität

Normale Bewegung und schrittweise Rückkehr zum Sport sind mit Stillen vereinbar. Moderate Aktivität verändert Milchmenge oder -qualität bei ausreichender Ernährung in der Regel nicht relevant. Sehr intensiver Sport kann den Geschmack kurz verändern, macht die Milch aber nicht schädlich.

Nach Geburt, Kaiserschnitt oder Beckenbodenverletzung richtet sich der Aufbau nach Heilung und Beschwerden. Brustkomfort kann verbessert werden, indem vorher gestillt oder gepumpt und ein gut stützender, nicht einschneidender Sport-BH getragen wird. Auslaufende Milch ist ein praktisches, kein medizinisches Problem.

Schmerzen, Druckgefühl nach unten, verstärkte Blutung, Schwindel, Atemnot oder Harnverlust werden nicht mit Ehrgeiz übergangen. Eine physiotherapeutische oder ärztliche Beurteilung kann nötig sein. Energiezufuhr und Erholung müssen zur Trainingsmenge passen.

125 Sexualität, Trockenheit und Berührung der Brust

In der Stillzeit ist der Östrogenspiegel oft niedriger. Scheidentrockenheit, empfindliches Gewebe und verminderte Lust sind daher häufig, besonders bei Schlafmangel und nach Geburtsverletzungen. Gleitmittel, Zeit, offene Kommunikation und bei anhaltenden Beschwerden medizinische Beratung können helfen. Lokal angewendetes Östrogen wird bei Bedarf individuell gegen einen möglichen Einfluss auf die Milchmenge abgewogen.

Oxytocin kann bei Orgasmus oder Bruststimulation einen Milchspendereflex auslösen. Auslaufende Milch ist normal. Manche Frauen mögen sexuelle Berührung der Brust, andere empfinden ihre Brust während der Stillzeit ausschließlich als Ernährungsorgan oder reagieren mit Abwehr. Zustimmung gilt bei jeder Berührung neu.

Schmerz beim Sex, Blutung, übler Geruch, Fieber, Wundprobleme oder starke Angst gehören abgeklärt. Eine Rückkehr zur Sexualität folgt keinem vorgeschriebenen Termin. Stillen ist keine zuverlässige Verhütung, außer die strengen LAM-Kriterien sind vollständig erfüllt.

126 Die Rolle von Partnern und anderen Bezugspersonen

Bindung entsteht nicht nur durch Füttern. Partner und andere Bezugspersonen können Hautkontakt geben, tragen, beruhigen, baden, wickeln, sprechen und schlafen begleiten. Eine Flasche ist nicht nötig, um eine enge Beziehung aufzubauen.

Besonders wirksam ist praktische Entlastung: Essen und Wasser bereitstellen, Haushalt und Termine übernehmen, Besuch begrenzen, Pumpteile reinigen und nachts das Baby nach dem Stillen wieder sicher ablegen. Allgemeine Angebote wie „Sag, wenn du etwas brauchst“ verlangen von der erschöpften Mutter zusätzliche Organisation. Konkrete übernommene Aufgaben entlasten mehr.

Unterstützung bedeutet auch, Stillprobleme ernst zu nehmen, ohne Druck auszuüben. Weder „Du musst um jeden Preis weiterstillen“ noch „Gib einfach eine Flasche“ ersetzt eine gemeinsame Entscheidung. Die stillende Person hat das letzte Wort über ihren Körper; die Versorgung und Sicherheit des Kindes bleiben gemeinsame Verantwortung.

127 Postpartale Depression, Angst und Psychose

Traurigkeit, Reizbarkeit, Schuldgefühle, Angst, innere Leere oder fehlende Freude können nach der Geburt auftreten. Ein kurzer „Babyblues“ in den ersten Tagen ist häufig. Halten Beschwerden an, nehmen sie zu oder beeinträchtigen sie Versorgung und Alltag, wird eine postpartale Depression oder Angststörung geprüft. Stillprobleme können psychische Belastung verstärken und umgekehrt.

Behandlung kann Beratung, Psychotherapie, soziale Entlastung und Medikamente umfassen. Viele geeignete Psychopharmaka sind mit Stillen vereinbar. Eine wirksame bisherige Therapie wird nicht aus pauschaler Angst abrupt abgesetzt. Mutter, Psychiatrie, Gynäkologie und Pädiatrie wählen gemeinsam einen sicheren Plan.

