Allergisches Asthma ist die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter – in Österreich sind je nach Erhebungsmethode zwischen 4,4 und 10 Prozent aller Kinder und Jugendlichen betroffen. Dieser Ratgeber erklärt Eltern, wie die Erkrankung entsteht, wie häufig sie wirklich ist, woran man sie erkennt, was in der kinderärztlichen Ordination untersucht wird und welche Behandlungen heute nachweislich wirken. Er ersetzt kein ärztliches Gespräch, soll Sie aber in die Lage versetzen, dieses Gespräch informiert zu führen.

Schnell-Info für Eltern

Allergisches Asthma ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Bronchien. Das Immunsystem reagiert überschießend auf eigentlich harmlose Stoffe wie Hausstaubmilben, Pollen oder Tierhaare. Die Folge sind Schwellung der Schleimhaut, zäher Schleim und Verkrampfung der Bronchialmuskulatur – das Kind bekommt schlecht Luft, hustet und atmet pfeifend. Die entscheidende Nachricht: Asthma ist heute so gut behandelbar, dass fast jedes betroffene Kind uneingeschränkt spielen, Sport treiben und schlafen kann. Voraussetzung sind eine korrekte Diagnose, eine regelmäßig eingenommene entzündungshemmende Basistherapie und eine sichere Inhalationstechnik.

Überblick: Was ist allergisches Asthma?

Asthma bronchiale bezeichnet eine dauerhafte Entzündung der unteren Atemwege mit variabler, also wechselnd stark ausgeprägter Verengung der Bronchien. Charakteristisch ist das Schwanken der Beschwerden: An manchen Tagen ist das Kind völlig beschwerdefrei, an anderen hustet es nachts durch oder kommt beim Laufen außer Atem. Genau diese Variabilität unterscheidet Asthma von anderen Lungenerkrankungen und ist zugleich der Grund, warum die Diagnose bei Kindern manchmal Monate braucht.

Von allergischem Asthma spricht man, wenn sich eine Sensibilisierung gegen Inhalationsallergene nachweisen lässt und die Beschwerden zeitlich mit dem Allergenkontakt zusammenhängen. Diese Form ist im Kindes- und Jugendalter die mit Abstand häufigste: Je nach Studie weisen 60 bis 80 Prozent der asthmakranken Kinder eine allergische Komponente auf. Bei Kleinkindern unter fünf Jahren dominieren dagegen virusbedingte obstruktive Episoden; erst mit dem Schulalter tritt das allergische Muster in den Vordergrund. Fachlich ordnet man das kindliche allergische Asthma dem Typ-2-Entzündungsmuster zu: Die Botenstoffe Interleukin 4, 5 und 13 sind dauerhaft überaktiv. Das ist keine akademische Feinheit, sondern die Grundlage der modernen Therapie – nahezu alle wirksamen Medikamente greifen in genau diesen Entzündungsweg ein.

Österreich, ISAAC-Kriterien 4,4–6,4 % der Kinder und Jugendlichen
Weltweit, alle Altersgruppen (GBD 2021) 260 Mio. Menschen mit Asthma
Kinder weltweit (GBD 2021) 95,7 Mio. betroffene Kinder
Anteil mit Allergie-Komponente 60–80 % der asthmakranken Kinder

Ätiologie und Krankheitsentstehung

Wie eine Allergie zu Asthma wird

Am Anfang steht die Sensibilisierung. Beim ersten intensiven Allergenkontakt – etwa mit dem Kotpartikel einer Hausstaubmilbe – nehmen dendritische Zellen der Bronchialschleimhaut das Eiweiß auf und präsentieren es T-Helferzellen. Bei atopisch veranlagten Kindern entstehen daraus bevorzugt Th2-Zellen, die Interleukin 4 und 13 ausschütten und B-Zellen veranlassen, allergenspezifisches Immunglobulin E (IgE) zu bilden. Dieses IgE setzt sich auf Mastzellen fest. Das Kind ist nun sensibilisiert, hat aber noch keine Symptome.

Bei jedem weiteren Kontakt vernetzt das Allergen die IgE-Moleküle auf der Mastzelle. Binnen Minuten werden Histamin, Leukotriene und Prostaglandine frei: Die Bronchialmuskulatur kontrahiert, die Schleimhaut schwillt an – die Sofortreaktion, klinisch der akute Anfall. Vier bis zwölf Stunden später folgt die Spätreaktion: Interleukin 5 lockt eosinophile Granulozyten in die Bronchialwand, die Entzündung verstetigt sich. Das erklärt, warum ein Kind nach Pollenkontakt am Nachmittag oft erst in der Nacht richtig Beschwerden bekommt. Hält die Entzündung über Jahre an, kommt es zum Airway Remodeling, einem bindegewebigen Umbau der Bronchialwand mit verdickter Basalmembran und teilweise irreversibler Einengung. Er beginnt bereits im Vorschulalter und ist das stärkste Argument dafür, eine entzündungshemmende Therapie nicht aufzuschieben.

Genetische Veranlagung

Vererbt wird nicht das Asthma selbst, sondern die Atopieneigung: die Bereitschaft des Immunsystems, gegen harmlose Umweltstoffe IgE zu bilden. Ohne familiäre Belastung liegt das Risiko eines Kindes bei etwa 5 bis 15 Prozent. Ist ein Elternteil Allergiker, steigt es grob auf das Doppelte; sind beide Eltern von derselben allergischen Erkrankung betroffen, werden Risiken von 60 bis 80 Prozent genannt. Genomweite Studien haben über hundert Risikogenorte identifiziert, darunter die besonders eng mit früh beginnendem kindlichem Asthma verknüpfte Region 17q21 (ORMDL3/GSDMB) sowie Varianten in den Genen für Interleukin 33 und Filaggrin.

