ARDS (Akutes Atemnotsyndrom)
Das akute Atemnotsyndrom – international ARDS für Acute Respiratory Distress Syndrome, früher „Schocklunge" – ist ein plötzlich einsetzendes Lungenversagen, das als Komplikation einer anderen schweren Erkrankung oder Verletzung entsteht. Bei Kindern spricht man vom pädiatrischen ARDS (pARDS). Es ist selten, aber es ist der Grund, warum ein Kind aus einer scheinbar „normalen" Lungenentzündung heraus intensivpflichtig werden kann. Dieser Ratgeber erklärt, wie ein pARDS entsteht, woran man die Vorstufen erkennt, was auf einer Kinderintensivstation geschieht – und warum die Heilungsaussichten bei Kindern deutlich besser sind als bei Erwachsenen.
Wann sofort die Rettung rufen
Bei einem Kind mit sehr schneller oder stöhnender Atmung, deutlichen Einziehungen zwischen und unter den Rippen, blauen Lippen, grauer Hautfarbe, Trinkverweigerung oder zunehmender Teilnahmslosigkeit gilt: Rettung 144 (europaweit 112). Nicht abwarten, nicht selbst ins Spital fahren, wenn das Kind bereits schwer atmet. Bei unklaren Fragen außerhalb der Ordinationszeiten hilft in Österreich die Gesundheitsberatung 1450.
Was ARDS ist – und was nicht
ARDS ist keine eigenständige Infektion, sondern eine Reaktionsweise der Lunge. Auf einen Auslöser hin – meist eine Infektion, eine Verletzung oder eine Sepsis – entsteht eine überschießende Entzündung im Lungengewebe. Die feine Barriere zwischen Luftbläschen (Alveolen) und Blutgefäßen wird undicht, eiweißreiche Flüssigkeit tritt in die Alveolen aus, diese fallen in sich zusammen. Sauerstoff gelangt dadurch nicht mehr ausreichend ins Blut, obwohl das Herz normal arbeitet und obwohl Sauerstoff über Maske oder Beatmung angeboten wird. Genau diese Kombination – schwerer Sauerstoffmangel bei beidseitig veränderter Lunge, ohne dass eine Herzschwäche das erklärt – definiert das Krankheitsbild.
Für Erwachsene gilt seit 2012 die Berlin-Definition (JAMA 2012): Beginn innerhalb einer Woche nach einem bekannten Auslöser oder neuen Atembeschwerden, beidseitige Verschattungen in der Bildgebung, die sich nicht allein durch Ergüsse, Atelektasen oder Rundherde erklären lassen, und ein Sauerstoffmangel, der nicht durch Herzinsuffizienz oder Flüssigkeitsüberladung erklärbar ist. Die Schweregrade richten sich nach dem Verhältnis von arteriellem Sauerstoffdruck zu eingeatmeter Sauerstoffkonzentration (PaO₂/FiO₂).
Für Kinder greift diese Erwachsenendefinition zu kurz. Kinder werden seltener arteriell punktiert, sie werden häufiger nichtinvasiv unterstützt, und ihre Lunge wächst noch. Deshalb hat die Pediatric Acute Lung Injury Consensus Conference 2015 eigene Kriterien vorgelegt und diese 2023 als PALICC-2 überarbeitet. Wesentliche Unterschiede: Es gibt keine feste Altersgrenze, ausgenommen sind aber perinatale Lungenerkrankungen (Neugeborenen-Atemnotsyndrom, Mekoniumaspiration, angeborene Fehlbildungen). Der Zeitrahmen beträgt sieben Tage. Statt eines starren PaO₂/FiO₂-Werts werden auch der Oxygenierungsindex (OI), der Oxygenierungssättigungsindex (OSI) und das unblutig messbare Verhältnis SpO₂/FiO₂ herangezogen – der Schwellenwert dafür wurde in PALICC-2 von 264 auf 250 gesenkt. Erstmals wurden auch Kinder erfasst, die „nur" mit High-Flow oder Maskenbeatmung unterstützt werden, sowie eine Risikokategorie („at risk for PARDS").
Nicht jedes Kind, das schwer atmet, hat ein ARDS. Abzugrenzen sind Asthmaanfall und obstruktive Bronchitis, die RSV-Bronchiolitis des Säuglings, die einseitige bakterielle Lungenentzündung, die Fremdkörperaspiration, das kardiale Lungenödem bei Herzfehler oder Myokarditis sowie der Pneumothorax. Aus mehreren dieser Situationen kann sich ein ARDS aber entwickeln – am häufigsten aus einer Lungenentzündung.
Ätiologie und Krankheitsentstehung
Man unterscheidet direkte (pulmonale) und indirekte (extrapulmonale) Auslöser. Direkt geschädigt wird die Lunge, wenn der Angriff über die Atemwege kommt; indirekt, wenn eine Entzündung aus dem übrigen Körper die Lunge mitreißt.
Direkte Lungenschädigung
- Pneumonie – bei Kindern der mit Abstand häufigste Auslöser. Virale Erreger: RSV, Influenza A und B, Adenoviren (besonders aggressiv), humanes Metapneumovirus, Parainfluenza, SARS-CoV-2, seltener Masern oder Varizellen. Bakteriell: Pneumokokken, Staphylococcus aureus (auch nach Influenza als Superinfektion), Mykoplasmen, Streptococcus pyogenes.
