Rhinoviren sind die häufigste Ursache des banalen Schnupfens – und damit der mit Abstand häufigste Grund, warum Kinder überhaupt krank werden. Es sind über 160 verschiedene Typen bekannt, weshalb Kinder im Kindergartenalter bis zu einem Dutzend Infekte pro Jahr durchmachen können, ohne dass mit ihrem Immunsystem etwas nicht stimmt. Bedeutsam werden Rhinoviren vor allem dann, wenn sie bei Kindern mit empfindlichen Atemwegen einen Asthmaanfall oder eine obstruktive Bronchitis auslösen. Dieser Ratgeber erklärt, wie der Erreger übertragen wird, wie eine Infektion typischerweise verläuft, was in der Ordination geprüft wird, was Eltern zu Hause tun können – und warum es trotz jahrzehntelanger Forschung bis heute keine Impfung dagegen gibt.

So ist dieser Ratgeber aufgebaut

Grundlage dieses Artikels sind unter anderem das MSD Manual (Ausgabe für medizinische Fachkreise), Informationen des Robert Koch-Instituts (RKI) und der US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC), das DGPI-Handbuch der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie sowie – zur internationalen Einordnung – japanische und südkoreanische Fachquellen. Maßgeblich für Sie als Leserin oder Leser in Österreich sind die Abschnitte zu Symptomen, Behandlung und Warnzeichen; ausländische Zahlen dienen ausdrücklich nur dem Vergleich. Wenn Ihr Kind gerade akut Beschwerden zeigt, springen Sie am schnellsten direkt zu „Komplikationen und Warnzeichen".

Wichtiger Hinweis

Dieser Kurzratgeber ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Er soll Ihnen helfen, Beschwerden einzuordnen und sich auf das Gespräch in der Ordination vorzubereiten.

Erreger und Übertragungsweg

Rhinoviren gehören zur Familie der Picornaviridae und sind damit nahe mit den Enteroviren verwandt. Es handelt sich um sehr kleine, unbehüllte Viren mit einem Durchmesser von nur etwa 30 Nanometern – rund zehnmal kleiner als ein Grippevirus. Ihr Erbgut besteht aus einzelsträngiger RNA, verpackt in eine Eiweißhülle aus vier Kapsidproteinen (VP1 bis VP4). Nach der Klassifikation der Internationalen Kommission für Virustaxonomie (ICTV) werden drei Spezies unterschieden: Rhinovirus A, B und C. Seit einer Neuordnung im Jahr 2020, die sich statt an klassischen Serotypen an der genetischen Vielfalt des VP1-Gens orientiert, zählen Fachgesellschaften mehr als 160 verschiedene Typen. Diese Typen unterscheiden sich in ihrer Erbinformation um bis zu 30 Prozent – ein wichtiger Grund, warum eine durchgemachte Infektion kaum vor dem nächsten Typ schützt.

Für das Eindringen in die Zelle nutzen die meisten Rhinoviren der Spezies A und B einen Rezeptor namens ICAM-1 auf der Oberfläche der Nasenschleimhautzellen, ein kleinerer Teil bindet stattdessen an LDL-Rezeptoren. Rhinovirus C, erst 2006 unabhängig voneinander in Australien und den USA entdeckt und 2009 offiziell als eigene Spezies anerkannt, verwendet einen dritten Rezeptor namens CDHR3. Diese Rezeptor-Vielfalt erklärt teilweise, warum sich die drei Spezies klinisch unterscheiden: Rhinovirus A und vor allem C werden in Studien häufiger mit ausgeprägteren Beschwerden und pfeifender Atmung in Verbindung gebracht, während Rhinovirus B eher milde oder sogar unbemerkte Verläufe verursacht. Eine weitere Besonderheit erklärt, warum Rhinoviren fast ausschließlich die oberen Atemwege befallen: Sie vermehren sich am besten bei rund 33 °C – der Temperatur in der Nasenschleimhaut – und deutlich schlechter bei der Körperkerntemperatur von 37 °C. Das ist auch der Grund, warum hohes Fieber bei einer reinen Rhinovirus-Erkältung eher die Ausnahme ist.

