Mycoplasma pneumoniae ist ein Bakterium ohne Zellwand und der klassische Erreger der sogenannten atypischen Lungenentzündung. Betroffen sind vor allem Schulkinder und Jugendliche, zunehmend aber auch jüngere Kinder. Typisch ist ein schleichender Beginn mit hartnäckigem, trockenem Reizhusten, der sich über Wochen ziehen kann, während das Kind erstaunlich wenig beeinträchtigt wirkt – daher der englische Begriff „walking pneumonia". Seit dem Winter 2023/2024 wird weltweit wieder deutlich mehr davon berichtet, mit auffälligen Unterschieden zwischen Europa und Ostasien vor allem bei der Antibiotikawirksamkeit. Dieser Ratgeber erklärt, wie sich Mykoplasmen von den typischen Erkältungserregern unterscheiden, welche Zahlen international dazu vorliegen, wie in unserer Ordination untersucht und behandelt wird und woran Sie erkennen, dass es doch dringend wird.

Ätiologie und Übertragungsweg

Mycoplasma pneumoniae gehört zur Gattung der Mykoplasmen – den kleinsten bekannten, eigenständig vermehrungsfähigen Bakterien. Was sie fundamental von praktisch allen anderen bakteriellen Krankheitserregern unterscheidet: Mykoplasmen besitzen keine Zellwand. Sie können daher auch kein Peptidoglykan aufbauen, jene Gerüststruktur, an der die meisten Antibiotika – allen voran Penicilline und Cephalosporine – ansetzen. Diese Antibiotikagruppen sind bei einer Mykoplasmen-Infektion deshalb von vornherein wirkungslos, unabhängig von Dosis oder Dauer der Anwendung. Weil den Bakterien die schützende Hülle fehlt, müssen sie Cholesterin aus der Membran der befallenen Wirtszelle „borgen", um die eigene Membran stabil zu halten – eine Eigenheit, die außerhalb der Mykoplasmen-Familie kaum vorkommt.

Warum das gewohnte Antibiotikum nicht wirkt

Amoxicillin, das bei den meisten bakteriellen Kinderinfekten Mittel der ersten Wahl ist, wirkt, indem es den Aufbau der bakteriellen Zellwand blockiert. Mykoplasmen besitzen aber gar keine Zellwand – ein Angriffspunkt, der schlicht fehlt. Eine höhere Amoxicillin-Dosis bringt bei Mykoplasmen deshalb keinen zusätzlichen Nutzen, sondern nur unnötige Nebenwirkungen.

Wie die Infektion abläuft

Am Anfang steht die Anheftung: Mycoplasma pneumoniae besitzt ein spezialisiertes Anheftungsorganell, mit dem es sich fest an das Flimmerepithel der Atemwegsschleimhaut bindet. Dort lähmt es die Zilien, jene feinen Härchen, die Schleim und Fremdkörper normalerweise nach oben aus den Atemwegen befördern (Ziliostase). Das erklärt einen Teil des typischen, hartnäckigen Hustens. Ein zweiter, ebenso wichtiger Mechanismus ist ein bakterielles Zellgift, das sogenannte CARDS-Toxin, das die Schleimhautzellen direkt schädigt und eine lokale Entzündungsreaktion auslöst.

Ein guter Teil der Beschwerden – vor allem außerhalb der Lunge – geht aber nicht auf eine direkte Zellschädigung zurück, sondern auf die Abwehrreaktion des Körpers selbst, die mitunter überschießend mit Kreuzreaktionen gegen körpereigenes Gewebe reagiert. Dieser immunvermittelte Mechanismus erklärt, warum Mykoplasmen so vielfältige, scheinbar lungenferne Beschwerden auslösen können – von Hautausschlägen bis zu, sehr selten, neurologischen Symptomen – und warum manche Verläufe trotz korrekter Antibiotikagabe zunächst nicht besser werden.

Übertragung und Ansteckungsdauer

Die Ansteckung erfolgt durch Tröpfchen. Anders als die meisten Erkältungsviren verbreitet sich Mycoplasma pneumoniae aber nicht durch flüchtigen Kontakt, sondern braucht engeren, länger andauernden Kontakt, wie er in der Familie, im Schulunterricht oder in Wohnheimen typisch ist – deshalb häufen sich Fälle in solchen Gemeinschaften. Die Inkubationszeit ist mit ein bis vier Wochen deutlich länger als bei viralen Atemwegsinfekten, die meist schon nach zwei bis fünf Tagen Beschwerden verursachen. Erkrankte sind zudem ungewöhnlich lange ansteckend, teils schon vor Symptombeginn und oft noch Wochen danach. Eine durchgemachte Infektion hinterlässt keine dauerhafte Immunität; Zweitinfektionen im Lauf der Kindheit sind möglich, verlaufen aber häufig milder.

