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ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) ist eine neurodevelopmentale Störung, die durch Aufmerksamkeitsdefizite, Impulsivität und/oder Hyperaktivität gekennzeichnet ist. Sie beginnt in der Kindheit und kann bis ins Erwachsenenalter fortbestehen. Mit frühzeitiger Diagnose und individualisierter Therapie können betroffene Kinder ein erfülltes Leben führen. Eine Heilung im klassischen Sinne ist nicht möglich, aber Symptome lassen sich wirksam managen.

Was ist ADHS?

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine der häufigsten neurodevelopmentalen Störungen im Kindesalter. Sie wird in der ICD-11 (Internationale Klassifikation der Krankheiten) als „Hyperkinetische Störung" klassifiziert und im DSM-5 (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) als „Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder" bezeichnet.

ADHS ist nicht das Ergebnis von schlechter Erziehung, mangelnder Disziplin oder niedrigerer Intelligenz. Vielmehr handelt es sich um eine biologische Hirnfunktionsstörung mit genetischer Basis, bei der die Regulation von Neurotransmittern wie Dopamin und Noradrenalin beeinträchtigt ist.

Ursachen & Pathophysiologie

Genetische Faktoren

ADHS hat eine starke genetische Komponente. Zwillingsstudien zeigen eine Heritabilität von etwa 70-80%, was ADHS zu einer der erblichsten psychiatrischen Störungen macht. Wenn ein Elternteil ADHS hat, beträgt das Risiko für ein Kind, ebenfalls betroffen zu sein, etwa 40-50%. Mehrere Gene sind an der Pathogenese beteiligt, darunter Gene, die für Dopamin- und Noradrenalin-Rezeptoren kodieren (z.B. DRD4, DAT1, COMT).

Neurobiologische Mechanismen

Bei ADHS liegt eine Dysregulation des dopaminergen und noradrenergen Systems vor, besonders in den präfrontalen Kortexstrukturen. Dies führt zu:

  • Reduzierte Dopaminaktivität: Dopamin ist essentiell für Motivation, Aufmerksamkeit und Belohnungsverarbeitung. Ein Mangel führt zu Konzentrationsstörungen.
  • Beeinträchtigte Inhibitionskontrolle: Der präfrontale Kortex kann Impulse nicht adäquat hemmen.
  • Gestörte exekutive Funktionen: Arbeitsgedächtnis, Planung und Impulskontrolle sind beeinträchtigt.
  • Abnormale Striatum-Funktion: Das Belohnungssystem zeigt reduzierte Reaktionen auf Reize.

Umweltfaktore

Während die genetische Komponente dominant ist, können Umweltfaktoren die Symptomausprägung beeinflussen:

  • Pränatale Exposition gegenüber Alkohol, Nikotin oder bestimmten Medikamenten
  • Niedriges Geburtsgewicht und Frühgeburten
  • Bleiexposition und Umweltschadstoffe
  • Chronische psychosoziale Stressoren
  • Schlafmangel und zirkadiane Störungen

Epidemiologie & Häufigkeit

5-7% Prävalenz bei Schulkindern weltweit
60-70% Fälle, die bis ins Erwachsenenalter persistieren