Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine Virusinfektion des Gehirns und der Hirnhäute, die überwiegend durch Zeckenstiche übertragen wird. Österreich ist ein Endemiegebiet – kein einziges Bundesland gilt als FSME-frei. Gegen die Erkrankung selbst gibt es keine Behandlung, die das Virus bekämpft, wohl aber eine sehr wirksame Impfung. Dieser Ratgeber erklärt, wie FSME übertragen wird, wie sie bei Kindern verläuft, ab welchem Alter und nach welchem Schema geimpft wird, was die Impfung kostet und wie Sie einen Zeckenstich richtig versorgen.

So ist dieser Ratgeber aufgebaut

Grundlage ist der Impfplan Österreich 2025/2026, Version 1.1 vom 10. Oktober 2025 des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMASGPK) gemeinsam mit dem Nationalen Impfgremium (NIG). Ergänzt haben wir die Erkrankungszahlen der Virusepidemiologischen Information des Zentrums für Virologie der MedUni Wien sowie die Konditionen der österreichischen FSME-Impfaktion. Die vollständige Liste finden Sie am Ende des Artikels.

Wenn Sie es eilig haben: Der Abschnitt „Die FSME-Impfung: ab wann und nach welchem Schema" beantwortet die praktisch wichtigste Frage, „Zeckenstich richtig versorgen" das, was im Ernstfall zählt. Den Überblick über alle Impfungen im Kindesalter finden Sie in unserem Impfplan.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Er dient der Orientierung und der Vorbereitung auf das Gespräch in der kinderärztlichen Praxis. Ob, wann und nach welchem Schema Ihr Kind gegen FSME geimpft werden sollte, besprechen Sie bitte persönlich mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt – insbesondere bei Vorerkrankungen, einem Immundefekt oder wenn bereits Impfungen versäumt wurden.

Was ist FSME und wie wird sie übertragen?

Das FSME-Virus gehört zur Familie der Flaviviridae. Übertragen wird es ganz überwiegend durch den Stich einer infizierten Zecke. Deutlich seltener ist die Ansteckung über nicht pasteurisierte Milch und Milchprodukte – vor allem von Schafen und Ziegen, sehr selten von Kühen. Von Mensch zu Mensch ist FSME nicht übertragbar.

Die Inkubationszeit nach dem Zeckenstich beträgt im Mittel acht Tage, die Spanne reicht von 3 bis 28 Tagen. Wichtig zu wissen: Das Virus sitzt in den Speicheldrüsen der Zecke und wird bereits mit dem Stich übertragen. Anders als bei der Borreliose senkt rasches Entfernen der Zecke das FSME-Risiko deshalb nicht – der einzige verlässliche Schutz ist die Impfung.

Wie verläuft FSME – und wie bei Kindern?

Bei 50 bis 80 Prozent der Erkrankten verläuft die FSME zweiphasig. In der ersten Phase treten grippeähnliche Beschwerden auf: Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit. Danach folgt ein symptomfreies Intervall von durchschnittlich sieben Tagen. In der zweiten Phase reicht das Spektrum von einer vergleichsweise milden Hirnhautentzündung (Meningitis) bis zur schweren Entzündung des Gehirns (Enzephalitis), teils mit Beteiligung des Rückenmarks und der Nervenwurzeln.

Etwa ein Drittel der Erkrankten behält nach durchgemachter FSME langdauernde Folgeschäden zurück – etwa Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, anhaltende Erschöpfung, Kopfschmerzen oder Lähmungen. Eine ursächliche Therapie gibt es nicht; behandelt werden können nur die Beschwerden.

„Bei Kindern verläuft FSME immer harmlos" – das stimmt so nicht

Entgegen einer verbreiteten Annahme hält der österreichische Impfplan ausdrücklich fest, dass auch bei Kindern sehr schwere Erkrankungen mit langwierigen Folgeschäden und sogar Todesfälle auftreten. Von den 158 im Jahr 2024 in Österreich gemeldeten, im Spital behandelten FSME-Fällen betrafen 21 Kinder unter 15 Jahren – bei 10 von ihnen war das Gehirn bzw. das Rückenmark mitbetroffen.

FSME in Österreich: Zahlen und Verbreitung

Vor Beginn der großen Impfaktionen war die FSME in Österreich die häufigste virale Infektionskrankheit mit Gehirnbeteiligung: 300 bis 700 Erkrankungsfälle pro Jahr, das entspricht 4 bis 9 Fällen pro 100.000 Einwohnern. Dank der hohen Durchimpfungsrate von rund 80 Prozent sind die Zahlen seit Ende der 1980er-Jahre stark gesunken – verschwunden ist die Erkrankung aber nicht.