Umwelt: Was das Risiko erhöht – und was schützt

Die Genetik allein erklärt die Häufigkeitszunahme der letzten Jahrzehnte nicht, dafür ging sie zu schnell. Belegt sind unter anderem folgende Einflüsse:

  • Tabakrauch: Rauchen in der Schwangerschaft und Passivrauch nach der Geburt gehören zu den am besten belegten vermeidbaren Risikofaktoren; das Risiko für obstruktive Bronchitiden im Kleinkindalter steigt etwa auf das Doppelte. E-Zigaretten und Wasserpfeifen sind keine harmlose Alternative.
  • Luftschadstoffe: Eine Analyse im Lancet Planetary Health (2019) schrieb dem verkehrsbedingten Stickstoffdioxid weltweit rund vier Millionen neue Asthmafälle bei Kindern pro Jahr zu – etwa 13 Prozent aller Neuerkrankungen.
  • Atemwegsinfekte: Schwere RSV- und Rhinovirus-Infektionen im ersten Lebensjahr erhöhen die spätere Asthmawahrscheinlichkeit deutlich. Ob sie Ursache oder Marker einer bereits empfindlichen Lunge sind, ist nicht endgültig geklärt.
  • Feuchtigkeit und Schimmel in der Wohnung sind mit erhöhter Asthmahäufigkeit assoziiert.
  • Bauernhof-Effekt: Kinder, die auf traditionell bewirtschafteten Höfen aufwachsen und rohe Kuhmilch trinken, erkranken deutlich seltener. Der Vergleich der US-amerikanischen Amish- und Hutterer-Gemeinschaften (NEJM 2016) zeigte bei nahezu identischem genetischem Hintergrund, dass Stallstaub das angeborene Immunsystem so prägt, dass allergisches Asthma weitgehend ausbleibt.
  • Übergewicht verschlechtert die Asthmakontrolle und erschwert die Diagnose, weil Belastungsatemnot auch durch die Kondition bedingt sein kann.

Der „atopische Marsch"

Viele Kinder durchlaufen eine typische Abfolge: Neurodermitis im Säuglingsalter, dann Nahrungsmittelallergien, später allergischer Schnupfen und schließlich Asthma im Schulalter. Diese Sequenz ist kein Naturgesetz – längst nicht jedes Kind mit Ekzem bekommt Asthma –, aber sie erklärt, warum die Kinderärztin bei einem Säugling mit ausgeprägter Neurodermitis besonders aufmerksam auf die Atemwege achtet.

Epidemiologie: Zahlen und Ländervergleich

Österreich

Für Österreich existiert keine laufende bundesweite Asthmaregistrierung bei Kindern; die Datenlage stützt sich auf regionale ISAAC-Erhebungen, die LEAD-Studie und Auswertungen der Fachgesellschaften. Nach ISAAC-Kriterien liegt die Asthmaprävalenz bei österreichischen Kindern und Jugendlichen bei 4,4 bis 6,4 Prozent. In der niederösterreichischen ISAAC-Phase-III-Erhebung an Erstklässlern (Mai/Juni 2008) gaben 4,7 Prozent der Eltern an, ihr Kind habe jemals Asthma gehabt. Klinisch tätige Expertinnen und Experten schätzen den Anteil betroffener Volksschulkinder höher ein, teils auf rund zehn Prozent – die Differenz erklärt sich durch unterschiedliche Falldefinitionen (Symptomfragebogen versus Arztdiagnose).

Bemerkenswert ist der Trend: Innerhalb von knapp zehn Jahren nahm die Zahl asthmatischer Volksschulkinder in den österreichischen ISAAC-Vergleichserhebungen um rund 16 Prozent zu, bei den 12- bis 14-Jährigen um rund 32 Prozent. Der Masterplan 2025 der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie rechnet mit weiter steigendem Versorgungsbedarf bei respiratorischen Erkrankungen. Einzelne heimische Lungenfachleute halten – bei unverändertem Verlauf von Klimaerwärmung, verlängerter Pollensaison und Luftbelastung – bis 2050 einen Anteil von bis zu 25 Prozent asthmakranker Kinder für möglich. Das ist eine Warnprojektion, keine gemessene Zahl.

Österreich, ISAAC Niederösterreich 2008 4,7 % Erstklässler „jemals Asthma"
Zunahme 12–14-Jährige, ca. 10 Jahre +32 % ISAAC-Vergleichserhebungen
Weltweit, 13–14-Jährige (GAN 2015–2020) 11,0 % aktuelle Asthmasymptome
Weltweit, 6–7-Jährige (GAN 2015–2020) 9,1 % aktuelle Asthmasymptome

Weltweite Zahlen

Die Global-Burden-of-Disease-Studie 2021 beziffert die Zahl der Menschen mit Asthma weltweit auf 260 Millionen (Unsicherheitsintervall 227–298 Millionen). Gegenüber 1990 (287 Millionen) ist das ein Rückgang um 9,3 Prozent, gegenüber dem Tiefpunkt 2005 (238 Millionen) jedoch wieder ein Anstieg. Die altersstandardisierte Prävalenzrate fiel zwischen 1990 und 2021 um 40 Prozent von 5.568 auf 3.340 Fälle pro 100.000 Einwohner – die absolute Fallzahl blieb hoch, weil die Weltbevölkerung wuchs. Auf Kinder entfielen 2021 rund 95,7 Millionen Fälle, die höchste Prävalenz zeigte die Altersgruppe der 5- bis 9-Jährigen.