- Aspiration von Mageninhalt – bei Bewusstlosigkeit, Krampfanfall, neurologischer Grunderkrankung oder Reflux.
- Beinahe-Ertrinken – bei Kleinkindern relevant, auch wenn das Kind zunächst wiederbelebt und wach ist.
- Inhalationstrauma – Rauchgas bei Wohnungsbrand, Reizgase, eingeatmete Reinigungsmittel.
- Aspiration von Lampenöl oder Grillanzünder – dünnflüssige Kohlenwasserstoffe breiten sich in Sekunden über die Lungenoberfläche aus und zerstören den Surfactant.
- Lungenkontusion nach Sturz, Verkehrsunfall oder Anpralltrauma.
Indirekte Lungenschädigung
- Sepsis – die zweithäufigste Ursache im Kindesalter, ausgehend von Harnwegen, Bauchraum, Knochen oder Katheter.
- Polytrauma und Schock, ausgedehnte Verbrennungen mit massivem Flüssigkeitsverlust.
- Massive Transfusion beziehungsweise transfusionsassoziierte Lungenschädigung (TRALI).
- Akute Pankreatitis, Zustand nach Herzoperation mit Herz-Lungen-Maschine.
- Onkologische Situationen – Chemotherapie, Stammzelltransplantation; diese Kinder haben ein deutlich erhöhtes Risiko und eine schlechtere Prognose.
- Hyperinflammatorische Syndrome wie das nach COVID-19 beschriebene PIMS/MIS-C.
Was in der Lunge geschieht
Der Verlauf gliedert sich in drei überlappende Phasen. In der exsudativen Phase (Tag 1 bis etwa 7) werden Botenstoffe wie Interleukin-6 und Tumornekrosefaktor freigesetzt, weiße Blutkörperchen wandern ein, Endothel und Alveolarepithel werden durchlässig. Es bilden sich hyaline Membranen, der Surfactant – jener Film, der das Zusammenfallen der Luftbläschen verhindert – wird inaktiviert. Belüftete und nicht belüftete Bezirke liegen nebeneinander; Blut fließt an nicht belüfteten Alveolen vorbei, ohne Sauerstoff aufzunehmen (Rechts-Links-Shunt). In der proliferativen Phase (etwa Tag 7 bis 21) wandern Bindegewebszellen ein, die Lunge wird steifer, viele Kinder erholen sich in dieser Zeit. Bei einer Minderheit folgt die fibrotische Phase mit Vernarbung.
Zentral für das Verständnis der Behandlung ist das Konzept der baby lung: Von der Lunge eines Kindes mit ARDS ist oft nur noch ein Drittel belüftbar. Beatmet man dieses Restvolumen mit „normalen" Atemzugvolumina, wird es überdehnt und zusätzlich geschädigt – durch Überdehnung (Volutrauma), zu hohen Druck (Barotrauma), wiederholtes Auf- und Zuklappen von Alveolen (Atelektrauma) und die dadurch angefachte Entzündung (Biotrauma). Die gesamte moderne ARDS-Therapie kreist um die Vermeidung dieses Zweitschadens.
Risikofaktoren bei Kindern
Ein ARDS ist nicht erblich. Genetische Varianten können die Anfälligkeit beeinflussen, sind aber nicht vorhersagbar. Praktisch bedeutsam sind: Frühgeburtlichkeit und bronchopulmonale Dysplasie, angeborene Herzfehler, Immunsuppression, neurologische Erkrankungen mit Schluckstörung, Trisomie 21, schwere Adipositas, Sichelzellkrankheit sowie ein Alter unter zwei Jahren. Passivrauch erhöht die Wahrscheinlichkeit schwerer Atemwegsinfekte und damit indirekt auch das ARDS-Risiko.
Epidemiologie und Ländervergleich
Belastbare Zahlen zum pädiatrischen ARDS stammen im Wesentlichen aus Intensivnetzwerken, nicht aus Bevölkerungsregistern. Die bislang größte prospektive Erhebung ist die internationale PARDIE-Studie (Lancet Respiratory Medicine 2019): In 145 Kinderintensivstationen aus 27 Ländern wurden zwischen Mai 2016 und Juni 2017 insgesamt 23.280 Aufnahmen gescreent. 744 Kinder (3,2 %) erfüllten die PALICC-Kriterien für ein pARDS. Die Sterblichkeit lag bei 17 %. Nur 32 % dieser Kinder hätten auch die Erwachsenen-Kriterien nach Berlin erfüllt – bei ihnen betrug die Sterblichkeit 27 %. Das zeigt zweierlei: Die pädiatrische Definition erfasst mehr und auch leichtere Fälle, und Kinder überleben ein ARDS deutlich häufiger als Erwachsene.
Zum Vergleich die Erwachsenenmedizin: Die LUNG-SAFE-Studie (JAMA 2016) fand in 459 Intensivstationen aus 50 Ländern ein ARDS bei 10,4 % aller Intensivaufnahmen; die Krankenhaussterblichkeit stieg von 34,9 % bei mildem auf 46,1 % bei schwerem ARDS. Bevölkerungsbezogen ermittelte eine US-Erhebung im Raum Seattle rund 59 ARDS-Fälle pro 100.000 Erwachsene und Jahr, für Kinder dagegen etwa 13 Fälle pro 100.000 Kinder und Jahr (Pediatrics 2009) – im Kindesalter also rund viermal seltener.