Verwirrtheit, starke Unruhe, tagelange Schlaflosigkeit trotz Gelegenheit, Größenideen, Stimmenhören oder ungewöhnliche Überzeugungen können Zeichen einer postpartalen Psychose sein. Sie ist ein psychiatrischer Notfall. Gedanken, sich selbst oder dem Kind etwas anzutun, erfordern sofortige Hilfe und eine andere erwachsene Person übernimmt die sichere Betreuung. Die Behandlung darf nicht durch das Ziel, unbedingt weiterzustillen, verzögert werden.

128 Aversion, Wut und sensorische Überlastung beim Stillen

Manche Frauen erleben während des Stillens plötzlich starke Gereiztheit, Ekel, Wut oder den Drang, das Kind abzunehmen. Das kann vor allem beim Stillen eines älteren Kindes, in einer erneuten Schwangerschaft, bei Schmerzen, Erschöpfung oder gleichzeitigem Stillen zweier Kinder auftreten. Es macht die Mutter nicht lieblos.

Praktische Grenzen helfen: kürzere Stillzeiten, Zählen oder ein Lied als Ende, bestimmte stillfreie Situationen, Positionswechsel und mehr Unterstützung. Schmerzen, Hautprobleme und Nährstoffmängel werden behandelt. Wenn Gefühle nur unmittelbar beim Milchspendereflex für Sekunden bis Minuten auftreten, kommt auch D-MER als eigenes Phänomen infrage.

Wer Angst hat, das Kind grob wegzustoßen oder zu verletzen, beendet die Mahlzeit, legt es sicher ab und holt Unterstützung. Abstillen kann eine gesunde Entscheidung sein. Psychische Erkrankungen werden parallel geprüft, besonders wenn belastende Gefühle auch außerhalb des Stillens bestehen.

129 Stillen darf verändert oder beendet werden

Gesundheitsempfehlungen beschreiben Vorteile auf Bevölkerungsebene. Sie begründen keinen Zwang für die einzelne Frau. Schmerzen, Trauma, Medikamenten- oder Krankheitsbehandlung, psychische Gesundheit, Beruf, Schlaf und persönliche Grenzen sind legitime Bestandteile der Entscheidung.

Teilweise Stillen bietet weiterhin menschliche Milch und Nähe. Formula ist eine regulierte Säuglingsnahrung und kann notwendig oder gewünscht sein. Sichere Zubereitung und responsives Füttern sind wichtiger als moralische Etiketten. Ein Kind braucht verlässliche Ernährung und zugewandte Betreuung; Bindung hängt nicht an einer einzigen Fütterungsform.

Wer abstillen möchte, soll genauso sachkundige Unterstützung erhalten wie jemand, der die Milchmenge steigern möchte. Schrittweises Vorgehen schützt meist vor schmerzhafter Überfüllung und Mastitis. Bei medizinischer Dringlichkeit kann ein schnellerer Plan nötig sein. Der nächste Abschnitt erklärt die verschiedenen Wege des Abstillens ausführlich.

Alle Kapitel dieses Ratgebers

  1. 1. Grundlagen und erste Tage Abschnitt 1–19 · 19
  2. 2. Milchmenge Abschnitt 20–32 · 13
  3. 3. Abpumpen und Aufbewahren Abschnitt 33–39 · 7
  4. 4. Schmerzen und Brustprobleme Abschnitt 40–59 · 20
  5. 5. Gelbsucht, Unterzucker und Mehrlinge Abschnitt 60–67 · 8
  6. 6. Ernährung, Genussmittel und Medikamente Abschnitt 68–89 · 22
  7. 7. Frühgeborene und erkrankte Kinder Abschnitt 90–109 · 20
  8. 8. Schlaf, Alltag und Beruf Abschnitt 110–129 · 20
  9. 9. Beikost und Weiterstillen Abschnitt 130–137 · 8
  10. 10. Abstillen und Relaktation Abschnitt 138–149 · 12
  11. 11. Wie sicher ist das Wissen Abschnitt 150–155 · 6
  12. 12. Gute Begleitung und Rahmenbedingungen Abschnitt 156–169 · 14
  13. 13. Häufige Fragen Abschnitt 170–189 · 20
  14. 14. Pläne und Warnzeichen Abschnitt 190–204 · 15