Erkrankungsfälle 2010–20241.830darunter 26 Todesfälle, Impfplan Österreich 2025/2026
Hospitalisierte Fälle 2025132zusätzlich 26 ambulant behandelte Infizierte (MedUni Wien)
Wirksamkeit der Impfung83–99 %je nach Impfschema und Schweregrad
FSME-freie BundesländerkeinesImpfempfehlung für alle in Österreich lebenden Personen

Seit 2017 liegen die jährlichen Fallzahlen durchgehend über 100. Das führt der Impfplan einerseits auf ein verändertes Verbreitungsgebiet zurück – die höchsten Fallzahlen finden sich heute in Westösterreich –, andererseits auf die abnehmende Zahl vollständig und korrekt geimpfter Personen. Auch die Saison verschiebt sich: Der Beginn hat sich auf März/April vorverlagert, 2025 wurde der letzte Erkrankungsfall sogar im Dezember verzeichnet.

Die FSME-Impfung: ab wann und nach welchem Schema

Die FSME-Impfung ist ab dem vollendeten 1. Lebensjahr zugelassen. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, in Endemiegebieten – und dazu zählt ganz Österreich – ab diesem Alter zu impfen. Für Kinder gibt es eigene Präparate mit halber Antigenmenge: FSME-Immun Junior ist bis zum vollendeten 16. Lebensjahr zugelassen, Encepur für Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr.

DosisFSME-Immun (ab dem 1. Geburtstag)Encepur (ab dem 1. Geburtstag)
1. DosisBeginn der GrundimmunisierungBeginn der Grundimmunisierung
2. Dosis1–3 Monate nach der 1. Dosis1–3 Monate nach der 1. Dosis
3. Dosis5–12 Monate nach der 2. Dosis9–12 Monate nach der 2. Dosis
1. Auffrischung3 Jahre nach Abschluss der Grundimmunisierung
Weitere Auffrischungenbis zum vollendeten 60. Lebensjahr alle 5 Jahre, danach alle 3 Jahre

Nach der ersten Dosis besteht noch kein vollständiger Impfschutz. Weil sich der Saisonbeginn nach vorne verschoben hat, empfiehlt der Impfplan, sowohl die ersten beiden Impfungen der Grundimmunisierung als auch alle weiteren – insbesondere überfällige – Impfungen vor Beginn der Zeckensaison im Jänner oder Februar durchführen zu lassen.

Muss es schneller gehen, etwa vor einer Reise, steht ein Schnellimmunisierungsschema zur Verfügung: Bei FSME-Immun folgt die 2. Dosis bereits 14 Tage nach der ersten, bei Encepur die 2. Dosis nach 7 und die 3. nach weiteren 14 Tagen. Ein Wechsel des Impfstoffs ist laut Fachinformation auch während der Grundimmunisierung möglich, sollte aber auf die letzte Dosis beschränkt bleiben.

Impfung vor dem ersten Geburtstag

Frühestens ab dem vollendeten 6. Lebensmonat kann off-label geimpft werden, etwa bei besonders hohem Expositionsrisiko. Die Wirksamkeit fällt dann allerdings schwächer aus. Wird vor dem ersten Geburtstag begonnen, sieht der Impfplan deshalb ein 3+1-Schema vor: eine zusätzliche Dosis drei Monate nach der zweiten, bevor die letzte Dosis der Grundimmunisierung im üblichen Abstand folgt.

Wurde eine Auffrischung versäumt, muss die Grundimmunisierung in aller Regel nicht neu begonnen werden: Sind in der Vergangenheit bereits mindestens zwei Impfungen im Abstand von höchstens zwölf Monaten erfolgt, genügt eine einzige Dosis, um den Schutz wieder herzustellen.

Was kostet die Impfung?

Die FSME-Impfung ist nicht Teil des kostenfreien Kinderimpfprogramms – anders als etwa die 6-fach-Impfung oder MMR. Sie wird jedoch über die bundesweite FSME-Impfaktion deutlich vergünstigt abgegeben: von 1. Februar bis 31. August ist der Impfstoff in den Apotheken zum Aktionspreis erhältlich, für Kinder bis zum vollendeten 16. Lebensjahr 2026 um 42,95 Euro. Die meisten Krankenkassen leisten zusätzlich einen Kostenzuschuss, der ganzjährig gilt und in der Apotheke direkt vom Kaufpreis abgezogen wird. Dazu kommt das Honorar für die Impfung selbst – die aktuellen Sätze finden Sie unter Honorare.