Was das für Österreich bedeutet
Für Österreich existiert kein eigenes pARDS-Register. Rechnet man die US-Häufigkeit von etwa 13 pro 100.000 auf die rund 1,5 Millionen Kinder und Jugendlichen in Österreich um, ergibt sich eine Größenordnung von grob 150 bis 200 Fällen pro Jahr – eine Schätzung, keine gemessene Zahl. Diese Kinder werden an den wenigen Standorten mit pädiatrischer Intensivmedizin versorgt, im Wesentlichen an den Universitätskliniken Wien, Graz, Innsbruck und Salzburg sowie an den großen Landeskinderkliniken. In Deutschland ist inzwischen eine bundesweite Erfassung über die Erhebungseinheit für seltene pädiatrische Erkrankungen (ESPED) angelaufen; belastbare nationale Zahlen sind daraus in den kommenden Jahren zu erwarten. Fachlich maßgeblich ist im deutschsprachigen Raum die S2k-Leitlinie der Gesellschaft für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin (GNPI) zum akuten, nicht obstruktiven Lungenversagen im Kindesalter (AWMF-Register 024-017, Fassung 2021).
| Erhebung (Land/Region, Zeitraum) | Häufigkeit | Sterblichkeit | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| PARDIE, 27 Länder, 2016/17 | 3,2 % der PICU-Aufnahmen | 17 % | PALICC-Kriterien, 145 Zentren |
| PARDIE, Subgruppe nach Berlin-Kriterien | 32 % der pARDS-Fälle | 27 % | Erwachsenendefinition erfasst nur Schwerere |
| China, 25 Kinderintensivstationen, 2004/05 | 1,44 % der schwerkranken Kinder | 61 % | Medianalter 24 Monate, 40 % unter 1 Jahr |
| China, 26 Kinderintensivstationen (Folgeerhebung) | 2,7 % der Aufnahmen | 44,8 % | Pneumonie und Sepsis als Hauptauslöser |
| Asien (PACCMAN-Netzwerk), 15 Zentren, 2020–2022 | Prospektive Kohorte | 30,3 % (Intensivstation) | 39,7 % nach 100 Tagen |
| Deutschland, Umfrage Kinderkliniken (historisch) | 7 pro 1.000 Intensivpatienten | 46 % | Hälfte der Kinder unter 2 Jahren |
| USA, bevölkerungsbezogen (King County) | ca. 13 pro 100.000 Kinder/Jahr | — | Vergleichswert Erwachsene: ca. 59 |
Auffällig ist das Gefälle zwischen den Regionen. In den chinesischen Erhebungen und im asiatischen PACCMAN-Netzwerk liegt die Sterblichkeit deutlich höher als in PARDIE. Die Ursachen sind vielschichtig: unterschiedliche Aufnahmeschwellen für die Intensivstation, ein höherer Anteil schwerer Sepsis- und Adenovirusfälle, spätere Vorstellung und begrenzte Verfügbarkeit von ECMO. In Ländern mit knappen Ressourcen ist ein pARDS zudem systematisch unterdiagnostiziert – PALICC-2 hat deshalb ein eigenes Kapitel für solche Settings.
Kinder unter zwei Jahren stellen etwa die Hälfte der Fälle; das passt zur Bedeutung viraler Atemwegsinfekte in dieser Altersgruppe. Bei Jugendlichen verschiebt sich das Spektrum in Richtung Trauma, Sepsis und onkologische Grunderkrankungen. Während der COVID-19-Pandemie stiegen die ARDS-Zahlen bei Erwachsenen dramatisch an – bei Kindern blieb SARS-CoV-2 ein vergleichsweise seltener Auslöser; relevanter waren die hyperinflammatorischen Verläufe (PIMS).
Symptome und Verlauf
Ein pARDS beginnt nicht mit eigenen Symptomen, sondern mit denen der Grunderkrankung. Typischerweise ist ein Kind seit zwei bis vier Tagen mit Fieber und Husten krank, wirkt dann aber nicht besser, sondern zunehmend erschöpft. Die Verschlechterung tritt meist innerhalb von 12 bis 72 Stunden ein, definitionsgemäß innerhalb von sieben Tagen nach dem auslösenden Ereignis.
Woran Eltern eine bedrohliche Atemnot erkennen
- Beschleunigte Atmung. Zählen Sie eine volle Minute lang bei ruhigem, möglichst fieberfreiem Kind. Alarmierend sind mehr als 60 Atemzüge pro Minute beim Säugling unter zwei Monaten, mehr als 50 bis zum ersten Geburtstag, mehr als 40 bei Klein- und Vorschulkindern und mehr als 30 bei Schulkindern.
- Einziehungen. Sichtbares Einsinken zwischen den Rippen, unter dem Rippenbogen und in der Drosselgrube.
- Nasenflügeln und Kopfnicken im Atemrhythmus, besonders bei Säuglingen.
