Schnelle Übersicht: Akute Urtikaria ist ein plötzlich auftretender Hautausschlag mit Quaddeln und Juckreiz, der meist durch Infektionen verursacht wird und ohne Behandlung von selbst wieder verschwindet. In den meisten Fällen ist keine ernsthafte medizinische Behandlung erforderlich.

Was ist akute Urtikaria?

Akute Urtikaria, auch Nesselsucht oder Hives genannt, ist eine allergische oder immunologische Reaktion der Haut, die sich durch das plötzliche Auftreten von roten, erhaben Quaddeln (auch Papeln genannt) mit starkem Juckreiz auszeichnet. Diese Quaddeln sind das Ergebnis einer Freisetzung von Histamin und anderen Mediatoren aus Mastzellen in der Haut, was zu lokaler Schwellung und Rötung führt.

Die Definition "akut" bedeutet, dass die Symptome für einen Zeitraum von 6 Wochen oder weniger andauern. Danach spricht man von chronischer Urtikaria. Akute Urtikaria ist eine der häufigsten dermatologischen Erkrankungen im Kindesalter und verursacht bei betroffenen Kindern oft erhebliche Beschwerden.

Der Name "Nesselsucht" kommt von der Ähnlichkeit der Hautreaktionen mit der Reaktion auf das Berühren von Brennnesseln – ein brennendes und stechendes Gefühl kombiniert mit Rötung und Schwellung.

Epidemiologie und Häufigkeit

18,7% Kumulative Inzidenz im Kindesalter
47% Fälle durch Virusinfektionen verursacht
40% Mit Angioödem kombiniert
~80% Heilung innerhalb von 24 Stunden pro Quaddel

Akute Urtikaria ist eine sehr häufige Erkrankung in der Pädiatrie. Etwa 18 bis 20 Prozent aller Kinder erleben mindestens eine Episode von akuter Urtikaria in ihrem Leben. Die Erkrankung tritt in allen Altersgruppen auf, ist aber besonders häufig bei Kindern im Vorschul- und Grundschulalter.

Die Prävalenz ist in den Wintermonaten höher, wenn virale Infekte häufiger auftreten. Jungen und Mädchen sind etwa gleich häufig betroffen.

Ursachen und Trigger

Die Ursachen der akuten Urtikaria bei Kindern sind vielfältig. Im Gegensatz zu häufig angenommenen allergischen Reaktionen sind Infektionen die Hauptursache für akute Urtikaria im Kindesalter.

Infektionen als Hauptursache

Etwa 47 bis 60 Prozent aller Fälle von akuter Urtikaria bei Kindern werden durch Infektionen ausgelöst, die meisten davon sind virale Infektionen. Die wichtigsten Verursacher sind:

  • Virale Infektionen: Erkältungsviren, Influenza, Herpesviren (CMV, EBV, HHV-6), Adenoviren, Rotaviren, Parvovirus B19, Respiratory Syncytial Virus (RSV) und SARS-CoV-2
  • Bakterielle Infektionen: Halsentzündung, Mittelohrentzündung, Zahninfektionen, Harnwegsinfektionen
  • Pilzinfektionen: Seltener, aber möglich

Bei etwa 50 Prozent der Fälle von akuter Urtikaria kann kein offensichtlicher Auslöser identifiziert werden. Dies ist jedoch kein Grund zur Besorgnis, da die Erkrankung in diesen Fällen ähnlich verläuft wie bei bekannten Triggern.

Allergische Auslöser

Trotz des weit verbreiteten Glaubens sind echte Nahrungsmittelallergien nur in etwa 5 Prozent der Fälle der Auslöser für akute Urtikaria. Die häufigsten allergischen Trigger sind:

  • Nahrungsmittelallergien (Erdnüsse, Baumhüsse, Meeresfrüchte, Ei, Milch)
  • Medikamentenallergien (besonders Antibiotika wie Penicilline)
  • Insektenstiche oder -stiche
  • Latex-Allergie
  • Kontaktallergien

Physikalische Trigger

Bei manchen Kindern können physikalische Faktoren Urtikaria auslösen:

  • Temperaturextreme (Kälte, Hitze)
  • Druck auf die Haut (enge Kleidung, Kratzen)
  • Starkes Schwitzen
  • Chloriertes Wasser oder Meer
  • Sonneneinstrahlung

Andere Auslöser

  • Emotionaler Stress und Angst
  • Intensive körperliche Anstrengung
  • Menstruationszyklus bei älteren Mädchen
  • Bestimmte Medikamente (z.B. Aspirin, NSAIDs)

Symptome erkennen

Wichtig zu wissen: Die meisten Symptome der akuten Urtikaria sind unangenehm, aber nicht gefährlich. Schwerwiegende Komplikationen sind selten, können aber auftreten.