Epidemiologie: Zahlen und Ländervergleich

Weltweit zählen Mykoplasmen zu den häufigeren, wenn auch nicht den allerhäufigsten Erregern akuter unterer Atemwegsinfektionen. In der bislang umfassendsten Auswertung, der Global-Burden-of-Disease-Studie 2021 (veröffentlicht 2024 in The Lancet Infectious Diseases), wurden Mycoplasma spp. für rund 25,3 von weltweit 344 Millionen jährlichen Episoden akuter unterer Atemwegsinfektionen verantwortlich gemacht – nach Pneumokokken und Haemophilus influenzae die dritthäufigste bakterielle Ursache.

Inkubationszeit1–4 Wochen
Epidemiezyklusalle 3–7 Jahre
Atemwegsinfekt-Episoden weltweit/Jahr~25,3 Mio.
Rang unter bakteriellen LRI-Ursachen3.

Kennzeichnend ist außerdem der wellenförmige Verlauf: Mykoplasmen-Infektionen treten nicht gleichmäßig auf, sondern in Zyklen von etwa drei bis sieben Jahren, in vielen Ländern historisch alle drei bis vier Jahre. Die Kontaktbeschränkungen der COVID-19-Pandemie haben diesen Rhythmus empfindlich gestört: Weil die eng kontaktabhängige Übertragung 2020 bis 2022 kaum noch stattfinden konnte, verschwand der Erreger in dieser Zeit aus vielen Überwachungssystemen fast vollständig. Ab dem Winter 2023/2024 kehrte er weltweit zurück – in einer Wucht, die Fachjournale seither als globale „Resurgence" beschreiben.

Internationale Einordnung

Die folgenden Zahlen stammen aus ausländischen Untersuchungen und dienen ausdrücklich nur der Einordnung; sie sind wegen unterschiedlicher Erhebungsmethoden, Diagnosekriterien sowie Impf- und Betreuungssituationen nicht unmittelbar auf österreichische Verhältnisse übertragbar.

Land / Region Befund Quelle und Bezugsjahr
Dänemark Epidemie ab Oktober 2023; 3.195 Fälle binnen drei Monaten, 14 % (446 Fälle) hospitalisiert, überwiegend Erwachsene; Makrolidresistenz <2 % Nordholm et al., Eurosurveillance, 2024
USA Landesweiter Ausbruch ab Spätherbst 2023 in Patientendaten aus 287 Mio. Krankenakten erkannt; 9-facher Fallanstieg gegenüber dem Ausgangsniveau Auswertung 2017–2024, publiziert in Pathogens, 2025
China Resurgence 2023/2024, getragen von makrolidresistenten epidemischen Bakterienklonen; bei 421 hospitalisierten Kindern galten 50,4 % der Fälle als schwer, rund 97 % der untersuchten Stämme trugen eine Resistenzmutation The Lancet Microbe, 2024; Frontiers in Cellular and Infection Microbiology, 2026
Südkorea 374 untersuchte Kinder und Jugendliche mit Mykoplasmen-Pneumonie 2023/2024; Makrolidresistenz bei 87,0 %, Fieber bei 98,9 % der Fälle Microorganisms, 2024
Japan Regulärer Epidemiezyklus (bis 2016 etwa alle vier Jahre) durch die Pandemie unterbrochen, nächste große Welle erst 2024; im selben Jahr 54,1 % der Stämme makrolidresistent Microorganisms, 2025
Indien Bei 200 wegen akuter unterer Atemwegsinfektion hospitalisierten Kindern (2 Monate–12 Jahre) waren 19,5 % Mycoplasma-positiv, davon 74,4 % unter fünf Jahre alt Indian Journal of Medical Microbiology, 2025
Weltweit Mycoplasma spp. als dritthäufigste bakterielle Ursache akuter unterer Atemwegsinfektionen; rund 25,3 von 344 Mio. Episoden jährlich Global Burden of Disease, Lancet Infectious Diseases, 2024

Am auffälligsten ist der Unterschied bei der Antibiotikaresistenz. Während in Dänemark bei der großen Welle 2023 in weniger als zwei von hundert untersuchten Proben eine Makrolidresistenz nachweisbar war, lag dieser Anteil in Südkorea bei 87 Prozent und in mehreren chinesischen Studienzentren bei hospitalisierten Kindern um oder über 90 Prozent. Ursache ist meist eine einzelne Punktmutation im Erbgut des Bakteriums, die den Angriffspunkt der Makrolid-Antibiotika verändert. Diese Mutation hat sich in Teilen Ostasiens seit den 2000er-Jahren stark verbreitet, während sie in Europa und Nordamerika bislang die Ausnahme geblieben ist. Diskutiert werden dafür ein häufigerer, teils unkontrollierter Antibiotikaeinsatz sowie die Verbreitung einzelner, besonders erfolgreicher Bakterienstämme.