- Stöhnen (Grunting) beim Ausatmen – das Kind erzeugt sich selbst einen Gegendruck, um die Lungenbläschen offen zu halten. Ein sehr ernstes Zeichen.
- Schaukelatmung, bei der sich Brustkorb und Bauch gegenläufig bewegen.
- Blaue Lippen, blassgraues Hautkolorit, verlängerte Rekapillarisierungszeit (Nagelbett nach Druck länger als zwei Sekunden blass).
- Trinkverweigerung beim Säugling, weil Saugen und Atmen nicht mehr gleichzeitig gelingen; weniger nasse Windeln.
- Verändertes Verhalten – erst Unruhe und Angst, dann Apathie. Ein Kind, das bei schwerer Atemnot plötzlich „ruhiger" wird, verschlechtert sich in aller Regel.
- Sauerstoffsättigung unter 92 % – und vor allem: eine Sättigung, die trotz Sauerstoffgabe nicht steigt.
Trügerisch ist die „stille Lunge": Wenn kaum noch Atemgeräusche zu hören sind, ist das kein Zeichen der Besserung, sondern der Erschöpfung.
Der weitere Verlauf
Ist die Diagnose gestellt, folgt meist eine Phase der Verschlechterung über zwei bis fünf Tage, in der Sauerstoffbedarf und Beatmungsdrücke steigen. Danach stabilisiert sich der Zustand, und die Entwöhnung von der Beatmung (Weaning) beginnt. Die Beatmungsdauer liegt je nach Schweregrad bei etwa einer bis zwei Wochen; schwere Verläufe können vier bis acht Wochen dauern. Rückschläge durch beatmungsassoziierte Pneumonien, Pneumothorax oder Kreislaufprobleme sind häufig und bedeuten nicht automatisch eine schlechte Prognose. Nach der Extubation folgen oft noch Tage bis Wochen mit High-Flow-Sauerstoff, Physiotherapie und mühsamem Kräfteaufbau.
Diagnostik in der Ordination
Ein ARDS wird nicht in der kinderärztlichen Ordination diagnostiziert – dafür braucht es Blutgasanalyse, Bildgebung und Intensivüberwachung. Die Aufgabe der Ordination ist eine andere und mindestens ebenso wichtig: das gefährdete Kind erkennen, den Schweregrad einschätzen und den Transport in die richtige Klinik einleiten, bevor die Situation kippt.
Was in der Ordination beurteilt wird
- Erster Eindruck nach dem pädiatrischen Beurteilungsdreieck: Aussehen und Wachheit, Atemarbeit, Hautdurchblutung. Diese Einschätzung dauert Sekunden und entscheidet, ob sofort gehandelt wird.
- Anamnese: Wann begann die Erkrankung, wie hat sie sich verändert, gab es einen Unfall, ein Ertrinkungsereignis, verschluckte Substanzen? Trinkmenge, Windeln, Fieberverlauf, Vorerkrankungen, Impfstatus, Medikamente.
- Atemfrequenz über eine volle Minute, Pulsoxymetrie an Finger oder Fuß, Herzfrequenz, Blutdruck, Temperatur, Rekapillarisierungszeit.
- Auskultation beider Lungenhälften im Seitenvergleich: feinblasige Rasselgeräusche, abgeschwächtes Atemgeräusch, Giemen.
- Bewusstseinslage orientierend nach dem AVPU-Schema (wach – reagiert auf Ansprache – reagiert auf Schmerz – reaktionslos).
Findet sich eine Sauerstoffsättigung unter 92 % unter Raumluft, eine deutlich gesteigerte Atemarbeit oder ein beeinträchtigter Allgemeinzustand, wird Sauerstoff gegeben und die Rettung verständigt. Ambulante Röntgenaufnahmen oder Laborabnahmen kosten in dieser Situation nur Zeit.
Warum die Sättigung allein nicht reicht
Ein Kind kann eine noch akzeptable Sauerstoffsättigung haben und trotzdem im Begriff sein, zu dekompensieren – weil es diese Sättigung mit maximaler Anstrengung erkauft. Die Atemarbeit ist deshalb der wichtigere Parameter. Umgekehrt sagt ein einzelner Messwert bei einem schreienden, sich wehrenden Kind wenig aus; entscheidend ist der Verlauf über einige Minuten in Ruhe.
Diagnostik im Spital
Dort werden ergänzt: arterielle oder kapilläre Blutgasanalyse mit Bestimmung von Sauerstoff- und Kohlendioxidpartialdruck, pH und Laktat; Röntgen-Thorax mit dem typischen Bild beidseitiger, flächiger Verschattungen; zunehmend auch Lungenultraschall, der ohne Strahlenbelastung am Bett wiederholt werden kann; Echokardiographie, um einen Herzfehler oder eine Myokarditis als Ursache des Lungenödems auszuschließen; Blutbild, CRP, Procalcitonin, Gerinnung, Blutkultur und PCR-Diagnostik aus dem Nasen-Rachen-Abstrich auf RSV, Influenza, SARS-CoV-2, Adenoviren, Metapneumoviren und Mykoplasmen. Ein CT wird nur bei besonderen Fragestellungen durchgeführt.