Hauterscheinungen

Die charakteristischen Hauterscheinungen der akuten Urtikaria sind:

  • Quaddeln: Rote, erhabene, geschwollene Bereiche unterschiedlicher Größe (von einigen Millimetern bis mehrere Zentimeter), die typischerweise jucken
  • Flüchtige Natur: Einzelne Quaddeln halten normalerweise nicht länger als 24 Stunden an, neue können aber ständig auftreten
  • Symmetrische Verteilung: Quaddeln können überall auf dem Körper auftreten, aber oft an Armen, Beinen, Rumpf und Gesicht
  • Erythem: Rötung der umgebenden Haut

Begleitsymptome

  • Intensiver Juckreiz: Dies ist das lästigste Symptom und kann den Schlaf beeinträchtigen
  • Brennen oder Stechen: Manche Kinder beschreiben es als brennend oder stechend statt juckend
  • Angst und Besorgnis: Das Aussehen der Quaddeln kann Kinder und Eltern verängstigen

Angioödem

Bei etwa 40 Prozent der Kinder mit akuter Urtikaria tritt auch Angioödem auf. Dies ist eine tiefere Schwellung unter der Haut oder in den Schleimhäuten, die sich anders anfühlt und aussieht als die oberflächlichen Quaddeln:

  • Größere, dichter auftretende Schwellungen
  • Häufig an Lippen, Zunge, Augenlidern, Händen oder Füßen
  • Normalerweise weniger juckend als Quaddeln
  • Kann länger anhalten (bis zu 72 Stunden)

Allgemeinsymptome

Die meisten Kinder mit akuter Urtikaria fühlen sich ansonsten wohl und haben kein Fieber. Wenn Fieber vorhanden ist, deutet dies normalerweise auf eine zugrunde liegende Infektion hin, nicht auf die Urtikaria selbst.

Diagnose

Die Diagnose der akuten Urtikaria wird hauptsächlich klinisch gestellt, basierend auf dem typischen Erscheinungsbild der Quaddeln und der kurzen Anamnese. In den meisten Fällen sind zusätzliche Tests nicht erforderlich.

Klinische Bewertung

Der Kinderarzt wird folgende Fragen stellen:

  • Wann sind die Quaddeln zum ersten Mal aufgetreten?
  • Wie schnell haben sie sich ausgebreitet?
  • Gibt es einen bekannten Auslöser (Nahrungsmittel, Medikament, Insektenstich)?
  • Hat das Kind kürzlich eine Infektion oder eine Impfung gehabt?
  • Welche Symptome hat das Kind noch (Fieber, Husten, Halsweh)?
  • Reagiert das Kind auf Antihistaminika?
  • Hat das Kind oder die Familie eine Geschichte von Allergien?

Labortests

Bei unkomplizierter akuter Urtikaria sind Labortests normalerweise nicht erforderlich. In folgenden Fällen können Tests durchgeführt werden:

  • Verdacht auf spezifische Allergie: Allergie-Pricktests oder spezifische IgE-Tests
  • Verdacht auf Infektion: Bluttest zur Bestätigung von Vireninfektionen
  • Atypische Präsentation: Hautbiopsie, wenn die Diagnose unklar ist

Behandlung

Gute Nachricht: Die Behandlung der akuten Urtikaria ist in den meisten Fällen einfach und wirksam. Viele Fälle heilen ohne spezifische Behandlung aus.

Erste-Wahl-Therapie: Antihistaminika

Antihistaminika sind die Standardbehandlung für akute Urtikaria. Sie wirken, indem sie die Wirkung von Histamin blockieren, dem Stoff, der von Mastzellen freigesetzt wird.

Empfohlene Antihistaminika:

Medikament Wirkstoff Typische Dosierung Besonderheiten
Cetirizin Cetirizin 0,25 mg/kg 1-2x täglich Schnell wirksam, gute Sicherheit im Kindesalter
Desloratadin Desloratadin 0,125-0,25 mg/kg täglich Langwirksam, gute Verträglichkeit
Fexofenadin Fexofenadin 30-60 mg 1-2x täglich (altersabhängig) Weniger Müdigkeit
Loratadin Loratadin 0,1 mg/kg täglich Gut verträglich, nicht sedierend
Diphenhydramin Diphenhydramin 1-2 mg/kg 3-4x täglich Schnell wirksam, aber sedierend