Trommelfell

Das Trommelfell (Membrana tympani) als Grenze zwi­schen äußerem Gehörgang und Mittelohr ist eine mehr­schichtige, nach medial trichterförmig zulaufende Membran. Der horizontale Durchmesser beträgt 8-9 mm, der vertikale Durchmesser 8,5-10 mm. Die Größen unterschiede zwischen Kind und Erwachsenem sind unwesentlich. Die gesamte Oberfläche beträgt 85 mnr, die funktionell wirksame Fläche 55 mm2, die Dicke 0,7 mm. Das Trommelfell wird anatomisch einge­teilt in die Pars tensa und die kranial liegende Pars flac-cida. Diese Einteilung ist auch von klinischer und patho­logischer Relevanz bei der Beurteilung von chronischen Mittelohrentzündungen.

Eingebettet in das Trommelfell findet sich der Ham­mergriff (Manubrium mallei), aufgespannt wird das Trommelfell im Bereich der Pars tensa von einem Ring­band, dem Anulus fibrocartilagineus. Dieses Band liegt im Sulcus tympanicus, die so entstehende Verdickung am Rand der Pars tensa wird Limbus membranae tym­pani genannt, eine Struktur, die einer chronischen Schleimhautentzündung widersteht und nur bei Kerato­men, d.h. Cholesteatomen des Mittelohrs, zugrunde geht. Diese Anordnung am Übergang des Trommelfells zum äußeren Gehörgang stellt auch einen spitzen Win­kel am vorderen tympanomeatalen Übergang sicher. Ei­ne Abflachung dieses vorderen tympanomeatalen Win­kels, wie beim seltenen idiopathischen sog. „blunting" (engl, „blunt", stumpf) zu beobachten, reduziert die Compliance des Trommelfells erheblich mit der Folge einer nennenswerten Schallleitungsschwerhörigkeit. Im Bereich der Pars tensa finden sich von lateral nach medi­al folgende Schichten: Epidermis, radiäre Kollagenfaser-schicht, zirkuläre Kollagenfaserschicht, Mukosa. Subku-tis und Submukosa fehlen. Die gesamte Pars tensa wird in vier Quadranten eingeteilt, wobei der Hammergriff die Achse bildet, die den hinteren oberen und den vor­deren oberen Quadranten trennt. In der Mitte des Trommelfells befindet sich der Nabel (Umbo), der tiefs­te Punkt des trichterförmigen Trommelfells, der vom spateiförmig auslaufenden Ende des Hammergriffs ge­bildet wird. Abbildung 5.2 zeigt das Trommelfell, wie es bei der Otoskopie zu erkennen ist.

Die Pars flaccida (Shrapnellsche Membran), in der In-cisura tympanica (Rivinische Spalte) gelegen und kaudal von der Pars tensa durch die Prominentia mallearis und die Plicae mallearis anterior und posterior getrennt, zeigt einen anderen Aufbau: Es fehlen in diesem Anteil die beiden geordneten Kollagenfaserschichten, ebenso fehlt der Anulus fibrocartilagineus. Dies macht die Pars flaccida und den medial dazu liegenden Recessus me-branae tympani superior (Prussackscher Raum) zu einer Prädilektionsstelle Tür Retraktionstaschen bei einer chronischen Tubenbelüftungsstörung und zum Aus­gangspunkt für primäre Cholesteatome.

Die Blutversorgung des Trommelfells erfolgt von beiden Seiten, lateral und medial. Die kräftigsten Gefäße sind die Arteria manubrialis externa und interna, die das Manubrium von dorsal überkreuzen und unter dem Untersuchungsmikroskop noch gut zu erkennen sind. Das Trommelfell wird an seiner Außenfläche von Ästen des Nervus auriculotemporalis und des Ramus auricula-ris des Nervus vagus innerviert und ist äußerst empfind­lich. Die medial gelegene Mukosa ist, wie die gesamte Paukenhöhlenschleimhaut, über den Plexus tympanicus (N. VII, N. IX) innerviert.

Auszug aus dem Werk: Pädiatrische HNO-Heilkunde mit freundlicher Genehmigung des Elsevier Verlags