| Schweregrad | Kinder: Oxygenierungsindex (OI) | Kinder: OSI (unblutig) | Erwachsene: PaO₂/FiO₂ |
|---|---|---|---|
| Risikogruppe / mild | 4 bis unter 8 | 5 bis unter 7,5 | 200–300 mmHg |
| Moderat | 8 bis unter 16 | 7,5 bis unter 12,3 | 100–200 mmHg |
| Schwer | 16 und darüber | 12,3 und darüber | unter 100 mmHg |
Der Oxygenierungsindex berücksichtigt neben dem Sauerstoffwert auch den mittleren Atemwegsdruck und bildet damit ab, wie viel Beatmungsaufwand nötig ist, um den Wert überhaupt zu halten. Für Kinder unter nichtinvasiver Unterstützung gilt in PALICC-2 zusätzlich das Verhältnis SpO₂/FiO₂ von 250 oder darunter beziehungsweise PaO₂/FiO₂ von 300 oder darunter.
Behandlung und Heilungsaussichten
Für das ARDS selbst gibt es kein Medikament. Die Behandlung verfolgt drei Ziele: die auslösende Erkrankung beseitigen, den Gasaustausch so lange sichern, bis sich die Lunge selbst repariert, und dabei jeden zusätzlichen Schaden vermeiden. Alles, was in den vergangenen zwanzig Jahren die Sterblichkeit gesenkt hat, folgt diesem dritten Prinzip.
Atemunterstützung: von der Nasenbrille bis zur Beatmung
Vor der Intubation stehen nichtinvasive Verfahren. Die High-Flow-Nasenkanüle liefert angewärmten, befeuchteten Sauerstoff mit hohem Fluss, spült den Totraum aus und erzeugt einen leichten positiven Druck. CPAP und Maskenbeatmung halten die Alveolen offen. PALICC-2 empfiehlt diese Verfahren ausdrücklich, mahnt aber zu engmaschiger Kontrolle: Wenn sich ein Kind darunter innerhalb weniger Stunden nicht bessert, ist das Hinauszögern der Intubation gefährlich.
Bei der invasiven Beatmung gilt das Prinzip der Lungenprotektion, das bei Erwachsenen in der ARDSNet-Studie (NEJM 2000) erstmals einen klaren Überlebensvorteil zeigte: kleine Atemzugvolumina von etwa 6 mL pro Kilogramm Idealgewicht statt der früher üblichen 12 mL senkten die Sterblichkeit von 39,8 % auf 31,0 %. Für Kinder empfiehlt PALICC-2 physiologische Atemzugvolumina von 5 bis 8 mL/kg, bei sehr steifer Lunge 3 bis 6 mL/kg, einen Plateaudruck möglichst unter 28 cm H₂O, eine Druckdifferenz (Driving Pressure) unter 15 cm H₂O und einen moderat erhöhten endexspiratorischen Druck (PEEP) von in der Regel 10 bis 15 cm H₂O. Akzeptiert wird dabei eine permissive Hyperkapnie: Der Kohlendioxidwert darf steigen, solange der pH-Wert etwa 7,15 bis 7,20 nicht unterschreitet. Auch die Sauerstoffziele werden bewusst niedrig gehalten – etwa 92 bis 97 % bei niedrigem PEEP und 88 bis 92 % bei hohem PEEP –, weil zu viel Sauerstoff selbst Gewebe schädigt.
Die Bauchlagerung verteilt die Belüftung gleichmäßiger und entlastet die zuvor komprimierten unteren Lungenabschnitte. Bei Erwachsenen mit schwerem ARDS senkte sie in der PROSEVA-Studie (NEJM 2013) bei mindestens 16 Stunden täglich die 28-Tage-Sterblichkeit von 32,8 % auf 16,0 %. Für Kinder ist die Datenlage schwächer; PALICC-2 sieht die Bauchlage als vertretbare Option bei schwerem pARDS, nicht als generelle Empfehlung. In der Praxis wird sie an vielen Zentren eingesetzt, weil sie die Oxygenierung zuverlässig verbessert.
Medikamente und ihr Wirkprinzip
- Sedierung und Schmerztherapie: Opioide (Fentanyl, Morphin) dämpfen Schmerz und Atemantrieb, Midazolam wirkt beruhigend und angstlösend, Dexmedetomidin als Alpha-2-Rezeptor-Agonist erlaubt eine ruhige, aber weckbare Sedierung. Propofol wird bei Kindern nur kurzfristig eingesetzt, da eine Langzeitanwendung das seltene, aber gefährliche Propofol-Infusionssyndrom auslösen kann. Ziel ist die geringstmögliche Dosis, gesteuert nach Sedierungsskalen.
- Muskelrelaxanzien (etwa Rocuronium, Cisatracurium) schalten die Eigenatmung vorübergehend aus, damit die Beatmung nicht gegen das Kind arbeitet. Sie werden nur kurz und bei schweren Verläufen verwendet, weil sie die Muskelschwäche nach der Intensivstation verstärken.
- Antibiotika und Virostatika behandeln die Ursache: kalkulierte Antibiotika bei Sepsis oder bakterieller Pneumonie, Oseltamivir bei nachgewiesener Influenza. Bei rein viraler Ursache ohne bakterielle Koinfektion nützen Antibiotika nichts.