Zeckenstich richtig versorgen

Zecken sitzen bevorzugt in hohem Gras, im Unterholz und an Waldrändern. Nach einem Aufenthalt im Grünen lohnt es sich, das Kind gründlich abzusuchen – besonders Kopfhaut, Nacken, Ohren, Achseln, Kniekehlen und den Windelbereich.

  • Die Zecke möglichst rasch entfernen: mit einer feinen Pinzette oder Zeckenkarte direkt über der Haut fassen und gerade herausziehen.
  • Kein Öl, kein Klebstoff, kein Nagellack – solche „Hausmittel" reizen die Zecke und erhöhen das Risiko, dass sie Erreger abgibt.
  • Die Stichstelle anschließend desinfizieren und über einige Wochen im Auge behalten.
  • Rasches Entfernen senkt vor allem das Risiko einer Borreliose, das mit der Saugdauer steigt. Gegen Borreliose gibt es keine Impfung, sie ist aber mit Antibiotika gut behandelbar.

Bitte melden Sie sich in der Ordination, wenn sich rund um die Stichstelle eine sich ausbreitende Rötung zeigt (Wanderröte), wenn Ihr Kind in den Wochen nach einem Zeckenstich fiebert, auffallend müde oder weinerlich ist, über starke Kopfschmerzen klagt oder einen steifen Nacken hat.

Häufige Fragen von Eltern

Reicht es, nur Kinder zu impfen, die viel im Wald sind?

Nein. Da in Österreich kein Bundesland FSME-frei ist, empfiehlt der Impfplan die Impfung für alle hier lebenden Personen – unabhängig davon, wie oft sich das Kind im Wald aufhält. Zecken kommen auch in Gärten, Parks und auf Spielplätzen vor.

Mein Kind wurde bereits gestochen. Nützt die Impfung jetzt noch?

Für den aktuellen Stich nicht: Eine Impfung nach dem Zeckenstich verhindert eine bereits erfolgte Infektion nicht. Sinnvoll ist sie trotzdem – als Schutz vor jedem weiteren Stich. Besprechen Sie den Zeitpunkt bitte mit uns.

Schützt die Impfung auch vor Borreliose?

Nein. Die FSME-Impfung wirkt ausschließlich gegen das FSME-Virus. Die durch Bakterien verursachte Borreliose lässt sich nicht impfen, wohl aber mit Antibiotika behandeln.

Kann trotz Impfung eine FSME auftreten?

Die Wirksamkeit liegt je nach Impfschema und Schweregrad zwischen 83 und 99 Prozent. Impfdurchbrüche sind damit selten, aber möglich – vor allem bei unvollständigem oder unregelmäßigem Impfschema. Umso wichtiger sind die rechtzeitigen Auffrischungen.

Worauf ist bei der Durchführung zu achten?

Der Impfplan hebt gerade für Kinder die korrekte Technik hervor: Der Impfstoff muss aufgeschüttelt, die Luft darf nicht ausgespritzt und es müssen die vollen 0,25 ml verabreicht werden. Bei Kindern unter 18 Monaten wird in den seitlichen Oberschenkelmuskel geimpft.

Wann Sie das Thema in der Ordination ansprechen

Der beste Zeitpunkt für die FSME-Impfung ist der Winter – Jänner und Februar, also noch vor Beginn der Zeckensaison. Bringen Sie den Impfpass zu jedem Termin mit, dann können wir gemeinsam prüfen, wann die nächste Auffrischung fällig ist. Sinnvoll ist das Gespräch außerdem rund um den ersten Geburtstag, vor einem Urlaub in einem Endemiegebiet und immer dann, wenn Sie unsicher sind, ob eine Impfung versäumt wurde.

Wichtigste Leitlinien und Fachgesellschaften

  • Impfplan Österreich 2025/2026, Version 1.1 vom 10. Oktober 2025, Kapitel „Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)" – Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMASGPK)/Nationales Impfgremium (NIG), Österreich
  • Vaccines against tick-borne encephalitis: WHO position paper – Weltgesundheitsorganisation (WHO)
  • Virusepidemiologische Information, FSME-Jahresauswertung – Zentrum für Virologie, Medizinische Universität Wien, Österreich
  • FSME-Impfaktion – Österreichische Apothekerkammer und Pharmazeutische Gehaltskasse, jährlich aktualisierte Aktionskonditionen
  • Fachinformationen der Impfstoffe FSME-Immun Junior und Encepur für Kinder