Situation in Österreich

Mykoplasmen-Infektionen sind in Österreich nicht meldepflichtig, weshalb es keine amtliche Statistik zur Häufigkeit gibt. Aus der Erfahrung in der Ordination und aus den Zahlen der umliegenden europäischen Länder lässt sich aber ableiten, dass auch hierzulande seit dem Winter 2023/2024 wieder deutlich mehr Fälle auftreten, nachdem der Erreger während der Pandemiejahre fast verschwunden war. Betroffen sind überwiegend Schulkinder und Jugendliche zwischen etwa fünf und fünfzehn Jahren; Häufungen zeigen sich typischerweise innerhalb einzelner Schulklassen oder Familien, mit einem gewissen zeitlichen Abstand zwischen den einzelnen Erkrankungsfällen, der der langen Inkubationszeit entspricht. In mehreren internationalen Untersuchungen – etwa aus Indien, wo drei Viertel der positiv getesteten Kinder unter fünf Jahre alt waren – zeichnet sich zudem ab, dass auch jüngere Kinder deutlich häufiger betroffen sein können, als es das klassische Bild der „Schulkind-Erkrankung" nahelegt; ähnliche Beobachtungen gibt es aus den USA für die Welle seit 2023. Ob sich diese Verschiebung auch in Österreich zeigt, ist bislang nicht systematisch untersucht.

Symptome und Krankheitsverlauf

Die Erkrankung beginnt meist langsam über mehrere Tage mit Kopf- und Halsschmerzen, Abgeschlagenheit und mäßigem Fieber. Dann folgt der bestimmende trockene Husten, der oft anfallsartig auftritt und nachts stört. Anders als bei einer typischen bakteriellen Lungenentzündung fehlen häufig hohes Fieber und schweres Krankheitsgefühl; beim Abhören kann der Befund unauffälliger sein, als der Husten vermuten lässt.

Warum „walking pneumonia"

Genau diese Diskrepanz – ein oft wochenlanger, quälender Husten bei insgesamt gutem Allgemeinzustand – hat der Erkrankung ihren englischen Namen eingebracht: Betroffene Kinder sind meist nicht bettlägerig krank, gehen mitunter sogar noch in die Schule, husten aber unüberhörbar. Das täuscht: Auch wenn das Kind „nur" hustet, braucht der Körper Zeit, um den Infekt zu überwinden, und der Husten selbst kann durch die anhaltende Reizung der Atemwegsschleimhaut noch Wochen bestehen bleiben, nachdem die eigentliche Infektion längst abgeklungen ist.

Symptome bei jüngeren Kindern

Bei Kleinkindern und Vorschulkindern verläuft die Erkrankung häufig untypischer als bei Schulkindern: Statt des klassischen trockenen Reizhustens stehen oft Schnupfen, Giemen (pfeifendes Atemgeräusch) und ein eher katarrhalisches Bild im Vordergrund, das sich von einem gewöhnlichen viralen Atemwegsinfekt kaum unterscheiden lässt. Das erschwert die klinische Diagnose in dieser Altersgruppe zusätzlich und ist mit ein Grund dafür, dass Mykoplasmen bei kleinen Kindern seltener erkannt werden, obwohl sie – wie die internationalen Zahlen oben zeigen – auch in dieser Altersgruppe keineswegs selten sind.

Beschwerden außerhalb der Lunge

Mykoplasmen können auch außerhalb der Lunge Beschwerden verursachen, etwa Hautausschläge oder eine Beteiligung der Schleimhäute. Weil ein großer Teil der Krankheitszeichen immunvermittelt ist (siehe oben), kann sich eine Mykoplasmen-Infektion fernab der Atemwege bemerkbar machen. Am häufigsten sind feinfleckige Hautausschläge. In seltenen, aber eindrücklichen Fällen kommt es zum Bild der Mycoplasma-pneumoniae-induzierten Haut- und Schleimhautentzündung (MIRM): Dabei entzünden sich zusätzlich zum Hautausschlag die Schleimhäute von Mund, Augen und/oder Genitalien, was sorgfältig von ähnlich aussehenden, aber anders zu behandelnden Krankheitsbildern wie dem Stevens-Johnson-Syndrom oder dem Kawasaki-Syndrom abgegrenzt werden muss. Ebenfalls möglich, meist aber ohne spürbare Beschwerden, ist eine leichte, durch Kälteagglutinine ausgelöste Blutarmut. Gelenkschmerzen und eine Mitbeteiligung des Mittelohrs runden das mögliche Spektrum ab. Schwerere extrapulmonale Verläufe sind selten und werden im Abschnitt zu den Komplikationen beschrieben.