Das Global Asthma Network befragte zwischen 2015 und 2020 über 450.000 Kinder, Jugendliche und Eltern in 63 Zentren aus 25 Ländern. Aktuelle Asthmasymptome fanden sich bei 11,0 Prozent der 13- bis 14-Jährigen und 9,1 Prozent der 6- bis 7-Jährigen; eine ärztliche Asthmadiagnose „jemals" bei 10,5 beziehungsweise 7,6 Prozent. Ernüchternd war der Versorgungsbefund: Bei etwa der Hälfte der betroffenen Kinder und Jugendlichen war das Asthma trotz Behandlung unzureichend kontrolliert, und jedes fünfte betroffene Kind erhielt überhaupt kein wirksames Asthmamedikament.

Länderbeispiele zur Einordnung

Die folgenden Angaben stammen aus ausländischen Erhebungen und dienen ausschließlich dem Vergleich – für die Versorgung in Österreich sind die heimischen Leitlinien maßgeblich.

Land/Region Größenordnung bei Kindern Anmerkung
Österreich 4,4–6,4 % (ISAAC-Kriterien) Klinische Schätzungen bis ~10 % bei Volksschulkindern
Deutschland rund 6 % Lebenszeitprävalenz (3–17 Jahre) KiGGS-Studie des Robert Koch-Instituts, Welle 2 (2014–2017)
USA rund 6 % aktuelles Asthma (unter 18 Jahren) CDC, National Health Interview Survey; deutliche soziale und ethnische Unterschiede
Vereinigtes Königreich über 1 Million Kinder in Behandlung Angabe von Asthma + Lung UK; europaweit hohe Symptomprävalenz
China Anstieg von ~1 % (1990) auf ~3 % (2010) in Städten Nationale Erhebungen zum Kindesasthma; starke Stadt-Land-Differenz
Indien meist im niedrigen einstelligen Prozentbereich ISAAC-/GAN-Zentren; Werte je nach Region stark schwankend
Japan rückläufiger Trend seit etwa 2010 Jährliche Schulgesundheitsstatistik; Hausstaubmilbe dominierendes Allergen
Südkorea Zunahme der Arztdiagnosen in den ISAAC-Erhebungen 1995–2010 Feinstaubbelastung und Urbanisierung als diskutierte Treiber

Der auffälligste Befund der internationalen Vergleiche ist die enorme Spannweite zwischen einzelnen Studienzentren: Zwischen den Zentren mit den niedrigsten Werten – häufig in Süd- und Ostasien – und jenen mit den höchsten, meist in Lateinamerika, Ozeanien und Nordwesteuropa, liegt ein Faktor von rund zehn. Da genetische Unterschiede eine solche Spanne nicht erklären, gilt sie als starkes Indiz für die Bedeutung von Lebensstil, Wohnverhältnissen und Umweltbelastung.

Zum Geschlechterverhältnis: Vor der Pubertät sind Buben etwa eineinhalb- bis zweimal so häufig betroffen wie Mädchen, unter anderem wegen ihrer im Verhältnis engeren Atemwege. Nach der Pubertät kehrt sich das Verhältnis um – im Erwachsenenalter überwiegen Frauen.

Symptome und Verlauf

Die vier Leitsymptome

  • Husten: meist trocken und quälend, typischerweise nachts, in den frühen Morgenstunden, bei Anstrengung, Kaltluft oder Aufregung. Ein Husten, der über acht Wochen anhält oder immer wieder nach demselben Muster zurückkehrt, gehört abgeklärt.
  • Giemen und Pfeifen (Wheezing): ein hohes, pfeifendes Geräusch vor allem beim Ausatmen. Es entsteht, wenn Luft durch verengte Bronchien gepresst wird.
  • Atemnot: Das Kind bekommt „nicht genug Luft heraus". Die Ausatmung ist verlängert und mühsam – anders als bei einer verstopften Nase, wo die Einatmung stört.
  • Brustenge: Jüngere Kinder beschreiben das oft als Bauchweh oder als „ein Stein auf der Brust".

Nicht jedes Kind zeigt alle vier Zeichen. Eine relevante Minderheit hat ausschließlich chronischen Reizhusten – das sogenannte Husten-Asthma –, was die Diagnose oft verzögert.

Altersabhängige Besonderheiten

Säuglinge und Kleinkinder (0–3 Jahre): Hier dominieren obstruktive Bronchitiden im Rahmen von Virusinfekten. Etwa jedes dritte Kind hat bis zum dritten Geburtstag mindestens eine solche Episode – die meisten davon entwickeln kein Asthma. Warnzeichen für ein tatsächliches Asthma sind Beschwerden auch zwischen den Infekten, Ekzem, familiäre Belastung und ein Ansprechen auf asthmaspezifische Medikamente.

Vorschulkinder (3–5 Jahre): Erste allergische Sensibilisierungen werden nachweisbar, meist gegen Hausstaubmilben und Katze. Symptome treten zunehmend auch ohne Infekt auf.

Schulkinder (6–12 Jahre): Das klassische allergische Muster. Saisonale Abhängigkeit wird erkennbar, Belastungsasthma fällt im Turnunterricht auf. Kinder können jetzt Lungenfunktionstests zuverlässig mitmachen. Charakteristisch ist auch die Häufung von Anfällen zwei bis drei Wochen nach Schulbeginn im September, wenn Rhinoviren zirkulieren.

