Intersubjektivität und Ziele einer gesunden Eltern-Kind-Beziehung

Es ist von Bedeutung, dass alle motivationalen Systeme in einen sozialen Kontext der Beziehungen von Interak­tionspartnern, meistens mehreren, eingegliedert sind und nicht isoliert existieren. Insofern bildet ein Netz von motivationalen Systemen die Grundlage, auf der inter­subjektive Erfahrungen des Säuglings mit allen motori­schen, kognitiven, sensorischen und affektiv-emotiona-len Inhalten stattfinden. Dies ist eine gute Vorausset­zung, damit im Laufe des ersten Lebensjahres eine ge­sunde Persönlichkeitsentwicklung des Säuglings beginnen kann, die sich dann über die Folgejahre diffe­renziert und weiter vervollständigt und entsprechend den wachsenden neuronalen Vernetzungen und Struk­turen stabilisiert (Rochat 2008).

Aus unserer Erfahrung ist die Entwicklung einer si­cheren Bindung zwischen Eltern und Kind eine sehr gu­te Voraussetzung, um auch die anderen motivationalen Systeme entsprechend zu fördern. Eine gesunde sichere Bindungsentwicklung setzt voraus, dass die Eltern so­wohl für die emotionalen Bedürfnisse ihrer Kinder als auch für die physiologischen Notwendigkeiten sensibili­siert werden. Dies geht am besten durch die Einübung von feinfühligem Interaktionsverhalten, das sich bereits frühzeitig während der Schwangerschaft durch Video-Interaktionstraining einüben lässt.

Eine weitere Voraussetzung für eine gesunde Ent­wicklung zwischen Eltern und Kind ist die Verarbeitung von elterlichen Traumatisierungen aus der eigenen Kindheitsgeschichte. Wir wissen aus vielfaltigen Unter­suchungen sowie klinischer Erfahrung, dass eigene, un­verarbeitete Traumatisierungen der Eltern von diesen in Konflikt- und Spannungssituationen sehr häufig mit dem Kind wieder reaktiviert und in Szene gesetzt wer­den. In solchen Situationen kommt es zu einer Wieder­holung von selbst erlebten Traumaerfahrungen mit dem eigenen Kind, so dass Gewalterfahrungen über Genera­tionen weitergegeben werden. Eine primäre Prävention für eine gesunde Eltern-Kind-Entwicklung sollte daher solche Teufelskreise der Gewalt durchbrechen oder erst gar nicht entstehen lassen. Auf dem Hintergrund dieser Überlegung wurde von uns das Präventionsprogramm „SAFE - Sichere Ausbildung für Eltern" (www. safe-programm.de) konzipiert. In einem weiteren Präventi­onsprogramm erlernen Kindergarten- und Grundschul­kinder Empathie durch die feinfühlige, angeleitete Be­obachtung der Interaktion zwischen der Mutter und ih­rem Säugling (www.base-babywatching.de).

Auszug aus dem Werk: Pädiatrische HNO-Heilkunde mit freundlicher Genehmigung des Elsevier Verlags