Übertragen werden Rhinoviren auf drei Wegen: über Tröpfchen und feinste Aerosole beim Husten, Niesen und Sprechen, über direkten Kontakt (etwa Händeschütteln) und über sogenannte Schmierinfektionen, bei denen das Virus von kontaminierten Oberflächen – Türklinken, Spielzeug, Tablets – auf die Hände und von dort in Nase, Mund oder Augen gelangt. Auf glatten Oberflächen bleibt das Virus mehrere Stunden lang ansteckend, was seine rasche Verbreitung in Kindergärten und Schulen erklärt. Die Inkubationszeit beträgt meist ein bis vier Tage; bei mehr als der Hälfte der Angesteckten treten die ersten Symptome bereits innerhalb von 48 Stunden auf. Ansteckend ist ein Kind schon etwa zwölf Stunden nach der eigenen Ansteckung, am stärksten in den ersten drei Krankheitstagen – oft schon, bevor überhaupt klar ist, dass es krank wird. Die Basisreproduktionszahl, also die durchschnittliche Zahl weiterer Personen, die eine infizierte Person ansteckt, wird in der Literatur mit etwa 2 bis 3 angegeben, was die enorme Verbreitungsgeschwindigkeit in Gemeinschaftseinrichtungen miterklärt.

Epidemiologie: Häufigkeit und internationaler Vergleich

Rhinoviren gelten als die häufigsten viralen Krankheitserreger des Menschen überhaupt. Je nach Studie und Nachweismethode werden ihnen 30 bis 50 Prozent, in manchen PCR-gestützten Untersuchungen sogar bis zu 80 Prozent aller Erkältungskrankheiten zugeschrieben; die übrigen Fälle gehen unter anderem auf Coronaviren, Adenoviren, Parainfluenzaviren, das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) und das humane Metapneumovirus zurück – bei etwa jedem fünften bis dritten Fall lässt sich trotz moderner Diagnostik kein Erreger sicher nachweisen. Wie oft ein Kind im Jahr betroffen ist, hängt stark vom Alter ab:

Säuglinge6–8×/Jahrdurchschnittliche Erkältungshäufigkeit
Kindergartenkinderbis zu 12–13×/Jahrhöchste Rate aller Altersgruppen
Schulkinder (ca. 9 Jahre)3–5×/Jahrmit zunehmendem Alter rückläufig
Erwachsene1–2×/Jahrnach Jahren der Immunreifung

Rhinoviren zirkulieren ganzjährig, mit einer für Mitteleuropa typischen Häufung in den Übergangsjahreszeiten Herbst und Frühjahr sowie einem – im Vergleich zu RSV und Influenza – etwas geringeren Anteil im Hochwinter, wenn diese beiden Erreger dominieren. Ein in der Praxis gut bekanntes Muster ist die sogenannte „Schulanfangs-Häufung": Wenn Kindergärten und Schulen nach den Sommerferien wieder öffnen, steigen die Rhinovirus-Übertragungen in Gemeinschaftseinrichtungen sprunghaft an – mit einer zeitversetzten Zunahme asthmabedingter Spitalsaufnahmen bei Kindern, wie sie erstmals in kanadischen Kohortenstudien beschrieben und seither in mehreren Ländern bestätigt wurde.

International wird das Infektionsgeschehen sehr unterschiedlich erfasst, weil Erkältungen – anders als etwa Masern oder Influenza – in den meisten Ländern nicht meldepflichtig sind:

