Tube

Die Verbindung zum Mitlelohr wird über die Tube (Tu­ba auditiva. Eustachische Röhre) hergestellt. Sie dient der Drainage und der Belüftung des Mittelohrs. Die beim Erwachsenen etwa 35 mm lange Tube teilt sich in die Pars ossea (beim Kleinkind etwa zwei Drittel der Länge) und die Pars cartilagínea (beim Kind etwa ein Drittel der Länge). Die Verbindung der beiden Anteile, der Isthmus tubae, ist die engste Stelle. Der Knorpel der Pars cartilagínea erscheint im Querschnitt als eine nach unten lateral offene Rinne und wird durch die Lamina membranácea zur Rinne vervollständigt. Durch den Zug des Musculus tensor veli palatini, der an der Lamina membranácea inseriert und von einem Ast des Nervus mandibularis innerviert wird, öffnet sich die Tube.

Die Tube beim Kind ist im Vergleich zum Erwachsenen kür­zer und mehr horizontal gestellt. Dies wird von einigen Autoren als eine der Ursachen für die höhere Inzidenz von Mittelohrentzündungen im Kindesalter angesehen, was bezweifelt werden kann. In der Tube befindet sich Flimmerepithel mit einem zum Nasopharynx gerichte­ten schnellen Zilienschlag. Das Erliegen der Zilienbewe-gung im Rahmen einer viralen Rhinopharyngitis dürfte wesentlich für aufsteigende Infektionen verantwortlich sein. Die Luft strömt leichter in Richtung Nasopharynx als umgekehrt, was die häufigeren Beschwerden im Flugzeug bei einem Landeanflug im Vergleich zum Ab­flug erklärt.

Die Funktion der Tube liegt also in einem Druckaus­gleich zwischen Mittelohr und Gehörgang. Da im Na­senrachen, der ja mit der Umgebungsluft über die Na­senhaupthöhle in Verbindung steht, derselbe Luftdruck herrscht wie im Gehörgang, wird durch die Öffnung der Tube vor und hinter dem Trommelfell ein Druckaus­gleich hergestellt. Dieser Druckausgleich ist erforder­lich, um eine maximale Schwingungsfähigkeit des

Trommelfells zu gewährleisten. Ist diese Funktion ge­stört, erniedrigt sich die Fähigkeit des Trommelfells, Schall aufzunehmen (die Compliance sinkt) und die Schallreflexion erhöht sich (die Impedanz steigt). Die Tube darf sich aber nur kurzfristig öffnen und muss im Ruhezustand geschlossen sein, da es ansonsten zu als störend wahrgenommenen eigenen Atemgeräuschen und zu einer unangenehmen Autophonie beim Spre­chen kommt. Das Phänomen der offenen Tube beobach­tet man z.B. bei Kachexie oder Anorexie. Umgekehrt führt eine dauerhaft geschlossene Tube zu einer Tuben­ventilationsstörung mit unterschiedlichen Folgen. Die unmittelbare Folge ist ein Unterdruck im Mittelohr mit der Bildung eines Exsudates der Mittelohrschleimhaut, also einem Mittelohrerguss. Langfristig können sich ei­ne Retraktion des Trommelfells und bei ausgeprägten Fällen ein so genannter Adhäsivprozess bilden. Welchen Anteil die Tubenventilationsstörung an der Genese der chronischen mesotympanalen und epitympanalen Otitis media bzw. des Cholesteatoms hat, ist nicht zweifelsfrei erwiesen. Unter physiologischen Bedingungen erfolgt eine kurzfristige Öffnung der Tube durch Muskelzug des Musculus tensor veli palatini beim Schluckakt und in ge­ringerem Maße beim Erwachsenen auch durch Mitwir­kung des medial davon gelegenen Musculus levator veli palatini sowie durch den Musculus salpingopharyngeus. Ist die Funktion des Musculus tensor veli palatini einge­schränkt, wie es bei einer Gaumenspalte der Fall ist, so ergeben sich regelmäßig langfristige Probleme mit der Tubenventilation. Eine alternative Belüftung des Mittel­ohrs über eine Paukendrainage ist dann erforderlich.

 

Labyrinth Anatomie des Labyrinths

Das Labyrinth bzw. Innenohr teilt sich unter physiologi­schem Aspekf in das Hörorgan (Cochlea) und das Vcsti-bularorgan für das Gleichgewichtsempfinden, bestehend aus Vestibulum und Bogengängen. Aus anatomischer Sicht teilt es sich in eine äußere, kräftige knöcherne Kap­sel (Labyrinthus osseus). die zumindest beim Kind noch deutlich vom umgebenden spongiösen Knochen des üb­rigen Felsenbeins abzugrenzen ist. In Abbildung 5.4 ist das knöcherne Labyrinth von lateral gesehen darge­stellt.

Eingelagert in das Labyrinth befindet sich das häutige Labyrinth (Labyrinthus membranaceus). Der Raum zwischen knöchernem und häutigem Labyrinth ist mit Perilymphe gefüllt. Diese glasklare Flüssigkeit ist natri­umreich und kaliumarm. Die Perilymphe ist dem Liquor...

Auszug aus dem Werk: Pädiatrische HNO-Heilkunde mit freundlicher Genehmigung des Elsevier Verlags