Jugendliche: Das größte Problem ist nicht die Biologie, sondern die Therapietreue. Etwa die Hälfte der verordneten Basistherapie wird tatsächlich genommen. Rauchen, Scham vor Gleichaltrigen und das Gefühl, „es ist ja eh besser geworden", führen regelmäßig zu Verschlechterungen. Abzugrenzen sind funktionelle Atemstörungen und eine Stimmbanddysfunktion, die Asthma täuschend ähnlich sein können.

Notfall: Wann Sie sofort Hilfe holen müssen

Rufen Sie die Rettung (144) oder fahren Sie unverzüglich in die nächste Kinderklinik, wenn Ihr Kind: nur noch in einzelnen Wörtern statt in ganzen Sätzen sprechen kann; blaue Lippen, Zunge oder Fingernägel hat (Zyanose); beim Atmen die Haut zwischen den Rippen, über dem Brustbein oder am Hals einzieht; sich aufrecht setzen muss und die Arme aufstützt; auffallend blass, schläfrig oder verwirrt wirkt; oder wenn das Notfallspray nach zwei Anwendungsversuchen im Abstand von 20 Minuten keine Besserung bringt. Ein plötzlich leiser werdender Brustkorb ohne Pfeifen ist kein gutes, sondern ein sehr schlechtes Zeichen – es bedeutet, dass kaum noch Luft bewegt wird.

Schweregradeinteilung

Kontrollgrad Kennzeichen (letzte 4 Wochen) Konsequenz
Gut kontrolliert Tagsymptome höchstens 2×/Woche, kein nächtliches Erwachen, keine Aktivitätseinschränkung, Bedarfsspray höchstens 2×/Woche Therapie beibehalten, ggf. nach 3 Monaten Reduktion prüfen
Teilweise kontrolliert Ein bis zwei der genannten Kriterien nicht erfüllt Inhalationstechnik und Adhärenz prüfen, dann Therapiestufe erhöhen
Unkontrolliert Drei bis vier Kriterien nicht erfüllt Therapieanpassung, Auslösersuche, fachärztliche Vorstellung
Exazerbation Akute Verschlechterung mit Bedarf an systemischem Kortison, Notfallambulanz oder Spitalsaufnahme Notfallplan aktivieren, danach Therapie grundsätzlich überprüfen

Diagnostik in der Ordination

Anamnese – das wichtigste Instrument

Kein Gerät ersetzt das strukturierte Gespräch. Die Kinderärztin fragt nach dem zeitlichen Muster (nachts, bei Anstrengung, saisonal), nach Auslösern, nach der familiären Belastung mit Asthma, Heuschnupfen und Neurodermitis, nach Rauchen im Haushalt, Haustieren, Feuchtigkeit in der Wohnung sowie nach Fehlzeiten in Schule oder Kindergarten. Sinnvoll ist es, vor dem Termin zwei bis drei Wochen lang kurz zu notieren, wann Beschwerden auftraten. Ein kurzes Handyvideo eines nächtlichen Hustenanfalls oder des pfeifenden Atmens ist oft aussagekräftiger als jede Beschreibung.

Körperliche Untersuchung

Abgehört werden Giemen, Brummen und ein verlängertes Exspirium. Wichtig: Zwischen den Episoden ist die Lunge oft völlig unauffällig – ein normaler Auskultationsbefund schließt Asthma keinesfalls aus. Beurteilt werden außerdem Atemfrequenz, Einziehungen, Nasenschleimhaut (allergische Rhinitis), Haut (Ekzem) sowie Wachstum und Gewicht.

Lungenfunktion

Die Spirometrie ist ab etwa fünf bis sechs Jahren durchführbar. Gemessen wird vor allem die Einsekundenkapazität (FEV1) und deren Verhältnis zur Vitalkapazität. Entscheidend ist der Bronchospasmolysetest: Steigt der FEV1 nach Inhalation eines schnell wirksamen Bronchodilatators um mindestens 12 Prozent, gilt die Obstruktion als reversibel – ein starkes Argument für Asthma. Sind die Werte im beschwerdefreien Intervall normal, kann eine Provokation weiterhelfen, bei Kindern meist als standardisierter Laufbelastungstest: Ein Abfall des FEV1 um mindestens 10 bis 12 Prozent nach Belastung belegt eine Anstrengungsobstruktion. Bei Kleinkindern kommen alternative Verfahren wie die Impuls-Oszillometrie zum Einsatz, die keine Mitarbeit erfordert.

FeNO – Entzündung sichtbar machen

Die Messung des Stickstoffmonoxids in der Ausatemluft (FeNO) bildet die eosinophile Typ-2-Entzündung ab. Bei Kindern gelten Werte unter 20 ppb als niedrig, über 35 ppb als deutlich erhöht. Ein hoher FeNO-Wert spricht für ein gutes Ansprechen auf inhalative Kortikosteroide; ein plötzlicher Anstieg unter laufender Therapie deutet oft schlicht darauf hin, dass die Medikamente nicht genommen werden.

Allergiediagnostik

  • Pricktest: Standardverfahren, in wenigen Minuten durchführbar, Ablesung nach 15 bis 20 Minuten. Antihistaminika müssen einige Tage vorher pausiert werden.
  • Spezifisches IgE im Blut: Alternative bei ausgedehntem Ekzem, Dermografismus oder wenn Antihistaminika nicht abgesetzt werden können.
  • Molekulare Allergiediagnostik: Bestimmt IgE gegen einzelne Allergenkomponenten (etwa Der p 1 und Der p 23 bei Hausstaubmilbe, Bet v 1 bei Birke). Sie ist besonders vor einer geplanten Immuntherapie wertvoll, weil sie echte Sensibilisierungen von Kreuzreaktionen trennt.