Land/RegionBeobachtung
DeutschlandDie virologische Surveillance des Robert Koch-Instituts weist Rhinoviren ganzjährig als einen der am häufigsten nachgewiesenen Erreger akuter Atemwegsinfekte aus, mit Häufungen im Frühjahr und Herbst.
ÖsterreichEin gesondertes nationales Meldesystem für Rhinoviren besteht nicht, da die Erkrankung meist mild und nicht meldepflichtig ist; aufgrund des ähnlichen gemäßigten Klimas ist ein mit Deutschland vergleichbares Saisonmuster anzunehmen.
USADie CDC führen Erkältungen als häufigsten Grund für Arztbesuche bei Kindern und für Fehltage in Schule und Beruf; ein gesondertes bundesweites Meldesystem nur für Rhinoviren existiert nicht.
JapanKommunale Gesundheitsinformationen beschreiben eine Häufung von Rhinovirus-Erkältungen im Frühjahr und Herbst, mit vergleichsweise geringerer Zirkulation im Hochwinter, wenn dort RSV und Influenza im Vordergrund stehen.
SüdkoreaPädiatrische Fachquellen beziffern den Anteil von Rhinoviren an akuten Asthma-Verschlechterungen bei Kindern mit Asthma auf bis zu rund 40 Prozent.
ChinaIn pädiatrischen Surveillance-Programmen zu akuten Atemwegsinfekten zählen Rhinoviren neben Adeno- und Parainfluenzaviren regelmäßig zu den am häufigsten nachgewiesenen Erregern bei hospitalisierten Kindern.

Symptome und Krankheitsverlauf

Typisch sind Niesen, Halskratzen, eine laufende oder verstopfte Nase und Husten, oft begleitet von leichtem Fieber – hohes Fieber ist bei einer reinen Rhinovirus-Erkältung selten, kommt bei Säuglingen und Kleinkindern aber häufiger vor als bei älteren Kindern und Erwachsenen. Meist beginnt es mit Halskratzen und einem Kitzeln in der Nase, gefolgt von zunehmendem Schnupfen, der um den zweiten Krankheitstag seinen Höhepunkt erreicht. Kopf- und Gliederschmerzen können in den folgenden Tagen dazukommen, ein trockener Reizhusten setzt häufig erst gegen Ende der ersten Woche ein und hält oft am längsten an.

Dass das Nasensekret nach einigen Tagen gelblich oder grünlich wird, ist ein normaler Teil der Immunantwort und Abheilung und für sich genommen kein Hinweis auf eine bakterielle Infektion und kein Grund für ein Antibiotikum – die Farbe entsteht durch abgestorbene weiße Blutkörperchen im Sekret, unabhängig davon, ob Viren oder Bakterien die Ursache sind.

Beschwerdefrei nach 10 Tagenca. 50 %der erkrankten Kinder
Beschwerdefrei nach 15 Tagenca. 90 %der erkrankten Kinder
Husten über 10 Tage hinaus35–40 %der Kinder betroffen
Husten über 25 Tage hinausca. 10 %der Kinder betroffen

Nach etwa einer Woche klingen die Hauptbeschwerden also bei den meisten Kindern spürbar ab, ein Resthusten kann aber – wie die Zahlen zeigen – bei einem beachtlichen Teil zwei bis drei Wochen bestehen bleiben, ohne dass das automatisch eine neue Infektion oder eine Komplikation bedeutet. Weil es über 160 verschiedene Rhinovirus-Typen mit kaum wechselseitigem Schutz gibt, kann ein Kind theoretisch schon kurz nach Abklingen einer Erkältung erneut angesteckt werden – gefühlt „durchgehend krank" zu sein, ist im Kindergartenalter deshalb keine Seltenheit und meist kein Zeichen einer Immunschwäche.

Diagnostik in der Ordination

Eine unkomplizierte Rhinovirus-Erkältung wird klinisch diagnostiziert – also aufgrund der Anamnese und der körperlichen Untersuchung, ohne Labor oder Bildgebung. In der Ordination hören wir die Lunge ab, um pfeifende oder rasselnde Atemgeräusche als Hinweis auf eine beginnende obstruktive Bronchitis nicht zu übersehen, schauen mit dem Otoskop in die Ohren, um eine beginnende Mittelohrentzündung zu erkennen, und werfen einen Blick auf die Rachenmandeln, um eine bakterielle Streptokokken-Angina abzugrenzen – dazu mehr in unserem Ratgeber Streptokokken-Angina und Scharlach. Ebenso beurteilt werden die Atemfrequenz, sichtbare Anstrengung beim Atmen und der allgemeine Zustand des Kindes: Trinkt und isst es normal, wirkt es wach und ansprechbar?

