Kinderwunsch: Die Rolle des Mannes
Wenn sich ein Paar ein Kind wünscht, dreht sich die Aufmerksamkeit meist zuerst um die Frau – Zyklus, Hormone, Vorsorgeuntersuchungen. Dabei ist Fruchtbarkeit von Anfang an eine gemeinsame Angelegenheit. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation sind weltweit etwa 9 % aller Paare im gebärfähigen Alter ungewollt kinderlos, und bei rund der Hälfte dieser Paare trägt (auch) ein männlicher Faktor zur eingeschränkten Fruchtbarkeit bei.1 Anders als viele annehmen, ist die Spermienqualität dabei kein Schicksal: Ein erheblicher Teil der bekannten Einflussfaktoren lässt sich beeinflussen – manche innerhalb weniger Wochen, andere erst über die rund 74 Tage, die ein Samenzellen-Vorläufer bis zur Reifung braucht. Dieser Beitrag fasst zusammen, was die aktuelle Studienlage zur Rolle des Mannes beim Kinderwunsch zeigt, wo die Evidenz stark und wo sie schwach oder widersprüchlich ist.
1. Was Spermienqualität überhaupt bedeutet
Ein Spermiogramm beurteilt im Kern drei Größen: die Anzahl der Samenzellen je Milliliter (Konzentration), ihre Beweglichkeit (Motilität) und ihre Form (Morphologie). Die 6. Auflage des WHO-Laborhandbuchs (2021) setzt als unteren Referenzwert 16 Millionen Spermien pro Milliliter beziehungsweise 39 Millionen pro Ejakulat an. Diese Werte sind bewusst niedrig gewählt – sie markieren ungefähr die unteren 5 % aller fruchtbaren Männer, nicht einen Idealwert. Studien zur „Time to Pregnancy" zeigen, dass sich die Chance auf eine Schwangerschaft pro Zyklus bereits messbar verringert, wenn die Gesamtspermienzahl unter etwa 30 Millionen sinkt, obwohl dieser Wert formal noch als „normal" gilt.2 Diese Diskrepanz erklärt, warum ein rein grenzwertbasiertes „unauffällig/auffällig" bei der Einschätzung der eigenen Fruchtbarkeit zu kurz greift und warum es sich lohnt, die eigenen Werte differenziert zu betrachten, statt nur auf eine einzelne Schwelle zu schauen.
Wichtig ist außerdem: Ein einzelnes Spermiogramm ist eine Momentaufnahme. Die Spermienproduktion (Spermatogenese) dauert von der Stammzelle bis zur reifen, ejakulierten Samenzelle rund 74 Tage; Einflüsse aus dieser Zeitspanne – ein fiebriger Infekt, eine Reise mit Zeitverschiebung, eine Phase mit viel Alkohol – schlagen sich erst Wochen später im Ergebnis nieder. Wer seine Werte verbessern möchte, sollte deshalb in Zeiträumen von mindestens drei Monaten denken, nicht in Tagen.
2. Ein globaler Trend: sinkende Spermienzahlen
Mehrere große Übersichtsarbeiten dokumentieren seit den 1970er-Jahren einen weltweiten Rückgang der Spermienkonzentration. Eine aktuelle Zusammenfassung der Literatur beziffert den Rückgang der weltweiten Spermienkonzentration zwischen 1973 und 2018 auf etwa 51,6 %, wobei sich das Tempo seit der Jahrtausendwende noch beschleunigt hat – von rund 1,16 % pro Jahr auf etwa 2,64 % pro Jahr. Parallel dazu sinkt in mehreren unabhängigen Untersuchungen auch der Testosteronspiegel altersunabhängig um etwa 1–2 % pro Jahr.3 Als Ursachen werden nicht ein einzelner Faktor, sondern ein Bündel aus hormonell wirksamen Umweltchemikalien, Lebensstilfaktoren (Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen, Hitzeexposition) und einer Störung der Hormonachse zwischen Gehirn und Hoden diskutiert.
Diese Zahlen sind Bevölkerungstrends und keine individuelle Prognose – sie erklären aber, warum die eigene Beeinflussbarkeit der Spermienqualität heute ein Thema ist, das über den Einzelfall hinausgeht. Ein kostenloser Online-Rechner zur Spermienqualität (wahrscheinlichkeitsbasiert) bündelt genau diese bevölkerungsstatistischen Zusammenhänge aus der Fachliteratur in einer persönlichen Einschätzung anhand der eigenen Lebensumstände – ausdrücklich ohne ein Spermiogramm zu ersetzen, aber als Ausgangspunkt, um zu sehen, welche der folgenden Faktoren im eigenen Fall am ehesten greifen.