Zeitlicher Verlauf

Die akute Phase mit Fieber und deutlichem Krankheitsgefühl, sofern überhaupt ausgeprägt vorhanden, dauert in der Regel wenige Tage bis rund eine Woche. Der Husten hält sich hartnäckiger: Zwei bis vier Wochen sind üblich, in Einzelfällen zieht er sich sechs Wochen oder länger hin. Das allein ist noch kein Alarmzeichen, solange sich Fieber und Allgemeinzustand bessern – Näheres dazu im Abschnitt zu den Warnzeichen.

Diagnostik in der Ordination

Mykoplasmen lassen sich im Rachenabstrich nachweisen – in unserer Ordination als Teil des 9-fach-Kombitests, der neben Mykoplasmen auch die häufigsten Atemwegsviren erfasst. Grundlage ist ein Abstrich aus Rachen oder Nasopharynx, der per PCR (Polymerase-Kettenreaktion) auf das Erbgut des Erregers untersucht wird. Diese Methode ist heute deutlich empfindlicher und schneller als die früher gebräuchliche Anzüchtung des Bakteriums, die mehrere Wochen dauert und für die akute Diagnostik ungeeignet ist. Das Ergebnis liegt beim Kombitest noch am selben Termin vor. Das ist praktisch bedeutsam, weil sich die Behandlung grundlegend unterscheidet, je nachdem, ob ein Virus oder ein untypisches Bakterium wie Mycoplasma pneumoniae vorliegt.

Nachweis ist nicht gleich Erkrankung

Ein PCR-positiver Befund beweist, dass Mykoplasmen-Erbgut in der Rachenschleimhaut vorhanden ist – nicht zwingend, dass die aktuellen Beschwerden auch von diesem Erreger stammen. Ein Teil gesunder Kinder trägt Mycoplasma pneumoniae vorübergehend in Nase und Rachen, ohne krank zu sein (asymptomatische Kolonisation). Der Befund wird deshalb immer gemeinsam mit dem klinischen Bild bewertet, nicht isoliert.

Eine Blutuntersuchung mit Antikörperbestimmung (Serologie) ist möglich, spielt in der akuten Diagnostik aber eine untergeordnete Rolle: Die typischen IgM-Antikörper werden erst rund eine Woche nach Symptombeginn nachweisbar, bei Kindern unter drei Jahren fällt die Antikörperantwort oft schwächer aus, und nach einer früher durchgemachten Infektion kann das Bild zusätzlich verfälscht sein. Blutbild und CRP sind bei den meisten Verläufen wenig hilfreich: Typisch für eine Mykoplasmen-Infektion ist gerade, dass diese Entzündungswerte nur leicht erhöht sind, obwohl Husten und Krankheitsgefühl schon länger bestehen – diese Diskrepanz zwischen mildem Blutbefund und ausgeprägter Symptomatik ist selbst ein diagnostischer Hinweis auf einen atypischen Erreger. Eine Röntgenaufnahme der Lunge ist nicht routinemäßig nötig; sie wird gezielt eingesetzt, wenn der Verdacht auf eine Komplikation besteht, der Verlauf schwer oder unklar ist, oder wenn trotz Behandlung keine Besserung eintritt.

Wann ein Test sinnvoll ist

Ein Mykoplasmen-Nachweis ist vor allem dann sinnvoll, wenn ein Husten länger als ein bis zwei Wochen anhält, ohne dass sich das Kind erkennbar besser fühlt, insbesondere bei Schulkindern und wenn ähnliche Fälle im Umfeld – Familie oder Schulklasse – bekannt sind. Klinisch wichtig ist die Abgrenzung zu anderen lang anhaltenden Hustenformen, allen voran zum Keuchhusten (Pertussis), der ebenfalls wochenlang anfallsartigen Husten verursacht, aber typischerweise mit ausgeprägten, stakkatoartigen Hustenattacken samt hörbarem Einziehen der Luft danach einhergeht. Auch hierfür steht in der Ordination ein gezielter Test zur Verfügung.