- Kortikosteroide dämpfen die Entzündungsreaktion. Klar belegt ist ihr Nutzen bei COVID-19-bedingtem Lungenversagen (RECOVERY-Studie, NEJM 2021: Dexamethason senkte die 28-Tage-Sterblichkeit insgesamt von 25,7 % auf 22,9 %, bei beatmeten Erwachsenen von 41,4 % auf 29,3 %). Für das pARDS anderer Ursache gibt es keine generelle Empfehlung; die Entscheidung fällt individuell.
- Flüssigkeitssteuerung und Diuretika: Eine zurückhaltende Volumengabe nach der initialen Kreislaufstabilisierung verkürzt bei Erwachsenen die Beatmungsdauer; auch bei Kindern ist eine stark positive Flüssigkeitsbilanz mit schlechterem Verlauf verbunden. Schleifendiuretika wie Furosemid schwemmen Wasser aus, wenn die Nieren mitspielen.
- Surfactant ist beim Atemnotsyndrom Frühgeborener lebensrettend – beim pARDS jenseits der Neugeborenenperiode haben Studien keinen Überlebensvorteil gezeigt, weshalb er nicht routinemäßig gegeben wird.
- Inhalatives Stickstoffmonoxid erweitert gezielt die Gefäße in belüfteten Lungenarealen und verbessert dadurch kurzfristig die Sauerstoffaufnahme. Ein Überlebensvorteil ist nicht belegt; es dient als Notfallmaßnahme oder Überbrückung.
- Kreislaufmedikamente wie Noradrenalin, Adrenalin oder Milrinon stützen Blutdruck und Herzleistung.
- Bluttransfusionen werden zurückhaltend eingesetzt. Die TRIPICU-Studie (NEJM 2007) zeigte bei stabilen kritisch kranken Kindern, dass eine Transfusionsschwelle von 7 g/dl ebenso sicher ist wie 9,5 g/dl.
- Ernährung: Möglichst früh über eine Magensonde, weil das die Darmschleimhaut schützt und Infektionen verringert.
Wenn die Beatmung nicht ausreicht: ECMO
Bei einem kleinen Teil der Kinder gelingt trotz maximaler Beatmung kein ausreichender Gasaustausch. Dann kann eine extrakorporale Membranoxygenierung eingesetzt werden: Blut wird über großlumige Kanülen aus dem Körper geleitet, in einer künstlichen Lunge mit Sauerstoff angereichert und von Kohlendioxid befreit, dann zurückgeführt. Meist wird bei Lungenversagen die venovenöse Form gewählt. ECMO heilt nichts – sie verschafft der Lunge Zeit, indem die Beatmung auf ein sehr schonendes Maß zurückgefahren werden kann. Nach den Daten des internationalen ELSO-Registers überlebt etwa die Hälfte bis knapp zwei Drittel der Kinder, die wegen Lungenversagens an die ECMO kommen, bis zur Entlassung. Das Verfahren ist an spezialisierte Zentren gebunden und mit Risiken verbunden, vor allem Blutungen und Gerinnselbildung.
Heilungsaussichten
Die Prognose ist besser, als der erste Eindruck auf der Intensivstation vermuten lässt. In PARDIE überlebten 83 % der Kinder mit pARDS, bei schwerem Verlauf 67 %. Günstig wirken sich aus: jüngeres Alter ohne Vorerkrankung, ein einzelner klar behandelbarer Auslöser wie ein Trauma oder eine bakterielle Pneumonie, rasche Besserung der Oxygenierung in den ersten 24 Stunden und das Fehlen weiterer Organversagen. Ungünstig sind eine Immunsuppression oder onkologische Grunderkrankung, Sepsis mit Mehrorganversagen, eine ausgeprägte Beeinträchtigung schon vor der Erkrankung und ein anhaltend hoher Oxygenierungsindex nach mehreren Tagen. Die Zahl der beteiligten Organsysteme ist der stärkste einzelne Prognosefaktor.
Bei den Überlebenden normalisiert sich die Lungenfunktion in den meisten Fällen innerhalb von sechs bis zwölf Monaten weitgehend – die kindliche Lunge wächst noch und hat erhebliche Reserven. Ein Teil der Kinder behält eine leicht eingeschränkte Diffusionskapazität oder eine belastungsabhängige Kurzatmigkeit, die im Alltag meist nicht auffällt. Bedeutsamer sind oft die nicht-pulmonalen Folgen, zusammengefasst als pädiatrisches Post-Intensive-Care-Syndrom: Muskelschwäche und Gewichtsverlust nach langer Immobilität, Schluck- und Stimmprobleme nach längerer Intubation, Schlafstörungen, Ängste, Rückschritte in der Entwicklung bei Kleinkindern, Konzentrationsprobleme in der Schule. Auch Eltern und Geschwister sind betroffen; posttraumatische Belastungssymptome bei Eltern nach der Intensivbehandlung eines Kindes sind gut dokumentiert und behandelbar.
Was Eltern selbst tun können
- Da sein. Auch ein sediertes Kind nimmt Stimme, Berührung und Geruch wahr. Vorlesen, singen, die Hand halten – das ist keine Beschäftigungstherapie für Eltern, sondern Teil der Betreuung.
- Vertrautes mitbringen: Kuscheltier, Decke, gewohnte Musik, Fotos von zu Hause und von den Geschwistern.