3. Rauchen, Alkohol und andere Substanzen
Rauchen gehört zu den am gründlichsten untersuchten Risikofaktoren der männlichen Fruchtbarkeit. Eine Untersuchung an Männern mit Varikozele (siehe Abschnitt 10) zeigte, dass Rauchen dort mit einer messbar verschlechterten Spermienqualität, geringerer funktioneller Integrität der Samenzellen und erhöhtem oxidativem Stress im Ejakulat einhergeht – die Kombination aus Varikozele und Rauchen verstärkte sich dabei gegenseitig.4 Der zugrunde liegende Mechanismus ist gut belegt: Tabakrauch enthält reaktive Sauerstoffspezies und Schwermetalle, die die DNA in Spermienköpfen direkt schädigen können. In der bereits erwähnten Übersichtsarbeit zum weltweiten Rückgang der Spermienzahlen wird Rauchen neben Übergewicht und Hitzeexposition als einer der zentralen, beeinflussbaren Lebensstilfaktoren genannt.3
Bei Alkohol ist die Datenlage uneinheitlicher: Eine Querschnittsstudie an jungen chinesischen Männern fand keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und den klassischen Spermaparametern, wohl aber zwischen Varikozele, Genitalinfektionen und schlechterer Samenqualität.5 Das entbindet nicht von Vorsicht – hoher, chronischer Alkoholkonsum wirkt über die Leber auch auf den Hormonhaushalt (Testosteron, Östrogen) und ist unabhängig vom Kinderwunsch ein Gesundheitsrisiko –, zeigt aber, dass „ein Glas Wein" nicht mit denselben harten Fakten belegt ist wie Rauchen. Eine ausführliche Aufbereitung der Studienlage zu Tabak, Alkohol und Freizeitdrogen ordnet die einzelnen Substanzen nach Evidenzstärke ein.
4. Körpergewicht und Bewegung
Für Körpergewicht ist die Studienlage ungewöhnlich konsistent – und zwar in beide Richtungen. Eine Beobachtungsstudie an 3.966 Samenspendern aus einer chinesischen Samenbank zeigte ein U-förmiges Muster: Sowohl Untergewicht als auch Übergewicht gingen mit schlechteren Werten einher. Untergewichtige Männer hatten eine um 3,0 % geringere Spermienkonzentration, eine um 6,7 % geringere Gesamtspermienzahl und eine um 7,4 % geringere Zahl beweglicher Spermien; übergewichtige Männer zeigten ein um 4,2 % geringeres Ejakulatvolumen und eine um 3,9 % geringere Gesamtspermienzahl.6 Eine von 28 Studien bestätigte, dass übergewichtige und adipöse Männer im Schnitt eine niedrigere Spermienkonzentration, Gesamtspermienzahl, Motilität und einen geringeren Anteil normal geformter Spermien aufweisen als normalgewichtige Männer – mit einem klaren Dosis-Wirkungs-Verhältnis: je stärker das Übergewicht, desto ausgeprägter die Veränderung.7
Väterliches Übergewicht wirkt sich zudem messbar auf die Erfolgsaussichten künstlicher Befruchtung aus: Eine Metaanalyse mit über 115.000 Teilnehmern fand bei adipösen Männern ein um 66 % erhöhtes Risiko für Unfruchtbarkeit ( 1,66; 95-%- 1,53–1,79) sowie eine reduzierte Lebendgeburtenrate je Zyklus einer assistierten Reproduktion (Odds Ratio 0,65; 95-%-Konfidenzintervall 0,44–0,97).8 Positiv formuliert: Gewicht ist einer der Faktoren mit der besten Reversibilität. Eine japanische Interventionsstudie an 402 Männern mit auffälligem Spermiogramm zeigte nach einer strukturierten Lebensstiländerung (unter anderem Gewichtsreduktion, Rauchstopp, Reduktion von Hitzeexposition) eine signifikante Verbesserung der Spermienparameter und der DNA-Fragmentierung.9 Eine detaillierte Übersicht zu Körpergewicht und körperlicher Aktivität fasst die einzelnen Studien dazu zusammen.