Behandlung und Heilungsaussichten

Da Mykoplasmen keine Zellwand besitzen, wirken die sonst üblichen Penicilline nicht. Wie im Abschnitt zur Erregerbiologie erklärt, sind Mykoplasmen gegenüber allen Antibiotika, die an der bakteriellen Zellwand ansetzen, von Natur aus unempfindlich. Das betrifft die gesamte Gruppe der Betalaktam-Antibiotika – Penicilline wie Amoxicillin ebenso wie Cephalosporine. Wirksam sind stattdessen drei andere Wirkstoffgruppen, die an anderer Stelle in die Bakterienzelle eingreifen. Bei behandlungsbedürftigem Verlauf kommen diese anderen Antibiotikagruppen zum Einsatz. Allgemeines zum sinnvollen Einsatz von Antibiotika finden Sie in unserem Ratgeber Antibiotika.

Wirkstoffgruppen im Überblick

Makrolide (vor allem Azithromycin, in zweiter Linie Clarithromycin) sind bei Kindern die Substanzen der ersten Wahl. Sie hemmen die bakterielle Proteinbiosynthese, indem sie sich an eine bestimmte Untereinheit des bakteriellen Ribosoms binden, und verhindern so die Vermehrung des Erregers. Azithromycin hat den praktischen Vorteil einer sehr langen Halbwertszeit: Eine drei- bis fünftägige Kur reicht meist aus, weil der Wirkstoff noch tagelang in ausreichender Konzentration im Gewebe verbleibt.

Tetracycline (vor allem Doxycyclin) blockieren ebenfalls die bakterielle Proteinbiosynthese, allerdings an einer anderen Ribosomen-Untereinheit, und wirken deshalb auch gegen die meisten makrolidresistenten Stämme zuverlässig. Sie kommen zum Einsatz, wenn Makrolide nicht anschlagen oder eine Resistenz bekannt oder wahrscheinlich ist. Ältere Warnungen vor bleibenden Zahnverfärbungen bei Kindern betrafen vor allem lang dauernde oder wiederholte Anwendungen bei sehr jungen Kindern; bei einer kurzen, gezielten Behandlung schätzen Fachgesellschaften dieses Risiko als sehr gering ein. Die endgültige Alters- und Fallentscheidung trifft die Ärztin oder der Arzt individuell.

Fluorchinolone (etwa Levofloxacin) sind eine Reservegruppe für seltene, schwere oder anders nicht beherrschbare Verläufe. Bei Kindern werden sie zurückhaltend und nur off-label eingesetzt, weil mögliche Nebenwirkungen an Gelenken und Sehnen im Wachstumsalter sorgfältig gegen den Nutzen abgewogen werden müssen.

Makrolidresistenz Europa/USA<10 %
Makrolidresistenz Ostasien 2023/2450–90 %+

Dieses West-Ost-Gefälle ist der Grund, warum Azithromycin in Österreich weiterhin Mittel der ersten Wahl bleibt, während in China, Südkorea und Japan zunehmend von Beginn an oder bei fehlender Besserung auf Tetracycline umgestellt wird.

Wann überhaupt behandelt wird

Nicht jede nachgewiesene Mykoplasmen-Infektion muss behandelt werden. Viele, vor allem leichte Verläufe mit gutem Allgemeinzustand heilen auch ohne Antibiotikum vollständig aus, weil das Immunsystem den Erreger selbst kontrolliert – der Husten braucht dabei allerdings, wie erwähnt, oft mehrere Wochen, um ganz zu verschwinden. Für eine Antibiotikagabe sprechen anhaltendes oder erneut ansteigendes Fieber, ein deutlich reduzierter Allgemeinzustand, ein auffälliger Lungenbefund oder Vorerkrankungen der Atemwege. Ob und wann eine Behandlung nötig ist, entscheiden wir gemeinsam anhand des Gesamtbildes, nicht allein anhand des Testergebnisses.

Wenn die Besserung ausbleibt: refraktäre Verläufe

Bessert sich der Zustand innerhalb von 48 bis 72 Stunden nach Therapiebeginn nicht, spricht man von einer therapierefraktären Mykoplasmen-Pneumonie. Das kann zwei Ursachen haben: eine tatsächliche Antibiotikaresistenz des Erregers oder – häufiger – eine überschießende Immunreaktion, die durch das Antibiotikum allein nicht beeinflusst wird. In solchen, meist stationär betreuten Fällen kann eine kurze Zusatzbehandlung mit systemischen Kortikosteroiden erwogen werden: Sie kann die Fieberdauer verkürzen, die Sauerstoffversorgung verbessern und den Krankenhausaufenthalt verkürzen, wie aktuelle Übersichtsarbeiten zeigen. In der ambulanten Betreuung eines unkomplizierten Falls spielt das keine Rolle; erwähnt sei es, damit Sie eine solche Empfehlung im Krankenhaus richtig einordnen können.