Sensibilisierung ist nicht gleich Allergie

Ein positiver Test beweist nur, dass Antikörper vorhanden sind. Krankheitswert hat der Befund erst, wenn er zur Krankengeschichte passt. Ein Kind mit positivem Birkentest, das im April beschwerdefrei ist, hat keine behandlungsbedürftige Birkenpollenallergie. Therapieentscheidungen – etwa die Abschaffung eines Haustiers – dürfen niemals allein auf einem Testergebnis beruhen.

Weiterführende Untersuchungen

Ein Röntgenbild des Brustkorbs dient nur dem Ausschluss anderer Ursachen, etwa eines eingeatmeten Fremdkörpers oder einer Fehlbildung. Bei untypischem Verlauf – Symptombeginn in den ersten Lebensmonaten, Gedeihstörung, chronisch eitrigem Auswurf, Trommelschlägelfingern – muss an Mukoviszidose (in Österreich Teil des Neugeborenen-Screenings), primäre ziliäre Dyskinesie, Immundefekte oder eine Refluxerkrankung gedacht werden.

Behandlung und Heilungsaussichten

Das Behandlungsziel ist klar definiert: keine Beschwerden am Tag, kein Aufwachen in der Nacht, volle Belastbarkeit im Sport, kein oder minimaler Bedarf an Notfallspray, keine Exazerbationen – und all das mit der geringstmöglichen Medikamentenmenge. Die Behandlung folgt einem Stufenschema, das regelmäßig überprüft und in beide Richtungen angepasst wird.

Die zwei Medikamentengruppen

Eltern sollten den Unterschied kennen, weil daran fast jede Fehlbehandlung hängt:

  • Controller (Basistherapie, „Dauermedikament"): wirkt entzündungshemmend, wird täglich genommen, auch wenn es dem Kind gut geht. Er wirkt nicht im Anfall.
  • Reliever (Bedarfsmedikament, „Notfallspray"): erweitert innerhalb von Minuten die Bronchien und beendet die Beschwerden – bekämpft aber die zugrunde liegende Entzündung nicht.

Wer nur den Reliever benutzt, fühlt sich kurzfristig besser und lässt die Entzündung ungebremst weiterlaufen. Ein hoher Verbrauch an reinem Bronchialerweiterer – mehr als eine Packung in drei Monaten – ist ein anerkannter Risikomarker für schwere Anfälle.

Inhalative Kortikosteroide (ICS): das Fundament

Budesonid, Fluticason, Beclometason und Ciclesonid hemmen die Entzündung direkt in der Bronchialschleimhaut. Sie sind die einzigen Substanzen, die nachweislich Exazerbationen verhindern, die Lungenfunktion erhalten und die Sterblichkeit senken. Die Dosis ist im Vergleich zu Kortisontabletten winzig, und der größte Teil wirkt lokal. Zwei Nebenwirkungen sind praktisch relevant: Mundsoor und Heiserkeit – beides lässt sich durch einen Spacer sowie Mundspülen oder Essen und Trinken nach der Inhalation weitgehend vermeiden. Zum Wachstum gibt es belastbare Langzeitdaten: In der US-amerikanischen CAMP-Studie führte eine mehrjährige ICS-Behandlung im Kindesalter zu einer im Mittel um etwa 1,2 Zentimeter geringeren Endgröße als Erwachsener. Diesem geringen, einmaligen Effekt steht das erheblich größere Wachstumsrisiko eines schlecht kontrollierten Asthmas gegenüber – das die Endgröße ebenfalls beeinträchtigt und zusätzlich wiederholte Kortisonstöße erzwingt.

Beta-2-Sympathomimetika

Kurzwirksame Präparate (SABA, etwa Salbutamol) entspannen binnen fünf Minuten die Bronchialmuskulatur; die Wirkung hält vier bis sechs Stunden. Typische Nebenwirkungen sind Herzklopfen und feines Zittern der Hände – unangenehm, aber harmlos. Langwirksame Präparate (LABA, etwa Formoterol, Salmeterol) wirken bis zu zwölf Stunden und dürfen bei Kindern ausschließlich in fixer Kombination mit einem ICS gegeben werden, niemals allein.

Was sich in den aktuellen Leitlinien geändert hat

Die international maßgebliche GINA-Strategie empfiehlt in ihrem aktualisierten Bericht (Stand 2025) als bevorzugten Weg („Track 1") eine antiinflammatorische Bedarfstherapie: Statt eines reinen Bronchialerweiterers wird bei Bedarf eine Kombination aus niedrig dosiertem ICS und Formoterol inhaliert. Gegenüber der klassischen SABA-Bedarfstherapie sinkt die Rate schwerer Exazerbationen dadurch um etwa 60 bis 65 Prozent. Bei Kindern ab zwölf Jahren ist dieses Konzept – auch als MART-Schema bekannt, bei dem ein Inhalator zugleich Basis- und Bedarfstherapie ist – gut etabliert; für die Altersgruppe 6 bis 11 Jahre gelten eigene, altersangepasste Dosierungen. Welches Schema für Ihr Kind passt, entscheidet die behandelnde Ärztin.