- Ein Tagebuch führen. Notizen und Fotos aus der Intensivzeit helfen später, die Lücke im Gedächtnis des Kindes zu füllen, und erleichtern die Verarbeitung – auch für Sie selbst.
- Feste Ansprechperson und Fragen sammeln. Schreiben Sie Fragen zwischen den Visiten auf. Bitten Sie um regelmäßige Gespräche mit derselben Ärztin oder demselben Arzt.
- Auf sich selbst achten. Schichten mit dem Partner oder der Partnerin einteilen, essen, schlafen, das Angebot von Psychologinnen, Sozialarbeit und Seelsorge annehmen. Erschöpfte Eltern können ihr Kind nicht begleiten.
- Geschwister einbeziehen, altersgerecht informieren und den Alltag für sie so stabil wie möglich halten.
- Nach der Entlassung: Nachsorgetermine wahrnehmen, Physio- und gegebenenfalls Logopädie konsequent fortführen, versäumte Impfungen nachholen, Rückkehr in Kindergarten oder Schule schrittweise planen, den Haushalt konsequent rauchfrei halten. Bei anhaltender Erschöpfung, Albträumen oder Verhaltensänderungen frühzeitig psychologische Unterstützung suchen.
Gute Fragen an das Behandlungsteam
Was war der Auslöser, und ist er unter Kontrolle? Wie sind die Beatmungswerte heute im Vergleich zu gestern? Welches Ziel verfolgen Sie in den nächsten 24 Stunden? Was wäre der nächste Schritt, wenn es schlechter wird? Woran werden wir merken, dass das Weaning beginnen kann? Wer koordiniert die Nachsorge nach der Entlassung?
Vorbeugung
Ein ARDS lässt sich nicht direkt verhindern – wohl aber die Erkrankungen und Unfälle, aus denen es entsteht. Für Kinder in Österreich sind das vor allem schwere Atemwegsinfektionen, Aspirationsunfälle und Ertrinkungsunfälle.
Impfungen und Immunisierung
Der wirksamste Einzelbeitrag. Das kostenfreie Kinderimpfprogramm in Österreich deckt unter anderem ab: die Sechsfachimpfung gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Kinderlähmung, Haemophilus influenzae Typ b und Hepatitis B (3., 5. und 12. Lebensmonat), die Pneumokokken-Konjugatimpfung im gleichen Schema, Rotaviren als Schluckimpfung ab der 7. Lebenswoche, Masern-Mumps-Röteln ab dem 9. Lebensmonat, Varizellen sowie Meningokokken. Seit einigen Saisonen ist auch die Influenza-Impfung für Kinder im öffentlichen Programm kostenfrei verfügbar – Influenza gehört zu den relevanten Auslösern schwerer Pneumonien und bahnt zusätzlich bakterielle Superinfektionen.
Neu und für Säuglinge besonders bedeutsam ist die passive RSV-Immunisierung mit Nirsevimab, die der österreichische Impfplan 2025/2026 für alle Säuglinge in ihrer ersten RSV-Saison vorsieht und die kostenfrei angeboten wird. Kinder, die zwischen April und September geboren werden, erhalten sie vor Beginn der Saison in der Ordination; Kinder, die zwischen Oktober und März geboren werden, möglichst in der ersten Lebenswoche noch im Spital. Alternativ steht die mütterliche RSV-Impfung in der Schwangerschaft zur Verfügung. Erste österreichische Auswertungen nach Einführung zeigen einen deutlichen Rückgang RSV-bedingter Spitalsaufnahmen bei Säuglingen unter einem Jahr. Ebenfalls in der Schwangerschaft empfohlen ist die Keuchhusten-Impfung, die das Neugeborene über die Nestimmunität schützt.
Alltagsschutz
- Stillen senkt Häufigkeit und Schwere von Atemwegsinfekten in den ersten Lebensmonaten.
- Konsequente Rauchfreiheit in Wohnung und Auto. Passivrauch erhöht nachweislich die Rate schwerer Bronchiolitiden und Pneumonien.
- Händehygiene in der Familie, besonders vor dem Kontakt mit Neugeborenen; kranke Erwachsene halten Abstand.
- Für Frühgeborene und Kinder mit Herzfehler oder chronischer Lungenerkrankung: in der ersten Wintersaison große Menschenansammlungen meiden.
Unfallprävention
- Ertrinken ist im Kleinkindalter lautlos und geschieht in Minuten. Nie unbeaufsichtigt in Badewanne, Planschbecken, Gartenteich oder am Pool; Poolumzäunung; Schwimmkurse ab dem Vorschulalter.
- Fremdkörperaspiration: Keine ganzen Nüsse, Popcorn, harten Karottenstücke oder runden Bonbons vor dem fünften Geburtstag; Essen im Sitzen, nicht im Laufen oder Lachen.
- Kindersitz nach Größe und Gewicht, korrekt montiert – Lungenkontusionen entstehen typischerweise bei falsch gesichertem Transport.
- Rauchmelder in Schlafräumen; Fluchtwege mit älteren Kindern besprechen.