Unterstützende Maßnahmen

Unabhängig von der Antibiotikafrage lindern einige einfache Maßnahmen die Beschwerden: ausreichend trinken, eine nicht zu trockene Raumluft, ausreichend Ruhe sowie eine fiebersenkende und schmerzlindernde Behandlung mit Paracetamol oder Ibuprofen nach Körpergewicht. Rezeptfreie Hustenstiller sind bei Kindern generell nicht zu empfehlen; sie unterdrücken einen Husten, der beim Abtransport von Schleim eine sinnvolle Funktion hat.

Heilungsaussichten

Die Prognose ist bei Kindern mit ansonsten gesunden Atemwegen sehr gut. Die weit überwiegende Mehrheit erholt sich vollständig, ob mit oder ohne Antibiotikum. Auch nach überstandener Infektion kann die Atemwegsschleimhaut noch einige Wochen überempfindlich bleiben, was sich in einem gelegentlichen Reizhusten bei Anstrengung, kalter Luft oder Rauch äußern kann; das bildet sich in aller Regel folgenlos zurück. Bleibende Lungenschäden sind selten und praktisch ausschließlich mit schweren, komplizierten Verläufen verbunden (siehe nächster Abschnitt).

Was Eltern selbst tun können

Führen Sie bei anhaltendem Fieber ein kurzes Fieberprotokoll – das erleichtert die Einschätzung beim nächsten Termin. Nehmen Sie ein verordnetes Antibiotikum immer bis zum Ende der verordneten Dauer, auch wenn es Ihrem Kind schon nach wenigen Tagen deutlich besser geht. Rechnen Sie damit, dass der Husten länger anhält als das Fieber, und lassen Sie sich davon nicht beunruhigen, solange sich der Allgemeinzustand bessert. Da die Übertragung engen Kontakt braucht, lohnt sich ein Blick auf Geschwister mit ähnlichen Beschwerden – Sekundärfälle in der Familie sind nicht selten, treten aber oft erst mit zeitlichem Abstand auf.

Komplikationen und Warnzeichen

Die weit überwiegende Mehrheit der Mykoplasmen-Infektionen verläuft folgenlos. Komplikationen sind selten, aber bekannt und im Zuge der weltweiten Häufung der vergangenen Jahre wieder intensiver untersucht worden.

Komplikationen der Lunge

Am ehesten kommt es zu einem Pleuraerguss, einer Flüssigkeitsansammlung zwischen Lunge und Brustwand, die sich meist unter Antibiotikagabe von selbst zurückbildet. Selten bilden sich zähe Schleimpfröpfe in den Bronchien (plastische Bronchitis), die die Atmung behindern können. Eine ebenfalls seltene, aber ernste Langzeitfolge ist die postinfektiöse Bronchiolitis obliterans: Dabei vernarben die kleinsten Atemwege dauerhaft, was die Lungenfunktion bleibend einschränken kann. In einer aktuellen Untersuchung zu dieser Folgeerkrankung bei Kindern zählten Mykoplasmen neben Adenoviren zu den häufigsten auslösenden Erregern. Solche Verläufe sind aber die Ausnahme und betreffen fast ausschließlich Kinder mit schwerer, komplizierter Akuterkrankung.

Komplikationen außerhalb der Lunge

Wie im Abschnitt zu den Symptomen beschrieben, kann die überschießende Immunantwort auch andere Organe betreffen. Am eindrücklichsten ist die bereits erwähnte Haut- und Schleimhautentzündung (MIRM), die rasch fachärztlich abgeklärt werden sollte. Sehr selten kommt es zu einer Beteiligung des Nervensystems mit Hirnhaut- oder Hirnentzündung oder, noch seltener, zum Guillain-Barré-Syndrom mit aufsteigenden Lähmungserscheinungen. Ebenfalls selten sind eine Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündung sowie eine ausgeprägtere, behandlungsbedürftige Form der Blutarmut durch Kälteagglutinine. Diese Komplikationen sind gut beschrieben, aber insgesamt selten – sie werden hier genannt, damit Sie ungewöhnliche Symptome bei Ihrem Kind richtig einordnen können, nicht um zu beunruhigen.