5. Hitze und die Temperaturregulation der Hoden
Die Hoden liegen außerhalb des Körpers, weil die Spermienproduktion eine Temperatur von etwa 34–35 °C benötigt – rund 2–4 °C unter der Körperkerntemperatur. Länger andauernde Hitzeexposition stört diesen fein austarierten Mechanismus. Eine aktuelle Studie an über 1.200 Männern im Rahmen einer größeren Fertilitätsstudie in den USA fand, dass jede zusätzliche 10-prozentige Zunahme der Zeit mit hoher Feuchtkugeltemperatur während der empfindlichen Reifungsphasen der Spermienbildung mit einer beschleunigten „epigenetischen Alterung" der Spermien-DNA einherging – am stärksten während der Meiose, einer zentralen Phase der Zellteilung bei der Spermienbildung.10 Solche epigenetischen Veränderungen sind ein neuerer, empfindlicherer Marker als die klassischen Spermiogramm-Werte und werden mit reduzierter Fruchtbarkeit und Schwangerschaftskomplikationen in Verbindung gebracht.
Für den Alltag heißt das: Sauna- und Dampfbadbesuche, längeres Sitzen mit beheizten Autositzen, ein Laptop direkt auf dem Schoß oder enge, nicht atmungsaktive Unterwäsche sind keine dramatischen, aber additive Belastungen – besonders in den Wochen vor einem geplanten Zeugungsversuch oder vor einem Spermiogramm. Eine ausführliche Einordnung der Temperaturfaktoren geht auf die zugrunde liegenden Studien im Detail ein.
6. Ernährung
Ernährung zählt zu den am besten erforschten und gleichzeitig am leichtesten beeinflussbaren Faktoren der männlichen Fruchtbarkeit. Beobachtungsstudien verknüpfen ein Ernährungsmuster mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Fisch und ungesättigten Fettsäuren (ein „mediterranes" Muster) wiederholt mit besseren Spermienparametern, während ein hoher Anteil verarbeiteten Fleisches, gesättigter Fette und zuckerhaltiger Getränke mit schlechteren Werten assoziiert ist. Die einzelner Lebensmittel sind meist moderat, addieren sich aber über Monate. Eine ausführliche Aufbereitung der Ernährungsstudien ordnet die jeweilige Evidenzlage im Detail ein.
7. Nahrungsergänzung: Was die Studienlage wirklich zeigt
Kaum ein Bereich der männlichen Fruchtbarkeit wird so stark beworben wie Nahrungsergänzungsmittel – und kaum ein Bereich zeigt einen so großen Graben zwischen Marketing und Studienlage. Oxidativer Stress (ein Übermaß an reaktiven Sauerstoffmolekülen, das Zellen und DNA schädigt) gilt bei 30–80 % der unfruchtbaren Männer als mitursächlich, was Antioxidantien als naheliegende Therapieoption erscheinen lässt.
Die bislang aussagekräftigste Untersuchung dazu ist die 2025 veröffentlichte SUMMER-Studie: eine große, doppelblinde, placebokontrollierte an 21 Kliniken in den Niederlanden mit 1.171 Männern, die eine Fertilitätsbehandlung durchliefen. Die Teilnehmer erhielten sechs Monate lang entweder ein gängiges Antioxidans-Präparat (Betain, L-Cystin, Niacin, Zink, Vitamin B6, B2, B12 und Folsäure) oder ein Placebo. Ergebnis: Die Schwangerschaftsrate innerhalb von sechs Monaten unterschied sich zwischen den Gruppen nicht signifikant (33,8 % versus 37,5 %; adjustierte 0,85; 95-%- 0,66–1,09). Im vorab definierten Zeitfenster von vier bis sechs Monaten – dem Zeitraum, in dem ein Effekt biologisch am ehesten zu erwarten wäre – war die Schwangerschaftsrate unter dem Präparat sogar signifikant niedriger als unter Placebo (15,5 % versus 21,5 %; adjustierte Odds Ratio 0,66; 95-%-Konfidenzintervall 0,47–0,94). Bei den Spermienparametern selbst zeigte sich kein Unterschied.11 Die Studienautoren sprechen sich explizit gegen eine routinemäßige Einnahme aus.