Lampenöl und Grillanzünder gehören weggesperrt
Dekorative Lampenöle in bunten Flaschen und flüssige Grillanzünder sind für Kleinkinder besonders gefährlich. Schon kleinste Mengen können beim Verschlucken in die Lunge gelangen, sich dort blitzschnell ausbreiten und eine schwere chemische Lungenentzündung bis hin zum ARDS auslösen. Nach einem solchen Ereignis darf kein Erbrechen ausgelöst werden – sofort die Vergiftungsinformationszentrale (in Österreich +43 1 406 43 43) oder die Rettung 144 verständigen.
Bei chronisch kranken Kindern
Gut eingestelltes Asthma, konsequente Behandlung eines Refluxes, angepasste Kostformen bei Schluckstörungen, Physiotherapie bei neuromuskulären Erkrankungen und ein aktueller Impfstatus senken das Risiko, dass ein banaler Infekt zur intensivpflichtigen Situation eskaliert. Sprechen Sie in der Ordination einen individuellen Notfallplan ab: Welche Zeichen bedeuten Vorstellung am selben Tag, welche bedeuten Rettung?
Häufige Elternfragen
Kann mein Kind wieder ganz gesund werden?
In den meisten Fällen ja. Die Lungenfunktion erholt sich bei Kindern innerhalb von sechs bis zwölf Monaten weitgehend, weil die Lunge noch wächst. Bleibende Einschränkungen betreffen vor allem Kinder mit sehr schweren oder sehr langen Verläufen. Häufiger als Lungenprobleme sind vorübergehende Muskelschwäche, Erschöpfung und emotionale Nachwirkungen.
Ist ARDS ansteckend?
Nein. Das ARDS selbst ist eine Reaktion des eigenen Körpers. Ansteckend sein kann der Auslöser – etwa RSV, Influenza oder Pneumokokken. Deshalb werden Geschwisterkinder und Kontaktpersonen mitbedacht.
Ist ARDS vererbbar? Kann es das nächste Kind auch treffen?
ARDS wird nicht vererbt. Es gibt genetische Varianten, die die Entzündungsantwort beeinflussen, aber daraus lässt sich kein familiäres Risiko ableiten und keine Vorhersage treffen.
Wie unterscheidet sich ARDS von einer normalen Lungenentzündung?
Eine Lungenentzündung ist eine Infektion, die meist einen Lungenabschnitt betrifft und mit Antibiotika oder von selbst ausheilt. Ein ARDS ist die überschießende Entzündungsantwort der gesamten Lunge auf einen solchen Reiz, betrifft beide Lungenflügel und lässt sich nicht kausal behandeln. Das ARDS ist eine mögliche Komplikation der Pneumonie, nicht deren Steigerung.
Und der Unterschied zum Lungenödem?
Beim kardialen Lungenödem drückt ein schwaches Herz Flüssigkeit in die Lunge – die Gefäßwand ist dabei intakt. Beim ARDS ist die Gefäßwand selbst undicht, weshalb eiweißreiche Flüssigkeit austritt. Deshalb hilft beim ARDS auch keine reine Entwässerung, und deshalb schließt das Team mit einer Herzultraschalluntersuchung die kardiale Ursache aus.
Warum wird das Kind so lange schlafen gelegt?
Die Beatmung mit sehr kleinen Atemzügen und hohem Druck ist wach nicht tolerierbar, und jede Gegenatmung schädigt die Lunge zusätzlich. Sedierung ist hier Teil der Therapie. Das Team arbeitet trotzdem mit der geringstmöglichen Dosis und reduziert sie, sobald es geht.
Wie lange dauert die Beatmung?
Bei den meisten Kindern etwa ein bis zwei Wochen, bei schweren Verläufen vier bis acht Wochen oder länger. Ein Rückschlag im Verlauf ist häufig und bedeutet nicht, dass alles von vorn beginnt.
Bekommen Kinder nach COVID-19 ein ARDS?
Deutlich seltener als Erwachsene. Bei Kindern verlief COVID-19 überwiegend mild; intensivpflichtig wurden vor allem Kinder mit dem hyperinflammatorischen Syndrom PIMS einige Wochen nach der Infektion. Bei Erwachsenen war SARS-CoV-2 dagegen in den Jahren 2020 bis 2022 einer der häufigsten ARDS-Auslöser überhaupt.
Kann mein Kind später normal Sport machen?
In aller Regel ja, meist nach einigen Monaten des schrittweisen Aufbaus. Vor der Freigabe für Schulsport und Leistungssport wird häufig eine Lungenfunktionsprüfung, gegebenenfalls unter Belastung, durchgeführt.
Quellen
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- Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz: Impfplan Österreich 2025/2026 sowie Informationen zur RSV-Immunisierung mit Nirsevimab, gesundheit.gv.at und impfen.gv.at.
- Vergiftungsinformationszentrale Wien (VIZ): Hinweise zu Aspiration von Lampenöl und Kohlenwasserstoffen.
Rechtlicher Hinweis
Dieser Text dient der Information von Eltern und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. ARDS ist ein lebensbedrohlicher Notfall. Bei schwerer Atemnot, blauer Verfärbung von Lippen oder Haut, Bewusstseinstrübung oder Trinkverweigerung verständigen Sie in Österreich sofort die Rettung unter 144. Alle Behandlungsentscheidungen gehören in die Hand des betreuenden ärztlichen Teams.