Wann Sie sich melden sollten

Bitte kommen Sie in die Ordination, wenn der Husten länger als zwei Wochen anhält oder sich verschlechtert, wenn Fieber über mehrere Tage besteht oder nach zunächst besserem Verlauf erneut ansteigt, wenn die Atmung schneller oder angestrengter wird, Ihr Kind über Brustschmerzen klagt oder auffallend erschöpft ist. Suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe, wenn zusätzlich zu einem Hautausschlag die Schleimhäute von Mund oder Augen betroffen sind, wenn starke Kopfschmerzen, Verwirrtheit oder ein Krampfanfall auftreten, wenn Ihr Kind ungewöhnlich blass oder gelblich wirkt, oder wenn es insgesamt einen schwer kranken Eindruck macht.

Vorbeugung

Eine Impfung gegen Mycoplasma pneumoniae gibt es bislang nicht. Versuche, einen Impfstoff zu entwickeln, sind bisher an der komplexen, teils immunvermittelten Krankheitsentstehung gescheitert – ausgerechnet jener überschießenden Immunantwort, die auch für einen Teil der Beschwerden verantwortlich ist. Vorbeugung stützt sich deshalb ausschließlich auf allgemeine Hygienemaßnahmen.

Was tatsächlich hilft

Weil sich der Erreger über Tröpfchen bei engerem Kontakt verbreitet, senken Husten- und Nies-Etikette (in die Armbeuge, nicht in die Hand) sowie regelmäßiges Händewaschen das Übertragungsrisiko innerhalb der Familie und der Schulklasse. Eine vollständige Vermeidung ist wegen der langen Inkubationszeit und der oft schon vor den ersten Symptomen bestehenden Ansteckungsfähigkeit allerdings kaum möglich – anders als bei manchen Viruserkrankungen lässt sich hier durch Isolation allein wenig ausrichten.

Rückkehr in Schule und Kindergarten

Eine gesetzliche Ausschlusspflicht besteht in Österreich nicht, da Mykoplasmen-Infektionen nicht meldepflichtig sind. In der Praxis empfiehlt sich die Rückkehr, sobald Ihr Kind fieberfrei ist und sich insgesamt deutlich besser fühlt – der Husten selbst darf zu diesem Zeitpunkt durchaus noch bestehen, da er sich, wie beschrieben, oft erst nach Wochen ganz zurückbildet und für sich genommen kein Ausschlussgrund ist.

Bei Häufungen im Umfeld

Treten in einer Schulklasse oder Kindergartengruppe mehrere Fälle mit ähnlichem Husten innerhalb weniger Wochen auf, lohnt sich eine frühzeitige ärztliche Abklärung neuer Verdachtsfälle: Das hilft, unnötige Antibiotikagaben bei viralen Infekten zu vermeiden und tatsächliche Mykoplasmen-Fälle rechtzeitig gezielt zu behandeln.

Häufige Elternfragen

Ist mein Kind noch ansteckend, wenn der Husten schon wochenlang anhält?

In den meisten Fällen nicht mehr in relevantem Ausmaß, sobald das Fieber abgeklungen und – falls verordnet – das Antibiotikum eingenommen wurde. Der Husten selbst ist zu diesem Zeitpunkt meist eine Nachwirkung der gereizten Schleimhaut, keine anhaltende Infektiosität.

Warum wirkt das Antibiotikum von der letzten Erkrankung diesmal nicht?

Amoxicillin und andere Penicilline wirken bei Mykoplasmen grundsätzlich nie, weil der Erreger keine Zellwand besitzt, an der diese Medikamente ansetzen könnten – unabhängig davon, wie gut sie bei einer früheren, anders verursachten Erkrankung geholfen haben. Bei Mykoplasmen kommen andere Wirkstoffgruppen zum Einsatz.

Kann sich mein Kind noch einmal anstecken?

Ja. Eine durchgemachte Infektion hinterlässt keine dauerhafte Immunität. Zweitinfektionen sind möglich, verlaufen im Kindesalter aber häufig milder als die erste Erkrankung.

Braucht mein Kind ein Röntgenbild der Lunge?

In den meisten Fällen nicht. Eine Röntgenaufnahme wird gezielt eingesetzt, wenn der Verdacht auf eine Komplikation besteht oder der Verlauf trotz Behandlung nicht wie erwartet verläuft, nicht routinemäßig bei jedem Verdacht auf Mykoplasmen.

Ist ein wochenlanger Husten nach der Erkrankung gefährlich für die Lunge?

In aller Regel nein. Die vorübergehende Reizbarkeit der Atemwege nach der Infektion ist unangenehm, aber folgenlos. Bleibende Lungenschäden betreffen praktisch nur Kinder mit schweren, komplizierten Akutverläufen.

Sollten Geschwister vorsorglich mitbehandelt werden?

Nicht ohne eigene Beschwerden. Eine vorsorgliche Antibiotikagabe bei gesunden Geschwistern wird nicht empfohlen; treten aber ähnliche Symptome auf, ist eine eigene Abklärung sinnvoll, da Sekundärfälle in der Familie wegen der Übertragungsweise keine Seltenheit sind.