Ein virologischer Erregernachweis mittels PCR-Test oder Multiplex-Panel, das mehrere Atemwegsviren gleichzeitig erfasst, ist bei einer typischen, unkomplizierten Erkältung nicht erforderlich, da er am praktischen Vorgehen nichts ändern würde. Eingesetzt wird eine solche Testung vor allem bei hospitalisierten Kindern, bei Säuglingen mit erhöhtem Risiko oder wenn die Unterscheidung von Influenza, RSV oder COVID-19 die Behandlung tatsächlich beeinflussen würde – etwa bei der Frage nach einer Isolierung im Spital. Blutbild, Entzündungswerte (CRP) oder ein Röntgenbild des Brustkorbs bleiben Fällen mit Verdacht auf eine bakterielle Komplikation wie eine Lungenentzündung vorbehalten und gehören nicht zur Routineabklärung eines banalen Schnupfens. Differenzialdiagnostisch denken wir außerdem an eine allergische Rhinitis (meist ohne Fieber, oft saisonal wiederkehrend, mit Juckreiz an Augen und Nase) sowie – besonders bei einseitigem, übelriechendem Ausfluss – an einen Fremdkörper in der Nase, der bei Kleinkindern gar nicht so selten ist.

Behandlung und Heilungsaussichten

Die gute Nachricht vorweg: Eine unkomplizierte Rhinovirus-Erkältung heilt praktisch immer folgenlos aus. Ein Medikament, das das Virus selbst bekämpft, gibt es allerdings bis heute nicht. Mehrere antivirale Wirkstoffe wurden in den vergangenen Jahrzehnten erprobt, aber nie zur Marktreife gebracht: Rupintrivir, das ein für die Virusvermehrung nötiges Enzym hemmt, zeigte in Studien mit künstlicher Infektion Wirkung, brachte im natürlichen Alltag aber kaum Nutzen. Pleconaril verkürzte die Symptomdauer nur geringfügig und wurde wegen Nebenwirkungen und eingeschränkter Wirksamkeit nicht zugelassen. Auch in die Nase gesprühtes Interferon-alpha wurde wieder verworfen, weil es zu Nasenbluten führte und seine Wirkung mit der Zeit nachließ. Stand September 2025 gibt es weder von der europäischen Arzneimittelagentur (EMA) noch von der amerikanischen FDA ein zugelassenes antivirales Medikament gegen Rhinoviren.

Was Eltern zu Hause tun können

Im Mittelpunkt der Behandlung steht deshalb die unterstützende, lindernde Pflege. Gut tun ausreichend Flüssigkeit, feuchte Raumluft, Nasenspülungen oder -tropfen mit isotonischer Kochsalzlösung – sie verdünnen das zähe Sekret und erleichtern das Abschwellen, ganz ohne Nebenwirkungen – und bei Säuglingen vor dem Trinken oder Schlafen vorsichtiges Absaugen der Nase, damit die Nasenatmung frei bleibt. Ruhe, eine leicht erhöhte Oberkörperlagerung bei Husten und der Verzicht auf Zigarettenrauch in der Umgebung des Kindes unterstützen den Heilungsverlauf zusätzlich.

Medikamente: Wirkprinzip, Nutzen und Grenzen

Abschwellende Nasentropfen wirken als sogenannte Alpha-Sympathomimetika: Sie verengen die erweiterten Blutgefäße der Nasenschleimhaut und lassen die Schwellung rasch zurückgehen. Wichtig ist die altersgerechte Dosierung – für Säuglinge und Kleinkinder gibt es eigene, niedriger konzentrierte Präparate – und eine Anwendung über nicht mehr als fünf bis sieben Tage: Länger angewendet, kann die Nasenschleimhaut paradox reagieren und noch stärker anschwellen, sobald das Mittel abgesetzt wird (Rhinitis medicamentosa). Bei Bedarf können fiebersenkende und schmerzlindernde Mittel wie Paracetamol oder Ibuprofen eingesetzt werden, die über eine Hemmung bestimmter Botenstoffe (Prostaglandine) wirken; Näheres zur richtigen Dosierung und zu Warnzeichen bei Fieber finden Sie in unserem Ratgeber Fieber bei Kindern. Acetylsalicylsäure (Aspirin) darf bei fiebernden Kindern wegen des Risikos für das seltene, aber gefährliche Reye-Syndrom nicht eingesetzt werden – mehr dazu in unserem Artikel Reye-Syndrom.