Für einzelne Wirkstoffe wie Coenzym Q10 zeigen ältere, meist kleinere Studien eine Verbesserung von Spermienkonzentration und Motilität in 12 – belastbare Belege für höhere Schwangerschafts- oder Lebendgeburtenraten fehlen aber auch hier. Die ehrliche Zusammenfassung: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Zink, Folat, Vitamin C und E aus normalen Lebensmitteln ist gut belegt sinnvoll; hochdosierte Nahrungsergänzungsmittel als Ersatz für Lebensstiländerungen sind es nach aktueller Datenlage nicht. Eine wirkstoffweise Einordnung einzelner Präparate bewertet die jeweilige Studienqualität im Detail.
8. Umweltchemikalien und hormonell wirksame Stoffe
Bisphenol A, Phthalate (Weichmacher in Kunststoffen) und andere sogenannte endokrine Disruptoren stehen seit über 20 Jahren im Verdacht, über eine Störung des Hormonsystems auch die männliche Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen. Die bislang umfassendste systematische Übersichtsarbeit dazu wertete 33 Studien mit 85 Risikoschätzungen aus: Über alle untersuchten Chemikalien und Erkrankungen hinweg lag die gepoolte bei 1,11 (95-%- 0,91–1,35) – statistisch nicht signifikant. Für eine einzelne Substanzgruppe, das mittlerweile weitgehend verbotene Insektizid-Abbauprodukt p,p'-DDE, zeigte sich dagegen ein erhöhtes Risiko (Odds Ratio 1,35; 95-%-Konfidenzintervall 1,04–1,74).13 Die Autoren betonen ausdrücklich, dass die Evidenz insgesamt noch begrenzt ist und weder eine Entwarnung noch eine eindeutige Bestätigung erlaubt.
Diese Zurückhaltung ist wichtig, weil das Thema in populären Darstellungen oft zugespitzter dargestellt wird, als es die Datenlage hergibt. Praktisch bedeutet das: Eine bewusste Reduktion vermeidbarer Belastungen (Plastikverpackungen für heiße Speisen meiden, auf bestimmte Pestizidbelastungen bei der Ernährung achten) ist eine vorsorgliche, risikoarme Maßnahme – aber keine, von der ein dramatischer Effekt auf die eigene Fruchtbarkeit zu erwarten ist. Eine ausführliche, nach Evidenzstärke geordnete Übersicht zu hormonell wirksamen Umweltstoffen vertieft das Thema.
9. Alter, Stress und Schlaf
Anders als bei der Frau gibt es beim Mann keine feste biologische Altersgrenze für die Fruchtbarkeit – aber auch beim Mann sinkt sie messbar mit dem Alter. Mehrere Übersichtsarbeiten zeigen, dass mit steigendem väterlichem Alter die Spermien-DNA-Fragmentierung zunimmt und die Gesamtzahl beweglicher Spermien abnimmt, auch bei Männern mit ansonsten unauffälligem Spermiogramm.14,15 Klinisch relevant wird das unter anderem beim Fehlgeburtsrisiko: Eine mehrerer Studien fand im Vergleich zur Referenzgruppe 25–29 Jahre ein mit dem väterlichen Alter ansteigendes Fehlgeburtsrisiko.16
| Väterliches Alter | Relatives Fehlgeburtsrisiko () | 95-%- |
|---|---|---|
| 25–29 Jahre (Referenz) | 1,00 | – |
| 30–34 Jahre | 1,04 | 0,90–1,21 |
| 35–39 Jahre | 1,15 | 0,92–1,43 |
| 40–44 Jahre | 1,23 | 1,06–1,43 |
| 45 Jahre und älter | 1,43 | 1,13–1,81 |
Der Effekt ist deutlich schwächer als der bekannte Alterseffekt bei der Frau und lässt sich nicht vollständig von einer möglichen Restverzerrung durch das mütterliche Alter trennen16 – er ist aber real und ein Argument dafür, einen bestehenden Kinderwunsch nicht ohne Grund über Jahre aufzuschieben.
Psychischer Stress und Schlafmangel wirken vermutlich über eine Erhöhung von oxidativem Stress im Ejakulat und über eine Störung der Hormonachse zwischen Gehirn und Hoden; die Studienlage ist hier insgesamt schwächer belegt als bei Gewicht oder Rauchen, aber konsistent in ihrer Richtung. Eine ausführliche Aufbereitung zu Alter, Stress und Schlaf geht mit den zugehörigen Studien tiefer ins Detail.