Weitere Medikamente

  • Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten (Montelukast): als Tablette oder Granulat gut geeignet für Kinder, die nicht inhalieren wollen, sowie bei Belastungsasthma und begleitendem Heuschnupfen. Wirksamer als Placebo, aber schwächer als ICS. Wichtig: Sowohl die US-amerikanische FDA (2020) als auch die europäische Arzneimittelagentur haben auf neuropsychiatrische Nebenwirkungen hingewiesen – Albträume, Reizbarkeit, Angst, Stimmungsschwankungen. Solche Veränderungen sollten Eltern der Ärztin unbedingt melden.
  • Langwirksame Anticholinergika (Tiotropium): Zusatzoption ab sechs Jahren, wenn ICS/LABA nicht ausreichen.
  • Orale Kortikosteroide: im akuten schweren Anfall über drei bis fünf Tage unverzichtbar und lebensrettend. Als Dauertherapie bei Kindern nur in Ausnahmefällen und unter fachärztlicher Führung, da wiederholte Stöße Knochendichte, Wachstum und Blutzucker beeinflussen.
  • Biologika: monoklonale Antikörper für schweres, trotz korrekt durchgeführter Stufe-4/5-Therapie unkontrolliertes Asthma. Omalizumab fängt freies IgE ab und ist ab sechs Jahren bei schwerem allergischem Asthma zugelassen. Mepolizumab richtet sich gegen Interleukin 5 und damit gegen die eosinophile Entzündung, ebenfalls ab sechs Jahren. Dupilumab blockiert den gemeinsamen Rezeptorabschnitt von Interleukin 4 und 13 und wirkt zusätzlich auf Neurodermitis und Nasenpolypen. Tezepelumab setzt weiter oben in der Entzündungskaskade an und ist ab zwölf Jahren zugelassen. Die Jahrestherapiekosten liegen im fünfstelligen Bereich; die Verordnung erfolgt an spezialisierten Zentren nach klar definierten Kriterien, in Österreich mit chefärztlicher Bewilligung.

Richtig inhalieren – der unterschätzte Hebel

Untersuchungen zeigen, dass ein großer Teil der Kinder und Eltern beim Inhalieren mindestens einen entscheidenden Fehler macht. Häufig ist die vermeintliche Therapieresistenz in Wahrheit ein Anwendungsproblem. Merksätze:

  • Dosieraerosole bei Kindern immer mit Spacer (Vorschaltkammer) verwenden – bis etwa vier Jahre mit dicht sitzender Maske, danach mit Mundstück.
  • Nur einen Hub pro Kammerfüllung, dann fünf bis zehn ruhige Atemzüge; nicht mehrere Hübe hintereinander in die Kammer sprühen.
  • Spacer regelmäßig in lauwarmem Spülmittelwasser reinigen und an der Luft trocknen lassen, nicht abreiben – sonst zieht statische Aufladung den Wirkstoff an die Wand.
  • Pulverinhalatoren erfordern einen kräftigen, tiefen Zug und sind erst ab etwa fünf bis sechs Jahren sinnvoll.
  • Lassen Sie sich die Technik bei jedem Kontrolltermin vorzeigen und korrigieren.

Allergen-Immuntherapie (Hyposensibilisierung)

Sie ist das einzige Verfahren, das ursächlich in den allergischen Prozess eingreift. Über drei Jahre wird das Allergen – subkutan als Spritze oder sublingual als Tropfen beziehungsweise Schmelztablette – in steigender und dann konstanter Dosis verabreicht, bis das Immunsystem Toleranz entwickelt. Sinnvoll ist sie bei klarer Übereinstimmung von Beschwerden und Sensibilisierung gegen wenige Allergene, üblicherweise ab etwa fünf Jahren und nur bei stabilem, kontrolliertem Asthma. Für die Hausstaubmilben-Sublingualtablette wurde in einer großen Studie eine signifikante Verringerung von Verschlechterungen bei Reduktion der Kortisondosis gezeigt. Ob eine Immuntherapie bei Kindern mit reinem Heuschnupfen die spätere Asthmaentstehung verhindert, ist nicht abschließend geklärt: Die kontrollierte GAP-Studie mit einer Gräsertablette verfehlte den primären Endpunkt einer geringeren Asthmadiagnoserate, zeigte aber weniger Asthmasymptome und geringeren Medikamentenverbrauch.

Was Eltern selbst tun können

  • Rauchfreie Wohnung und rauchfreies Auto – die wirksamste einzelne Maßnahme, die in Ihrer Hand liegt. Rauchen auf dem Balkon genügt nicht ganz, hilft aber deutlich.
  • Schriftlicher Notfallplan: Lassen Sie sich einen Aktionsplan ausstellen, der in einfachen Worten festhält, was bei Verschlechterung zu tun ist. Eine Kopie gehört in Kindergarten oder Schule, gemeinsam mit dem Notfallspray und der schriftlichen Erlaubnis zur Anwendung.
  • Milbenreduktion: Encasings für Matratze, Decke und Polster, Bettwäsche wöchentlich bei 60 Grad, Raumtemperatur im Schlafzimmer unter 20 Grad, Luftfeuchtigkeit unter 50 Prozent, Kuscheltiere regelmäßig waschen oder einfrieren. Einzelmaßnahmen allein haben in Cochrane-Auswertungen enttäuscht – wirksam ist nur ein konsequentes Gesamtpaket bei nachgewiesener Milbenallergie.
  • Pollen: Der Polleninformationsdienst liefert für Österreich regionale Vorhersagen. Abends duschen und Haare waschen, Straßenkleidung nicht ins Schlafzimmer, in der Hauptsaison nachts lüften statt tagsüber.
  • Sport nicht meiden, sondern ermöglichen: Zehn bis fünfzehn Minuten Aufwärmen reduziert die Anstrengungsobstruktion erheblich; bei Bedarf wird das Bedarfsspray 10 bis 15 Minuten vor dem Sport eingesetzt. Kinder mit gut eingestelltem Asthma sollen am Turnunterricht voll teilnehmen.
  • Impfungen: Der Österreichische Impfplan empfiehlt die jährliche Influenza-Impfung für Kinder; seit der Saison 2023/24 gibt es dafür ein kostenfreies Kinderimpfprogramm. Auch der Pneumokokken-Schutz und – für Säuglinge – die RSV-Prophylaxe sind bei Kindern mit chronischer Atemwegserkrankung besonders wichtig.
  • Schulung: Strukturierte Asthmaschulungen für Kinder und Eltern verbessern nachweislich Symptomkontrolle und Selbstsicherheit. Fragen Sie in der Ordination nach Angeboten; bei schwierigen Verläufen kommt eine stationäre Kinderrehabilitation infrage.