Für Hustensäfte und -tropfen gibt es bei Kindern keine ausreichenden Wirksamkeitsbelege; unterhalb des Schulalters wird von ihrem Einsatz in der Regel abgeraten. Eine Alternative mit etwas Evidenz für die Linderung von nächtlichem Husten ist Honig – allerdings ausschließlich für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr, da Säuglingshonig mit Sporen des Bakteriums Clostridium botulinum belastet sein kann. Ein Antibiotikum wirkt gegen Viren nicht und ist bei einer unkomplizierten Rhinovirus-Erkältung – auch bei gelb-grünem Nasensekret – nicht angezeigt; warum unnötige Antibiotikagaben mehr schaden als nützen können, erklärt unser Ratgeber Antibiotikum/Antibiotika. Für Vitamin C, Zink oder Echinacea ist die Studienlage uneinheitlich bis schwach; eine generelle Empfehlung zur Vorbeugung oder Behandlung sprechen pädiatrische Fachgesellschaften daraus nicht ab.

Prognose

Die Heilungsaussichten sind bei einer unkomplizierten Erkältung ausgezeichnet: Praktisch alle Kinder erholen sich vollständig, ohne bleibende Folgen. Weil eine überstandene Infektion nur begrenzten und typspezifischen Schutz hinterlässt, es aber über 160 zirkulierende Typen gibt, sind wiederholte Erkältungen im Kindergarten- und frühen Schulalter normal und Ausdruck eines Immunsystems, das gerade lernt, nicht eines, das versagt. Anders stellt sich die Prognose dar, wenn Rhinoviren bei einem Kind mit vorbestehend empfindlichen Atemwegen einen Asthmaanfall oder eine obstruktive Bronchitis auslösen – dazu mehr im folgenden Abschnitt.

Komplikationen und Warnzeichen

Die meisten Rhinovirus-Infektionen bleiben auf die oberen Atemwege beschränkt und heilen folgenlos aus. In einem Teil der Fälle breitet sich die Entzündung jedoch weiter aus oder begünstigt eine bakterielle Zweitinfektion:

Akute Mittelohrentzündung weltweitca. 11 %Jahresprävalenz, rund die Hälfte bei Kindern <5 Jahre
Nasennebenhöhlenentzündung als Folgeca. 8 %der Erkältungen
Rhinovirus-Anteil an Bronchiolitis bei Säuglingenca. 19 %gegenüber ca. 59 % durch RSV
Asthma-Exazerbationen durch Rhinovirenbis zu 40 %bei Kindern mit Asthma, internat. Schätzungen

Eine Mittelohrentzündung entsteht, weil die Entzündung der Nasen-Rachen-Schleimhaut auf die Ohrtrompete (Eustachische Röhre) übergreift, die Nase und Mittelohr verbindet; bei jüngeren Kindern ist diese Röhre kürzer und waagrechter als bei Erwachsenen, weshalb Sekret leichter ins Mittelohr zurückfließen und sich dort ein bakterieller Infekt entwickeln kann. Bei Säuglingen kann eine Rhinovirus-Infektion außerdem auf die kleinsten Atemwege übergreifen und eine Bronchiolitis auslösen – nach RSV der zweithäufigste Auslöser dieses Krankheitsbildes. Besonders gefährdet für einen schweren Verlauf sind Frühgeborene, Säuglinge unter drei Monaten sowie Kinder mit angeborenem Herzfehler, chronischer Lungenerkrankung oder Immundefizienz.