10. Medizinische Ursachen: Varikozele und Hormone
Neben Lebensstilfaktoren gibt es körperliche Ursachen, die eine ärztliche Behandlung erfordern. Die häufigste ist die Varikozele – eine Krampfaderbildung am Samenstrang, die den venösen Rückfluss aus dem Hoden stört und dadurch die lokale Temperatur und den Sauerstoffgehalt verändert. Sie gilt als eine der häufigsten behandelbaren Ursachen eingeschränkter Spermienqualität. Bei Männern mit Varikozele verschärft Rauchen die Situation zusätzlich, wie die in Abschnitt 3 erwähnte Studie zeigte.4 Eine operative oder radiologische Behandlung (Varikozelektomie beziehungsweise Embolisation) kann bei entsprechender Indikation die Spermienqualität verbessern; die Entscheidung dafür sollte immer individuell mit einem Urologen oder Andrologen getroffen werden, da der Nutzen je nach Ausgangsbefund unterschiedlich ausfällt.
Seltener, aber wichtig zu kennen, sind hormonelle Ursachen (etwa ein Testosteronmangel oder eine Störung der Hirnanhangsdrüse), Nebenwirkungen bestimmter Medikamente sowie Grunderkrankungen wie Diabetes oder Schilddrüsenfunktionsstörungen. All das lässt sich nicht durch Lebensstiländerungen allein beeinflussen und gehört in andrologische beziehungsweise urologische Hände.
11. Was der Mann konkret tun kann
Zusammengefasst ergibt die Studienlage einen klaren Fahrplan mit unterschiedlich starker Evidenz je Maßnahme:
- Rauchstopp – gut belegter, direkter Effekt auf Spermien-DNA und oxidativen Stress im Ejakulat.
- Normalgewicht anstreben – einer der am besten belegten und zugleich am stärksten wirksamen Faktoren, in beide Richtungen (Unter- wie Übergewicht).
- Regelmäßige, moderate Bewegung – unterstützt Gewichtskontrolle und Hormonhaushalt.
- Hitzequellen reduzieren – Sauna, Dampfbad, beheizte Autositze und Laptop auf dem Schoß in den Monaten vor einem Zeugungsversuch einschränken.
- Ausgewogene Ernährung – viel Gemüse, Obst, Vollkorn, Fisch; wenig verarbeitetes Fleisch und Zucker.
- Alkohol moderat halten – die Evidenz ist schwächer als bei Rauchen, ein bewusster Umgang bleibt trotzdem sinnvoll.
- Auf hochdosierte Nahrungsergänzung ohne ärztlichen Rat verzichten – die beste verfügbare Studie fand keinen Nutzen für die Schwangerschaftsrate.
- Stress und Schlaf ernst nehmen – schwächer belegt, aber ohne Nachteil und mit Effekt auf das allgemeine Wohlbefinden des Paares.
- Zeit einplanen – wegen der rund 74-tägigen Reifungsdauer wirken Veränderungen erst nach etwa drei Monaten spürbar.
Ein strukturierter Selbstcheck der eigenen Spermienqualität kann helfen, aus dieser Liste die für die eigene Situation relevantesten Punkte herauszufiltern, bevor oder während eine ärztliche Abklärung läuft.
12. Wann eine andrologische Abklärung sinnvoll ist
- seit zwölf Monaten regelmäßigem, ungeschütztem Geschlechtsverkehr keine Schwangerschaft eingetreten ist (bei Frauen über 35 Jahren bereits nach sechs Monaten),
- eine bekannte Varikozele, ein Hodenhochstand in der Kindheit, eine Hodenoperation oder ein Hodentrauma vorliegt,
- eine ausgeprägte Stoffwechselerkrankung (z. B. Diabetes) oder eine Hormonstörung besteht,
- bereits eine frühere Fehlgeburt aufgetreten ist, deren Ursache nicht geklärt wurde,
- starke berufliche Hitze- oder Chemikalienexposition vorliegt.
13. Häufig gestellte Fragen
14. Quellen und Referenzen
- 1. Fainberg J, Kashanian JA: „Recent advances in understanding and managing male infertility." F1000Research, 2019. DOI 10.12688/f1000research.17076.1, PMID 31143441.
- 2. Sciorio R, Tramontano L, Adel M, Fleming S: „Decrease in Sperm Parameters in the 21st Century: Obesity, Lifestyle, or Environmental Factors? An Updated Narrative Review." Journal of Personalized Medicine, 2024. DOI 10.3390/jpm14020198, PMID 38392631.