Komplementäre Verfahren

Atemtherapie und Physiotherapie können Atemtechnik, Haltung und Umgang mit Atemnot verbessern und werden ergänzend empfohlen. Für Homöopathie, Akupunktur, Bioresonanz oder Nahrungsergänzungen fehlt bei kindlichem Asthma ein überzeugender Wirksamkeitsnachweis. Als Ergänzung sind sie tolerierbar, als Ersatz für die Basistherapie gefährlich. Von Salzhöhlen als Asthmatherapie ist ebenso wenig ein Nutzen belegt wie von Luftreinigern ohne nachgewiesene Allergenbelastung.

Ländervergleiche: Behandlungsstandards

Land/Region Maßgebliche Leitlinie Besonderheit
Österreich GINA-Strategie, Empfehlungen der ÖGP und der pädiatrischen Fachgesellschaften Versorgung durch Kinderarzt und Lungenfacharzt; Biologika nur an Zentren mit Bewilligung
Deutschland Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma; AWMF-S1-Leitlinie zum schweren Asthma bei Kindern (2025) Strukturierte Disease-Management-Programme mit verpflichtender Schulung
Vereinigtes Königreich Gemeinsame Leitlinie von NICE, BTS und SIGN (2024) Starke Betonung objektiver Messung (FeNO, Spirometrie) vor Therapiebeginn
USA NAEPP Expert Panel Report Update (2020), ergänzt durch GINA SMART-Konzept mit ICS/Formoterol als Basis- und Bedarfstherapie
Japan, China, Südkorea Nationale Leitlinien, weitgehend an GINA angelehnt Japan mit eigener pädiatrischer Leitlinie; in China und Indien werden traditionelle Verfahren häufig parallel genutzt

Prognose und Langzeitperspektiven

Die Aussichten sind insgesamt gut. Ein erheblicher Teil der Kinder – je nach Kohorte etwa 30 bis 50 Prozent – ist im jungen Erwachsenenalter beschwerdefrei. Vollständig „verschwunden" ist die Erkrankung damit aber oft nicht: Die bronchiale Überempfindlichkeit bleibt häufig messbar bestehen, und Rückfälle nach Jahren der Beschwerdefreiheit sind möglich, besonders bei Rauchbeginn, in der Schwangerschaft oder bei starker beruflicher Staubexposition.

Günstig für die Prognose sind ein milder Verlauf, wenige Sensibilisierungen, gute Lungenfunktion und ein rauchfreies Umfeld. Ungünstig wirken ein früher Beginn mit anhaltenden Beschwerden, mehrfache ganzjährige Allergien, ausgeprägte Neurodermitis, schwere Exazerbationen mit Spitalsaufnahme und – am gravierendsten – eine nicht durchgeführte Basistherapie.

Ein Punkt verdient Aufmerksamkeit: In der CAMP-Kohorte zeigte der überwiegende Teil der Kinder mit persistierendem Asthma ein von der Norm abweichendes Lungenwachstum; ein Teil erfüllte bereits im frühen Erwachsenenalter die Kriterien einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung. Die Lunge wächst bis etwa zum 20. Lebensjahr – dieses Fenster lässt sich nicht nachholen. Genau darin liegt der Wert einer frühen, konsequenten Entzündungskontrolle.

Vorbeugung

Eine Garantie gibt es nicht, aber mehrere Ansätze sind gut belegt:

  • Rauchfreiheit in Schwangerschaft und Kindheit – die wichtigste Einzelmaßnahme.
  • Stillen: Ausschließliches Stillen in den ersten vier bis sechs Monaten wird empfohlen; es senkt die Zahl obstruktiver Bronchitiden im Kleinkindalter.
  • Keine Diät-Karenz „auf Verdacht": Weder in der Schwangerschaft noch beim Kind soll wegen eines vermuteten Allergierisikos auf Lebensmittel verzichtet werden. Beikost soll ab dem fünften bis siebten Monat schrittweise eingeführt werden – frühes Meiden schützt nicht, sondern kann Allergien begünstigen.
  • Neurodermitis früh und konsequent behandeln: Eine intakte Hautbarriere gilt als Ansatzpunkt, um den atopischen Marsch zu bremsen.
  • Schimmel und Feuchtigkeit sanieren, statt nur zu überstreichen.
  • Impfungen laut Österreichischem Impfplan vollständig durchführen – Infektionen sind einer der häufigsten Anfallsauslöser.
  • Haustiere: Die Datenlage ist uneinheitlich. Bei bereits bestehender, nachgewiesener Tierhaarallergie mit Symptomen ist die Trennung sinnvoll; prophylaktisch auf ein Haustier zu verzichten, ist nicht generell begründet. Besprechen Sie das individuell.

Häufige Elternfragen

Ist allergisches Asthma heilbar?