Besonders wichtig bei empfindlichen Atemwegen: Bei Kindern mit Asthma oder wiederkehrender obstruktiver Bronchitis sind Rhinoviren der mit Abstand häufigste Auslöser für eine Verschlechterung – internationale Schätzungen gehen von bis zu 40 Prozent aller Asthma-Exazerbationen bei betroffenen Kindern aus. Der ICAM-1-Rezeptor, über den die meisten Rhinoviren in die Zelle eindringen, wird bei Asthmatikerinnen und Asthmatikern verstärkt gebildet, was die besondere Anfälligkeit dieser Kinder mit erklärt. US-amerikanische Kohortenstudien (unter anderem die COAST-Studie der Universität Wisconsin) fanden zudem, dass eine mit Rhinoviren einhergehende pfeifende Atmung im Säuglings- und Kleinkindalter zu den stärksten bekannten Vorhersagefaktoren für ein späteres Asthma bronchiale im Schulalter zählt – ein Zusammenhang, der Gegenstand laufender Forschung ist und nicht bedeutet, dass jedes pfeifende Kind später Asthma entwickelt. Mehr zum Krankheitsbild selbst, seiner Diagnose und Behandlung lesen Sie in unserem Ratgeber Asthma bronchiale. Achten Sie in solchen Fällen besonders auf pfeifende Atmung, hörbares Giemen, verlängerte Ausatmung oder Einziehungen zwischen den Rippen – und halten Sie sich an den mit uns besprochenen Notfallplan.

Bitte kommen Sie in die Ordination bei:

  • Atemnot, schneller oder angestrengter Atmung, sichtbaren Einziehungen zwischen den Rippen oder hörbarem Pfeifen/Giemen
  • Fieber über drei Tage oder erneut ansteigendem Fieber nach zwischenzeitlicher Besserung (möglicher Hinweis auf eine bakterielle Zweitinfektion wie Mittelohr- oder Nasennebenhöhlenentzündung)
  • Ohrenschmerzen oder auffälligem Greifen ans Ohr bei kleinen Kindern
  • deutlich verminderter Trinkmenge oder Anzeichen von Austrocknung
  • auffälliger Schläfrigkeit, Teilnahmslosigkeit oder schwerer Erweckbarkeit
  • Fieber im ersten Lebensvierteljahr – hier immer sofort

Bläuliche Lippen, Atempausen oder eine deutliche Atemnot sind ein Fall für den Notruf 144.

Vorbeugung: Hygiene statt Impfung

Eine Impfung gegen Rhinoviren gibt es nicht, und aus heutiger Sicht ist auch keine in absehbarer Zeit zu erwarten. Der Grund liegt in der enormen genetischen Vielfalt des Erregers: Mit über 160 Typen, die sich in ihrem Erbgut um bis zu 30 Prozent unterscheiden und kaum wechselseitigen Schutz vermitteln, müsste ein klassischer Impfstoff gegen praktisch jeden Typ einzeln wirken. In der Grundlagenforschung werden derzeit Ansätze untersucht, die auf besonders stabile, zwischen den Typen kaum veränderliche Abschnitte der Kapsidproteine VP1 und VP4 zielen und so einen typübergreifenden Schutz ermöglichen könnten – bislang handelt es sich aber um frühe Forschungsstadien ohne absehbare Zulassung, weshalb auch der österreichische Impfplan keine entsprechende Empfehlung enthält.

Wirksam bleiben deshalb vor allem einfache Alltagsmaßnahmen: regelmäßiges, gründliches Händewaschen – die wirksamste Einzelmaßnahme überhaupt –, möglichst nicht mit ungewaschenen Händen an Augen, Nase oder Mund fassen, Husten und Niesen in die Armbeuge statt in die Hand, regelmäßiges Lüften von Innenräumen sowie das Reinigen häufig berührter Oberflächen wie Türklinken oder Spielzeug, auf denen das Virus mehrere Stunden überleben kann. Stillen schützt Säuglinge nachweislich allgemein vor Atemwegsinfekten und wird deshalb, wo möglich, empfohlen; Passivrauchen in der Umgebung des Kindes erhöht dagegen sowohl die Infektanfälligkeit als auch das Risiko für Komplikationen und sollte vermieden werden. Ganz vermeiden lassen sich Erkältungen in Kindergarten und Schule allerdings realistischerweise nicht – ein gewisses Maß an Infekten gehört zur normalen Reifung des Immunsystems dazu.

Häufige Fragen von Eltern

Mein Kind ist schon wieder erkältet – stimmt etwas mit dem Immunsystem nicht?