Wie unterscheidet sich das von einer gewöhnlichen Erkältung oder von Keuchhusten?

Eine gewöhnliche Erkältung beginnt meist rascher, mit deutlicherem Schnupfen, und klingt in der Regel innerhalb einer Woche ab. Mykoplasmen-Husten beginnt schleichender und hält deutlich länger an. Keuchhusten unterscheidet sich durch charakteristische, stakkatoartige Hustenattacken mit hörbarem Einziehen der Luft danach; im Zweifel klärt ein gezielter Test in der Ordination die Ursache.

Muss ich mir wegen der hohen Resistenzraten in Asien Sorgen machen?

Für Österreich derzeit nicht in relevantem Ausmaß. Die hohen Resistenzraten, über die aus China, Südkorea und Japan berichtet wird, betreffen dortige Bakterienstämme; in Europa liegt die Makrolidresistenz nach aktuellen Daten weiterhin deutlich niedriger. Deshalb bleibt Azithromycin hierzulande erste Wahl. Zeigt Ihr Kind trotzdem keine Besserung, stehen wirksame Alternativen zur Verfügung.

Quellen

  • Mycoplasma pneumoniae Infections – Centers for Disease Control and Prevention (CDC), USA
  • „Mykoplasmen-Pneumonie" – MSD Manual, Ausgabe für medizinische Fachkreise
  • S2k-Leitlinie „Management der ambulant erworbenen Pneumonie bei Kindern und Jugendlichen" (AWMF-Register-Nr. 048-013) – Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie und Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie
  • DGPI-Handbuch „Infektionen bei Kindern und Jugendlichen" – Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie
  • de Groot RCA et al.: Resurgence of Mycoplasma pneumoniae infections in children: emerging challenges and opportunities. Current Opinion in Infectious Diseases, 2025.
  • Li H et al.: Resurgence of Mycoplasma pneumonia by macrolide-resistant epidemic clones in China. The Lancet Microbe, 2024.
  • Nordholm AC et al.: Mycoplasma pneumoniae epidemic in Denmark, October to December 2023. Eurosurveillance, 2024 (3.195 Fälle, 14 % Hospitalisierung, Makrolidresistenz <2 %).
  • Clinical Manifestations, Macrolide Resistance, and Treatment Utilization Trends of Mycoplasma pneumoniae Pneumonia in Children and Adolescents in South Korea. Microorganisms, 2024 (374 Kinder, Makrolidresistenz 87,0 %).
  • Macrolide-Resistant Mycoplasma pneumoniae Among Japanese Children from 2008 to 2024. Microorganisms, 2025 (Epidemiezyklus, Resistenzrate 2024: 54,1 %).
  • Description of a Current Outbreak of Mycoplasma pneumoniae in the United States. Pathogens, 2025 (bundesweite Patientendaten, 9-facher Fallanstieg ab Spätherbst 2023).
  • Mycoplasma pneumoniae among children hospitalized in a tertiary hospital with community-acquired lower respiratory tract infections. Indian Journal of Medical Microbiology, 2025 (19,5 % Prävalenz, 74,4 % der Fälle unter fünf Jahren).
  • GBD 2021 Lower Respiratory Infections Collaborators: Global, regional, and national incidence and mortality burden of non-COVID-19 lower respiratory infections. The Lancet Infectious Diseases, 2024.
  • Host inflammatory markers and MLVA profiling for risk assessment of severe pediatric Mycoplasma pneumoniae pneumonia. Frontiers in Cellular and Infection Microbiology, 2026 (421 hospitalisierte Kinder, China, 2023–2024, 50,4 % schwere Verläufe).
  • Corticosteroids in severe pediatric community-acquired pneumonia. Monaldi Archives of Chest Disease, 2026 (Übersichtsarbeit zu Kortikosteroiden bei refraktärer Mykoplasmen-Pneumonie).
  • Mycoplasma pneumoniae-induced rash and mucositis in a child: Fallbericht. Journal of Medical Case Reports, 2026.
  • Non-Linear Dysanaptic Lung Growth in Patients With Post-Infectious Bronchiolitis Obliterans. Pediatric Pulmonology, 2026.

Hinweis

Dieser Ratgeber ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Er fasst den allgemeinen Wissensstand zusammen und soll Ihnen helfen, Beschwerden einzuordnen und sich auf das Gespräch in der Ordination vorzubereiten; für Ihr Kind gelten die individuellen Empfehlungen aus Ihrer Kinderarztordination.