- 3. La Vignera S, Condorelli RA: „The Global Decline in Sperm Count and Testosterone Levels: Trends, Mechanisms, and Environmental Drivers." Antioxidants, 2026. DOI 10.3390/antiox15060778, PMID 42352084.
- 4. Fariello RM, Pariz JR, Spaine DM, et al.: „Effect of smoking on the functional aspects of sperm and seminal plasma protein profiles in patients with varicocele." Human Reproduction, 2012. DOI 10.1093/humrep/des287, PMID 22863602.
- 5. Pokhrel G, Shi Y, Wang W, et al.: „The impact of sociodemographic characteristics, lifestyle, work exposure and medical history on semen parameters in young Chinese men: A cross-sectional study." Andrologia, 2019. DOI 10.1111/and.13324, PMID 31134681.
- 6. Ma J, Wu L, Zhou Y, et al.: „Association between BMI and semen quality: an observational study of 3966 sperm donors." Human Reproduction, 2019. DOI 10.1093/humrep/dey328, PMID 30407511.
- 7. Santi D, Lotti F, Sparano C, et al.: „Does an increase in adipose tissue 'weight' affect male fertility? A systematic review and meta-analysis." Andrology, 2024. DOI 10.1111/andr.13460, PMID 37226894.
- 8. Campbell JM, Lane M, Owens JA, Bakos HW: „Paternal obesity negatively affects male fertility and assisted reproduction outcomes: a systematic review and meta-analysis." Reproductive BioMedicine Online, 2015. DOI 10.1016/j.rbmo.2015.07.012, PMID 26380863.
- 9. Komiya A, Kato M, Shibata H, et al.: „Results of lifestyle modification promotion and reproductive/general health check for male partners of couples seeking conception." Heliyon, 2023. DOI 10.1016/j.heliyon.2023.e15203, PMID 37089364.
- 10. Nobles C, Canty TP, Mendola P, et al.: „Heat exposure during susceptible windows of spermatogenesis and sperm epigenetic age." Human Reproduction, 2026. DOI 10.1093/humrep/deag048, PMID 41875434.
- 11. de Ligny WR, de Bruin JP, Smits RM, et al.: „Antioxidant Treatment and the Chance to Conceive in Men Seeking Fertility Care: The SUMMER Randomized Clinical Trial." JAMA Network Open, 2025. DOI 10.1001/jamanetworkopen.2025.32405, PMID 40996763.
- 12. Lafuente R, González-Comadran M, Solà I, et al.: „Coenzyme Q10 and male infertility: a meta-analysis." Journal of Assisted Reproduction and Genetics, 2013. DOI 10.1007/s10815-013-0047-5, PMID 23912751.
- 13. Bonde JP, Flachs EM, Rimborg S, et al.: „The epidemiologic evidence linking prenatal and postnatal exposure to endocrine disrupting chemicals with male reproductive disorders: a systematic review and meta-analysis." Human Reproduction Update, 2016. DOI 10.1093/humupd/dmw036, PMID 27655588.
- 14. Gonzalez DC, Ory J, Blachman-Braun R, et al.: „Advanced Paternal Age and Sperm DNA Fragmentation: A Systematic Review." The World Journal of Men's Health, 2022. DOI 10.5534/wjmh.200195.
- 15. Halvaei I, Litzky J, Esfandiari N: „Advanced paternal age: effects on sperm parameters, assisted reproduction outcomes and offspring health." Reproductive Biology and Endocrinology, 2020. DOI 10.1186/s12958-020-00668-y.
- 16. du Fossé NA, van der Hoorn MP, van Lith JMM, le Cessie S, Lashley EELO: „Advanced paternal age is associated with an increased risk of spontaneous miscarriage: a systematic review and meta-analysis." Human Reproduction Update, 2020. DOI 10.1093/humupd/dmaa010, PMID 32358607.
- Weltgesundheitsorganisation (WHO): WHO Laboratory Manual for the Examination and Processing of Human Semen, 6. Auflage, 2021.
Alle Studien sind über PubMed, PubMed Central und Europe PMC frei recherchierbar; DOI und PMID erlauben den direkten Aufruf des Originalabstracts beziehungsweise Volltexts.
Hinweis zur Entstehung dieses Beitrags
Dieser Beitrag wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz geschrieben und überarbeitet.
War dieser Beitrag hilfreich?
Woran lag es?
Danke – das hilft uns bei der Überarbeitung.