Im Sinne einer endgültigen Heilung nein. Aber es lässt sich in aller Regel so gut kontrollieren, dass Ihr Kind beschwerdefrei lebt, und bei einem großen Teil der Kinder verlieren sich die Symptome bis zum Erwachsenenalter. Die Allergen-Immuntherapie ist das einzige Verfahren, das die Krankheitsursache selbst beeinflusst.

Macht Kortison mein Kind dick oder klein?

Inhaliertes Kortison in üblicher Dosis führt weder zu Gewichtszunahme noch zu Vollmondgesicht – das sind Effekte hoher Tablettendosen über lange Zeit. Auf die Endgröße wirkt die Inhalationstherapie geringfügig: In der besten verfügbaren Langzeitstudie waren behandelte Kinder als Erwachsene im Mittel rund 1,2 Zentimeter kleiner. Unbehandeltes Asthma beeinträchtigt Wachstum und Lungenentwicklung stärker.

Kann mein Kind trotz Asthma Leistungssport betreiben?

Ja. Zahlreiche Spitzensportlerinnen und -sportler, darunter Olympiasieger im Schwimmen und im Ausdauerbereich, haben Asthma. Wichtig sind gute Kontrolle, ausreichendes Aufwärmen und im Wettkampfsport die Beachtung der Anti-Doping-Bestimmungen für bestimmte Präparate.

Woran erkenne ich, dass die Therapie nicht ausreicht?

An vier Alarmzeichen: nächtliches Aufwachen wegen Husten oder Atemnot, Bedarfsspray häufiger als zweimal pro Woche, Vermeidung von Sport oder Toben, sowie mehr als eine Kortisonstoßtherapie pro Jahr. Trifft eines davon zu, vereinbaren Sie einen Kontrolltermin.

Was ist mit Klima- oder Höhentherapie?

In Höhenlagen über etwa 1.500 Metern und an der Nordsee ist die Milben- und Pollenbelastung sehr gering, was vielen Kindern spürbar hilft. Als mehrwöchige Rehabilitationsmaßnahme bei schwierigen Verläufen ist das eine sinnvolle Ergänzung, ersetzt aber die Dauertherapie zu Hause nicht.

Darf mein Kind schwimmen gehen?

Ja, Schwimmen ist wegen der warmen, feuchten Luft besonders gut verträglich. Bei einzelnen Kindern reizen Chlornebengase in Hallenbädern die Atemwege – dann helfen gut belüftete Bäder oder Freibäder.

Muss die Schule Bescheid wissen?

Unbedingt. Lehrkräfte und Kindergartenpädagoginnen sollten den Notfallplan kennen, wissen, wo das Bedarfsspray liegt, und die Erlaubnis haben, es anzuwenden. Schülerinnen und Schüler sollen ihr Spray ab dem Schulalter selbst bei sich tragen dürfen.

Wie oft sind Kontrollen nötig?

Nach Neueinstellung oder Therapieänderung nach etwa vier bis acht Wochen, bei stabiler Situation alle drei bis sechs Monate, mindestens aber einmal jährlich mit Lungenfunktion. Bringen Sie zu jedem Termin alle Inhalationsgeräte mit.

Quellen und Leitlinien

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  • Global Asthma Network: The Global Asthma Report 2022. globalasthmareport.org
  • García-Marcos L et al.: The burden of asthma, hay fever and eczema in children in 25 countries – GAN Phase I. European Respiratory Journal 2022;60:2102866.
  • GBD 2021 Collaborators: Global burden of asthma and atopic dermatitis 1990–2021, with projections to 2050. The Lancet Respiratory Medicine 2025.
  • Weltgesundheitsorganisation (WHO): Fact Sheet Asthma. who.int
  • Land Niederösterreich: Zur Häufigkeit und zum Schweregrad von Asthma bronchiale – ISAAC-Studie Niederösterreich. noe.gv.at
  • Land Steiermark: ISAAC-Bericht Steiermark 2010. gesundheit.steiermark.at
  • Österreichische Gesellschaft für Pneumologie: Masterplan 2025. Wiener klinische Wochenschrift 2020.
  • Ludwig Boltzmann Institut für Lungengesundheit: LEAD-Studie, Wien, seit 2012.
  • Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs: Asthma bronchiale. gesundheit.gv.at
  • Sozialministerium: Österreichischer Impfplan, aktuelle Ausgabe. sozialministerium.at
  • Bundesärztekammer, KBV, AWMF: Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma. leitlinien.de
  • AWMF-Leitlinie 026-027: Management von schwierigem und schwerem Asthma bei Kindern und Jugendlichen, Stand September 2025.
  • NICE, British Thoracic Society und SIGN: Asthma – diagnosis, monitoring and chronic asthma management, 2024.
  • Centers for Disease Control and Prevention (CDC): Most Recent National Asthma Data. cdc.gov
  • Robert Koch-Institut: KiGGS – Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland, Welle 2. rki.de
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  • U.S. Food and Drug Administration: Drug Safety Communication zu Montelukast, März 2020. fda.gov
  • Cochrane Airways Group: House dust mite avoidance measures for asthma. cochranelibrary.com

Wichtiger Hinweis

Dieser Ratgeber vermittelt allgemeine Informationen zum allergischen Asthma bei Kindern und ersetzt weder die Untersuchung noch die individuelle Beratung durch Ihre Kinderärztin oder Ihren Kinderarzt. Ändern Sie eine bestehende Asthmatherapie niemals eigenmächtig. Bei akuter schwerer Atemnot wählen Sie in Österreich die Notrufnummer 144.