In aller Regel nicht. Bei über 160 verschiedenen Rhinovirus-Typen mit kaum wechselseitiger Immunität sind bis zu einem Dutzend Infekte pro Jahr im Kindergartenalter statistisch normal. Sorgen sind eher angebracht, wenn Infekte regelmäßig mit hohem Fieber, schweren Verläufen oder bakteriellen Komplikationen einhergehen – das besprechen wir gerne gemeinsam in der Ordination.

Das Nasensekret ist grün-gelb geworden – braucht mein Kind ein Antibiotikum?

Nein. Die Verfärbung entsteht durch abgestorbene weiße Blutkörperchen im Abwehrkampf und ist ein normaler Teil der Abheilung, unabhängig davon, ob Viren oder Bakterien beteiligt sind. Ein Antibiotikum wirkt gegen das ursächliche Virus ohnehin nicht.

Darf mein Kind mit Schnupfen in den Kindergarten?

Ein leichter Schnupfen ohne Fieber und mit gutem Allgemeinbefinden ist meist kein Ausschlussgrund; da Rhinoviren aber schon vor dem Auftreten deutlicher Symptome ansteckend sind, lässt sich eine Übertragung ohnehin kaum verhindern. Bei Fieber, deutlich reduziertem Allgemeinzustand oder nach den Vorgaben Ihrer jeweiligen Einrichtung gilt: zu Hause bleiben und auskurieren.

Helfen abschwellende Nasentropfen auch bei Babys?

Bei Säuglingen steht die Reinigung mit isotonischer Kochsalzlösung im Vordergrund. Speziell für das Alter zugelassene, niedrig dosierte abschwellende Präparate kommen nur nach ärztlicher Rücksprache und für kurze Zeit zum Einsatz – besprechen Sie die passende Wahl und Dosierung bitte mit uns.

Bringen Vitamin C, Zink oder Hausmittel wirklich etwas?

Die wissenschaftliche Evidenz dafür ist insgesamt schwach bis uneinheitlich. Eine generelle Empfehlung sprechen pädiatrische Fachgesellschaften daraus nicht aus – schaden tun die meisten dieser Maßnahmen in üblicher Dosierung aber auch nicht. Wichtiger sind ausreichend Flüssigkeit, Ruhe und Geduld.

Warum wirkt kein Medikament gegen das Virus selbst?

Weil die enorme Typenvielfalt von Rhinoviren die Entwicklung eines breit wirksamen Medikaments bislang verhindert hat. Mehrere Wirkstoffkandidaten wie Rupintrivir oder Pleconaril wurden erprobt, zeigten im Alltag aber zu wenig Nutzen oder zu viele Nebenwirkungen und wurden nie zugelassen. Behandelt werden deshalb die Beschwerden, nicht der Erreger selbst.

Quellen

  • „Erkältung" (Common Cold) – MSD Manual, Ausgabe für medizinische Fachkreise, Kapitel Respiratorische Viren
  • Common Cold – Centers for Disease Control and Prevention (CDC), USA
  • DGPI-Handbuch „Infektionen bei Kindern und Jugendlichen" – Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie
  • Virologische Surveillance akuter Atemwegserkrankungen (u. a. Arbeitsgemeinschaft Influenza) – Robert Koch-Institut (RKI), Deutschland
  • Jackson D. J. et al., „Wheezing rhinovirus illnesses in early life predict asthma development in high-risk children" – COAST-Studie, American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine, USA, 2008
  • Monasta L. et al., „Burden of Disease Caused by Otitis Media: Systematic Review and Global Estimates" – PLoS ONE, international, 2012
  • Kommunale Gesundheitsinformationen zu Rhinovirus-Infektionen – Japan (u. a. Gesundheitsbehörde Yokohama)
  • Pädiatrische Fachliteratur zu Rhinoviren und Asthma-Exazerbationen – Koreanische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (대한소아청소년과학회), Südkorea
  • Pädiatrische Atemwegs-Surveillance-Programme zu Rhinoviren bei hospitalisierten Kindern, China
  • Impfplan Österreich – Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz/Nationales Impfgremium (NIG), Österreich